anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 18. April 2018
Der ganze alte Schrott muss raus
Dass das mit dem Sperrmüll so gut funktioniert hat, hat mich heute morgen auch noch mal gefreut, denn als ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster guckte, war wirklich alles weg, es ist also nichts übrig geblieben, was die Sperrmüllmänner verweigert hätten. Sehr fein.

Ich liebe ja Wegwerfen und je älter ich werde, umso mehr kann ich mich für Wegwerfen begeistern. Der wirklich irrsinnige Krempelberg, den CW hinterlassen hat, der hat mich sehr nachdenklich gemacht, so möchte ich nicht enden. CW hat so viel Kram hinterlassen, dass es schlicht unmöglich war, es alles zu sichten und vor allem weiter zu verwenden, so dass wir alle miteinander vor der schieren Menge kapituliert haben. Letztlich sind dadurch auch viele wirklich schöne oder wertvolle Dinge untergegangen, aber keiner von uns hatte mehr die Kraft, sich damit zu beschäftigen.

So ähnlich ging es jetzt auch meinem Onkel mit dem Kram, den seine Ex hinterlassen hat. Das war auch so viel, dass man es nicht mehr einzeln händeln konnte, letztlich blieb nur die Bestellung von mehreren Containern, in die ohne weitere Sortierung einfach alles reingeworfen wurde.

Als ich vor 10 Jahren die riesige Loftwohnung im Rheinland verlassen habe, um hier in Westfalen in ein Reihenhaus zu ziehen, hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, mich von sehr vielen Dingen einfach durch "hinterlassen" zu befreien, das habe ich auch ausgiebig ausgenutzt. Anfangs hatte ich das Gefühl, das ist hier alles sehr übersichtlich.
Heute, 10 Jahre weiter, sind alle drei Kinder ausgezogen und sie hatten das Haus noch nicht ganz verlassen, da haben wir schon die Umräum- und Renovierungsaktivitäten gestartet, um die freigewordenen Kinderzimmer sofort selber in Beschlag zu nehmen. Heute ist nicht nur das Haus komplett voll, auch der Dachboden (dort sind vor allem hiergebliebene Kindersachen) und der Keller (und der ist riesig), und ich beginne mir immer mehr Gedanken darüber zu machen, was ich von dem gesamten Kram eigentlich noch brauche und welche Dinge ich, ohne sie je wieder zu vermissen, problemlos entsorgen kann.

Der Sperrmüll gestern war ein kleiner Anfang, für das Wochenende habe ich mir jetzt endlich die große Verkaufsaktion über ebay-Kleinanzeigen vorgenommen, nicht nur die Riesenwoll- und -stoffberge vom Onkel, sondern auch jede Menge aussortierter Küchen- und Dekokram von mir stapelt sich in einem der ehemaligen Kinderzimmer.
Und wenn das alles weg ist - dann gehe ich auf den Flohmarkt.
Endlich wieder einkaufen.

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Dienstag, 17. April 2018
Viel geplant und nur ein wenig umgesetzt
Der Tag heute war vor allem dadurch gekennzeichnet, dass ich mich fast die Hälfte der Zeit damit beschäftigt habe, mir zu überlegen, was noch alles erledigt werden muss und zu planen, auf welche Art und Weise das dann erledigt werden könnte. Wenn ich so weitermache, bewerbe ich mich um einen Job bei den Sozialwissenschaftlern, die Grundvoraussetzung, mehr planen als erledigen, habe ich dann schon mal gut trainiert.
Es gab aber auch viel zu bedenken und zu planen heute. Es begann damit, dass ich dachte, ich könnte mich mal mit Ablage beschäftigen, so nach und nach stapelten sich die Dinge, die ich selber und höchstpersönlich ablege. Da ich in bestimmten Dingen ja nur mittelgut bis ziemlich schlecht im Delegieren bin, mache ich auch die Ablage selber, soweit es meine höchstpersönlich geführten Steuerakten betrifft.
Dabei fiel mir dann auf, dass ich dringend meine Übersichtsliste, für welche Gesellschaft wann welche Erklärungen und Bilanzen abgegeben und veröffentlicht wurden, aktualisieren muss, dabei fiel dann natürlich auf, was dringend sehr kurzfristig erledigt werden muss und dann kam die Sekretärin mit der Postmappe rein und die Liste wurde noch länger.
Zwischendurch kamen verschiedene Mitarbeiter rein, um zu berichten, wie weit sie mit den Arbeiten sind, die ich ihnen letzte Woche aufgetragen hatte, auch hier mussten natürlich dann die Planungen für „wie geht es jetzt weiter?“ sorgfältig ausgearbeitet werden.
Mitten in all diesen Planungen fiel mir dann außerdem ein, dass ich ja auch immer noch meinen neuen Computer weiter einrichten muss. Mittlerweile habe ich zwar meine iTunes Mediathek erfolgreich übernommen, aber noch keine einzige Playlist. Auch hier musste also geplant, gegoogelt und umgesetzt werden.
Meine Mittagspause habe ich der Einfachheit halber auf die Toilette verlegt und dort ausführlich Handy gelesen und mal wieder probiert, ob ich mich inzwischen bei Instagram anmelden kann. Positive Zwischenmeldung: ich kann. Ich bin jetzt auch auf dem Handy wieder instagramfähig.
Am Nachmittag klingelte meine Mülltermin-App und teilte mir mit, dass morgen Sperrmüll ist.
Die letzten zwei Termine habe ich verpasst, deshalb wollte ich jetzt sichergehen, dass ich alles, was ich schon länger wegwerfen möchte, auch wirklich zusammensammele und an die Straße stelle.

