anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 20. Februar 2019
Wie ich in den Tag starte
Die Woche geht auch am Mittwoch so strubbelig weiter wie sie angefangen hat, irgendwie kriege ich die Kurve nicht, um ein bisschen mehr Spaß zu haben, aber immerhin gab es heute einen sehr guten Termin und die Sitzung beim Zahnarzt war auch längst nicht so schlimm wie erwartet.

Eigentlich war der Tag heute in Summe wirklich sehr erfolgreich, es hat alles gut geklappt, es gab keinen Stress, der Termin am Vormittag war sehr positiv, die Anlagesitzung am Nachmittag war erwartet langweilig, aber das gehört dazu, im Grunde kein Grund zur Klage.
Was es ist, das dieses ungemütliche Gefühl der "irgendwas ist nicht in Ordnung, aber ich weiß nicht was" Situation auslöst, kann ich nicht identifizieren, aber vielleicht geht es ja auch einfach von alleine wieder weg, wir werden sehen.

Auf meiner Fahrt morgens ins Büro höre ich jetzt regelmäßig den Morningbriefing Podcast von Gabor Steingart. Es gibt Tage, da ärgere ich mich über die Selbstherrlichkeit, mit der Herr Steingart Menschen runtermacht, die er nicht mag, es gibt aber auch Tage, da amüsiere ich mich schon sehr über seine Bösartigkeiten, weil er manche Spitzen einfach zu und zu schön formuliert.
Zum Beispiel: "Es gibt viele Wege, seine Wähler zu vergraulen - die SPD kennt sie alle." - den Satz hat er vor einigen Wochen gebracht und ich kichere immer noch ab und zu, vielleicht auch, weil ich finde, es steckt schon eine Menge Wahrheit drin.
Seine heutige Gemeinheit, die mich auch wieder schmunzeln ließ, lautete: "Der SPD-Außenminister, dessen politische Positionen oft im selben Windkanal designt werden wie seine Anzüge,..."
Etwas sehr ähnliches, nur längst nicht so hübsch formuliert, habe ich am Sonntag gedacht, als ich unseren Außenminister in einem seiner windschnittigen Extraslim-Anzüge bei Anne Will sah.
Dass Herr Steingart kein SPD-Fan ist, muss man wohl nicht betonen, noch ärger geht er allerdings mit Frau AKK um, die hat er einmal komplett gefressen. Aber nun ja, auch hier habe ich schon öfter gegrinst, weil so unrecht hat er mit seiner Kritik an dieser Personalie meiner Meinung nach auch nicht. Es ist halt kompliziert, wirklich respektable Spitzenpolitiker zu finden.


Aber auch wenn ich immer mal wieder nicht konform gehe mit seiner Meinung, so bewundere ich doch intensiv, was er da auf die Beine stellt. Dieser Morning-Podcast ist schon extrem professionell gemacht - und das schriftlich per E-Mail versendete Morning Briefing, das er bis Anfang Februar letzten Jahres ja noch als Herausgeber des Handelsblatts verschickte, ist unbestritten jeden Morgen eine lesenswerte Lektüre.
Beim Handelsblatt ist er im Februar 2018 über Nacht gegangen worden, weil er sich mit dem Verleger uneins war, der fand wohl, Herr Steingart hätte mit seiner persönlichen Abneigung gegen Martin Schulz übertrieben und wäre in dem Morningbriefing des Handelsblattes zu gemein geworden.
Zunächst hat dann Sven Afhüppe als stellvertretender Chefredakteur des Handelblattes dieses Morningbriefing übernommen, Herrn Afhüppe fehlt allerdings jene sophistisch-spitzfindig-fiese, aber grade deshalb so besonders lesenswerte Gemeinheit des Herrn Steingart, wenn Herr Afhüppe das Morning Briefing im Handelsblatt schreibt, kann man besser morgens 10 Minuten länger ausschlafen, seine Texte lohnen das Lesen schlicht nicht.
Ich habe also Herrn Steingart sehr vermisst - aber seit August schreibt er unter seinem ganz eigenen, privaten Label wieder - jeden Morgen gegen 7h ist die E-Mail da, seit November gibt es auch diesen Podcast.

Ich habe keine Ahnung, wie groß sein Stab ist, mit wie vielen Leuten er das technisch löst, dass es wirklich derart zuverlässig und brilliant funktioniert, wo er all die Zeit her nimmt, die Texte zu schreiben und den Podcast einzusprechen - und frage mich regelmäßig, WANN er das macht und ob er je schläft - und vor allem habe ich null Idee, wie er das alles finanziert und was sein Plan dabei ist - denn bisher ist alles kostenlos und werbefrei. Schon bemerkenswert.

Das Morning Briefing im Handelsblatt gibt es ebenfalls noch, da scheinen die Macher aber begriffen zu haben, dass sie sich und ihrer Reichweite keinen Gefallen tun, wenn Sie ihren neuen Chef, eben jenen Sven Afhüppe, die Texte schreiben lassen. Dort schreibt jetzt Hans-Jürgen Jakobs, der stilistisch fast an Herrn Steingart hinanreicht, wenngleich er nicht ganz so bösartig ist, aber immerhin doch regelmäßig süffisant gemein.

Das Handelsblatt Morning Briefing gibt es auch als Podcast, das habe ich allerdings noch nie ausprobiert, man kann halt nicht alles hören
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