anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 6. August 2018
Wattwanderung
Es sind ja erst 10 Jahre, seit dem mein Westfalenmann regelmäßig mit mir auf Borkum ist, das ist ja noch nicht so lange, als dass man schon Gelegenheit gehabt hätte, alle Touristenattraktionen mitzumachen.

Ich kümmere mich allerdings auch nicht um seine regionale Bildung, weil ich finde, dafür bin ich nicht zuständig. Ich gebe zu, ich bin da familiär vorbelastet, mein Lehrervater fühlte sich grundsätzlich zuständig für die flächendeckende Fortbildung aller Kurgäste zu sorgen, deshalb halte ich mich genauso aktiv zurück, wie sich mein Vater aktiv vordrängelte.

Wenn also mein Westfalenmann gerne etwas wissen will oder etwas machen möchte, ist es sein Part, danach zu fragen bzw. die entsprechende Aktion zu organisieren.

Eine Wattwanderung steht deshalb seit 10 Jahren auf seiner bucketlist, und jetzt endlich, heute, hat es geklappt. Es ist ja nun auch nicht wirklich schwierig zu organisieren, aber man muss immerhin im Internet nachgucken, zu welchen Zeiten die Wattwanderungen beginnen (da tideabhängig, ist das jeden Tag anders) und dann muss man sich einen Wattführer aussuchen und sich dort einen Platz reservieren.
All das hat mein Wetsfalenmann also gestern getan, heute musste er dann nur noch den Wecker stellen, damit wir pünktlich um 10.30h am Treffpunkt draußen vorm Hafen sind.
Das Wetter war natürlich perfekt für so eine Unternehmung und es hat auch sehr viel Spaß gemacht.



Ich selber bin in meinem Leben schon reichlich wattgewandert. Mein Vater hatte den Ehrgeiz, jede west-, ost- und nordfriesische Insel und Hallig, die man zu Fuß anlaufen kann, auch wirklich zu Fuß anzulaufen und da er Dinge ungern alleine tat., war ich meistens dabei. Borkum ist eine der wenigen Inseln, die man vom Festland aus nicht zu Fuß erreichen kann, da Borkum genau zwischen Wester- und Osterems liegt und diese Flußausläufer einfach viel zu tief sind, hier kann man auch bei niedrigstem Niedrigwasser nie zu Fuß durchlaufen.
Aber alle anderen Insel habe ich mir schon watterwandert und natürlich bin ich schon ausführlich im Borkumer Watt rumgekommen. Als wir früher noch selber Gäste hatten, fühlte sich mein Vater regelmäßig bemüßigt, deren regionale Bildung durch mindestens eine ausführliche Wattwanderung zu festigen. Und natürlich musste ich immer mit, er brauchte ja jemanden, den er als erstes in den Schlick schicken konnte.

Ich gebe aber zu, meine letzte Wattwanderung liegt gut 30 Jahre zurück, deshalb fand ich es auch ganz interessant, dort mal wieder rumzulaufen.

K hat sich in dem Schlickloch dann gleich den großen Zeh aufgeschnitten, für ihn war damit der Tag gelaufen, aber immerhin ist ein Punkt auf der noch immer recht langen Liste „Borkumentdecken“ nun abgehakt
.
(Abgelegt in Westfalenmann und bisher 656 x anjeklickt)

... ¿hierzu was sagen?

 
Heut Nachmittag hat der Seppelsender 3sat versucht, Borkum zu entdecken. Der letzte Schäfer, der Hegeringleiter (Robbenbabys!), der Tüskendörsee.

War natürlich eine Wiederaufführung von einem NDR-Beitrag, aber noch nicht alt.

... ¿noch mehr sagen?  

 
Ja, diesen Sommer gibt es enorm viele Fernsehberichte über die ostfriesischen Inseln und auch über Borkum. Irgendjemand beim NDR scheint das als neues Hobby entdeckt zu haben und hat dann alle möglichen anderen Fernsehleute auch angefixt.
Eine echte Meinung habe ich dazu nicht, was bedeutet, ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht finde.
Ich habe ja den großen Luxus, dass ich nicht vom Tourismusleben muss, was deshalb aber gleichzeitig auch bedeutet, dass ich die Menge an Touristen, die mittlerweile regelmäßig auf der Insel sind, schlicht überflüssig finde. Es ist unglaublich rummelig geworden und alle brüllen immerzu danach, dass noch mehr los sein müsste, dass wir noch mehr Attraktionen und Action brauchen, um gegen Norderney, das gewaltig aufgerüstet hat, bestehen zu können.
Ich finde, wir brauchen das hier alles gar nicht und ich finde auch, dass es viel besser ist, wenn die Leute alle nach Mallorca oder nach Dänemark oder wenigstens an die Ostsee in Urlaub fahren und dass es viel besser wäre, die Leute fänden die Nordsee unattraktiv oder es wäre eben komplett unbekannt, was es hier für Urlaubsmöglichkeiten gibt. Dann kommen einige wenige, eingeweihte, aber die große Masse fährt an die Ostsee. Das wäre mein Traum.
Und ich fürchte ein wenig, all diese Fernsehberichte sind für diesen Traum sehr kontraproduktiv.
Es ist nämlich wirklich ziemlich schön hier...

