anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 21. Februar 2019
Augen zu
Ich bin schon wieder müde, dabei ist es erst 21h und eigentlich hat der Tag noch reichlich Platz, um außer Arbeit und Essen auch noch ein paar Dinge zur persönlichen Erbauung zu machen - wenn ich nicht so müde wäre.
Am liebsten würde ich jetzt schon wieder ins Bett gehen und aus Erfahrung weiß ich, dass ich dort dann garantiert sofort einschlafe. Zu so angenehmen Dingen wie "noch ein wenig im Bett lesen" bin ich schon seit Jahren nicht mehr gekommen - weil ich vorher immer schon eingeschlafen bin.
Ich kann morgens im Bett lesen, das ist okay und das mache ich auch gerne - an normalen Alltagen bleibt aber morgens dafür keine Zeit, denn dann muss ich ja aufstehen und erst mal die Pflichtaufgaben erledige.

Tja, und wenn ich die erledigt habe, dann bin ich in den meisten Fällen so müde, dass ich am allerliebsten umgehend wieder ins Bett gehen möchte, und zwar nur, um dort wirklich zu schlafen und nicht für eine kuschelige Lese- oder Fernsehrunde.

Insgesamt verbringe ich so den größten Teil meines Lebens: Ich erledige meine Pflichtaufgaben und dann schlafe ich. Dinge wie einkaufen, kochen, essen und anziehen zähle ich dabei auch zu den Pflichtaufgaben, denn schließlich muss das getan werden, ob man Lust hat oder nicht.

Außerdem gibt es noch die erweiterten Teilzeitpflichtaufgaben, die man nicht zwingend täglich und zeitkritisch erledigen muss, die aber eben auch regelmäßig getan werden müssen und je länger man diese Aufgaben aufschiebt, umso mehr häufen sie sich auf und um so schlechtere Laune bekommt man, weil man sich über den wachsenden Aufgabenberg ärgert, über die zunehmende Unordnung um einen herum und vor allem über die so offensichtlich dokumentierte fehlende, eigene Selbstdisziplin.
Ich bin nämlich von Natur aus ein ziemlicher Schlunz und wenn ich Dinge aufschieben kann, dann schiebe ich sie auch auf.
Seitdem die Kinder endgültig alle aus dem Haus sind, schaue ich mir selber dabei zu, wie ich langsam aber sicher immer mehr verlottere.
Denn jetzt hält mich ja noch nicht mal ein schlechtes Muttergewissen davon ab, die normalen Haushaltsaufgaben immer mehr und immer weiter zu schieben. Ich muss für niemanden mehr Vorbild sein, ich muss auch auf niemanden erzieherisch einwirken, die gesamte Unordnung um mich herum habe ich selber hergestellt - und den Dreck auch. Vielleicht habe ich den Dreck nicht aktiv im Haus verteilt - aber da außer mir (und meinem Westfalenmann) ja niemand das Haus betritt, kann es eben auch außer mir niemand anderes gewesen sein.
Diese Erkenntnis führt bei mir zu einer frustrierten Paralyse und ich tue kurzerhand gar nix mehr. Früher, als ich mir noch fest einbildete, die Kinder wären an allem schuld, da konnte ich wenigstens schwungvoll beim Saubermachen schimpfen und mir nette Strafen ausdenken - geht heute alles nicht mehr, Putzen ist damit um ein vielfaches schwieriger geworden.

Dasselbe gilt für Kochen: Kochen ist keine Verantwortung für andere mehr, sondern nur noch ein Stillen des eigenen Hungers. Dieser Hunger ist aber auch sehr zufrieden, wenn ich ihm eine Tüte Chipse serviere, Vitamine werden gewaltig überschätzt.

Aber vielleicht kriege ich dieses Wochenende ja mal die Kurve und erledige einen großen Berg liegengebliebener Dinge, dann bin ich nächste Woche auch bestimmt nicht mehr so müde, denn dann ist der Drang, einfach vor allem die Augen zu schließen, ja längst nicht mehr so groß
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Mittwoch, 20. Februar 2019
Wie ich in den Tag starte
Die Woche geht auch am Mittwoch so strubbelig weiter wie sie angefangen hat, irgendwie kriege ich die Kurve nicht, um ein bisschen mehr Spaß zu haben, aber immerhin gab es heute einen sehr guten Termin und die Sitzung beim Zahnarzt war auch längst nicht so schlimm wie erwartet.

Eigentlich war der Tag heute in Summe wirklich sehr erfolgreich, es hat alles gut geklappt, es gab keinen Stress, der Termin am Vormittag war sehr positiv, die Anlagesitzung am Nachmittag war erwartet langweilig, aber das gehört dazu, im Grunde kein Grund zur Klage.
Was es ist, das dieses ungemütliche Gefühl der "irgendwas ist nicht in Ordnung, aber ich weiß nicht was" Situation auslöst, kann ich nicht identifizieren, aber vielleicht geht es ja auch einfach von alleine wieder weg, wir werden sehen.

