anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 10. November 2018
Geistertelefone
Die gesamte Woche über war ich jeden Morgen so entsetzlich müde, dass es mir regelmäßig erst mit großer Verspätung gelang, mich überhaupt ins Büro zu schleppen.
Heute morgen war dafür ich um halb sieben wach und konnte nicht mehr schlafen. Klar, heute hätte ich mich ja auch nicht davon gestresst gefühlt, wenn ich einfach bis Mittag durchgepennt hätte.

Weil ich nun aber einmal wach war, habe ich mich damit beschäftigt, meinen Feedreader leerzulesen, bin über Herrn Buddenbohm auf einen Link zu Herrn Scharnigg gestoßen, habe mich dort ausführlich festgelesen, um spontan ein dringendes Bedürfnis nach noch viel mehr Scharnigg zu entwickeln, habe deshalb Scharnigg bei ebay eingegeben, festgestellt, dass der rebuy-shop grade ganz viele Scharnigg Bücher im Angebot hat, die ich kurzerhand alle kaufte und weil ich einmal dabei war, habe ich gleich noch viel mehr Bücher gekauft, jetzt kommt die Tage ein Paket mit 14 Büchern. Ich weiß auch nicht, warum ich so etwas mache, meine Regale sind randvoll mit ungelesenen Büchern, weil Bücher kaufen halt viel schneller geht als Bücher lesen, aber ich kann es nicht lassen.
Egal, es hat Spaß gemacht.

Letzten Monat habe ich die Facebook-App von meinem Handy gelöscht habe, heute habe ich dann mal ein wenig auf dem iPad bei Facebook gelesen, - ich stelle aber fest, dass ich mit ca. 15 Minuten Facebook pro Monat gut auskomme, eigentlich interessiert mich dort sowieso gar nichts mehr, weil es im Wesentlichen aus Werbung und albernen Sprüchen besteht - mich wundert dafür sehr, dass es immer noch so erfolgreich ist.
Ähnlich geht es mir mit Instagram, damit bin ich auch regelmäßig nach zwei Minuten durch - und öffne die App überhaupt nur noch 1-2 mal pro Woche. Wenn überhaupt. Ein Socialmediafreak werde ich in diesem Leben nicht mehr.

Dafür habe ich mich grade intensiv in eine Podcastserie verliebt, bei "Durch die Gegend" geht Christian Möller alle vier Wochen mit einem Gast ca. anderthalb Stunden lang spazieren und unterhält sich dabei mit ihm. Darauf gestoßen bin ich über die Folge mit Hazel Brugger. Die (also Hazel Brugger) finde ich nämlich so gut, dass ich mal nach ihr gegoogelt habe und dabei fand ich diesen Podcast.
Nach der Folge mit Hazel Brugger (die war wirklich sehr, sehr interessant) habe ich erst sechs einzeln ausgewählte Folgen mit anderen Gästen, die ich wenigstens vom Namen her kannte, runtergeladen und gehört und inzwischen habe ich alle Folgen seit 2016 (Start des Podcasts) runtergeladen und höre sie nun hintereinander weg, wenn ich im Auto sitze. Dafür habe ich mein Handy und mein Autoradio extra so eingerichtet, dass die zwei sich jedesmal automatisch verbinden, wenn ich ins Auto steige und von alleine den letzten Podcast dort weiterlaufen lassen, wo er stoppte, als ich vorher ausgestiegen bin. Aus dem Auto ausgestiegen, meine ich natürlich.
Sehr feine Sache, gefällt mir extrem gut.

Am Vormittag hat sich K damit beschäftigt, endlich mal unsere Fritzbox wieder zurechtzuruckeln und alle Festnetztelefone einzubinden, die sich im Laufe der letzten Monate so nach und nach bis auf ein einziges komplett abgemeldet oder die Verbindung verloren hatten. Wir haben das gar nicht bemerkt, wahrscheinlich weil uns auch nichts gefehlt hat, wenn keiner anrief.
Wie auch immer, es war nur noch ein Telefon in der Fritzbox aktiv und dieses Telefon klingelte nicht, sondern sang eine seltsame Melodie, die wir überhaupt nicht als Telefongeklingel erkannten. Wir haben uns in der letzten Zeit gewundert, was das für seltsame Geräusche sind, die da ab und zu recht gedämpft von weit her durchs Haus waberten. Das letzte verbliebene Telefon, was überhaupt auf Anrufe reagierte, stand in der hintersten Ecke des Wohnzimmers ganz unten, wenn man sich in der ersten Etage aufhält (wo sich Schlaf- und Arbeitszimmer befinden), hört man diese Klänge nur noch sehr leise.
Heute hörten wir also wieder diesen seltsamen Singsang, K lauschte runter ins Treppenhaus und meinte, das sei ein Telefon, was diese Töne produziert, da aber alle anderen Telefon stumm blieben, kamen wir zunächst nicht auf die Idee, dass das Telefon deshalb Geräusche macht, weil jemand anrief.
Wie soll man auch auf die Idee kommen, dass ein Telefon deshalb Geräusche macht, weil jemand anruft?..... (ich habe erst im Nachhinein begriffen, wie schräg dieses Nichterkennen eines Telefongeräusches ist, eventuell hat sich an unserem Telefonverhalten eine Menge geändert in den letzten Jahren.)
Dann bemerkte ich aber, dass die Fritzbox mir tatsächlich grade eine E-Mail geschickt hatte mit dem Hinweis "verpasster Anruf" und dann dämmerte uns, dass da eventuell einige Telefone nicht mehr richtig angeschlossen sind.