Die Sperrmüllaktion hat wunderbar funktioniert, Wir haben genau zum richtigen Zeitpunkt unseren Kram an die Straße gestellt, nämlich als die Polentransporter in erhöhter Schlagzahl ständig an unserem Haus vorbei fuhren. Eine halbe Stunde nachdem wir unseren Kram raus gestellt hatten, waren schon 80 % wieder verschwunden. So gefällt mir das, denn so kriege ich auch all meinen Elektroschrott weg, ohne extra zur Spezialentsorgung fahren zu müssen
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Freitag, 13. April 2018
Schnitzeltrick und Steuerbescheide
Hintereinanderweg nur ungeplante Beschäftigungen.
Im Büro ergab sich ein Problem mit dem Reporting einer (zweier/dreier/vieler miteinander verknüpfter) Excel-Tabellen, was dazu führte, dass ich erst nach 21h zu Hause war.
Dort fand ich dann Steuerbescheide für vier Jahre für eine der Firmen, für die ich die gesammelten Steuererklärungen (eben auch für vier Jahre) vor sechs Wochen in diesen langen Wochenend- und Nachtsitzungen erstellt habe.
Das war natürlich unglaublich spannend, zu prüfen, ob das Finanzamt hier meinen Erklärungen gefolgt ist.
Zu meiner unglaublichen Begeisterung hat das Finanzamt hier tatsächlich alles exakt so akzeptiert, wie ich es erklärt habe und das ist schon ein wirklich phantastisches Ergebnis. Ich konnte mich vor Freude kaum halten - und musste mich sofort hinsetzen und die Abschlüsse für 2017 vorbereiten. Wenn ich keine Abweichungen aus den Vorjahren mehr berücksichtigen muss, macht das richtig Spaß.
Damit war ich bis eben beschäftigt, morgen bin ich natürlich gewaltig unausgeschlafen, aber jetzt wollte ich auch unbedingt damit weitermachen.

Weil ich erst so spät aus dem Büro kam, hatte sich mein Westfalenmann höchstselbst und persönlich zum Küchenmeister ernannt und telefonisch angefragt, was er denn so kochen könne für heute Abend.
Ich habe ihm gesagt, dass ich neulich zwei Riesenschnitzel eingefroren hätte, die müsste er nur aus dem TK holen und kurz braten, dazu Kartoffeln schälen und kochen und den Rest der ebenfalls tiefgefrorenen Rotkohlpackung in eine Schale füllen und in die Mikrowelle stellen, wäre ein komplettes Essen ohne viel Aufwand.
Hörte sich für ihn machbar an, als ich nach Hause kam, war das Essen fast fertig, allerdings hatte er nur ein Schnitzel gebraten, weil die Dinger so riesig waren, dass nur eines in die Pfanne passte.
Er meinte, das könnten wir uns auch teilen, dann könnten wir das zweite ein anderes Mal essen.
Fand ich okay - außerdem war ich ja mit den Steuerbescheiden beschäftigt und hatte eh keine Zeit, mich um Küchenkram zu kümmern.
Nach dem Essen bin ich sofort im Arbeitszimmer verschwunden, habe dann allerdings noch nebenbei mitbekommen, dass er dabei war, das zweite Schnitzel doch noch zu braten, er meinte, das könne man dann ja auch morgen sehr gut kalt essen.
Als ich mir eben noch ein Getränk aus der Küche holte, habe ich die leere Pfanne gesehen und müsste über diesen Trick dann doch etwas grinsen: Das erste Schnitzel haben wir uns geteilt, das zweite konnte er dann komplett alleine essen, weil ich ja beschäftigt und ohne lange zu trödeln vom Esstisch verschwunden war. Hätte ich mir eigentlich denken können, dass das von Anfang an der Plan war
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Montag, 9. April 2018
Back to work
Wenn die Zeitumstellung in den Urlaub fällt, ist es eine echte Herausforderung, 14 Tage später, bei Rückkehr in das Büro-Zuhause, daran zu denken, dass hier ja auch noch die Uhren umgestellt werden müssen. Ich bin auf alle Fälle grandios daran gescheitert, mit der Folge, dass ich gleich am ersten Tag nach dem Urlaub, an dem die guten Vorsätze in Bezug auf Pünktlichkeit und angemessen früher Arbeitsbeginn noch ganz frisch sind, an meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub bin ich deshalb mit derselben Verspätung im Büro erschienen, wie an meinem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub, mit dem Unterschied dass ich es beim letzten Mal mit "da kann man sehen, wie urlaubsreif ich bin" begründen konnte, eine Entschuldigung, die jetzt nicht wirklich passte.