Auf meiner Fahrt morgens ins Büro höre ich jetzt regelmäßig den Morningbriefing Podcast von Gabor Steingart. Es gibt Tage, da ärgere ich mich über die Selbstherrlichkeit, mit der Herr Steingart Menschen runtermacht, die er nicht mag, es gibt aber auch Tage, da amüsiere ich mich schon sehr über seine Bösartigkeiten, weil er manche Spitzen einfach zu und zu schön formuliert.
Zum Beispiel: "Es gibt viele Wege, seine Wähler zu vergraulen - die SPD kennt sie alle." - den Satz hat er vor einigen Wochen gebracht und ich kichere immer noch ab und zu, vielleicht auch, weil ich finde, es steckt schon eine Menge Wahrheit drin.
Seine heutige Gemeinheit, die mich auch wieder schmunzeln ließ, lautete: "Der SPD-Außenminister, dessen politische Positionen oft im selben Windkanal designt werden wie seine Anzüge,..."
Etwas sehr ähnliches, nur längst nicht so hübsch formuliert, habe ich am Sonntag gedacht, als ich unseren Außenminister in einem seiner windschnittigen Extraslim-Anzüge bei Anne Will sah.
Dass Herr Steingart kein SPD-Fan ist, muss man wohl nicht betonen, noch ärger geht er allerdings mit Frau AKK um, die hat er einmal komplett gefressen. Aber nun ja, auch hier habe ich schon öfter gegrinst, weil so unrecht hat er mit seiner Kritik an dieser Personalie meiner Meinung nach auch nicht. Es ist halt kompliziert, wirklich respektable Spitzenpolitiker zu finden.


Aber auch wenn ich immer mal wieder nicht konform gehe mit seiner Meinung, so bewundere ich doch intensiv, was er da auf die Beine stellt. Dieser Morning-Podcast ist schon extrem professionell gemacht - und das schriftlich per E-Mail versendete Morning Briefing, das er bis Anfang Februar letzten Jahres ja noch als Herausgeber des Handelsblatts verschickte, ist unbestritten jeden Morgen eine lesenswerte Lektüre.
Beim Handelsblatt ist er im Februar 2018 über Nacht gegangen worden, weil er sich mit dem Verleger uneins war, der fand wohl, Herr Steingart hätte mit seiner persönlichen Abneigung gegen Martin Schulz übertrieben und wäre in dem Morningbriefing des Handelsblattes zu gemein geworden.
Zunächst hat dann Sven Afhüppe als stellvertretender Chefredakteur des Handelblattes dieses Morningbriefing übernommen, Herrn Afhüppe fehlt allerdings jene sophistisch-spitzfindig-fiese, aber grade deshalb so besonders lesenswerte Gemeinheit des Herrn Steingart, wenn Herr Afhüppe das Morning Briefing im Handelsblatt schreibt, kann man besser morgens 10 Minuten länger ausschlafen, seine Texte lohnen das Lesen schlicht nicht.
Ich habe also Herrn Steingart sehr vermisst - aber seit August schreibt er unter seinem ganz eigenen, privaten Label wieder - jeden Morgen gegen 7h ist die E-Mail da, seit November gibt es auch diesen Podcast.

Ich habe keine Ahnung, wie groß sein Stab ist, mit wie vielen Leuten er das technisch löst, dass es wirklich derart zuverlässig und brilliant funktioniert, wo er all die Zeit her nimmt, die Texte zu schreiben und den Podcast einzusprechen - und frage mich regelmäßig, WANN er das macht und ob er je schläft - und vor allem habe ich null Idee, wie er das alles finanziert und was sein Plan dabei ist - denn bisher ist alles kostenlos und werbefrei. Schon bemerkenswert.

Das Morning Briefing im Handelsblatt gibt es ebenfalls noch, da scheinen die Macher aber begriffen zu haben, dass sie sich und ihrer Reichweite keinen Gefallen tun, wenn Sie ihren neuen Chef, eben jenen Sven Afhüppe, die Texte schreiben lassen. Dort schreibt jetzt Hans-Jürgen Jakobs, der stilistisch fast an Herrn Steingart hinanreicht, wenngleich er nicht ganz so bösartig ist, aber immerhin doch regelmäßig süffisant gemein.

Das Handelsblatt Morning Briefing gibt es auch als Podcast, das habe ich allerdings noch nie ausprobiert, man kann halt nicht alles hören
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Dienstag, 19. Februar 2019
Tag mit dies und das
Seltsamer Tag heute, phasenweise hatte ich das Gefühl, da läuft etwas in einem irren Tempo an mir vorbei, was ich schon deshalb nicht mitbekomme, weil ich nicht so schnell gucken kann, wie es wieder vorbei ist. Ich hatte dauerhaft das Gefühl zu spät zu sein. Und zu langsam. Das ging eine ganze Weile so, bis ich das Interesse verlor. Soll der Tag doch schauen, wie er sich ohne mich amüsiert, ich bin einfach mal raus und setz die Rainman-Kappe auf, wenn man die trägt, kann einen nichts mehr erschüttern.
Danach verlor der Tag enorm an Speed, um gegen Abend hin fast auf der Stelle zu treten. Sehr seltsam, das alles.
Und ein wenig irritierend, aber das gehört wohl dazu.

Ansonsten war der Tag, rein objektiv betrachtet recht erfolgreich.
Ich habe das große Jahresgutachten fertiggestellt und abgeschickt, jetzt habe ich wieder ein Jahr Pause, das ist ein sehr gutes Gefühl.
Die Kollegin, die ich auserkoren habe, eine Arbeit zu übernehmen, die ich einer anderen Kollegin wegen Unfähigkeit weggenommen hatte, macht sich sehr gut in ihrer neuen Tätigkeit, es ist eine Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten. Das sagte ich ihr heute Morgen, ich glaube, sie hat sich auch gefreut.

Heute Abend habe ich dann noch ein Schreiben von CW aus dem Jahr 2011 gefunden, was ein guter Freund dringend braucht. Als ich es fertig gefunden hatte. war ich schon sehr stolz auf mich, ich finde, ich habe das sehr gut gemacht.

