anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 26. August 2016
Hamsterliste
Der Krisenplan der Bundesregierung ging ja nun schon ausreichend als Hamsterplan durch die Medien, ich fand dabei die konkrete Notfallvorratsvorbereitungseinkaufsliste am interessantesten, und habe mir die einzelnen Positionen mal ganz genau angesehen:
Geht los mit dem Brot: 1kg Vollkornbrot, 1kg Knäckebrot und 400g Zwieback.

Wow, 1kg Knäckebrot - das sind vier Pakete , die reichen bei mir locker für zwei Jahre. Ich hoffe, solange dauert die Not dann doch nicht. Dagegen Vollkornbrot, wie lange hält sich das denn überhaupt wenn man es nicht verbraucht? In welchem Tempo muss ich die Bestandteile der Liste überhaupt wegen Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum erneuern?
Nicht auf der Liste steht dafür Mehl und Trockenhefe. Wahrscheinlich weil man im Notfall davon ausgeht, dass kein Backofen mehr funktioniert.
In einem krassen Mengen-Missverhältnis dazu stehen die Posten für Nudeln und Reis. Nur 1 Pfund Nudeln und ein halbes Pfund Reis, wie lächerlich. Wieder derselbe Grund, wir kochen nicht? Aber Nudeln und Reis kann ich auch auf dem Lagerfeuer kochen und wenn ich ein Pfund kochen kann, dann kann ich doch auch mehr kochen, oder? Finde ich alles sehr seltsam. Denn als nächstes findet sich ein Kilo Kartoffeln auf der Liste.
Hallo? Für den Notfall bunkern und dann ein Kilo Kartoffeln (Haltbarkeit????), aber nur ein Pfund Nudeln und nur ein halbes Pfund Reis? Ich meine, meinem Speisenplan entspricht das sehr, ich ziehe Kartoffeln jederzeit jeder Nudel oder Reis vor, aber für den Notfall finde ich es entsetzlich unlogisch. Ich soll nur Knäckebrot und Vollkornbrot futtern (dabei halten sich Hamburgerbrötchen noch viel länger, habe ich schon ausprobiert), aber für den Mittagstisch soll es dann doch wieder aufwendiger sein und nicht einfach nur Nudeln mit Ketchup geben, sondern echte deutsche Küche, mit Kartoffeln, Gemüse und irgendwas? Tja, Pech Kinder, Ketchup steht übrigens gar nicht auf der Liste, dafür ist ein geheimer Teil des Notfallplans wahrscheinlich auch eine Extremübung "wie ernähre ich mich richtig".

Lustig finde ich auch die große Menge an Haferflocken, 750g. - Wozu um alles in der Welt braucht man mehr Haferflocken als Nudeln? Und wie soll ich die zubereiten? Mit einem Teil der Riesenwasservorräte, als Porridge? Damit dann doch wieder ein stilechtes Notfallambiente aufkommt?
Dass man eine ausreichende Menge an Gemüse in Dosen oder Gläsern vorrätig haben soll, kann ich verstehen, irgendwie lächerlich finde ich es aber, dass hier die konkreten Gemüsesorten mit konkreten Mengenangaben vorgegeben werden. Wenn die Bevölkerung schon als so dämlich betrachtet wird, dass sie nicht in der Lage ist, aus einem allgemein gehaltenen Ratschlag wie zB "10-12 verschiedene Gemüsedosen, insgesamt ca. 5kg" selbstständig zu entscheiden, was sie da kaufen, dann sollte man auch berücksichtigen, dass jetzt bestimmt viele Leute ganz große Probleme haben, weil sie im Zweifel nicht die passenden Dosen finden. Pilze in Dosen, 400g steht da zum Beispiel. Aber welche Pilze und welches Gewicht? Dosenfüllgewicht oder Abtropfgewicht? Und 400g gibt es wahrscheinlich gar nicht, sondern nur sowas krummes, wie 320g oder 475g. Das gibt Probleme, ich sag das voraus.
Ach, außerdem stehen da auch rote Beete auf der Liste, auch 400g - die will ich nicht, ich hasse rote Beete. Vielleicht sollten wir jetzt schon mal Tauschlisten im Internet anlegen. "Tausche meine rote Beete gegen irgendein anderes Gemüse" - jetzt, wo das Internet noch läuft, ist das doch eine gute Idee, oder?
Außer Gemüse in Dosen soll man natürlich auch Obst in Dosen bunkern, hier würde ich dann gerne die Birnen tauschen. Ich hätte ja am liebsten Mango, aber die stehen gar nicht auf der Liste. Sowas. Muss ich da jetzt schon auf dem Schwarzmarkt gucken, oder macht der Schwarzmarkt erst im Notfall auf? Aber vielleicht sind ja jetzt die Preise noch nicht so verdorben und ich könnte meine Birnen 1:1 gegen Mangos tauschen, von mir aus auch gegen eine etwas kleinere Dose? Antizyklisch kaufen kennt doch jeder, muss doch auch für Schwarzmarkt gelten, oder?

Bei Frischobst ist man dann plötzlich in der Lage den Verbraucherbürger ganz eigenverantwortlich laufen zu lassen, einfach nur 1 Kilo und dann Apfel, Birne, Banane, Orange roh als Beispiel darunter, damit man auch weiß, welches Frischobst für den Notfall vorzuhalten ist. Man beachte aber: Bei Äpfeln wird zwar nicht die Einzel-, doch aber die Gesamtmenge (610g) erwähnt. Da sollte man dann doch schon fein säuberlich wiegen gehen.

