anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 25. November 2018
Allerleirauh
In Summe war es ein recht erfolgreicher Tag heute, viel geschafft und das meiste hat funktioniert.
Nach einem etwas zögerlichen Aufwachen gefolgt von kuscheligem Internetlesen im Bett, habe ich mit K den Tagesablauf besprochen und wir kamen gemeinsam zu dem Entschluss, dass es besser ist, mit dem Kat um 15h statt mit der Fähre um 16.30h zu fahren.
Durch die Fahrt mit dem Katamaran spart man über eine Stunde Fahrtzeit und zusammen mit den anderthalb Stunden, die er sowieso eher abfährt als die Fähre, ergibt das noch eine akzeptable Ankunftszeit von ca. 17h im Krankenhaus von Leer, verglichen mit frühestens 19.30h, wenn wir die Fähre nähmen.
Also war Kat um 15h gesetzt, das hieß aber, dass wir vorher noch ins Dorf zum Bahnhof müssen, um die Zuschlagskarten für den Kat zu kaufen (natürlich ist Kat deutlich teurer als normale Fähre), außerdem mussten wir noch beim Onkel vorbei, um wenigstens guten Tag und Tschüß zu sagen und ich musste noch mal zum Vater ins Haus, weil ich seine Beihilfe- und DeBeKa-Unterlagen brauchte und ein paar Überweisungsformulare von seinem laufenden Konto, all das kann er mir nämlich schon mal blanko unterschreiben, irgendjemand muss ja die Abrechnungen nun für ihn machen.
Ein paar Rechnungen sind schon da, der Rettungshubschraiuber zB kostet 5.600€, ziemlich teurer Spaß, da ist es wichtig, dass man alles richtig bei der Beihilfe einreicht.
In seinem Haus habe ich aber alles gefunden, was ich brauchte, dann Weiterfahrt ins Dorf, Fahrkarten kaufen, dann zum Onkel, bei dem ist im Moment zum Glück alles okay, dann wieder nach Hause und das eigene Haus fix abreisefertig gemacht. K hat den Ofen geputzt und dabei die ultimative Ofenklappenglastürreinigungsmethode entdeckt: Erst einmal mit Rußentferner einsprühen (am besten funktioniert der billige von Aldi, den es aber nur manchmal als Sonderaktion gibt, also, wenn es ihn gibt, immer gleich 3-5 Flaschen auf Vorrat kaufen, billig ist er schließlich auch noch), damit Glastür einsprühen und antrocknen lassen (dauert so lange, wie man braucht, um Dinge aus dem Vaterhaus zum holen und einmal ins Dorf, zum Karten kaufen), nach einer entsprechenden Pause dann noch mal einsprühen - und DANN wischt sich plötzlich alles wie von allein und mit Zauberhand ab. Sehr zu empfehlen, diese Methode.

Wir waren rechtzeitig mit allem fertig, was es braucht, das Haus winterfest und abreisefertig zu machen, erwischten sogar noch den Vorzug zum Kat und saßen schon um kurz nach drei auf dem Katamaran.
Der ist vorne übrigens ganz schon angedengelt, wir sind aber ohne Havarie heil nach Emden gekommen.


In Emden angekommen gingen wir zu Fuß zum Parkplatz, wo unser Auto wartete, dabei mussten wir wieder über die Zugbrücke - und die Schranken gingen wieder direkt von unserer Nase runter.


Diesmal war es ein Frachter aus Groningen, schon schick, was diese Frachter so an Ausstattung bieten (man beachte, die beiden Autos auf dem Heck.....)

Sehr lustig fand ich das Schild mit der schlagenden Schränke, was ich am Krankenhaus Parkplatz gesehen habe, wer dort von der Schranke erschlagen wird, hat es immerhin nicht weit bis zur Notaufnahme.

Der Vater ist wieder einigermaßen stabilisiert, allerdings hat das zur Folge, dass er sich jetzt ganz schrecklich selber leid tut. Nur leider hilft das nicht, sondern er wird sich entscheiden müssen, wie es weitergeht: entweder Pflegeheim auf dem Festland und dreimal die Woche Dialyse, oder Rückkehr nach Borkum, dort gibt es aber keine Dialyse, die Folgen sind dann klar
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Freitag, 23. November 2018
Homeoffice mit Gewürzen
Heute hatte ich wieder meinen Homeoffice-Austauschtag, d.h. ich bin nicht ins Büro gefahren, war aber grundsätzlich für alle erreichbar und habe auch diverse Dinge am PC erledigt bzw. telefonisch geregelt. So ein ganz echter Homeofficetag, an dem ich mich verpflichtet fühlen würde, 8h produktive Büroarbeit zu leisten, ist es nicht, da ich ja ein ziemlich großes Stundenpolster aus meiner Handgelenkskrankschreibungzeit vor mir herschiebe und so verrechnet sich hier das eine mit dem anderen und ich habe kein schlechtes Gewissen.

