anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 5. April 2016
Erster Tag im Büro
Erste Tage nach einem Urlaub haben oft etwas Unwirkliches. Man bekommt eine konzentrierte Essenz der Geschehnisse der letzten zwei Wochen komprimiert an den Kopf geknallt und während man noch versucht tief Luftzuholen, um irgendwie Struktur in dieses Chaos zu bringen, schellt so ca. 30 Minuten nach der Ankunft im Büro das Telefon und irgendein eifriger Mitarbeiter fragt an, ob man schon den Bericht zu xy gelesen habe und wie er jetzt weiter machen solle.
Ich hatte heute zusätzlich noch einen Außentermin mit über zwei Stunden Anreise, so dass ich morgens nicht sehr lange im Büro war und am Nachmittag erst nach 17h zurück war, da war die Hälfte der Truppe zum Glück schon gegangen.
Morgen bin ich schon wieder ab 12h unterwegs, da wird es so spät, dass ich gar nicht mehr ins Büro zurück fahre, und Mittwoch sind den ganzen Tag Termine im Büro.
Manchmal frage ich mich, wann ich bei dieser Terminlage noch Zeit zum Arbeiten finden soll.

Den Bericht zu xy habe ich übrigens vorhin gelesen und das vorgefunden, was ich befürchtet hatte: einen so grausig schlecht geschriebenen Text, der auch noch reichlich inhaltliche Fehler hatte, dass er nur für die Tonne taugt und komplett neu geschrieben werden muss. Ich weiß nur nicht, wer das machen könnte, denn der zuständige Mitarbeiter schreibt immer solche Texte, deswegen hatte ich es ja befürchtet und auch wenn ich es ihn noch dreimal neu schreiben lasse, wird es nicht ernsthaft brauchbar sein. Ich kann mich an keinen Text von ihm erinnern, der je brauchbar war. Kein Protokoll, keine Vorlage und kein Vermerk. Nur blöderweise ist genau das sein Job: Protokolle, Vorlagen und Vermerke zu schreiben. Deshalb macht er statt der Assistentenarbeit (für die er bezahlt wird) meist nur einfache Sekrtariatsaufgaben, wo er wenig falsch machen kann. Die Sekretärin dagegen (die auch nur als Sekretärin bezahlt wird) ist so pfiffig, dass sie immer mehr Assistentenaufgaben übernehmen kann. Nur schreiben kann sie leider auch nicht.
Ich finde es nur jedesmal, wenn ich darüber nachdenke, entsetzlich ungerecht, dass der unfähige Assistent ein fürstliches Assistentengehalt bekommt, weil er studiert hat und mit Diplom und Zeugnis eingestellt und eingestuft wurde und nur weil der damals ebenfalls unfähige Spartenchef vergessen hat, ihn vor Ablauf der Probezeit zu kündigen, sitzt er jetzt nach 10 Jahren immer noch auf diesem hoch dotierten Posten und leistet minderqualifizierte Sekretariatsarbeit.
Es ist und bleibt ungerecht
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Mittwoch, 30. März 2016
Früher war alles besser
Okay, vielleicht nicht alles, aber das mit der Sortierung der Fernsehsender bestimmt. Und mit der Programmierbarkeit der Sortierung der Fernsehsender auch.
Ganz früher war das einfach gar kein Problem, da gab es erstes, zweites und drittes, und nachdem Fernbedienungen für Fernseher eingeführt wurden, kam dann noch RTL und SAT1 dazu, die lagen dann auf den Nummern 4 und 5 und alles war gut.
Irgendwann gab es dann immer mehr Sender, was mich aber nur interessierte als ich begriff, dass es ja nicht nur ein Drittes gibt und dass ich unabhängig von meinem jeweiligen Aufenthaltsort sowohl WDR als auch NDR gucken kann. Das fand ich prima und reservierte die Nummer 4 für das zweite Dritte, der Rest dahinter war mir egal.

Mit CW hatte ich dann einen Partner, mit dem mich wenig vor dem Fernseher verband, er guckte nur Sender ab Nr. 5, die ersten vier waren für mich. Da ich aber lieber gar kein Fernsehen gucke als wüste Actionthriller und da ich keine Lust auf Streit darüber hatte, was ich alles nicht sehen will, hatte Fernsehen in meinem Leben nur eine sehr untergeordnete Bedeutung, dementsprechend alt waren auch die Fernsehgeräte, so dass sich auch selten die Notwendigkeit einer Neuprogrammierung ergab.

Früher war schon deshalb alles besser, weil vieles einfacher war.

