Die Monteure sind zwar noch nicht ganz fertig, aber das System funktioniert schon und das ist ja die Hauptsache.
Installiert wurde jetzt eine Therme von Buderus - von dem Hersteller ist auch die Heizung auf Borkum und die lässt sich ganz wunderbar übers Internet steuern. K. hat schon angefangen zu googeln, ob es für den Typ, den wir jetzt hier in Greven haben, auch so ein Internetmodul gibt, das wäre ja prima, dann könnten wir auch dieses Haus fernbedienen.
Grundsätzlich finde ich diese Smart Home Lösungen schon ziemlich praktisch, zumindest für meine persönliche Situation, wenn man ständig zwischen zwei Häusern pendelt. Denn dann ist es einfach sehr beruhigend, dass man das Haus, wo man grade nicht ist, trotzdem komplett unter Kontrolle hat.
In der Zeitung habe ich heute etwas über "Ceta und Mordio" gelesen und fand es ein witziges Wortspiel.
Und ein neues Wort habe ich gelernt (schon gestern), aber Plenk war für mich nicht nur so neu, dass ich es noch nie gehört hatte, ich wäre auch im Leben nicht auf die Idee gekommen, dass man für so einen Sachverhalt ein eigenes Wort braucht.
Außerdem war ich heute in einem Elektronikmarkt und habe dort ganz viele spannende Dinge gesehen und gelernt. So habe ich unter anderem entdeckt, dass es jetzt auch Festnetztelefone im Smartphonedesign gibt, finde ich hoch faszinierend. Obwohl ich zugeben muss, dass ich dieses Telefon auch extrem hübsch finde.
Ist jetzt nicht so, dass ich überhaupt noch viel von einem Festnetztelefon telefoniere, in den allermeisten Fällen hänge ich mir einfach so einen Bluetoothohrstöpsel um und benutze das iPhone, ist wesentlich bequemer weil komplett handsfree, trotzdem ärgere ich mich darüber, dass wir so gut wie kein funktionierendes Festnetztelefon mehr im Haus haben, die haben alle irgendeine Macke und selbst wenn ich wollte, kann ich also für ein längeres Telefonat kein Festnetztelefon benutzen, nach spätestens 10 Minuten brechen alle Gespräche zusammen. Jetzt habe ich wenigstens etwas gefunden, womit ich mich einkaufstechnisch beschäftigen kann.
Und ich bin seit heute Fan dieser edlen Sonos-Anlage, endlich habe ich begriffen, was die alles kann, wofür man die also benutzen kann und weshalb ich die jetzt dringend haben will. Wenn sie nicht so fies teuer wäre. Aber cool ist das Zeug schon. Ich könnte die Zentrale zB an meine uralte Denon-Anlage anschließen und so meine heißgeliebte, aber mittlerweile kaum noch genutze (denn wer hat heute schon Lust, Musik von einer CD zu hören?) Stereoanlage wieder über WLan in Betrieb nehmen. Denn die Boxen und der Verstärker sind ja noch immer so gut wie sie früher schon waren - und wenn ich die an die Sonos-Zentrale klemme, dann kann ich jede Musik, die ich übers Internet streame oder die ich auf dem iPhone habe über die Boxen der Anlage laufen lassen. Finde ich schon prima.
Na, schauen wir mal, aber brauchbar finde ich dieses System durchaus
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Heute Mittag stand Kartoffel-Spinatauflauf auf der Karte, außerdem Hühnchen-Hawaii und Rinderbraten mit Bratkartoffeln und Gemüse.
Mich hatte der Spinatauflauf gelockt, weshalb ich nach langer Zeit auch mal wieder im Casino war.
Am Nachbartisch saß ein ziemlich altes Pärchen, ich denke, die waren beide gut über 80, und aßen überkreuz von ihren Tellern.
Sie: Warum nimmst du dir denn von dem Spinatauflauf? Du magst doch gar keinen Spinat.
Er: Du hast mir das nicht gesagt.
