anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 24. Juli 2026
Ein wenig orientierungslos durch den Tag gestolpert
So Tage ganz alleine, die man nicht selber initiiert hat, weil man irgendwo alleine Dinge tun will, sondern die sich daraus ergeben, dass der andere Dinge ganz alleine tun will und man selber einfach nur zurückbleibt, solche Tage haben anfangs, so ein-zwei Stunden lang, einen angenehmen Geschmack von Freiheit, der dann aber sehr schnell fad wird und sich zieht wie ausgelutschter Kaugummi, wenn einem auffällt, dass einem selber gar nichts einfällt, was man endlich mal tun könnte, wenn man alleine ist.

Der Nachteil einer funktionierenden Beziehung ist die Tatsache, dass man keine Extrafreude daraus ziehen kann, wenn der andere endlich mal nicht da ist, weil es nichts gibt, bei dem die Anwesenheit des anderen stört.

Im Gegenteil, mir ist erstaunlicherweise sogar ausführlich langweilig, weil ich die Dinge, die ich eigentlich tun müsste, sollte oder könnte, weil ich die alle auf keinen Fall tun möchte, wenn ich alleine bin und niemand da ist, dem ich alle zehn Minuten erzählen kann, was ich jetzt wieder Tolles erledigt habe.

Und einfach nichts tun und rumgammeln, nun, das kann ich genausogut, wenn wir zu zweit sind, im Gegenteil, zu zweit fühle ich mich dabei immerhin nicht ganz so verlottert, weil man immer die beruhigende Gewissheit hat, dass man halt nicht ganz alleine so entsetzlich faul ist.

Um es kurz zu sagen: Es war ein komplizierter Tag. Ich stand mir selber ständig im Weg, weil ich ja so viel vorhatte, dann aber zu nichts Lust hatte und alles, wozu ich Lust hätte gehabt haben können, macht keinen Sinn, wenn man alleine ist, z.B. irgendwelche tolle Dinge kochen.

Der Hund benahm sich auch seltsam, ständig suchte sie ihr Herrchen und ließ mich vorsichtshalber keine Sekunde aus den Augen, damit ich ihr nicht auch noch wegkomme. Ein Stalker ist nichts dagegen.

Und offensichtlich hat sie kein Zutrauen in meine Kackhaufen-Findekünste, denn sie kackte vorsichtshalber so, dass es auch von weitem nicht zu übersehen war, sie hatte einen Mittelfingerhinweis produziert.

Ein Hundehäufchen mit Anzeiger

Am Nachmittag machten wir einen Spaziergang zum Hundestrand, wo aber nur Hunde waren, die alle keine Lust hatten, mit ihr zu spielen. Es war ein sehr frustrierender Ausflug für diesen Hund, der seinen hauptsächlichen Lebenssinn darin sieht, mit anderen Hunden rumzutollen. Weil, wofür sollte ein Hund sonst gut sein?

Sehr gerne gelesen haben ich einen Text vom Betonflüsterer:
Der Affe mit der Leinwand oder Der Depp mit der Wandfarbe

Morgen kommt K wieder - und ich freue mich schon sehr
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Donnerstag, 23. Juli 2026
Sturmfrei
Die Tagesaktivitäten bleiben überschaubar, auch wenn ich heute für meine Verhältnisse schon relativ früh geduscht und bekleidet war, denn K sagte, der Onkel würde um 10h kommen, um uns Erde und Holz zu bringen und da waren wir beide bemüht, um 10h wenigstens optisch empfangsbereit zu erscheinen. Man muss die spitzen Bemerkungen über das eigene Schluderleben ja nicht vorsätzlich provozieren.

Der Onkel hat einen sehr großen, Mehrkammer-Komposthaufen, der mehr Erde produziert als der Onkel auf seinem eigenen Grundstück unterbekommt, so dass er aus seinen Beeten regelmäßig die schäbbige, obere Erdschicht entnimmt, in Eimer füllt und zu uns bringt, bevor er die gute Komposterde bei sich verteilt.

