anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 20. November 2019
Besuch beim Vater
Nach viereinhalb Wochen Pause habe ich heute also endlich den Vater wieder besucht, diesmal ganz alleine und mit "extra nur dafür nach Leer gefahren", weshalb der Besuch auch deutlich länger dauerte als sonst, es musste sich ja lohnen.
Der Vater hatte auch viel Rede- und Erzählbedürfnis, wobei ich für all seinen Informationsbedarf im Grunde (schon immer) der falsche Ansprechpartner bin - ich weiß die meisten Sachen einfach gar nicht, weil ich selber niemanden danach frage.
Er interessiert sich natürlich vorrangig für seine Verwandtschaft und das heißt, er möchte wissen, wie es seinen Enkeln geht, was die so machen usw. - und ich kann eigentlich immer nur berichten: "Ich gehe davon aus, es geht ihnen gut, sonst hätte ich bestimmt was gehört."
Bei diesen Gesprächen bekomme ich immer ein latent schlechtes Gewissen, weil mir dabei natürlich auffällt, wie wenig ich mich um meine Kinder kümmere.

Okay, ich kümmere mich tatsächlich um keinen einzigen Menschen auf der Welt aktiv von mir aus, weil ich im Grunde genug damit zu tun habe, mich um all die Dinge zu kümmern, die andere Menschen von sich aus an mich herantragen und so halte ich es halt auch mit den Kindern. Wenn sie mich brauchen, egal wofür, werden sie sich schon melden, wenn sie sich nicht melden, brauchen sie mich nicht und dann werde ich ihnen ganz bestimmt nicht stalkermäßig auf die Nerven gehen.
Ich finde nichts schrecklicher als Eltern, die extrem übergriffig alles aus dem Leben ihrer Kinder* wissen wollen (und dann zu allem natürlich auch eine Meinung haben), weil sie sich damit ja nur selber ins Abseits schießen, denn natürlich fühlen sich die Kinder irgendwann bedrängt, weichen den Eltern aus und erzählen gar nichts mehr.
*Ich meine hier natürlich große Kinder, bei den Vierjährigen habe ich auch noch ab und zu gefragt: "Na, wie war's im Kindergarten." - Habe aber damals schon gelernt, dass ich im Zweifel ein "Gut" als abschließende Antwort akzeptieren muss, denn auch vierjährige haben schon ein Recht auf Privatsphäre.

Und wenn ich bei meinen eigenen Kindern schon nicht weiß, was es konkret Neues gibt aus ihrem Leben, weiß ich das natürlich erst recht nicht aus dem Leben der restlichen Verwandtschaft.
Ich weiß eigentlich noch nicht mal was aus dem Leben meiner Schwester - und zu der habe ich tatsächlich sogar einen sehr guten Kontakt.
Denn ich wüsste jetzt gar nicht, was man jemand anderem darüber erzählt? "Sie lebt noch." - ich finde immer, das reicht als Info.
Was sonst sollte ich ihm berichten? Dass sie sich letzte Woche die Handcreme bei Aldi gekauft hat, die aber nicht so gut findet wie die von Lidl - oder was?
Das sind nämlich die Themen, über die wir uns unterhalten und ich persönlich finde Infos über Handcremes samt persönlicher Testbewertung durchaus interessant, kann mir aber vorstellen, dass das den Vater wiederum nicht interessiert. Schwierige Situation.

Von den Kindern der Schwester weiß ich dann tatsächlich so gut wie gar nichts, wir (die Schwester und ich) klammern das Thema in unseren Gesprächen meist aus, weil wir als Mütter so grundverschieden sind wie es nur geht - und bevor man sich gegenseitig ein schlechtes Gefühl vermittelt, weil man nicht versteht, wie der jeweils andere so einen Umgang mit seinen Kindern akzeptieren kann, reden wir eben nicht drüber - und erhalten die Stimmung.
Führt aber dazu, dass ich von ihren Kindern tatsächlich so gut wie nix weiß.
Ihre Kinder sind alle Sportfreaks - und ich finde Sport eine unendlich langweilige Beschäftigung. Selbst wenn sie mir erzählt, wann welches Kind in welcher Sportart wo welche Meisterschaft gewonnen hat, habe ich es im selben Moment schon wieder vergessen, weil ich mir ja noch nicht mal merken kann, ob der Kleine nun Fußball und der Mittlere Basketball spielt oder umgekehrt. Die machen halt irgendwas mit Ball, kann auch Tennis sein.

