anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 19. Februar 2018
Immer noch nicht fertig
Nachdem ich heute Nacht so gegen 3h leicht entnervt eine müdigkeitsbedingte Zwangspause einlegen musste (ich hatte in einer Bilanz eine Differenz, die sich par tout nicht finden lassen wollte, was mich ganz wuschig machte) und erst mal ins Bett gegangen bin, habe ich heute Mittag gut ausgeschlafen und erholt wieder weitergemacht und die Differenz dann auch rasch gefunden.
Mittlerweile habe ich alle Bilanzen samt der bisher nur rudimentär bestehenden Buchhaltung für die betroffenen Gesellschaften bis 2015 fertig (seit 2013), ab 2016 wird es aber deutlich leichter, weil kaum noch etwas passiert ist, das Drama waren die Jahre 2013 und 2014, CWs Hinterlassenschaften eben.
Damit das ganze auch eine akzeptable Herausforderung darstellt, handelt es sich bei diesem Firmenkomplex um zwei KGs mit einer KomplementärGmbH, bei der die GmbH bis 2015 ein abweichendes Wirtschaftsjahr hatte, das sie aber zum 31.12.2015 auf das Kalenderjahr umgestellt hat. Da fließen dann zwei Jahre in einem zusammen.
KGs reichen ihren Gewinn zum Ende eines Geschäftsjahres quasi "automatisch" an ihre Gesellschafter weiter, haben die aber ein Geschäftsjahr, was nicht am selben Tag endet, verschiebt sich das Weiterreichen immer um ein Jahr.
Die Umsatzsteuer kennt übrigens keine abweichenden Wirtschaftsjahre, hier muss sauber abgegrenzt werden - alles andere wäre ja auch langweilig.....

K., der mir bei solchen Arbeiten nur sehr begrenzt eine Hilfe ist (was ich ja immer nicht verstehe, ist, warum jemand so Themen wie Buchhaltung und Bilanzierung nicht grundsätzlich genauso logisch und transparent findet wie ich, ich meine, es ist wirklich extrem logisch, weil alles ineinandergreift, man darf sich nur nicht verhaspeln), K. hat also immer nur verwundert zu meinem Arbeitsplatz rübergeblinzelt und zwischendurch gemurmelt, dass er nie vermutet hätte, dass das so viel Arbeit ist.

Ja nun, was soll ich dazu sagen, wenn es weniger Arbeit wäre, wäre ich es wahrscheinlich auch länger schon mal angegangen.
Aber jetzt bin ich wirklich schon bemerkenswert weit. Alles fügt sich gut zusammen, und so eine Bilanz komplett selber und in Handarbeit zu erstellen ist ja auch ein Handwerk, was ich wirklich schon lange nicht mehr so komplett ohne jede weitere EDV-Unterstützung gemacht habe und ich habe dabei festgestellt, dass es ein richtig erhebendes Gefühl ist, wenn die Excel-Tabelle nach langem Widerstand plötzlich grün blinkt im Summen-Kontrollfeld. Da ich nur eine rudimentäre Buchhaltung zur Verfügung hatte, habe ich die Salden aus den Konten in eine Excel-Tabelle eingetragen und anschließend von Hand weitergebucht - ganz früher hat man so was noch auf Papier und mit Stift in einer sogenannten HÜ=Hauptabschlussübersicht eingetragen, meine Excel-Tabelle habe ich mir nach diesem Vorbild selber gebastelt und um zu kontrollieren, ob alles stimmt, gibt es natürlich das Summenkontrollfeld, das einem zeigt, ob die Aktivseite der Bilanz genauso groß ist wie die Passivseite. Wenn nicht, dann blöd.
Hier hatte ich also gestern (und heute auch mehrfach während des Tages) meine Differenzen, aber wenn es dann nach einigem Hin und Her plötzlich doch Grün wird, das ist wirklich ein erhebendes Gefühl.
Ich glaube, ein Maurer, der sich sein fertiges Haus anschaut, kann nicht stolzer sein.

Naja, ich gehe mal davon aus, dass es nicht so viele Menschen gibt, die meine Gefühle für eine schöne Bilanz teilen, aber so hat halt jeder seins und ich reagiere ja zum Beispiel relativ wenig auf diese wilden Kristalle, für die sich Chemiker begeistern können und einen immer wieder darauf hinweisen, wie sensationell einzigartig so ein Kristall ist. Hmmm, okay, aber ich finde ehrlich gesagt eine gut gemachte Bilanz wesentlich faszinierender
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Dienstag, 13. Februar 2018
Unerwartet freier Dienstag
K. flog um kurz nach 9h zurück nach Münster, das Wetter war perfekt. Über Nacht war zwar das Auto ein wenig zugefroren, so dass wir erst ausführlich die Scheiben kratzen mussten, aber der Flieger stand im Hangar und zum Fliegen selber waren die Bedingungen einfach super.