Und wir nehmen auch die ausgelaugte Gartenerde gerne, denn bis unser Grundstück soweit aufgefüllt ist, dass es einigermaßen gleichmäßig ebenerdig ist, da können noch einige Kubikmeter Erde verteilt werden.

Heute brachte er also ein paar Eimer alte Erde und eine Kiste mit Holzabfällen, die wir in unserem Kaminofen verheizen. Die alten Insulaner sind alle so intensiv darauf gedrillt, dass man bloß niemals irgendetwas wegwirft, dass es das einfachste ist, das nicht zu diskutieren.

Am frühen Nachmittag brachte ich K zum Flugplatz, er muss zur Verlängerung seiner IFR-Lizenz noch ein paar Trainingsstunden absolvieren und hat sich morgen mit einem Fluglehrer verabredet, der ihn noch mal auf den aktuellen Stand bringen will.
Außerdem hat er für morgen Vormittag auch noch ein paar Termine am Bau vereinbart, wir sind ja jetzt schon seit einer Woche nicht mehr auf dem Festland.

Da er das zum Glück alles auch ohne mich erledigen kann, kann ich hier bleiben und genieße jetzt zwei Tage sturmfreie Bude. Ich gehe davon aus, dass mein Genuss vor allem darin bestehen wird, dass ich noch mehr verlotter als eh schon.

Nun denn
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Mittwoch, 22. Juli 2026
Endlich Zeit für den PC
Heute war es regnerisch und kalt, ideales Wetter, um sich drinnen um die liegengebliebene Buchhaltung und das Baucontrolling zu kümmern.

Es sind mehrere Rechnungen eingegangen, der Rohbauer hat sogar schon die Schlussrechnung vorgelegt, die müssen alle kontrolliert und bezahlt werden, es gab also einiges zu tun. Schlussrechnungen sind dabei immer besonders aufwendig, weil man sie sehr genau mit dem ursprünglichen Angebot und den endgültigen Aufmaßlisten vergleichen muss, ich war dementsprechend gut beschäftigt.

Nebenher mehrere Telefonate mit Architekt und Handwerkern, es gibt (natürlich!) wieder Terminunstimmigkeiten, einige Arbeiten sind noch nicht fertig, weshalb die Folgegewerke noch nicht anfangen können. Da muss jetzt wieder einiges verschoben werden, was aber im Sommer immer ein extra Problem ist, weil im Zweifel in der Zwischenzeit alle Urlaub machen. Nur ein paar Tage verschieben geht bei den meisten nicht, so dass einiges jetzt bis hinter die Sommerpause geschoben werden muss und so dauert jetzt alles wieder mal länger.

Am Nachmittag ein Besuch beim Onkel, der sofort die Gelegenheit nutzte und K für Hilfsarbeiten einspannte.

Außerdem habe ich mir nebenbei noch einen RSS-Feedreader eingerichtet, der sich über die iCloud synchronisiert, NetNewsWire, macht grundsätzlich einen okayen Eindruck.

Auch wenn es very late to the party ist, so werde ich also dann meine Blogs künftig nicht mehr über den Browser, sondern über den RSS-Feed lesen.
Warum ich da erst jetzt drauf komme, weiß ich auch nicht so genau, aber nun ja, ich fand es die letzten 20 Jahre unter meinem Stein offensichtlich auch ausreichend gemütlich.

Vorgenommen habe ich mir dazu, künftig häufiger auf gute Beiträge in anderen Blogs zu verweisen, wenn ich jetzt einen Feedreader habe, finde ich die ja sogar wieder, um sie zu verlinken.

Meine heutige Leseempfehlung ist ein Text von Thorsten Dewi, der sehr genau herausarbeitet, welche Probleme wir uns selber dadurch machen, dass wir ja um Himmels willen ganz sicher nicht nirgendwo irgendwie jemals irgendwen diskriminieren oder sonstwie an einer geschützten Position angreifen wollen
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Dienstag, 21. Juli 2026
Arzttermin vereinbart
Aktuell bin ich von einer intensiven Müdigkeit befallen, wir haben noch nicht mal acht Uhr abends und ich fühle mich komplett bettreif.

