anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 23. Januar 2020
Zeiteinsatz und Wichtigkeit
Meine Bürotätigkeiten bewegten sich heute zwischen finanziellen Wichtigkeiten, die vor allem durch ihre größere Spannweite auffielen.

In einem Fall ging es darum, dass das Finanzamt eine berichtigte Steueranmeldung nicht beachtet hat und statt des niedrigeren, berichtigten Betrages fälschlicherweise den höheren, ursprünglich angemeldeten Betrag abgebucht hat, die Differenz beträgt immerhin 1.200 € und normalerweise würde man sagen, wir haben hier einen klaren Erstattungsanspruch, nur leider ist das ganze ein Vorgang aus März 2015, der erst jetzt aufgefallen und damit auf meinem Schreibtisch gelandet ist. Und weil das so lange her ist, ist das alles gar nicht mehr so einfach. Ich habe mich heute fast zwei Stunden damit beschäftigt. Einen Großteil der Zeit brauchte ich für die Sachverhaltsaufklärung. Es ist faszinierend, was Mitarbeiter alles vertuschen und wenn, dann erst auf nachhaltiges, bohrendes Befragen erklären, wobei es ihnen ausschließlich wichtig ist, klarzustellen, dass sie persönlich auf jeden gar keine Schuld haben, es war immer jemand anderes, der schlampig gearbeitet hat und genau dieser andere hat auch wieder eine Erklärung, dass es nochmal jemand anderes war und beim Dritten schließlich schließt sich der Schuldzuweisungskreis und wir sind wieder beim Ersten und in einer Excel-Tabelle nennt man so etwas Zirkelbezug und es kommt insgesamt ein erratisches Ergebnis raus. So ungefähr war das hier auch.
Nachdem ich intern den Sachverhalt so weit aufgeklärt hatte, dass ich wenigstens theoretisch verstanden hatte, was passiert war, habe ich beim Finanzamt angerufen. Das Finanzamt konnte ich leider telefonisch nicht davon überzeugen, dass sie die Differenz einfach erstatten, ich soll das jetzt ausführlich schriftlich darstellen und beantragen, dass sich beim Finanzamt da jemand mit beschäftigt und dann wird man mal sehen. - Wir behalten als Hintergrundinformation: Es geht um 1.200€.

In dem zweiten Fall, mit dem ich mich dann direkt im Anschluss beschäftigte, ging es um 50 Millionen. Hier habe ich ein fünfminütiges Telefonat geführt, mir bescheinigen lassen, dass ich ja erstaunlich entspannt wäre für die Größenordnung, dass sie aber mein geplantes Vorgehen, dass ich kurz skizzierte, sehr gut finden und jetzt ein gutes Gefühl hätten, dass das alles erfolgreich laufen wird.

Anschließend bin ich zu einer Bank gefahren, mit der wir nur sehr wenig Geschäfte machen und deren Vermögensverwaltung von mir vor allem als schlechtes Beispiel benutzt wird, weil es ja immer angenehm ist, Vergleichsmaßstäbe zu haben, die leicht zu übertreffen sind. Aber auch bei nur wenig Geschäft gibt es ja grundsätzlich das "Jahresauftaktgespräch" und diese Bank ist natürlich vor allem bestrebt, das Geschäft mit uns auszuweiten, weshalb sie heute zu diesem Gespräch einen größeren Teil der eigenen Bankprominenz dazugeholt hatten - und ich hatte drei Stunden lang die problematische Aufgabe, den anwesenden Herren (und der einen Dame, aber Bankgeschäfte sind nach wie vor zu 90% Männersache) diplomatisch klarzumachen, dass ich zwar ihre Ideen und Vorschläge alle ganz toll finde, aber leider, leider auch dieses Mal nichts Passendes dabei ist.
Gegenstandswert des dreistündigen Gesprächs: Nicht zu beziffern, es ging vor allem darum, die Leute nicht zu verärgern, denn man weiß ja nie, wofür man sie vielleicht doch mal braucht.

Als ich den Tag heute dann vorhin noch mal Revue passieren ließ, fand ich es vor allem bemerkenswert, dass die wirklich großen und wichtigen Dinge rein zeitlich den allerwenigstens Teil in Anspruch nahmen, während ich mit dem unwichtigen Krimskrams den Großteil des Tages vertrödelt habe.

Und jetzt überlege ich, ob man das auch verallgemeinernd auf da gesamte Leben übertragen kann
?

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