Nach einer Stunde Hin- und Herschalterei hatte K igendwann sechs zusätzliche Telefone eingebunden (ist ja nicht so, dass wir die Geräte nicht haben), jetzt sind wir also sogar wieder übers Festnetz zu erreichen.

Richtig schräg fand ich die Fritzfon-App, die auf meinem iPhone installiert war, denn auch die hatte K wieder so aktiviert, dass mein iPhone jetzt auch auf Festnetzanrufe reagiert und klingelt. (Wenn das Handy zuhause im Netz eingeloggt ist.)
Nur hat diese App irgendwie einen seltsamen Zeitversatz drin, sie klingelt nämlich immer erst zwanzig Minuten später.
Das führt zu ausgesprochen skurrilen Situationen, denn um zu testen, welche Telefone jetzt wieder alle klingeln, wenn ein Anruf auf dem Festnetz eingeht, hat K mich gebeten, mit meinem Handy einen Probeanruf zu machen. Und 20 Minuten später klingelte dann plötzlich mein Handy und zeigte mir an: Anje mobil ruft an. Diesen Anruf konnte ich sogar annehmen, aber als ich dran ging, war ich gar nicht mehr dran, - Überraschung - der Anruf war ja auch seit zwanzig Minuten schon vorbei.

Beste Tat des Tages: Wir haben es heute Nachmittag tatsächlich geschafft, zwei Plissees für Js Fenster auf Borkum zu kaufen, Gips, um das Loch im Flur zuzuschmieren, wurde auch erworben, es geht voran
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Donnerstag, 8. November 2018
Wie ein Blatt


Mein Tag heute hat sich einen ganz fremden Rhythmus gesucht.
Jetzt, wo ich den Tag kurz Revue passieren lasse, um rauszupicken, was aufschreibenswert sein könnte, stehe gerade selber staunend davor und fühle mich wie das Blatt dort oben, das ich in meiner Mittagspause fotografiert habe: Durch Zufall in die Gegend gepustet, keine Ahnung, warum es hier liegt, es hat wohl schon eine Menge erlebt, eine Ecke ist eingerissen und abgeknickt. Die beste Zeit ist vorbei, aber die Farben sind noch sehr schön und es ist auch noch nicht komplett vertrocknet.
Man könnte noch was damit anfangen.
Oder etwas draus machen.
Nur was?
Pressen zwischen Buchseiten und eine verwunschene Geschichte dazu erfinden?
Oder mit Farbe bestreichen und auf eine Postkarte drucken?
Vielleicht aber auch ganz viele Blätter sammeln und dann damit rascheln.
Oder einfach nur fotografieren und nicht wissen, warum man das tut.

Das Aufstehen begann schon mit einer Synkope. (Ich meine den Begriff aus der Musiktheorie, nix medizinisches). Nach einem kurzen, unbedeutenden Aufwachen bin ich erstmal tief und fest wieder eingeschlafen. Im Büro war ich um kurz vor elf. Das ist selbst für meinen schon üblicherweise späten Bürobeginn sehr aus dem Takt geraten.
Gegen Mittag bekam ich Hunger. Auf ein richtiges Mittagessen. Passiert mir sonst auch nie.
Aber deshalb habe ich das Büro verlassen und bin in die Kantine gegangen.
Schnitzel und Pommes, die Kassenfrau an der Kantine schaute mich groß an und wollte wissen, wie es mir so geht, sie hätte mich ja wirklich sehr lange nicht gesehen. Stimmt, ich tippe das letzte Mal ist mehr als neun Monate her, dass ich in der Kantine war.
Schnitzel und Pommes, ich kann nicht erklären, was mich dazu trieb.
Auf dem Rückweg habe ich mich in der Sonne auf eine Bank gesetzt und darüber nachgedacht, wie lange es her ist, dass ich hier das letzte Mal saß. Ich glaube, die Antwort ist "unendlich", ich habe noch nie auf dieser Bank gesessen. Dabei steht sie direkt neben dem Eingang ins Bürohaus und es ist wirklich eine schöne Bank, es sitzt sich sehr gut dort und heute schien so wunderbar die Sonne, dass ich am liebsten ganz lange dort sitzen geblieben wäre.
Aber dann sah ich das Blatt und dachte, es ist besser, ich gebe mir selber wieder eine Bestimmung, zB die, vernünftig im Büro zu sitzen und nicht auf einer Bank draußen davor.
Nachher kommt noch jemand vorbei, macht ein Foto von der seltsamen Frau auf der Bank und fragt sich, warum sie da sitzt. Sie hat bestimmt schon eine Menge erlebt und ihre beste Zeit hat sie offensichtlich hinter sich, aber man könnte noch was aus ihr machen.
Und bevor ich dann zwischen zwei Buchseiten lande, bin ich einfach wieder ins Büro gegangen
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Donnerstag, 8. November 2018
Die Lösung der SDGs
Heute habe ich den Tag auf einer Konferenz bei der GLS-Bank verbracht.
Ich habe ja mit einer Menge verschiedener Banken zu tun, aber die GLS-Bank ist dann doch wieder eine ganz besondere Variante und grundsätzlich finde ich den Ansatz gut, der dort gelebt wird, allerdings zieht dieser Ansatz auch eine Menge Volk an, die stets davon profitieren, dass andere Menschen zu lieb und zu gutmütig sind, um sie kurzerhand auf die Straße zu setzen und ihnen einen Besen zum Fegen in die Finger zu drücken, denn zu mehr taugen diese Leute nicht.
Aber nun ja, diese Möchtegernintellektuellen sind bei NGO-Veranstaltungen immer zu Hauf dabei, das ist jetzt keine Besonderheit für die GLS-Bank, und immerhin kann man hervorragend über sie lästern, das bringt ein wenig Würze in einen ansonsten eher nur mittelinteressanten Konferenzablauf.

