Samstag, 18. Juli 2026
Jens Spahn und Rente
anje, 23:43h
Um das, was mir grade aus aktuellem Anlass vor die Füße gefallen ist und heute intensiv durch alle Medien geistert, um das auch gleich als erstes zu kommentieren:
Jens Spahn ist für mich der Inbegriff eines Politikers, den man wirklich nicht gebrauchen kann, wenn man von der Politik eine offene, grade und transparente Kommunikation erwartet. Und zwar deshalb nicht, weil er selber davon überzeugt ist, dass Wasser predigen und Wein saufen keine Verfehlung ist, wenn es nicht illegal ist.
Der Typ hat tatsächlich keinerlei Unrechtsbewusstsein, weil er aus seiner Sicht nichts Verbotenes getan hat.
Er war gestern bei Paul Ronzheimer im Podcast und hat ausführlich dargelegt, dass er überhaupt nichts Illegales getan hat, weil blablablubb und dass für sein Privatleben andere Regeln gelten als für ihn als Mitglied einer Partei, wo er schließlich dem Fraktionszwang folgen müsse.
Ich meine, wenn die gewählten Abgeordneten eh nicht ihre persönliche Meinung vertreten dürfen, noch nicht mal öffentlich sagen dürfen, dass sie das privat anders sehen, ja warum besetzen wir die Posten dann nicht alle mit irgendwelchen KI-Chatbots, kommt dann doch aufs Gleiche raus und ist billiger.
Ich habe sehr selten politische Meinungen, weil es mir schwerfällt, mich in Positionen einheitlich festzulegen, wenn es sowohl für die eine als auch für andere Seite sehr gute Gründe gibt und ich beides nachvollziehen kann.
In diesem Fall habe ich deshalb sehr neugierig diesen Podcast angeklickt (war in einem Kommentar der Zeit verlinkt), weil ich unbedingt wissen wollte, wie Herr Spahn seine Sicht der Dinge darstellt und wieso sein Verhalten aus seiner Sicht kein Problem sein könnte.
Nach den 30 Minuten Podcast habe ich allerdings nur leicht fassungslos den Kopf geschüttelt und mich gewundert, wie sich so ein Mensch so lange so weit oben in der Politik halten konnte und was das für die Politik als System bedeutet.
Unabhängig davon, dass ich es niemals in Ordnung finde, ein Kind als Instrument zu benutzen, um sein persönliches Lebensglück zu finden, weil ich das extrem egoistisch und in gewisser Weise auch menschenverachtend finde, denn wie das Kind das findet (finden wird), derartig vereinnahmt zu werden, scheint allen Beteiligten ja völlig egal zu sein, schließlich wird es ab sofort mit Liebe überhäuft und was kann es sonst noch wollen.
Dass es später mit der Last leben muss: "Ich habe meine Karriere für dich geopfert." finde ich auch nicht unwichtig, genausowenig wie die Tatsache, dass es zwei ziemlich alte Elternteile hat (beide Mitte vierzig, wenn es Frauen wären, würde man sagen "äußerst spätgebärend" und wenn das Kind in die Pubertät kommt, sind seine Eltern beide fast 60, tja.) und es insgesamt schon vom ersten Tag seines Lebens durch die Umstände seiner sich selbst und ihr Lebensglück verwirklichen wollenden Eltern zu einem extrem exponierten, "anderen" Leben gezwungen wird, all das sind Gründe, die will ich nicht werten, denn das geht mich nichts an und wird irgendwann sowieso zwischen dem Kind und seinen Eltern diskutiert werden, not my cup of tea, aber dass einer unserer führenden Politiker ein derart bigottes Verhalten offensichtlich komplett in Ordnung findet, weil es ja nicht illegal ist, wenn man sich mit Kohle im Ausland etwas kauft, was im Inland nicht produziert werden kann, nun, das schockiert mich schon.
In diesem Fall ist es also der Mensch Jens Spahn als solches und die Partei, die so einem Menschen eine so exponierte, politische Verantwortung zugeschustert hat, die mich betroffen macht.