Als ich am Vormittag in der Küche stand und mir einen Tee kochte, fiel mein Blick auf die seit Wochen auf der Arbeitplatte rumstehenden Gewürzgläser. Die habe ich noch nicht weggeräumt, weil der Schrank, in dem ich alle Gewürze aufbewahre, überfüllt ist.

Das Blöde am Erwachsensein ist, dass man dann für solche Sachen auch komplett selber verantwortlich ist, d.h. es wird einfach niemand kommen und die Gewürze für mich sortieren und aufräumen, da kann ich warten, bis ich schwarz werde (oder die Gewürze wegen Altersschwäche entsorgt werden müssen.)

Und so beschloss ich heute spontan, endlich mal das Gesamtthema Gewürze anzugehen. Die stehen bei mir nicht nur in einem Schrank, sondern an ganz vielen Stellen und einen Überblick, was ich tatsächlich habe, was eventuell fast leer ist und nachgekauft werden müsste und was so alt oder unbeschriftet/unbekannt ist, dass es nicht mehr benutzt wird und deshalb entsorgt werden kann, diesen Überblick habe ich komplett verloren.
Also, erster Schritt: Erst mal alles rausräumen und auf der Arbeitplatte vorsortieren: Kräuter, süße Gewürze (Anis, Fenchel, Vanille, Zimt, Kardamom etc), scharfe Gewürze, Würzsalze, Würzmühlen und Gewürzmischungen waren meine große Gruppen, und hey, ich habe wirklich gigantische Mengen an Gewürzen.
Okay, zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass ich in direkter Nachbarschaft zu der Produktion von Goutess-Gewürzen wohne und die hatten bis vor zwei Jahren einen Werksverkauf. Als ich erfuhr, dass der schließt, habe ich in einem letzten großen Gewaltakt natürlich noch mal alle Vorräte bis zum Anschlag aufgefüllt, ich schätze, damit komme ich gut bis ins Jahr 2127.

Aber grade, weil ich so viele Gewürze habe, ist es natürlich schade, dass ich ganz viele nicht benutze, weil sie irgendwo in den hinteren Ecken des Schrankes versteckt sind oder ich von vielen auch wirklich gar nicht mehr weiß, dass ich sie überhaupt besitze.

Und das habe ich heute alles geändert. Jetzt gibt es im Keller eine sehr große Ecke für Gewürzvorräte, das Gewürzregal überm Herd ist neu organisiert, das über der Arbeitsplatte auch und im Schrank sind die restlichen Gewürzen alle vernünftig nach Gruppen zusammengestellt.
Als Erkenntnisse nehme ich mit, dass ich etwas über 1 kg Pizzagewürz besitze, und mindestens 500g diverse Currys, die ich aber leider alle nicht unterscheiden kann, weil mein Indisch so schlecht ist. Das besondere an dieser Entdeckung ist, dass ich weder Pizza mag noch Curry, aber nun ja, wenn ich es mögen würde, könnte ich es ausgiebig würzen.

Nach dieser aufräumtechnischen Großtat habe ich mich eine Runde am PC erholt, Mails gelesen und beantwortet, telefoniert, bis mir einfiel, dass ich ja seit Ewigkeiten nicht mehr gewaschen habe und dass doch heute eine gute Gelegenheit dafür sei.

Im Moment läuft die vierte Maschine.

K kam am frühen Nachmittag nach Hause und wollte am liebsten direkt ins Bett, erst mussten wir aber sein Auto noch in die Werkstatt bringen, auf dem Weg ein wenig einkaufen und allerlei Krims und Kram erledigen.

Endlich damit fertig und wieder zuhause, wollte K in die Badewanne gehen - dabei bemerkte er, dass die Heizung nicht funktioniert, wirklich heiß war das Badewasser nicht.
Also habe ich nach der Bedienungsanleitung für die Heizung gesucht, die haben wir letztes Jahr neu bekommen und ich hatte mich bis heute noch nicht damit beschäftigt, lief ja alles.
Wo das Problem letztlich tatsächlich lag (und auch, ob es überhaupt beseitigt ist), weiß ich nicht, aber nach dem ich ewig auf den Resetknopf drückte, dann das Gesamtsystem einmal runter- uhd wieder hochgefahren habe und schließlich im Menue den Befehl "Wassererwärmung manuell starten" fand und auslöste, gab es wieder warmes Wasser. Reicht also erst mal.