Der Keynote-Speaker der Abendveranstaltung war ein Herr Professor Dr. Dr. Brunnhuber, seines Zeichens irgendein Ausschussvorsitzender beim Club of Rome, der für sich ganz alleine (oder er mit seinem CoR-Ausschuss, ich habe das nicht richtig auseinanderhalten können), auf alle Fälle hatte er die größten Probleme der Menschheit schon geklärt, weil es seiner Meinung nur an der fehlenden Finanzierung für die vor drei Jahren verabschiedeten SDGs (nachhaltige Entwicklungsziele weltweit) fehlt und genau die hat er im Griff - wir machen das nämlich über eine Parallelwährung, die nur für die arme Bevölkerung der Welt eingeführt wird und die komplett als Cryptolösung bzw. über ein Smartgrid/Blockchain-System gesteuert wird und damit der gesamten aktuellen Schattenwirtschaft den Boden entzieht. Wird aktuell grade in Pakistan getestet und funktioniert pikobello. Wenn man das gleichzeitig als Bottom-Up UND als Top-Down Ansatz einführt, dann kann gar nichts mehr schiefgehen. Sagt der Club of Rome Professor Dr. Dr. - und wahrscheinlich hat er komplett recht, theoretisch, praktisch wird es wahrscheinlich einfach nur daran scheitern, dass es ihm nicht gelingen wird, den Top-Down-Ansatz durchzuziehen, denn dafür müsste er die sechs großen Notenbanken davon überzeugen, dass seine Idee die perfekte Lösung ist, und ich weiß nicht so genau, aber ich fürchte, an dieser Stelle braucht sein Plan noch ein wenig Unterstützung.

Nun, wir werden sehen, wann wir das nächste Mal etwas Neues über dieses Thema erfahren
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Montag, 5. November 2018
Mal wieder in letzter Sekunde pünktlich
Auch wenn ich grundsätzlich zum Team "Deadlineverlängerung" gehöre und den Spruch "zum Glück gibt es die letzte Sekunde, sonst würde ja nie etwas fertig" voll unterschreibe, so kann ich es gleichzeitig gar nicht leiden, unter Zeitdruck zu geraten und die typischen, fixen Fertigseinmusstermine mit Weltuntergangsfolgen hasse ich sehr.

Ich benutze deshalb zB nur sehr ungern öffentliche Verkehrsmittel, weil die immer mit festen Abfahrzeiten verbunden sind, die nur das Transportunternehmen flexibel interpretieren darf, nie der Kunde.
Im öffentlichen Personen-Nahverkehr sind die Folgen eines verpassten Anschlusses zwar meist keine Weltuntergangsszenarien, hier ärgere ich mich dafür über unnötige Wartereien, außerdem stresst mich hier die schiere Masse der Menschen, die dasselbe Verkehrsmittel benutzt wie ich und vor allem stressen mich die Menschen, die mir körperlich nahekommen, was sich in überfüllten Bussen oder S-Bahnen nur schlecht vermeiden lässt.

Im Fernverkehr und vor allem im Fährverkehr sind die Folgen einer verpassten Verbindung dagegen meist deutlich dramatischer, und grade der Fährverkehr lässt sich für mich oft nicht vermeiden. Ich weiche zwar schon regelmäßig auf das fahrplanunabhängige Flugzeug aus, aber mangels Fliewatüt bin ich spätestens dann auf die Fähre angewiesen, wenn ich das Auto mitnehmen möchte.

Eine verpasste Fähre ist üblicherweise eine ziemlich sehr lästige Angelegenheit. Je nach Saison sind die Autoplätze auf den Fähren meist schon lange im Vorhinein ausgebucht, wenn man also seinen "slot" verpasst hat, dann hat man ein ernsthaftes Problem, weil man eben nicht einfach die nächste Fähre nehmen kann.
Wenn man die letzte Fähre des Tages gebucht hat, was vor allem am Wochenende normal ist, dann ist das Fähreverpassen auch ziemlich blöd, denn man kommt am Freitag halt nicht mehr rüber und muss in der Walachei übernachten. Alternativ fährt man wieder zurück und hat dadurch 400km sinnloses Autofahren gewonnen, was im Ergebnis auch nicht günstiger oder bequemer ist als irgendwo in der Nähe des Hafens zu übernachten. Zusätzlich hat man sich mit der verpassten Fähre am Freitag auch gleich den halben Samstag mitversaut, denn vor mittags ist man dann üblicherweise nicht da.
Die Sonntagsfähre bei der Fahrt aufs Festland zu verpassen ist ebenfalls sehr schlecht, denn mit der ersten Fähre am Montag kommt man erst nach dem Mittagsessen im Büro an, was selbst bei meinen sehr flexiblen Arbeitszeit deutlich zu spät ist.

