anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 1. Mai 2017
immer noch die gleichen Bücher
Das verlängerte Wochenende ist vorbei, auf der Rückreise lief das Untergaltungsprogramm entsprechend rückwärts, erst das Papierbuch "Da geht noch was" von Christine Westermann, dann das Hörbuch "Panikherz" von Benjamin von Stuckrad-Barre und immer noch gefallen mir alle beide. Das Hörbuch hat 217 Kapitel, mit im Durchschnitt 5 Minuten Lesezeit pro Kapitel, braucht es also rund 18 Stunden, bis man es komplett gehört hat, ich bin inzwischen bei Kapitel 95, da geht also noch was :-).

In dem Papierbuch macht sich Frau Westermann grade Gedanken, in welcher Wichtigkeitsreihenfolge sie Begriffe wie Wertschätzung, Service, Geschenke, Berührung und Zeit sortiert für ihre Beziehung und es ist sehr interessant, wie unterschiedlich das jeder Mensch für sich definiert.
Unter Wertschätzung versteht sie dabei die Frage, wie sehr sie von dem anderen geschätzt wird, d.h. wie sehr und wie nachdrücklich ihr der andere zeigt und versichert, dass sie etwas ganz besonderes ist.
"Service" steht für kleine Gefälligkeiten, Überraschungen, Nettigkeiten, Geschenke reichen vom Blumenstrauß bis zum Diamantring, zu Berührungen gehört nicht nur Sex, sondern auch kleine Zärtlichkeiten und Massagen und Zeit ist natürlich Zeit, die sich der andere für einen und für Gemeinsamkeiten nimmt.
Es möge jeder mal für sich selber eine Rangfolge aufstellen und dann den Partner fragen.
Ich drück die Daumen...
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... ¿hierzu was sagen?

 
Ich frage mich gerade, ob ich selber diese Punkte immer nach der gleichen Reihenfolge sortieren würde. Und was würde mir das sagen, wenn meine Liebste da anders sortieren würde? Solange es nicht impliziert, dass dieser oder jener Bereich völlig zu kurz kommt, würde ich das per se nicht als Krisensignal werten. Entscheidender als die konkrete Rangfolge finde ich die Frage, ob beide den Eindruck haben, dass ihre jeweiligen Bedürfnisse und Erwartungen in ausreichendem Maße erfüllt bekommen.

... ¿noch mehr sagen?  

 
Das sind übrigens die 5 Sprachen der Liebe, falls da jemand nach googlen möchte.

 
Cool, das wusste ich nicht, ich habe einfach nur ein Papierbuch gelesen und bin gar nicht auf den Gedanken gekommen, das weiter zu hinterfragen. Finde ich aber sehr interessant.

In dem Buch sagte Frau Westermann, dass es sich um eine Idee aus einer amerikanischen Fernsehserie handelt und dass jeder für jeden Begriff eine Karte bekommt und die eben in eine Reihenfolge bringen soll.

Dass es für eine Beziehung positiv ist, wenn die Reihenfolgen überein stimmen, will ich gar nicht behaupten, aber ich denke, dass es durchaus wichtig ist, dass man die Reihenfolge des Partners kennt oder sie wenigstens richtig einschätzen kann, denn sonst könnte es durchaus zu Abweichungen zwischen Erwartung und Erfüllung kommen.

Mein Westfalenmann zB fand "Service" ganz wichtig, eine Karte, die ich persönlich eher weiter hinten einsortieren würde, ich kann schließlich immer alles alleine und den Rest fordere ich lautstark ein..... Im Gegenzug hätte ich gedacht, dass er Geschenken eine größere Bedeutung zumisst, die ihm aber tatsächlich eher egal sind.
Unterm Strich heißt das für mich jetzt, dass er zum Geburtstag nur noch Massagegutscheine bekommt, je länger ich drüber nachdenke, umso praktischer finde ich diese frischgewonne Erkenntnis (hihihi)

Dass sich die Sortierreihenfolge entweder im Zeitverlauf oder je nach Beziehung auch ändern kann, finde ich übrigens völlig normal. Ich fand es insgesamt vor allem spannend, da überhaupt mal drüber nachzudenken.

 
Sehr guter Hinweis. Ohne es bewerten zu wollen, oder doch, beschreibt das nicht auch einfach (auch?) wie symbolische Akte gehen, wenn man es mal wieder beweisen will oder soll und es vermeintlich selbst nicht hinbekommt ohne Unterbau? Junge Liebe oder anderweitig ächte Liebe braucht doch so nen Theoretiker Quatsch mit Soße nicht. Im Gegentum. Jedem Stecher jungen Galan würde der Riemen abfaulen, jeder Tusnelda die Fut zufrieren, wenn er oder sie ein ernsthaftes Interesse an seinem oder ihrem Gegenüber hat und sich mit der Theorie von alte-Leute-Petting befassen soll anstatt einfach herzhaft zuzulangen und ohne ideologischen Unterbau einfach Mensch zu sein. Obwohl, das wäre bei manchen dann doch vielleicht ein richtiger Fahrplan - wenn es schon keinen echten Plus-Beziehungsstatus gibt, der ohne Dressieren läuft.

Der Gedanke, vor allem an das plakative Thematisieren scheint mir etwas Oberflächliches zu haben, was abstösst abtörnt. Aber es ist ja nur ein Stück Literatur. Das mit dem Begriff Frauenliteratur nicht angemessen bezeichnet ist, aber womöglich böse unangemessen bezeichnet ist. Was weiß ich schon.
Es klingt so romantisch wie die Vorstellung einer Labersendung im WDR - wobei wir den Kreis zur liebreizenden Frau Westermann schließen - mit am Rand stehenden Fernseharzt, der Hilfe Wölfe schreit, sobald unforcierte echte Gefühle beteiligt sind und das noch im unerlaubten Moment. Fail.

Wahrscheinlich liege ich wie immer völlig falsch. Gott sei Dank bin ich Atheist.

 
(...) aber ich denke, dass es durchaus wichtig ist, dass man die Reihenfolge des Partners kennt oder sie wenigstens richtig einschätzen kann, denn sonst könnte es durchaus zu Abweichungen zwischen Erwartung und Erfüllung kommen.

Ja klar, aber ich gehe davon aus, dass meine Frau das Set auch nicht jeden Tag gleich sortieren würde. Geschenke sind ihr vor allem zu den entsprechenden Feiertagen etc. wichtig, im Alltag sind eher die Nettigkeiten, Berührungen und der Service gefragt. Die Kunst liegt im Timing, das Gespür dafür zu haben, was wann besonders gefragt ist. Und das ist manchmal eben auch der Freiraum, sich mit anderem/anderen als dem Partner zu beschäftigen ohne dass der oder die die Krise kriegt.