Sie: Das stand doch dran.
Er: Da stand dran, dass ich keinen Spinat mag?
Sie: Nein, da stand aber, dass es Spinatauflauf ist.
Er: Und woher soll ich wissen, dass ich das nicht mag?
Sie: Na, in dem du guckst, was ich nehme. Ich habe Rinderbraten genommen, damit du auch was zu essen hast. Ich wusste doch, dass ich jetzt deinen Spinat essen muss.
Er: Dann hat ja alles geklappt.
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Eigentlich hatte ich heute morgen nämlich so sehr überhaupt keine Lust auch nur aufzustehen, dass ich zunächst über eine halbe Stunde damit vertrödelt habe, mir auszudenken, welchen plausiblen Grund ich anführen könnte, es einfach bleiben zu lassen.
Mir ist dann keiner eingefallen, stattdessen jede Menge vernünftige, gute, sinnvolle und nachvollziehbare Grünmde, weshalb es sehr viel klüger ist, trotz akuter Unlust doch aufzustehen, so dass ich nachher eben jammernd, stöhnend und klagend aufgestanden bin.
Als ich so gegen 9.15h endlich auf dem Weg ins Büro nochmal darüber nachdachte, fiel mir auf, auf welch hohem Luxusniveau ich da rumjammere. Im Ergebnis habe ich mich spontan sehr gründlich für mich selber geschämt.
Andere Leute freuen sich, dass sie überhaupt Arbeit haben. Die freuen sich über eine Arbeit, die ich wahrscheinlich noch nicht mal mit der Kneifzange anpacken würde, so schrecklich finde ich die Vorstellung, ich müsste so etwas arbeiten, aber unendlich viele Leute sind dankbar und deshalb auch rundum zufrieden, dass sie überhaupt eine Arbeit haben.
Irgendwo in Sachsen haben sie von Arbeitern berichtet, die voller Protest ihre Fabrik besetzt haben, weil sie Sorgen hatten, die Eigentümer könnten die Produktion ins Ausland verlagern.
Fabrikarbeiter. - Ich möchte kein Fabrikarbeiter sein. Ich stelle mir Fabrikarbeit ganz schrecklich gruselig vor. Langweilige, stupide, überwiegend körperlich anstrengende Arbeit. Komplett fremdbestimmt. Ausgeliefert und angewiesen. Gehorchen und funktionieren. Mensch und Maschine, oder Mensch als/statt/wie/gleich Maschine?
Ich weiß es nicht, ich habe noch nie in einer Fabrik gearbeitet, aber ich bin auch sehr froh, dass mir diese Erfahrung bisher erspart blieb.
Ich habe in meinem gesamten Leben bisher noch nie Sorge haben müssen, dass meine Arbeitskraft unter Umständen plötzlich nicht mehr gefragt sein könnte. Arbeitslosigkeit ist für mich einfach noch nie ein Thema gewesen. Das liegt zum einen daran, dass ich eine Ausbildung habe, in der es fast unmöglich ist, arbeitslos zu werden, zum anderen aber auch daran, dass ich ein höchst gesundes Selbstvertrauen habe, was neue Herausforderungen angeht. "Kann ich nicht" habe ich als Ausrede noch nie gelten lassen. "Will ich nicht" - ja, das kann ich akzeptieren, aber das wiederum muss man sich vorher verdient haben.
Wenn ich aber noch weiter nachdenke, dann muss ich zugeben, dass sowohl meine Ausbildung als auch meine "mentale Disposition" doch beides nur zufällige Glückspositionen sind. Weder muss ich mir darauf etwas einbilden, noch kann ich daraus Ansprüche ableiten.
Keine Ansprüche - außer den mittlerweile fest ausgehandelten und vertraglich vereinbarten Ansprüchen gegenüber meinem Arbeitgeber: Ich muss zwar nicht unbedingt jeden Tag pünktlich zu einer Mindestuhrzeit im Büro erscheinen - aber ohne vorherige Abmeldung sollte ich wenigstens irgendwann erscheinen und überhaupt ist ein Nichterscheinen nur dann zulässig, wenn ich gleichzeitig sicherstelle, dass kein Schaden entsteht, nur weil ich nicht da bin.
