anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 24. November 2019
Sonntag
Der Tag hat exakt das gehalten, was ich von ihm erwartet habe, es war also ein guter Tag.
Dass ich keine Lust hatte, wieder zurückzufahren und deshalb streckenweise mit sehr schlechter Laune vor mich hingrummelte, dafür kann der Tag ja nix.
Insgesamt hilft aber das ganze Grummeln nix, das (mein) Leben befindet sich derzeit noch in der "Arbeiten für Geld" Phase, also ist morgen wieder Büro dran.

Wir haben heute lange ausgeschlafen, dann sind wir in Ruhe aufgestanden, ich habe mir die Haare gewaschen und anschließend mit so einem Glätteisenlockendingens bearbeitet, weil meine Schwester mir gezeigt hat, wie das geht und jetzt übe ich eifrig. Ich glaube ich brauche noch eine Nachschulung, aber auf alle Fälle ist das Ergebnis jetzt schon besser als einfach nur so trocknen lassen.

Ich finde es immer ganz kompliziert, welcher Fraktion ich mich anschließen soll: Der "ich style mich mit allem, was geht" Fraktion, die richtig viel Mühe und Zeit in ihr Äußeres steckt (und die ich dann immer beneide, um die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich auf Selfies im Netz präsentieren, denn viel Styling heißt ja nicht zwingend, dass man deshalb wirklich hübsch ist, viel Styling heißt nur, dass man kein bodyshaming-Problem hat, und das finde ich auf eine gewisse Art durchaus gut) - oder ob ich doch mehr zu der "wer Optik als Prio Eins im Leben hat, hat wohl sonst nix im Angebot"-Fraktion neige, weil diese Vorurteilsschublade eher zu meiner spontanen Standardreaktion auf stark geschminkte Frauen passt.
Natürlich ist das Leben nicht schwarz weiß, aber auf einer Skala von 1 bis 10 stehen diese beiden Philosophien auf den jeweils entgegengesetzten Seiten und ich muss mich entscheiden, bin ich mehr A oder mehr B. Denn auch wenn ich schon aus reiner Bequemlichkeit das regelmäßige Intensivstyling verweigere, so fände ich eine "ganz natürliche Naturschönheit" schon ziemlich klasse, ich fürchte nur, die ist mit besonders viel Aufwand verbunden.

Wie auch immer, ich versuche es jetzt mal mit dem Haarstyling, vielleicht kriege ich das ja irgendwann so weit in Griff, dass ich den zusätzlichen Aufwand, den es verursacht, bereit bin, für die zusätzliche Schönheit, die es schafft, zu akzeptieren. Noch ist es mehr Aufwand als Schönheit, aber ich denke, das liegt an mir und hier hilft Schulung.

Als ich meine Haare fertig gelockt hatte, fuhren wir ins Dorf, neue Fahrkarten für die Fähre kaufen, anschließend zum Onkel, um das Auto voll Wolle zu laden. Vorher hatte ich den Efeu, den ich letzten Monat in die Kästen neben dem Müllcontainer gepflanzt hatte, begutachtet und festgestellt, dass der Efeu in dem Kasten, der direkt zur Straße zeigt, komplett abgeknipst ist - während er auf der anderen Seite gut gedeiht.
Sehr mysteriös. Fressen Kaninchen Efeu?
Beim Onkel habe ich seine Weihnachtskakteen bewundert - und die weiß gestrichenen Bäume. Er hat seine Obstbäume alle geweißelt, weil er meint, das hilft gegen Schädlinge. Ich hab da keine Ahnung von, finde aber, so ein weißer Baum ist auf eine ganz eigene Art auch sehr hübsch.



Anschließend haben wir noch einen Spaziergang übern Strand gemacht, die Nachbarin kam uns entgegen und fragte, wieso man sich ohne Not (=ohne Hund) bei diesem Wetter so einen Spaziergang antut, ich fand aber, ein bisschen Wasser gucken ist schon okay, ich war ja nun lange nicht da und sich dafür extra einen Hund anzuschaffen, wäre etwas übertrieben.

Der Strand bestand hauptsächlich aus Leere, wobei ich die Zeit im November/Dezember (bis vor Weihnachten) ja besonders mag, eben weil es dann endlich mal leer ist.