Dass alle Kinder in der Schule gute Noten schreiben, ist eine derart langweilige Selbstverständlichkeit, dass ich es wirklich nicht erwähnenswert finde, ich glaube, in unserer gesamten Familie hat noch nie jemand keine guten Noten geschrieben (außer J mal eine Zeitlang, weil er schlicht gar nichts schrieb, und wenn ein Kind leere Zettel abgibt, macht er zwar wenig Fehler, kann aber trotzdem keine gute Note erwarten.)
Ein Kind, was im Schnitt nur zwischen 2 bis 3 steht, wäre eine Sensation, möchte man aber auch nicht drüber reden, weil es halt eine peinliche Sensation wäre - und deshalb kommt das gesamte Thema Kinder in der Regel zwischen meiner Schwester und mir nicht vor.
Und was gibt es sonst schon zu erzählen über die Kinder? Ich weiß halt nix.

Die Kinder meines Bruders kenne ich sogar gar nicht, weil ich zu meinem Bruder seit über elf Jahren keinen Kontakt mehr habe und er erst danach begonnen hat, Kinder herzustellen. Er hat sich für eine Art Leben entschieden, das so gründlich anders ist als meines, dass ich das respektiere und ihm deshalb höflich aus dem Weg gehe. Wenn die grundlegenden, ethischen Werte nicht vereinbar sind, dann ist ein Umgang schwierig, aber zum Glück gibt es ja auch keinen Grund sich zu mögen, nur weil man zufällig verwandt ist.
Das heißt aber natürlich auch, dass im Zweifel mein Vater mehr weiß über diesen Teil der Familie als ich, immerhin hat mein Bruder seine Ehefrau genötigt, ihrem Schwiegervater zum Geburtstag einen Brief zu schreiben, den er dann selber auch unterschrieb (da wird noch das klassische Familienbild gelebt, für solchen Kram ist die Frau zuständig, der Mann macht dafür die großen, wichtigen Dinge des Lebens, ich glaube, damit habe ich auch ausreichend erklärt, weshalb unsere ethischen Grundsätzen komplett konträr sind.).

Aber irgendwie gelang es uns dann doch drei Stunden mit Unterhaltung zu füllen, ich bin jetzt sehr zufrieden, dass ich hier meine gefühlte Zuständigkeit für die nächste Zeit auch erst mal wieder als erledigt betrachten kann.

Die Autofahrt war eine sehr nebelige Veranstaltung - auf der Hinfahrt konnte ich streckenweise keine 10m weit sehen und fand mich todesmutig, dass ich trotz dieser miserablen Sicht noch mit 80km/h über die Autobahn gebrettert bin. Wenn ich dann allerdings auf der linken Spur von Autos** überholt werde, die nur so vorbeiwuschen, (also definitiv mehr als doppelt so schnell sind wie ich), dann wünsche ich mir ja schon sehr so eine Zauberpistole, die den rasenden Idioten das Auto einfach ausschaltet, weil ich es komplett verantwortungslos finde, solche Menschen weiter Auto fahren zu lassen.
**Das sind übrigens ganz oft Sprinter, die mit einer Höllengeschwindigkeit überholen. Wenn ich König von Deutschland wär, würde ich alle Sprinter bei 80km/h drosseln.

Wirklich gestört hart es mich aber nicht, dass ich so lange unterwegs war, ich habe ganz viele Podcasts gehört, einige mit bemerkenswerten Denkanstößen, da komme ich sicher noch mal drauf zurück
.

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