anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 31. Oktober 2015
Wochenendreparaturen
Grade eben noch draufgepasst:
Grade eben noch draufgerutscht.
Natürlich habe ich für das Auto keinen Platz auf der Fähre reserviert, weil wir ja eigentlich fliegen wollten.

Geplant war mal eben rüberfliegen, um das Internet zu reparieren und wenn möglich am selben Tag zurück, da mit dem ausgefallenen Internet ja auch die Wasserbettheizung nicht mehr vorher eingeschaltet werden konnte - und wer je in einem kalten Wasserbett geschlafen hat, der weiß sogar eine kuschelige Luftmatratze zu schätzen.....

Dann war aber heute früh X-Ray (Fliegerdeutsch für: keine Sicht, nur Suppe) und es sollte sich laut Forecast auch nur minimal bessern. Also auf Auto und Fähre umgeschwenkt und hopplahopp das Nötigste zusammengesucht, denn Plan B hieß: Auto in Eemshaven stehen lassen und zu Fuß rüber.
Dass wir dann auch übernachten müssen, war klar, ging ja keine Fähre mehr zurück, aber ein Teil von Plan B war auch, dass wir zur Belohnung dann wenigstens abends nett essen gehen und am Sonntag irgendwo frühstücken und einfach gar kein Essen mitnehmen/einkaufen/zubereiten, denn wenn man die Küche nicht benutzt, muss man sie auch nicht sauber machen.

Ohne Vorkommnisse kann man die Strecke Greven-Borkum in gut zwei Stunden schaffen. (K. erzählt immer noch, wie er mal mit dem Punto, als er alleine mit ihm unterwegs war, in unter zwei Stunden gefahren ist, allerdings hing dem armen Punto bei der Ankunft auf Borkum immer noch die Zunge aus dem Hals und er war fix und groggy. Ich habe mich anschließend lange und ausführlich bei ihm entschuldigen müssen, bis er bereit war, wieder freundlich mit mir umzugehen. Die ersten drei Wochen danach war er nur beleidigt und hatte sichtbar keine Lust mehr, bei mir Auto zu sein, was ich ihm irgendwie auch nicht übel nehmen konnte. Ferrari mag zwar zu Fiat gehören, das ist aber noch lange kein Grund, von kleinen, alten Puntochens eine vergleichbare Leistung zu verlangen. Ich glaube Westfalenmänner haben dafür einfach kein Gespür.)

Heute war aber unterwegs Baustellenstau. Die Zeit wurde immer knapper, wir waren auch schon "auf Kante" losgefahren und ich hatte mal so gar keine Lust, jetzt im Tiefflug das Auto zu parken, auszuräumen und im Schweinsgalopp vom Parkplatz zur Fähre hechten. Also haben wir uns überlegt, dass wir einfach den Wagen mit rübernehmen - und die Mehrkosten Fähre durch Nichtessengehen wieder einsparen.

Hat letztlich auch super geklappt, aber nur, weil wir mit ganz viel Glück noch als letztes "Zusatzauto" auf die Fähre kamen. Die war nämlich rappelvoll, weil dieses Wochenende die Ferien zu Ende sind und alle Borkumer aus dem Urlaub zurück nach Hause fahren.

Mittlerweile brennt aber der Ofen ganz muckelig, wir schlafen auf der Ausziehcouch davor und der Schlemmerfeldzug durch Lidl hat richtig Spaß gemacht.
Unser 5-Gang-Menü bestand aus:
Datteln im Speckmantel,
Baguette mit Bresso traditionell
Petersiliencremesuppe mit Chili
gebratenem Rosenkohl mit Zwiebeln und Chili (für K.)
gebackenem Käse mit gekräuterten Kartoffelspalten
sowie, ganz wichtig, einem wunderbaren Rotwein.