Irgendein Witzbold hatte einen Wegweiser aus Strandholz gebastelt, der war mir im Sommer gar nicht aufgefallen, jetzt ist er die einzige "Landmarke" auf dem Strand.

Zu Ks Freude blieb aber nicht sehr viel Zeit für einen längeren Strandaufenthalt (er hatte nämlich weder Mütze, noch Schal oder Handschuhe dabei und wurde jammerig, wegen kalt, aber ja nun, als ob er das erste Mal bei diesem wetter am Strand rumäuft), aber wir mussten dann auch wieder zurück, das Haus noch fix aufräumen und sauber machen und dann zur Fähre.

Auf dem Rückweg noch mal beim Vater vorbei, der Onkel hatte ihm die Borkumer Zeitung der letzten Wochen aufgehoben, gegen 21.30h waren wir wieder in Greven - und morgen ist wieder Büro
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Samstag, 23. November 2019
Endlich wieder zuhause
Es wurde jetzt wirklich dringlich Zeit, ich bemerkte, wie ich langsam intensives Meerweh bekam, so dass ich mir heute vorsichtshalber zwei Wecker stellte, um ganz bestimmt nicht die Abfahrt für die Mittagsfähre zu verpassen.
Hat alles prima funktioniert, wir waren sogar noch früh genug da, um den obligatorischen Schlenker bei McDov dazwischenzuschieben, was allerdings eine sehr große Enttäuschung war. Die haben den McKrokett aus dem Angebot genommen, konnte man nicht mehr bestellen - und mindestens wenn nicht noch mehr enttäuscht war ich von dem fehlenden Frühstücksangebot. Früher gab es bis 12h immer noch ein extra Frühstücksangebot in Form von McMuffins, die mit Bacon und Egg wirklich prima schmeckten und auf die hatte ich mich die ganze Zeit gefreut - und dann: Nüschte!
Ich war so beleidigt und gleichzeitig auch rechtschaffen hangry, dass ich für 1,50 einen Cheeseburger bestellte und beschloss, nie mehr in diesen blöden McDov-Laden zu gehen.
Dafür war die Fahrt nach Eemshaven sehr angenehm. Das erste Stück nach der Abfahrt von der Autobahn geht noch durch Deutschland und ich liebe diese Allee mit dem Kanal an der Seite. Wenn man in Holland ist, gibt es noch Kanal, nur keine Bäume mehr, da ist alles etwas nackichter. Ist auch hübsch, habe ich diesmal aber nicht fotografiert.



Zuhause angekommen habe ich erstmal ganz tief durchgeatmet. Zuhause ist eben doch zuhause und fühlt sich anders an, als ein gemietetes Haus auf dem Festland. Das Ankommen in diesem Haus, an dem alles vertraut ist, ist immer verbunden mit einem Gefühl der Freiheit. Hier ist alles so, wie es sein soll, es riecht, wie ein Zuhause riecht, auf dem Küchentisch steht noch eine angefangene Flasche Rotwein und die Nachbarin winkt fröhlich rüber und freut sich, dass wir wieder da sind.
J war ja als letzter hier und seitdem er Mitte Oktober abgefahren ist, war das Haus sich selbst überlassen.
Aber J hat alles supersauber und ordentlich hinterlassen, der Onkel hat nach der Post geschaut und sie ordentlich auf dem Küchentisch gestapelt und die Smarthome-Steuerung funktionierte prächtig, ich hatte heute früh nach dem Aufwachen schon mal die Heizung hochgestellt, so dass wir in ein kuschelig warmes Haus kamen, es war rundum angenehm.

Natürlich sind wir als erstes einkaufen gefahren, weil wir immer als erstes einkaufen fahren, dabei war der Kühlschrank eigentlich gut voll, aber ohne Einkaufen macht ein Wochenende keinen Spaß.

Erworben haben wir vor allem Krimskrams und haltbare Vorräte schon mal für Weihnachten und als ich so durch die Gänge schlenderte und schaute, was es grade an Wochenangeboten gab, entdeckte ich die perfekte Lösung für mein Sandsturmproblem:



Gestatten: Puck, die Stubenfliege, aber wer während eines Sturms an den Strand gehen will, sollte bei Äußerlichkeiten nicht zimperlich sein.
Auf der Verpackung stand zwar Snowboardbrille, ich finde aber, es ist die perfekte Sandsturmbrille und freue mich schon sehr darauf, sie bei der nächsten Gelegenheit live zu testen.