Sonst ist nicht viel passiert, 80% des Tages Büro, der Rest verging mit Hin- und Herfahren und Essenkochen mit Einkaufen.Sehr aufwändig gekocht heute, ein Pott Pellkartoffeln, allerdings musste ich während der Topf auf dem Feuer stand, noch mal spontan einkaufen gehen, weil die Butter alle war, bei der Gelegenheit habe ich auch gleich einen Topf Heringsdipp mitgebracht, was ich wohl nicht wiederholen werde - der Heringstopf von Aldi schmeckt um Längen besser, aber Aldi hatte schon zu, deshalb kann man für Einkäufe um 21h nicht allzu wählerisch sein.

So, das war's, Tag fertig, ist auch genug für heute
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Sonntag, 17. Februar 2019
Rückflug mit thrill
So, wir sind zwar deutlich langsamer als gewohnt, aber immerhin heil und ohne weitere Probleme mit dem Flieger wieder zurück gekommen. Wir haben einfach das Fahrwerk nicht mehr eingefahren und sind dann eben wie so eine dicke Watschelente mit ausgefahrenen Füßen langsam zurückgeflogen. Weil es dann auch egal war, haben wir noch einen Zwischenstopp in Leer gemacht und den Vater besucht.

Zurück in Münster hat K mich dann auf der Vereinsseite abgesetzt, denn dort stand das Auto, anschließend brachte er den Flieger direkt in die Werft und ich bin mit dem Auto hinterhergefahren, um K an der Werft wieder einzusammeln.

Deshalb bin ich heute mal mit Ks Auto gefahren, was ich eher selten tue, denn K fährt deutlich lieber und begeisterter Auto als ich und deswegen fährt er normalerweise selber.
Wenn ich alleine Auto fahre, fahre ich üblicherweise mit meinem eigenen Auto. Mein Golf gefällt mir sowieso besser als Ks dicker Schlachtschiffmercedes, aber heute musste ich seinen Wagen doch alleine bewegen, sonst hätte ich den Flieger in die Werft bringen müssen und der ist ja noch größer. Also äh, ne, dann lieber Automonster.

Normalerweise habe ich ja kein Problem damit, fremde Autos zu fahren, auch Riesenschiffe schrecken mich nicht. Früher habe ich ständig zwischen unserem Achtsitzer-Familienvan und meinem kleinen Puntochen hin- und hergewechselt, nur habe ich in den letzten Jahren ein wenig an Übung eingebüßt, so dass sich Ks Limousine zunächst schon ein wenig ungewohnt groß anfühlte.
Was mich aber viel mehr faszinierte, war, dass dieses Auto ständig irgendwelche Fehlermeldungen im Display anzeigte, die ganz sicher schon länger angezeigt werden, nur mein Westfalenmann reagiert auf solche Anzeigen eben typisch westfälisch, er ignoriert sie einfach.
Mich machen solche Anzeigen dagegen völlig nervös, wenn mein Auto mir irgendwelche blinkenden Hinweise im Display gibt, reagiere ich üblicherweise sofort und beseitige die Ursache umgehend, spätestens am Ende der Fahrt, bei der sie das erste Mal auftreten.
Heute fühlte ich mich aber nicht zuständig, auch wenn mich das Auto im Minutentakt anblinkerte: “Rücksitzlehne links nicht verriegelt“
Ich schaute streng an der Anzeige vorbei nach draußen und tat so, als sei nichts. Dann machte es „Pling“ und das Display vermeldete
„Kein Reifendrucksensor“. - kann nicht mein Problem sein, ich muss dieses Auto nur einmal bis zur Werft fahren, das wird wohl auch ohne Reifendrucksensoren funktionieren.
Die Anzeige verschwand und es erschien ein Geschwindigkeitsbegrenzungschild mit 50, mitten auf einer Landstraße, auf der man 100 darf, dachte ich. Aber ich war ja schon geübt im Ignorieren und bretterte ohne Hemmungen mit 100 weiter. Dann sah ich selber das fünfziger Schild am Straßenrand und dachte mir, na gut, vielleicht doch nicht alles ignorieren.
Knapp fuhr ich 50, erinnerte mich das Auto wieder daran, dass die Rücksitzlehne hinten links nicht verriegelt ist. Anschließend monierte es die fehlenden Reifendrucksensoren, dann ploppte das 50 Schild wieder auf, weil ich mittlerweile genervt schon wieder auf 100 beschleunigt hatte.

Ich glaube, dieses Auto ist nix für mich, zu groß, zu rechthaberisch und überhaupt zu selbstständig.
Ich war froh, dass ich es heil bis zur Werft geschafft habe und wartete dort auf K auf dem Beifahrersitz, soll er die gemeldeten Fehler selber beseitigen oder weiter ignorieren, mir egal.