Morgen früh ist aufstehen für 4h geplant, dann haben wir eine Chance, die 8h Fähre ab Emden zu bekommen, die Schreiner sind immer noch da, es scheint wohl deutlich komplizierter als erwartet zu sein, der Fenstereinbau in dem Mietshaus
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Freitag, 23. November 2018
Weitergereicht
So, es ist vollbracht: K hat sich erfolgreich angesteckt und wird jetzt ebenfalls in Kürze versterben.
Das ebenfalls habe ich wieder gestrichen, weil mir auffiel, dass ich ja gar nicht verstorben bin, ich kann aber bestätigen, es war knapp. Ob K es überlebt, steht noch nicht fest, wenn, dann wird es sicher noch knapper, denn als Mann wird man von so einer Männergrippe halt grundsätzlich noch härter getroffen als als Frau, die so eine Krankheit ja quasi nur über Bande mitmacht.
Also, mein vollstes Mitgefühl ist ihm sicher, damit hat er allerdings deutlich mehr Mitgefühl als ich letzte Woche im gleichen Stadium, ich war aber auch nur eine Frau mit Männergrippe, was klage ich also.
Und selbstverständlich glaubt er nicht an meinen Voodoozauber mit Vitamin C und Immunboostern, er glaubt an Jagertee, der, und an dieser Stelle hat er wirklich uneingeschränkt recht, tatsächlich sofort und auf der Stelle Wirkung zeigt. Zwar wird man davon nicht gesund, aber immerhin merkt man nicht mehr, dass man krank ist, wenn man nur genug davon trinkt.

Ich dagegen bin heute erstaunlich fit. Weder der mitternächtliche Termin bei der Frauenärztin (und ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich bereits um 7.55h vor der Praxistür stand, und damit sogar fünf Minuten ZU FRÜH da war, was mir aber nichts half, da die wirklich ganz hardcore erst um 8h die Praxistür öffnen), also weder dieser völlig aus dem Biorhythmus gefallene Termin konnte mich heute erschüttern, noch die gestrige Grippeschutzimpfung. Mir tut noch nicht mal der Arm weh, es ist erstaunlich.
Taschentuchverbrauch heute: Nur noch zwölf Stück, eigentlich kann man schon gar nicht mehr davon reden, dass die Nase läuft, tut sie ja auch nicht, es kommt längst dicker, gelber Schnodder, sie läuft also nicht, sie hopst eher. Es geht sichtbar voran.
Auch der Husten wird immer effektiver, wenn ich ein bisschen Schwung hole beim Husten, lösen sich dicke fette Brocken irgendwo aus den Tiefen der Lunge, das lohnt sich richtig.

Um 12.30h hatte ich eine Einladung zum Lunch.
Ja, richtig gelesen, Lunch, nicht einfach nur schnödes Mittagessen.
Es war auch ungemein lunchig, wobei ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, wie sich lunchig anfühlt, aber lustig kenne ich und das war es auch.