Dann verließ ich CW und unseren alten Fernseher und begann ein Leben mit K und vielen neuen Fernsehern. K hat sehr sympathische Fernsehguckgewohnheiten, er mag auch am liebsten das erste, zweite und dritte, und, was noch viel wichtiger ist, er steht auch nicht auf Actionthriller, so dass ich das Fernsehgucken gemeinsam mit K als angenehmen Zeitvertreib entdeckte und so auch einen Fernseher im Schlafzimmer gut fand. Wir haben also in jedem Haus (mindestens) zwei Fernseher, weil wir irgendwie das Gefühl haben, so ein Teil gehört ins Wohnzimmer, aber im Schlafzimmer gucken wir eigentlich am meisten. Hier auf Borkum haben wir auch noch ein Gerät in der Wohnküche und natürlich in den Gästezimmern, was zugegeben ziemlich viele Fernseher sind für eine Familie, die wirklich nur öffentlich rechtliche Sender guckt und auch das nur, wenn uns sonst nichts besseres einfällt.
Aber auch wenn ich nur ab und zu mal Fernsehen gucke, so will ich doch, das alles tipptopp funktioniert, auch hier bin ich mir mit K sehr einig.
K ist zudem Technikfan und hat gerne alles auf dem neuesten Stand. Deshalb haben wir in den letzten Jahren alle Fernseher auf Trippletuner umgestellt, weil so ein blöder Receiver, der mittlerweile ja nicht nur bei Satellitenempfang, sondern auch bei Kabelfernsehen notwendig ist, weil man sonst die verschiedenen Dritten, an die man sich ja schon gewöhnt hat, nicht mehr empfangen kann, weil so ein Receiver eben lästig ist.
Diese modernen Fernseher können jetzt also alle viele hundert Sender empfangen - und das schreckliche ist: sie tun es auch.
Denn die gibt es auch.
80% der Sender sind dabei verschlüsselt, aber sie belegen natürlich trotzdem alle erst mal einen eigenen Kanal. Von den anderen 20% interessieren mich weniger als die Hälfte, aber genau die möchte ich gerne alle auswählen können, denn mittlerweile habe ich auch Sender wie ZDFneo und Einsfestival schätzen gelernt.
Das Problem ist nur: die sind nach einem automatischen Sendersuchlauf überall auf dem Fernseher verteilt, ein kurzes Ansteuern über die Nummern auf der Fernbedienung ist ausgeschlossen, außer man lernt für jeden der ca. 12-15 Sender, die einen interessieren, irgendwelche drei- bis vierstelligen Steuercodes auswendig . Und auf jedem Fernseher, den man benutzt, sind das natürlich andere Kanalnummern.
Deshalb versuche ich verzweifelt, die Sender, die mich interessieren, auf jedem Fernseher "zusammenzuschieben", damit ich sie zum Ansteuern einfach nur hintereinander durchklicken muss.
Ist ein sehr mühsames Unterfangen, denn das funktioniert auf jedem Fernseher anders und, was noch schlimmer ist, muss regelmäßig wiederholt werden, weil sich die Kanäle immer mal wieder anbieterseitig verschieben.
Im Ergebnis heißt das: es gibt heute deutlich mehr Sender, die ich gerne gucke, ich gucke überhaupt inzwischen ganz gern Fernsehen und deshalb haben wir auch überall moderne Fernseher, die aber leider nicht alle gleich sind, so dass jeder anders bedient werden muss und irgendwas zickt immer.
Heute Abend kam Mord mit Aussicht auf EinsFestival, was wir in der Wohnküche begannen zu gucken und dann im Schlafzimmer weiter gucken wollten.
Dort fand ich aber EinsFestival nicht. Dort hatte sich wieder irgendwas aktualisiert. Ich habe also bei 1 begonnen und mich einzeln weitergeklickt. Bei 71 habe ich aufgegeben und genervt in der Küche weitergeguckt. K hat weitergesucht. Und irgendwann EinsFestival gefunden. Unter Sendernummer 607.