Wenn ich Fähre fahren muss, steigt mein Stresslevel also schon mal per se und ich baue sehr gerne große und ausreichende Sicherheitszeitpuffer ein, damit bloß nichts schief geht.

Aber natürlich geht regelmäßig irgendetwas schief, und sei es, dass ich keine Minute meines Sicherheitspuffers für die Anreise gebraucht habe, deshalb eine viel zu lange Wartezeit am Hafen verbringen müsste und darum natürlich übermütig werde und meine, ich könnte, statt sinnlos am Kai zu warten, vielleicht doch noch irgendwelche Dinge unternehmen, in Emden zB fahre ich dann gerne in die Autowaschanlage und vor Eemshaven liegt das holländische McDov mit den leckeren McKroket und beides sind wunderbare Gelegenheiten, dass spätestens jetzt etwas deutlich länger dauert als ich "mal eben" dafür Zeit übrig habe.

Wenn ich von Greven nach Borkum fahre, dann ist die nur schwer kalkulierbare Fahrtstrecke allerdings das größte Problem. Bei 200km Distanz ist es immer möglich, dass unterwegs irgendwelche unvorhergesehenen Stockungen, Sperrungen oder ähnliche Zeitverzögerungen den eingebauten Zeitpuffer schneller auffressen als ich in der verbliebenen Zeit durch Rasen zügigeres Autofahren wieder aufholen kann und wenn das schon gleich zu Beginn der Fahrt passiert, dann werde ich sehr hektisch, stressig und ausgesprochen unleidlich.
Früher (also so vor ca. 30 Jahren) war ich ein begeisterter Autofahrer. Ich habe Autofahren (jedes Fahrzeug) geliebt und habe allerlei verrückte Dinge getan, nur damit mich jemand Autofahren ließ. In meiner Autofahreranfängerzeit sind sehr viele schräge Dinge passiert, aufregende, lustige und auch sehr skurrile, aber das ist eine andere Geschichte, hier wollte ich nur sagen, dass ich früher wirklich ein begeisterter Autofahrer war. Ich habe das übrigens auch mal semiprofessionell trainiert, so mit Schleuderkurs und Rallyestreifen.
Heute, rund 30 Jahre später, hat sich das doch deutlich gelegt. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich Autofahren belastend finde, aber ich drängel mich auf alle Fälle nicht mehr nach vorne und bleibe im Zweifel auch lieber zu Hause statt sinnlos in der Gegend rumzukurven.
Was ich auch längst nicht mehr so spannend finde wie früher ist Rasen. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal über 200km/h, damals war ich 18 und hatte einen Freund überredet, mich ans Steuer seines E-Type zu lassen. Okay, vor 30 Jahren konnten auch längst nicht so viele Autos überhaupt 200 km/h fahren, wie das heute normal ist und ein E-Type war auch vor 30 Jahren schon etwas Besonderes, aber viel aufregender als das Auto selber fand ich diese imaginäre Geschwindigkeitsgrenze. Ich bin auch gerne Trecker gefahren - aber Rennautos fand ich schon deutlich spannender.

Heute finde ich es immer noch wichtig, ein Auto zu haben, was ausreichend Kraftreserven hat, weil ich das für ein Sicherheits-Plus halte. Es gibt nämlich immer wieder Situationen, wo man mit Gas geben sicherer klarkommt als mit einer Vollbremsung. Aber über lange Strecken Höchstgeschwindigkeit fahren, finde ich heute nur noch anstrengend.
Und deshalb fahre ich auch grundsätzlich gerne durch Holland, weil ich da komplett regelkonform und ohne schlechtes Gewissen langsam durch die Gegend gondeln kann. Um verlorene Zeit aufzuholen ist Holland dagegen eher unpraktisch.

Wenn man die knapp 200 km Greven-Eemshaven komplett regelkonform und ohne jede externe Störung fährt, dann braucht man ca. 2,5 Stunden, weil zwei Drittel der Strecke über Landstraßen und durch Stadtverkehr geht. Normalerweise versuche ich immer 3,5 Stunden vor Abfahrt der Fähre in Greven loszufahren, das gelingt aber selten, weil ich fast nie so pünktlich loskomme, wie ich das gut fände. Irgendwas ist halt immer, was noch schnell erledigt werden muss und dann müssen noch Dinge ins Auto gepackt werden oder überhaupt zusammengepackt werden - wenn K mitfährt, schummele ich die Fährabfahrt schon aus Prinzip immer eine halbe Stunde nach vorne, sonst käme er überhaupt gar nie aus dem Quark.

Vergleichbar stressig ist es aber auch vor den Fahrten von Borkum nach Greven, denn ich habe grundsätzlich den Anspruch, das Haus einigermaßen sauber und krümelfrei zu verlassen (Ungeziefer ist ein weiteres meiner Hysterieprobleme) und wenn ich weiß, dass ich nicht sofort am nächsten Wochenende wiederkomme, dann fahre ich auch gerne die Energieversorgung runter und mache das Haus grundsätzlich "sturmsicher", auf einer Insel kann es auch im August schon mal einen Orkan geben. Das Haus abfahrbereit zu machen dauert leider etwas, hängt natürlich davon ab, wie wild man die Tage vorher gehaust hat, aber so 2-3 Stunden sind da schnell um.

