anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 27. Januar 2019
Wie die Liebe gelingt
Von Siria hatte ich den Link zu einer Sendung bekommen, die heute morgen im ZDF lief (und jetzt auch noch in der Mediathek verfügbar ist) und in der es um die Frage ging, wie Liebe gelingt.

Ich finde einerseits das Thema ausgesprochen spannend, weil es so viele verschiedene Ansätze gibt, da etwas zu erklären, letztlich aber jeder für sich selber sein eigenes Geheimrezept finden muss, wie es für ihn grade richtig und stimmig funktioniert und weil ich gleichzeitig über eine sehr ähnliche Fragestellung häufig nachdenke, nämlich "weshalb fühlt sich meine Beziehung zu meinem Westfalenmann so richtig und so endgültig an?".

Bei der Beantwortung meiner eigenen Frage hat mich der Beitrag heute morgen einen großen Schritt weiter gebracht, es war Sirias Mann, der sagte, die Beziehung hätte vor allem deshalb alle Krisen überdauert, weil sie alternativlos war.

Ich weiß nicht, wie er es gemeint hat, aber ich hatte plötzlich für mich das Gefühl, dass es genau dieses Wort ist, was meine eigene Beziehung ganz wunderbar beschreibt.
Ich denke, mein Westfalenmann ist für mich auch alternativlos - was ich aber vor allem deshalb weiß, weil ich verschiedene Alternativen vorher schon durchprobiert habe und bei dieser Beziehung jetzt ziemlich sicher bin: es gibt keinen anderen Menschen, der so viele Bedürfnisse in meinem Leben so gut abdeckt, wie das bei meinem Westfalenmann gelingt.

Klar hat er Macken und natürlich ärgere ich mich ab und zu oder auch regelmäßig über dieses oder jenes und manchmal ärgere ich mich auch gewaltig, aber um fair zu sein, sollte ich daneben auch vergleichen, was ich als Ausgleich für den Ärger bekomme. Und das ist eine ganze Menge.
Das wichtigste, was ich wohl gar nicht hoch genug bewerten kann, ist die Tatsache, dass er mich mag, und zwar ziemlich vorbehaltlos. Und weil er mich mag, erträgt er umgekehrt auch alle meine Macken (und so schwer es mir fällt, es zuzugeben, aber weniger als er habe ich sicher nicht zu bieten, so mackenmäßig, ziemlich sicher eher im Gegenteil).

Außerdem profitiere ich ungemein von seiner Ausgeglichenheit. Ich nenne es Westfale, aber tatsächlich ist seine schon fast stoische Ausgeglichenheit und Ruhe eine echte Besonderheit und macht ihn damit zu einem ganz besonderen Menschen. Als Gegenpart zu meiner eher flippigen Spleenigkeit, die durchaus auch schon mal in hysterischen Anstellereien gipfeln kann, ist seine Ruhe einfach Gold wert.
Fasziniert bin ich von seinem fast unverrückbaren Selbstvertrauen, dass sich in Sätzen äußert wie: "Ach, das ist doch einfach." - egal wie komplex das Problem ist und von seiner Ruhe, wenn es hektisch wird. "Da wollen wir mal sehen, ist doch bestimmt ganz einfach." Ich drehe grade 17fach am Rad und er macht einfach.
Dabei setzt er seine Methoden oder Lösungen nicht mit aller Macht durch, sondern bietet sie nur an, und das immer wieder, geduldig, ausdauernd und ohne schlechte Laune. Wenn ich eine eigene Lösung gefunden habe, akzeptiert er die gleichzeitig ohne Probleme, meinen Standardspruch: "Ich kann das alles alleine." lässt er meist unkommentiert im Raum stehen und wartet geduldig ab, wie alleine ich es wirklich schaffe.
Diese Offenheit, meine Lösungen dabei komplett auf Augenhöhe zu akzeptieren, ja sogar regelmäßig nachzufragen, ob mir noch etwas einfällt, was besser funktioniert, macht ihn damit zu einem Traumpartner für eine Frau, die sich ungern etwas sagen lässt und empfindlich auf Bevormundung reagiert.

Kurz: er ist alternativlos. Und zwar deshalb, weil er das perfekte Gegenstück zu mir und meinen Macken ist.
Ich glaube nicht an Kompromisse, schon gar nicht in einer Beziehung. Vielleicht bin auch nur ich kein Typ für Kompromisse, das weiß ich nicht, aber aus meiner Sicht ist ein Kompromiss immer ein Verlust für beide Seiten - und viele kleine Kompromisse in einer Beziehung addieren sich eben irgendwann auch zu einem großen Verlust auf.
Ich lehne Kompromisse deshalb ab - entweder es geht, oder es geht nicht, wie so Legoklötze: Sie passen, oder sie passen nicht. Mit einem Seil zusammenbinden, weil das ein Kompromiss ist, wenn die Klötzchen nicht von alleine einklinken - ne, müssen wir gar nicht erst drüber reden.
Mit meinem Westfalenmann muss ich keine Kompromisse machen, kein anderer Mann, kein anderes Bierkeine andere Lösung. Alternativlos eben.