Bei Getränken steht nur 28l Wasser pro Person sowie 250g Kaffee, 125g Tee und 200ml Zitronensaft.
Wer auch immer diese Liste zusammengestellt hat, viel Ahnung vom echten Leben hat der bestimmt nicht. Keine Cola, kein Eistee, kein Bulldingsirgendwas, ja sacht mal Leute, habt ihr nicht daran gedacht, dass im Notfall auch Kinder versorgt werden müssen? Ich glaube, ich bunker genau solche Getränke und verdiene mir dann eine goldene Nase auf dem mit 1000%iger Sicherheit boomenden Schwarzmarkt.

Dann weiter: 3l H-Milch, ja meinetwegen - und 700g Hartkäse.
Hartkäse? Versteh ich das richtig? Nix Gouda oder so, sondern eher Parmesan? Ich glaube, ich habe da wieder was zu tauschen…..

Schließlich soll man noch Fisch, Fleisch und Eier, 2,1 kg insgesamt bevorraten und natürlich auch in Dosen - außer die Eier.
Die Frage nach der Haltbarkeit hatte ich ja schon und mit welcher Umschlagshäufigkeit solche Notfallvorräte ersetzt werden müssen, muss ich also nicht wiederholen, ich grinse einfach nur leise vor mich hin und warte auf die nächsten Politikerauftritte, wenn jetzt alle Bürger brav ihre Notfallvorräte horten. Genug faule Eier zum Werfen werden sie so ja wohl problemlos züchten können.

Als allerletztes stehen Fette und Öle auf der Liste - und wenn ich mir die Menge Brot anschaue, dann finde ich ein halbes Pfund Streichfett jetzt echt nicht viel.
Vier Pakete Knäckebrot und 1 Kilo Vollkornbrot und dafür insgesamt nur ein Paket Butter? Also, das finde ich jetzt knauserig, ob man da nachverhandeln kann?

Zusammenfassung: Ich habe dann mal unsere Vorräte überprüft, festgestellt, dass mir ein paar ganz wesentliche Dinge fehlen, wie zB die roten Beete, die Dosenbirnen und das Corned Beef (btw: gibt es eigentlich auch eine Liste für Vegetarier oder Veganer? Oder müssen die zusehen, wie sie überleben, die brauchen keinen bundesregierlichen Rat?), aber ansonsten sieht das ganz gut aus in meinem Vorratskeller. Außer die Wassermengen, die könnte ich in dieser Größenordnung nur als Rotwein anbieten, aber da war doch was mit Wein und Wasser und Not, oder? Wird also schon alles gut gehen
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Sonntag, 14. August 2016
Luxus
Der letzten Frage aus dem gestrigen Stöckchenkatalog habe ich heute noch mehrfach hinterhergegrübelt.
Welchen Luxus leisten Sie sich?
"Luxus leisten" war bei mir spontan und sofort mit "Geld ausgeben" verknüpft, aber wenn ich länger darüber nachdenke, fallen mir viele Dinge ein, die gar nichts mit Geld zu tun haben, die ich aber durchaus auch als Luxus bezeichnen würde. Zeit haben, Freiheit, Unabhängigkeit, also sehr viele immaterielle Dinge fallen für mich auch in die Kategorie Luxus.
Ich denke, Luxus definiert sich zum einen immer aus dem eigenen gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld, zum anderen aber auch immer dadurch, dass man selber es als etwas Besonderes und Ausgefallenes, gleichzeitig aber auch als etwas Wertvolles und Erstrebenswertes betrachtet. Und da wird es spannend, denn nur wenn man es selber als erstrebenswert beurteilt, empfindet man es auch als Luxus. Ein "Highsocietyleben" mag ja nach materiellen Aspekten sehr luxuriös sein, da ich da aber überhaupt kein Verlangen danach habe, empfinde ich zB Events, die in diesem Umfeld stattfinden und an denen ich ab und zu auch mal (beruflich) teilnehme, gar nicht als Luxus, sondern nur als langweilige Verschwendung.
Zeit haben - oder besser: sich einfach Zeit nehmen für Dinge, die objektiv betrachtet vielleicht komplett überflüssig sind, aber mir persönlich richtig viel Spaß machen, das ist für mich Luxus, und wenn ich mir zB Mittwochsvormittag einfach frei nehme, weil das Wetter so schön ist und ich große Lust habe, bei so einem tollen Wetter über den Mittwochsflohmarkt am Stadion zu schlendern - dann ist das für mich geleisteter Luxus.
Und von solcherart Luxus leiste ich mir zwar schon durchaus eine Menge, habe es mir auch schon immer geleistet, gefühlt aber noch lange nicht genug und mein großes Ziel ist es, mir immer mehr Freiheiten und Auszeiten leisten zu können. Denn das ist für mich tatsächlich der wahre Luxus: Frei sein und unabhängig.
Zugegeben, dazu gehört Geld, denn ohne Geld ist man viel zu sehr von viel zu vielen Dingen abhängig und hat gar keine Chance frei und unabhängig zu sein. Aber ich glaube, das "Luxus leisten" beginnt an der Stelle, wo einem Geld nicht mehr wichtig ist und man deshalb bewusst darauf verzichtet.
So gesehen erkauft man sich seine Zeit und Freiheit auch wieder mit Geld - aber nicht durch Geld ausgeben, sondern durch Geld nicht bekommen. Betriebswirtschaftlich ist das natürlich das gleiche, Opportunitätskosten nennt man das, aber der Preis für den Luxus ist abhängig vom eigenen Stundensatz. Und je mehr man verdient, umso teurer wird die eigene Zeit. Wahrscheinlich empfinden deshalb auch grade Besserverdiener "Zeit haben" als den größten Luxus.