Wir waren in einem neu eröffneten Hipster-Restaurant für asiatisch-japanische Küche, wo ich einen Chrysanthementee serviert bekam und anschließend aus einer langen Karte allerlei asiatische Tapas bestellen konnte. Asiatische Tapas fühlt sich an wie Dudelsackpfeifer in einer italienischen Oper, aber egal, Sushi ist hip, Tapas sind hip und der Koch kam aus Vietnam, da muss man mit der Kombi doch was reißen können, oder?
Chrysanthementee zum Beispiel, schmeckt "echt krass gut", wie mir die Bedienung empfahl und ich stimme ihr für den Fall zu, dass, falls jemandem ein Aufguss aus heißem Wasser auf getrockneten Gänseblümchen echt krass gut schmeckt, die Empfehlung echt krass perfekt war.
Ich habe dann lieber noch eine Flasche deutsches Mineralwasser bestellt, das hörte sich nach erbaulich wenig Zusatz-Experiment an.
Der Seetangsalat war sehr lecker, ich glaube, ich kenne den Laden, wo die den fertig angemacht beziehen, kann ich empfehlen.
Die anderen Tapas, die ich bestellte, hatten vor allem den Vorteil, dass sie nicht zu heiß waren; dass man sich beim Genuss den Mund verbrannte, war also ausgeschlossen. Dass beim Genuss der anderen Tapas allerdings irgendwas passierte, war jedoch insgesamt schwierig, weil das Problem schon bei dem Wort "Genuss" begann. Aber herrjeh, da hat jeder sicher seine eigenen Ansprüche und es mag ja durchaus Leute geben, die lauwarme, matschige Gemüsetempura als das Gelbste vom Ei der asiatischen Tapasküche bezeichnen, nun, ich gehöre zufällig nicht dazu, aber ich muss zum Glück ja auch sonst nicht viel zu Mittag essen und zum Lunch schon mal gar nicht, weil ich ja sonst auch nie lunche.
Ich hatte also im Ergebnis hauptsächlich viel Spaß an diesem Lunch, weil ich so herrlich lästern konnte, von mir aus gerne jederzeit wieder. (Dann allerdings ein anderes Restaurant, dieses habe ich ja jetzt durch.)
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Mittwoch, 21. November 2018
Vom leben und nicht sterben lassen
Mit der Mittagsfähre ging es heute wieder zum Festland, wobei "Mittagsfähre" eine eher euphemistische Unterstellung einer Tageszeit ist, die, absolut betrachtet, bedeutet, dass die Fähre erst gegen 16.15h in Emden ist, Sonnenuntergang ist heute um 16.29h…….
Im Fährplan steht dann zwar "13.30h Fähre nach Emden", tatsächlich sind die Abfahrtzeiten ab Borkum aber immer "ab Bahnhof", die Fähre selber legt dann erst rund eine halbe Stunde später ab.
Heute gab es noch ein wenig hin und her bis alle LKWs an Deck gepuzzelt waren, außerdem fuhren wir gegen die Tide, das zieht sich dann.
Eigentlich hätte ich dafür auf der Fähre über zwei Stunden Zeit gehabt, einen wunderbaren Blogtext vorzubereiten. Scheiterte leider daran, dass ich von akuter Lustlosigkeit ergriffen war und lieber irgendein albernes iPad Spiel gespielt habe, sinnlos, dafür ohne Hirnunterstützung möglich und auch irgendwie erholsam.
Von Emden führte die Fahrt direkt nach Leer, neuer Versuch rauszubekommen, wie genau gut oder schlecht es denn nun um den Vater bestellt ist. Gestern hatte ich ja schon seinen Hausarzt, der zufällig auch mein direkter Nachbar ist und zu dem ich deshalb einen quasi "direkten Draht" habe, gefragt und gebeten, doch mal mit dem Klinikum zu telefonieren, um dort Informationen abzugreifen, die mir verwehrt werden, weil ich hoffte, so von Arzt zu Arzt klappt das besser mit der Kommunikation. Klappte es aber nicht, der wusste heute Vormittag auch noch nicht mehr.
Das ist schon alles sehr seltsam, was da läuft.
In der Klinik gab es dafür heute mal keine Wartezeiten, der Vater war wach und wurde grade von einer Schwester versorgt, die meinte, er wäre heute ansonsten schon gut zu pass. Das ist norddeutsch und bedeutet "der stirbt uns hier nicht so schnell weg." Als ich da war, bestand seine Gesamtreaktion aber nur daraus, dass er mich bat, doch bitte dafür zu sorgen, dass man ihn endlich in Ruhe sterben ließe. Er freute sich zwar sichtlich, mich zu sehen, ich denke aber hauptsächlich deshalb, weil er mir zutraut, dafür zu sorgen, dass man ihn in Ruhe lässt.
Leider liegt das an dieser Stelle aber nicht mehr in meiner Macht. Er hat da Pech, ich habe den falschen Beruf, ich kenne mich auf diesem Gebiet überhaupt nicht aus und weiß deshalb nicht, wie ich ihm helfen könnte. Ich kann jetzt organisieren, dass er irgendwo einen Pflegeplatz mit 3x die Woche Dialyse bekommt, aber mehr kann ich nicht für ihn tun.
Er tut mir wirklich ganz schrecklich leid und was die Krankenhaustechnik da grade mit ihm macht, ist mein ganz persönlicher privater Horror. Ich bin deshalb dreimal extra froh, dass ich selber zwei Kinder habe, die für diese Situation genau die richtige Ausbildung haben (werden) und mit denen ich heute schon eine feste Vereinbarung habe, dass ich nicht so enden muss. Ein Mediziner und ein Pharmazeut, das sollte genügen, um mir ein derartiges Schicksal zu ersparen. Mein Vater dagegen hat nur überflüssige BWLer Kinder, also Augen auf bei der Berufswahl der Kinder.

Ob die Krankenhausmediziner ihn jetzt wirklich noch über viele Jahre weiter durchs Leben quälen werden, werden wir sehen, immerhin ist er jetzt versorgt, wird täglich gewaschen und ernährt, insgesamt ist der Umgang mit ihm dadurch für mich jetzt einfacher als vorher, als er seine sehr individuellen Hygienevorstellung noch frei herausstinken ausleben konnte.

Als ich aus dem Krankenhaus kam, war es kurz vor 19h und es schneite. Ich hatte noch zwei Stunden Autofahrt vor mir, um es mal so auszudrücken: Ich war not amused.

Aber ich bin heil Zuhause angekommen, morgen wieder Büro, das Leben geht weiter
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Montag, 19. November 2018
Kein besonderer Fortschritt
Der Tag heute verlief erwartungsgemäß, wobei meine Erwartungen an den Tag bei "Hauptsache keine weiteren schlechten Neuigkeiten" lagen, und das hat geklappt.
Ich habe meinen Schnupfen weiter gepflegt, der Husten entwickelt sich zu einem richtigen Husten, was positiv ist, denn wenn Bröckchen kommen, weiß man, dass sich die Husterei gelohnt hat. Diesen sinnlosen Reizhusten, der einen nur wie blöde bellen lässt, ohne dass sich irgendetwas bewegt, den hasse ich sehr, aber genau diese Phase ist jetzt im Wesentlichen vorbei, ich begrüße das ausdrücklich.
Die Nase läuft unverändert ungebremst, selbstverständlich ist sie von der Dauerputzerei längst komplett wund, aber das war ja auch nicht anders zu erwarten.
Positiv hat sich das allgemeine Krankheitsgefühl entwickelt, ich habe jetzt nur noch das Gefühl, dass ich einen ätzenden Schnupfen habe, aber nicht mehr, dass ich sicher kurzfristig versterben werde.