Dann waren wir beim Onkel, haben seine Computerprobleme behoben, ihn bei diversem Schriftkram unterstützt und ihm ein Hotel in Weener gesucht, weil er im Dezember dort für zwei Tage zu tun hat und nicht wusste, wie er eine Übernachtung findet.
Außerdem habe ich wieder größere Mengen an Wolle eingepackt. Meine Vorräte waren ja gründlich zusammengeschnurrt, aber jetzt habe ich wieder reichlich und verschiedene Wolle ins Auto gepackt, jetzt müsste auch wieder für jeden Geschmack was dabei sein.

Am Abend haben wir dann von innen und außen für Wärme gesorgt



Das links im Glas ist Eiergrog - pefekt für einen Abend vor dem Kaminofen
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Freitag, 22. November 2019
Autologistik
Mein Homeofficefreitag bestand aus 10,5 Stunden Anwesenheit im Büro, schade eigentlich.

Dafür hat das mit der Inspektion des Autos funktioniert, ich habe eine neue Werkstatt, die holen das Auto morgens bei mir vor der Haustür ab und bringen es abends fertig inspiziert und frisch gepflegt zurück, sehr komfortabel, gefällt mir.
Ich hatte den Inspektionstermin extra auf einen Freitag gelegt, weil ich grundsätzlich davon ausging, dass ich das Auto wegen Homeoffice gar nicht brauche, nun war heute unerwartet doch Büro angesagt, was aber zum Glück kein Problem war, weil ich grade Ns Auto auch noch vor der Haustür stehen habe, so wurde dieser Wagen denn auch mal bewegt.

Sonst ist nix passiert, außer dass ich ausgesprochen müde bin, was aber zugegebenermaßen nix Neues ist
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Donnerstag, 21. November 2019
Fußballstadion
Am Morgen war ich für zwei Stunden im Büro, um dann nach Dortmund zu fahren, weil dort im örtlichen Fußballstadion eine Bankveranstaltung stattfand, die einige ganz interessante Vorträge versprach, weshalb ich beschloss, gemeinsam mit einem Kollegen daran teilzunehmen.
Die Veranstaltung war natürlich nicht "im Stadion" im Sinne von "auf dem Rasen", sondern im VIP-Bereich des Stadions, den man als Externer mieten kann, wenn grade kein Spiel stattfindet, was die Bank getan hatte.

Um als Besucher dort hin zu gelangen, muss man aber quer durch das (leere) Stadion laufen, so dass ich unterwegs einen guten Blick auf den Rasen hatte, der grade intensiv beleuchtet wurde.



Im Winter scheint die Sonne nicht ausreichend zu scheinen, weshalb zwecks angemessenem Graswuchs mit künstlichem Sonnenlicht nachgeholfen wird.
Als ich bei Beginn der Veranstaltung diese Rasenbeleuchtung sah, habe ich zwar ein wenig gegrinst, dachte mir aber dann, die läuft nur tagsüber zur Unterstützung des zu schwachen, originalen Sonnenlichts.

Aber Pustekuchen, als ich abends ging, war die originale Sonne längst untergegangen, die künstlichen Sonnen bestrahlten den Rasen aber weiterhin eifrig, inzwischen fand ich das dann irgendwie skurril



Dabei habe ich mir aber überlegt, wie skurril ich insgesamt diesen Sport und seine Anhänger finde und habe den Gedanken als Skurrilität wieder fallen gelassen, viel wahrscheinlicher bin ich selber skurril, dass ich das nicht einfach nur völlig normal finde.
82.000 (zweiundachtzigtausend) Besucher gehen in dieses Stadion, eine Karte im VIP-Bereich kostet 500€ und außer einem Fußballspiel bekommt man Currywurst, Erbsensuppe mit Würstchen und/oder vegane Wraps (sagenhaft, wie modern die mittlerweile in diesem Catering sind, wahrscheinlich haben aber nur einige dieser Fußballs-Vips veganlebende Models als Begleitung dabei und der Caterer musste sich darauf einstellen). Bei 1:82.000 stehen die Chancen schlecht, dass ausgerechnet die 1 die normale Ansicht hat.