Da sage mal jemand, dass das früher nicht deutlich besser geklappt hat. Da musste man nur bei eins, zwei und drei suchen und hatte dann jeden Sender gefunden, den es gab
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Dienstag, 15. März 2016
Schönheit kann man lernen
Als Kind war ich immer die Größte in der Klasse und meist auch die Dünnste. Nur Dani war dünner, aber die zählte nicht, die war magersüchtig und deshalb nicht ernstzunehmen.
Außerdem hatte ich Sommersprossen, struppige Haare, schiefe Zähne, X-Beine und selbst genähte oder sogar selbst gestrickte Hosen und Röcke. Insgesamt fühlte ich mich damit immer ziemlich weit weg von chic oder sexy und so blieb mir als Stilrichtung nur „cool“ oder „lässig“.
Meine Kleidung war fast komplett selbstgemacht – und meine Mutter behauptete, ich müsse nur sagen, das wäre jetzt hochmodern und dann würden morgen alle so rumlaufen.
Leider klappte das nicht so gut wie gewünscht. Vielleicht nur deshalb nicht, weil die anderen nicht wussten, wie sie an selbstgenähte Jeanshosen mit einer gerüschten Hosenbeinverlängerung aus rotweißkariertem Stoff kommen sollten, denn mit solch kreativen Modeteilen versuchte ich verzweifelt meine Lässigkeit zu demonstrieren. Vielleicht klappte es aber auch nur deshalb nicht, weil ich mich selber weder cool noch lässig fand, sondern eher ungelenk und trampelig.
Ich weiß noch, dass ich damals mit einer Mischung aus Hoffnung, Trotz und Fatalismus sehr standhaft behauptete, ich fände diese Hosen toll, was blieb mir schließlich anderes übrig.
Geld war knapp, denn von dem Grundschullehrergehalt meines Vaters musste nicht nur seine fünfköpfige Familie ernährt, sondern auch das neugebaute Einfamilienhaus auf seiner Heimatinsel Borkum abbezahlt werden. Auf Borkum waren wir aber nur in den Ferien, denn da es auf der Insel (bis heute) kein Gymnasium gab, hatte mein Vater eine Lehrerstelle in Meerbusch angenommen, um seine Kinder nicht aufs Internat schicken zu müssen. (Dass wir alle Abitur machen werden, stand natürlich schon vor unserer Geburt fest, schließlich waren beide Eltern Lehrer Akademiker, da sind die Kinder angeboren klug.)
Meine Mutter mühte sich redlich, mich nicht nur irgendwie zu kleiden, sondern vor allem auch dafür zu sorgen, dass sich kein rheinischer Akzent in meine Aussprache schlich. Wenn ich se ärjern will, dann mussisch heute nur janz kurz so tun, als würd isch jetzt immer so reden, dann brichtse zusammen.
Am preiswertesten kleidete man die Kinder in Selbstgemachtes, also strickte, nähte und häkelte sie meine Garderobe, dabei tatkräftig von ihrer Mutter und ihrer Schwester unterstützt. Doch trotz selbstgefertigter Maßkleidung, hatten meine Hosen eigentlich immer Hochwasser, denn knapp war die Hose fertig, war ich auch schon wieder gewachsen.
In meiner Erinnerung war ich immer hässlich. Aus meiner Sicht und im Vergleich zu meinen Klassenkameradinnen. Die hatten nicht nur eine viel angemessenere Größe, sondern auch beneidenswerte Rundungen und dazu noch richtige Kleidung, aus einem Laden, gekauft. Teufel, was war ich darauf neidisch.
Ich dagegen hatte einen gehäkelten Bikini (okay, ein gekaufter hätte eh nicht gepasst, weil es keine Oberteile ohne Abnäher zu kaufen gab, ich aber nichts hatte, was die Abnäher hätte füllen können), eine Zahnspange, X-Beine und Sommersprossen. Schön geht anders, das war mal klar!
Auch auf „gesellschaftlicher“ Ebene war es für mich schwierig dazuzugehören, da schon alle meine Herkunftszeichen auf „anders“ ausgelegt waren. Meinen evangelischen Eltern, als Lehrer ins tiefkatholische Rheinland versetzt, gelang es nicht, ihre Tochter in dem einzigen Kindergarten des Dorfes anzumelden, denn das war ein katholischer und die nahmen keine Ketzer. Später, auf dem Gymnasium, war zwar die Religion egal, dafür zählten plötzlich andere „Werte“. So kamen die allermeisten Kinder aus einem „wohlsituierten“ Elternhaus, in Meerbusch war schon damals das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung eher höher. Das meiner Eltern leider nicht.
Als ich in die Schule kam war das einzige Mädchen, das ich kannte, die Tochter des Pastors. Hannelore. Ich glaube, Hannelore hatte es absolut noch schwerer als ich, denn sie hatte noch nicht mal meine rebellischen Gene, sie duckte sich einfach und versuchte, soweit es ging, es allen recht zu machen. Ich dagegen war eigentlich von jeher auf Widerstand gebürstet und ständig damit beschäftigt, mir meine gefühlte Außenseiterrolle schön zu reden.
So habe ich mich früh darauf verlegt, wenn nicht schön, dann wenigstens klug und vor allem schlagfertig und witzig und anders zu sein. „Sprache“ stand in meinem Elternhaus ja sowieso ganz weit oben, da war es ein Leichtes, diesen Schwerpunkt intensiv auszubauen und generell „anders“ zu sein, fällt nicht schwer, wenn die Trauben eh so sauer sind.
Deshalb war das mit den Jungs natürlich auch kompliziert. 16jährige Jungs finden es nicht sehr anziehend, wenn ein Mädchen nicht nur 10cm größer ist als sie, sondern auch verbal so kratzbürstig, dass sie kaum etwas sagen konnten, ohne sich eine schnippische Bemerkung dazu einzufangen.
Einigermaßen beliebt war ich allerdings bei den älteren Jungs bzw. Männern. (Für eine 16jährige sind 25jährige Männer.) Die fanden es wahrscheinlich ganz angenehm, dass ich nicht das klassische Mädchengegiggel drauf hatte und auch durchaus kräftige Zoten selber erzählen konnte.
Im Ergebnis ist mir dabei entgangen, dass mein Körper irgendwann begonnen hatte, sich von einer klapprigen Bohnenstange zu einer durchaus akzeptablen Figur zu entwickeln, dass Zahnspange und Schuheinlagen das Schlimmste zurechtgebogen hatten und dass Sommersprossen in Mode kamen.
Mit 19 traf ich dann Bene.
Benedikt, der Schwarm aller Mädels aus meinem Umfeld, supercool, superreich und supererfolgreich. Wenn Bene eine wollte, dann bekam er sie. Da ich aber längst auf „grundsätzlich anders“ abonniert war, war ich gegen Bene immun, schon deshalb, weil ich überhaupt keine Erfahrung im Flirten hatte und schlicht nicht wusste, was das ist oder wie das geht und deshalb natürlich auch auf keines der klassischen Flirtmerkmale reagierte oder selber welche aussendete.
Überhaupt war Bene unerreichbar für mich. Wenn schon die obercoole, traumschöne und ebenfalls superreiche Miriam ihn nicht kriegen konnte (und die wollte ihn wirklich, sie hat sich gewaltig Mühe gegeben), da brauchte ich gar nicht erst darüber nachzudenken, was wäre wenn. Ich mache mich doch nicht lächerlich.
Aber Bene fand mich gut, denn Bene war Fotograf und suchte „Models mit Eigenleben“ wie er es formulierte.
Was Bene wirklich an mir fand, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht reizte ihn tatsächlich das „andere“. Ich denke, ich war für ihn eine ganz neue Herausforderung, auf alle Fälle hat er sich richtig Mühe gegeben. Wir führten stundenlange Gespräche und Bene erklärte mir die Welt der Schönen und Reichen. Und bestätigte mir immer wieder, dass ich absolut Chancen hätte, genau in dieser Welt mitzuspielen. Um mir das zu beweisen, finanzierte er mir eine komplette Mannequinausbildung, in der ich nicht nur lernte, auf hohen Schuhen über den Catwalk zu stöckeln schweben, sondern auch eine umfassende Schminkausbildung mit allen Tricks der Maskenbildner bekam. Die Kosten dieser Ausbildung konnte ich aus den Gagen der ersten Engagements zurückzahlen.
Gelernt habe ich in diesem Kurs vor allem, dass jeder schön sein kann. Dass wahre Schönheit tatsächlich von innen kommt, „Ausstrahlung“ heißt und aus Haltung besteht - und dass man mit MakeUp und Camouflagecreme fast alle optischen Mängel einfach überdecken kann.
Nie vergessen werde ich dann meine erste Nacht mit Bene: Ich kam vom Kurs, wo wir an diesem Tag das große Bühnenmakeup geübt und aufgetragen hatten, wir trafen uns in einer Bar auf der Kö und als ich dort ankam, drehten sich tatsächlich alle Männer nach mir um und ich merkte, wie sekundenlang die Gespräche stockten, als ich vorbeilief. Bene begrüßte mich mit einer Umarmung und einem Küsschen und war sichtlich zufrieden, mit mir angeben zu können. Als er mich fragte, ob ich bei ihm übernachten wollte, sagte ich ja und dachte mir gleichzeitig: „So ist das also. So lebt es sich, wenn man plötzlich schön ist.“
Der Rest der Nacht verlief wie solche Nächte eben verlaufen – wirklich eingeprägt hat sich mir aber die Szene, wo Bene mich am nächsten Morgen (abgeschminkt!) plötzlich auf Armeslänge von sich hielt, mir langsam die Haare nach hinten strich und sagte: „Wie schön du bist.“
Von da an habe ich es geglaubt, zumindest habe ich von da an gewusst, dass ich mein Äußeres akzeptieren kann, dass ich es sogar nutzbringend einsetzen kann und dass es keinen Grund für mich gibt, mich optisch irgendwie minderbemittelt zu fühlen.
Ich habe dann immer mal wieder einen Ausflug in die Welt der Schönen und Reichen gemacht, es machte ja auch gewaltig Spaß, meine neu entdeckte Schönheit spazieren zu führen. Aber je sicherer ich mich auf diesem Parkett bewegte, umso langweiliger wurde es auch mit der Zeit. Es ist ganz hübsch, schön zu sein, es ist aber auch entsetzlich langweilig, wenn man darauf reduziert wird. Und in diesem Zusammenhang machte ich dann eine ungewöhnliche Entdeckung: Als einigermaßen gutaussehende Frau habe ich viel mehr Freiheiten und Möglichkeiten als jeder Mann, denn natürlich habe ich meine über Jahre trainierte Frechheit samt Kodderschnauze nicht mehr abgelegt, im Gegenteil, jetzt war sie plötzlich ein wirklich wertvoller USP.
Heute bin ich in einem Alter, wo sich die Äußerlichkeiten von ganz alleine relativieren, aber Haltung und Ausstrahlung wirken mit 52 genauso wie mit 25, insofern ertrage ich die sichtbaren Zeichen des Alterns noch mit einiger Fassung, verliere aber auch zunehmend das Interesse an aufwendigen "Herrichtereien".
Insgesamt nimmt mein Stylingengagement mit jedem Jahr mehr ab. Morgens fürs Büro vielleicht noch ein bisschen, je nach Terminlage auch mal ein bisschen mehr (was bedeutet, ich benutze dann auch Mascara und Foundation, was mir für normale Bürotage schon zu lästig ist), aber an reinen Privattagen habe ich mittlerweile fast gar keine Lust mehr dazu.
Wenn wir früher unseren Kleiderschrank sortierten, dann wurden viele Teile mit dem Kommentar: „Ach, für Borkum ist das noch gut genug.“ zur Seite gelegt und auf die Insel exportiert. Vielleicht gefällt es mir deshalb so gut, dort die wesentliche Zeit meiner Freizeit zu verbringen, denn dort gelten grundsätzlich andere Regeln und Anforderungen an Aussehen und Schönheit.
Heute bin ich mit meinem Aussehen soweit zufrieden, dass ich denke, für Borkum ist es gut genug - und auf dem Festland entziehe ich mich dem Stress immer öfter durch Fernbleiben von offiziellen Veranstaltungen
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Freitag, 4. März 2016
Klappe halten, weitermachen
Mit dieser Grundhaltung kann man prächtig Streit vermeiden.
Und Streit muss dringend vermieden werden, denn Streit ist böse.
Wir wünschen uns den Weltfrieden und dass alle Menschen nett zueinander sind. Dann muss sich keiner streiten und überall ist rosa Zuckerwatte.
Oder eher Pustekuchen?