Cut. -

Heute Abend habe ich einen der beeindrucksten Sonnenuntergänge aller Zeiten gesehen. Das gesamte Licht färbte sich mit ein und zeitweilig war alles orange.





Ganz faszinierende Stimmung
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Dienstag, 19. Juli 2016
Wann wird es endlich wieder Winter?
Ich für meinen Teil bin jetzt schon durch mit dem Sommer, mir reicht's, es darf ab sofort wieder kalt werden.
Mag ja sein, dass es Leute gibt, die tauen leben erst auf, wenn die Temperaturen über 30° C steigen, ich gehöre jedoch zu den Menschen, die das Leben dann komplett verweigern.
Mich machen diese Temperaturen schwer depressiv und extremst übellaunig, ich weiß einfach nicht, was ich bei dieser Hitze noch tun kann, um einen auch nur irgendwie gearteten normalen Tagesablauf aufrechtzuerhalten.
Bei Hitze werde ich sehr langsam und Konzentration fällt mir schwer. Darüber ärgere ich mich dann so, dass meine Laune immer tiefer sinkt, was wiederum dazu führt, dass sich meine Produktivität einem neuen Tiefpunkt nähert.
Insgesamt deshalb für mich bitte keinen Sommer mehr, bekommt mir nicht
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Montag, 11. Juli 2016
Die Kinder spielen wieder draußen
Ich habe ja bekanntlich kein besonderes Interesse an "Videospielen" (das Wort musste ich jetzt hinschreiben, weil es das einzige ist, was mir einfiel und so wunderbar deutlich zeigt, aus welchem Steinzeitalter ich stamme und wie wenig ich mich tatsächlich mit diesem Genre beschäftige. Nach etwas Gegoogel könnte ich jetzt auch "Computerspiele" als etwas moderneres Wort anbieten.)
Auf alle Fälle finde ich persönlich diese ganzen Bildschirm-Spiele sehr schnell langweilig, weshalb ich auch nur sehr eingeschränkt Ahnung davon habe und das, was ich davon weiß, weiß ich, weil ich Kinder habe, die quasi mit einem Gameboy aufgewachsen sind und immer verzweifelt versucht haben, ihrer Mutter wenigstens zu erklären, was sie da treiben.
Und da ich es auch immer überflüssig fand, den Kindern nur einen eingeschränkten Computer- und Spielekonsolenzugang zu gestatten, weil ich als Maßgröße immer nur "solange das mit der Schule funktioniert, sehe ich keinen Grund, Euch irgendwas zu verbieten" vorgegeben habe, haben sich die Kinder umgekehrt Mühe gegeben, ihre Mutter über ihre Computerspiele wenigstens soweit auf dem Laufenden zu halten, dass ich nicht als völlig verantwortungslose, weil uninteressierte Schlampe dastand, wenn ich zu dem Thema etwas sagen musste.
Jetzt, wo ich das so schreibe, fällt mir auf, wie lustig das war, denn die Kinder waren wirklich besorgt, das ich unter den anderen Müttern nicht zu sehr als Exot auffiel (was ich mit meiner eher unorthodoxen Haltung zur Kinderaufzucht und -erziehung ganz unbestritten war) und dachten, wenn sie mich mit dem ganzen Wissen füttern, was sie aus ihrer Welt als "Kinderwissen" kannten, zu dem ich aber mangels Interesse überhaupt keinen eigenen Zugang hatte, also wenn sie mich immer schön auf dem Laufenden halten, über das, was sie alles grade so machen, tun und planen und dafür sorgen, dass ich nicht nur alle Jugendwörter drauf habe, sondern eben auch alle Computerspiele wenigstens vom Namen und grob vom Inhalt her kenne, dann falle ich in der Mütterwelt nicht auf und alles ist gut. Das für mich extrem lustige daran war, dass ich grade wegen dieses Wissens aufgefallen bin, denn die anderen Mütter hatten alle mal schlicht gar keine Ahnung von Computern und Computerspielen und waren der Überzeugung, wenn sie dieses Teufelszeug ihren Kindern einfach pauschal verbieten, dann reicht das. Dass sich nur sehr wenige Kinder so etwas dann wirklich verbieten lassen, kam den wenigstens Müttern in den Sinn. Nach meinem Wissenstand hatten damals alle Kinder Gameboys, einige halt nur nicht zu Hause. Die lagen dann bei uns, weil es da ungefährlich war, sie zu haben. In Spitzenzeiten waren bei uns im Haus bestimmt bis zu 10 Gameboys stationiert.
Aber das will ich gar nicht erzählen, das fiel mir nur so nebenbei auf.
Was ich eigentlich erzählen will, handelt von dem neuen Spiel Pokémon GO, mit dem alle drei Kinder seit Tagen unterwegs sind.
Ich habe drei richtige "90er" Kinder, d.h. sie sind alle mit Pokémons aufgewachsen und verbinden Pokémons deshalb mit ganz vielen positiven Kindheitserinnerungen.
Erst hatten sie Unmengen an Pokémon Spielkartendecks, dann die vielfarbigen Gameboy-Spiele und immer wenn es was Neues von Pokémon gab, dann gab es das kurz danach auch bei uns.
Es gab auch Yu-Gi-Ohs, das waren die Folgefiguren, als jeder Pokémons hatte und sie deshalb nicht mehr modern waren, von denen hatten sie auch viele Kartendecks, aber als Kindheitsklassiker bei allen dreien haben sich Pokémons eindeutig stabiler gehalten als alle anderen Spielkarten, Spielfiguren oder Spielinhalte.