Wenn man nun weiß, dass die Fähre um 13.30h geht, man am Samstagnachmittag ein Loch in die Decke gemacht hat, um anschließend frustriert allen Dreck liegen zu lassen (auch den in der Küche, weil man sich alkoholisch getröstet hat und deshalb keinerlei Lust mehr hatte, noch irgendetwas aufzuräumen), man außerdem weiß, dass der Weg nicht direkt zum Hafen geht, sondern vorher ein Pilot am Flugplatz abgesetzt werden muss, dann ist ein Stress-Hysterieanfall bei mir sozusagen nicht zu vermeiden, wenn ich erst um 10h aufstehe.

Unter diesen Bedingungen bin ich eigentlich sehr stolz, wie cool ich das gestern dann doch noch alles gewuppt habe, nur auf der Fahrt zum Flugplatz, als es schon nach 13h war und dann so ein dämliches Kurgastauto vor mir unbedingt Sightseeing mit 20 km/h machen musste, da bin ich dann doch ein wenig laut geworden, aber ansonsten hat alles gut geklappt, ich habe nichts dramatisches vergessen und das Haus ist sturmsicher und halbwegs sauber.
Morgen gehe ich Plissees kaufen
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Donnerstag, 1. November 2018
Überschriftsblockade
Also ehrlich, manchmal gucke ich mir selber zu und komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus.
Nicht, dass ich jetzt grade so verwegene Dinge getrieben hätte, dass die lebenskluge Oma Anje danebensteht und ständig nur kopfschüttelnd sagt "Oh ha, das war jetzt ja wohl mal nicht so klug." - ne, um so ein Kopfschütteln handelt es sich da nicht. Sondern eher um so ein leicht verwundert-verzweifeltes Kopfschütteln mit der Frage: "Wie kann man sich bloß so dösbaddelig anstellen?"

Heute ging es um die Überschrift zu diesem Beitrag.
Die Überschrift soll ja eigentlich kurz zusammenfassen, um was es in dem dann folgenden Beitrag geht.
Ich finde Überschriften beim Bloggen meist das schrecklichste, weil mir gefühlt nie etwas passendes einfällt. Gleichzeitig nehme ich es aber auch als sportliche Herausforderung, mir zwanghaft irgendeine Überschrift einfallen lassen zu müssen, weil ich Datum oder Durchnummerieren der Beiträge als peinliche Kapitulation vor meiner eigenen Unfähigkeit sehe, und so tief möchte ich - zumindest freiwillig - nicht sinken.
Deshalb Überschrift. Jeden Tag eine andere, nix System, nix Regel, nix ableitbar, einfach persönliche Kasteiung, bis erst Blut und dann Überschrift fließt.

Heute floss erst Blut, dann noch mehr Blut und dann immer noch keine Überschrift. Ich kam aber auch mit meinem sonst meist hilfreichen Trick, nämlich Überschrift erst mal freilassen und nachtragen, wenn der sonstige Beitrag schon fertig ist, nicht sinnvoll weiter, weil, mir fiel neben einer fehlenden Überschrift auch sonst nichts ein, was ich schreiben könnte - und bei einem leeren Betrag ist es egal, ob man die Überschrift vorher nicht schreibt oder nachher nicht., da bleibt einfach in der Gänze zu viel frei.

Und weil mir eben so gar nichts einfiel, was ich heute schreiben könnte, habe ich eben darüber geschrieben.
Man sehe es mir nach
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Sonntag, 28. Oktober 2018
Schöner Tag mit alkoholischem Abgang
Heute war ein sehr schöner Tag. Samstage sind oft schöne Tage, weil sie randvoll mit Möglichkeiten sind, man kann einkaufen gehen und/oder Flohmärkte besuchen, aber auch ausschlafen, stress- und terminfrei vor sich hindröseln, das Haus auf Vordermann bringen (mache ich eigentlich sehr gerne, weil es sich so toll anfühlt, wenn anschließend alles sauber oder aufgeräumt oder durchsortiert oder eben irgendwie besser als vorher ist), man hat Zeit, neue Rezepte auszuprobieren, man hat überhaupt jede Menge Zeit, denn nach dem Samstag kommt ja erst noch der Sonntag, wenn es also am Samstag stressig wird, kann man sich immer noch am Sonntag ausruhen, Samstage sind also die allerbesten Tage, weil sie randvoll mit Möglichkeiten sind, wie ein Swingerclubbesuch: Alles kann, nichts muss. (Habe ich neulich irgendwo gehört, diesen Vergleich und fand das Bild so prima, dass ich es sofort klauen musste.)

