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Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 9. Juli 2026
Dringlichkeiten
Felix denkt darüber nach, ob man Dringlichkeiten ignorieren kann und ich fühle mich spontan angesprochen.

Denn selbstverständlich kann man Dringlichkeiten ignorieren, ich bin ein wandelnder Dringlichkeitsverweigerungsbeweis. Wobei, korrekterweise muss ich sagen, ich ignoriere sie nicht, ich verweigere sie.
Zumindest oft und vor allem alle selbstgemachten.

Wenn ich mich ge- oder bedrängelt fühle, legt sich bei mir automatisch irgendein Schalter innendrin um und ich reagiere mit: "Mach es doch selber." alternativ "Geh alleine, ich bleib hier." oder auch "Ach was, ich hab keinen Hunger, ich will nichts." Je nach Grund des Gedrängels, gibt es noch andere Varianten, gemeinsam ist allen, dass ich mich spontan selber aus dem Spiel nehme, wenn es mir zu eng wird.

Ich kann alles alleine, dann kann der Rest der Welt das auch.
Ich brauch euch nicht, ihr braucht mich nicht, lass mich in Ruhe.

Gleichzeitig lebe ich natürlich permanent mit ernstzunehmenden Todeslinien, mit denen ich nicht diskutieren kann und denen ich vollkommen egal bin.
Wenn ich eine Abgabefrist bis zum 10.7. habe, kann ich das zwar ignorieren, weiß aber auch um die Folgen und genau danach unterscheidet sich meine Reaktion auf Dringlichkeiten.

D.h. wenn ich die Folgen achselzuckend akzeptieren oder weglächeln kann, ist mir Frist samt Dringlichkeit herzlich egal.
Wenn die Fenster dringlich geputzt werden müssten, weil sie wirklich schon sehr schmutzig sind (oder weil das letzte Mal mehr als ein Jahr her ist oder weil die Schwiegermutter zu Besuch kommt, es gibt ja viele Gründe, warum Fenster dringlich geputzt werden müssten), dann kann ich diese Dringlichkeit wunderbar ignorieren, denn die Fenster sind bestimmt auch morgen noch dreckig und ich putze dann, wann ich will und nicht, wenn irgendwelche externe Vorgaben meinen, mich dazu nötigen zu müssen.

Wenn aber morgen eine Abgabefrist für irgendeinen wichtigen Sachverhalt ist, dann kann ich das akzeptieren. Dass Fristen und Termine bei mir meistens zu einer enormen Dringlichkeit führen, liegt daran, dass ich fast alles immer nur in der allerletzten Sekunde erledige, insofern ist die Dringlichkeit auch selbstgemacht, aber eben anders. Mit Ankündigung und vor allem neutral. Die Frist will nichts von mir, sondern ich will etwas von der Frist, nämlich sie einhalten.

So gesehen gibt es in meinem Leben also viele Dringlichkeiten und keine wird besser, wenn ich sie ignoriere, sondern im Gegenteil. Es handelt sich aber in allen Fällen um extern vorgegebene, ernstzunehmende Detleins ohne Spielraum und niemals um hausgemachte, verhandelbare Dringlichkeiten, die in fast allen Fällen ja in irgendeiner Form aus dem sozialen Gefüge entstanden sind, in dem man sich bewegt. Von denen sollte man sich nämlich nicht scheuchen lassen, dann werden es immer nur mehr und mehr.

Und ja, die, die man nicht verweigert, für die sollte man sich Zeit nehmen, um sie ordentlich zu erledigen
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