Die Küche ist schon wieder sauber, der Rotwein fast alle, mir geht es gut, nur das mit dem Internet - das scheint nichts zu werden. Noch zumindest gibt es nur 3G übers Handy...
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Ein Bett, das nicht mehr benutzbar ist, wenn das Internet ausfällt - das ist ja verrückt! Könnte ein schönes Symbol dafür sein, wie wir uns mit unserem Kontroll- und Steuerwahn mitunter selbst in die Irre leiten.

... ¿noch mehr sagen?  

 
Hmmm
ich glaube nicht, dass es in diesem Fall der Kontroll- oder Steuerwahn ist, dem der Kälteausfall des Wasserbettes zuzuschreiben ist, sondern eher ein in meinen Augen ganz natürlicher Sparwahn.
Ein Wasserbett, das nicht beschlafen wird, verursacht 25-30 cent Stromkosten pro Tag. Ein Monat Leerstand kostet damit ca. 8 Euro - und wenn ich weiß, dass ich einen ganzen Monat nicht da bin, dann stelle ich das Wasserbett ab. Zum Aufheizen braucht es dann ca. zwei Tage, so dass es sinnvollerweise zwei Tage vor meiner geplanten Rückkehr wieder angeworfen werden sollte.
Damit habe ich genau drei Möglichkeiten:
1. Ich kann meinen Vater bitten, zwei Tage vor meiner Rückkehr bei mir ins Haus zu gehen und das Wasserbett anzuwerfen. Diese Möglichkeit hat den Nachteil, dass ich a) meinen Vater bitten muss, was ich per se nicht gerne mache, b) dass mein Vater dann daran denken muss, rechtzeitig rüberzugehen und c) muss er auch noch die richtige Steckdose finden, weshalb das Ganze für ihn eine Menge Stress bedeutet, wobei d) dann immer noch nicht sichergestellt ist, dass er nicht aus Versehen statt des Wasserbettes das Bügeleisen anwirft, was dann entsprechend fatale Folgen hätte. Insgesamt ist mir diese Lösung also nicht sehr sympathisch, ich habe das früher ein paar mal gemacht, bin dann aber grundsätzlich zu der 2. Alternative übergeschwenkt: Ich lasse das Wasserbett einfach laufen und argumentiere damit, dass es auf die paar Euro auch nicht mehr ankommt, wer sich ein ganzes Haus auf Borkum leistet, sollte sich nicht wegen 100Euro extra Stromkosten anstellen.
Als wir dann aber diese neue Fritzbox bekamen, zu der es auch übers Internet an- und ausschaltbare Steckdosen gibt, fand ich mein Problem eigentlich ideal gelöst und bin sehr zufrieden zu Alternative 3. gewechselt: Ich schalte mein Wasserbett höchstpersönlich und selber einfach zwei Tage vor meiner geplanten Ankunft ein - und wenn ich dann doch nicht fahre, schalte ich es auch wieder ab.

Für mich bedeutet diese gesamte Smarthome-Steuerung einfach eine extra große Portion Unabhängigkeit und damit zusätzlichen Komfort, der kaum extra kostet. Ich kann nämlich auch meine Heizung schon zwei Tage vorher hochdrehen - und wenn man im Winter durchgefroren von der Fähre in ein warmes Haus kommt, ist das ein toller Luxus, den ich aber weder mit einem Bittebitte beim Vater noch mit einer Dauerheizerei auch bei Abwesenheit bezahlen muss.

Es gibt eine Menge Leute, die sich über meine ausführliche Haussteuerungsorganisation amüsieren, aber im Grunde ist es nur das alte "Maschine ersetzt Mensch" System, mit dem schon die spinning Jenny die industrielle Revolution einleitete. Statt meinen Vater (oder jemand anderes) als Hausmeister zu engagieren, regele ich solche Dinge einfach direkt selber per Fernsteuerung übers Internet. Ich find das praktisch. - Wenn das Internet funktioniert. Wenn nicht, läuft es halt wieder per Hand....