Zum Abschluss noch ein Foto vom Landeanflug auf die beleuchtete Bahn in Münster, ich fand die Spiegelungen der Bäume im Kanal mal wieder so schön. Die weiße Ecke oben links kommt davon, weil ich den Horizont auf dem Foto grade gedreht habe. Weil der Flieger gerade eindrehte, war der Horizont natürlich ganz schief, sieht aber beim Bilder gucken seltsam aus
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Sonntag, 17. Februar 2019
Ein bisschen was getan und ein wenig Aufregung verursacht
Gestern Abend bin ich sehr früh, noch vor 21h, ins Bett gekippt, um quasi vor dem Hinlegen schon einzuschlafen, gefolgt von einem relativ holprigen Schlaf, der mich alle zwei Stunden mit einem Krampf im Bein wieder hochscheuchte. Die Nacht über habe ich dann viermal eine Magnesiumsprudeltablette in Wasser aufgelöst, schlaftrunken in mich hineingekippt, gewartet, bis der Krampf nachließ, mich wieder hingelegt und sofort weitergeschlafen. Zwei Stunden später wiederholte sich das Spiel dann, bis ich gegen 5h die letzte Sprudeltablette trank und dann wie eine Stein noch bis halb zehn morgens durchschlief. Dann wachte ich auf und fühlte mich relativ ausgeschlafen und fröhlich.
Ein aktiverer und antriebsstärkerer Mensch als ich, wäre dann wahrscheinlich aufgestanden, weil das Wetter ja toll werden sollte und ich mir eine Menge Dinge hätte vorstellen können, die ich hätte tun können - wenn ich denn Lust gehabt hätte aufzustehen.
So habe ich den halben Tag samt (wahrscheinlich) gutem Wetter weiter im Bett rumgeschlunzt, ausführlich im Internet Blogs nachgelesen, einen ganz tollen Beitrag bei Anne Schüssler gefunden, der mir den Begriff "technical debts" samt einer wunderbaren Erläuterung dazu geschenkt hat, die ich einigen Kollegen nächste Woche brühwarm servieren werde, samt der vorwegnehmenden Erklärung, dass ich künftig weder technical debts noch technical depps tolerieren werde und ab sofort sauber aufgeräumte Excel-Tabellen ohne Fehler erwarte.
Hach, allein dafür hat es sich schon gelohnt, heute nicht sofort nach dem Aufwachen aufzustehen.

K schlug dann vor, dass wir das gute Wetter doch nutzen könnten, um mal wieder ein paar Fotos von der Insel und unserem Haus und den sonstigen Familienhäusern zu machen, er zumindest hätte Lust, solange immer rund um die Insel zu fliegen, bis ich alle Fotobatterien leer geknipst hätte und endlich nicht mehr darüber jammern würde, dass ich schon wieder irgendetwas nicht ordentlich aufs Foto bekommen hätte.

Die Idee gefiel mir auch und gegen 14h schwangen wir uns auf die Räder und radelten zum Flugplatz.
Ich habe zu Weihnachten ja so einen Fahrradhelm als Halskrause geschenkt bekommen, habe das erste Modell aber nach drei-vier Tagen Testtragen in eine Nummer größer umgetauscht, weil ich mir enorm eingeengt damit vorkam.
Jetzt habe ich Größe M, ein Modell, das nach Halsweitenmaßen eigentlich zu groß sein müsste, in dem ich mir aber immer noch eingepfercht drin vorkomme, ich fürchte, ich habe ein Problem mit Sicherheitskleidung.
Fahrradhelme lehne ich derart entschieden ab, dass man das Thema mit mir gar nicht diskutieren kann, wenn die verpflichtend eingeführt würden, würde ich wahrscheinlich das Fahrradfahren drangeben, weil das dann das kleinere Übel wäre. Die Dinger finde ich einfach nur ganz gräßlich und nein, auf keinen Fall will ich so etwas tragen, lieber stürze ich mich zu Tode oder in irgendein anderes Drama, bevor ich prophylaktisch so einen Helm trage, ich bin da einer rationalen Diskussion gegenüber nicht aufgeschlossen.
Deshalb kaufte K diesen Halskrausenhelm für mich, den ich als Option wenigstens bereit bin auszuprobieren - ich muss aber sagen, dass ich das Teil als Dauerlösung noch weit weg von akzeptabel finde. Auf der Fahrt zum Flugplatz musste ich einmal unterwegs anhalten, um eine akute klaustrophobische Attacke durch wildes Gezerre am Reißverschluss dieser Halskrause etwas abzumildern. Das Ding und ich - wir üben noch.

Das Wetter war hier auf Borkum übrigens deutlich schlechter als wahrscheinlich im Rest der Republik, es war auf alle Fälle das echte Gegenteil von gutem Fotowetter. Aber weil wir uns nun einmal vorgenommen hatten, einen Rundflug zu machen, haben wir das auch umgesetzt, haben in der Luft aber sehr schnell festgestellt, dass man diesen Rundflug zu allem benutzen kann - nur nicht als Fotoausflug.
So sah das Wetter aus der Luft aus - es war eigentlich hellichter Tag, aber heller wurde es nicht.

Das Flugzeug nahm das als persönliche Aufforderung und beschloss, für ein wenig technische Aufregung zu sorgen, das Fahrwerk ließ sich nämlich nicht mehr ausfahren, als wir landen wollten. Solche Zickereien von Flugzeugen, die grade in der Luft sind, sind lästig, weil man anders als beim Auto nicht mal eben rechts ranfliegen kann, um den Fehler zu beheben. Wir sind also erst mal dicht über den Tower geflogen und haben den Platzwart gebeten, uns über Funk zu sagen, ob er das Fahrwerk sieht, leider war zunächst nur das Bugrad ausgefahren, die anderen Räder hingen fest.
K probierte dann allerlei Tricks, schüttelte den Flieger in der Luft hin und her (weil, kann ja sein, dass nur irgendwo was klemmt), seit seiner Kunstflugausbildung ist er da recht fröhlich unterwegs, half aber nix, die Hydraulikpumpe meldete weiter Fehler. Es gibt aber noch einen Notschalter, den er dann betätigte und bei einem zweiten, tiefen Platzüberflug teilte uns der Lotse dann mit, dass jetzt alle drei Räder sauber ausgefahren wären und nix flattert, vorsichtshalber hat er uns dann aber die Grasbahn reserviert, weil besser aufm Bauch über Gras rutschen als über Asphalt. Die Feuerwehr, die der Platzwart auch schon mal vorsichtshalber anfordern wollte, hat K aber verhindert und meinte, wir würden das schon hinkriegen.
Hat auch alles problemlos funktioniert, das Fahrwerk war stabil draußen, allerdings scheint die Pumpe, die das Fahrwerk ausfährt, einen echten Schaden zu haben. Morgen fliegen wir deshalb wohl besser sehr langsam und mit dauerhaft ausgefahrenem Fahrwerk zurück, man sollte da lieber nix riskieren. K hat mittlerweile im Fliegerhandbuch auch schon gefunden, welche Sicherung für die Pumpe zuständig ist und wird die morgen erst mal rausdrehen, damit der schrille Warnton, den ein falsch ausgefahrenes Fahrwerk verursacht, aufhört, sonst kommen wir beide komplett taub in Münster an.

