anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 4. Februar 2020
Hausbesichtigung, Flodders und Coronafinanzen
Heute war der Besichtigungstermin für die Hauskaufinteressenten, es waren drei Gruppen und alle waren sehr nett.
Alle sagten, dass offen kommuniziert wurde, dass ich noch für fünf Jahre hier wohnen bleiben werde, das war für alle völlig okay, ich muss mir also wohl doch keine Sorgen machen.

Ich hatte zwar gestern sauber gemacht, aber natürlich reichte mein Ehrgeiz nur soweit, den echten Dreck zu kaschieren. Dass oben das eine Zimmer randvoll mit Wolle ist, das kann ich kurzfristig nicht vertuschen, war mir deshalb egal, ich habe aber vorgewarnt, dass es in dem Zimmer etwas speziell aussieht und dass ich das grade nicht ändern könne. Darauf antwortete eine der Besichtigungsfrauen, die wohl vorher schon das Nachbarhaus bei den Floddernachbarn beguckt hatte: "Hier ist es doch superordentlich, Sie sollten mal sehen, wie es da nebenan aussieht." Sie sagte es leise und nur zu mir, ich hatte aber viel Spaß an dieser Bemerkung. Sach ich doch - Floddernachbarn.

Ansonsten war die größte Leistung des heutigen Tages, dass es mir endlich, ENDLICH! gelang, diese blöde, vermaledeite Bilanz glattzuziehen, es passten nachher alle Zahlen und keine Kontrollsumme wies noch Fehler auf, das war ein ziemlicher Kraftakt, dementsprechend stolz war ich nachher, als tatsächlich alles passte.

Amüsiert habe ich mich die letzten Tage über dieses Coronavirus und seine Wirkung auf die Finanzmärkte.
Kann jetzt an meiner speziellen Filterbubble liegen, aber alle Meldungen, die ich zu diesem Virus gehört habe, waren randvoll mit Beruhigungen und entpannten Aussagen im Sinne von "es gab schon viel schlimmere Viren, das ist also alles kein echtes Problem". Ich habe keinen einzigen Menschen getroffen (weder virtuell noch sonstwo), der sich ernsthaft Sorgen machte, alle miteinander, darunter jede Menge Virologen, sagten, dass es super ist, dass die Chinesen so schnell und vor allem so rigoros durchgriffen und reagierten und dass sich auch deshalb das Virus mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu einer ernstzunehmenden Pandemie entwickeln wird - und trotzdem brachen die Finanzmärkte gründlich ein und ich konnte nicht nur an den Depots, die wir bei uns in der Vermögensverwaltung führen, gewaltige Wertschwankungen beobachten (da sind natürlich alle Depots in den sieben- bis achtstelligen Größenordnungen angesiedelt und jede kleinste Veränderung hat sofort große, absolute Folgen), sondern auch an meinem eigenen Depot konnte ich die Schwankungen live verfolgen, was ich mit großer Faszination tatsächlich sehr regelmäßig tat.

Ich habe ja den Erlös aus dem Fabrikverkauf in MG komplett in ein Aktiendepot gesteckt und da sich bei Aktien ständig die Werte verändern, ist es für mich zu einer festen Gewohnheit geworden, wenigstens einmal am Tag gucken zu gehen, wie sich die Bewertung dieses Vermögens nun schon wieder verändert hat.
Es geht rauf (und zum Glück ist es das letzte Jahr ja fast nur rauf gegangen, so dass ich mittlerweile einen ziemlich Wertzuwachspuffer habe, bevor ich mich aufregen muss), aber es geht halt auch mal wieder runter. Und in den letzten Tagen ging es gewaltig runter - seit heute Nachmittag geht es dafür mit derselben Geschwindigkeit wieder rauf.

In meinem Depot habe ich für 10% Einzeltitel, für rund 50% sogenannte ETFs und für rund 40% aktiv gemanagte Fonds. Da ich mich grundsätzlich schlecht entscheiden kann, habe ich einfach von jedem etwas genommen und im Moment beobachte ich mit großer Faszination, welche Fonds sich gut halten, welche fett abschmieren - und, und das ist das für mich allerfaszinierendste, dass die ETFs sich im direkten Vergleich zu den gemanagten Fonds deutlich schlechter bzw. schwankender verhalten. Das hätte ich in dieser deutlich sichtbaren Form auch nicht erwartet.
Insgesamt finde ich die Bewegungen auf dem Kapitalmarkt derzeit wirklich enorm spannend.

Ich habe für mich persönlich übrigens festgestellt, dass ich die Überraschung, wenn ich beim Blick auf mein Konto einen unerwarteten Geldeingang entdecke, der aus der Ausschüttung eines Fonds oder Aktiendividenden stammt, dass ich diese Überraschung ganz toll finde und seitdem so etwas häufiger vorkommt, ist der morgendliche Blick auf meine Finanzübersicht so ein bisschen wie Adventskalender aufmachen: man weiß nicht, was einen erwartet, rechnet aber mit etwas Positivem.
Und deshalb habe ich mir überlegt, dass ich bei den vorhandenen Aktien und Fonds mal checke, wann genau die ihre Ausschüttung auszahlen - und wenn es dazwischen noch kalendarische Lücken gibt, dann wähle ich die nächsten Fonds genau dazu passend aus, bzw. gezielt als Lückenfüller. Dann hat man jeden Monat eine Freude und nicht nur ganz viele im Mai und den Rest des Jahres ist tote Hose.

Ich finde, das ist auch eine gute Strategie - und da ich bei meiner persönlichen Geldanlage niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen muss, kann ich hier solche Sachen einfach mal entspannt ausprobieren
.

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