anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 16. Dezember 2019
Warm gelaufen
Der Tag verlief heute etwas anders als geplant, weil ich ursprünglich vorhatte, spätestens so gegen 16h Feierabend zu machen, um mich erstens um das einzige Weihnachtsgeschenk, was mir noch fehlt, zu kümmern und um zweitens zu Hause endlich mal den wartenden Papierberg abzuarbeiten.

So kam es aber nicht, wegen unerwarteter Vorfälle im Büro bin ich doch erst nach 19h dort rausgekommen, dafür hatte ich für das fehlende Geschenk heute Vormittag eine Blitzeingebung, die ich sofort und spontan durch eine online Bestellung umsetzte und jetzt kann ich total entspannt behaupten, ich bin fertig, Weihnachten kann kommen.
Bis auf das allereinzigste Geschenk, was jetzt erst noch geliefert werden muss (und da wird es spannend, wann es ankommt, angekündigte Lieferzeit war 3-7 Tage, ich habe es also nach Borkum schicken lassen und hoffe jetzt sehr, dass es maximal 7+1 Tag dauert, denn mit Auslieferung am 24. müsste ich ja nur noch blitzschnell ein wenig buntes Papier drumwickeln und alles ist tutti, aber ob ich in letzter Sekunde wegen verlängerter Lieferzeit dann doch kreative Gutscheine stempeln muss, wird sich zeigen.) aber bis auf dieses einzige Geschenk ist alles andere fertig und sogar schon verpackt! (Man denke sich an dieser Stelle einen Tusch, weil ich zwar einerseits sehr erstaunt, gleichzeitig aber schon auch reichlich stolz bin, dass ich wirklich alles fertig habe.)

Also, das Schwierigste an dem letzten Geschenk war die Idee, aber dafür brauchte ich immerhin am Nachmittag keine gesonderte Inspiration mehr.

Dafür ist eine andere Sache im Büro eskaliert und ich habe am frühen Nachmittag ziemlich fassungslos auf eine E-Mail geschaut, die ich in so einem Ton von so einem Kollegen aus dem Mutterhaus noch nie bekommen habe.

Ich habe erst mal in Ruhe eine Tasse Tee getrunken, dann habe ich die Mail noch mal gelesen, daraufhin war ich noch empörter als nach dem ersten Lesen und habe die E-Mail an den Chef erster Ordnung zur Kenntnis weitergeleitet mit dem Hinweis, dass ich jetzt zehn Minuten atmen gehe und dann werde ich antworten - an alle und den Verteiler dabei gleich noch großzügig erweitern.

Zwei Minuten später hatte ich den Chef erster Ordnung bei mir im Zimmer stehen, mit der Anweisung, dass er meine Antwortmail erst lesen will, bevor ich sie in den großen Verteiler gebe.
Dann meinte er, das Beste wäre, auf so eine E-Mail gar nicht zu reagieren, aber dafür war es zu spät, ich nahm die Aufforderung zum Streit längst persönlich.

In der E-Mail wurde ich zusammen mit einer weiteren Person, die überhaupt nicht in unserem Konzern arbeitet und die sich nur aus reiner, freundlicher Hilfsbereitschaft überhaupt bereit erklärt hatte, bei einem Thema "selbstverständlich" unterstützend mitzuwirken, dieser Mensch und ich, wir wurden in sehr harschem Ton mit Großbuchstaben und "letztmalig" aufgefordert jetzt unverzüglich unsere Arbeit zu erledigen und gemeinsam eine Datei zu fertigen, für die der reizende Absender dieser Zeilen de facto höchstpersönlich und selber zuständig ist.

Ich hatte bis zu dieser Mail eigentlich darauf gewartet, ausführlich belobigt zu werden für meine großzügige und uneigennützige Unterstützung bei diesem Projekt, denn eigentlich hatte ich die gewünschte Datei bis auf wenige, letzte Zahlen, die ich nicht kannte, die aber der Absender der Mail kannte und über die er mich jetzt erst mit einer pdf im Anhang informierte, diese Datei hatte ich also schon komplett fertiggestellt, obwohl so etwas ganz klar nicht meine Aufgabe ist. Alles, was fehlte, war, ein paar geschätzte Zahlen gegen konkretere Zahlen auszutauschen, wahrlich kein Hexenwerk, wenn man in der Lage ist, bestimmte Auswertung sinnentnehmend zu lesen und weiß, wie man eine Excel-Tabelle bedient.

Aber genau daran schien es bei dem Absender dieser E-Mail zu fehlen, er beging zusätzlich den Fehler, statt ganz freundlich bittebitte zu machen, grob zu werden und Großbuchstaben und Wörter wie letztmalige Aufforderung und ähnliches zu benutzen.

Das ist unklug, wenn man von mir etwas möchte.

Das wäre sogar unklug, wenn man von mir etwas möchte, für das ich tatsächlich zuständig bin, denn bei so einer Ansprache schalte ich ganz automatisch auf stur, egal ob es um meine Aufgabe geht oder nicht, letztmalige Aufforderung mit unverzüglich abliefern funktioniert bei mir nie, sondern bewirkt immer das Gegenteil.