Viel getan habe ich den Tag über nicht. Am Vormittag habe ich das Haus vom Vater noch mal komplett gewischt und nach Schlüssel und Portemonnaie gesucht, beides unauffindbar, nun denn, dann ist das eben weg. Mittags habe ich dann mit einem der Mieter des Fenstereinbauhauses eine Runde gequatscht, er kennt den Vater natürlich und ist auch ganz entsetzt, wie schnell das jetzt plötzlich gegangen ist.

Die Schreiner vermelden Schwierigkeiten beim Fenstereinbau, die haben sich aber gestern abend schon angekündigt, als sie mit dem Onkel gesprochen haben, der das Haus ja gebaut hat und der ihnen ein paar Details zu dem Bau des Hauses erzählt hat, die den Schreinern gar nicht gefielen - deshalb waren die Schwierigkeiten schon in der Erwartungshaltung eingepreist und gelten nicht als neue schlechte Nachrichten.

Am Nachmittag habe ich erst eine Telko absolviert, die positiv verlief und anschließend den Onkel besucht, um sein Handy upzudaten, ihm zum siebenundfünzigsten Mal zu erklären, wie man Witze auf WhatsApp weiterleitet und ein wenig über den Vater zu lästern, wenn ich hätte aussuchen dürfen, hätte ich lieber den Onkel zum Vater gehabt. Aber nun ja.
Beim Onkel habe ich mir dann gleich das Handwerkszeug ausgeliehen, was die Schreiner nun unerwarteterweise doch brauchen, sehr praktisch diese Möglichkeit, so geht es ohne Pause weiter und vielleicht ist dann doch nicht alles so schlimm, wir werden sehen.

Auf alle Fälle wollten die Schreiner heute Abend "an Land" - ich habe dankend abgelehnt, als ich aufgefordert wurde, die zwei zu begleiten, ich mache mir lieber ein Butterbrot und gehe mit einem frischen Sanddorngrog ins Bett.

Morgen Fahrt aufs Festland und der Versuch, endlich weitere Infos über den Zustand des Vaters zu bekommen, am Samstag habe ich diesen Versuch nach zweieinhalb Stunden Wartezeit in der Klinik abgebrochen, denn sonst hätte ich die Fähre nicht mehr bekommen, vielleicht habe ich morgen mehr Glück
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Samstag, 17. November 2018
Ziemlich matsche
Ich habe ja keine Ahnung, wie krank ich jetzt grade wäre, wenn ich nicht diese Riesenmengen an Vitamin C, Echinacea und was mir sonst noch in die Finger fiel, in mich reingeschüttet hätte, aber ich bilde mir für mich selber sehr überzeugend fest ein, dass diese Aktion, die ich da gestern gefahren habe, doch noch etwas geholfen hat und dass ich heute viel kränker wäre, wenn ich mich willenlos in mein Schicksal gefügt hätte.
Ich habe mit diesen "Immunstimulanzien" seit vielen Jahren extrem gute Erfahrungen gemacht, der Trick dabei ist nur, dass man sie rechtzeitig genug nehmen muss, damit die hauseigene Körperfeuerwehr so früh und so rechtzeitig gepuscht wird, dass sie eine aufziehende Erkältgung gleich im Kern niedermachen.

Das hat diesmal nicht komplett geklappt, ich habe mir schon eine dicke Erkältung eingefangen, mit der ich mich jetzt auch recht matsche grade ins Bett verzogen habe - aber bis dahin habe ich heute noch halbwegs brauchbar funktioniert und hoffe, dass ich morgen auch wieder einsatzfähig bin.

Ich bin heute nach Borkum gefahren und habe unterwegs den Vater im Krankenhaus besucht, der ist so schwer krank, dass er wohl nicht mehr in sein Haus zurückkehren wird, deshalb werde ich da morgen erst mal saubermachen und dann alles absperren.

Kam alles ganz plötzlich, am Dienstag wurde er notfallmäßig ausgeflogen, jetzt ist er zwar stabilisiert, liegt aber noch auf der Intensiv und keiner weiß genau, wie es weitergeht.

Wenn solche Sachen passieren, ist eine Erkältung das letzte, was man gebrauchen kann, aber typischerweise fängt man sich so einen Infekt grade dann ein, wenn es am ungünstigsten ist, meine alter Spruch: Krankheit kommt aus dem Kopf.