Deshalb bin ich heute aufgestanden. Denn ich hatte für 10h einen Termin zugesagt, wo Leute extra aus Frankfurt angereist sind, weil es ihnen wichtig war, mit mir zu sprechen und dann gehört es sich einfach nicht, solche Termine wegen akuter Unlust platzen zu lassen
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Bei strahlendem Wetter fällt es immer besonders schwer, die Insel zu verlassen, um in Münster wieder den Büroalltag zu absolvieren. Aber in zwei Wochen ist ja schon wieder Brückenwochenende, erfahrungsgemäß vergeht die Zeit sehr schnell.
Bei diesen Hin- und Herfahrereien schleppe ich regelmäßig den gesamten Kühlschrankinhalt in einer Kühltasche mit mir rum und natürlich sind immer angefangene Pakete dabei. Geöffnete Wurst- oder Käsepakete sind dabei nicht so schlimm, aber alles mit Flüssigkeit ist natürlich problematisch, weshalb es extrem wichtig ist, dass die Kühltasche immer schön aufrecht transportiert wird.
Ich dachte, K. hätte das auf die harte Tour inzwischen gelernt, musste heute aber feststellen, dass er das immer noch nicht ausreichend ernst nimmt. Blöderweise hatte ich heute eine Dose mit eingelegten Matjes unten in der Kühltasche. Welch wunderbare Sauerei
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Eine neue Woche zu beginnen braucht Schwung und Energie, gute Vorsätze oder besser noch: konkrete Vorhaben und vor allem brauchen Montage jemanden, der auch noch Lust hat, all diesen Kram umzusetzen.
Grade Montags stelle ich dann immer wieder fest, dass ich dafür nicht die richtige Person bin.
Montags steht man mit all diesen Sachen noch so ganz weit vorne am Anfang. Nicht nur muss man überhaupt erst mal anfangen, es dauert auch noch so lange, bis es fertig wird.
Das deprimiert mich regelmäßig und ich stelle jeden Montag aufs Neue fest, dass ich viel eher so der Freitagstyp bin.
So zum Schluss noch mal Gas geben, um dann gutgelaunt ins Wochenende zu gleiten, das kann ich gut.
Aber die Montage, die würde ich gerne ersatzlos streichen
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Die letzten
Konkret bzw. offiziell habe ich ja gar nicht gesagt, dass ich ein "Tagesblog" führen möchte, aber je länger es ging, umso selbstverständlicher wurde es, dass es auch weitergeht.
Jetzt, nach immerhin schon einem Jahr, bin ich um 366 Erfahrungen reicher und jede Menge Illusionen ärmer.
Regelmäßig, täglich einen inhaltsschweren, philosophisch oder humoristisch tiefgehenden Text mit geschliffenen Formulierungen hier abzuliefern war ein hehres aber genauso illusionäres Ziel. Aber überhaupt regelmäßig, täglich irgendeinen Text hier zu veröffentlichen hat mir eine wirklich angenehme zusätzliche Struktur in den Tag gebracht und meine eigene, früher extrem schlechte Meinung meiner persönlichen Schlurigkeit hat sich spürbar verbessert und ich bin schon ein wenig stolz auf mein bisheriges Durchhaltevermögen. Hätte ich mir nicht zugetraut.
Aber vielleicht bin ich gar nicht so schlecht wie ich selber immer von mir denke.
Neben diesem selbst gemachten Geburtstagsgeschenk kam heute Krischans Geschenk noch an:

Ein Fahrradanhänger in edel, den ich schon ziemlich sehr toll finde, für den ich selber aber immer viel zu geizig gewesen wäre, denn natürlich gibt es sowas auch in deutlich billiger.