Wenn ich dagegen noch nicht mal zuständig bin, sondern der Mensch selber, der meint, es wäre angemessen, solche E-Mails zu verschicken, dann hat der arme Kerl sehr schnell ein sehr großes Problem.

Ich formulierte also eine Antwortmail, schickte sie an den Chef erster Ordnung und wartete auf Freigabe.
Während ich wartete schellte mein Telefon und der andere Mensch, der, der gar nicht bei uns im Konzern arbeitet, war dran und konnte vor Empörung kaum sprechen.
Er erzählte mir, er hätte eben mit dem Absender dieser E-Mail telefoniert und dabei wäre es sehr laut geworden, so dass der E-Mail Absender einfach aufgelegt hätte und er wüsste jetzt auch nicht, was er dazu sagen solle. Sowas wäre ihm ja nun noch nie passiert.

Wir bestätigten uns gegenseitig, dass wir beide gemeinsam komplett gleicher Meinung seien, dass wir uns beide gegenseitig sehr schätzen würden und jeweils viel von der Arbeit des anderen hielten und so ein Truppenzusammenschluss, der gibt ja dann noch mal extra Oberwasser.

Während wir telefonierten pingte mein E-Mail Postfach, kurz danach stand der Chef erster Ordnung wieder im Türrahmen, zeigte mir nur einen Daumen hoch und sagte "Feuer frei!" Er hatte an meiner E-Mail nur den allerersten Einleitungsatz geändert, der gesamte restliche Text war unverändert geblieben und wenn man weiß, dass so ein Chef erster Ordnung in allererster Linie auch stets der höheren Diplomatie verpflichtet ist, dann kann man aus der Tatsache, dass er meinen Text tatsächlich unverändert freigegeben hat, sehr leicht ermessen, dass der Mailschreiber es wohl tatsächlich ein wenig übertrieben hat, mit der Unverschämtheit.

Weil ich den anderen Menschen immer noch am Telefon hatte, las ich ihm gleich mal die freigegebene Mail vor, die ich in wenigen Minuten an alle verschicken würde und er jubelte laut auf und sagte immer nur "Ja! Ja! Genau so. Das ist die perfekte Antwort. Das ist toll, das hat er auch nicht besser verdient."

Ich verschickte also die E-Mail mit erweitertem Verteiler, diesmal auch gleich an die oberste Konzernleitung persönlich, weil, wennschon dennschon.

Es dauerte danach exakt 10 Sekunden, dann hatte ich den ursprünglichen Mailschreiber am Telefon, der sich äußerst irritiert zeigte und allen Ernstes meinte, er wisse nicht, wie er diese Mail verstehen solle.

Das wiederum irritierte mich, denn ich konnte mir gar nicht vorstellen, was man an dem Satz: "Selbstverständlich mache ich das nicht, machen Sie das gefälligst selber, es ist schließlich Ihre Arbeit" nicht verstehen kann.

Aber dieser Mailschreiber bestand tatsächlich darauf, dass er das anders sieht und dass ich für ihn die Zahlen abtippen soll, weil er fand, es sei eben nicht seine Aufgabe.
Damit waren dann bei mir endgültig alle Höflichkeits- und Diplomatievorschriften außer Betrieb und ich habe ihm in sehr deutlichen Worten gesagt, was ich von ihm halte und das Wunderbare war, dass der Typ sich ausführlich und hartnäckig wehrte und mir damit eine Vorlage nach der anderen lieferte.
Er war wie so eine Ballmaschine, die einem die Bälle hintereinanderweg zum Schmettern genau auf die Vorhand spuckt und ich konnte gar nicht mehr aufhören, ihm einen Spruch nach dem anderen reinzudrücken. Endlich mal jemand, der mir Wortgewalt nicht vorwarf, sondern sich auf das Match einließ.
Mag sein, dass der Kampf unfair war, weil er wirklich an keiner Stelle auf Augenhöhe stattfand, aber ich hatte nicht angefangen und wenn der andere nicht aufgibt, sondern immer mehr nach Schlägen jammert, nun denn, dann nutze ich die Gelegenheit, mich mal richtig auszutoben.

Und das tat ich.

Bei offener Bürotür, die hatte der Chef erster Ordnung offengelassen, als er kurz reinschaute und das Feuer freigab.
Als ich auflegte, beschwerte sich die Kollegin vom Büro gegenüber, dass sie dazu nun wirklich gerne noch Popcorn gehabt hätte - und eine Stunde später war es im gesamten Büro rum. Alle Kollegen liefen mit einem breiten Grinsen voller Schadenfreude durchs Büro, ist halt immer schön, wenn man mitbekommt, wie jemand anderes von den Löwen zerfleischt wurde, während man selber sogar Tür an Tür mit den Ungeheuern wohnt, aber bis heute gut überlebt hat.

Nach diesem Telefonat hatte ich eine zweistündige Besprechung mit der laufenden Betriebsprüfung vom Finanzamt. Ergebnis: Es gibt bisher keine Beanstandungen und es ist alles okay. - Geht doch, ich muss nur erst mal auf Betriebstemperatur kommen
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