Mir erschienen diese Figuren immer ganz entsetzlich mysteriös und ich habe bis heute nicht begriffen, wie das Spiel genau funktioniert, um was es dabei überhaupt geht und vor allem, wie man sich all diese schrägen Namen und Verwandlungsstufen und sonstigen Spezialregeln merken kann, denn es sind viele. Sehr, sehr viele. Am meisten hat mich allerdings fasziniert, dass sie alle drei behaupteten, Lateinvokabeln könne sich doch kein Mensch merken, das wäre doch viel zu abstrakt, Pokémons dagegen seien mitten aus dem Leben. Ich erinnere mich an eine Szene als sich der damals achtjährige Sohn 1 sehr fachmännisch mit seinem Kumpel über komplexe Pokémon-Spielstrategien und -schachzüge unterhielt. Ich hörte den beiden beim Fachsimpeln zu und überlegte mir, dass ich sofort glauben würde, dass dieses Gespräch der Austausch von zwei Nobelpreisträgern der Teilchenphysik sein könnte - in dem Gespräch kam so gut wie kein Wort vor, das ich kannte.
Aber die dreien lieben Pokémons und das bis heute.
Am Donnerstag postete Tochter 1-17 in der Familiengruppe, dass sie mehr Online-Volumen braucht, weil Pokémon Go unter Edge nicht vernünftig lädt, dass sie in ihrer WG aber bereits ein Evoli und ein Taubsi gefangen habe. Es dauerte keine 2 Sekunden, da fragte Sohn1, wie sie denn an dieses Spiel käme, das gäbe es doch noch gar nicht in Deutschland, so dass sie ihren Geschwister lässig ihre australische iTunes-Addy angeboten hat und schwuppdiwupp hatten alle drei Kinder Pokémon Go.
Bis dahin hielt ich das Ganze noch für einen nostalgischen Spleen und habe mich nicht weiter drum gekümmert. Aber am Freitag kam C. dann nach Greven, weil J. auch grade hier ist und die zwei liefen den ganzen Tag durch den Ort und fingen Pokémons. Am Abend waren sie platt wie Hulle, aber unglaublich glücklich, denn sie hatten schon fast dreißig der 151 Pokémons gefangen, dafür waren sie mindestens 20km durch den Ort gelaufen und hatten jede Menge neue Gegenden in der Stadt entdeckt, in der sie immerhin einige Jahre zur Schule gegangen sind…
Dann wurde ich doch neugierig und ließ mir das alles mal genau erklären.
Und was soll ich sagen: Chapeau!
Großen Respekt für den Menschen, der sich dieses geniale Spiel ausgedacht hat, denn damit werden alle nerdigen, computerspielsüchtigen Stubenhockerkinder plötzlich zu echten Draußenfreaks, bewegen sich, laufen kreuz und quer durch ihre Heimatstädte und lernen so ihre Umgebung endlich mal aus eigenem Antrieb kennen.
Dabei funktioniert das Spiel so simpel: Die App funktioniert über GPS und stellt über die Kamera des Handys im Rahmen dieser "augmented reality" auf dem Display nicht nur die direkte Umgebung dar, sondern ab und zu tauchen eben auch einzelne Pokémons auf, die man dann mit Pokébällen abwerfen=fangen muss. Pokébälle muss man wiederum an speziellen Pokéstationen laden, die werden auf einer Karte dargestellt und befinden sich an erkennbaren "Wahrzeichen" oder Landmarken. Hier in Greven zB ist eine Pokéstation beim blauen Elefanten (das ist eine Skulptur vor einem Kinderhaus) und eine andere beim weißen Elefanten, was ebenfalls eine Skulptur ist, die aber 2km entfernt von der anderen steht, d.h. wenn man seine Pokébälle alle verschossen hat muss man entweder 2km laufen, oder eine halbe Stunde warten (eine Option, die für Spielsüchtige als noGo gilt) oder man kauft sich Pokébälle. Darüber scheint sich die App, die ansonsten umsonst geladen werden kann, wohl gut zu finanzieren.
Und das war's auch schon. Da meine Kinder den Ehrgeiz haben, für Computerspiele möglichst kein oder nur wenig Geld auszugeben, mussten sie laufen. Betrügen lässt sich die App wohl auch nicht, wenn man vom blauen zum weißen Elefanten mit dem Auto fährt, klappt da irgendwas nicht, mit dem Nachladen und neue Pokémons kann man im Auto auch nicht fangen, weil sie viel zu schnell wieder weg sind.
Die Idee des Spieles finde ich also ziemlich genial, schlägt der Spieleentwickler doch gleich ganz viele Fliegen mit einer Klappe: Eltern unterstützen die App, weil ihre Kinder sich plötzlich bewegen, dafür benutzen die Kinder die App natürlich nicht nur wenn sie unterwegs sind, wo nebenbei alle Wege der Kids perfekt aufgezeichnet werden, sondern auch im Haus, wo dann ganz en passant alle Häuser von innen gefilmt werden.
Bisher ist die App erst in USA, Japan, Australien und Neuseeland erschienen, wo aber der Ansturm der Nutzer gleich so gigantisch war, dass die Server in die Knie gingen und sich deshalb der Release in den europäischen App-Stores verzögert.