 
Für meine (meine!) Urlaubs- und bald Wohngegend trommle ich nirgends, nicht bei Arbeitskollegen, Bekannten, lästigen Internetfreunden. Auf Anfrage rate ich jedem ab. :-) [Familie und sehr gute Freunde sind was anderes.]

Eines hat mich neulich irritiert. Ich habe eine Wanderung mit einem zugelassenen, aber selbstständigen Naturranger gemacht, und am Ende ließ er durchblicken, dass er gerne noch viel mehr Trampeltouristen ins sichtbar gestresste Reservat locken will, und er meinte scherzend zu den Gästen, dass sie doch gerne trommeln sollen, "damit man das hier erhalten kann". Ich: "Äh, nö, aus dem gleichem Grund rate ich jedem ab." Er große Augen. Bei der Führung war ein Schreiberling dabei. Wenn ich mich recht entsinne, wollte er seinen Artikel an das Hamburger Qualitätsmagazin verticken. Ich will das alles gar nicht wissen.

 
und ich finde auch, dass es viel besser ist, wenn die Leute alle nach Mallorca oder nach Dänemark oder wenigstens an die Ostsee in Urlaub fahren und dass es viel besser wäre, die Leute fänden die Nordsee unattraktiv

Den Gefallen tu ich Ihnen gerne. Hatte mehrere Versuche unternommen, aber mit der Nordsee werde ich nicht so recht warm, speziell das Watt finde ich eher eklig. Bin urlaubstechnisch doch mehr so der mediterrane Typ, der klares blaues Wasser liebt, wo man noch in 10 Metern Tiefe den Grund sieht.

 
@fritz: Ja, genau so sehe ich das auch, ich finde es deshalb auch sehr unglücklich, dass es grade diese Modewelle gibt, an die Nordsee zu reisen.
Ich für meinen Teil versuche dann den Leuten wenigstens einzureden, dass Norderney die wesentlich schönere Insel ist, mit viel interessanteren Leuten, viel gepflegter und viel mehr Abwechslung.

@Herr Mark: Sehr gut, so soll das sein :-)

 
Wusste nicht, dass Nordsee derzeit eine Modewelle ist. Wir kennen Leute, die seit 30 oder 40 Jahren immer wieder nach Neuharlingersiel oder St- Peter-Ording fahren.

An der Küste Nord-Hollands (Egmont aan Zee beispielsweise) fand ichs übrigens gar nicht so übel, allerdings war das Wetter beide Male eher durchwachsen. So musste es im Jahr darauf dann doch wieder was Mediterranes mit Sonnengarantie sein.

 
Die Stammgäste sind überhaupt kein Problem. Leute, die hier jedes Jahr hinfahren, sind hier ja auch ein Stück weit zuhause und verhalten sich dann auch so.
Schlimm sind diese Urlaubsnomaden, die immer auf der angesagten Modewelle surfen und dann meinen, jetzt müsste ihnen hier auch das Gleiche geboten werden wie auf der DomRep oder auf Malle oder wo sie ansonsten eben früher waren.
Die haben ein persönliches Urlauberverhalten, dagegen ist jeder Kukluxklanchef openminded.

 
Auf Malle kann man dieser Klientel übrigens sehr gut aus dem Weg gehen, die Insel besteht ja nicht nur aus Ballermann und Bettenburgen wie Cala Millor. Allerdings kann es schon Nerven kosten, wenn man mit diesen Leuten im Flugzeug sitzen muss, da haben Sie es ganz klar besser.

Aber da musste voriges Mal auch der bekannte Fernseh-Philosoph Richard David Precht durch, der mit uns (und einer grölenden Horde Jungmänner auf Junggesellenabschied) im Flieger nach Palma saß.