Aber ich kann über diesen Sport nachdenken aus welcher Richtung auch immer ich es versuche, im Ergebnis bleibt mir grundsätzlich nur ein komplett verständnisloses Kopfschütteln mit der Dauerfeststellung, dass ich die Anhänger dieses Sports wohl nie verstehen werde, es ist und bleibt mir einfach viel zu fremd.

Wie auch immer, heute habe ich gelernt, dass die Fußballstadien dauerbeleuchtet werden, weil der Rasen sonst nicht schön ist - ob das mit den Klimazielen vereinbar ist, scheint hier niemand zu hinterfragen
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Mittwoch, 20. November 2019
Besuch beim Vater
Nach viereinhalb Wochen Pause habe ich heute also endlich den Vater wieder besucht, diesmal ganz alleine und mit "extra nur dafür nach Leer gefahren", weshalb der Besuch auch deutlich länger dauerte als sonst, es musste sich ja lohnen.
Der Vater hatte auch viel Rede- und Erzählbedürfnis, wobei ich für all seinen Informationsbedarf im Grunde (schon immer) der falsche Ansprechpartner bin - ich weiß die meisten Sachen einfach gar nicht, weil ich selber niemanden danach frage.
Er interessiert sich natürlich vorrangig für seine Verwandtschaft und das heißt, er möchte wissen, wie es seinen Enkeln geht, was die so machen usw. - und ich kann eigentlich immer nur berichten: "Ich gehe davon aus, es geht ihnen gut, sonst hätte ich bestimmt was gehört."
Bei diesen Gesprächen bekomme ich immer ein latent schlechtes Gewissen, weil mir dabei natürlich auffällt, wie wenig ich mich um meine Kinder kümmere.

Okay, ich kümmere mich tatsächlich um keinen einzigen Menschen auf der Welt aktiv von mir aus, weil ich im Grunde genug damit zu tun habe, mich um all die Dinge zu kümmern, die andere Menschen von sich aus an mich herantragen und so halte ich es halt auch mit den Kindern. Wenn sie mich brauchen, egal wofür, werden sie sich schon melden, wenn sie sich nicht melden, brauchen sie mich nicht und dann werde ich ihnen ganz bestimmt nicht stalkermäßig auf die Nerven gehen.
Ich finde nichts schrecklicher als Eltern, die extrem übergriffig alles aus dem Leben ihrer Kinder* wissen wollen (und dann zu allem natürlich auch eine Meinung haben), weil sie sich damit ja nur selber ins Abseits schießen, denn natürlich fühlen sich die Kinder irgendwann bedrängt, weichen den Eltern aus und erzählen gar nichts mehr.
*Ich meine hier natürlich große Kinder, bei den Vierjährigen habe ich auch noch ab und zu gefragt: "Na, wie war's im Kindergarten." - Habe aber damals schon gelernt, dass ich im Zweifel ein "Gut" als abschließende Antwort akzeptieren muss, denn auch vierjährige haben schon ein Recht auf Privatsphäre.

Und wenn ich bei meinen eigenen Kindern schon nicht weiß, was es konkret Neues gibt aus ihrem Leben, weiß ich das natürlich erst recht nicht aus dem Leben der restlichen Verwandtschaft.
Ich weiß eigentlich noch nicht mal was aus dem Leben meiner Schwester - und zu der habe ich tatsächlich sogar einen sehr guten Kontakt.
Denn ich wüsste jetzt gar nicht, was man jemand anderem darüber erzählt? "Sie lebt noch." - ich finde immer, das reicht als Info.
Was sonst sollte ich ihm berichten? Dass sie sich letzte Woche die Handcreme bei Aldi gekauft hat, die aber nicht so gut findet wie die von Lidl - oder was?
Das sind nämlich die Themen, über die wir uns unterhalten und ich persönlich finde Infos über Handcremes samt persönlicher Testbewertung durchaus interessant, kann mir aber vorstellen, dass das den Vater wiederum nicht interessiert. Schwierige Situation.