Auf dem unteren Bild habe ich versucht, den gestarteten Flieger, wie er gerade über den Deich hinaus Richtung Festland steigt, zu fotografieren, im Gegenlicht ist allerdings noch nicht mal ein schwarzer Punkt sichtbar. Egal, ich weiß, dass er da drauf ist auch wenn die Technik ihn unsichtbar macht.
Vom Flugplatz bin ich direkt zum Onkel gefahren, weil ich von dort noch einige Kisten mit Wolle und Patchworkkram mitnehmen wollte.
Jedes Mal, wenn ich den Kofferraum meines kleinen Cabrios betrachte, wird mir klar, dass so ein Cabrio wirklich kein Transportauto ist, und jedes Mal, wenn ich den Kram, den ich nachher doch in dieses Auto rein bekommen habe, wieder auslade, wundere ich mich, wie in einen so kleinen Kofferraum solche Mengen an Kisten und Tüten passen.


Jetzt habe ich also noch mehr Wolle und außerdem Patchwork und Quilting Stoffe hier, es wird Zeit, dass ich mich ernsthaft mit dem Verkaufen beschäftige.

Nach dem Einladen der Kartons bin ich wieder nach Hause gefahren und habe das Haus abreisefertig geputzt, anschließend war aber noch Zeit, so dass ich mich an den Computer gesetzt und mich tatsächlich mit sinnvollen Arbeitsaufgaben beschäftigt habe.)
Dabei bin ich in einen angenehmen Workflow geraten, der dazu führte, dass ich dann fast doch die Fähre verpasst hätte. Aber nur fast, als vorletztes Auto wäre noch Platz nach hinten gewesen.
Auf der Fähre dann den angefangenen Workflow fortgesetzt, jetzt sind zwei komplizierte Gesellschaftsverträge fertig und ich habe das Gefühl, sehr produktiv gewesen zu sein.

Die Rückfahrt verlief störungsfrei und ereignislos , Morgen dann wieder Büro und obwohl bereits Mittwoch ist, fühlt es sich trotzdem an wie Montag, was heißt, ich habe keine Lust.
Um ja
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Sonntag, 11. Februar 2018
Samstag
Alea Pili iacta est - Die Wolle ist gefallen und J. braucht jetzt wieder eine Mütze, weil er sonst friert am Kopf

Unglaublich, in welchem Tempo Kinder zuwuchern.

Nach dem Frieseurbesuch bin ich noch weiter ins Dorf gefahren und habe zwei Fährkarten fürs Auto gekauft, eine, um Montag aufs Festland zu kommen und zu Beginn der Osterferien dann wieder zurück. Und eine zweite, mit der ich am letzten Osterferientag das Auto wieder aufs Festland bekomme, Rückfahrt offen.
Die Fähren am An- und Abreisetag der Osterferien sind für Autos natürlich schon fast ausgebucht, ich bin sehr froh, dass ich gerade noch rechtzeitig daran gedacht habe, mir einen Platz zu reservieren.
Nach einem Abstecher zu Rossmann (meine Drogerieeinkäufe erledige ich eigentlich immer auf der Insel, denn auf dem Festland befinden sich die mir bekannten Drogeriemärkte alle in der Innenstadt, wo ich so gut wie nie hinkomme und ein „mal eben hinfahren und einkaufen“ schon mangels freier Innenstadtparkplätze ausscheidet), also, nach dem Kauf einer Packung Interdentalbürstchen, etwas Handcreme und einem Deo, bin ich zurück nach Hause gefahren und wir haben erst mal gefrühstückt. Dann Wäsche waschen, J. hat zwei randvolle Koffer mit Schmutzwäsche mitgebracht, insgesamt fünf Maschinen, das verlangt schon ein wenig logistischen Aufwand, denn Trockner und Waschmaschine können nicht gleichzeitig laufen, ohne dass dabei die Sicherung raus fliegt. Alte Häuser haben so ihre Besonderheiten.
Am Nachmittag dann den Vater besucht, dabei dem Cousin begegnet, der immer noch meint, er könne Fußböden und Türen bei seinem Auszug mitnehmen, ihm die Rechtslage hoffentlich deutlich genug klargemacht, mal schauen, was er sich traut.
Anschließend noch den Onkel besucht und mir dort die Bestätigung abgeholt, dass ich gegenüber dem Cousin hart bleiben soll.
Zum Abendessen die Reste von gestern warm gemacht und zusätzlich das Experiment-Essen aus dem Edeka zubereitet (es gab Gemüsestäbchen von Iglo) und dabei gelernt, weshalb Lidl diese Gemüsestäbchen nicht im Sortiment hat, die schmecken nicht. J. meinte, die schmecken wie Frühlingsrollen im Herbst, altersschwaches Gemüse mit einer gebissfreundlich weichen Panade statt knackig frittierten Teigblättern.
Mit viel süß-saurer Soße war es aber essbar.