Ansonsten fühle ich mich von vielen politischen Themen oft nur eingeschränkt betroffen, weil ich sehr oft weiß, dass ich es eh nicht verhindern kann und meine Energie dann lieber in Lösungen stecke, wie ich für mich und meine Umgebung einen Weg finde, damit umzugehen, statt mich zu dem Thema selber zu positionieren.
Grundsätzlich gehe ich Themen auch lieber rational an und finde die oft emotional geprägte Auseinandersetzung damit nur anstrengend. Ja, ich weiß, viele Leute reagieren hier anders und in der Politik ist das offensichtlich auch kein üblicher Ansatz. Vielleicht entsetzt mich das Benehmen von Herrn Spahn deshalb auch so, er hätte es doch wissen müssen, verdammt!
Wirtschaftspolitik z.B. ist etwas, bei dem ich die volkswirtschaftlichen Aspekte und Folgen meist sehr gut überschauen und verstehen kann, aber überhaupt kein Interesse daran habe, mir zu überlegen, wie man unbeliebte, aber rational notwendige Beschlüsse politisch sinnvoll verkauft.
Sozialpolitik wird sehr häufig mit Wirtschaftspolitik verknüpft, in den meisten Fällen verdrehe ich die Augen, weil ich die Lösungen bzw. die notwendigen Folgen entweder komplett anders sehe oder komplett anders begründen würde.
Rente z.B. ist so ein Thema, wo ich wirklich nur noch die Augen verdrehen kann, weil ich die Kommunikation, die dazu stattfindet, hinten und vorne nicht begreife.
Dabei lässt sich die aktuelle Rentenformel doch wirklich mit einem Satz zusammenfassen:
Die Leute bekommen alle mehr raus als sie selber eingezahlt haben.
Da habe ich grundsätzlich gar nichts gegen, aber den allermeisten Rentnern ist nicht klar, dass ihre Rente zu einem Großteil auch nur eine Sozialleistung des Staates ist, die sie sich beileibe nicht selber verdient haben.
Wer also stolz darauf ist, nie dem Staat auf der Tasche gelegen zu haben, sollte sich spätestens als Rentner klar machen, dass er jetzt eben doch zu einem Gutteil vom Staat lebt.
Als ich Mitte der 80er BWL studierte und dabei unter anderem auch das Fach "Rentenberechnung" belegt hatte, wurde mir vor 40 Jahren schon klar, dass es vollkommen ausgeschlossen ist, dass das Konzept der damaligen (und bis heute immer noch aktuellen!) Rentenformel auf Dauer funktionieren kann. Es ist einfach mathematisch nicht möglich.
Aus genau diesem Grund habe ich mir von Anfang an maximal viel Mühe gegeben, so wenig wie möglich in die Rentenkasse einzuzahlen und mich stattdessen lieber um eine privat organisierte Altersvorsorge gekümmert. (Und nein, ich meine nicht mein Versorgungswerk, davon habe ich mich auch freistellen lassen.)
Ich würde das heute meinem damaligen Ich exakt genauso immer noch raten, auch wenn ich ehrlich gesagt schon ein wenig erstaunt bin, dass das Rentensystem immer noch so weiterläuft wie vor 40 Jahren, ich hätte schon viel eher damit gerechnet, dass es hier massive Änderungen gibt und sei es eben auch nur, dass die Renten auf ein entsprechendes Niveau gesenkt werden und jeder, der mehr haben will, dann eben Sozialhilfe/Aufstockung beantragt, oder von mir aus auch einfach nur zwei Bescheide bekommt: Einen Rentenbescheid mit dem Betrag, den er sich selber verdient hat und einen Sozialbescheid, in dem steht, wie viel ihm der Staat aus Steuermitteln dazugibt.
Es ärgert mich nämlich, wenn viele dieser gutbezahlten Rentner meinen, sie haben es sich selber verdient.
Ne, haben sie halt nicht.