Zum streiten gehören zwei.

Wenn ich mich nicht streite, kann das folgende Gründe haben:
- Ich bin komplett damit einverstanden, was der andere sagt/meint/tut/macht/will/erwartet oder welches Verb auch immer
- Ich bin nicht damit einverstanden, aber der andere ist zu einem offenen Gespräch bereit und respektiert dabei meine Haltung.
- Wir haben beide eine unterschiedliche Meinung, wir haben offen darüber gesprochen, konnten keine Lösung finden, respektieren aber beide gegenseitig unsere Haltungen und klammern in unserem Umgang miteinander in gegenseitigem Einvernehmen dieses Thema künftig aus
oder:
- Ich habe resigniert, bin eingeknickt, habe aufgegeben

Und wenn keiner dieser Fälle vorliegt - dann streite ich mich. Ich streite mich, weil ich es wage, eine andere Meinung zu haben. Weil ich nicht finde, dass man auf dieses oder jenes oder diesen oder jenen unbedingt Rücksicht nehmen muss.
Ich nehme Rücksicht, wenn ich das will - aber nicht, weil "man" das so tut.

Ich habe sehr häufig eine andere Meinung, ich scheine für mainstream nicht zu taugen.
Ich finde die Forderung, dass alle Menschen nett zueinander sind, ungefähr so realistisch, wie die Erwartung, dass die CSU demnächst für den ungeregelten Zufluss von Flüchtlingen ist. Wenn alle Menschen nett zueinander sein sollen, dann müssen wir auch ungebremst Flüchtlinge hier aufnehmen.
Ich meine, ICH hätte noch nicht mal was dagegen - aber wen interessiert, was ich meine, die Realität wird anders ablaufen.
Deshalb habe ich lieber Meinungen, die grundsätzlich auch realistisch umsetzbar sind. Ich habe einen unleugbaren Hang zum Pragmatismus.
Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass es für den Weltfrieden sehr förderlich wäre, wenn sich jeder zunächst mal um sich selber kümmert.
Da Menschen von Natur aus soziale Bedürfnisse haben, werden sie aus reinem Egoismus, weil es für den einzelnen individuell positiv ist, sich um andere Leute kümmern. Nämlich um die, von denen sie gerne gemocht werden wollen.
Ich finde das alles absolut logisch und sinnvoll, es scheint aber keine mainstream Meinung zu sein.
Die Masse steht auf Gutmensch à la Mutter Theresa oder wertewahrende Haus und Hof Verteidiger im Sinne der AfD. Und diese beiden gegensätzlichen Grundhaltungen schlagen sich dann die Köppe ein.
Herzlichen Glückwunsch.

Ich kann weder mit dem einen noch mit dem anderen, für mich sind beide viel zu sehr auf Außenwirkung bedacht.
Diese wertewahrenden AfD'ler finde ich extrem beängstigend. Sie machen mir so viel Angst wie Kakerlaken oder Ratten. Die besetzen auch mein Haus in der festen und gerechten Überzeugung, es wäre ihres und sie haben einen Anspruch darauf - und mit Reden oder Vernunft ist denen nicht beizukommen.
Um die wieder loszuwerden, muss man schon sehr überlegt und auch sehr geschickt vorgehen, denn die sind intelligent und lassen sich nicht einfach so fangen oder vertreiben.
Aber mindestens genauso gruselig finde ich diese penetranten Gutmenschen. Mit ihrem dauernden Verlangen nach Verständnis und Rücksicht. Wodrauf man Rücksicht nehmen soll und wofür man Verständnis haben soll, das bestimmen selbstverständlich sie. Und wenn man da anderer Meinung ist, dann ist man gleich ein schlechter Mensch und wird ausgeschlossen.
Aus dem Kreis der Gutmenschen.