Der Satz des Tages kam auch von J., der mir von seinen letzten Klausuren erzählte und dabei auf ein Fach kam, von dem er meinte: „da habe ich mein Gehirn noch nicht genug drum gewickelt. Das heißt, ich habe es nur ein bisschen verstanden, aber noch nicht genug, um in einer Klausur alle Punkte zu holen.“
Dass man das Verständnis für komplexe Sachverhalte dadurch erhöht, dass man sein Gehirn da rum wickelt, war mir neu, das Bild finde ich aber lustig
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Freitag, 9. Februar 2018
Gewohnheitssucht
Als ich gestern den Kühlschrankinhalt zusammengepackt habe, habe ich vorsätzlich einige nicht angebrochene Packungen Wurst und Käse nicht mitgenommen, weil ich mir dachte, wenn mir hier etwas fehlt, kann ich es auch einfach noch mal neu kaufen, denn das Zeug hält sich ja sowieso noch länger, weshalb ich den bereits vorhandenen Vorrat noch etwas liegen lassen kann und nicht sinnlos hin und her transportieren muss. Und überhaupt hatte ich viele Dinge schon gar nicht mehr im Haus, es war also klar, dass ich hier sowieso einkaufen gehen muss.
Soweit der Plan.
Als ich heute Morgen vor dem halb leeren Kühlschrank hier auf Borkum stand, fühlte ich mich spontan unterbevorratet und spürte das dringende Bedürfnis, erst mal einkaufen zu gehen. So weit passte noch alles zum Plan.
Problematisch wurde es aber, als ich feststellte, dass Lidl diesen Monat wegen Umbau geschlossen hat und mir damit nur der Edeka Markt blieb. Ich kaufe zwar ab und zu in dem Edeka Markt ein, aber nur die Dinge, die es bei Lidl nicht gibt. Meine ganz normale, Lebensmittelstandardgrundausstattung kaufe ich seit zehn Jahren eigentlich immer bei Lidl. Dort kenne ich das gesamte Sortiment, weiß genau welche Sorte Schinken, welchen Käse, welche Salami ich/wir mögen und habe nur dann Lust auf Experimente, wenn die Standardausstattung auf alle Fälle als back up im Haus ist. Jetzt hatte ich aber genau diese Standardausstattung in Greven gelassen und stand damit reichlich verloren und überfordert im Edeka Markt, denn ich hatte heute gar keine Lust auf Experimente, eigentlich wollte ich nur meinen ganz normalen Kühlschrankinhalt wieder auffüllen.
Ich habe dann einfach ganz andere Dinge gekauft, also nur Sachen, die es sonst auch nicht bei Lidl gibt, denn Lidlprodukteersatzeinkäufe bei Edeka fühlen sich unglaublich verkehrt an.

Heute gab es dann das Gulasch nur aus Zutaten, die ich mitgebracht habe, also sozusagen Lidlstyle, ab morgen wird es dann experimentell
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Freitag, 2. Februar 2018
Umfragefälschung
Als ich heute diese Meldung gelesen habe, musste ich doch schwer grinsen.
Jetzt hat tatsächlich mal jemand offen ausgesprochen, was ich schon immer für eine große Selbstverständlichkeit gehalten habe: Die Ergebnisse von Umfragen sind teilweise gefaked. Und jetzt ist plötzlich Empörung und Entsetzen in der Branche und bei Kunden.

Ach ne, und das fällt wirklich erst jetzt auf? Und bisher haben immer alle geglaubt, die Datensammler arbeiten komplett engagiert, loyal, ehrlich und sauber, weil sie sich der hehren Sache als solche verschrieben haben: Die Wahrheit der Daten ist wichtiger als das eigene Einkommen und Bequemlichkeit. Ja logisch, ist ja auch ein zutiefst menschlicher Zug, das Wohl der Allgemeinheit über das eigene zu stellen.
Aber selbst wenn die Datensammler ohne zu pfuschen arbeiten würden, so bleibt doch immer noch das Problem, wie gewissenhaft die Datenlieferanten ihre Antworten geben.