Heute Abend habe ich allerdings mit großer Überzeugung das beste Antierkältungsmittel überhaupt ausgiebig angewendet: Sanddorngrog. Wirkt mit 54%, und das ist mehr als die Hälfze
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Donnerstag, 15. November 2018
Ich höre Stimmen
Seitdem es mir gelungen ist, das Hören von Podcasts technisch so in meinem Alltag unterzubringen, dass es keine extra Zeit verlangt, sondern während anderer Tätigkeiten dazu geschaltet werden kann, bin ich echter Podcast-Fan geworden. Mittlerweile mag ich Podcasts fast lieber als Hörbücher, kein Wunder, ich lese ja auch lieber Blogs als Bücher.
Ich glaube, das kurze, abschnittsweise Konsumieren von Texten/Themen/Beiträgen etc. ist mir deshalb lieber, weil ich mich nicht gleich für so eine lange Zeit binde. Bis man so ein Buch komplett gelesen oder gehört hat, das dauert ja schon, und ich merke, dass ich es anstrengend finde, zwischen den einzelnen Kapiteln zu viel Zeit verstreichen zu lassen, weil ich den bereits gelesenen oder gehörten Inhalt wieder vergesse, also versuche ich Bücher auch in einer angemessenen Zeit hintereinanderweg durchzulesen oder zu hören, aber genau das bindet dann halt sehr viel Zeit.
Und das will ich oft nicht, weil ich mich dann in meiner Freiheit eingeschränkt fühle.

"Ich kann jetzt nicht, ich muss lesen" - war zwar viele Jahre lang einer meiner Lieblingssätze, aber das war zu Zeiten, als mich nervige Menschen dadurch vom Lesen abhalten wollten, weil sie meinten, ich solle den Tisch decken, mein Zimmer aufräumen, den Müll rausbringen - oder was man sonst so für Arbeiten in einem Haushalt zugewiesen bekommt, für den man nicht selber verantwortlich ist.

Aber je älter ich wurde, umso weniger Spaß machte es, Dinge, die getan werden mussten, zugunsten einer spannenden Lektüre zu ignorieren, denn die Dinge, die getan werden mussten, mussten vor allem deshalb getan werden, weil ich jetzt selber dafür verantwortlich war und das eben selber so wollte.

So ist das mit dem Älterwerden, Erwachsene bilden sich seltsame Dinge ein, von denen sie meinen, dass sie getan werden müssen und wenn die nicht erledigt werden, dann fühlen sich Erwachsene schlecht, werden gestresst und bekommen ganz miese Laune.

Es hilft übrigens nichts, das zu wissen, mir zumindest nicht, ich lasse mich trotzdem von den nicht erledigten Dingen stressen, obwohl ich das ja einfach dadurch abstellen könnte, dass es mir schnurzepiepeegal sein könnte, ob die Dinge getan sind oder nicht, war ja früher auch nie ein Problem. Aber hier schließt sich der Kreis: ich kann es nicht vermeiden, dass ich älter werde und mir immer mehr Kram einbilde. Plötzlich ist es eben wichtig, dass das Haus gestaubsaugt, der Müll rausgestellt und der Kühlschrank gefüllt ist. Es ist ein Elend, aber je älter man wird, umso weniger Zeit hat man, weil man sich immer mehr Dinge einbildet, die getan werden müssen. Besser, wir sprechen nicht weiter darüber, ich werde schon ganz kribbelig, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, was im Moment alles so getan werden müsste...

Eigentlich ging es da ja auch gar nicht drum, eigentlich wollte ich nur begründen, warum ich nicht genug Zeit habe, lange Bücher zu lesen oder zu hören und dass ich deshalb Blogs ganz prima finde - und seit neuestem eben auch Podcasts.

Bei dieser ganzen Podcasthörerei bin ich auf vielerlei interessante Dinge gestoßen, über die ich dann so zwischendurch immer mal nachdenke. Die Stimmen der Menschen zum Beispiel - ein ganz faszinierendes Kapitel.
Stimmen sind ja mindestens so viel Optik wie das Aussehen, also für den ersten Eindruck, äh, ich meine, wenn man einen Podcast hört, dann hängt eben alles an der Stimme. Ich glaube, ich habe den Satz verfuddelt, aber ich hoffe, man versteht, was ich sagen will. Man hat ja immer so eine Vorstellung von einem Menschen, die im Zweifel nichts mit dem Menschen selber zu tun hat (alle Promis klagen darüber), die aber aus den Begegnungen, die man selber mit diesem Menschen hatte, entsteht.
Und ich stelle für mich fest, dass es Menschen gibt, auf die reagiere ich seltsam ablehnend, viel ablehnender übrigens als ich es auf die reine Optik beim Angucken täte, nur weil ich plötzlich ihre Stimme in einem Podcast höre und eben genau diese Stimme oder auch eine bestimmte Art zu reden, überhaupt nicht mag.

Ich zB mag keine piepsigen Kinderstimmen. Ich habe neulich eine Frau reden hören, von der ich weiß, dass sie ungefähr 40 ist, ihre Stimme hört sich aber an wie 12 und ich fand das ganz schrecklich.
Ich mag auch keine "Tüdelüt-Stimmen", also so in etwa die Tonlage, in die viele Frauen verfallen, wenn sie ein Baby sehen. Es scheint Frauen zu geben, die reden immer so. Ganz gruselig, schauder.