Dann aber nicht so toll - und wenn ich jetzt entspannt sagen kann: "Hätte ich mir selber ja nie gekauft, aber was soll ich tun, es war ein Geschenk." - Dann muss ich mich nicht für ein peinliches Bonzentum schämen, sondern kann es entspannt genießen
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Wenn Leute Dinge können, die ich auch kann, dann finde ich das oft langweilig, denn was können die schon, da ist ja nix besonderes bei.
Ich finde nicht, dass ich etwas besonderes kann oder gar, dass ich irgendetwas besonders gut könnte. Ich kann einfach nur sehr viele Sachen, aber das ist auch wieder nichts bemerkenswertes, denn auch davon gibt es viele Leute. - Also ich meine Leute, die wirklich viele Dinge irgendwie können,
Wie auch immer, ich finde es nichts besonderes, was ich so kann, aber Menschen, die sich nicht nur Namen, sondern auch Gesicht und Aussehen von fremden Menschen merken können, die beeindrucken mich sehr.
Ich bin Namen- und Gesichtslegastheniker und erkenne im Zweifel auch meine eigenen Kinder nicht, wenn ich sie unerwartet irgendwo sehe.
Heute habe ich aber zum Glück alle Leute erkannt, mit denen ich zu tun hatte
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Der Spannungsaufbau im Arbeitsalltag ist immer der gleiche. Man hat drei Monate Zeit, sich auf die nächste AR-Sitzung vorzubereiten, davon ignoriert man das Thema aber mindestens zwei Monate und 10 Tage, und erst wenn man feststellt, dass man ja nächste Woche schon die Einladung mit Tagesordnung und allen Vorlagen zur Tagesordnung versenden muss, erst dann beginnt die Hektik.
Um 23.50h des Tages, an dem die Einladung allerspätestens rausmuss, verschickt die Sekretärin, die an solchen Tagen zur Nachtschicht verdonnert ist, pünktlich die Einladung. Mit Tagesordnung aber ohne Vorlagen. Die werden dann nachgereicht. Die 14 Tage vor der AR Sitzung sind regelmäßig gekennzeichnet durch akuten Stressaufbau, 12-14 Stunden Tage und eine systematisch steigende Gereiztheit und schlechte Laune. Beim Chef, im Team und in der Gesamtstimmung.
Wenn die Sitzung dann vorbei ist, wundert man sich mal wieder, wie problemlos das alles durchgelaufen ist und auch die Punkte, die Probleme machten, sind schnell vergessen, immerhin war es längst nicht so schlimm wie befürchtet. Bis zum nächsten Mal, dann beginnt wieder alles von vorne.
Nach der Sitzung ist aber erst mal die Luft komplett raus.
Was für ein Glück, dass am letzten Freitag im Quartal auch immer Abendflohmarkt am Stadion ist. Besser kann man sich nach so einer AR Sitzung gar nicht erholen
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Daran, dass ich mit meinem Beitrag jetzt erst fertig geworden bin, kann man erkennen, dass ich nicht so wirklich schnell bin, was Schreiben angeht und kurzfristig auf irgendwelche Themen zu reagieren, klappt bei mir mal leider gar nicht (mehr). Ich behaupte jetzt einfach mal, das liegt am Alter, früher hätte ich das bestimmt geschafft. (ähem, räusper, zumindest gefällt es mir, mir vorzustellen, dass das so gewesen wäre.)
Wie auch immer, auch wenn die offizielle Blogaktion natürlich schon längst vorbei ist, so spukt das Thema als solches bei mir wie ein Dauer
Mit den optischen Veränderungen habe ich dabei am wenigsten Schwierigkeiten. So besonders wichtig war mir die Optik noch nie. Es ist ganz nett, wenn man für sein Äußeres bewundert wird, aber definiert habe ich mich nie über mein Aussehen, also: so what.