Ich zB nehme manchmal tatsächlich freiwillig an Umfragen teil, wenn es da etwas zu gewinnen gibt, je nach ausgesetztem Preis nehme ich dann auch bis zu zehn Mal an der gleichen Umfrage teil, ich habe schließlich viele E-Mail Adressen und auch ausreichend Postadressen, für eine multiple Teilnahme. Damit das nicht so auffällt, dass sich die Teilnahme wiederholt, gebe ich natürlich jedes Mal andere Antworten :-)

Wenn es nichts zu gewinnen gibt, nehme ich üblicherweise nicht freiwillig an irgendwelchen Umfragen teil.
Wenn ich aber dann doch mal persönlich von einem Interviewer erwischt werde, der meistens hartnäckig und lästig Antworten einfordert, beantworte ich die jeweiligen Fragen dann zwar, weil es leichter ist, schnell irgendwelche Kreuze an irgendwelchen willkürlichen Stellen zu machen oder irgendwelche Fragen genauso willkürlich mit ja oder nein, gefällt mir von 1-5 oder ähnlichem zu beantworten, als mit den Interviewern zu diskutieren, warum man das nicht will, aber meine echte Meinung gebe ich dabei fast nie weiter, alleine schon, weil ich mich geärgert habe, dass mich so ein Interviewer überhaupt belästigt und wenn ich ihm nicht entkommen kann, dann sage ich eben auf keinen Fall die Wahrheit.

Dieser ganze Umfrage- und Meinungsforschungszirkus ist aber auch wirklich die Pest.
Zusätzlich gibt es dann ja auch noch die 100 Millionen feedback Anfragen und Bewertungsdrängeleien, wenn man irgendwo etwas gekauft hat oder eine Leistung in Anspruch genommen hat.
Ich sehe zwar ein, dass das für Unternehmen wichtig ist, zu erfahren, wie der Kunde die Leistung beurteilt und dass gut bewertete Unternehmen einen echten Marktvorsprung haben, mir ganz persönlich als Kunde ist es aber mittlerweile längst zu viel geworden, was da permanent abgefragt und als feedback verlangt wird.
Im beruflichen Bereich ärgert mich das ganz besonders, denn es klaut ja wertvolle Arbeitszeit, wenn ich da eine Viertelstunde lang befragt werde, wie mir die Leistung von Firma xy gefallen hat, bei der ich neulich einen Kugelschreiber bestellt habe.
Ich habe deshalb schon mal vorgeschlagen, dass wir das gesamte feedback-Geben in der Firma als separate Leistung outsourcen sollten.
Ich halte das übrigens für eine Marktlücke.
Wenn sich da jemand selbständig machen würde als professioneller feedback-Geber und jedesmal, wenn mich jemand anruft, um zu fragen, wie ich mit dem letzten Glühbirnenwechsel zufrieden war, bräuchte ich einfach nur ganz entspannt die Telefonnummer des feedback-Gebers weiterzugeben und darum bitten, das doch bitte dort zu erfragen, das würde mir richtig Zeit sparen und für die professionellen feedback-Geber hätte man jede Menge neue Jobs geschaffen. Ich finde, das ist eine winwin Situation.

Was Datenlieferungen für Umfragen und Statistiken angeht, erinnere ich mich immer noch an die Volkszählung Anfang der 80er. Einerseits wurde ein Höllenwirbel um diese Volkszählung wegen Datenschutz und was weiß ich gemacht, andererseits musste aber jeder teilnehmen, sonst gab es Bußgeld. Ich habe damals in einem Steuerbüro gearbeitet, das sehr viele Kioske und Imbissbuden als Mandanten hatte, die traditionell alle griechisch oder türkisch waren. Für die Inhaber dieser Läden war ich der einzige Kontakt "zum deutschen Staat", dem sie vertrauten und mit dem sie regelmäßig Kontakt hatten. Also habe ich für alle Mandanten die Volkszählungsbögen ausgefüllt, da sie davon komplett überfordert waren. Für ein paar Nachbarn und Bekannte habe ich dann auch noch die Bögen ausgefüllt, ich war ja grad einmal dabei. Da es letztlich alles absolut anonym ablief und nur kontrollierte wurde, ob der jeweilige Haushalt überhaupt einen Bogen abgab, war es völlig wurscht, was man dann anschließend in diesen Fragebögen ankreuzte und eintrug. Und da ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, dass ich der einzige Mensch war, der diese Bögen im willkürlichen Massenverfahren ausfüllte, habe ich die Ergebnisse dieser Volkszählung auch entsprechend grinsend kritisch gesehen.