Und dann gibt es Menschen, die haben eine Art zu reden, die weckt in mir jede Sorte Widerstand, einfach weil sie einerseits so bestimmt und so ungemein selbstverständlich reden, gleichzeitig aber ungemein (vorgespielt) verständnisvoll reden. Das "vorgespielt" habe ich da jetzt reininterpretiert, aber genau darauf reagiere ich mit Widerstand. Und dann können diese Menschen ganz kluge Dinge sagen: Ich reagiere bockig.

Andere Menschen dagegen habe eine Stimme, die finde ich so angenehm, dass ich ihnen stundenlang einfach so zuhören könnte, und sofort finde ich diese Menschen unglaublich klug und toll und überhaupt prima. Judith Holofernes gehört dazu und Juli Zeh.

Ich glaube, Stimme ist etwas ungemein wichtiges und ich wundere mich, dass darüber so wenig geredet wird
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Mittwoch, 14. November 2018
Trivial
Ich höre immer noch den Podcast von "Durch die Gegend", aktuell die letzte, frisch herausgekommene Folge mit Jens Friebe. Auch wenn mir diese Folge vor allem deshalb nicht gefällt, weil ich mit Menschen wie Jens Friebe nichts anfangen kann, fallen mir doch immer wieder interessante Wörter oder auch Ausdrücke auf, die dieser Jens Friebe benutzt, die mir dann gleichzeitig viel Spaß machen. Heute auf dem Hinweg (also auf meinem Hinweg zur Arbeit) sagte Jens Friebe mehrfach "trivial" und plötzlich fiel mir auf, wie gut das Wort zu mir passt.
Ich finde, ich bin auch trivial, in ganz vielen Hinsichten.

In der Wikipedia steht dazu:
....Daneben kann trivial im Sinne von „alltäglich“ oder „unbedeutend“ auch eine Bewertung oder ein Geschmacksurteil ausdrücken, zum Beispiel bei der Beurteilung von Literatur, die nur der Unterhaltung dient.....

Ich finde, ich habe einen trivialen Geschmack und ich lebe auch trivial, weil ich in den allermeisten Fällen alltägliche und unbedeutende Dinge viel besser finde als herausgeputzte oder besonders bemerkenswerte.

Geht schon mit Essen los, das ganze Schickimicki Shishi Essen, was ich rein beruflich häufiger zu essen bekomme, finde ich absolut betrachtet sehr langweilig. Letzten Monat war ich ja hintereinander auf zwei Bankveranstaltungen, erst auf einer für "Spezialkunden", ganz oben in der Vorstandsebene der Bank, dementsprechend vornehm war das Essen. Das Essen war gut, es gab wirklich nichts zu meckern, aber es war halt auch sichtbar "gehoben", insbesondere das Dinner bei der Abendveranstaltung.
Im Anschluss daran war ich auf dem Finanzbarcamp, wo sehr sichtbar eine komplett andere Zielgruppe angesprochen wurde. Hier gab es Chili con Carne und Nudeln - und das hat mir einfach viel besser gefallen.

Oder nehmen wir Kleidung: ich mag zwar sehr hochwertige Kleidung extrem gerne, aber noch wichtiger ist mir, dass das Hochwertige sich nur auf den Tragecomfort auswirkt, sehen muss man das nicht. Pelz nach innen finde ich okay, weil warm und kuschelig, aber protzig nach außen: nein danke.

Das gilt auch für Bildung: wenn es wirklich akademisch wird, so mit Imponiervokabeln und quotation dropping - dann bin ich raus und langweile mich. Ich finde eine sichere Grammatik und einen abstellbaren Dialekt zwar wichtig, aber das reicht mir dann auch gleichzeitig schon wieder, ab da bevorzuge ich einfach Sprache.

Styling: Ja, mache ich auch, aber alles, was länger als 10 Minuten dauert, ist mir dann schon wieder zu viel.

Das waren jetzt eine Menge verschiedene Dinge, die vielen Menschen wichtig sind und wo ich automatisch oder am liebsten zu der trivialen Einfachversion greife, eben weil sie mir besser gefällt.

So einfach ist das, oder so trivial
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Mittwoch, 14. November 2018
Twitterzusammenfassung
So ein Twitteracount ist tatsächlich sehr praktisch, stelle ich grade fest, denn wenn man tagsüber schon kurz etwas zu den Dingen sagt, die einem so begegnen oder über die man nachdenkt, dann hat man abends den Inhalt für das Blog schon fertig vorbereitet in der eigenen Timeline und muss im Grunde nur noch abschreiben. Okay, beim Blog dürfen es ein paar Zeichen mehr sein, aber es gibt die Themen schon, man hat kein Problem mehr mit Vergessen. Genau das ist nämlich das schwierigste, finde ich, sich den Tag über zu merken, über was man am Abend bloggen will.

