anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 1. Januar 2020
Neujahr und Familienbesuch
Der Versuch, irgendeinen schmissigen Neujahrsspruch in den Sand zu ritzen, um das Foto davon dann an Freunde als Gruß zum neuen Jahr zu verschicken, war nur ein halbherziger, zugegeben, denn es scheiterte schon daran, dass mir kein Spruch einfiel.

Außerdem fehlte die Sonne für ein schönes Foto und insgesamt gefiel mir das alles dann in Gänze nicht mehr, vielleicht auch, weil die Gesamtidee so abgegriffen ist, dass ich mich kurz nachdem ich da im Sand rumgemalt hatte, schon vor mir selber schämte. Wie peinlich so ein Foto, wie so ein alberner Urlauber, der dem Rest der Welt mitteilen will, dass er grade am Meer ist.
Wir streichen das also, von mir gibt es dieses Jahr, wie schon die letzten 20 Jahre davor, keine Neujahrsgrüße, an niemanden.

Dafür habe ich mich dieses Jahr wieder an eine alte Tradition erinnert, die ich früher schon sehr oft an Silvester praktiziert habe: Ich verschlafe das Spektakel einfach.
Es wäre mir auch fast zu 100% geglückt, wenn K mich nicht Punkt Mitternacht mit einem Glas Champagner geweckt hätte, weil er annahm, dass ich doch wenigstens mit ihm anstoßen wolle.
Ich habe auch ernsthaft versucht, den Champagner zu trinken, immerhin hatte ich tatsächlich extra eine Flasche echten Champagner gekauft, aber erstens war ich insgesamt viel zu verschlafen und zweitens habe ich das Champagnertrinken wohl genauso hinter mir gelassen wie das Rauchen, es schmeckte scheußlich.*
Deshalb habe ich K das Glas nach einem ganz wönzigen Schluck wieder zurückgegeben, habe mich umgedreht - und bin wieder eingeschlafen. Acht Minuten hat das Intermezzo gedauert und ich bin sehr froh, dass ich tatsächlich sofort wieder eingeschlafen bin, denn in diesen acht Minuten habe ich schon gemerkt, wie sehr ich mich über das Geknalle und Geböller, das grade draußen abging, aufrege.

*Ich habe ja sowohl das Rotwein- als auch das Sekt- und Champagnertrinken mal ganz richtig gelernt, also Sorten rausschmecken und unterscheiden, schließlich war ich lange genug mit einem ausgewiesenen Weinkenner und Hobbysommelier zusammen, aber vielleicht kann ich genau deshalb heute auch so entspannt feststellen, was mir alles nicht (mehr) schmeckt, zumindest nicht für 40€ die Flasche.



Da ich mir vor drei Monaten so ein Datensammelarmband gekauft habe, um genau das zu tun, was es tut, nämlich den Schlaf aufzeichnen, weil ich mir einen Überblick verschaffen wollte, wie viel, wie gut und von wann bis wann ich wirklich schlafe, kann ich heute also ganz problemlos demonstrieren: Ich war wirklich nur genau diese acht Minuten wach und habe ansonsten ganz hervorragend und vor allem lange geschlafen.
Von mir aus könnte täglich Silvester sein.

Wenn das mit dem Feuerwerk nicht wäre.
Ich meine, ich habe es komplett verschlafen, insofern hat es mich nur indirekt gestört, aber wenn ich mir den Dreck auf der Straße angucke und die Berichte in den Medien, dann ergreift mich doch eine ziemliche Wut. Warum machen Menschen das? Und warum machen sie es hier auf der Insel?
Das Schlimme sind ja nicht nur die, die knallen, mindestens so schlimm sind ja auch die passiven Mitläufer und Zuschauer. Ich habe heute Fotos vom großen Feuerwerk am Hauptstrand gesehen, das die Kurverwaltung ganz offiziell veranstaltet und es war auf der Promenade womöglich noch voller als im Vorjahr. Ich habe ja regelmäßig Sorge, dass eines Tages die Insel kentert, weil alle Zuschauer an einer Stelle stehen, aber solange alle diese Zuschauer auch alle bei diesem Spektakel zuschauen, wird es immer genug Leute geben, die das als ausreichende Rechtfertigung empfinden, so ein Feuerwerk durchzuführen.
Von denen, die privat Böller kaufen und damit rumknallen möchte ich gar nicht erst reden, aber ich habe wirklich überhaupt Null Verständnis dafür, dass dieser Schwachsinn hier auf der Insel erlaubt ist, wenn ich mir ansehe, was gleichzeitig an anderen Verboten und Vorschriften auf genau dieser Insel alles existiert und Dinge vorschreibt oder verbietet, wo man sich auch oft nur fragt: Warum?

Am Nachmittag war die Mutter zum Tee zu Besuch und beschwerte sich nachdrücklich über meine Formulierung in meinem Jahresrückblick: Selbstverständlich hat ihr der Bruder gar nichts verboten, das ließe sie sich auch nie gefallen.
Nun, ich habe es geändert und ich gebe zu, es war durchaus bösartig von mir, so etwas zu behaupten, denn ganz sicher weiß ich nur, dass der Bruder der Schwester verboten hat, mir von dieser Wohnung zu erzählen. Einem Verbot, dem sie sich nur soweit beugte, dass sie durch "nicht weitersagen" ja nicht gezwungen war, mich anzulügen, das wurde erst ein Problem, als ich sie gezielt danach fragte, da gab sie zu, dass sie schon lange von der Wohnung wusste, es mir aber genau wegen dieser brüderlichen Auflage nicht erzählen durfte.

Ich für meinen Teil bleibe dabei, dass ich den Bruder seltsam finde. Was er mit dieser "aber auf keinen Fall AnJe erzählen" Verschwörung erreichen wollte, erschließt sich mir nicht, weil es sich ja offensichtlich doch nicht geheim halten lässt, er aber ohne jede Hemmungen die Schwester in eine für sie ausgesprochen unangenehme Situation bringt. Die steht komplett zwischen den Stühlen und hat das Gefühl, dass sie nur alles falsch machen kann. Netter Zug von ihm.

Nun ja, so muss denn jeder selber wissen, wo für ihn die wirklich wichtigen Grundsätze des Lebens liegen, je länger ich darüber nachdenke, um so zufriedener sollte ich sein, dass Menschen wie mein Bruder aktiv versuchen, mich aus ihrem Leben auszuschließen, es lebt sich ohne solche Verschwörungsfanatiker im Zweifel deutlich entspannter
.

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