anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 9. Oktober 2015
Feedbackverweigerung
Wahrscheinlich bin ich antisozial, eine Entwicklungsbremse und überhaupt einfach nur arrogant widerborstig, aber ich habe die Nase so voll von diesen dauernden Meinungs- und Feedbackumfragen, dass ich mit dem sofortigen Abbruch aller Geschäftsbeziehungen nicht nur drohe, sondern das auch umsetze, wenn irgendein Callcenter im Namen dieser Firma ein zweites Mal anruft.
Und ich möchte auch keine Sonderangebote oder Gratisaktionen telefonisch offeriert bekommen, ich möchte einfach überhaupt nicht von fremden Leuten angerufen werden. PunktAusrufzeichen1Elf

Ich weiß, die armen Leute in den Callcentern machen auch nur ihre Arbeit und können da nix für - aber wie soll ich mich denn sonst wehren?

Zugegeben, ich habe sicherlich eine etwas übertriebene Telefonallergie. Ich finde Telefon grundsätzlich schwierig, denn irgendwie kommt es mir immer vor wie "vordrängeln" oder zumindest halt aufdringlich.

Ich gehe mal davon aus, dass es nur in sehr seltenen Fällen so ist, dass jemand vorm Telefon sitzt und darauf wartet, dass es endlich klingelt.
Als mir das das letzte Mal passiert ist, war ich grade frisch verliebt, es war aber noch nichts festes und natürlich musste er anrufen und ich dafür sicherstellen, dass ich dann auch ganz bestimmt erreichbar bin. Das ist nun aber über 30 Jahre her und seitdem es Handys gibt, stelle ich mir vergleichbare Situationen für heutige Teenager deutlich einfacher vor.

Im Büro finde ich telefonieren noch ganz normal, da steht das Gerät schließlich direkt auf meinem Schreibtisch und ich muss nicht durchs halbe Haus sprinten, wenn es schellt. (Obwohl ich sicher bin statistisch beweisen zu können, dass es ganz bestimmt dann klingelt, wenn ich entweder in der Kaffeekücher oder auf Toilette bin, es dafür vorher aber drei Stunden stumm vor sich hin schwieg, wo ich für eine Ablenkung sehr dankbar gewesen wäre, stattdessen aber ungestört und widerwillig irgendeinen Sachverhalt bearbeiten musste, der sich nicht länger aufschieben ließ.) Aber im Büro ist telefonieren ein Teil der Arbeit und deshalb kann ich auch einigermaßen entspannt damit umgehen. (wenn ich auch manchmal das Gefühl habe, ich komme vor lauter telefonieren nicht mehr zum Arbeiten, aber das ist ein anderes Thema.)

Zu Hause dagegen bin ich mit tausenderlei Dingen beschäftigt und gefühlt meistens in Eile.
Entweder mache ich grade irgendwelche Hausarbeiten (Kochen, Putzen, Waschen, Aufräumen) oder ich mache Nichts, das aber dann so aktiv, dass ich telefonieren erst recht als Störung empfinde, wenn der Anrufer nicht einen guten Grund hat, mich bei meinem intensiv genossenen Nichtstun zu unterbrechen.

Wenn ich Nichts mache, dann geht es mir wie diesem Loriotmann, der einfach nur in seinem Sessel sitzen will und eben nichts tun will.
Ich sitze auf dem Sofa und starre auf den Fernseher, der aber nicht an ist, weil das beim Nichtstun ja stören würde.
Und wenn dann das Telefon schellt, dann fällt es schon schwer, sich aus dem Sofa wieder herauszuschälen und überhaupt seine Gedanken wieder soweit zusammenzusortieren, dass man zurück in den Alltag findet. Es ist okay, wenn es dann ein Freund oder ein Verwandter ist (obwohl ich hier sogar oft per SMS vorab einen Telefontermin verabrede, eben um sicherzustellen, dass grade beide Zeit und Lust haben miteinander zu reden) - aber für Herrn Eismann, der zum drittenmal anfragt, ob ich nicht doch einen Katalog haben möchte, habe ich dann nur noch ein aggressives Husten übrig und die Versicherung, dass ich ganz sicher niemals nie und unter keinen Umständen jemals etwas bei ihm kaufen werde - und wenn er der letzte Händler auf der ganzen Welt ist. Und meinen VW bringe ich auch nur noch in die freie Werkstatt um die Ecke, weil die ganz sicher kein Callcenter beauftragen, um mich zu fragen, wie ich denn mit der letzten Inspektion zufrieden war.
Eine Tageszeitung werde ich aus denselben Gründen ebenfalls niemals beziehen wollen und Lottospielen will ich auch mit 150%iger Gewinngarantie nicht.