Von den Kindern der Schwester weiß ich dann tatsächlich so gut wie gar nichts, wir (die Schwester und ich) klammern das Thema in unseren Gesprächen meist aus, weil wir als Mütter so grundverschieden sind wie es nur geht - und bevor man sich gegenseitig ein schlechtes Gefühl vermittelt, weil man nicht versteht, wie der jeweils andere so einen Umgang mit seinen Kindern akzeptieren kann, reden wir eben nicht drüber - und erhalten die Stimmung.
Führt aber dazu, dass ich von ihren Kindern tatsächlich so gut wie nix weiß.
Ihre Kinder sind alle Sportfreaks - und ich finde Sport eine unendlich langweilige Beschäftigung. Selbst wenn sie mir erzählt, wann welches Kind in welcher Sportart wo welche Meisterschaft gewonnen hat, habe ich es im selben Moment schon wieder vergessen, weil ich mir ja noch nicht mal merken kann, ob der Kleine nun Fußball und der Mittlere Basketball spielt oder umgekehrt. Die machen halt irgendwas mit Ball, kann auch Tennis sein.

Dass alle Kinder in der Schule gute Noten schreiben, ist eine derart langweilige Selbstverständlichkeit, dass ich es wirklich nicht erwähnenswert finde, ich glaube, in unserer gesamten Familie hat noch nie jemand keine guten Noten geschrieben (außer J mal eine Zeitlang, weil er schlicht gar nichts schrieb, und wenn ein Kind leere Zettel abgibt, macht er zwar wenig Fehler, kann aber trotzdem keine gute Note erwarten.)
Ein Kind, was im Schnitt nur zwischen 2 bis 3 steht, wäre eine Sensation, möchte man aber auch nicht drüber reden, weil es halt eine peinliche Sensation wäre - und deshalb kommt das gesamte Thema Kinder in der Regel zwischen meiner Schwester und mir nicht vor.
Und was gibt es sonst schon zu erzählen über die Kinder? Ich weiß halt nix.

Die Kinder meines Bruders kenne ich sogar gar nicht, weil ich zu meinem Bruder seit über elf Jahren keinen Kontakt mehr habe und er erst danach begonnen hat, Kinder herzustellen. Er hat sich für eine Art Leben entschieden, das so gründlich anders ist als meines, dass ich das respektiere und ihm deshalb höflich aus dem Weg gehe. Wenn die grundlegenden, ethischen Werte nicht vereinbar sind, dann ist ein Umgang schwierig, aber zum Glück gibt es ja auch keinen Grund sich zu mögen, nur weil man zufällig verwandt ist.
Das heißt aber natürlich auch, dass im Zweifel mein Vater mehr weiß über diesen Teil der Familie als ich, immerhin hat mein Bruder seine Ehefrau genötigt, ihrem Schwiegervater zum Geburtstag einen Brief zu schreiben, den er dann selber auch unterschrieb (da wird noch das klassische Familienbild gelebt, für solchen Kram ist die Frau zuständig, der Mann macht dafür die großen, wichtigen Dinge des Lebens, ich glaube, damit habe ich auch ausreichend erklärt, weshalb unsere ethischen Grundsätzen komplett konträr sind.).

Aber irgendwie gelang es uns dann doch drei Stunden mit Unterhaltung zu füllen, ich bin jetzt sehr zufrieden, dass ich hier meine gefühlte Zuständigkeit für die nächste Zeit auch erst mal wieder als erledigt betrachten kann.

Die Autofahrt war eine sehr nebelige Veranstaltung - auf der Hinfahrt konnte ich streckenweise keine 10m weit sehen und fand mich todesmutig, dass ich trotz dieser miserablen Sicht noch mit 80km/h über die Autobahn gebrettert bin. Wenn ich dann allerdings auf der linken Spur von Autos** überholt werde, die nur so vorbeiwuschen, (also definitiv mehr als doppelt so schnell sind wie ich), dann wünsche ich mir ja schon sehr so eine Zauberpistole, die den rasenden Idioten das Auto einfach ausschaltet, weil ich es komplett verantwortungslos finde, solche Menschen weiter Auto fahren zu lassen.
**Das sind übrigens ganz oft Sprinter, die mit einer Höllengeschwindigkeit überholen. Wenn ich König von Deutschland wär, würde ich alle Sprinter bei 80km/h drosseln.