Am Abend hat K dann hier im Haus noch die Seitenwände für die Spülmaschine montiert, endlich haben wir also wieder eine fest eingebaute Spülmaschine, die nicht wackelt und nach vorne umkippt, wenn sie zu schwer beladen ist, hat nur sechs Monate gedauert. Aber immerhin, und dafür sind die neuen Seitenwände jetzt auch extra schön.
K hat sie nicht nur extra maßgefertigt sägen lassen, sondern auch außen besonders schön gemacht. Beide Holzwände haben weiß lackierte Kanten (mussten mehrfach lackiert und zwischen durch immer wieder geschliffen werden), die äußere Wand wurde zudem mit grünem Tafellack lackiert und die andere tapeziert, alleine diese Aktion hat ja schon ein paar Wochen gedauert, weil die Teile zwischendrin immer wieder trocknen mussten.
So sahen die Seitenwände vor dem Einbau aus

Ein Foto von der fertig eingebauten Spülmaschine folgt, erst muss noch der gesamte andere Rest drumherum schön sein.
Aber eingebaut ist sie jetzt schon, es geht deutlich voran
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Freitag, 15. Februar 2019
Kaiserwetter
Normalerweise bin ich ja mit der Kamera im iPhone vollständig zufrieden. Ich finde, sie macht wunderbare Fotos und hat vor allem den Vorteil, dass ich nichts einstellen oder arrangieren muss, ich drücke einfach nur auf den Auslöser und fertig. In den meisten Fällen fotografiert das iPhone das, was ich auch sehr.
Nur beim Fliegen, dann funktioniert das nicht so, wie ich mir das wünschen würde, denn das, was ich sehe, ist etwas deutlich anderes als das, was das iPhone fotografiert. Ich sehe nämlich deutlich weniger und deshalb den Rest deutlich schärfer, ich sehe keine spiegelnden Fensterscheiben und ich sehe den Propeller nicht, zumindest nicht beim Fliegen.
Beide Dinge irritieren das iPhone, deshalb sind die meisten Fotos leicht unscharf und irgendwie ist ständig der Propeller im Weg.
Na egal, ich knipse trotzdem, die Ergebnisse sind halt nicht so realistisch wie ich es gerne hätte, aber dann ist das ebenso.

Bei dem fantastischen Wetter heute, das auch das gesamte Wochenende halten soll, sind wir natürlich nach Borkum geflogen.
Die Sichten waren wirklich gut, schon lange vor der Küstenlinie konnte man die Insel sehr klar im Wasser erkennen.


Das ist leider nicht immer so. Wir hatten auch schon Tage, da tauchte die Insel erst auf, wenn man schon zum Landeanflug ansetzte, das ist dann ein seltsames Gefühl und braucht viel Vertrauen in die Unveränderlichkeit der Landschaft. Wenn da letzte Woche noch eine Insel war, dann wird da heute auch noch eine Insel sein, so oder ähnlich bereitet man sich dann auf den Landeanflug vor, man hat aber auch vorher mit dem Fluglotsen gesprochen, der einem versichert hat, dass er da sitzt wo er immer sitzt.
Das war heute alles nicht nötig, schon über Emden konnten wir Borkum erkennen und eigentlich auch alle anderen ostfriesischen Inseln, nur das iPhone, das taugte nicht zum Foto machen.

Nun ja.

Den Vormittag habe ich damit verbracht, die Buchhaltung vom Vater auf die Reihe zu kriegen. Privat Versicherte, bzw. Beamte, haben tatsächlich eine Menge mehr Arbeit als Angestellte, die die gesamten Abrechnungen ihrer Krankheitskosten einfach ignorieren können.
Beamte müssen nicht nur alle Arztrechnungen zunächst selber bezahlen, sie müssen dann auch noch an zwei Stellen (Versicherung und Beihilfe) die Erstattung ihrer Auslagen beantragen, es ist wahrlich mühsam.

Weil der Vater jetzt so viele Rechnungen bekommt und es so viele Anschriften gibt, an die die Rechnungen geschickt und verteilt werden, ist es eine potenziert komplizierte Angelegenheit.
Aber jetzt bin ich wieder à jour, hat nur vier Stunden gedauert.

Ansonsten fühle ich mich heute etwas malade, heute morgen bin ich zum Arzt gegangen, weil mein linker Unterschenkel ganz plötzlich sehr weh tat und zur Hälfte blau angelaufen war. Sah etwas beängstigend aus, vor allem, weil ich nirgendwo gegengelaufen oder gefallen war. Der Arzt meint, da sei eine Krampfader geplatzt und ich konstatiere mal wieder, dass ich alt werden blöd finde.

Morgen werden wir den Tag hier genießen und vielleicht endlich die Spülmaschine fest einbauen
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Sonntag, 10. Februar 2019
Zurück am Schreibtisch
Das Wellnesswochenende war eine wunderbare Auszeit, wir haben uns fest vorgenommen, so etwas zu wiederholen, es tut einfach gut, mal einen ganzen Tag lang, weit weg von allen Schreibtischverpflichtungen komplett abzuschalten.
Zwar dauert so ein Wochenende von Freitag-Sonntag und wir hatten ja auch zwei Übernachtungen dabei, aber trotzdem war nur der Samstag gänzlich frei von Bürokram. Am Freitag haben wir vorher gearbeitet - und heute am Sonntag sitzen wir alle beide seit unserer Rückkehr heute mittag schon wieder vorm PC, weil Fristen drohen, Dinge erledigt werden müssen und es insgesamt ja nichts bringt, den Rest des Lebens komplett auszublenden.