Ich kann nur hoffen, dass meine Kinder schon alle 151 Pokémons gefangen haben, bevor hier in Deutschland das Riesengerenne losgeht, andererseits denke ich aber auch, sie finden es nur grade deshalb so hip, weil die App nur mit Spezialbeziehungen geladen werden kann und man ganz weit vorne ist, wenn man so ein In-Game schon durchgespielt hat, bevor andere es überhaupt starten können. Aber niedlich fand ich es schon, wie sie das gesamte Wochenende höchst eifrig in der Gegend rumspaziert sind und wie die Wilden Pokémons abgeworfen haben. Die Fachgespräche dazu hörten sich an wie früher
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Donnerstag, 23. Juni 2016
Wurm drin
Diese Woche hat einen spürbaren Abwärtstrend und ist dabei blöderweise schon mies gestartet.
Nach dem frustigen Montag hatte ich ernsthaft gehofft, es wird besser, aber gestern habe ich auch keinen Schwung reinbringen können und war am Abend nur völlig platt.
Heute bin ich noch müder als gestern, was daran liegt, dass die Arbeit nicht abreißt und heute morgen kam noch eine richtig schlechte Nachricht dazu. So schlecht, dass ich den halben Tag wie betäubt durch die Gegend gelaufen bin und immer gehofft habe, ich wache gleich auf und alles war nur geträumt.
War es aber nicht, sondern bittere, böse Realität.

Ein bisschen habe ich vor dem Rest der Woche jetzt Angst und frage mich, was noch alles kommt.
Vielleicht hat sich Frau Nemesis ja auch grade erst warm gelaufen, irgendwie fühlt sich das alles nicht gut an im Moment
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Mittwoch, 1. Juni 2016
Sehr blamiert
Gestern habe ich ja eine recht förmliche, juristisch knappe E-Mail der Agentur von Mona Harry bekommen, in der ich aufgefordert wurde, innerhalb von 24h den Text zu Mona Harrys Liebesgedicht an den Norden, den ich unerlaubterweise unter das Video geschrieben hatte, das ich allerdings erlaubterweise verlinken durfte, zu entfernen.
Ich habe mich dann mit den gesetzlichen Bestimmungen befasst und festgestellt, dass der Rechteinhaber tatsächlich komplett gesetzlich gedeckt darauf bestehen kann, dass ich sogar im Gegenteil noch Glück hatte, dass er mir nicht gleich eine kostenpflichtige Abmahnung über einen Anwalt geschickt hatte.
Gab eigentlich also nichts über das ich mich hätte aufregen müssen, ich hatte einen Fehler gemacht und hätte froh sein sollen, so glimpflich davon zu kommen.
Trotzdem habe ich mich darüber geärgert, denn ich empfand dieses Verlangen als nölige Rechthaberei eines pieseligen Erbsenzählers, irgendwie aufgeblasen und wichtigtuerisch. Mag ja sein, dass es juristisch gedeckt ist, aber meine Güte, muss man dann gleich so dick auftragen und die ganz dicke Keule rausholen? Und wofür überhaupt? Ich meine, was schadet es denn, wenn der Text da steht?
Aber ja, natürlich Euer Ehren, steht so im Gesetz, selbstverständlich lösche ich den Text.