Ansonsten war der erste Arbeitstag so, wie erste Arbeitstage eben sind: Berge von Post, schlangestehende Mitarbeiter mit einzelnen Rückfragen und jede Menge langweilige, abzuarbeitende E-Mails, die ich zwar im Urlaub auch schon gesehen hatte, die mir aber nicht wichtig genug erschienen, um sie sofort zu erledigen. Im Urlaub pickt man sich gerne nur die Rosinenmails raus, mit der Folge, dass sich nach dem Urlaub die lästigen Alltagserledigungsmails als besonders dicker Langeweilehaufen präsentieren.

Außerdem dabei: Ein ca. 10cm hoher Stapel mit Fachliteratur, die ja eigentlich auch noch gelesen werden muss. Nur das Durchblättern und Überfliegen braucht schon mehr als einen halben Tag - ich finde erste Tage nach dem Urlaub immer enorm desillusionierend.

In der Familiengruppe habe ich nebenher mit den Kindern diskutiert, ob Leistungen, die nur mit viel Lernen und Arbeiten erreicht werden, mehr oder weniger wert sind als Leistungen, die man aufgrund seiner angeborenen Genialität einfach so aus dem Ärmel schüttelt.
Natürlich ist es viel cooler, wenn man Dinge einfach so kann, im Leerlauf, locker nebenher hingerotzt, beweist man dadurch doch, welch gewaltige Kapazitäten noch in einem schlummern und was man alles könnte, wenn man erst mal Gas gibt.

Das Image, ein Einser-Abitur zu machen, ohne dafür großartig lernen zu müssen, ist unbestritten wesentlich attraktiver als das des langweiligen Strebers, der seine 15 Punkte nur erreicht hat, weil er Tag und Nacht dafür geschuftet hat.

Verstehe ich sofort und bekenne mich auch sofort schuldig, denn genau dieses Image war für mich auch immer sehr wichtig.
Aber je älter ich wurde und je mehr Spezialisten sich mit mir in einer Gruppe tummelten, um so dünner wurde die Luft, was dazu führte, dass ich zweitweise nur klammheimlich lernte, was ich heute, rückwirkend betrachtet, schon enorm dämlich finde.

Die Kinder versuchen grade gegenseitig, sich in dem "Ich bin die coolste Sau von allen-Wettbewerb" gegenseitig zu überbieten. J., der heute den Fehler machte, zuzugeben, dass er tatsächlich 70 Seiten Zusammenfassung für sein Abifach Geschichte zusammengetragen hatte, schämte sich sofort dafür als sein Bruder sagte, er hätte nur 40 Seiten Vorbereitung gebraucht für sein Abiturfach.
Es ging im weiteren darum, dass 12 Punkte in einer Klausur, die nur mit 40 Seiten vorbereitet wurde, relativ gesehen mehr wert sind als 14 Punkte, für die man 70 Seiten Vorbereitung brauchte.
Auch wenn ich das bei der Beurteilung meiner eigenen Leistungen im Vergleich zu anderen auch immer so argumentieren würde, musste ich in diesem Fall als Mutter doch energisch dazwischen gehen.
Es hat bei mir vielleicht etwas länger gedauert bis ich es begriffen habe, aber irgendwann ist mir klar geworden, dass bei der späteren Beurteilung der Prüfungsnoten kein Mensch danach fragt, wie viel Zeit man für die Hausaufgaben und die Vorbereitung gebraucht hat - das einzige, was dauerhaft Bestand hat, ist das Endergebnis und deshalb finde ich es tatsächlich eine Leistung besonders gehobener Intelligenz, wenn man trotz seiner angeborenen coole-Sau-Hochintelligenz begriffen hat, dass es auf keinen Fall verkehrt ist, vor einer Abiturprüfung mal kurzfristig zum Streber zu mutieren, die coole Sau so lange zu beurlauben und durch schnödes, langweiligen Lernen wenigstens den Versuch zu unternehmen, auch die 20% oberhalb des Paretoprinzips noch rauszukitzeln
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Montag, 9. April 2018
Leben im Fluss
Es ist natürlich eine Binsenweisheit, dass sich im fortschreitenden Zeitablauf auch die eigenen Lebensumstände ändern, aber mir ist heute noch mal bewusst klargeworden, dass ich wohl die glückliche Grundeinstellung habe, meine jeweils aktuellen Lebensumstände stets besser zu finden als die vergangenen.
Gleichzeitig bin ich aber auch der festen Überzeugung, dass ich nichts anders machen würde, könnte ich mein Leben noch mal leben. Ich bereue nichts, im Gegenteil, selbst die Fehler, die ich gemacht habe, finde ich völlig okay und würde sie alle noch mal machen, denn es war kein Fehler dabei, der nicht gleichzeitig auch die positive Seite hatte, dass ich gründlich daraus gelernt habe.
Deshalb bin ich aber auch froh, dass ich so viele Fehler schon gemacht habe und dass so viele Lebensabschnitte schon vorbei und erledigt sind, denn wiederholen möchte ich keinen davon.

Aktiv aufgefallen ist mir das heute auf der Fähre. Morgen geht die Schule in NRW wieder los, dementsprechend war heute Familienabreisetag und die Fähre voll mit Familien mit Kindern.
Am Tisch neben uns eine Großfamilie mit fünf Kindern zwischen drei und zwölf.
Als ich dem fröhlichen Treiben am Nachbartisch so zuschaute, fiel mir auf, dass sich in meinem Zwischenbewusstsein eine sehr große Erleichterung breit machte, dass diese Zeit inzwischen hinter mir liegt. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste mein Leben heute immer noch mit (kleinen) Kindern teilen, dann gruselt‘s mich.