Fürs Finanzamt müssen theoretisch schon seit 2015 neben den normalen Steuererklärungen auch sogenannte E-Bilanzen elektronisch übermittelt werden. Die ersten Jahre habe ich mir da immer noch eine Ausnahmegenehmigung erwirkt, weil ich keine Software hatte, um die Bilanzen elektronisch zu übertragen, einfach eine E-Mail mit der Bilanz in Excel im Anhang ans Finanzamt zu schicken, reicht halt leider nicht.

Aber seit 2017 besteht das Finanzamt nun auf der elektronischen Abgabe der Bilanzen und ich musste schauen, wie ich das Problem irgendwie löse. Es geht hier natürlich mal wieder nur um CWs alte Gesellschaften, aber solange sie noch existieren, so lange müssen dafür auch Steuererklärungen und Bilanzen erstellt und (elektronisch) eingereicht werden.
Die Zahlen selber habe ich für 2017 alle schon ermittelt und in Excel zusammengestellt, jetzt geht es nur noch um die Technik, wie diese Zahlen ans Finanzamt übermittelt werden.

Ich habe mir deshalb bereits Mitte letzten Jahres ein Programm gekauft, mit dem die Übermittlung der E-Bilanz möglich ist, aber nach dem ersten Öffnen des Programms erfasste mich eine tiefe Verzweiflung, weil ich diese ganze, irre Zusortiererei der Daten nur gruselig finde und in innere Hassattacken gegen diese Behördenschikane verfalle.
Ich liefere ohne Probleme alle Zahlen für die Übermittlung, aber in welches Feld man die eintragen muss, wo man welches Häkchen zu setzen hat und welche Felder mit welchen Einträgen verknüpft sein müssen, das habe ich innerlich verweigert.
Es ist so ein völlig schwachsinniger Kram, der da erledigt werden muss, dass ich wie ein bockiges Kind davor stand und es einfach nicht machen wollte. Zumal man es nicht auch einfach "mal so" machen kann, denn wenn nur ein einziges Häkchen falsch gesetzt ist, verweigert der Finanzamtsserver die Annahme und es klappt nicht mit der Übermittlung.
Ich habe mich schon stunden- und tagelang durch dieses Elsterprogramm geflucht, die E-Bilanz-Version ist noch schrecklicher.
Heute hat sich dann K erbarmt, der zwar von dem ganzen Bilanz- und Steuerkram keine Ahnung hat, sich aber systematisch durch die Bedienungsanleitung des Programms gelesen hat, bei mir dann Stück für Stück die Daten abfragte, ausgesprochen geduldig rumprobierte, immer wieder "alle Daten prüfen" anklickte und dann nach und nach alle Fehlerhinweise abarbeitete - und tadaa, es funktioniert tatsächlich.
Zumindest für die erste Firma ist jetzt die 2017er Bilanz übermittelt, die anderen kriege ich dann auch noch hin, nach dem ich mit Ks Hilfe das Prinzip dieses Programms verstanden habe, komme ich nun auch alleine damit klar.
Hoffe ich.
Es bleibt aber ätzend.

Morgen um 8h habe ich zunächst einen Zahnarzttermin und im Anschluss warten im Büro dann diverse, dringlich wichtige, zeitkritisch und kurzfristig zu erledigende Arbeiten, irgendwie macht das Leben selber keine Pause
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Dienstag, 5. Februar 2019
Veränderungen
Beruflich scheint grade alles in eine Richtung zu laufen, die ich aktiv verweigere.
Ich fürchte, wenn sich das so verändert, wie es sich grade abzeichnet, dann werde ich mir für die letzten paar Jahre doch noch eine andere Beschäftigung suchen, weil ich zu alt, zu müde und damit viel zu desinteressiert bin, um mich noch irgendwo an irgendeiner Stelle auf irgendwelche Machtspielchen einzulassen.
Ich habe einen Kollegen in der Geschäftsführung, von dem habe ich keine besonders gute Meinung, weil er nur an seinen eigenen Projekten interessiert ist und dabei alle Neben-, Langfrist- oder Komplementärfolgen seiner Projekte ganz entspannt ignoriert und schulterzuckend erklärt, da müsse sich jemand anderes mit beschäftigen.
Ich finde, so führt man kein Unternehmen.
Auch wenn man nur für eine einzelne Unternehmenssparte verantwortlich ist, so hat man die (negativen) Folgen für andere Unternehmenssparten doch, verdammte Hupe, auch zu berücksichtigen und vor allem zu bedenken. Aber damit scheine ich wohl eine Mindermeinung zu vertreten, denn wenn man ständig auf andere Rücksicht nimmt, kommt die eigene Sparte ja nicht so gut voran, man selber kann sich nicht so gut profilieren und ist dann längst nicht so wichtig wie man gerne wäre, weshalb sollte man also unternehmensglobal denken und vor allem, weshalb sollte man menschlich denken?

Ich kann das also grundsätzlich verstehen, ich kann auch verstehen, dass man sich für andere Unternehmenssparten als die eigene überhaupt nicht interessiert, ist für mich alles nachvollziehbar, führt aber dazu, dass ich mit solchen Menschen ungern zusammenarbeite.