Nach dem Krieg funktionierte das System der Rente allerdings noch bestens, da gab es kaum Rentner, dafür viele aktive Arbeitnehmer und so wurde kurzerhand der sogenannte "Generationenvertrag" erfunden, der besagt, dass aus den Beiträgen der aktiven Arbeitnehmer die laufenden Rentenzahlungen bezahlt werden. (Also das bis heute gültige Umlagesystem, weil ein Kapitaldeckungssystem aufgrund fehlender Einzahlungen vor dem Start damals bedeutet hätte, dass der Staat die fehlenden Beträge zuschießt, die er damals nicht hatte.)
Dass so ein Generationenvertrag nur funktioniert, wenn es deutlich mehr Arbeitnehmer als Rentner gibt, kann sich jeder sofort ausrechnen, wenn man weiß, dass das Rentenniveau grade eben noch mit 48% festgeschrieben wurde. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass ein durchschnittlicher Rentner knapp die Hälfte (48%) seines bisherigen Lohns als Rente bekommt. Da die Beiträge zur Rentenversicherung aber weniger als 20% betragen (18,6% zur Zeit), braucht es mehr als zweieinhalb aktive Arbeitnehmer, um einen Rentner zu bezahlen. Bei einer umgedrehten Alterspyramide und Rentnern, die eine immer längere Lebenserwartung haben, kann das nicht gutgehen.
Wenn man dazu noch bedenkt, dass wir große Mengen an Menschen haben, die nie oder nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben, aber natürlich gleichberechtigt mit verrentet werden, wird das Minus in der Rentenkasse noch größer.
Es reicht ja, wenn man nur überschlägig mit gerundeten Zahlen rechnet, damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie sich das mit der Rente und der Gegenfinanzierung durch Einzahlung errechnet, damit jeder nachvollziehen kann, dass heutige Rentner mehr Rente ausgezahlt bekommen als sie selber je eingezahlt haben.
Sagen wir also die Beiträge zur Rentenversicherung betragen 20% und die Rente beträgt nachher 50% des Arbeitslohnes, dann muss jeder Arbeitnehmer zweieinhalb mal länger arbeiten als er Rente bekommt, wenn die Rente aus seinen eigenen Einzahlungen bezahlen werden soll. (20% x 2,5Jahre = 50%).
Um 10 Jahre Rente zu beziehen, muss man also schon 25 Jahre in die Rente eingezahlt haben.
Wenn man sagt, dass ein Rentner vielleicht durchschnittlich 20 Jahre Rente bezieht, dann muss er 50 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt haben, um seine eigene Rente eingezahlt zu haben. Zinseszinseffekte nivellieren sich mit Lohn- und Rentenerhöhungen, das habe ich zur Vereinfachung unterstellt.
Und tja nun, aber 50 Jahre ist wohl eher kein typischer Einzahlungszeitraum und wenn man bedenkt, dass "besonders langjährig Versicherte" nach 45 Jahren Einzahlung schon mit 63 in Rente gehen (konnten?), heißt das, dass hier an beiden Seiten gekürzt wurde: Die Leute arbeiten kürzer und beziehen länger Rente - das kann nur funktionieren, wenn der Staat aus Steuermitteln aufstockt.
Für Akademiker, die teilweise erst mit 30 beginnen, in die Rente einzuzahlen, kann es überhaupt nicht mehr funktionieren und sonstige Rentenzahlungen für Nichteinzahler oder Nichteinzahlungszeiten (Ausbildung, Kindererziehung, Mütterrente) müssen logischerweise auch vollständig aus einem anderen Budget finanziert werden.
Um es noch mal klarzustellen: Es geht mir überhaupt nicht um die Höhe der Rente an sich, das ist mir ziemlich egal, ich finde es nur nicht okay, dass nicht ganz klar gesagt wird, dass der normale deutsche Rentner sich seine Rente nicht durch seine eigene Arbeit verdient hat, sondern dass ein Großteil aus ganz normalen Steuergeldern finanziert wird.
Genauso wie das Bürgergeld.
Aber wahrscheinlich habe ich nur völlig verdrehte Vorstellungen von dem, wie Politik kommuniziert und funktioniert. Ein bisschen beruhigt mich allerdings, dass sich auch Jens Spahn diesmal vertan hat
.