Schon wesentlich ätzender finde ich die körperlichen Veränderungen, wenn sie Unbequemlichkeiten oder Unbehagen mit sich bringen. So hat mein Körper leider einen fatalen Hang zum Entwickeln von "Alterswarzen" oder der seborrhoischen Keratose, wie es medizinisch schick heißt. Und ich habe von jeher einen fatalen Hang zum Knibbeln. Wenn beides zusammen kommt, gibt es Entzündungen, blutende Wunden und sehr viel psychisches Genervtsein.
Also habe ich mir heute mal wieder ca. 40-60 von den Dingern beim Hautarzt fachgerecht entfernen lassen. Ich bin jetzt großflächi8g verpflastert, morgen soll schon alles gut verkrustet sein, im Moment ziept und piekt es noch überall, aber mit einer entsprechenden Menge Rotwein und der weisen Erkenntnis, besser so als jeden Tag eine andere Stelle aufzukratzen, werde ich auch diese Situation überstehen und spätestens in drei Tagen ist alles wieder gut.
Punkt
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Das Faszinierende ist nur, dass diese Veränderungen teilweise schon wirklich skurrile Ausprägungen haben, ich nenne sie mal „Veränderungsfeatures“, und noch viel faszinierender ist, dass diese Features ganz plötzlich da sind, einfach über Nacht
Warum alte Leute so seltsam sind, weshalb sie so schräge Angewohnheiten haben und wieso sie so wunderliche Dinge tun, sagen, denken und erwarten - das waren Fragen, die habe ich mir schon als Kind gestellt und ich habe mir damals fest vorgenommen, erstens kein langweiliger Erwachsener und zweitens aber erst recht keine seltsame Alte zu werden. Sowas muss sich doch verhindern lassen - man muss sich selber nur genau und sorgfältig beobachten und bei den ersten Anzeichen von beginnender Veränderung - zack - eingreifen und verhindern.
Weil, so dachte ich früher, solche Veränderung kommen ja langsam und schleichen sich einfach heimlich und unbemerkt ein, wenn man nicht aufpasst. Ich aber wollte aufpassen, hatte ich mir fest vorgenommen.
Seit frühester Jugend an beobachte ich also meine Lebensabläufe, -umstände und -veränderungen ganz genau und sehr kritisch - und ewig lange hat sich gar nichts getan.
Das mit dem Erwachsenwerden konnte ich einigermaßen erfolgreich managen, bilde ich mir ein. Ich denke, ich habe zumindest erfolgreich verhindert, dass ich ein langweiliger Erwachsener werde. Dafür war aber auch nicht sehr viel mehr notwendig als die feste Überzeugung, dass "Spaß haben" grundsätzlich und immer die oberste Lebensmaxime sein muss. „Die reine Vernunft darf niemals siegen!“ sagte schon Albert Einstein, und daran habe ich mich einfach immer gehalten und bin gut gefahren damit.
Spätestens seitdem ich dreißig bin, warte ich aber außerdem darauf, dass das mit dem "alt und seltsam werden" dann endlich auch mal losgeht, denn ich war schon seit jeher schwer gespannt, wie das passiert – nur entgegen vielerleuts Prophezeiungen haben sich bei mir die sonstigen Altersfeatures zunächst mal reichlich Zeit gelassen.
So wurde ich Mutter und nichts veränderte sich. Zumindest nicht so, dass ich es als "Alters- oder Seltsamkeitsfeature" hätte bezeichnen können.
Ganz eigentlich wollte ich ja nie Kinder haben, aber herrje, läuft halt nicht immer so, wie man sich das vorstellt, also machen wir das Beste draus. Kind kriegen wir auch noch mit durch. Wir werden schon Spaß haben.
Dann wurde ich dreißig, aber auch jetzt veränderte sich nichts so, wie es mir viele Menschen vorhergesagt hatten. (Werd du erst mal dreißig, du wirst schon sehen, wie sich das Leben verändert.) Weder das Leben noch ich veränderten sich spürbar.