Ich meine, das macht sie schon fast wieder sympathisch, denn immerhin wird man Gutmenschen wesentlich leichter los als Kakerlaken oder Ratten - aber sie verschwinden nicht ganz, sie stellen sich dann vors Haus und nölen dort rum. Halten jeden auf, der mich besuchen will und erzählen ihm unaufgefordert, was ich für ein schlechter Mensch bin, weil ich nicht so sein will wie sie.
Und - ehrlich- das macht mich dann fast mehr wütend als so ein paar durchgeknallte AfD'ler, die sich die Birne zuknallen und dann pöbeln gehen.
Die AfD'ler haben alle miteinander selber Angst. Die haben eine Scheißangst, dass irgendjemand ihnen ihre paar kleinen Bequemlichkeiten, die sie sich so mühsam als Sozialleistungen erkämpft haben, wieder wegnehmen könnte und sie jemand anderem gibt.
Es ist entsetzlich und es ist traurig, dass es solche Menschen heute noch oder wieder gibt - aber ihre Entstehung kann ich wenigstens nachvollziehen und ich denke, hier ist unsere Gesellschaft gefordert, diesen Menschen ihre Ängste zu nehmen und dann beruhigen die sich auch wieder.
Aber diese Gutmenschen, dieses Gemeindepfarramt, diese wir wünschen uns alle den Weltfrieden und sind grundsätzlich nett zu allen - das sind doch in Riesenmengen Heuchler und falsche Fuffziger. Niemand kann nett zu allen sein, es gibt immer welche, die findet man einfach blöd. Warum weiß man selber gar nicht so genau, ist auch egal, man findet sie eben blöd. Darf man aber nicht, wenn man ein guter Mensche sein will. Dann muss man alle toll finden, auch die, die man blöd findet und auch die, die wirklich blöd sind. Also sagt man, dass man sie toll findet - und wenn sie nicht hingucken, kackt man ihnen aufs Hemd. Und zieht über sie her - hinter ihrem Rücken. Und missachtet den Tanzabstand. Auf das Gröbste, und sagt Sorry, wollte ich nicht, wenn man dem anderen auf die Füße tritt, aber kann ja schon mal passieren.

Ach, geht mir weg mit diesem "streitet euch nicht und vertragt euch wieder". Ich will und werde mich nicht mit Menschen vertragen, die das nur als Vorwand benutzen, um mir sofort wieder auf die Füße zu treten.
Ich streite mich dann nicht.
Ich gebe auf.
Und bleibe einfach weg
Punkt
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Mittwoch, 2. März 2016
Nochmal Twitter
Mit dem Wundern über den Erfolg der verschiedensten Social Media Plattformen bin ich noch nicht durch.
Vor allem Twitter bleibt für mich ein Medium, das ich nicht richtig verstehen kann, aber vielleicht liegt das wirklich daran, dass ich einfach nicht witzig genug bin, um da mitzumachen.
Hier habe ich einen tollen Beitrag von einem Twittersüchtigen gefunden, zwar schon etwas älter, aber immer noch interessant, im Ergebnis kommt aber auch hier meine zusammenfassende Erkenntnis raus: Twitter ist ein dauernder Kampf um die Formulierung des perfekten Ministatements. Da ich bei jeder Sorte Wettbewerb sofort aussteige, ist das wahrscheinlich die Erklärung, weshalb ich mir die Faszination von Twitter einfach nicht erklären kann.
Noch unverständlicher ist mir allerdings snapchat. Wenn so gar nichts bleibt und alles innerhalb kürzester Zeit wieder verschwindet, dann wird mir das Leben zu hektisch. Ich finde ja schon Facebook zu überfüllt und zu kurzlebig, insoweit muss ich mich nicht wundern, dass ich das gesamte Szenario zu abstrakt finde, um es verstehen zu können.
Was mir aber sicher bleibt, ist der Grusel vor Menschen, deren Leben tatsächlich so kurzlebig ist
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Dienstag, 2. Februar 2016
Älter werden
Älter werden ist zwar eine ganz natürlich Sache, es gibt aber viele Leute, die finden es gräßlich, machen ein Mordsbohei darum und strengen sich mächtig an, dass es niemand sieht oder merkt.
Mit den optischen Folgen des Älterwerdens kann ich im Grunde ganz gut leben. Gut, ich finde es auch nicht toll, dass ich sichtbar keine 30 mehr bin und selbst 40 kann ich als optisches Alter nur bei wenig Licht und viel Schminke erreichen, aber herrjeh, es erwartet ja nun auch keiner mehr von mir und für wen sollte es dann noch von Bedeutung sein?
Da ich mir keinen 25jährigen Liebhaber angeln möchte, der nur aufgrund meiner optischen Reize auf mich steht, sondern mit meinem Westfalenmann ganz zufrieden bin und überhaupt nicht vorhabe, bis zu meinem Ableben den Mann noch mal zu wechseln oder auch nur durch weitere Männer zu ergänzen, ist K. der einzige Mann in meinem Umfeld, dem ich optisch Rechenschaft schulde - und der kommentiert mein Aussehen westfälisch enthusiastisch mit: "Geht wohl."
Was mich schon etwas mehr stört, sind diese regelmäßig zunehmenden, körperlichen Zipperlein, die man so ab 40 entwickelt. (oder ich zumindest.)
Erst war es nur eine Lesebrille - jetzt ist es schon eine Gleitsichtbrille und es geht mir auf den Sack, dass ich ohne Brille kaum noch was gucken kann. Es ist lästig, überflüssig und ziemlich ätzend, nun dauerhaft von so einer blöden Brille abhängig zu sein.
Außerdem wirkt sich die Kombination aus Hormonumstellung, Nikotinaufgabe und nachlassender Schilddrüsentätigkeit ungünstig auf mein Gewicht aus. Nachdem ich über 40 Jahre in meinem Leben als Klappergestell mit Untergewicht durch die Gegend gelaufen bin, werde ich jetzt immer dicker und stehe dem fassungs- und machtlos gegenüber. Ich habe Sport schon immer gehasst - und jetzt soll ich damit anfangen? Ich habe mich mein halbes Leben schwerpunktmäßig von Chips und Pommes ernährt - und das soll ich jetzt gegen Äpfel und Möhren tauschen? Ich fand Sport zwar blöd, war immer einfach so und ohne Übung extrem gelenkig - und jetzt fällt es mir schon schwer, die Stiefel an- oder auszuziehen, wenn sie keinen Reißverschluss haben.
Und meine Gelenke beginnen auch immer mehr zu schmerzen. Nicht wegen des Gewichts, sondern wegen irgendsoeinem Altersrheuma oder Gicht oder wie auch immer das heißt.
Seit neuestem ist der rechte Daumen kaputt - und erst wenn der kaputt ist, merkt man, wie oft man ihn benutzt - oder besser: Benutzen würde, wenn es denn ginge. Das ist ein blöder Murkskram.