(Abgelegt in anjemerkt und bisher 46 x anjeklickt)
Jens Spahn ist für mich der Inbegriff eines Politikers, den man wirklich nicht gebrauchen kann, wenn man von der Politik eine offene, grade und transparente Kommunikation erwartet. Und zwar deshalb nicht, weil er selber davon überzeugt ist, dass Wasser predigen und Wein saufen keine Verfehlung ist, wenn es nicht illegal ist.
Der Typ hat tatsächlich keinerlei Unrechtsbewusstsein, weil er aus seiner Sicht nichts Verbotenes getan hat.
Er war gestern bei Paul Ronzheimer im Podcast und hat ausführlich dargelegt, dass er überhaupt nichts Illegales getan hat, weil blablablubb und dass für sein Privatleben andere Regeln gelten als für ihn als Mitglied einer Partei, wo er schließlich dem Fraktionszwang folgen müsse.
Ich meine, wenn die gewählten Abgeordneten eh nicht ihre persönliche Meinung vertreten dürfen, noch nicht mal öffentlich sagen dürfen, dass sie das privat anders sehen, ja warum besetzen wir die Posten dann nicht alle mit irgendwelchen KI-Chatbots, kommt dann doch aufs Gleiche raus und ist billiger.
Ich habe sehr selten politische Meinungen, weil es mir schwerfällt, mich in Positionen einheitlich festzulegen, wenn es sowohl für die eine als auch für andere Seite sehr gute Gründe gibt und ich beides nachvollziehen kann.
In diesem Fall habe ich deshalb sehr neugierig diesen Podcast angeklickt (war in einem Kommentar der Zeit verlinkt), weil ich unbedingt wissen wollte, wie Herr Spahn seine Sicht der Dinge darstellt und wieso sein Verhalten aus seiner Sicht kein Problem sein könnte.
Nach den 30 Minuten Podcast habe ich allerdings nur leicht fassungslos den Kopf geschüttelt und mich gewundert, wie sich so ein Mensch so lange so weit oben in der Politik halten konnte und was das für die Politik als System bedeutet.
Unabhängig davon, dass ich es niemals in Ordnung finde, ein Kind als Instrument zu benutzen, um sein persönliches Lebensglück zu finden, weil ich das extrem egoistisch und in gewisser Weise auch menschenverachtend finde, denn wie das Kind das findet (finden wird), derartig vereinnahmt zu werden, scheint allen Beteiligten ja völlig egal zu sein, schließlich wird es ab sofort mit Liebe überhäuft und was kann es sonst noch wollen.
Dass es später mit der Last leben muss: "Ich habe meine Karriere für dich geopfert." finde ich auch nicht unwichtig, genausowenig wie die Tatsache, dass es zwei ziemlich alte Elternteile hat (beide Mitte vierzig, wenn es Frauen wären, würde man sagen "äußerst spätgebärend" und wenn das Kind in die Pubertät kommt, sind seine Eltern beide fast 60, tja.) und es insgesamt schon vom ersten Tag seines Lebens durch die Umstände seiner sich selbst und ihr Lebensglück verwirklichen wollenden Eltern zu einem extrem exponierten, "anderen" Leben gezwungen wird, all das sind Gründe, die will ich nicht werten, denn das geht mich nichts an und wird irgendwann sowieso zwischen dem Kind und seinen Eltern diskutiert werden, not my cup of tea, aber dass einer unserer führenden Politiker ein derart bigottes Verhalten offensichtlich komplett in Ordnung findet, weil es ja nicht illegal ist, wenn man sich mit Kohle im Ausland etwas kauft, was im Inland nicht produziert werden kann, nun, das schockiert mich schon.
In diesem Fall ist es also der Mensch Jens Spahn als solches und die Partei, die so einem Menschen eine so exponierte, politische Verantwortung zugeschustert hat, die mich betroffen macht.