Dann war ich auch irgendwann mal eine Zeitlang Datenlieferant für die GfK. Da habe ich mich bereit erklärt, an einem Programm teilzunehmen, bei dem ich täglich bzw. monatlich alle meine Einkäufe in ein umfangreich gegliedertes Formular eintrug und dabei angeben musste, was ich gekauft habe, wo und zu welchem Preis. Für alle Einkäufe von Lebensmittel über Klamotten bis zu Urlaub und Auto. Diese Einkaufslisten wurden monatlich an die GfK geschickt und als Dankeschön bekam ich irgendwelche Geschenke. (Handtücher, Geschirr, Gläser etc.) Bereits im ersten Monat habe ich bemerkt, wie viel Arbeit das ist, wenn man das wahrheitsgemäß einträgt, also habe ich mir sehr schnell meine eigene, sehr überschaubare Einkaufshistorie (einmal wöchentlich und fast immer das gleiche)ausgedacht und den Rest mit "zum Essen eingeladen" etc. aufgefüllt. Da ich mich für ein ganzes Jahr "verpflichtet" hatte, erschien mir das als die einfachste Methode, um Stress wegen einer vorzeitigen Kündigung zu vermeiden.

Was mich sehr interessieren würde, ist die Frage, ob es Menschen gibt, die diese umfangreichen Fragebögen wirklich korrekt ausfüllen? Ich bin eigentlich sehr sicher, dass das nicht viele sein können, denn warum sollte man es tun? Vielleicht noch die ersten 3-4 Fragen, aber dann verlässt einen doch die Lust und man will nur noch fertig werden damit.

Dass jetzt bekannt wird, dass die Interviewer sich ihre Antworten selber ausdenken, weil sie niemanden mehr finden, der ihnen freiwillig Antworten gibt, halte ich nur für eine konsequente Fortführung meiner Reaktion und das Ergebnis ist im Grunde ja auch nicht anders. Lustig finde ich halt nur, dass das erst jetzt auffällt und nicht schon vor 30 Jahren
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Donnerstag, 1. Februar 2018
Noch'n Vortrag
Heute war ich auf der Kick Off Veranstaltung einer neu gegründeten Anwaltsgesellschaft eingeladen, die aus dem Zusammenschluss zweier alteingesessener Münsteraner Kanzleien entstanden ist. Da ich ja immer auf der Suche nach guten Anwälten bin, war ich gespannt, wen ich da so kennenlernen würde und außerdem war der Vizepräsident des BGH angekündigt, der einen „Impulsvortrag“ halten würde.
Für Menschen in meinem Berufsumfeld ist der Vizepräsident des BGH mindestens eine so besondere „Promifigur“ wie ein ehemaliger Bundespräsident und weil ich auf einer anderen Veranstaltung auch mal einen Vorsitzenden Richter vom BFH kennengelernt habe, der einen wirklich interessanten Vortrag über Besonderheiten der Grunderwerbsteuer gehalten hat, hatte ich recht hohe Erwartungen an den heutigen Abend.
Nun, um es gleich vorweg zu nehmen: Außer dass ich jetzt wunderbares Lästerfutter habe, war es komplett vergeudete Zeit.
Der Herr Richter hielt einen strohtrockenen Vortrag über das KapMuG und ich fragte mich die ganze Zeit:“Wtf?“
Bei dem KapMuG handelt es sich um ein Gesetz, von dem ich (und der größte Teil der Zuhörer) noch nie etwas gehört habe, und ich bin ziemlich sicher, dass ich auch den Rest meines Lebens sehr gut verbringen kann, ohne mich weiter damit zu beschäftigen. Fachkenntnisse zu diesem Gesetz sind derart abstruses Spezial-Inselwissen, dass man damit vielleicht auf Szenepartys Eindruck machen kann, wenn man sachkundig darüber plaudert, aber ansonsten ist es wirklich auffallend überflüssig. Außer man ist Fachanwalt für Bankenrecht und hat vor allem Mandate, die IPOs vorbereiten oder möchte vergleichbare Spezialmandate betreuen.
Wieso dieser Mensch meinte, auf so einer Veranstaltung (auf der logischerweise deutlich mehr Mandanten als Anwälte waren) ausgerechnet über so eine belanglose Nichtigkeit zu referieren, erschließt sich mir auch nach längerem Nachdenken nicht.
Überhaupt war der ganze Kerl nicht so mein Geschmack. Streng rechts gescheitelt mit Messerschnitt im Nacken, einen Pullunder über dem karierten Hemd - nun, wer's mag....
Dass er sich als oberstes Bundesrichter überhaupt dazu herabließ an diesem Abend in der tiefsten westfälischen Provinz auf so einer kleinbürgerlichen Anwaltsklitschenveranstaltung aufzutreten, lag nur an seiner freundschaftlichen Verbundenheit zu dem Seniorchef einer dieser fusionierenden Kanzleien, denn tagsüber war er heute gemeinsam mit seinem "guten Freund Harald" auf der für sie wichtigsten deutschen Messe in Dortmund gewesen: Jagd und Hund.