Am allerschlimmsten am Älterwerden finde ich aber, dass die traditionell alten Leute, also Politiker, CEO's, Professoren und andere wichtige Lenker in der Welt plötzlich reihenweise jünger sind als ich.
Ich muss also jetzt zu einem Jüngelchen, für den ich früher den Babysitter gemacht habe, Vertrauen haben und daran glauben, dass er seinen Job schon ganz alleine und selbständig gut macht und soll mich nicht davor fürchten, was das für Folgen für mich und den Rest der Welt haben könnte.
Ich gebe zu, das fällt mir immer wieder schwer. Andererseits - wenn die wichtigen Leute sichtbar älter sind als ich, ist es mir auch meist nicht recht, denn ist der Opa überhaupt noch fit genug für das, was er da tut?

Und genau diese Problem hatte ich mit 30 nicht
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Dienstag, 19. Januar 2016
Showdown
Meine bevorzugte Fahrstrecke zwischen dem Grevenhaus und dem Büro in Münster führt einige Kilometer über Feldwege durch die Rieselfelder.
Die Straßen sind zwar asphaltiert, aber nicht sehr breit, zwei Autos passen nicht nebeneinander. (Ein Auto und ein Fahrrad ist schon heikel, allerdings mehr für den Fahrradfahrer....) Bei Gegenverkehr müssen also beide Autos in die Seitenböschung ausweichen.
Richtig spannend ist es immer, wenn einem ein Trecker entgegenkommt (und die fahren da in Mengen), die weichen nämlich ungern aus, weil sie erstens natürlich stärker sind und zweitens wahrscheinlich der Meinung sind, dass Autofahrer nichts auf ihren Feldwegen verloren haben - egal, ob es offiziell erlaubt ist, so ein westfälischer Bauer folgt seinen eigenen Gesetzen.
Ich mag diese Strecke nicht nur weil sie einfach die kürzeste ist und ich nur ungern durch die Stadt fahre, sondern auch, weil es so idyllisch ist und so gut riecht. (da ich ganz oft offen fahre, ist das ein wichtiger Aspekt.) Man bekommt jede Menge Tiere unterwegs zu gucken und ich habe schon oft spontan angehalten und ein wenig die Landschaft genossen.
Störche gibt es dort - und Kindergärten.
Zu den Kindergärten gehören die entsprechenden Muttis in ihren münstertypischen Tussenpanzern Frauengeländewagen. Und die sind der eigentliche Grund, warum ich so besonders gerne dort langfahre, denn die sind immer gut für eine Challenge: Wer weicht als erster aus und fährt am weitesten in den Straßengraben?

Seit einigen Monaten begegne ich morgens ganz regelmäßig einem schwarzen Touareg, der noch auf dem Hinweg zum Kindergarten ist. (Ich fahre ja von außen "rein", also quasi gegen den Kindergartenzubringerverkehr.)
Und jeden Morgen hält die Dame länger aus, bevor sie nachgibt und als erste in Graben fährt.
Da ich ein kleines Cabrio fahre, finde ich es ganz normal, dass ein Geländewagen auch eher ins Gelände fährt als ich, (unabhängig davon, dass ich ganz schlecht im Nachgeben bin und außerdem fuhr ich zuerst auf dieser Strecke und überhaupt mag ich keine Touareg-Tussen) - aber diese Dame entwickelt sich zu einem harten Gegnerbrocken.
Heute war es tatsächlich ganz knapp, erst in allerletzter Sekunde ist sie ausgewichen. Weil sie dann eine so heftige Lenkbewegung gemacht hat, ist sie natürlich auch gleich fast komplett im Graben gelandet, aber hey, wofür hat sie denn so ein Geländeauto?

Ich bin mal gespannt wie es weitergeht, ich rechne damit, dass es die Tage zu einem Showdown kommt, wir werden sehen, wer überlebt. Ich bin auf alle Fälle gewillt, nicht schrammenlos aufzugeben!
Never.
Lever dood as Slav
!
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Freitag, 8. Januar 2016
Kinder im Büro
So nach und nach entern die Kinder mein Büro

Kinder im Büro

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Mittwoch, 30. Dezember 2015
Heute: Friseurtermin
Wenn man weiß, wie selten ich zum Friseur gehe und was ich auch immer für ein innerliches Gezicke um so einen Termin mache, dann kann man durchaus bewundernd die Luft anhalten, wenn ich es mal wieder getan habe und gespannt abwarten, ob ich die nächsten sechs Monate jetzt Mütze trage oder wie es sonst ausgegangenen ist.
Diesmal:

Friseur

Alles gut gegangen, sogar entschieden besser als die letzten vier Friseurtermine, was bedeutet, ich bin das erste Mal seit sechs Jahren wieder richtig zufrieden mit dem Ergebnis.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich heute nicht nur gewaltig mutig, sondern auch enorm relaxed gefühlt habe. Kann doch eigentlich nix passieren, ich mache doch eh immer nur einen Dutt oder einen Pferdeschwanz - und deshalb habe ich der Friseurin heute erlaubt, alles abzuschneiden, was man für Dutt oder Pferdeschwanz nicht zwingend braucht.
Und jetzt gefällt es mir sogar ohne Dutt oder Pferdeschwanz, sowas
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Sonntag, 27. Dezember 2015
Technik 2.0
Grundsätzlich würde ich mich als „technikaffin“ bezeichnen, vor allem bin ich sehr neugierig auf alle technischen Neuheiten, wenn ich mir vorstellen kann, dass sie tatsächlich das Alltagsleben erleichtern oder vereinfachen. Gleichzeitig gibt es meiner Meinung nach aber auch sehr viel technischem Firlefanz, der einfach überflüssig ist, weil der Umstand der Bedienung dieser Teile um einiges größer ist als jede (gedachte) Erleichterung, die man damit erreichen könnte.
Computer zB interessieren mich als Arbeitsgeräte. Hier ist das Interesse nicht um der Technik willen, sondern um des Nutzens willen und weil ich denke, dass man eine optimale Nutzung am besten dadurch sicherstellt, dass man auch als Nutzer wenigstens eine Basisahnung hat von dem, wie so ein Computer tickt. Einerseits kann man damit eventuell vermeiden das Gerät durch skurrile Fehlbedienungen zu überfordern und andererseits kann man sich bei leichten, gerätebedingten Aussetzern noch irgendwie selber helfen und ist nicht grundsätzlich auf die Hilfe von PC-Spezialisten angewiesen, die nach meiner Erfahrung meist noch schräger ticken als der verdrehteste Computer….
Da ich im übrigen der Auffassung bin, dass gute Arbeit auch immer gutes Werkzeug verdient, sorge ich dafür, dass ich stets eine sehr hochwertige Hardware benutze und soweit möglich auch immer die aktuellsten Programmversionen.
Eine Neuerung in meinem Alltagsleben ist seit einiger Zeit die Installation diversester Smarthome Geräte. Aus der immer größer werdenden Auswahl an „intelligenten Geräten“ suche ich allerdings sehr gezielt nach sinnvollen Einsatzgebieten. Viele Einsatzmöglichkeiten dieser Geräte halte ich schlicht für überflüssig, weil sie zumindest in meinem Alltag gar nicht vorkommen, also können sie auch keine Arbeitsabläufe vereinfachen oder erleichtern. So brauche ich zB keinen Kühlschrank, der seinen Inhalt selber überwacht und entsprechend selbstständig nachordert, wenn etwas zur Neige geht, weil ich erstens sehr gerne einkaufen gehe und zweitens niemals dort, wo so ein Kühlschrank von sich aus bestellen würde. Ich brauche auch keinen Thermomix mit bereits einprogrammierten Rezepten, da ich so gut wie nie nach Rezept koche, sondern immer frei Schnauze und abhängig von dem, was grade da ist, da ja auch mein Kühlschrank im bewusst gewählten Chaossystem gefüllt wird.
Im Grunde machen mich alle Geräte, die ohne mein Zutun regelmäßig selbstständig aktiv sind, immer etwas nervös. Ich mag auch keinen Staubsauger, der den ganzen Tag alleine rumfährt und Staub saugt und selbst simple Bewegungsmelder, die Licht „von alleine“ an und ausschalten sind mir unangenehm. Überhaupt, Lichtschalter: Diese modernen „Bussysteme“ mit denen sich ganze „Szenarien“ komplett programmieren und steuern lassen, halte ich für sagenhaft überflüssigen Unsinn. Von mir aus kann der Kram gerne zusätzlich installiert werden, wenn das jemand als Spielzeug braucht, ich aber bestehe auf einen simplen An-/Aus-Lichtschalter neben der Tür, der nichts anderen tut als eben das Licht an- oder auszuschalten. Zusätzlich können gerne jede Menge weitere Lichtquellen separat über WLAN oder Infrarot oder welche Steuerungssysteme auch immer gesteuert werden, aber essentiell wichtig ist für mich, dass in jedem Zimmer eine Lampe über den ganz simplen An-/Aus-Knopf neben der Tür geschaltet wird. Sonst komme ich nämlich in einen dunklen Raum und bin mangels Licht nicht in der Lage irgendetwas einzuschalten, da ich ohne Brille und genauem Studium der einzelnen Knöpfe diese komplexen Schaltsysteme nie vernünftig bedienen kann. Es hilft auch nicht, dass sie sich über mein Telefon steuern lassen, weil ich das im Haus nicht ständig mit mir trage. Im Gegenteil, meist ist es irgendwo tief unten in meiner Handtasche, in der ich es dann aber mangels Licht nicht finde. Dass deshalb neben der Tür ein Lichtschalter ist, den ich durch simples Draufschlagen auch ohne Sehen problemlos bedienen kann, das ist eine Art von Technik auf die ich nie bereit wäre zu verzichten. Ich will auch keine Bewegungsmelder, denn wenn die von irgendetwas blockiert werden, funktionieren sie nicht, da es dann aber kein Licht gibt, sehe ich auch nicht, was stört und es bleibt schon wieder dunkel. Umgekehrt ist es manchmal so, dass ich grade bewusst KEIN Licht machen will, das aber kann ich dem blöden Bewegungsmelder nicht rechtzeitig mitteilen, so dass er die Zwangsbeleuchtung grundsätzlich anschaltet, die auch erst dann wieder ausgeht, wenn sie für eine festgeschriebene Zeit gebrannt hat. Nur ist mein Leben nicht so gradlinig, dass diese vorgegebenen Schaltzeiten immer passen und deswegen möchte ich bitte weiterhin und bis an mein Ende höchstselbst und persönlich einen Schalter manuell betätigen, wenn ich Licht einschalten möchte – und ich drücke ihn ein zweites Mal, wenn ich das Licht wieder ausschalten möchte.
Gleichzeitig bin ich ein echter Lampen- und Beleuchtungsfreak. Natürlich gibt es bei mir separat schaltbare Lichtszenarien und in meinen Wohnräumen gibt es ganz viele verschiedene, meist indirekte Lichtquellen, die ich schon immer über eine Fernbedienung gesteuert habe. Zusätzlich zu der einen An-/Aus-Lampe. Aber über eine Fernbedienung steuerbare Steckdosen gibt es ja nun schon seit 20 Jahren und welchen Vorteil da nun diese seltsamen Bussysteme und über WLAN gesteuerte „HUE-Lampen“ haben sollen, das hat sich mir noch nicht erschlossen.