Ansonsten fühle ich mich von vielen politischen Themen oft nur eingeschränkt betroffen, weil ich sehr oft weiß, dass ich es eh nicht verhindern kann und meine Energie dann lieber in Lösungen stecke, wie ich für mich und meine Umgebung einen Weg finde, damit umzugehen, statt mich zu dem Thema selber zu positionieren.
Grundsätzlich gehe ich Themen auch lieber rational an und finde die oft emotional geprägte Auseinandersetzung damit nur anstrengend. Ja, ich weiß, viele Leute reagieren hier anders und in der Politik ist das offensichtlich auch kein üblicher Ansatz. Vielleicht entsetzt mich das Benehmen von Herrn Spahn deshalb auch so, er hätte es doch wissen müssen, verdammt!
Wirtschaftspolitik z.B. ist etwas, bei dem ich die volkswirtschaftlichen Aspekte und Folgen meist sehr gut überschauen und verstehen kann, aber überhaupt kein Interesse daran habe, mir zu überlegen, wie man unbeliebte, aber rational notwendige Beschlüsse politisch sinnvoll verkauft.
Sozialpolitik wird sehr häufig mit Wirtschaftspolitik verknüpft, in den meisten Fällen verdrehe ich die Augen, weil ich die Lösungen bzw. die notwendigen Folgen entweder komplett anders sehe oder komplett anders begründen würde.
Rente z.B. ist so ein Thema, wo ich wirklich nur noch die Augen verdrehen kann, weil ich die Kommunikation, die dazu stattfindet, hinten und vorne nicht begreife.
Dabei lässt sich die aktuelle Rentenformel doch wirklich mit einem Satz zusammenfassen:
Die Leute bekommen alle mehr raus als sie selber eingezahlt haben.
Da habe ich grundsätzlich gar nichts gegen, aber den allermeisten Rentnern ist nicht klar, dass ihre Rente zu einem Großteil auch nur eine Sozialleistung des Staates ist, die sie sich beileibe nicht selber verdient haben.
Wer also stolz darauf ist, nie dem Staat auf der Tasche gelegen zu haben, sollte sich spätestens als Rentner klar machen, dass er jetzt eben doch zu einem Gutteil vom Staat lebt.
Als ich Mitte der 80er BWL studierte und dabei unter anderem auch das Fach "Rentenberechnung" belegt hatte, wurde mir vor 40 Jahren schon klar, dass es vollkommen ausgeschlossen ist, dass das Konzept der damaligen (und bis heute immer noch aktuellen!) Rentenformel auf Dauer funktionieren kann. Es ist einfach mathematisch nicht möglich.
Aus genau diesem Grund habe ich mir von Anfang an maximal viel Mühe gegeben, so wenig wie möglich in die Rentenkasse einzuzahlen und mich stattdessen lieber um eine privat organisierte Altersvorsorge gekümmert. (Und nein, ich meine nicht mein Versorgungswerk, davon habe ich mich auch freistellen lassen.)
Ich würde das heute meinem damaligen Ich exakt genauso immer noch raten, auch wenn ich ehrlich gesagt schon ein wenig erstaunt bin, dass das Rentensystem immer noch so weiterläuft wie vor 40 Jahren, ich hätte schon viel eher damit gerechnet, dass es hier massive Änderungen gibt und sei es eben auch nur, dass die Renten auf ein entsprechendes Niveau gesenkt werden und jeder, der mehr haben will, dann eben Sozialhilfe/Aufstockung beantragt, oder von mir aus auch einfach nur zwei Bescheide bekommt: Einen Rentenbescheid mit dem Betrag, den er sich selber verdient hat und einen Sozialbescheid, in dem steht, wie viel ihm der Staat aus Steuermitteln dazugibt.
Es ärgert mich nämlich, wenn viele dieser gutbezahlten Rentner meinen, sie haben es sich selber verdient.
Ne, haben sie halt nicht.