Dazu kommen natürlich noch seine weiteren positiven Eigenschaften, die dazu führen, dass es keinen Menschen auf der Welt gibt, mit dem ich lieber zusammen bin, weil ich mit ihm all die Dinge tun kann, die mir besonders viel Spaß machen.
Er ist für jeden Blödsinn offen, er macht wirklich jede noch so verrückte Idee mit und findet es auch noch lustig.
Er ist aber auch für jedes Thema offen, über das ich gerne reden möchte und findet es interessant, wenn ich Themen anschneide, über die er noch nie nachgedacht hat, statt sich entnervt in eine ruhige Ecke zu flüchten.
Er ist überhaupt für alle neuen Dinge offen, er probiert einfach alles aus und findet das meiste gut, was ich vorschlage.
Wir haben einen sehr ähnlichen Humor, ich glaube, ich habe noch mit keinem Menschen schon so viel gekichert wie mit ihm.
Wir haben in wichtigen Dingen dieselben Werte - er mag auch keinen Sport, interessiert sich nicht für Religion und seine Musik hört er klaglos mit Kopfhörer.
Er macht mein Pendelleben mit und behauptet, es gefällt ihm genau so.
Er unterstützt alle Menschen, um die ich mich kümmere, als wären es seine eigenen Menschen.
Er mag fast alles, was ich koche und gibt sich viel Mühe, aktiv im Haushalt mitanzupacken. (Das mag sich jetzt selbstverständlich anhören - aber man muss bedenken: Ich kann immer alles alleine und es handelt sich schließlich an beiden Orten rein formal um meine Haushalte.)
Ich kann mich absolut blind und bedingungslos auf ihn verlassen.

All diese zusätzlichen Eigenschaften machen ihn natürlich zusätzlich zu genau dem Menschen, mit dem ich bis ans Ende meiner Tage zusammen sein möchte und auch deswegen ist alternativlos für mich genau das richtige Wort: Ich halte es für völlig ausgeschlossen, dass es jemanden geben könnte, mit dem ich auf Dauer zufriedener und glücklicher leben könnte als mit genau diesem Westfalenmann, mit dem ich inzwischen seit so vielen Jahren mein Leben teile und von dieser Zeit nicht eine einzige Minute bereue oder auch nur einen einzigen Wimpernschlag anders machen würde.
Ich würde alles wieder exakt genau so machen.
Yes, I did it again.

Wir hatten aber auch Glück, denn es haben sich ein paar Dinge nur durch Zufall so ergeben und wenn das Leben da anders verlaufen wäre, dann wäre unser gemeinsames Leben heute ein komplett anderes, oder anders ausgedrückt: ich glaube nicht, dass wir noch ein gemeinsames Leben hätten.
Denn wir haben uns die ersten zwanzig Jahre gemeinsam erspart.
Wir haben uns erst kennengelernt, als wir beide schon reichlich Federn gelassen hatten in der komplizierten Lebenszeit zwischen 25-45.
Wir mussten uns deshalb nie wegen der Kinder arrangieren, wir mussten keine gemeinsame Organisation aufbauen und vor allem mussten wir uns nie gegenseitig böse sein, weil das Leben so viel Einsatz von einem verlangte, dass man es kaum schaffte, selber klarzukommen und deshalb keine Kapazitäten mehr hatte, den anderen auch noch zu unterstützen - in meinen Augen der Klassiker, der viele Beziehungen zermürbt.

Als wir uns kennenlernten, waren wir von all diesen Lebensproblemen schon längst geerdet worden, unsere Erwartungen an den anderen waren quasi nicht vorhanden (außer: gemeinsam Spaß haben, das ist prima), die Verantwortungsbereiche waren klar abgegrenzt und alles, was man für den anderen tat, tat man freiwillig und als "add on".
Es ist halt etwas anderes, wenn sich der neue Partner um die Kinder kümmert als wenn der Kindsvater das tut. Das Ergebnis mag das gleich sein - aber das Selbstverständlichkeitsgefühl ist ein anderes. Und so geht es mit vielen Dingen, die man "für den anderen" macht, sie werden einfach bewusster wahrgenommen.

In dem Film heute morgen ging es um die Frage, wie die Liebe auf Dauer gelingt und ich habe mir dieses eine Wort rausgepickt: "Alternativlos".
Ich finde es eine gute Beschreibung, denn alternativlos meint ja auch, dass man sich gar nicht erst um Alternativen bemüht, weil man innen drin ganz sicher weiß, dass es keine gibt. Nicht auf Dauer.
Eine Affäre mag für den einen eine Abwechslung sein, für den anderen ein Affront, aber in den seltensten Fällen ist sie eine Alternative.
Eine Affäre kann eine Beziehung zerstören, aber dann gab es auch eine Alternative, nämlich das gegenseitige Singleleben.

In meinem früheren Leben habe ich gewissermaßen immer auf dem Sprung gelebt, ich wusste, dass es noch eine bessere Alternative geben muss und habe nur geduldig gewartet, bis die Zeit reif war. Ich musste ja auch erst die Grundlagen vorbereiten. Und damit war ich erst mit Mitte vierzig fertig. Deshalb kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich eine zufriedene Beziehung über jeden Abschnitt meines Lebens hätte durchhalten können, zu sehr war ich auch zwischendurch mit mir selbst nicht einverstanden.

Aber wenn dann einmal alles bereitet ist und dann kommt er, der Richtige, dann ist er auch alternativlos.
Der oder keiner
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