Wirklich nützlich finde ich dagegen über WLAN schaltbare Steckdosen, die über die Fritzbox auch noch übers Internet bedient werden können, wenn man das Licht im Haus ein- oder ausschalten will, wenn man gar nicht da ist. Das halte ich nämlich für eine äußerst realistische „hieristjemandzuhause Simulation“ und nutze das tatsächlich zu genau diesem Zweck. Auch eine übers Internet bedienbare Heizungssteuerung ist toll und Kameras, die bei Bewegung Fotos machen und diese dann per E-Mail verschicken, finde ich ebenfalls sehr sinnvoll.
Wenn man so wie ich zwei Haushalte betreibt, dann ist einer davon ja immer leer und da finde ich es enorm bequem, wenn ich wesentliche Funktionen in jedem Haushalt aus der Ferne ein- oder ausschalten bzw. überwachen kann. Wenn ich nicht da bin, kann die Heizung auf Minimaltemperatur heruntergefahren werden, wenn sie zwei Tage vor meiner Ankunft dann aber schon wieder hochgefahren wird, ist es angenehm warm, wenn ich komme und ich muss nicht erst zwei Tage frieren, bevor das Haus durchgewärmt ist. Gleiches gilt für das Wasserbett, was auch immer ein paar Tage braucht, bis es wieder auf Temperatur ist, was aber ja nicht unsinnig durchheizen muss, wenn keiner da ist.
Die Kameras melden mir, wenn der Briefträger da war und ich kann gezielt jemanden bitten, nach der Post zu sehen, gleichzeitig nehmen sie überhaupt jede Person auf, die das Haus betritt, was insgesamt ein beruhigendes Gefühl ist.
Ganz prächtig finde ich auch programmierbare Wasch- und Spülmaschinen und Backöfen. Wenn die nächste Generation Maschinen dann sogar über WLAN im Heimnetz eingebunden ist, kann ich sie von überall her übers iPhone steuern, das stelle ich mir auch sehr sinnvoll vor.
Da in meinem Alltagsleben aber bestimmte Beschäftigungen wiederum gar nicht vorkommen, weil sie mich einfach grundsätzlich nicht interessieren, gibt es natürlich auch Technikbereiche, von denen habe ich schlicht überhaupt keine Ahnung und seitdem die Kinder groß sind, auch endgültig gar keine Berührungspunkte mehr dazu.
Dazu gehören Computerspiele. Und zwar Computerspiele jeder Art. Egal ob über den PC gespielt, als offline Software-Programm oder übers Internet, als App auf dem iPhone oder iPad, ich benutze sie nicht, weil ich sie einfach langweilig finde. Logischerweise benutze ich auch nicht irgendeine Spielekonsole, ich kann die Dinger noch nicht mal sinnvoll unterscheiden.
Das liegt übrigens nicht an meinem Alter, sondern daran, dass ich diese Art von Spielen schon immer langweilig fand und nie so recht etwas damit anzufangen wusste. In meiner Jugend gab es Spiele, die konnte man an den Fernseher anschließen und dann Tennis spielen oder so ähnlich. Ich habe es zwei-, dreimal probiert und dann habe ich mich lieber mit einem Buch in die Ecke gesetzt und gelesen. Was für eine unglaubliche Zeitverschwendung, denn schon als Kind sah ich mich mit dem Dilemma „so viele Bücher und so wenig Zeit“ konfrontiert.
Jede neue Spieletechnik, die rauskam und die die Kinder hatten, habe ich dann auch brav erneut ausprobiert, aber weder habe ich je nachvollziehen können, was an einem Gameboy spannend ist, noch an einer Playstation oder einer Wii. Auch Computerspiele, egal ob die Sims oder minecraft oder GTA oder was auch immer – spätestens nach 5 Minuten beginnt bei mir die erste akute Gähnattacke und ich stelle so dämliche Fragen wie: „Und was soll das Ganze jetzt?“
Auf dem iPhone habe ich jetzt tatsächlich eine ganze Menge verschiedener SpieleApps, die aber so gut wie nie von mir benutzt werden, weil ich nicht weiß, weshalb. Mir ist einfach nie langweilig genug, dass mich ein Computerspiel unterhalten könnte. Es gibt immer wieder Zeiten, in denen ich nichts tue – aber das mache ich dann aktiv und sehr genussvoll. Wie Hermann bei Loriot , der ja auch einfach nur da sitzen möchte.
Und ansonsten bin ich beschäftigt mit Dingen, die ich entweder tun muss oder die ich tun will, nur bei „tun will“ rangieren Computerspiele dann halt ganz weit unten.
Was mich auch nur sehr eingeschränkt interessiert sind Filme. Ich schaue zwar Fernsehen, aber meist nur, um den Kopf leer zu kriegen. Deshalb finde ich Action-Filme oder Filme, in denen sich die Bilder schnell bewegen enorm nervig. Auch zu viel Handlung strengt mich an. Wenn ich denken muss, um zu verstehen, worum es da geht oder wenn ich gar irgendwie von der Handlung eingefangen werde, ist es aus meiner Sicht schon ein unangenehmer Film. Statt den Kopf leer zu machen, drückt er mir neue Gedanken, Gefühle und Bilder rein. Brauche ich alles nicht, will ich auch nicht. Mein Kopf ist schon voll genug mit meinen eigenen Gedanken, Gefühlen und Bildern, da brauche ich nicht auch noch andererleuts Kram en bloc dazuzupacken.
Bei Büchern stört mich das interessanterweise nicht, wobei ich aber auch bei Büchern jede Sorte Spannung in der Handlung immer dadurch entschärfe, dass ich dann erst mal den Schluss lese.
Bücher gefallen mir besser, weil sie mir mehr Freiraum lassen, ich kann mir die Bilder dazu selber ausdenken und vor allem kann ich das Tempo und die Reihenfolge bestimmen.
Hätte es in meiner Kindheit schon Smartphones gegeben, dann hätte ich tendenziell den größten Teil meiner Zeit genauso verbracht, nämlich lesend. Dann hätte ich mich allerdings nicht mühsam durch kilo- und stapelweise Papierbücher gelesen, sondern viel bequemer durch Eboooks. Deshalb habe ich die moderne Technik auch noch nie verteufelt oder meinen Kindern gar verboten, eben weil ich wusste, dass sie meine Kindheit nicht wirklich verändert hätte und heute, wo meine Kinder alle so groß sind, dass sie ihre Internet- und Computernutzung eh selber entscheiden und steuern, stelle ich fest, dass sie den Kram genauso benutzen wie ich: Als Arbeitserleichterung, um die Dinge, die ihnen sowieso Spaß machen, einfacher, schneller oder besser tun zu können.

Irgendwann muss mir mal jemand erklären, warum es unter Eltern allgemein als wichtig erachtet wird, den Kindern den Zugang zu PC und Internet nur ganz dosiert zu gestatten. Warum wird etwas verboten, statt eine sinnvolle Nutzung einfach vorzuleben?

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