Es gibt ja Leute, die können das Telefon einfach schellen lassen und stören sich nicht dran. Diese Gabe ist mir aber leider nicht gegeben. Ich will wenigstens muss unbedingt wissen, wer es ist. Und wenn ich die Nummer nicht kenne, dann wird mir meine Neugier keine Ruhe geben, bis ich weiß, wer es ist. Zur Not muss ich halt drangehen, dann muss ich mich ärgern und einen armen Callcentermenschen böse angiften. K. hat deshalb schon viele Nummern gleich in der Fritzbox blockiert (Eismann, VW und diverse Zeitungsverlage), so dass das Telefon gar nicht mehr klingelt - die Fritzbox aber immer noch per E-Mail mitteilt, dass ein Anruf eingegangen ist, dann muss ich im Nachhinein die Nummer googeln, dann muss ich mich auch ärgern, aber immerhin keinen Callcentermenschen angiften, das hat die Fritzboxsperre verhindert.

Die Bewertungs- und Feedbackflut per E-Mail ist natürlich noch um ein Vielfaches höher als die per Telefon, dafür kann ich bei einer E-Mail aktiv entscheiden, wann ich mich damit beschäftigen will und muss mich nicht extra vom Sofa quälen, aus der Waschküche hochsprinten oder die Milch überkochen lassen (weil ich aus der Küche abgerufen wurde).
Und so eine E-Mail löscht sich ja auch problemlos, aber mittlerweile sind es dermaßen viele E-Mails, die mich penetrant mehrfach daran erinnern, dass ich meinen Einkauf bei irgendwo noch immer nicht bewertet habe, dass ich auch die E-Mails nur noch als aufdringlich und lästig empfinde und deshalb eine immer halsstarrigere Bewertungsverweigerungshaltung einnehme.
Wenn die gar nicht aufhören mich zu nerven, gebe ich allerdings gerne auch mal eine negative Bewertung ab, in der ich dann ausführe, dass die Ware völlig okay ist, mir aber diese Bewertungsquängelei so auf die Nerven geht, dass ich die Firma keinem empfehlen kann, der anschließend seine Ruhe haben will.

Die westfälisch/norddeutsche Haltung "nicht gemeckert ist schon Lob genug" schiebe ich da gerne als Begründung vor.

Ähnlich aggressiv reagiere ich mittlerweile auch auf Apps, bei denen ständig "Geben Sie eine Bewertung ab" aufploppt und ich das Gefühl habe, erst wenn ich auf "Ja" klicke, ist für die nächsten 14 Tage Ruhe.

Und da ich mir nicht vorstellen kann, dass ich der einzige bin, den diese Bewertungsquängelei nervt, beobachte ich interessiert, wann dieses Thema von einer breiteren Öffentlichkeit aufgegriffen wird und wie die Unternehmen dann damit umgehen.

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(Abgelegt in web 2.0 und bisher 623 x anjeklickt)

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Ihre Überschrift heisst "Feedbackverweigerung". Warum machen Sie das dann nicht? Wenn Sie ein Handy haben und Sie die Nummer nicht kennen, dann klingeln lassen. Schliesslich kann man einen Bescheid hinterlassen oder bei Ihnen nicht?
Niemand zwingt Sie, das Telefon abzunehmen, besonders, wenn Sie keine Lust haben und nett im Sofa sitzen. Dazu kann man das Telefon auf lautlos stellen, falls man an Klingelitis leidet, also nicht in der Lage ist, es einfach Klingeln zu lassen. Oder irgendwo im Wäscheschrank unter die Wäsche legen, bevor man sich gemütlich hinsetzt. Einen Festnetzanschluss kann man aus der Steckdose ziehen.
Wer wirklich was Wichtiges will, hinterlässt einen Bescheid oder ruft wieder an.

