anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 15. Oktober 2015
Arzttermine sind etwas kompliziertes
finde ich.
Grundsätzlich bin ich ja ein eher gesunder Mensch, bisher und toi, toi, toi.
Damit das aber auch weiter so bleibt, ist es ausgesprochen vernünftig schon mal rein vorbeugend zum Arzt zu gehen und für alle möglichen Körperteile und Regionen die anempfohlenen Vorsorgetermine wahrzunehmen.
Zweimal im Jahr sollte man zum Zahnarzt gehen. Und mindestens einmal im Jahr ist das wirklich ganz wichtig, sonst bekommt man keinen Stempel und dann wird jede Zahnversorgung, die aufgrund der fehlenden Vorsorge dann ja noch wahrscheinlicher wird, entsetzlich teuer, weil die Zuzahlung der Kasse ja streng nach Stempeln gestaffelt ist.
Weitere regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind alle zwei Jahre Hautkrebs beim Hautarzt und ebenfalls alle zwei Jahre Basischeck beim Hausarzt.
Zum Hausarzt muss ich eh häufiger gehen seitdem der festgestellt hat, dass nicht nur ich dauernd so schlapp und müde bin, sondern auch meine Schilddrüse, so dass die seitdem mit Pillen gepimpt wird, was wiederum der Arzt regelmäßig überwachen will. Ich habe noch nicht verstanden, wem er da weniger traut, meiner Schilddrüse oder den Pillen, aber egal, er besteht darauf, dass ich regelmäßig bei ihm auftauche und Blut da lasse und ich habe mich da nu auch schon gut dran gewöhnt, vor allem weil das alles ohne Termin und ruckzuck geht, da ist so ein Arztbesuch nicht aufwendiger als einmal einkaufen bei Aldi.

Als Frau sollte man dann noch, ähem, jetzt weiß ich das gar nicht in welchen Abständen, aber ich tippe mal auch einmal jährlich? - zum Gynäkologen gehen, damit der einem alle möglichen IGeL-Leistungen anbieten kann, um einem ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn man das ablehnt und sich damit der Unterstützung der notleidenden Gynäkologenzunft verweigert.

Von all diesen Vorsorgeterminen mag ich den beim Hautarzt am liebsten, weil ich das stets mit einer kleinen SchönheitsOP verbinde. Irgendeine Warze oder ein Muttermal habe ich immer, was mich stört und das macht der Hautarzt dann gleich mit weg. Finde ich prima und mache die Termine deshalb schon lange im Vorhinein aus, immer im Winter, ist besser, wenn die weggelaserten Muttermale nicht sofort mit voller Sonne bestrahlt werden.

Aber Zahnarzt finde ich eher lästig - und Frauenarzt ist ein ganz großes Problem.
Nicht dass ich ein Problem mit Frauenarzt an sich hätte, aber seitdem ich hier ins Münsterlanf versiedelt bin, brauchte ich einen neuen - und das ist dann das Problem.
Seitdem ich aufgehört habe, Kinder zu bekommen, ist Frauenarzt ja nun auch nicht so dringend wichtig, weil mich ja kein körperliches Thema drängt, dort kurzfristig aufzuschlagen. Weder muss ich mir die PIlle verschreiben lassen, noch die Folgen der nicht genommenen Pille per Ultraschall untersuchen lassen....

Irgendwann habe ich mich dann aber doch aufgerafft, bei einer Frauenärztin hier im Ort einen Termin vereinbart und anschließend gewusst, dass diese Dame und ich wohl keine Freunde werde. Eine Frauenärztin vom Typ Ute Ohoven ist ganz weit weg von der Sorte Mensch, die ich überhaupt näher als 20 Meter an mich rankommen lassen möchte, geschweige denn dahin, wo Frauenärzte nun mal hinlangen müssen.
Ich brauchte also eine andere Empfehlung. Der nächste Versuch war ein Gynäkologe aus Emsdetten, eine Kollegin ging dorthin und meinte, der wäre ganz toll und er hätte eine Riesenpraxis und überhaupt, das wäre auch noch ein ganz hübscher (verschämtes Gekicher, die Kollegin ist eine etwas ältere Singelin). Das war dann der mit den überbordenden IGeL-Leistungen. Die hatte mir Frau Ohoven auch schon alle angeboten, aber wenigstens nicht kommentiert, dass ich schlicht darauf verzichtete. Mr. Hübsch war dagegen richtig eingeschnappt, dass ich meinte, ich bräuchte das alles nicht, kein extra Ultraschall, normaler Abstrich reicht und meinen Hormonstand muss er auch nicht gesondert bestimmen, unbestimmte Hitzewallungen finde ich schon ätzend genug, muss ich nicht auch noch chemisch definieren.
Ich hatte also auch keine Lust mehr zu diesem Emsdetter Schönling zu gehen.