Auch mit vierzig bemerkte ich noch keinen feststellbaren Unterschied. Ich fühlte mich eigentlich immer noch wie mit zwanzig, es gab keinerlei körperliche Veränderungen (zumindest keine, die ich spür- oder sichtbar registriert habe), und es gab auch keine psychischen oder mentalen Änderungen. Ich hatte in Grundsatzdingen immer noch dieselbe Meinung und Überzeugung wie mit 20 und ich habe sie auch noch genauso energisch vertreten und gelebt.
Mir gefielen immer noch dieselben Dinge, meine Vorlieben, Abneigungen, Gewohnheiten und vor allem mein "Ich-Gefühl " - alles unverändert.
Mit 40 war ich dreifache Mutter und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich oftmals beklommen meine Kinder beguckte und von einem ganz unwohlen Gefühl beschlichen wurde: Die hielten mich doch tatsächlich für ihre Mutter. - Mich. Die meinten auch ernsthaft, ich sei eine Mutter. In solchen Momenten hatte ich meist ein wenig Mitleid mit meinen Kindern, denn wie leicht hätte das ins Auge gehen können. Dann wäre die Chose aufgeflogen und sie hätten bemerken müssen, dass ich ganz in echt immer noch ein ziemlich unerwachsenes Gör mit hauptsächlich Flausen im Kopf war. Nix Mutter und seriös und vernünftig und erwachsen. Ich hatte einfach nur versucht, für alle Beteiligten das Beste aus den gegebenen Umständen zu machen und stets darauf geachtet, dass wir alle viel Spaß dabei hatten. Aber das ist dann natürlich auch die Kehrseite der Medaille, wenn man kein langweiliger Erwachsener werden will, den Prototyp der guten Mutter kriegt man dann auch nicht hin.
Aber dann ging's plötzlich los. Mit Mitte vierzig wurde ich von einer massiven Sinn- und Jammerkrise überrollt. Wo die plötzlich herkam, wie die angefangen hat, was der Auslöser war - keine Ahnung. Sie war plötzlich da und ging nicht mehr weg.
Ich musste mich sehr anstrengen, diese Krise überhaupt irgendwie in Griff zu kriegen, übrig blieb eine AnJe, die deutlich älter war. Oder vielleicht auch nur deutlich müder, denn das bin ich seitdem: dauermüde. Und mit dieser latenten Dauermüdigkeit im Nacken sind viele Dinge natürlich deutlich anstrengender und machen entschieden weniger Spaß.
Und seitdem trudeln jede Menge seltsame Altersfeatures ein, die meisten davon einfach so, sind –zack – plötzlich da, wenn ich mal eine Sekunde nicht aufgepasst habe, weil sich meine eigene Altersbeobachtungskontrolle mal kurz schlafen gelegt hat. (Die Dauermüdigkeit, da ist nicht gegen anzukommen.)
So wachte ich eines Morgens auf und konnte meine Augen nicht mehr scharfstellen. Lesen auf 30cm Entfernung ging nicht mehr. Echt, über Nacht.
Dann war mir plötzlich nicht mehr kalt. Kam auch ganz plötzlich, fand ich aber zunächst mal gar nicht schlimm, denn immerhin hatte ich bis zu dem Zeitpunkt weit über vierzig Jahre durchgefroren. Mir war früher eigentlich immer kalt, selbst im Sommer. Meine Lieblingsstrandbekleidung war früher ein riesiger Kaschmirpulli, den kann man nämlich auch auf nackter Haut prima tragen. Das einzige, was ich bei diesem Temperaturfeature etwas ärgerlich finde, ist, dass mir jetzt immer so viel zu warm ist, wie mir früher zu kalt war; nur gegen Wärme hilft auch kein Kaschmirpulli, zumindest nicht, wenn man ihn schon ausgezogen hat. Seitdem sich mein Temperaturverhalten um 180° gewandelt hat, habe ich eine immer intensivere Sommerabneigung entwickelt, hier kann ich dann durchaus mal zusehen, wie es kontinuierlich schlimmer wird, mein Hass auf Hitze, aber ändern kann ich ihn trotzdem nicht.
