anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 15. November 2019
Freitag mit Rückblick
Schon Freitag, da guck.
Rückwirkend geht so eine Woche ja immer erstaunlich schnell vorbei und obwohl diese Woche im Vergleich zur letzten deutlich weniger vollgepackt war, bin ich doch rechtschaffen freitags-k.o.
Und wenn ich k.o. bin, neige ich zum Jammern.

Ich meine, ich jammere sowieso gerne, weil ich mir beim Jammern ja sehr schnell selber sehr albern vorkomme, denn während ich nach außen jammere, läuft vor meinem inneren Auge ein Film ab mit einer AnJe in schwarz-weiß, die mit mir spricht und mich fragt, ob ich eigentlich noch alle Tassen sortiert hätte? Weil, wenn jemand mal entsetzlich wenig Grund zum Jammern hat, dann ich. Mir geht es ja wohl gold, ich solle da mal an die armen Negerkinder denken und überhaupt, so weit muss ich gar nicht denken, selbst hier in Deutschland, direkt um mich herum, gibt es viele, viele Leute, denen es deutlich schlechter geht als mir. - Funktioniert absolut zuverlässig und auf Knopfdruck steuerbar, diese schwarz-weiße AnJe aus dem Off, so wie früher das schlechte Gewissen aus der Lenorwerbung.
Jetzt, wo ich die Werbung grade noch mal gegoogelt habe, stelle ich fest, dass das schlechte Gewissen in der Werbung gar nicht schwarz-weiß war, in meiner Werbe-Erinnerung allerdings schon, was aber wohl an dem schwarz-weiß Fernseher lag, den meine Eltern früher hatten. Naja.

Während ich also gleichzeitig leise vor mich hin mimimie und mich dafür selber auslache, überlege ich, was mich diese Woche eigentlich besonders interessiert hat, was mir Spaß gemacht hat, was mich beeindruckt hat, was mich gefreut hat und worüber ich mich geärgert habe.

Als erstes fällt mir natürlich immer irgendwas ein, über das ich mich geärgert habe, ich scheine wirklich ein ausgesprochen negativer Mensch zu sein und sollte dringlichst an meiner Grundhaltung arbeiten. Ist aber grade kein guter Zeitpunkt, denn sonst würde ich mich ja noch mehr ärgern, dann auch noch über mich. Versuche ich das mit dem Ärgern also einfach zu ignorieren.

Gefreut habe ich mich heute über die Post.
Schon seit längerem gab es keine unerfreuliche Post mehr, im Gegenteil, auch wenn ich aktiv versuche mich an fiese Briefe zu erinnern (und s.o., eigentlich kann ich das ja gut), fällt mir hier grade nichts ein. Das lässt mich ja hoffen.
Nach CWs Tod, als der gesamte Rest der Welt meinte, dass dann ja wohl ich für das von CW so ruckartig hinterlassene Durcheinander verantwortlich sei und mich deshalb mit grässlicher Post gradezu flutete, entwickelte ich eine große Furcht vor dem Briefkasten. Die Monster, die in meiner Kindheit unter meinem Bett wohnten, waren in den Briefkasten umgezogen und es gab Tage, da bin ich nur hintenrum ins Haus gegangen und habe den vorderen Teil mitsamt Briefkasten aktiv ignoriert.
Und nun fällt mir auf, dass an der Briefkastenfront seit längerem schon Ruhe herrscht, im Gegenteil, ich bin wieder gespannt, was da für Post angekommen ist, wenn der Briefträger mal wieder einen Schwall* abgeliefert hat.

*Ich habe den Eindruck, dass der Briefträger hier nicht mehr täglich rumfährt, sondern nur noch alle paar Tage, weil ich schon seit längerem nur noch schwallartig Post bekomme. Entweder ein paar Tage gar nichts, oder gleich einen ganzen Haufen.

Heute war ganz viel Erfreuliches in der Post.
Das Landesamt schickt den Bescheid über den Grad der Behinderung für den Vater und sie haben dabei meinem Antrag vollumfänglich entsprochen. Auch wenn ich weiß, dass er recht sicher einen Anspruch auf diese 100% hat, die sie ihm jetzt bescheinigt haben, so ist es doch trotzdem schön, wenn man den Bescheid bekommt, ohne sich weiter darum streiten zu müssen. Und erfreulicherweise sogar rückwirkend ab 2018 (hatte ich auch beantragt und sie haben auch daran mitgedacht.) Jetzt kann ich dem Finanzamt schreiben, dass er nicht nur wie bisher 50% hat, sondern ab 2018 sogar 100%, gibt sofort Geld zurück. Das ist doch fein.

Außerdem hat das BaFöG-Amt die Verlängerung des Studienzeitraums von N genehmigt, auch hier berechtigterweise, aber wenn man so viel mit Behörden zu tun hat wie ich, dann freut man sich über jeden positiven Bescheid, den man nicht separat erkämpfen muss, doppelt.

Ein langerwartetes Notarschreiben war auch in der Post, wieder eine Angelegenheit, die nun abschließend geklärt ist. Es geht voran.

Dann habe ich darüber nachgedacht, was mich sehr interessiert oder beeindruckt hat - und da fiel mir als erstes, als zweites und auch als drittes immer wieder diese Podcastfolge von letzter Woche Donnerstag ein, wo Gabor Steingart mit Jakob Augstein spricht und ich so fasziniert war von diesem Gespräch, dass ich genau diese Folge jetzt schon dreimal gehört habe.
Das war wirklich ein toller Disput - ich glaube, hier ist dieses Wort mal angebracht. Zwei Männer, die klug argumentieren können, die beide gut mit Worten umgehen können und teilweise komplett gegensätzliche Meinungen haben, die sie ohne Verletzungen und Seitenhiebe unter die Gürtellinie offen nebeneinander gestellt haben. Grandios. Mich regt so etwas sehr zum Nachdenken an.

Und Spaß gemacht hat mir schließlich jeden Abend mein neuer Swopper. So ein lustiger Stuhl, ich sitze darauf, hüpfe wippend auf und ab - und freue mich wie ein Kind auf dem Spielplatz. Schade eigentlich, dass ich mit zwei Swoppern die Freude nicht einfach verdoppeln kann, sonst wüsste ich ja sofort, was ich als nächstes auf meiner Wunschliste hätte
.

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