Als meine Kinder klein waren, fand ich das alles okay und ich war (im Vergleich zu anderen Müttern) auch nur relativ selten genervt. Das lag natürlich auch daran, dass ich mir das Mutterleben mit den Kindern ziemlich perfekt eingerichtet und organisiert hatte. Aber ungefähr so ausgeglichen wirkte auch die Mutter am Nebentisch und letztlich ist es dann egal ob man drei oder fünf Kinder hat.
Was mich froh machte, war einfach der Gedanke, dass ich mein Leben nicht mehr so sehr auf andere fokussieren muss. Dass ich heute mein Leben tatsächlich überwiegend für mich lebe, dass ich keine Verantwortung mehr habe und dass ich keine Rücksicht mehr nehmen muss.

Wie gesagt, als die Kinder noch alle im „Mutterhaus“ lebten, fand ich mein Leben auch okay. Damals habe ich mich darüber gefreut, wie selbstständig sie schon sind und dass sie keine 24 Stunden Überwachung mehr brauchen. Mit jedem Jahr, dass die Kinder älter wurden, fand ich es toll.
Ich fand auch die Babys o. k., denn natürlich war es eine beeindruckende Erfahrung, so ein frisch geschlüpftes, kleines Etwas in den Armen zu halten und zu wissen, dass es zu 100 % davon abhängig ist, wie man sich selber darum kümmert. Aber gleichzeitig habe ich auch jeden Fortschritt gefeiert und mich darüber gefreut, dass die Kinder selbstständig und unabhängig werden.
Wenn ich Leute sagen höre, wie schade es ist, dass die Kinder „viel zu schnell groß werden“ und dass man „jede Sekunde genießen soll, solange sie noch klein sind, weil sie ja viel zu schnell….“ dann stehe ich immer Kopfschütteln davor und frage mich, ob diese Leute vielleicht so etwas wie einen Sprung in der Schallplatte haben, was das Genießen der Lebensabschnitte angeht.
Ich fand den Lebensabschnitt mit den ganz kleinen Kindern auf keinen Fall besser, als den Lebensabschnitt heute, wo ich erwachsene Kinder habe, auf die ich grottenstolz bin, die ich bewundere und mit denen ich interessante Gespräche führen kann. Kleine Kinder haben doch eher etwas haustierhaftes, die werden versorgt und betüddelt, aber viel anfangen kann man doch mit ihnen noch nicht.
Das kommt erst später, wenn sie größer werden.
Weshalb also sollte ich die Haustierphase besonders genießen? Finde ich ehrlich gesagt wirklich eine eigentümliche Einstellung und insgesamt denke ich, dass Menschen, die diese Zeit besonders toll finden, sich besser ein Hund zulegen sollten. Der wird nie selbstständig, sondern muss sein Leben lang betüddelt werden.
ich dagegen finde es ganz toll, dass sich die Kinder genauso verändert haben wie ich auch, und dass wir inzwischen alle miteinander und gleichzeitig jeder für sich ein selbstständiges, zufriedenes Leben führen.
So muss das
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Samstag, 31. März 2018
Biokult und boykottiertes Osterfeuer
Das heutige Symbolbild:

J. macht hier einen auf Hipster und nervt meinen Westfalenmann mit Forderungen nach Bioprodukten.
Der reagiert sehr entspannt und liefert. (Dass das „o“ verwischt ist, ist meine Schuld, ich habe zu früh und zu kichernd nach der umetikettierten Milchtüte gegriffen, um sie zu fotografieren.)

Ich denke mal, er wäre auch ein guter Insulaner geworden, denn ungefähr so funktioniert das Biosystem auch hier auf der Insel.

Der Eigentümer des örtlichen Bio-Marktes betreibt daneben auch ein ganz normales Lebensmittelgeschäft. Intern hier auf der Insel weiß jeder, dass er Obst und Gemüse, was nicht mehr topfrisch und knackig ist und deshalb in seinem normalen Lebensmittelgeschäft nicht mehr angeboten werden kann, einfach in den Bio-Markt räumt, dort passt es perfekt ins Sortiment und wird auch für den doppelten Preis als das frische Zeug im normalen Supermarkt verkauft.
Ich meine, bevor es weggeworfen wird, finde ich das eine sinnvolle Verwendung.

Ansonsten: heute, genauer jetzt und grade ist Osterfeuer, dieses Jahr allerdings ohne unsere Teilnahme, denn es ist kalt und ungemütlich da draußen, deshalb haben wir beschlossen,lieber unser eigenes Osterfeuer im Ofen zu machen, ist eindeutig gemütlicher
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Donnerstag, 29. März 2018
Mathematik
Ich mag Zahlen.
Soweit ich mich erinnern kann, habe ich Zahlen auch schon immer gemocht.
Ich mag zwar auch Buchstaben, doch wenn ich diese beiden Welten zusammenführe, wird das System der Zahlenwelt immer das Grundprinzip der Organisationsstruktur vorgeben, am Ende muss nämlich alles in sich geschlossen, zusammenhängend und logisch sein. Das ist genau das, was ich an Zahlen so besonders gerne mag: Sie sind so eindeutig, sauber und sortiert und zusammengefügt ergeben sie immer ein nachvollziehbares Bild.
Denn für mich haben Zahlen Farben und deshalb sehe ich auch in großen Zahlentapeten sehr schnell, welche Zahlen zusammenpassen und an welcher Stelle man noch mal kontrollieren muss, ob sich da unterwegs nicht doch eine falsche Farbe Zahl eingemischt hat.