Heute deshalb kein Problem, ich habe da mal etwas vorbereitet:


Diesem Wagen bin ich heute Nachmittag auf der Fahrt nach Düsseldorf begegnet, ich finde die Aufschrift ganz prima, toppt ja wohl jedes blöde Abi-Motto.

Und weil ich es schon grade erwähnt habe, ja ich war heute mal wieder in Düsseldorf, und ja, ich habe mich auch wieder auf dem Mannesmannufer festgefahren, passiert mir seit neuestem jedes Mal, wenn ich dort zu tun habe. Blöde Straßenführung, komplett anders als früher, dafür heute aber auch viel hübscher als früher


Außerdem ist mir während des Tages mal wieder aufgefallen, worüber ich mich schon seit längerer Zeit und zunehmend genervt immer wieder aufrege: Für Mobiltelefone optimierte Webseiten. Das muss ja heute alles so gemacht werden, responsiv oder so heißt der Quatsch und bedeutet in den meisten Fällen, dass man auf dem Mobiltelefon einfach weniger angezeigt bekommt als auf dem Desktop. Ich kotze dann jedes Mal leise vor mich hin, weil ich das so bescheuert finde, denn diese angeblich "optimierte" Ansicht macht es alles viel schlimmer. Und nein, "Desktop Site anfordern" hilft auch nicht, es wird auf dem Handy einfach nicht angezeigt. Fertig. Leb damit User oder verreck doch.
Ich wünsche mir jetzt eine Browser-App, die dem Internet erzählt, dass mein iPhone ein normaler Desktop ist mit einem gaaaanz großen Bildschirm, damit mir alles, was die Website zu bieten hat, angezeigt wird, auf der Website dann hin und her und hoch und runter zu scrollen, schaffe ich problemlos selber.

Und schließlich hatte ich noch ein sprachliches Thema zur Begriffsverwendung. Mir fiel nämlich auf, dass es keine lahmen, lauwarmen, langweiligen, durchschnittlichen Standpunkte/Verhaltensweisen/Charakterzüge mehr gibt, sondern dass heutzutage alles immer entsetzlich überspitzt und ins äußerste Extrem gesteigert benannt wird. Wenn ich mich für jemanden interessiere und nach ihm google, dann bin ich gleich ein Stalker, wenn mir etwas nicht gefällt, bin ich Hater und wenn ich eine andere Meinung habe und ein Gegenargument bringe, dann bin ich ein Basher.
Ich finde, es könnte auch ruhig noch ein paar moderate Zwischentöne geben, sonst nimmt man sich so viel Varianz in der Beschreibung
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Sonntag, 11. November 2018
St. Martin
1992 habe ich das erste Mal im Kindergarten am Laternenbasteln teilgenommen, 2007 habe ich das letzte Mal ein Kind zum Martinsumzug begleitet, die 15 Jahre dazwischen fühlten sich an wie eine komplette Ewigkeit, die 11 Jahre seitdem sind in einem Vorbeihuschen verflogen. Jetzt überlege ich, ob St. Martin grundsätzlich lebensverlängernd wirkt, nicht nur für frierende Bettler.
Bei K dagegen hat St. Martin so wenig Erinnerung hinterlassen, dass er die Kinder- und Elternmassen, an denen wir heute unterwegs vorbeikamen, überhaupt nicht einordnen konnte und sich wunderte, was das wohl für eine Veranstaltung sein könnte, die so viele Leute mobilisiert.
Kann auch daran liegen, dass St. Martin in Westfalen nicht so einen hohen Stellenwert hat wie im Rheinland, die Gegend, in der ich bis 2007 die Kinder bei diesem Ereignis begleitet habe.
Aufgefallen ist mir vor allem, dass eines der ganz wesentlichen Accessoires für dieses Fest in Westfalen nicht existiert: Hier gibt es keine Weckmänner. Die Bäckereien verkaufen zwar ein Gebäck, was sie Stutenkerl nennen und behaupten, das wäre das gleiche, was sich aber tatsächlich zu einem echten Weckmann so verhält wie amerikanischer Kaffee zu italienischem Kaffee. So ein Stutenkerl ist schon eine ziemliche Plörre, wenn man an richtige Weckmänner gewöhnt ist.

Sonst noch: Am Abend waren wir in Bielefeld zu einem Giora Feidman Konzert.
Ich mag diese Musik ja sehr, habe mich aber genau wie bei dem Element of Crime Konzert, bei dem wir im Mai waren, am Durchschnittsalter des Publikums gestört. Es ist natürlich richtig, dass ich auch genau zu dieser Zielgruppe gehöre, es aber so deutlich vor Augen geführt zu bekommen, schmerzt halt schon. Eigentlich würde ich wahrscheinlich freiwillig lieber weiter Laternen basteln, als mich gemeinsam mit diesem Rentnerclub im Takt zu einer Musik zu wiegen, die ich sowieso lieber nicht teilen möchte.
Aber wahrscheinlich bin ich auch einfach nur nicht Konzertkompatibel, ging mir bei Musik aber schon immer so
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