anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 9. Februar 2016
Eier kochen
Mein Westfalenmann ist ein großer Eierliebhaber. Er mag Eier in jeder Form, wobei gekochte Eier auf seiner Hitliste ganz oben stehen, allerdings dicht gefolgt von Spiegelei, Rührei und Omelette.
Was dabei den Härtegrad der Eier angeht, ist er nicht sehr pingelig, Hauptsache sie sind nicht mehr glipschig. Er mag zwar weiche Eier lieber, isst aber auch harte Eier ohne zu meckern, im Zweifel lieber hart als zu weich. Zu weich sind Eier nach seiner Definition wenn das Weiße noch nicht überall fest ist, glipschig also, das ist bääh.
Was die Temperatur der Eier betrifft, ist er ebenfalls äußerst anspruchslos - er mag vielleicht warme Eier einen Tick lieber als kalte, aber auch kalte Eier gehen bei ihm weg wie warme Semmel.

Ich dagegen habe ganz genaue Vorstellungen, was gekochte Eier angeht und wann welche Sorte Ei zu welcher Gelegenheit und mit welchem Begleitessen überhaupt essbar ist.
Harte Eier sind für mich grundsätzlich Brotbelag oder eventuell noch etwas für den Salat. Steinharte Eier finde ich dabei aber auch schon nicht mehr angenehm, meine maximale Eierhärteakzeptanz liegt bei ca. 80% - aber wie gesagt, dann nur als Beilage zu Brot oder Salat. Dann ist mir die Temperatur auch egal.
Um ein Ei aber direkt so aus der Schale zu essen, bedarf es ganz genauer Vorgaben.
Erstens muss das Ei den passenden Härte- oder besser Weichheitsgrad haben, und zweitens muss es warm sein. Wenn ein weiches Ei kalt geworden ist, finde ich persönlich es sehr nutzlos, denn dann ist es auch als Brotbelag eine Katastrophe, weil gesteigerte Sauerei.
K. dagegen sind diese feinen Unterschiede ziemlich egal; wie gesagt, er isst alle gekochten Eier, auf die niemand anderes einen Anspruch erhebt und das auch zu jeder Tages- oder Nachtzeit.
Unsere jeweilige Eierakzeptanz sieht deshalb so aus:

Eierakzeptanz

Neulich habe ich mal sechs harte Eier auf Vorrat gekocht, weil ich für einen der nächsten Tage Chefsalat geplant hatte. Die Eier habe ich dann auf der Küchenarbeitsplatte zum Abkühlen liegengelassen. Als ich am nächsten Tag Salat machen wollte, waren sie weg. K. schaute mich unschuldig an und meinte, ich hätte ihm nicht gesagt, dass die Eier reserviert seien.

Zum Eierkochen haben wir einen Eierkocher - damit harte Eier zu kochen, ist natürlich easypeasy. Einfach ausreichend Wasser rein und fertig. Weiche Eier zu produzieren ist dagegen eine hohe Kunst, denn die Range, in der ich ein Ei als essbares weiches Ei akzeptiere, ist sehr eng - und Ks Akzeptanzkurve beginnt wegen seiner Glipschigkeitsaversion noch etwas später, so dass die Schnittmenge unserer gemeinsamen Eierakzeptanz extrem klein ist. D.h. es kommt auf wenige Milliliter mehr oder weniger Wasser an, wenn der Eierkocher befüllt wird. Und obwohl wir beide wissen, wie wichtig es ist, die Wassermenge genau zu treffen, gelingt es nicht immer.
Je nachdem, wer an dem Tag grade den Eierkocher befüllt hat, derjenige ist natürlich an den fehlgekochten Eiern schuld und wird von dem anderen durch einen Flunsch und Gemecker (wenn K schuld war und die Eier zu hart sind) oder durch demonstratives Leiden und lautes Küchengeklapper beim Nachgaren der Eier (wenn ich schuld war und die Eier noch glipschig sind) bestraft.
Da K. kein Problem damit hat, wenn die Eier etwas härter (als ganz weich) sind, nimmt er tendenziell natürlich auch lieber einen Milliliter mehr Wasser als zu wenig. Andererseits läuft er dann Gefahr, sich mal wieder meinen morgendlichen Eierzorn zuzuziehen, was für ihn als streitaverser Westfale auch nicht erstrebenswert ist.
Wenn K. die Eier mal wieder verkocht hat, bestehe ich natürlich darauf, dass ich das nächste Mal die Eier koche
- und ich nehme tendenziell ja lieber einen Tropfen Wasser zu wenig, weil mich die Glipschigkeit nicht so sehr stört. Mit der Folge, dass beim nächsten Eierkochen K. wieder versucht als erster am Eierkocher zu sein.
Neulich ist er deshalb heimlich vorm Aufstehen schon nach unten geschlichen und hat den Eierkocher angeschmissen. Hat aber nichts genützt, denn obwohl die Konsistenz der Eier zufällig perfekt war, habe ich mich diesmal darüber geärgert, dass die Eier schon kalt waren, als wir eine Stunde später am Frühstückstisch saßen. Damit mal wieder Eier-Zank.
Das System ist also kompliziert und wir arbeiten noch an einer nachhaltigen Lösung.
Die äußeren Umstände haben wir versucht, weitestgehend zu optimieren.
Da wir in zwei Haushalten leben und ständig pendeln, haben wir vorsichtshalber in beiden Haushalten den genau gleichen Eierkocher, um technische Fehlbedienungen oder Verwechslungen auszuschließen. Außerdem haben wir die optimale Wassermenge für vier Eier durch einen schwarzen Eddingstrich auf dem Wasserabmessgefäß markiert. Leider ist so ein Eddingstrich so dick, dass die Wassermenge immer noch um gut 2-4ml Wasser schwanken kann und immer noch genau den Strich trifft. Außerdem habe ich K ja schwer in Verdacht, dass er meint, auf dem Strich wäre "oben drauf", was nochmal 3ml Wasser extra bedeutet und erklären würde, warum er immer noch regelmäßig ab und zu zu harte Eier herstellt.
Als nicht zu klärendes Rätsel bleibt aber die Tatsache, dass aus ein und derselben Eierkocherladung vier komplett unterschiedlich gekochte Eier rauskommen können. Von glipschig bis zu hart kann alles dabei sein - und ich habe einfach noch kein System dahinter entdecken können. Ich habe zwar Physik schon in der 9. Klasse abgewählt, aber das kann doch der Eierkocher nicht wissen, oder? Ich meine, dass er mich deshalb vorsätzlich mit besonders abstrusen physikalischen Phänomenen konfrontiert grenzt schon fast an Mobbing
.

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