Ich finde, solche Leute sollten entweder irgendwo auf Sachbearbeiterebene gerne streng fokussiert auf ihre eigene Sparte brav vor sich hinarbeiten - oder in einem Unternehmen arbeiten, mit dem ich nichts zu tun habe.

Nun kann man sich nicht immer aussuchen, wer in dem Unternehmen, für das man selber tätig ist, sonst noch arbeitet, man kann sich aber aussuchen, ob man selber dauerhaft für ein Unternehmen arbeiten möchte, in dem vor allem die rücksichtslosen Egoisten besonders belohnt werden.

Es mag sein, dass man dann vielleicht gar keinen Job mehr hat, das Risiko sollte man einkalkulieren - aber wenn man nach kurzer Bedenkzeit dann feststellt, dass einem das auch egal wäre, weil man tatsächlich gar nicht mehr darauf angewiesen ist, dass man überhaupt einen Job hat, dann fühlt man sich ziemlich frei und das ist dann auch wieder ein ausgesprochen gutes Gefühl.

Mir fällt es tatsächlich relativ schwer, sinnlos Geld auszugeben, nur weil ich so viel Geld habe, dass ich nicht mehr auf meine Ausgaben achten müsste. Das mit dem Geld verschleudern ist für mich ein Problem.

Was ich aber sehr gut kann, ist, auf zusätzliche Einnahmen zu verzichten. Dass das per Saldo zum gleichen Ergebnis kommt, ist mir klar, ändert aber nichts an meiner Grundhaltung. Kein Geld zu verdienen ist mir eindeutig lieber, als viel Geld auszugeben.

Und wenn ich mir meinen Job, die Kollegen und die Rahmenbedingungen insgesamt mal ganz genau betrachte, dann stelle ich fest, dass der Job zwar wirklich gut bezahlt ist, dass eine Veränderung der Rahmenbedingunen aber sehr schnell dazu führen kann, dass er überhaupt keinen Spaß mehr macht und dann stellt sich für mich tatsächlich ernsthaft die Frage, ob eine gute Bezahlung das einzig wichtige Kriterium für das Beibehalten eines Jobs ist.

Da ich genau diese Frage schon zweimal in meinem Leben mit "Nein" beantwortet habe, werde ich jetzt für die letzten Jahre meiner beruflichen Tätigkeit nicht von dieser graden Linie abweichen.

Aber vielleicht rege ich mich auch ganz unnötig auf und der ungeliebte Kollege verlässt das Unternehmen einfach und alles wird gut. Falls er aber nur befördert wird und zusätzlich zu seinem bisherigen Job auch noch eine weitere Führungsposition im Mutterhaus bekommt (also nicht anstatt, sondern add on), dann wird es ganz sicher für mich Zeit, meine eigene Position einmal sehr gründlich zu hinterfragen
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Dienstag, 5. Februar 2019
Odd und seltsam
Grundsätzlich fände ich das Leben viel schöner, wenn ich nichts mit anstrengenden Menschen zu tun haben müsste, sondern heiter und ausgeglichen auf einer Welle fröhlicher Leichtigkeit durchs Leben gondeln könnte und dabei nur Menschen begegne, die genauso fröhlich, locker und entspannt drauf sind, wie ich das grundsätzlich gerne dauerhaft wäre - und wenn ich so über diesen Anspruch nachdenke, dann will mir einfach nicht in Kopf, warum das nicht gelingt, denn, wenn das jeder so wollte, dann wären wir doch eigentlich schon durch, oder nicht?

Was ich deshalb überhaupt noch nie verstanden habe, ist, wo all diese Mengen an seltsamen und anstrengenden Menschen herkommen? Ich meine, die können sich doch selber in ihrer Haut auch nicht wohl fühlen, denn wer möchte schon gerne selber anstrengend und seltsam sein? Okay, mag ein paar ganz wenige, einzelne Sonderkäuze geben, die sich darin gefallen, möglichst skurril zu sein, aber das sind doch ganz sicher nicht so viele Menschen, wie tatsächlich im echten Leben rumlaufen.

Ich verstehe es nicht, und ich fürchte, ich werde es auch nie verstehen. Denn das, was mir als völlig schräg und seltsam erscheint, das halten andere Menschen für normal - und umgekehrt. Wobei das "und umgekehrt" tatsächlich mein größeres, ganz persönliches Problem ist, denn ich fürchte, es gibt tatsächlich nicht wenige Menschen, die halten ausgerechnet mich für schräg und anstrengend - und das verstehe ich dann noch viel weniger als den Anfang dieser Überlegungen.

Dieser alte Witz "Ein Geisterfahrer? Nein, Hunderte!" - nie hatte er mehr Gültigkeit als beim Nachdenken über seltsame Menschen.

Themenwechsel

Im Mutterhaus ist doch neulich dieser Kollege verstorben, plötzlich und unerwartet und mitten aus der Arbeit raus war er weg und kam nicht wieder. Er war jetzt nicht nur im Mutterhaus in der Führungsebene beschäftigt, sondern war auch ehrenamtlich in allerlei Funktionen tätig und all diese Vereine und Gruppen haben ihm ausführliche Nachrufe hinterhergeschickt und in der Zeitung veröffentlicht. Nur die Personalabteilung aus dem Mutterhaus, die hat wohl außer einem 08/15 Text nix auf die Reihe gekriegt und darüber regte sich mein Chef erster Ordnung heute ausführlich auf.
Mir ist sowas ja ehrlich gesagt ziemlich schnurzepiep egal, denn der Kollege, der jetzt tot ist, kriegt es sowieso nicht mehr mit und da er weder Frau noch Kinder hinterlässt, wird es wohl auch sonst niemanden geben, der sich die Traueranzeigen ausschneidet und in ein Erinnerungsalbum klebt. Insofern finde ich einen 08/15 Text vollkommen ausreichend, man hat der Form Genüge getan und gut ist. Aber unser CEO fand es mal wieder ein bemerkenswertes Beispiel für die Unfähigkeit der HR-Abteilung, eine Feststellung, die er schon häufiger getroffen hat. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass es unter der Prämisse, dass die HR-Abteilung in solchen Dingen regelmäßig versagt, doch sehr klug wäre, er würde seinen eigenen Nachruf schon mal vorbereiten und prophylaktisch auf dem Server deponieren, dann könne wenigstens bei seinem Tod nichts mehr schiefgehen. Fand er nicht gut, den Vorschlag, ich fand das ausgesprochen pragmatisch.
Ich finde, alle Leuten, denen so ein Nachruf wichtig ist, sollten diesbezüglich rechtzeitig genug etwas vorbereiten, interessanterweise finden das ausgerechnet die Leute, denen so ein Nachruf wichtig ist, nicht wichtig. Schon schräg, oder?