Wirklich gestört hart es mich aber nicht, dass ich so lange unterwegs war, ich habe ganz viele Podcasts gehört, einige mit bemerkenswerten Denkanstößen, da komme ich sicher noch mal drauf zurück
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Dienstag, 19. November 2019
Immer noch Tiefgaragendrama
Die Pumpen im Keller sind immer noch kaputt, mittlerweile ist auch der Strom ausgefallen oder abgeschaltet, was weiß ich, auf alle Fälle hat die aktuelle Regenlage Potenzial für ein mittelgroßes Drama, wenn der Floddernachbar sich nicht tatkräftig eingesetzt hätte.
Das Gute bei so Flodderfamilien ist, dass die immer jemanden kennen. Für alles. Und dass die eben auch jedes Problem lösen. Egal wie, nur das Ergebnis zählt.

Innerlich feiere ich mich ja immer noch ein wenig, dass ich von Anfang an dafür gesorgt habe, dass die anrollende Flutwelle als erstes bei den Floddernachbarn einschlug, deshalb wurden die ja auch gestern schon ziemlich schnell emsig.
Und zum Probleme lösen taugen die wirklich. zumindest, wenn sie ein Problem als Problem akzeptiert haben. Sonst eher nicht, weil sie sonstige Probleme ja einfach durch Ignorieren lösen, genau deshalb nennen wir sie ja die Floddernachbarn. (Naja, und weil es bei denen ähnlich flodderig aussieht wie bei den Flodders aus der gleichnamigen Serie.)

Im Moment laufen also selbst organisierte Tauchpumpen, die das Wasser über eine geschickte Schlauchverlängerung in den Garten der übernächsten Nachbarn pumpen, also die Nachbarn, die nicht mehr an unserer Tiefgarage angeschlossen sind, sondern eine eigene Tiefgarage haben, bei der man nur hoffen kann, dass die nicht über Lichtschachte aus dem Garten belüftet wird...., obwohl, selbst wenn, dann müssten die halt ihr Problem lösen. Das System nennt sich wahrscheinlich "volllaufender Tiefgaragen-Darwinismus".

Jetzt, wo ich weiß, dass sich der Floddernachbar kümmert, nehme ich das gesamte Tiefgaragen-Regen-Problem wieder deutlich gelassener und mache mir auch keine Sorgen mehr, dass doch noch der gesamte Keller absäuft. (Hatten wir vor sechs Jahren mal, muss ich nicht noch mal erleben.)

In Münster läuft grade eine Turner-Ausstellung im MuKuKu (Museum für Kunst und Kultur) und es wird ein Höllenwirbel darum gemacht. K hatte heute eine Einladung zu einer Veranstaltung dort, ich war froh, dass ich nicht mit musste, ich finde Turner ja eher abturnend und K kam auch eher genervt als begeistert nach Hause, vor allem aber hungrig. Vor lauter Turner gab es nichts zu essen, so ganz konnte ich meine Schadenfreude nicht unterdrücken, ich finde, es geschieht ihm ganz recht, was geht er auch auf so seltsame Veranstaltungen.

Morgen beginnt der Tag recht früh, um 7.30h kommt der Schornsteinfeger, was aber auch ganz praktisch ist, so habe ich einen externen Grund aufzustehen und komme früh los für meine Reise nach Leer. Je früher los, desto eher zurück
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Montag, 18. November 2019
Flut, Schrauben und Führerschein
Hier regnet's.
Das ist jetzt nichts schrecklich Besonderes, im Moment regnet es wahrscheinlich in fast allen Gegenden von Deutschland und in Venedig regnet es wahrscheinlich noch viel mehr, aber heute morgen hatte ich echt Sorge, dass das mit dem Regen hier bei uns genausowenig gut ausgeht wie in Venedig. Wir haben hier zwar keine Kanäle, die überlaufen können, aber eine Tiefgarage.
Und die begann heute morgen vollzulaufen, weil die Pumpen ausgefallen waren.
Als ich ins Büro fahren wollte, stand das Wasser über dem Abfluss schon ca. 10cm hoch und nix floss ab, eben weil Pumpe kaputt.
Zum Glück ist der Abfluss direkt vor dem Tiefgaragenplatz der Floddernachbarn, d.h. deren Stellplatz läuft als erstes voll, aber es begann sich auch schon bedrohlich in unsere Richtung auszudehnen, so dass ich erst mal fünf Minuten Wasserschippen Richtung Nachbarseite betrieb, in der Hoffnung, dass ich damit die Fließrichtung ein wenig umlenken konnte und dass die Nachbarn schneller bemerken, dass es ernst wird und einen Handwerker anrufen. Dort ist nämlich tagsüber immer jemand zuhause, weil die Frau als Tagesmutter arbeitet. Erstens kann sie also einen Handwerker vor Ort betreuen und zweitens hat sie genug Kinder im Haus, die alle ganz wunderbar Wasserschippen helfen können, für Kinder ist das doch bestimmt ein Abenteuer, ich fand also, die Nachbarseite bietet sich gradezu an, die größte Wassermenge aufzunehmen.