Heute war ein ausgesprochen gelungener Samstag, erst lange im Bett gelegen und das Internet leergelesen, dann habe ich ausführlich vor mich hingepuzzelt, alles mögliche hier im Haus aufgeräumt, ein Paket für C. zusammengepackt und sogar abgeschickt, ein superleckeres Pilzrisotto gekocht (mein erstes Risotto überhaupt, ich wollte das schon seit Ewigkeiten mal ausprobieren und es hat sehr gut geklappt. K. meinte zwar, das wäre ja eine seltsame Reispampe, aber als ich ihm erklärte, dass der Reis nicht pampig, sondern schlotzig ist, hat er widerspruchslos gegessen und anschließend mit "war gar nicht so schlecht" kommentiert, für einen Westfalen ist das schon fast ein Drei Sterne Lob.)
Am Abend sind wir noch mal kurz einkaufen gefahren (Brot war schon wieder alle), und weil der Samstag schon so weit fortgeschritten war, waren die letzten verbliebenen Reste an der Obst- und Gemüsetheke um 50% reduziert, also gab es Minze und Limetten zum halben Preis, wenn das kein Wink mit dem Mojitozaunpfahl ist.

So kam es, dass der Abend ausgesprochen genussvoll alkoholisch........ - ......ach, keine Ahnung, wie ich diesen Satz jetzt vernünftig zu Ende bringen könnte, wir haben uns einfach ganz prächtig einen gedudelt, im Fernsehen lief Verstehen Sie Spaß, ich habe Hemden gebügelt und K hat irgendwelche Listen am PC aktualisiert, spießiger und gleichzeitig zufriedener kann ich so einen Samstagabend gar nicht organisieren, es war also ein rundum gelungener Tag, mal schauen, was morgen so passiert
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Dienstag, 23. Oktober 2018
Machtübernahme
Gestern Abend war der Termin mit der Maklerin und den Kaufinteressenten für das Haus, in dem ich wohne und in dem ich auch gerne noch rund sechs Jahre wohnen bleiben möchte, was aber der bisherige Eigentümer an eine Maklerfirma verkauft hat, die es jetzt ihrerseits wieder weiterverkauft. Insgesamt gibt es hier auf der Straße 16 Reihenhäuser, die bis vor kurzem alle als "ein Gesamtobjekt" einen Eigentümer hatten und jetzt in 16 Einzelhäuser geteilt wurden und einzeln verkauft werden sollen.
Einige der Bewohner haben das Angebot angenommen und ihr jeweiliges Haus selber gekauft, das ist ja auch eine sinnvolle Sache, wenn man hier länger wohnen bleiben möchte, aber wenn man genau weiß, dass man in spätestens sechs Jahren hier auszieht, dann ist es schon arg lästig (und teuer), wenn man das Haus nur kauft, um es dann nach kurzer Zeit wieder zu verkaufen. Andererseits finde ich die Vorstellung, dass ich hier zwangsweise ausziehen muss, weil jemand das Haus kauft und dann Eigenbedarf geltend macht, auch ziemlich gruselig, es ist also in jeder Richtung eine blöde Situation.

Nun, bei der aktuellen Immobilienlage ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich reichlich Interessenten melden, wenn diese Häuser offen angeboten werden, mir bleibt im Moment nichts anderes übrig als abzuwarten, wie es weitergeht, auf alle Fälle wollte ich mir die jetzt aufgetauchten Interessenten aber erst mal selber ansehen.

Als ich gestern nach Hause kam, war die gesamte Straße vollgeparkt mit großen Autos und vor der Tür wartete eine große Gruppe Menschen. Die Interessenten, die sich nicht nur für mein Haus interessierten, sondern gleich für alle Häuser, die noch zum Verkauf stehen, entpuppten sich als chinesische Großfamilie. Die wollen ernsthaft 5-6 Häuser aus dieser Reihe kaufen und warten dann darauf, dass die jetzigen Bewohner nach und nach ausziehen.
Die Besichtigung meines Hauses war dann auch schnell erledigt, im Grunde sind die Häuser ja alle gleich, haste eines gesehen, haste alle gesehen.

Ich fand das Ganze schon recht spooky, es fühlt sich irgendwie seltsam an, einen ganzen Trupp Chinesen durch sein Haus wandern zu sehen und zuzuhören, wie sie sich ohne Pause untereinander unterhalten, auf Dinge zeigen und sich hinweisen, nur verstehe ich leider kein Wort davon und so ganz geheuer war mir das alles irgendwie nicht.
Aber ändern kann ich daran auch nichts, außer dass ich jetzt ziemlich sicher bin, dass ich mein Haus nicht selber kaufen möchte, denn wenn sich hier in der direkten Nachbarschaft eine chinesische Großfamilie ausbreitet, dann dürfte das mit dem Verkauf in sechs Jahren deutlich komplizierter werden und ein Mieter findet sich dann auch nicht mehr problemlos.

K und ich haben deshalb beschlossen, dass mit dem eigenen Hausbau jetzt vorrangig und beschleunigt anzugehen, damit wir unter Umständen auch schon eher als geplant hier ausziehen können, vor allem aber, damit wir kein Problem bekommen, wenn wir hier tatsächlich früher als geplant zwangsweise ausgezogen werden.
Und wenn hier jetzt alles chinesisch wird, dann werde ich es sowieso nicht bedauern, wenn ich hier wegziehe
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Sonntag, 21. Oktober 2018
Zurück
Nach einem langen Tag in Hamburg auf dem Finanzbarcamp mit der anschließenden Verleihung der Finanzblogawards 2018 bin ich wieder zurück in Greven, habe explosionsartig alle Kleidung von mir geworfen und liege jetzt wohlig beglückt endlich wieder in meinem eigenen Bett. Auch wenn die Hotelbetten der letzten drei Tage nicht zu beanstanden waren, im eigenen Bett ist doch immer noch am schönsten.
Und überhaupt bin ich sehr froh, wieder zu Hause zu sein, bei offenem Fenster ohne Ohrstöpsel schlafen zu können und vor allem das Gefühl von Weite und Freiheit genießen zu können. Keine anderen Menschen, kein Gewusel, kein Lärm, das hat schon was und nach drei Tagen Großstadt weiß ich es umso mehr zu schätzen.