Für mich sind Zahlen allerdings auch gleichzeitig die einzige Ebene meiner Vorstellungskraft. Zahlen als Hilfsmittel zur Beschreibung von Raum, Zeit, Energie, Masse, Kraft oder was es sonst noch alles gibt zu benutzen, mag man vielleicht als höhere Mathematik bezeichnen, bei mir heißt das aber pauschal „Physik“ (oder auch Chemie, die ist noch abstruser) und das habe ich in der neunten Klasse schon abgewählt, weil ich mich davon immer nur heillos überfordert gefühlt habe. Ich sehe zwar Farben in meinen Zahlen, aber ich habe keinerlei Vorstellung, wie ich so abstrakte Begriffe wie „Kraft“ oder „Energie“ in meine eher simpel aufgebaute Zahlenwelt so einbauen kann, dass sie da tatsächlich reinflutschen, weil sie da angeblich natürlich hingehören. Ich fühle es einfach nicht.
Ich fühle ja noch nicht mal die zahlenmäßige Umsetzung in der Geometrie - einen Bereich aus der Mathematik wo ich in der Schule nur durch stumpfes Auswendiglernen notentechnische Katastrophen verhindern konnte. Verstanden im Sinne von Begreifen, also durch Anfassen spürbar und damit fühlbar gemacht, ist mir nie geglückt. J. würde jetzt sagen, ich müsste da nur mal mein Gehirn mehr drumwickeln, dann spüre ich es auch, aber ich habe weiß Gott schon viel Gehirn um die Strahlensätze gewickelt, aber alles, was ich gespürt habe, war, dass es piekt und dass da ein Widerstand ist.
Eine andere Strahlung oder gar eine Erleuchtung habe ich nie gespürt.
Deshalb habe ich das aufgegeben, mein Gehirn um die Geometrie und erst recht um die Physik (oder Chemie) zu wickeln, ich spüre da nämlich vor allem Widerstand. Ganz viel Widerstand übrigens, wenn ich versuche Physik (oder auch Chemie) durch Anfassen zu begreifen.
Aber vielleicht ist das ja auch genau das richtige Ergebnis, denn wenn ich Widerstand bei Wikipedia nachgucke, steht da:
Ein Widerstand ist ein zweipoliges passives elektrisches Bauelement zur Realisierung eines ohmschen Widerstandes in elektrischen und elektronischen Schaltungen. Widerstände werden beispielsweise verwendet, um
• den elektrischen Strom zu begrenzen
....
• elektrische Energie in Wärmeenergie umzuwandeln.

So gesehen, sagt mir also mein Gehirn, dass der Strom, der zwischen der Physik (oder Chemie) und meinem Gehirn fließt, einerseits begrenzt ist und außerdem wird er auch gleichzeitig in Wärmeenergie umgewandelt, einen Vorgang, den ich sofort bestätigen kann, denn mir wird immer ganz heiß, wenn ich mich mit Physik (oder Chemie) beschäftigen muss.

Deshalb habe ich diese Fächer in der Schule auch so schnell wie möglich abgewählt, eine Entscheidung, über die auch meine Physik- und Chemielehrer sehr beglückt waren, denn sie behaupteten stets, ich hätte ihren Unterricht gestört. Eine Behauptung, die ich übrigens immer ungerecht fand, denn ich habe nur versucht, mich nicht zu sehr zu langweilen.

Aber ich bin vom Thema abgekommen, denn eigentlich wollte ich ja nur sagen, dass ich Zahlen mag und dass ich alles mag, wo reine Zahlen Anwendung finden. Deshalb finde ich zB auch Statistiken toll.
Und natürlich fällt es mir leicht „in Zahlen zu denken“, was in meinem Beruf sehr nützlich ist :-)
Aber gerade weil für mich Zahlen so selbstverständlich sind wie Buchstaben, kann ich mir regelmäßig nur sehr schwer vorstellen, weshalb Mathematik so unbeliebt ist und weshalb so viele Leute meinen, damit Schwierigkeiten zu haben.