Verkäufer habe ich schon damit verschreckt, dass ich ihre Firma anzeigen werde, wenn sie mich noch einmal anrufen. In Dänemark ist es nämlich verboten, einfach jemanden anzurufen, um etwas zu verkaufen.

Die Umfragen umgehe ich mit nicht Abnehmen.

Bei E-Mailen programmiere ich es so, dass sie gleich im Abfalleimer landen.

Doch habe ich auch schon ein sehr unfreundliches Mail geschickt, als ich für eine Transaktion von zwei verschiedenen Leuten um Bewertung gebeten wurde. Ich habe bisher noch nicht wieder von denen gehört ...

Ich habe in einer Bewertung auch schon mal geschrieben, dass mir die SMS und EMails auf den Keks gehen (z.B. DHL, da bekommt alle Info per SMS und per E-Mail plus eine Mail mit einem Link zum Selbergucken ...). Das hat aber nichts geändert, also weiterhin passiver Widerstand ... und weitestgehende Vermeidung von DHL.

... ¿noch mehr sagen?  

 
Naja, in den allermeisten Fällen verweigere ich das Feedback ja tatsächlich, da inzwischen die allermeisten Anrufe dieser Art im Nirvana der Fritzbox verschwinden, d.h. das Telefon schellt gar nicht mehr und ich bemerke nur an den E-Mails der Fritzbox wie hartnäckig manche Firmen hinter mir her telefonieren. Bei diesen Firmen frage ich mich dann immer, ob diese stumpfe Hartnäckigkeit in Summe tatsächlich erfolgreich ist oder ob es nicht irgendwann umschlägt und dadurch per Saldo eher geschäftsschädigend wird. (Wenn immer Leute reagieren wie ich und sagen "jetzt kaufe ich dort schon mal aus Prinzip nichts mehr.")

Telefon abstellen ist keine akzeptable Lösung für mich, denn ich habe das Telefon ja extra, damit es schellt, weil ich es völlig okay finde, dass mich Menschen anrufen, mit denen ich gerne rede. Und deshalb laufe ich auch immer hin, wenn es klingelt, weil es ja jemand Nettes sein könnte und ich immer die Chance einer positiven Überraschung sehe. Ich bin da wohl eher der optimistische Typ - und außerdem entsetzlich neugieirig.....

Ich stelle in letzter Zeit nur fest, dass grade wieder so eine Telefonspamwelle durch meine Anschlüsse schwappt und alle neuen Nummern erst wieder neu gesperrt werden müssen und bis es soweit ist, habe ich grade ausreichend Zeit mich aufzuregen :-)

Mein E-Mail-Spamfilter ist auch sehr gut gepflegt, aber wenn ich irgendwo etwas bestelle, dann will ich schon wissen, wann es abgeschickt wird oder was mir die Firma insgesamt zu meiner Bestellung so mitteilen möchte, so dass ich die Firma nicht pauschal verbannen will, es dann aber lästig finde, wenn die nachhaltig eine Bewertung anmahnen.

Außerdem habe ich den E-Mail-Müll dadurch ganz gut im Griff, dass ich mittlerweile ein extra E-Mail Konto für Internetbestellungen habe, das ich gar nicht mehr auf meinem Handy oder in Outlook eingebunden habe. Da können dann alle hinmailen soviel sie wollen, da gehe ich nur online gucken, wenn ich grade frisch was bestellt habe, der Rest interessiert mich nicht. Aber auch wenn viele der E-Mails mich gar nicht mehr erreichen, weil ich entsprechende Maßnahmen ergriffen habe, frage ich mich doch, wie lange dieser Bewertungswahn noch anhalten wird und ob nicht nach und nach noch mehr Leute davon genauso genervt sein werden, wie ich es inzwischen bin.