Das Barcamp heute war interessant, eine wirklich gute und produktive Session über Kryptowährungen war für mich dabei, ansonsten habe ich einige Aufreger- und eine Menge Kopfschüttelthemen gefunden und mich gewaltig gewundert, dass sogar das aus meiner Sicht doch nun wirklich nur mit logischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachtende Thema Finanzen und Geldanlage so viele Möglichkeiten für seltsame und teilweise echt krude Meinungen und Herangehensweisen bietet. Menschenversteher werde ich in diesem Leben nicht mehr
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Montag, 15. Oktober 2018
Trauriger Abschied
An manchen Tagen fällt mir die Abfahrt von der Insel besonders schwer, heute war einer dieser melancholischen, trauerumflorten Abschiede, beim Warten auf die Fährverladung spielte dann auch noch Astor Piazzolla im Radio, das beförderte den Blues, der sich heute bei mir breitmachte, noch mal extradoll.
Ich reagiere auf Astor Piazzolla immer mit viel retrograder Melancholie, früher war eben alles besser, zumindest hatten die Träume deutlich mehr Möglichkeiten.

Auslöser für diese Schwermutstimmung war heute der intensive Geruch der Silberpappeln

Im Herbst riechen sie besonders intensiv und bei diesem Wetter dann noch mal extra potenziert.
Ich finde diesen Geruch so toll, ich könnte den ganzen Tag davon leben.
Und auf dem Festland habe ich keine Silberpappeln.
Schnief
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Mittwoch, 10. Oktober 2018
Der Wunsch jemand anderes zu sein
Ich habe in der letzten Zeit mehrfach Interviews oder Texte gelesen wo der Satz drin vorkam: "Ich habe mir immer gewünscht ein Junge zu sein."
Auch auf dem Barcamp in Dangast gab es eine Session zu dem Thema "Geschlechtswechsel" - und in welchem Zusammenhang ich mich auch mit diesem Thema auseinandersetze, meine Reaktion bleibt immer gleich, nämlich ein hilfloses Schulterzucken.
Denn mir persönlich ist es ehrlich gesagt ganz herzlich egal, welches Geschlecht ich habe, ich bin als Frau nicht unglücklich oder unzufrieden, ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass ich als Mann ein Problem damit hätte, dass ich ein Mann bin, denn dann wäre ich eben ein Mann, auch gut.
Rein emotional, also rein vom Bauchgefühl her, tut sich bei mir da gar nichts.
Ich bin eine Frau, ich war auch schon immer eine Frau - und ganz ehrlich? Ich finde, es hat enorm viele Vorteile eine Frau zu sein.
CW sagte immer, ich wäre eigentlich ein Mann mit Gebärmutter und ich selber muss offen zugeben, dass mir zumindest die klassischen, typisch weiblichen Reaktionsmuster komplett fehlen. Ich habe kein Tüdelüt-Gen und ich habe auch kein Verständnis für Anstellerei.

Nach der Geburt des ersten Kindes, was viele Frauen als den ergreifendsten Moment ihres Lebens beschreiben, habe ich mir nur dieses beschmierte Etwas beguckt, was da aus mir rausgeflutscht war und dachte "Ach du Schreck, der ist ja grauselig hässlich."
Ich hatte sehr viel Mitleid mit dem armen Wurm und mich schon deshalb dafür verantwortlich gefühlt, mich da drum zu kümmern, aber irgendwelche Hormonausschüttung, die zu akuten Liebeswallungen führten, ne, sorry, das ist mir nicht passiert.
Mich hat vielmehr fasziniert, welch gigantisch große Eier so ein neugeborener Junge hat. Wenn man frischgeschlüpfte Säuglinge auf den Bauch legt, dann liegen sie noch nicht komplett platt auf dem Bauch, sondern eher leicht gekrümmt, was auch nicht verwundert, schließlich haben sie sich in ihrem bisherigen Leben ja noch nie komplett ausstrecken können. Und durch diese gebogene Haltung, also mit
leicht angezogenen Beinen auf dem Bauch liegend, stippt der Popo deutlich in die Höhe und unter dem Popo hängen bei Jungs halt die Eier. Und die sind groß, absolut überproportional groß, zumindest bei neugeborenen männlichen Babys. Das liegt an den weiblichen Mutterhormonen, die sie noch in Mengen im Blut haben, das legt sich mit der Zeit, aber ganz am Anfang, also frisch nach der Geburt, da haben sie schon ein gewaltiges Gemächt.
Und das war so ziemlich das erste, was ich bei meinem frisch geborenen, ersten Sohn bemerkte und er tat mir gewaltig leid. Ich kann übrigens bestätigen, dass es sich wirklich im Laufe der Zeit egalisiert, schon nach drei Monaten bewegen sich die primären männlichen Geschlechtsorgane in völlig normalen Verhältnis zum Rest des Körpers, nur halt ganz am Anfang, da ist das zunächst mal anders. Aber beim ersten Kind, da wusste ich das noch nicht, was vor allem daran lag, dass ich die Bedienungsanleitung zur Babyaufzucht ja auch erst zur Geburt des Kindes als Ravensburger Sachbuch vom Vater geschenkt bekommen habe. Das war ein durchaus praktisches Buch und ich habe viele nützliche Informationen dort bekommen, aber wie gesagt, all diese Informationen gab es für mich erst nach der Geburt. (Übrigens sehr praktisch der Teil mit den Kinderkrankheiten, alphabetisch sortiert, und zwischen Mumps und Röteln stand unter P: "Penis in Reißverschluss eingeklemmt" - das war gut, dass ich das wirklich VOR dem Ernstfall gelesen habe, denn selbstverständlich kam diese Kinderkrankheit auch vor, aber da wusste ich immerhin, weshalb der Sohn plötzlich und unvermittelt so ungestüm losbrüllt, oder wenigstens fiel es mir als Möglichkeit ein - und das wirklich nur, weil ich es vorher in dem schlauen Buch gelesen habe, denn mal ganz ehrlich - woher soll man das als Frau sonst als Möglichkeit in Betracht ziehen?)