Meine Kinder hatten auch alle keine Probleme mit Mathematik, C. hat sich in ihrem Studium sogar auf Statistik spezialisiert, nur J., der verweigerte die Mathematik bis zur 9. Klasse und gab in Mathearbeiten regelmäßig leere Blätter ab. Man konnte ihm so zwar keine Fehler anstreichen, aber eine positive Gesamtbenotung war auch nicht möglich.
Ich stand viele Jahre fassungslos vor diesem Kind, weil ich einfach nicht verstehen konnte, was er nicht verstand.
Nun, seine Mathematikverwirrung ist auch verschwunden, aktuell steckt er im Abitur mit Mathe als Leistungskurs und ist bisher mit 15 Punkten vorbenotet.
Eine Erklärung, weshalb er früher so viele Probleme ausgerechnet wegen Mathe hatte, hat er allerdings auch nicht. Er erinnert sich nicht mehr.
So wird es für mich also weiter ein Geheimnis bleiben, was an Mathematik nicht zu verstehen ist
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Sonntag, 25. März 2018
Die geklaute Zeit
Die Zeitumstellung führt in meinen Haushalten stets zu einem (zwei) größeren Arbeitseinsätzen, da ich ja meinen Uhrentick immer noch ungebremst auslebe.
Ich habe deshalb heute hier auf Borkum 21 Uhren umgestellt (ohne Armbanduhren), wobei der Wechsel auf die Sommerzeit, also das Vorstellen der Uhren um eine Stunde, ja stets schneller und einfacher eingestellt werden kann als das Zurückstellen im Herbst, denn bei analogen Uhren mit Uhrzeigern soll man die Zeiger ja stets nur im Uhrzeigersinn bewegen und niemals zurückdrehen, was dazu führt, dass man analoge Uhren im Herbst elf Stunden vorstellt, um die eine Stunde rückwärts einzufangen.

Im Frühjahr ist das Uhrumstellen also deutlich schneller erledigt als im Herbst.

Dass man im Frühjahr die Uhren eine Stunde vorstellt, habe ich mir stets damit gemerkt, dass das gesamte System ja eine staatlich verordnete Maßnahme ist und das heißt, der Staat nimmt den Bürgern erst eine Stunde weg, um sie ihnen ein halbes Jahr später wieder zurückzugeben. Was der Staat mit dieser einen Stunde mal 80 Millionen Menschen, was der Staat also mit 80 Million Stunden in diesem halben Jahr macht, da hat noch niemand drüber nachgedacht. Aber wenn der Staat die geklaute Zeit produktiv einsetzt, so ist das richtig wertvolles Kapital. Eine alternative Steuer also.
Ich finde ja bis heute, dass der Bundesrechnungshof hier mal draufschauen sollte
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Donnerstag, 22. März 2018
Sechs Jahre und dieses
Noch zwei Tage Büro, dann habe ich zwei Wochen frei und noch mal drei Monate weiter, dann beginnen schon die Sommerferien. Betrachtet man die Zeit in etwas größeren Abschnitten, schnurrt sie plötzlich zusammen.
Einzeln nach vorne betrachtet hat man das Gefühl, sich mühsam von Tag zu Tag quälen zu müssen, nix geht voran und alles dauert unendlich lange.
Blickt man aber zurück, sieht man automatisch nur größere Zeitabschnitte und dann kann man sich nur verwundert die Augen reiben und sich fragen, wo bloß die Zeit geblieben ist, das Jahr hat doch grade erst angefangen und plötzlich ist es schon zu einem Viertel wieder vergangen.

Dieser Blick zurück ist aber auch mein Trick, um wieder neuen Schwung im Vorwärtsgang aufzunehmen, denn wenn ein Vierteljahr im Rückspiegel so schnell verfliegt, dann kann die Strecke, die vor einem liegt, ja auch nicht mehr so schlimm sein. Man muss sich nur etwas passendes zum Vergleich ausdenken.

Seitdem ich mir diese Endmarke gesetzt habe, noch sechs Jahre und dieses, seitdem suche ich nach Tricks, mir die Zeit zu verkürzen.
Mit 30 endet der Weg nach vorne noch weit hinterm sichtbaren Horizont, man muss noch länger arbeiten als man überhaupt auf der Welt ist. Das ist kein vorstellbarer Zeitraum, weil man ihn ja noch gar nicht erlebt hat. Hinterm Horizont ist gefühlt so ähnlich wie unendlich, und da man es nicht sehen kann, denkt man auch nicht drüber nach. Mit 30 denkt man noch nicht in Zeitabschnitten.
Aber sechs Jahre (und dieses), das ist eine sehr überschaubare Zeit. Sechs Jahre zurück, das war gefühlt auch erst neulich. Sommer 2011, das ist doch wirklich noch nicht soo lange her. Und länger dauert es gar nicht mehr, nur diese Zeit noch mal und dann beginnt ein komplett neues Zeitalter für mich.

Mich fasziniert es immer wieder, wenn ich mir diesen Zeitraum vorstelle, denn er ist inzwischen ja wirklich real vorstellbar.
Doch bis dahin sind noch sehr viele Dinge zu erledigen, denn es gibt natürlich auch schon Pläne wie es danach weitergeht. Aber da muss noch sehr viel vorbereitet werden und plötzlich sind sechs Jahre um und dann steht man da und sagt sich „ach hätte ich da doch bloß eher dran gedacht.“
Deswegen wird meine to-do-Liste auch einfach nicht kürzer, knapp habe ich drei Dinge abgehakt, fallen mir fünf Dinge ein, die ich auch langsam mal angehen sollte.
Ich glaube, bei mir beginnt der Rentnerstress schon sechs Jahre vor der Rente
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Montag, 19. März 2018
Was sinnvoll ist, wie man Kinder in Ruhe lässt und vom Glück des Nichtstuns
Der Tag heute war ein Drinnentag.
Bis 15h war ich sogar so weit drinnen, dass ich noch nicht mal aufgestanden bin. Ich habe das Internet leergelesen, meinen Feedreader auf Null gesetzt und glücklich vor mich hingeschlunzt.