Und irgendwann hatte ich auch keine Lust mehr zu rauchen.
Ich fand Rauchen einfach blöd (auch wenn ich es deshalb trotzdem nicht einfach so über Nacht abstellen konnte, aber das ist eine andere Geschichte).
Dass ich Rauchen plötzlich blöd fand, hat mir dann aber schon zu denken gegeben, schließlich war ich über Jahrzehnte überzeugter Genussraucher gewesen. Weshalb ich es so ruckartig nicht mehr gut fand, weiß ich nicht, bemerkenswert finde ich nur, dass alle Gründe gegen das Rauchen , die ich heute in Mengen vortrage und von denen ich natürlich auch tief überzeugt bin, alle so schrecklich vernünftig und langweilig alt-erwachsen sind.
Hier bemerke ich also das erste Mal eine Körperveränderung im Kopf, eine Gesinnungsänderung.
Wo die jedoch herkommt, wie die entstanden ist und vor allem, weshalb die jugendliche Leichtigkeit des "mirdochegal" nicht mehr genug Durchschlagskraft hat, um sich gegen die üble Vernunftsdiktatur (Altersweisheit?) zu wehren, das kann ich nicht erklären, das ist alles unbemerkt von meiner "Altwerdenradarüberwachung" ganz stickum in mein Leben gerutscht, und ich habe keine Idee, wie ich so etwas verhindern könnte.
Jetzt lassen sich mit "nicht mehr rauchen" und "nicht mehr frieren" natürlich rein medizinisch/biologisch andere körperliche Veränderungen erklären, wie zB "plötzlich 15kg mehr".
Dabei war die Gewichtszunahme selber nicht das unerwartete Übernachtereignis, aber es hat sich durchaus sehr plötzlich geändert, dass ich nicht mehr essen konnte, was ich wollte.
Ich habe mich jahrzehntelang schwerpunktmäßig von Kartoffelchips und Kaffee ernährt - und plötzlich ging das nicht mehr. Plötzlich stellte ich verwundert fest, dass ich von einer 150g Tüte Kartoffelchips gut 1,5 kg Gewicht zulegte (übrigens ein Phänomen, was mich schon aus rein naturwissenschaftlicher Sicht fasziniert).
Kaffee dagegen - ein Getränk, das ich früher am liebsten intravenös genossen hätte und mindestens zwei Liter davon pro Tag brauchte, um überhaupt zu überleben - Kaffee schmeckte mir plötzlich nicht mehr. Oder anders gesagt: Ich hatte keinen Appetit mehr auf Kaffee. Ich trinke zwar noch jeden Morgen vor dem Aufstehen eine Tasse Kaffe, aber den Tag über bin ich ansonsten mit Tee (und auch noch diesen peinlichen "Omas Kräutertee") viel mehr zufrieden. Wenn ich mir diese Vorlieben- und Verhaltensänderung aber objektiv von der Seite begucke, dann bin ich schon gut unterwegs auf dem Weg zur „seltsamen Alten“, aber, wie schon oben gesagt, ich habe keine Idee, wie ich das ändern könnte.
Und es werden immer mehr von diesen skurrilen Altersfeaturen:
Nehmen wir mal die Sache mit dem Bauch, der ist nämlich ein Opfer des Temperaturwandels. Früher war mir immer kalt, d.h. aber nicht, dass ich überall gefroren habe. Am Bauch z.B. habe ich nie gefroren.
Jetzt ist mir immer warm – bis auf den Bauch, da friere ich jetzt ständig. Mir ist überall warm, nur am Bauch ist mir kalt.
Ich habe keine Ahnung, wann das angefangen hat. Eines Tages fror ich einfach am Bauch und scheinbar ist es dann dabei geblieben.
Irgendwann muss es zwar ein erstes Mal gegeben haben - nur genau das ist mir nicht aufgefallen.