Eine breit angelegte Umfrage im weiteren Bekanntenkreis ergab dann eine eindeutige Empfehlung: Frau Dr. N am hiesigen Krankenhaus. So ziemlich jeder, auf dessen Rat ich vertraute, empfahl mir diese Praxis, Gegenstimmen oder schlechte Erfahrungen wurden nicht berichtet. Also nahm ich mir vor, dort um einen Termin zu bitten. Als ich mir vor drei Jahren dann den Arm brach und regelmäßig ins Krankenhaus zur Kontrolle musste, war das natürlich eine gute Gelegenheit, in dieser Praxis gleich persönlich vorbeizugehen und einen Termin zu vereinbaren. Da sagte man mir dann, dass sie grade Aufnahmestopp hätten und keine neuen Patienten mehr nähmen. Also bat ich darum, auf eine Warteliste gesetzt zu werden, hinterließ meine Telefonnummer und wartete jetzt seit drei Jahren geduldig, dass ich angerufen werde. Eigentlich ein guter Zustand, denn so war ich ja nicht Schuld, dass ich nicht zur Vorsorge gehe, der Arzt muss sich ja erst melden.

Den Zahnarzttermin habe ich dieses Jahr dann schon im Frühjahr absolviert, extra motiviert von J.s Kanadaabreise im Sommer - macht ja Sinn, wenn er vorher noch schnell den Check macht und den Stempel kassiert und wenn er geht, kann ich ja gleich mitgehen.
Eigentlich war also alles gut organisiert, ich hatte alle Vorsorgechecks abgearbeitet, nur das mit dem Gynäkologen schwebte als latentes to do noch in meinem Kopf rum. Im August, einen Tag vor dem Sommerurlaub, brach mir dann ein Zahn ab. Nicht ganz, nur eine Zacke raus, aber immerhin so dramatisch, dass meine Zunge das nicht länger als zwei Tage überlebt hätte, dann wäre sie so ausgefranst gewesen, dass ein scharfes sss nicht mehr zu machen gewesen wäre.
Blöd war, dass mein Zahnarzt selber schon im Urlaub war und ich irgendwie stand by eine Notreparatur organisieren musste.
Hat geklappt, der Notfallzahnarzt sagte mir aber, dass ich unbedingt nach dem Urlaub sofort zu meinem Zahnarzt gehen sollte, ich hätte überhaupt Glück, wenn sein Provisorium länger als 14 Tage hält. Also habe ich nach dem Urlaub sofort (okay, nur drei Wochen später) einen Termin bei meinem Zahnarzt vereinbart, der sollte dann am 2. Oktober sein.
Am 1. Oktober hatte ich dann erst so ein Ziehen im Rücken, dann ein Ziehen in der Brust und dann die Idee, dass ich doch noch mal bei dieser Frauenärztin anrufen könnte, drei Jahre wäre doch wohl lange genug für eine Warteliste, ich müsste doch eigentlich jetzt mal langsam dran sein.
Also Anruf bei Gyn-Praxis, Bitte um Termin und Aussage, sie hätten Aufnahmestop und deshalb könnten sie mir keinen Termin geben. Ich trug meine Warteliste vor und dass ich jetzt seit drei Jahren immer noch keinen Frauenarzt hätte, aber jetzt so einen Knubbel in der Brust und was ich denn bloß tun sollte. - Oh, Knoten in der Brust, ja, das ist ja, Moment, dann frage ich mal......- und kam zwei Minuten später wieder und sagte, dann könnte ich kommen, aber der einzige Termin, den sie hätte, wäre am 2. Oktober um 10h.
Bingo, da war mein Zahnarzttermin, der schon seit sechs Wochen überfällig war - aber verglichen mit den drei Jahren Wartezeit auf diesen Gyn-Termin ist das ja nix, also habe ich den Zahnarzt abgesagt und stattdessen lieber den Gyn-Termin gemacht.

Hat sich auch absolut gelohnt. Diese Frauenärztin ist wirklich einfach nur prima, ich kann sofort verstehen, warum ihre Praxis so überlaufen ist und sie aus reinem Selbstschutz keine neuen Patienten mehr nimmt. Aber durch diese spontane Idee mit dem Knubbel (und ein Ziehen hatte ich ja tatsächlich grade vorher gespürt, hät ja auch ein Knoten sein können) habe ich ihr System ausgetrickst, stehe jetzt in der Patientenkartei und habe einen offiziellen Vorsorgetermin im November. Alles bestens. Sehr zufrieden.

Nur das mit dem Zahnarzt, das muss ich immer noch erledigen. Neuen Termin habe ich natürlich immer noch nicht gemacht, ich finde es so kompliziert daran zu denken, wenn doch grade gar nichts weh tut. Das Provisorium hält prächtig.

Montag ruf ich den Zahnarzt an.
bestimmt.
Punkt
.

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