Es gibt ja Menschen, die haben ständig Hummeln im Hintern und sind kreuzunglücklich, wenn sie nichts "machen", die halten Schlafen für verschwendete Lebenszeit und sind deshalb permanent mit irgendetwas "Sinnvollem" beschäftigt.
Ich bin natürlich auch ständig mit etwas "Sinnvollem" beschäftigt, denn wenn ich überwiegend mit Dingen beschäftigt wäre, die ich unsinnig fände, dann wäre es allerhöchste Eiligkeit für eine ausführliche Therapie, denn das wäre ja wirklich extrem schrecklich. Dann müsste ich entweder intensiv daran arbeiten, meine Beschäftigungsfelder zu ändern (nachdem ich therapeutisch aufgearbeitet habe, warum ich denn überhaupt Dinge tue, die ich unsinnig finde, schließlich sind die Zeiten der Sklavenhalterei doch schon länger vorbei und wer sollte mich also dazu zwingend, unsinnige Dinge zu tun?) - oder ich müsste lernen, "sinnvoll" neu zu definieren.

Ich glaube, für "sinnvoll" gibt es sehr viele, sehr persönliche und individuell grundverschiedene Definitionen.
Mich wundert ja immer, was andere Leute unter "sinnvoll" verstehen, vor allem diejenigen, die ständig auf Achse und mit siebenundzwanzigtausend Dingen beschäftigt sind. So ein Leben fällt bei mir ganz klar unter Stress und Hektik und ist damit ganz weit weg von sinnvoll.
Sinnvoll ist für mich alles, was sich gut anfühlt.
Und im Bett liegen und lesen fühlt sich für mich sehr gut an.
Das war übrigens auch schon immer so, ich bin da meiner Lebenseinstellung schon seit sehr vielen Jahrzehnten sehr treu geblieben.

Eltern haben da ja manchmal ganz seltsame Ansichten, was für ihre Kinder "sinnvoll" ist, ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich schon mit 10 Jahren nicht verstand, was daran sinnvoll sein soll, wenn man draußen rumläuft oder gar "was mit der Familie" macht, wenn es doch entschieden gemütlicher und auch deutlich interessanter ist, einfach im Bett liegen zu bleiben und ein Buch zu lesen.
Da mein Vater das mit der Abschaffung der Sklaverei nicht auf das Halten von Kindern übertragen hat, konnte er mich damals tatsächlich zwingen (und tat es auch), eine Erfahrung die sich meinem kindlichen Ich tief einprägte und dazu führte, dass ich als Erwachsene sofort bekennende Rabenmutter wurde, denn Kinder zu etwas zu zwingen, zu dem sie keine Lust haben, (i.e. nicht so viel Medienkonsum -Bücher sind ja wohl auch Medien und hätte es damals schon Internet und Smartphones gegeben, dann hätte ich keine Bücher, sondern nur Internet auf dem Smartphone gelesen- oder mehr Bewegung an der frischen Luft oder mehr irgendwas anderes als nur auf dem Bett liegen und lesen), also Kinder zu irgendetwas zu zwingen, weil man es als Erwachsener so viel besser weiß, das fand ich einfach nur indiskutabel. Mein Mutter-Ich litt nicht an retrograder Amnesie, im Gegenteil, ich wusste auch als ich selber Mutter wurde noch sehr gut, was ich mir als Kind am meisten gewünscht hatte, nämlich einfach nur in Ruhe gelassen zu werden, und ich werde es deshalb auch bis heute nicht verstehen, warum Eltern ihren Kindern ständig ins Leben fuddeln müssen.

Klar, jeder ist einfach durch seine existenziellen Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst und Pipi dazu gezwungen, sich auch mal mit was anderem als nur mit im Bett liegen und lesen zu beschäftigen, und natürlich müssen manche Dinge auch strategisch bedacht sein, denn man kann den Hunger nur so lange durch einen Gang an den Kühlschrank bekämpfen, wie im Kühlschrank etwas drin st, aber wenn ich doch die vereinbarten Sollvorgaben des Lebens erfülle (für Kinder heißt das Schule, für Erwachsene Arbeit), dann sollte der Rest der Zeit zur persönlichen Verfügung stehen und nicht durch weitere "Sollvorgaben von außen" (bei Kindern wären das die Eltern, bei Erwachsenen der selbst auferlegte Druck des gesellschaftlichen Zwangs) vermiest werden.
My two cents.