Mein Plan ging exakt auf, als K nach Hause kam, werkelten Handwerker an den Pumpen und die Nachbarn schippten mit vielen Kindern Wasser, bei uns war es grade ganz knapp trocken geblieben.

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Zu dem Regal gibt es ein Update:



Hat K heute besorgt. Im Baumarkt.
Mag sein, dass er nicht wollte, dass ich mir fremde, gutaussehende Männerhilfe hole.....

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Die Führerscheine werden ja demnächst ungültig.
Als ich diese Meldung das erste Mal las, dachte ich, das hätte sich der Postillon ausgedacht, stellte dann aber fest, es scheint tatsächlich zu stimmen.
Mit ein wenig Gegoogle fand ich raus, dass Menschen meines Geburtsjahrgangs ihren Führerschein bis zum Jahr 2023 in den neuen EU-Führerschein umgetauscht haben müssen.
Weil ich doch jetzt am Mittwoch Urlaub habe und nach Leer fahre, den Vater zu besuchen, dachte ich, da könnte ich doch schon mal rechtzeitig und schnell dran sein und bei der Gelegenheit gleich mal den neuen Führerschein beantragen. Ein biometrisches Passbild habe ich auch noch (nur acht Jahre alt), besser ich beantrage den neuen Führerschein jetzt schon , bevor mir endgültig keiner mehr glaubt, dass das Passbild von mir ist.
Aber klug wie ich bin habe ich vorsichtshalber dann doch noch mal in Leer bei der Führerscheinstelle angerufen und gefragt, was ich denn da wohl sonst noch mitbringen müsse außer einem Bio-Passbild.
Und in dem Gespräch mit der sehr netten Dame (starker Niederrheinakzent, was mich ja grundsätzlich provoziert, den auch rauszukramen, aber mit starker Selbstbeherrschung schaltete ich nur auf einen harten Norddeutschslang um, als Antipode sozusagen), aber wie auch immer, die Dame war sehr nett, auch wenn sie so lustig redete und ich fand durch das Gespräch raus, dass mein Führerschein tatsächlich sogar noch bis 2027 gültig bleibt, weil mir mein original grauer Lappen im Jahr 2002 mal gestohlen worden war, weshalb ich seitdem eh schon so einen Führerschein im Scheckkartenformat habe, der hat halt nur kein Ablaufdatum. Und genau das macht den Unterschied zu den neuen Führerscheinen, die irgendwann jeder braucht: Die sind immer nur noch 15 Jahre gültig.
Was danach ist, ob ich dann einen neuen Führerschein beantragen muss, ob es eine neue Tauglichkeitsprüfung gibt oder wie das danach funktioniert, habe ich nicht weiter erfragt, für mich war nur wichtig, dass meine Frist nicht bis 2023, sondern vier Jahre länger läuft, dass es also wirklich noch lange nicht soweit ist und dass es außerdem ziemlich dumm wäre, jetzt schon umzusteigen, weil der neue Lappen dann halt nur noch 15 Jahre gilt.
Besser also, ich warte die nächsten sieben Jahre noch ab bis zum formlosen Umtausch, dann habe ich ab jetzt noch 22 Jahre Zeit, mich wieder mit dem Thema zu beschäftigen, bis dahin wird sich geklärt haben, ob man dann überhaupt noch Auto fährt und Führerscheine braucht
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