Nach dem Krieg funktionierte das System der Rente allerdings noch bestens, da gab es kaum Rentner, dafür viele aktive Arbeitnehmer und so wurde kurzerhand der sogenannte "Generationenvertrag" erfunden, der besagt, dass aus den Beiträgen der aktiven Arbeitnehmer die laufenden Rentenzahlungen bezahlt werden. (Also das bis heute gültige Umlagesystem, weil ein Kapitaldeckungssystem aufgrund fehlender Einzahlungen vor dem Start damals bedeutet hätte, dass der Staat die fehlenden Beträge zuschießt, die er damals nicht hatte.)
Dass so ein Generationenvertrag nur funktioniert, wenn es deutlich mehr Arbeitnehmer als Rentner gibt, kann sich jeder sofort ausrechnen, wenn man weiß, dass das Rentenniveau grade eben noch mit 48% festgeschrieben wurde. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass ein durchschnittlicher Rentner knapp die Hälfte (48%) seines bisherigen Lohns als Rente bekommt. Da die Beiträge zur Rentenversicherung aber weniger als 20% betragen (18,6% zur Zeit), braucht es mehr als zweieinhalb aktive Arbeitnehmer, um einen Rentner zu bezahlen. Bei einer umgedrehten Alterspyramide und Rentnern, die eine immer längere Lebenserwartung haben, kann das nicht gutgehen.
Wenn man dazu noch bedenkt, dass wir große Mengen an Menschen haben, die nie oder nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben, aber natürlich gleichberechtigt mit verrentet werden, wird das Minus in der Rentenkasse noch größer.
Es reicht ja, wenn man nur überschlägig mit gerundeten Zahlen rechnet, damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie sich das mit der Rente und der Gegenfinanzierung durch Einzahlung errechnet, damit jeder nachvollziehen kann, dass heutige Rentner mehr Rente ausgezahlt bekommen als sie selber je eingezahlt haben.
Sagen wir also die Beiträge zur Rentenversicherung betragen 20% und die Rente beträgt nachher 50% des Arbeitslohnes, dann muss jeder Arbeitnehmer zweieinhalb mal länger arbeiten als er Rente bekommt, wenn die Rente aus seinen eigenen Einzahlungen bezahlen werden soll. (20% x 2,5Jahre = 50%).
Um 10 Jahre Rente zu beziehen, muss man also schon 25 Jahre in die Rente eingezahlt haben.
Wenn man sagt, dass ein Rentner vielleicht durchschnittlich 20 Jahre Rente bezieht, dann muss er 50 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt haben, um seine eigene Rente eingezahlt zu haben. Zinseszinseffekte nivellieren sich mit Lohn- und Rentenerhöhungen, das habe ich zur Vereinfachung unterstellt.
Und tja nun, aber 50 Jahre ist wohl eher kein typischer Einzahlungszeitraum und wenn man bedenkt, dass "besonders langjährig Versicherte" nach 45 Jahren Einzahlung schon mit 63 in Rente gehen (konnten?), heißt das, dass hier an beiden Seiten gekürzt wurde: Die Leute arbeiten kürzer und beziehen länger Rente - das kann nur funktionieren, wenn der Staat aus Steuermitteln aufstockt.
Für Akademiker, die teilweise erst mit 30 beginnen, in die Rente einzuzahlen, kann es überhaupt nicht mehr funktionieren und sonstige Rentenzahlungen für Nichteinzahler oder Nichteinzahlungszeiten (Ausbildung, Kindererziehung, Mütterrente) müssen logischerweise auch vollständig aus einem anderen Budget finanziert werden.
Um es noch mal klarzustellen: Es geht mir überhaupt nicht um die Höhe der Rente an sich, das ist mir ziemlich egal, ich finde es nur nicht okay, dass nicht ganz klar gesagt wird, dass der normale deutsche Rentner sich seine Rente nicht durch seine eigene Arbeit verdient hat, sondern dass ein Großteil aus ganz normalen Steuergeldern finanziert wird.
Genauso wie das Bürgergeld.
Aber wahrscheinlich habe ich nur völlig verdrehte Vorstellungen von dem, wie Politik kommuniziert und funktioniert. Ein bisschen beruhigt mich allerdings, dass sich auch Jens Spahn diesmal vertan hat
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