Aber wo war ich? Ach ja, eigentlich wollte ich nur sagen, dass es mir persönlich immer herzlich egal war, welches Geschlecht ich hatte, ich war für mich gefühlt immer hauptsächlich ich, also Anje - das Geschlecht hatte tatsächlich und ganz ehrlich überhaupt keine besondere Bedeutung.
Ich habe dann gelernt, dass die Menschen Unterschiede machen zwischen Jungs und Mädchen und gleichzeitig habe ich gelernt, dass es Mädchen besser haben als Jungs. Mädchen müssen nicht so viel, aber sie können sich alles nehmen, was sie wollen. Und ein kluges Mädchen nimmt sich selbstverständlich nur die praktischen oder bequemen Dinge, aber all diesen männlichen Unfug, den die Jungs machen müssen, den kann man als Mädchen entspannt ignorieren.
Wenn es zum Beispiel darum geht, dass am Auto ein Reifen gewechselt werden muss, dann bin ich ganz ungemein entspannt komplett unemanzipiert. Wie blöd kann man sein, sich freiwillig anzustrengen und die Hände schmutzig zu machen, wenn es ausreichend Jungs gibt, die sich danach drängeln?
Wenn sich denn partout und auch nach Warten kein Junge findet, der das macht, klar, dann kann ich das auch alleine, aber warum sollte ich mich hier vordrängeln?
Mein Leitsatz in meinem gesamten Leben hieß schon immer: "Ich kann alles alleine. - Aber nur, wenn sich sonst keiner findet."
Wenn man das typische Klischeedenken bemüht, dann gehören zu meinem Alltag wahrscheinlich mehr männliche als weibliche Schwerpunkttätigkeiten, das liegt aber nur daran, dass ich mir gezielt die Dinge rausgepickt habe, die ich für mich besonders bequem oder einfach fand. Insgesamt war es mir bisher mein gesamtes Leben lang schnurzepiepegal ob eine bestimmte Tätigkeit "nur was für Jungs ist" - wenn ich das machen wollte, dann habe ich das gemacht und ich kann mich an keine einzige Situation erinnern, wo ich nur deshalb daran gehindert wurde, weil ich ein Mädchen bin. Ich kann mich aber durchaus an eine Menge Situationen erinnern, wo ich es gezielt ausgenutzt habe, dass ich ein Mädchen bin, und dass nicht nur beim Reifenwechsel. So fand ich es zB in Betriebsprüfungen sehr positiv, wenn der männliche Prüfer vom Finanzamt so intensiv auf meinen kurzen Rock reagiert hat, dass er dabei die falsch erklärte Umsatzsteuer glatt übersehen hat. Und vergleichbare Situationen gab es viele.
In meinem Leben mit CW haben wir ganz bewusst und sehr erfolgreich diese Rollenverteilung eingesetzt und benutzt und ich fand das völlig okay.
Ich kam mir als Frau auch niemals "ausgenutzt" oder "zurückgesetzt" vor, einfach deshalb, weil ich das nie akzeptiert habe. Klar bin ich in meinem Leben unterwegs auch so typischen chauvinistischen Macho-Alphatierchen begegnet - aber letztlich haben diese Männer sich immer nur selber enorm lächerlich gemacht, denn das passiert ganz von alleine, wenn man ihr Verhalten nur einmal ganz entspannt und ohne viel Gezeter in aller Öffentlichkeit spiegelt.
"Gezeter" ist dabei das schlechteste, was man tun kann als Frau, dann hat man verloren, dann ist man es aber auch selber schuld. Meine Meinung.

Rein vom Bauchgefühl her ist es mir also tatsächlich herzlich egal, ob ich Mann oder Frau bin - aber was so die praktische Bequenlichkeit im Leben angeht, da denke ich schon, dass man es als Frau leichter hat.

Und deshalb hatte ich noch nie in meinem Leben das Bedürfnis, dass ich lieber ein Junge gewesen wäre, im Gegenteil, ich kann alles, was ein Junge auch kann - und kann mir zusätzlich die Freiheiten herausnehmen, die sich nur Frauen herausnehmen können
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