Ansonsten habe ich heute Abend durch Zufall ein bisschen von "hart aber fair" im Fernsehen mitbekommen - und mich gewaltig über einen geschniegelten Oberfatzke aufgeregt, der einen solchen Bullshit von sich gab, dass ich am liebsten in den Fernseher gekrochen wäre, um den Typ höchstpersönlich aus dem Studio zu werfen. Dann wurde der Name eingeblendet und ich hatte ein kleines "ach deshalb"- Gefühl. Manchmal ist es ja richtig beruhigend, wenn man sich selber dabei beobachtet, dass man auch ohne zu wissen, wer es ist, immer auf denselben Typen gleich ablehnend reagiert. Gleichzeitig schließt sich hier aber auch der Kreis zu meiner ersten Fragestellung von oben: Wer bitte mag Jan Fleischhauer
?

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Sonntag, 3. Februar 2019
Alles erledigt
Der Tag verlief im Wesentlichen wie geplant, die Dinge, die erledigt werden sollten, wurden erledigt, ich habe alles geschafft und jetzt bin ich wieder in Greven, weil morgen wieder eine normale Bürowoche beginnt.

Das Wetter war heute wunderschön, strahlend blauer Himmel, ein paar dicke, weiße Kumuluswolken, K. schielte immer wieder ein wenig sehnsüchtig auf das Gafor (Fliegerwetter) und bemerkte mehr als einmal, dass wir heute auch sehr gute hätten fliegen können.

Sind wir aber nicht, wir sind gestern mit dem Auto gefahren, haben heute auf Borkum Vaters Fernseher ins Auto geladen und sind dann anschließend mit dem Auto wieder zurückgefahren, um unterwegs den Fernseher beim Vater im Seniorenheim abzuliefern und aufzubauen.

Auto ist sicherlich die langweiligere Variante für eine Reise nach Borkum und was die reine Reisezeit angeht dauert es auch noch deutlich länger, aber Auto ist die verlässlichere Variante und dieses Wochenende wollte ich unbedingt die Dinge erledigen, die ich jetzt erledigt habe. Gestern hätten wir ganz sicher nicht fliegen können, viel zu schlechtes Wetter, und dass es heute so gut geklappt hätte, das weiß man leider mit Sicherheit erst wenn es fürs Auto schon zu spät ist.
Aber es gibt ja noch genug weitere Wochenenden.

Wir haben heute auf alle Fälle den Fernseher beim Vater abgeladen und eingerichtet, jetzt kann er wieder etwas mehr am Weltgeschehen teilnehmen, obwohl es insgesamt ja wirklich nicht viel ist, was ihm da so von seinem Leben übrig geblieben ist.

Ich bin nach einem Besuch in dieser Seniorenwohnanlage immer ein wenig durch den Wind. Es ist übrigens eine gute Seniorenwohnanlage, zumindest hat sie viele gute Bewertungen im Netz und die Schwester und Pfleger sind wirklich alle sehr nett und nehmen sich auch Zeit für die Bewohner - aber nach einem Besuch in dieser Einrichtung brauche ich immer eine Weile, bis ich mich emotional wieder soweit zurechtgeruckelt habe, dass ich mich nicht doch vorsichtshalber lieber jetzt sofort und auf der Stelle schon mal von einer Brücke stürzen möchte, um ganz sicher so einem Leben zu entgehen.
Es ist ja nicht nur das Leben meines Vaters, was ich dort zu sehen bekomme, es ist das Leben von 80 anderen alten Menschen, die alle dort wohnen - und alle so leben und es gruselt mich.
Mich gruselt vorm Altwerden derart, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann.

Und noch mal, nein, es ist nicht die Einrichtung, es sind die alten Menschen selber, die mir diese Angst machen, denn in so einer Einrichtung leben eben nicht die feschen Alten, die ihren Alltag auch mit 90 noch komplett selbstbestimmt meistern, sondern halt die, die es gar nicht mehr können.
Und das ist schlimm. Ich finde es zumindest schlimm, denn es schwebt wie so ein Damoklesschwert über meiner Zukunft, weil ja niemand weiß, wie er selber enden wird.

Wir haben uns vom Vater verabschiedet als er zum Abendessen abgeholt wurde und fuhren im Sonnenuntergang nach Süden. Die Sonne ging also mal wieder rechts von uns unter und verpasste dem Himmel die herrlichsten Farbverläufe, ich nahm allerdings vor allem die Windmühlen war, die im Gegenlicht wie schwarze Geister ihre Arme in die Luft reckten und die vorbeihuschenden Bäume und Büsche deutlich dominierten

Das Foto gibt meine Stimmung auf der Rückfahrt schon sehr gut wieder
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