Naja, und so sprach er eben auch, so verhielt er sich und danach setzte er wahrscheinlich überhaupt seine Prioritäten im Leben. Schließlich ist er nicht nur Bundesrichter, sondern auch noch Präsident des hessischen Jägerverbands.

Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich doch lieber zu der Bankveranstaltung gegangen, die heute Abend zur gleichen Zeit auch noch stattfand und bei der ich nur mit Bedauern abgesagt habe, weil es dort ganz bestimmt wenigstens sehr gutes Essen gegeben hätte.

Mit den Abendveranstaltungen ist das wie verhext, entweder finden in einer Woche gleich vier Stück statt, davon mindestens zwei am gleichen Abend - oder wochenlang gar keine.
Jetzt ist erst mal wieder Ruhe, so dass ich auch hoffentlich eine Chance habe, mal wieder früher ins Bett zu gehen.

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Montag, 29. Januar 2018
Mietersuche
Der Eintrag über das Aufräumen des Bücherregals galt ja eigentlich für gestern.
Heute habe ich mich zwar noch ausführlich darüber gefreut, dass diese Arbeit endlich erledigt ist und ich jetzt stolz auf dieses wunderbar sortierte Regal schauen kann, das im übrigen auch plötzlich ganz anders aussieht als vorher, aber dann war das Thema auch abgehakt.
Ansonsten habe ich mich heute mit diversen Mieteranfragen für die zu vermietende Wohnung beschäftigt und bin dabei mit einer Welt in Kontakt genommen, die sonst keinerlei Schnittmenge zu meiner hat.
In der Anzeige habe ich mich bemüht, die Wohnung so ausführlich wie möglich zu beschreiben, habe viele Fotos und einen Grundriss beigefügt - und bin eigentlich davon ausgegangen, dass damit alle Infos vorgegeben sind und sich nur Interessenten melden, die mit einer solchen Wohnung auch etwas anfangen können.
Die Realität war eine komplett andere.

Es handelt sich um eine 3-Zimmer Wohnung, die zwar 100m² hat, aber eben neben einem sehr großen, schönen hellen Wohnzimmer nur zwei andere, deutlich kleinere Schlafräume besitzt, außerdem eine Küche, ein großes Bad und ein Gästeklo.
Zielgruppe also ganz klar ein älteres Paar mit gesichertem Einkommen oder eine Familie mit maximal einem Kind. Warum sich auf diese Wohnung reihenweise Familien mit drei und mehr Kindern bewerben, ist mir ein komplettes Rätsel. Mag sein, dass sie jetzt noch viel beengter wohnen und dass diese Wohnung schon eine klare Verbesserung für sie wäre - aber in eine ziemlich teure (weil große), dafür offensichtlich aber auch nicht geeignete Wohnung als Zwischenlösung zu ziehen, das kann doch nicht wirklich sinnvoll sein.
Als Vermieter suche ich natürlich nach einem Mieter, zu dem die Wohnung auch wirklich passt, damit er maximal zufrieden ist und möglichst lange wohnen bleibt. Deshalb habe ich also allen Großfamilien gleich von Anfang an mitgeteilt, dass die Wohnung für sie nicht geeignet ist, was aber zu meinem großen Erstaunen jedesmal lange Diskussionen auslöste. Jeder gab sich sehr große Mühe, mir ausführlich zu erläutern, wie perfekt die Wohnung für sie passen würde und mit welchen "Tricks" und Umbaumaßnahmen sie es sich dort sehr gemütlich machen werden.

Was mich so verwirrt, aber gleichzeitig auch sehr aufmerksam werden lässt, ist die komplette Verneinung der Realität von Leuten, die wahrscheinlich in der tatsächlichen Realität ansonsten wirklich kaum eine Chance haben.
Denn, ehrlich gesagt wüsste ich auch nicht, wo so eine fünf- oder mehrköpfige Familie mal eben eine bezahlbare, passende Mietwohnung mit fünf oder mehr Zimmern auf einer Insel finden soll, weil, die gibt es da einfach nicht. Und wenn es sie gibt, sind es derart miese Dreckslöcher, dass man im Grunde wieder niemandem zumuten kann, dort zu wohnen.

Ich weiß nicht, wie man dieses Problem löst, denn wie man es auch dreht und wendet, wird es am Ende immer auf dasselbe hinauslaufen: Wer viele Kinder hat, muss sich das auch leisten können und im Zweifel eben im Eigentum wohnen und nicht zur Miete - oder er wird mitsamt seinen Kindern einfach an den Rand der Gesellschaft abgedrängt oder, wenn man es lokal betrachtet, dann muss er eben die Insel verlassen.