Phhhft, alles diese blöde Agentur, die wollen sich aufblasen und ihren Künstlern beweisen, wie wichtig und unentbehrlich sie sind. Kennt man doch aus einschlägigen Elternabenden, da gibt es auch immer irgendwelche Helikoptereltern, die auf allen möglichen überflüssigen formalen Krimskrams bestehen, der keinem nutzt, allen nur lästig ist, aber natürlich gesetzlich vorgeschrieben ist. Und wehe Justin hat "Fettsack" zu Patrick-Alexander gesagt, dann wird sofort ein Sonderkommando als Mobbing-Aufklärungsausschuss gebildet und wenn der Lehrer nicht zackig Gewehr bei Fuß steht, geht es über den Rektor zum Schulrat, schließlich haben die Kinder Rechte, die kann man nicht einfach ignorieren. Patrick-Alexander hat dabei keiner gefragt. Der findet das in aller Regel alles ganz furchtbar. Mit dem "Fettsack" hätte er leben können, dass darüber aber jetzt so eine Welle gemacht wird, verbessert seine Position ganz sicher nicht, nur was soll er gegen seine Eltern schon machen?
Will sagen, ich war tatsächlich der festen Überzeugung, der Anstoß, die Idee und die Durchführung - alles auf dem Mist der Agentur gewachsen und habe es mir deshalb natürlich nicht nehmen lassen, mich gründlich über diese seltsame Agentur auszulassen, die ihre armen Künstler einfach unterdrückt und in ihrem Namen solche Aktionen durchzieht.
Und dann hat die Agentur mir per Mail geantwortet und sich viel Mühe gegeben, mir zu erklären, warum sie die Textlöschung verlangt haben. Das hat mich zugegeben sehr beeindruckt, nur mit den Argumenten kam ich nicht klar. Denn dass der Künstlerin dadurch Einnahmen entgehen, weil jetzt keiner mehr den Text kauft, wenn er ihn umsonst im Internet findet, das fand ich schon arg unlogisch. Die Stelle, wo man im Internet den Text bei der Künstlerin selber bestellen kann, die ist so versteckt, dass man schon sehr lange und sehr hartnäckig suchen muss, bis man die gefunden hat. An den offensichtlichen Stellen, zB auf ihrer eigenen website, da steht da nix von. Wenn ihr an diesen Einnahmen wirklich so viel gelegen ist, dann wäre es doch viel sinnvoller, sie betreibt ein offensives Marketing für ihre Texte, statt ein destruktives Antimarketing mit dem Ziel alles zu löschen, was sie nicht selber herausgegeben hat.
Ich hielt also diese Argumente alle für vorgeschoben und fadenscheinig, immer noch in der festen Überzeugung, die Agentur will sich dicke tun. Das habe ich der Agentur dann auch entsprechend ausführlich zurückgeantwortet - und es kam die nächste Antwort.
Diesmal mit einem Argument, was mich erst sprachlos, dann sehr errötend und schließlich sehr beschämt alle meine hämischen Bemerkungen über die Agentur zurücknehmen ließ, denn sie war es gar nicht schuld.
Nix überengagierte Helikoptereltern, die über den Kopf des Kindes hinweg handeln, sondern ein kleines, unglückliches, trauriges Kind, das sich verzweifelt und hilfesuchend an seine Eltern gewandt hatte, weil es allein von der Situation überfordert war.
Mona Harry höchstpersönlich und selber hat darum gebeten, dafür zu sorgen, dass ihr Gedicht nirgends im Internet verschriftlich existiert, denn sie will das nicht.
Punkt und aus. Mehr Gründe gibt es gar nicht. Und natürlich kann sie das verlangen, es ist ja schließlich ihr Gedicht. Sie muss sich dafür weder rechtfertigen noch muss sie es begründen, es reicht, wenn sie sagt, sie will das nicht.

Oh Mann, auf den Gedanken wär ich echt nicht gekommen. Die macht so einen coolen, toughen, norddeutschen Eindruck, wer rechnet da mit einer scheuen Künstlerseele?

Naja nu, ist das auch geklärt. Ich habe mich bei der Agentur ausführlich entschuldigt, war mir echt peinlich, dass ich die so falsch eingeschätzt habe, dabei sind das in echt ganz tolle Typen, die sich wirklich richtig doll viel Mühe geben und superengagiert sind. Sorry Herr Högsdal, soll nicht wieder vorkommen, ich brauche nur leider keine Agentur, aber wenn ich eine bräuchte, ich würde ganz bestimmt Sie nehmen.
Punkt
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Dienstag, 24. Mai 2016
Mehr oder weniger bekannt?
Ein Thema, das mir immer wieder auffällt, wenn ich so durch die "Blogszene" surfe, ist "Wie verbessere ich den Bekanntheitsgrad meines Blogs?".
Dazu gibt es ganze Profiblogs, die sich nur damit beschäftigen, anderen beizubringen, wie sie besser und erfolgreicher bloggen, aber auch von anderen (erfolgreichen) Bloggern wird das Thema immer wieder mal aufgegriffen, wahrscheinlich weil es für die meisten Blogger die Elementarfrage nach "to be or not to be" oder genauer gesagt nach "to blog or not to blog" darstellt.

Die für mich beste Antwort auf die Frage, wie ICH mein Blog führen möchte, habe ich dabei im Header von Anke Gröner gefunden.
"Blog like nobody's watching."

Genauso und nicht anders kann der Ansatz auch für mich nur sein.