Dabei ist das so ein auffälliges Alters-Feature, denn kein
Ich habe natürlich nie Unterhemden getragen. Denn Unterhemden, nein wirklich, die sind ja nun so eindeutig so sehr omaalt, da gibt es auch nichts mehr zu beschönigen, Unterhemden sind was für seltsame Alte. Aber wenn man am Bauch friert, dann wirft man auch schon mal steinerne Grundsätze über Bord…..
Ein anderes Altersfeature sind diese Härchen, die mir plötzlich an Stellen wachsen, wo sie früher nie gewachsen sind, dafür wachsen dort, wo ich sie früher immer weggemacht habe, heute gleich gar keine Haare mehr. Achseln und Beine sind also quasi haarfrei, aber am Kinn und auf der Oberlippe komme ich aus dem Zupfen gar nicht mehr raus. Diese Härchenzupferei hat sich mittlerweile zu einer echten Manie entwickelt. Ich habe an allen Stellen, an denen ich mich häufiger aufhalte, strategische Pinzettendepots eröffnet, also nicht nur im Bad, sondern auch am Bett, am Schreibtisch, am Sofa, im Auto und im Büro. Und in der Handtasche natürlich, für unterwegs. Und da ich zwei Zuhauses habe, gibt es in/an jedem Bad, Bett, Schreibtisch, Sofa mindestens eine Pinzette. Aufaddiert besitze ich also mindestens zwölf Pinzetten (in der Handtasche sind zwei) und wenn ich mir jetzt überlege, dass ich früher noch nicht mal meine Augenbrauen gezupft habe, weil, war nicht nötig (übrigens bis heute nicht, die wachsen ganz freiwillig okay), dann bin ich auch hier der seltsamen Alten schon ein gutes Stück entgegen gekommen.
Und so geht es munter weiter, ein Skurrilitäten-Feature nach dem anderen nistet sich ein und ich stehe staunend daneben und kann es nicht fassen.
Ich trage meine Haare am liebsten zu einem Knoten gedreht, weil a) nicht so warm im Nacken (immer zu warm, ich sagte es schon) aber auch weil b) viel bequemer, muss man die Haare nicht so oft waschen.
Ich trage auch immer seltener hochhackige Pumps und habe eine verheerende Leidenschaft für Sneaker entwickelt. (Der neue Modeschuhe der Ü60 Generation, so weit ist es mit mir jetzt schon gekommen.)
Meine Toleranzschwelle ist deutlich nach unten gerutscht, dumme Leute finde ich mittlerweile nicht mehr witzig, sondern nur noch anstrengend.
Technik hat den Reiz des Neuen verloren. Es kommt immer häufiger vor, dass ich mich gar nicht oder nur sehr schaumgebremst für neue Technik und Software interessiere und dabei so gruselige Sätze murmele wie: „Das hat doch bisher auch ohne XY sehr gut funktioniert.“
Andere Sprachen sind mir lästig geworden. DAS ist wirklich ein angstmachendes Feature, wenn man bedenkt, wie sprachversessen ich früher auf jede neue Sprache reagiert habe und es superklasse fand, in vier Sprachen gleichzeitig durch den Alltag zu surfen. (Wenn wir in Frankreich Urlaub machten, ich mit dem südafrikanischen AuPair weiterhin englisch redete, ins holländische wechselte, wenn das englische Wort fehlte, die Kinder auf deutsch anschimpfte und in französisch mit dem örtlichen Handwerker verhandelte. Dann erst fühlte es sich wie „pralles Leben“ an.) Heute habe ich noch nicht mal mehr Lust, ins Ausland in Urlaub zu fahren. Scary, sage ich da nur.
Aber obwohl ich mir so fest vorgenommen hatte, jede Veränderung genau zu beobachten und vor dem Betreten des Hauses schon zu verscheuchen, so stelle ich heute dann doch fest: Hat nicht geklappt, ich glaube, ich bin schon jetzt ganz schön greisig – and more is yet to come
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