An der Stelle höre ich persönlich einfach auf zu denken, da ich genau hier meine eigene Welt verlasse. Meine Familie hat es mir immer möglich gemacht, auf der Insel zu sein, wann immer ich das wollte (und als ich kleiner war, sogar zu Zeiten als ich es nicht wollte), und als ich sagte, ich möchte gerne meinen eigenen Hausstand dort haben, haben mich ebenfalls alle unterstützt, mir geholfen und mich bezuschusst. Ohne meine Familie, ihre Unterstützung und ihre Beziehungen wäre mir das wahrscheinlich auch nicht möglich gewesen. Aber ich kenne es eben auch nicht anders. Und was auch immer meine Kinder je wollen, so werde ich sie im Zweifel genauso unterstützen und mich darum kümmern, dass sie ihre Wünsche umsetzen können.
In meiner Welt ist ein komplettes Scheitern einfach noch nie passiert. Im Gegenteil, meine Eltern haben es per Saldo weitergebracht als ihre Eltern und ich wiederum habe es schon jetzt weitergebracht als meine Eltern - zumindest, was die finanziellen Spielräume angeht und das bringt natürlich Freiheiten mit sich, die für mich selbstverständlich sind, die aber wahrscheinlich für viele andere Menschen komplett außerhalb ihrer Möglichkeiten oder Reichweite sind. Und ich glaube, genau hier beginnt das Problem, des immer größer werdenden Auseinanderklaffens von Arm und Reich.
Wenn man in einer Welt von jeder Menge Selbstverständlichkeiten lebt, kann man sich gar nicht vorstellen, welche Dinge für andere Leute zu einem Problem werden können.

Um aber zurück zu dieser Wohnung zu kommen, so ist meine favorisierte Bewerberfamilie eine "Mischlingsfamilie" aus Albanien und Tschechien, bei der der Mann selbstständiger "Allround-Handwerker" ist und die Frau Altenpflegerin, derzeit in Elternzeit. Sie haben tatsächlich zwei Kinder, aber es ist technisch möglich, dass Riesenwohnzimmer zu teilen und dann müsste die Wohnung für sie optimal sein. Was mir bei dieser Familie so gut gefällt, ist die Kombination der Berufe. Mein Vater wohnt direkt nebenan - und wenn es mir gelingt, dass im Nachbarhaus eine Altenpflegerin einzieht, die dann auch noch bereit wäre, ab und zu nach meinem Vater zu schauen - na, besser könnte das ja wohl kaum passen. Und der Mann ist einer dieser typischen "Alleskönnerhandwerker" - ich finde solche Menschen ausgesprochen bewundernswert und habe immer versucht, derartige Bekanntschaften gut zu pflegen.
Wenn die also wirklich die Wohnung haben wollen, hätte ich das Gefühl, ich habe wirklich tolle Mieter gefunden und würde mit einer durchaus selbstgerechten Zufriedenheit all den anderen Bewerbern absagen, die äußerlich so viel besser zu dieser Wohnung passen, insgesamt aber alle miteinander auch bei der nächsten freien Wohnung auf der Insel gute Chancen haben, dort genommen zu werden
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Samstag, 27. Januar 2018
Mietersuche und trinkende Medizinstudenten
Freitags nehme ich mir ja immer vor, nur einen halben Tag im Büro zu verbringen, das hat heute anfangs auch gut geklappt, weil ich erst um 10:00 Uhr dort ankam, aber statt um 14:00 Uhr wieder zu gehen, habe ich mich an blöden Gutachten festgebissen und plötzlich war es 16h, ohne dass ich es bemerkt habe.
Da der Nachmittag jetzt sowieso nicht mehr zu retten war, habe ich dann wenigstens die Gelegenheit genutzt, um endlich die Anzeige für die Wohnung, die mein Cousin so unerwartet freigibt, ins Internet zu stellen.
Inzwischen hat sich auch schon ein Interessent gemeldet, wenn das mit dem als neuen Mieter klappen würde, das wäre die Idealbesetzung. Ich drücke mir jetzt einfach ganz doll selber die Daumen.