Ich leiste mir aber ja auch den Luxus einen 100% privaten, nichtkommerziellen Blogs, denn Geldverdienen ist für mich persönlich tatsächlich der letzte Grund, der mich zum Bloggen treiben würde. Im Gegenteil, grade weil ich bei der Bloggerei so gar keine Erfolgs-, Effizienz- Produktivitäts- oder andere leistungsorientierten Ergebnisse erzielen will oder gar erzielen muss, ist es für mich eine attraktive Beschäftigung.
Da ich außerdem auch keinerlei Sendungsbewusstsein habe und noch weniger irgendeine Art von Profilierungszwang verspüre, habe ich auch kein gesteigertes Interesse an hohen Klickzahlen oder einer aktiv unterstützten Bekanntheitsverbreitung meines Blogs. Tatsächlich finde ich es eher vorteilhaft, dass dieses Blog so unbekannt ist, so dass es auch nur eine sehr geringe Chance gibt, dass hier "falsche Leute " mitlesen.
Meine latente Sozialphobie hat mir ja schon einmal diesen akuten Verfolgungswahn beschert, der letztlich dazu führte, dass ich mein erstes Blog komplett gelöscht habe und für fast acht Jahre einen großen Bogen um das Internet und alle darin lebenden Menschen gemacht habe.
Insofern bin ich sicherlich nicht der Prototyp eines Bloggers, aber die Erkenntnis, wie wichtig hohe Klickzahlen für die meisten Blogger sind, hat mich neugierig gemacht, was andere Blogger wohl für Gründe haben bzw. was es für andere Typen von Bloggern gibt.
Festgestellt habe ich dabei, dass ein "guter Blogger" (das scheint also per definition schon mal jemand zu sein, der es wichtig findet, ein "erfolgreiches" Blog zu haben - und die Höhe und Menge des Erfolgs misst man natürlich an den Klickzahlen), dass also ein guter Blogger sein Blog als erstes mal in eine bestimmte Kategorie einsortieren muss.
Ohne Kategorie kein Erfolg.
Logisch, denn an Kategorien hängen Suchbegriffe, Empfehlungen, Ähnlichkeiten, der ganze Marketingrabbes also, den wir von Amazone und eBay und allen anderen Marktplätzen kennen. Kunden, die diesen Blog kauften lasen, interessierten sich auch für diesen oder diesen oder jenen…….
Grundsätzlich ist an Kategorien auch kein Mangel, von Architektur, Bücher und Charity über Familie, Hobbys, Kochen, Mode, Schönheit und Zahlenzauberei ist alles denkbar, mein Problem ist, dass ich die Kategorie "Von A-Z" wählen würde, nur genau die wird nicht angeboten.
Für das, was ich mir hier so zusammenblogge fällt mir aber auch wirklich keine Kategorie ein. Im Zweifel aus jedem Dorf 'n Köter und die dann auch noch wild gemischt.
Dabei gibt es so lustige Kategorien, wenn ich nur die Überschrift und ein paar Blogvorschläge dazu lese, bin ich bei manchen Kategorien schon arg versucht, dazu etwas bösbissiges zu schreiben, weil ich es so unglaublich skurril finde, welche blogs sich dann teilweise unter diesen Kategorieüberschriften tummeln.
Lifestyle zB - das wär doch was, vielleicht sollte ich Lifestyle einfach als Kategorie wählen und damit dann all die schnieken Münsteraner Geldschnepfen anlocken, die stehen nämlich auf Lifestyle. Aber bringt mich im Zweifel auch nicht weiter, die klicken mein Blog dann einmal an und sofort angeekelt wieder weit weg.
Dabei finde ich durchaus, dass ich Lebensstil habe, aber erfahrungsgemäß wird mein Lebensstil von den meisten Leuten eher als anders und nicht als artig interpretiert.
Pech, denn Lifestyle im Sinne von Lifestyle-Blog ist artig. So'n richtiger, erfolgreicher Lifestyle-Blogger hat oft einen pastelligen Bloghintergrund, schreibt als Schlusswort immer irgendetwas wie "habt einen wundervollen Tag" oder "All the love", spricht seine Leser in der zweiten Person Plural an und hat ganz viele schicke Fotos und gute Ideen zu Dingen, die man dringend mal basteln, kochen, dekorieren, kaufen, anziehen, besuchen oder sonstwie machen sollte. Lifestyle mag zwar als Kategorie "von allem etwas" sein, aber hauptsächlich ist es weichgespültes Schönewetterleben für den gehobenen Mittelstand. Artig, eben. Aber weder einzig noch anders, nur sehr sauber und geputzt.

Einkategorisieren klappt also irgendwie nicht für mein Blog.

Ein anderer Begriff, der im Zusammenhang mit Blogoptimierung oft auftaucht ist SEO.
SEO finde ich ganz faszinierend, denn noch bis vor wenigen Wochen hatte ich von dieser Abkürzung noch nie etwas gehört und traf dann innerhalb von wenigen Tagen gleich mehrfach auf diesen Begriff, der jedesmal als so selbstverständlich bekannt vorausgesetzt wurde wie Leberwurst. Da habe ich mich natürlich schon gefragt, wie es sein kann, dass eine scheinbar so wichtige Definition so komplett an mir vorbeigegangen ist. Aber sei's drum, heute kenne ich SEO (steht für SuchMaschinenOptimierung, wobei statt des "Ms" der deutschen Maschine das "E" der englischen Engine verwendet wird, Seo spricht sich wohl besser als SMO).
SEO ist für einen erfolgreichen Blogger also fast noch wichtiger als Kategorien, denn über SEO wird man gefunden und dann kommen die Klicks.

Bei der Suche, welche Blogs heute denn als besonders erfolgreich gelten, habe ich dann endlich auch gelernt, dass der Blogger von heute in der überwiegenden Menge ein anderer ist als der Blogger, den ich vor 10 Jahren so kannte und dass deshalb die meisten Blogger wohl auch ganz andere Motivationsstrukturen haben, als ich mir das bisher in meiner kleinen, einfachen und stehengebliebenen Welt so vorstellen konnte.
Heutzutage kann man mit Bloggen tatsächlich Geld verdienen, und es scheint eine Menge Leute zu geben, die damit vielleicht nicht das komplette Familieneinkommen ranschaffen, sich auf alle Fälle aber ein sehr nettes Zubrot verdienen. Dafür braucht man natürlich einen entsprechenden Bekanntheitsgrad, denn nur der generiert die nötigen Klicks und bietet die Chance, dass genug Menschen auf die angebotenen "affiliate links" anspringen, die zu Seiten wie Amazon o.ä. weiterleiten, wo der Leser dann vorzugsweise genau das einkauft, was der Blogger so en passant als nützlich, schick oder habenswert erwähnt hat, und so dem Blogger eine Vermittlungsprovision einbringt.
Ich finde das grundsätzlich vollkommen in Ordnung, denn es ist irgendwie eine persönliche, angenehme Werbung und die finde ich längst nicht so lästig und nervig, wie all diese tausend Pop-Ups und Werbelinks, die einem sonst überall unaufgefordert entgegenblinkern.
Aber es ist halt nicht der Grund, warum ich blogge.

