anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 29. Februar 2016
Familie
Heute ist mir aufgefallen, wie zufrieden ich damit bin, dass die Kinder schon so groß sind.
Auf eine Veranstaltung heute, standen einige Menschen um mich herum, die gefühlt alle in meinem Alter waren und erzählten von ihren Kindern. Die Ältesten gingen schon in die Grundschule, einer hatte aber auch noch ein frisch geborenes Baby zu Hause und ließ sich für viele durchwachte Nächte bemitleiden. Die Probleme waren vielfältig, von Dauergebrüll über Trotzalter und unverständige Lehrer, die keine Gymnasialempfehlung rausrücken geben wollten, war alles dabei und ich stand daneben und freute mich, dass diese Probleme alle hinter mir liegen.
Es war okay, solange sie klein waren - aber heute hätte ich weder Geduld noch Nerven noch irgendwas, um mir das Ganze noch mal anzutun.
Wie Eltern der Kleinkindzeit hinterherjammern können (sie werden viel zu schnell groß) bleibt mir ein Rätsel.
Und wie man im gehobenen Alter überhaupt nochmal damit anfängt, erst recht.
Der Kleinste Jüngste wird im Sommer 18 - und ich mache dann sieben Kreuze, wenn das erstmal durch ist
.
(Abgelegt in anjemerkt und bisher 546 x anjeklickt)

... ¿hierzu was sagen?

 
Eim völlig nachvollziehbarer Standpunkt. Würden meine beiden älteren Brüder wohl genau so unterschreiben, deren Kids sind inzwischen alle aus dem Haus.

Ich weiß aber auch noch, wie mein jüngerer Bruder und ich bei der Taufe des ältesten Neffen dabeistanden und wir uns fragten, boah, nee, wozu die Eile, warum sollte man sich seine ersten Erwachsenenjahre gleich mit nem Kind versauen? Und überhaupt so früh heiraten?

Wäre für mich der Horror gewesen, insofern hat es für mich gut gepasst, mit dem Thema länger zu warten. Brüderlein hat seinen Nachwuchs dann so gut getimt, dass wir Klamotten und andere Sachen von Töchterlein weitergeben konnten, und er hat auch nicht das Gefühl, das hätte alles schon früher stattfinden müssen.

... ¿noch mehr sagen?  

 
es sind ja auch vor allem Männer, die in späteren Jahren noch kleinen Nachwuchs im Haus haben, bei Frauen sorgt (zumindest in den meisten Fällen) schon die Natur für eine natürliche Beendigung der Fortpflanzung.
Und ich gebe zu, ich sehe es auch erst heute so, denn meine Kinder haben auch alle einen recht alten Vater. Als sein/mein jüngster Sohn geboren wurde, war er 50 - und ich habe damals lautstark verteidigt, dass ältere Väter die besseren Väter sind, weil mehr Zeit und mehr Gelassenheit usw. ppp und er selber hatte auch viel Spaß daran, sich noch mal Babygeschrei ins Haus zu holen. (Er hatte aber auch ein "Altwerden-Trauma" und nahm jede Beschwernis in Kauf, wenn sie ihn jünger machte.)
Heute bin ich so alt wie er damals und mich gruselt es bei der Vorstellung, ich hätte noch so kleine Kinder zu Hause. Ich fände heute übrigens auch einen 50jährigen Mann, der nichts gegen Kleinkinder hat, genauso gruselig - als Partner für mich.
MWM und ich, wir sind uns unglaublich einig, dass Kinder ein genauso abgeschlossenes Vergangenheitskapitel sind wie Schule oder Studium. Alles zu seiner Zeit okay - aber irgendwann ist auch mal gut mit Verpflichtungen.
Die Vorstellung, dass vor mir nur noch mein eigenes Leben liegt, das ich selber bestimmen und beeinflussen kann, finde ich einfach nur unglaublich toll. Erst die Arbeit, dann das Spiel wäre hier wohl die passende Ansage, die ich jetzt, wo es mir geglückt ist, nur unterstreichen kann.
Dabei habe ich das gar nicht bewusst so gesteuert (und dass man wegen ein paar Kindern nicht heiraten muss, habe ich sehr eindrucksvoll bewiesen), mein erstes Kind war tatsächlich der klassische Pillenunfall. (Danach war's dann egal, kommste übern Hund, kommste übern Schwanz)
Hätte das mit dem Steuern besser geklappt, hätte ich eh wahrscheinlich nie Kinder bekommen, aus genau der Überlegung, die Sie auch erwähnt haben: Ne, jetzt noch nicht, nicht so schnell, erst noch ein bisschen Leben genießen. - Nur bei Frauen ist dann eben irgendwann Schicht.
Vielleicht bin ich heute deshalb so extra zufrieden: Dass die Kleinkinderzeit vorbei ist, dass ich es heute toll finde, dass ich überhaupt Kinder habe (und sicher bin, ich hätte es schwer bereut, wenn ich nie welche bekommen hätte) und dass es sich insgesamt anfühlt, wie eine bestandene Prüfung, die man nun eben schon hinter sich hat und mit leichter Schadenfreude denjenigen zusieht, die noch nicht so weit sind.