Am Abend hatte sich N. angemeldet, der nach Greven kommen wollte, um endlich sein Auto abzuholen, was hier seit Weihnachten steht. Um das maximale aus so einer Autoabholtour rauszuholen, hatte er zwei Kommilitonen überredet, mit zu kommen, zu dritt ist schließlich längst nicht so langweilig.
Also standen gegen 20h drei total ausgehungerte Medizinstudenten vor der Tür, die dringend etwas zu Essen brauchten, um sich zwei Stunden später mit einer Grundlage von je drei Tellern Gemüsesuppe im Bauch in das wilde Nachtleben von Münster zu stürzen.
Angekündigt haben sie ihre Rückkehr mit dem ersten Morgenbus. Ich glaube, Medizinstudenten haben grundsätzlich noch weniger Respekt vor Alkohol als andere Studenten, weil sie der festen Überzeugung sind, dass sie sich einfach eine neue Leber transplantieren , wenn die erste weggeschrumpft ist
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Mittwoch, 24. Januar 2018
Hochsterilisiert
Manche Dinge werden ja einfach zu wichtig genommen und hochsterilisiert, wie es ein Bekannter neulich nannte.
Wenn mir so etwas live passiert, also dass jemand ein Wort so niedlich falsch verwendet und ich diese Falschverwendung das erste Mal höre, dann spüre ich mittlerweile den dringenden Drang, das sofort aufzuschreiben, weil ich aus Erfahrung weiß, dass ich derart wunderbare Wörter sonst sehr schnell wieder vergessen habe.
Ein bisschen kompliziert ist es, wenn so eine Wortverwendung im persönlichen Gespräch passiert, denn erstens muss man sich konzentrieren, dass man nicht mit falschen Gesichtsmuskeln zuckt und dann kann man ja auch schlecht sagen "Moment, ich muss das Wort eben aufschreiben, damit ich später in Ruhe darüber grinsen kann."

"Hochsterilisiert" hatte ich mir deshalb nur mit einem Trick aufgeschrieben, ich tat nämlich so, als müsste ich dringend auf eine Kinder-Nachricht antworten (in derartigen Situationen bin ich jedesmal sehr froh, dass ich Kinder habe, so wunderbare Ausreden kann man gar nicht erfinden und außerdem weiß ja keiner, dass der kleine Sohn fast Anfang zwanzig ist. Noch ist er allerdings tatsächlich erst Ende zehn und geht auch noch zur Schule. Also alles sehr glaubwürdig.)
Beim schnellen Antworten auf die Kindernachricht habe ich aber versehentlich die falsche App erwischt und das Wort an einer Stelle notiert, die ich nachher nicht mehr wiederfand. Und wie sucht man etwas, von dem man nicht weiß, wie es heißt?

Aber eben ploppte mir das Wort durch Zufall wieder auf den Bildschirm und ich dachte, am besten speichere ich es sofort hier, dann muss ich nur noch nach "lustiger Fachbegriff" suchen und es geht nie mehr verloren.

Kann zwar sein, dass ich die Bedeutung dieses Wortes jetzt hochsterilisiere, aber so bin ich nun mal, entweder null oder hundert
:-)

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Freitag, 19. Januar 2018
Besser nicht
Heute hätte ich fast zwei größere elektronische Geräte über eBay Kleinanzeigen gekauft. Aber nur fast, denn in letzter Sekunde wurde mir das dann doch alles zu unheimlich und ich habe den Kauf wieder abgesagt.
Eigentlich passte alles gut, da bot jemand genau das Gerät an, was ich schon länger haben wollte, der Preis war gut, die Kommunikation war positiv, es passte alles. Eigentlich bot der Mensch sogar zwei verschiedene Geräte an, ich hatte zunächst aber nur nach einem gefragt, über das wir uns dann auch handelseinig waren, bis K. meinte, das zweite Gerät, was dieser Verkäufer anbietet, wäre aber auch ganz prima und überhaupt nicht teuer und wenn wir schon mal dabei sind, könnten wir doch gleich beide kaufen und dann Mengenrabatt bekommen.
Und tatsächlich ging der Verkäufer auf unseren niedrigen Preisvorschlag ein und freute sich, gleich beide Geräte auf einen Schlag zu verkaufen.
Ich hatte mich ebenfalls schon richtig gefreut - bis er meinte, ich solle das Geld dann auf das Konto seiner Freundin Michaela Müller bei der Fidorbank überweisen und als Verwendungszweck das Datum von heute und meine Initialen angeben - da gingen dann alle Warnlampen an bei mir und ich sagte, ich würde gerne vorher noch Fotos der Originalrechnungen der beiden Geräte sehen, was er dann verweigerte mit dem Hinweis, Rechnungen abzufotografieren könnte sehr viel Ärger bringen - und da war die Sache dann gelaufen.

Echt schade, ich hatte mich schon richtig über die Schnäppchen gefreut, aber wenn man nachher nur das Geld bezahlt, ohne etwas dafür zu bekommen, wäre es ja auch kein echtes Schnäppchen mehr
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