Meiner Meinung nach sollten Eltern sowieso viel mehr darauf vertrauen, dass ihre Kinder mindestens so schlau sind wie sie selber (das hat was mit Mendel etc. zu tun, Pech hat nur der, der sich mit einer komplett anderen Intelligenzfarbe gepaart hat, da kommt dann von rosa bis gestreift alles raus, andererseits hilft hier Zwang und Meckern aber auch nicht. Das nur so als Randbemerkung), also, Kindern sind üblicherweise nicht dümmer als ihre Eltern und es reicht deshalb, wenn sie theoretisch wissen, wie manche Dinge funktionieren, sie müssen es ihren (ungläubigen) Eltern, nicht täglich durch aktives Tun beweisen.
Das gilt zB in besonderem Maße für Aufräumen, Ordnung halten und Sauberkeit.
Meine Mutter hat mein Chaoszimmer immer ausgesprochen geduldig ignoriert und ertragen, das rechne ich ihr bis heute hoch an. (Hier war mein Vater nicht interessiert, er war mehr für die geistige und vor allem moralische Persönlichkeitsbildung zuständig, was dementsprechend gründlich misslang.) Jetzt waren allerdings auch unsere Wohnverhältnisse speziell, da ich schon mit 12 Jahren ein Zimmer in einer anderen Wohnung im selben Mietshaus hatte, weshalb es vielleicht auch leichter war, mein Chaos zu ertragen, wie das später mit meinen Geschwistern war, weiß ich nicht, da war ich schon ausgezogen, aber ich weiß aus vielen anderen Familien, dass Ordnung und Sauberkeit ein familiäres Dauerstressthema sind - was ich halt nie verstehen werde, denn ich kann glaubhaft versichern: Das gibt sich von alleine. Und wenn es sich nicht gibt, dann ist es auch gut, denn dann will das Kind/der Mensch eben so leben. Das ist doch auch verdammt noch mal sein gutes Recht. (okay, okay, ich gebe zu, ich habe da einen Kollegen, wo ich auch schon laut bedauert habe, dass seine Eltern vergessen haben, ihm das Badezimmer zu zeigen, aber vielleicht ist das ja gar nicht richtig. Vielleicht ist er als Kind auch nur zu übergroßer Sauberkeit gezwungen worden und rebelliert jetzt als Erwachsener. Dann wäre das erst recht ein Grund mehr, Kinder nicht zu sehr zu schikanieren, was regelmäßiges Duschen und Haarekämmen angeht. Ach, und btw: in England wird man sogar Außenminister, wenn man sich die Haare nicht kämmt.)

Durch eine Woche Krankheit, in der ich außer viel Schlafen auch viel Internet gelesen habe, habe ich mir in der Folge insbesondere Gedanken darum gemacht, was mich als Mutter (oder als "Elter", wie es im heutigen Internetsprech wohl heißt) von den meisten anderen Müttern oder eben Eltern (uff, hier passt der Plural wieder, deshalb lasse ich die Gänsefüßchen weg) unterscheidet und ich glaube, auf eine ganz kurze Formel zusammengefasst könnte man es nennen: Ich habe mir Mühe gegeben, meinen Kindern möglichst wenig in ihr Leben reinzufummeln.

Üblicherweise wird so etwas mit den klassischen "Rabenmuttereigenschaften" verknüpft, denn man könnte ja auch sagen: Ich habe mich nicht gekümmert.

Und ja, natürlich, das ist richtig, ich habe, verglichen mit dem, was die meisten anderen Mütter/Eltern so an Engagement, Aktivitäten und auch "selber zurückstecken" für ihre Kindern aufbringen, sehr wenig in meine Kinder "investiert". So gesehen, habe ich es mir sehr leicht gemacht und mich vor allem damit beschäftigt, meinen Kindern Unsinn beizubringen (sinnvollen Kram lernen sie schon in viel zu großem Überfluss in der Schule, ich fühlte mich immer dafür zuständig, ihnen beizubringen, was sonst noch so möglich ist.)
Und ansonsten habe ich immer darauf vertraut, dass sie selber sagen können, was sie gerne möchten - und wenn sie das nicht tun, nun, dann möchten sie wohl nichts und dann ist es doch auch okay so.
Meine Vorgabe war, dass es in der Schule laufen muss - und das tat es bei den beiden Großen ohne größere Probleme, der Jüngste hat ca. 9 Jahre lang rumgezickt und in diesen 9 Jahren habe ich ihn auch entgegen aller meiner sonstigen Überzeugungen tatsächlich immer wieder mit Zwang durch sein Leben (=die Schule) "geschleift", aber dann traf auch ihn die Einsicht des Unabwendbaren: Zwischen der Kindheit und dem Rentenalter liegt noch eine gewisse Zeit des "alleinverantwortlichen Erwachsenseins" und auf irgendeine schei*verfi**te Art und Weise muss er dafür sorgen, dass er auch diese Zeit möglichst stressfrei übersteht und der beste Garant für eine maximale Stressfreiheit ist eine maximale Selbstbestimmung mit maximaler Unabhängigkeit und das wiederum ist am einfachsten mit einem vernünftigen Schulabschluss zu erreichen. Sicher geht es auch ohne, es ist aber unbestritten mehr anstrengend.

So hat jeder der drei seine eigene Methode entwickelt, sich durch die Schule zu schummeln, grade wenn es um "Schummeln" geht, habe ich immer gerne geholfen (Ich finde, es ist wichtiger, die Kreativität zu fördern, statt Obrigkeitsdenken und Gehorsam zu verlangen.) und ich denke, alle drei, sind relativ selbstständige Menschen geworden, ausreichend selbstbewusst und gleichzeitig reflektiert genug, um sich im Zweifel auch mal über sich selber lustig zu machen. (Das ist immer mein angestrebtes Erziehungsziel gewesen.)

Ich denke übrigens auch, dass ich mein eigenes Leben relativ gut entwickelt habe und bin stolz darauf, immer noch mit so großem Genuss und absoluter Selbstverständlichkeit 3/4 des Tages im Bett zu verschlunzen - auch so kann ein zufriedenes Leben aussehen
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