Jetzt bin ich froh, dass ich weder Kategorie noch SEO brauche (obwohl ich trotzdem gerne wüsste, wie ich die Feedreadervorschau so einstellen kann, dass im Zweifel auch ein Bild angezeigt wird, wenn ein Bild im Beitrag vorkommt, aber das ist halt der Nachteil, dafür bin ich jetzt zu unbekannt, als dass ich die Reichweite hätte, dass sich da ein Antwortgeber findet. Sei's drum, einen Tod muss man sterben.)
Ich schreib hier einfach so weiter vor mich hin, freue mich, dass ich mir selber dadurch ein ganz klein wenig Struktur und Disziplin in mein ansonsten schon arg lotteriges Leben bringe und schau mal, was mir für Morgen so einfällt.
Habt bis dahin eine gute Zeit

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Donnerstag, 12. Mai 2016
Disruptiv
"Disruption" ist eine der aktuell modernen Imponiervokabeln.
Ich liebe Imponiervokabeln. Erstens natürlich, um sie selber zu benutzen und entsprechend Eindruck damit zu schinden, was ja auch der eigentliche Sinn dieser Wörter ist. Zweitens aber auch, und ehrlich gesagt ist das meine bevorzugte Verwendungsvariante, um Leute, die sich mit der Verwendung solcher Wörter dicke tun wollen, auf recht einfache Weise von ihrem aufgeblasenen "Ichbinwichtigtrip" wieder runter zu holen.
Jetzt hatten wir die Tage diverse Coaches (was ist der Plural von Coach? Coaches oder Coachen?) im Haus.
Unseren Kontrollgremien hatte wohl jemand erfolgreich ins Ohr geblasen, dass unsere Methode, die Geschäfte einfach mit gesundem Menschenverstand, dafür aber ohne jede religiöse Verbissenheit oder ideologische Prinzipientreue zu führen, hoch riskant ist und unser Laden nur durch großen Zufall und ganz viel Glück überhaupt noch existiert.
Wir brauchen dringend Changemanagement und disruptive Denkansätze, damit wir überhaupt noch das Jahresende ohne Insolvenzantrag erreichen.
Weil bei uns alles ausgeschrieben wird, wurde auch dieser Coach-Auftrag ausgeschrieben und so erschienen diverse Coacher zum Pitch. (Auch so ein Insider-Angeberwort, aber kommt doch echt cool rüber hier, oder?)
Das war schon eine lustige Veranstaltung.
Und ich fürchte, unser neuer Coach wird mich hassen, weil ich ihm jedes seiner schicken Wörter in Blondinendeutsch übersetze und frage, ob man das auch so sagen könnte, ich bräuchte das nämlich immer in barrierefreier Sprache, weil ich meine freien Kapazitäten lieber zum Nachdenken statt zum Vokabellernen benutze
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Mittwoch, 20. April 2016
Begrifflichkeiten
Ich mag ja Wörter, wenn sie neben ihrer denutativen formal grammatikalischen Bedeutung auch noch eine konotative gefühlte Aussage mitbringen. Manche Wörter lösen ganze Assoziationswolken aus, das macht dann richtig Spaß, denen hinterherzuspüren.
"Kleinod" hörte ich neulich, und wiederholte das Wort gleich dreimal, um es dann leicht wehmütig im Alltag untergehen zu lassen. Eigentlich wäre mir grad nach Kleinod gewesen, sich ein bisschen Zeit nehmen für die wichtigen Dinge, wie in der guten alten Zeit, und nicht nur dauergehetzt die vorgegebenen Effizienzregeln einhalten und dabei jeden Blick für die Wesentlichkeiten, für die Kleinode im Leben, vermeiden.

Aber hilft ja nix, wir müssen weiter, Kleinod hin oder her, für derartige Tändeleien bleibt heutzutage einfach kein Platz.
Schon irgendwie hanebüchen, finde ich
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Dienstag, 19. April 2016
Immer wieder Montags
Eigentlich....
Ja, eigentlich bin ich jeden Morgen immer wieder neu überzeugt, dass heute der erste Tag des nächsten Lebens ist, in dem endlich alles ordentlich läuft.
Ordentlich organisiert, ordentlich diszipliniert und ordentlich abgewickelt.
Ich fände das so toll. Wenn da endlich mal ein richtiges System reinkäme und diese ewige Tagesimprovisationsveranstaltung aufhört.
So ein richtig straff und sauber geführter Tagesablauf, also eigentlich träume ich ständig davon.
Klappt aber nie, irgendwas ist schließlich immer. Meistens akut keine Lust.

Montage haben so etwas Beginnendes. An Montagen erwarte ich noch intensiver, dass ab heute alles neu wird.
Und immer wieder Montags klappt das nie, denn grade Montags habe ich noch viel intensiver keine Lust.
Irgendwas läuft da schief
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