anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 29. April 2019
Apfel Ketchup und Morning Briefing
Ich habe ja schon auf Vorrat gejammert, dass ich noch nicht fertig war mit Urlaub machen und dass ich finde, die freie Zeit ging viel zu schnell vorbei, deshalb kann ich mir weitere Tiraden zu diesem Thema jetzt sparen. Mit Arbeit versaut man sich halt den Tag, aber nützt ja nix.

N wird ja die erste Stage seines praktischen Jahrs in der Uniklinik Münster absolvieren und deshalb von Mitte Mai bis September wieder in seinem alten Kinderzimmer wohnen, allerdings gibt er sein Zimmer in Hamburg komplett auf und jetzt muss der Hausstand, den er sich in den letzten sieben Jahren zusammengesammelt hat, irgendwie komplett in dieses Kinderzimmer gequetscht bzw. auf den Dachboden und im Keller eingelagert werden. Die erste Fuhre hat er am Wochenende schon gebracht, im Keller stapeln sich jetzt die größere Mengen an Winterreifen (J hat seine ja auch hier geparkt, weil es die Einlagerungsgebühr spart.) Und das Wohnzimmer sieht jetzt aus wie ein botanischer Garten, denn seine Pflanzen hat er auch gleich als erste aus dem untergehenden Zimmer in Hamburg evakuiert.

Herr Buddenbohm hatte vor einiger Zeit mal von einem Apfelketchup geschwärmt, was mich so beeindruckt hat, dass ich das auch unbedingt probieren wollte und deshalb meinem in Hamburg lebenden Sohn aufgetragen habe, dort mal hinzugehen und mir das Zeug zu kaufen.
N ist in so einem Feinkostladen immer gleich rettungslos verloren, es gibt dort so viel wunderhübschen Unsinn zu erwerben, da brechen bei ihm alle Einkaufsgene seines Vaters durch und es braucht viel Überredungskraft, ihn davon abzuhalten, nicht gleich von jedem Produkt "nur ein kleines Gläschen zum Probieren" mitzubringen, aber er hat natürlich neben dem bestellten Apfelketchup doch noch zwei bis fünf andere Teile mitgebracht, wobei ich das aber auch verstehen kann, diese handgemachten Ökoprodukte sehen halt wirklich toll aus und nur die Beschreibung klingt schon so verführerisch, dass man meint, es entgehen einem die himmlischsten Genüsse, wenn man nicht doch wenigstens einmal probiert.
So ging es mir ja mit diesem Apfelketchup, da hat mich nur die Empfehlung von Herrn Buddenbohm schon so angefixt, dass ich meinte, das Zeug dringend haben zu müssen.
Also, okay, jetzt habe ich es und es sieht optisch echt sehr stylisch aus und der Geschmack ist……… nun, es schmeckt wie Apfelmus mit Ketchup und ich schätze, genau das wird es sein.
Wer Apfelmus mit Ketchup mag, wird wahrscheinlich begeistert sein, weil es aus irgendwelchen ganz besonderen Äpfeln gemacht ist, eine Sorte, die älter ist als das Alte Land und überhaupt alles eben sehr speziell - aber für Leute, die von solchen Feinheiten nichts verstehen, schmeckt es eben einfach nur wie Apfelmus mit Ketchup und dafür ist mein Geschmack schlicht zu langweilig durchschnittlich, als dass mich so schräge Kombinationen begeistern könnten. Oder vielleicht bin ich auch einfach nur zu alt, um mich noch für neue, schräge Kombinationen begeistern zu können, das hat CW ja immer benörgelt, weil ich fast alles, was er als mögliche Erweiterung/Abänderung meiner klassischen Rezepte vorschlug, stets kategorisch abgelehnt habe. Aber ich mag weder Rouladen mit Zitronengras noch Sushi mit Minze. Und Apfelmus mit Ketchup ist halt auch nicht meins.
Aber immerhin habe ich das jetzt auch mal ausprobiert.

Dann war da noch der Morning Briefing Podcast von Herrn Steingart, der heute nicht von Herrn Steingart gemacht wurde, sondern von Udo van Kampen - und ich weiß, ich bin eine verknöcherte, krückstockfuchtelnde Nörgeloma, aber nein danke, Herrn van Kampen brauche ich nicht als Urlaubsvertretung.
Ich habe mir ja angewöhnt, diesen Podcast jeden Morgen auf der Fahrt ins Büro zu hören, doch heute wurde mir klar, dass ich wirklich nur Herrn Steingart so gut finde, ein Vertreter kann ihn nicht ersetzen, oder auf alle Fälle zumindest dieser Herr van Kampen nicht.
Ich bin nach wie vor Rheinland geschädigt und Leute, die keinen lautlichen Unterschied machen zwischen "ch" und "sch", bei denen man also nie genau weiß, ob sie Kirsche oder Kirsche meinen, solchen Leuten gehe ich gerne maximal weit aus dem Weg und wenn ich doch zuhöre, dann bin ich nur noch auf Ablehnung und Geläster gebürstet. Herr van Kampen hatte also allein schon wegen seiner Sprechweise keine Chance auf Gnade oder Akzeptanz. Ich war nach vier Minuten mit dem 24minütigen Podcast durch, künftig schalte ich an van Kampen-Tage dann gleich ab.

Dafür habe ich aber mit Begeisterung ein Interview mit Gabor Steingart gehört, in dem er genau das bestätigt, was ich schon vermutete, er hat wirklich einen ganzen Stab von Mitarbeitern - und er bezahlt die alle aus privaten Mitteln. Chapeau, Herr Steingart und ich hoffe sehr, dass es Ihnen gelingt, Ihr Gesamtprojekt auch irgendwann rentabel zu machen. Ohne Werbung. (Und hoffentlich auch ohne Herrn van Kampen)
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