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Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 7. Juni 2017
Störche
Eben flog ein Storch an meinem Bürofenster vorbei.
Auch wenn mein Büro in direkter Nähe zu den Rieselfeldern liegt, wo verschiedene Storchenpaare im Sommer wohnen, so habe ich in den letzten neun Jahren hier doch noch nie einen Storch vor meinem Bürofenster vorbeifliegen sehen. Immerhin sitze ich in der vierten Etage und Frösche gibt es vor meinem Fenster auch eher wenig, so dass es entweder ein sehr neugieriger Storch gewesen sein muss, der hier vorbeiflog, oder ihm war entsetzlich langweilig.
Das bringt mich zu der Frage, ob Störchen überhaupt langweilig sein kann?
Man weiß ja nicht sehr viel über Störche - oder ich zumindest weiß nicht viel von ihnen, stelle ich grade fest, wo ich so über Störche nachdenke.
Zugvögel sind sie, (wahrscheinlich überwintern sie in Afrika, weil das irgendwie alle Zugvögel machen, die ich kenne), und sie wohnen wenn möglich immer im selben Nest, das sie Horst nennen und sind deshalb quasi "automatisch" auch beziehungsfest bzw. monogam. "Nächstes Jahr am selben Tag Ort" ist wahrscheinlich der Gruß, mit dem sie sich nach Aufzucht der Jungen im Herbst verabschieden und gen Süden starten. Bei der Rückkehr sind die Männer üblicherweise schon etwas vorher da, können so also schon mal Klarschiff machen und den Horst aufräumen und wenn alles schön gerichtet ist, dann kommt die Storchenfrau dazu. Schwierig wird es, wenn ein Storch zu seinem Horst kommt und dann sitzt da schon so ein Jungspund, der meint, er könne sich ins gemachte (Alt)Nest setzen. Dann gibt es richtig Zoppes zwischen den beiden Storchenjungs - und wer gewinnt bekommt nicht nur den Horst, sondern auch die dazugehörende Storchenfrau.
Das weiß ich alles, weil früher auf Borkum, auf der Heimlichen Liebe, auch immer ein Storchennest war (heute haben sie es aus Plastik nachgebaut, weil die echten Störche irgendwann nicht mehr kamen), mir deshalb schon früh viel über Störche erzählt wurde und ich mir diesen Teil der Geschichte gemerkt habe. Ich fand die Störchinnen schon immer echt klug, erst dann nach Hause zu kommen, wenn alles geputzt ist und mehr Wert auf das Haus als auf den Typ zu legen, das hat mich schon damals nachhaltig beeindruckt. Sehr pragmatisch, diese Storchenfrauen.
Aber sonst weiß ich eigentlich nichts über Störche.
Ich gehe davon aus, dass sie außer Fröschen auch noch was anderes fressen, aber was genau und wie sie es fangen, könnte ich jetzt (ohne bei Wikipedia zu lunkern) nicht sagen.

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Jetzt habe ich bei Wikipedia nachgelesen, aber viel Spannendes war nicht dabei.
Außer, dass Weißstörche (und diese Sorte Storch ist es, die sich hier in der Gegend rumtreibt) Fleischfresser sind.

Fleischfresser. Das hört sich ja richtig kannibalisch an (oder heißt das kannibalistisch? Balistisch ist ja auch irgendwie todbringend). Wie ist man denn bloß auf den Gedanken gekommen, dass ausgerechnet die fleischfressenden Störche die Babys bringen? Sehr seltsam.
Fleischfresser haben dagegen eher mal Langeweile als reine Insekten- oder Körnerfresser, einfach weil Fleischstücke meist etwas größer sind und sie, wenn sie etwas gefangen haben, dann auf einen Satz mehr Futter bekommen als die armen Körnerfresser, die ständig nur mit Fressen beschäftigt sind.

Könnte also sein, dass dem Storch vorm Fenster langweilig war. Oder er hat einen Verdauungsflug gemacht und dabei mal geschaut, was bei den Menschen so los ist, das wäre dann eher Team Neugier.

Immerhin weiß ich jetzt eine Menge mehr über Störche, Wikipedia sei Dank, und was den nächsten Urlaub angeht überlege ich jetzt ernsthaft, ob ich meinen Westfalenmann nicht schon mal ein paar Tage vor der Rückkehr nach Hause schicke, damit er alles vorbereitet und vor allem sicherheitshalber schon mal sein Haus besetzt
:-)
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