Wirklich viel geschafft habe ich heute auch nicht, die Dinge, die ich am PC erledigen muss, werden langsam mehr, genauso wie meine intensive Müdigkeit, es ist verhext.

Ein bisschen was habe ich heute zwar doch geschafft, aber natürlich vor allem prokrastinierten Kram, der nicht dringlich war, das mit der Selbstdisziplin wird im Alter nicht besser, eher im Gegenteil, ich könnte nonstop über mich selber seufzen.

Eine Sache habe ich dann heute aber doch erledigt: Ich habe einen Vorsorgetermin bei der Frauenärztin vereinbart und das ist insoweit erwähnenwert, als dass genau diese Aufgabe seit exakt einem Jahr auf meiner to-do-Liste steht. Vor einem Jahr bekam ich eine E-Mail mit der Auffordrung, einen Termin zu vereinbaren, aber leider ist es mir erst heute gelungen, das auch wirklich zu erledigen.

Es ist jetzt nicht so, dass ich das komplett vergessen hätte, überhaupt nicht, das Bewusstsein, dass ich doch wirklich unbedingt diesen Termin vereinbaren müsse, schlummert seit einem Jahr latent bei mir im Hinterkopf und meldete sich auch regelmäßig zwischendurch, aber natürlich immer nur dann, wenn die Praxis grade geschlossen hatte und ich nicht im selben Moment, wo ich mal wieder aktiv dran dachte, dort anrufen konnte.

Seit genau einem Jahr schiebe ich das also vor mir her - und heute habe ich es endlich geschafft, diesen Termin telefonisch zu vereinbaren.
Insgesamt habe ich also einen der jährlichen Vorsorgetermine übersprungen, im Grunde bin ich ab sofort wieder gut im Rhythmus.

Erledigt habe ich diese ungemein komplexe und zeitaufwändige Aufgabe, weil ich heute die nächste E-Mail mit der Erinnerung für den diesjährigen Termin bekam, und immerhin war ich diesmal klug genug, wirklich SOFORT dort anzurufen und es nicht auf später zu verschieben, bis die Praxis wieder geschlossen hat.

Sonst ist nichts Besonderes passiert, ich konnte mich vor lauter Müdigkeit aber auch zu nichts aufraffen
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Montag, 20. Juli 2026
Gartenhaus aufgeräumt
Eigentlich wollte ich heute Dinge am PC erledigen.

Aber dann schlug K vor, dass wir das neue Gartenhaus endlich mal vernünftig einräumen könnten und weil ich das schon seit langem möchte, aber alleine etwas überfordert bin, weil es eine Menge Dinge körperlich zu bewegen gibt und dabei geht mir dann zu schnell die Puste aus, weil ich dazu also Hilfe brauche, habe ich mich über Ks Vorschlag natürlich gefreut und sofort alle anderen Pläne für den Tag sausen lassen.

Jetzt am Ende des Tages ist nicht nur das Gartenhaus, sondern auch der Fahrradschuppen schon ziemlich gut aufgeräumt, es müssen noch ein paar Haken angebracht werden, damit es wirklich perfekt ist, aber insgesamt sieht es schon alles gut aus.

K hat dann auch noch den Rasen gemäht und wir haben die gepflasterte Fläche vor dem Küchenfenster versuchsweise möbliert, das wird nachher alles ziemlich schick.

Da aber noch einige Kubikmeter Erde dort langtransportiert werden müssen, um hinterm Haus alles passend aufzufüllen, ist das alles erst mal nur provisorisch, aber auch wenn es nur für eine Übergangszeit ist, so freue ich mich doch, dass es jetzt deutlich besser aussieht als vorher.

Das mit dem Kram am PC erledigen, das probiere ich dann morgen noch mal
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Sonntag, 19. Juli 2026
Nudelsalat und schlafen
Ganz offensichtlich habe ich in der letzten Zeit ein Schlafdefizit aufgebaut, was sich heute energisch Bahn brach und dafür sorgte, dass ich mich am Nachmittag für ein kurzes Mittagsschläfchen ins Bett legte - und eben erst wieder aufwachte.
Da ich aber merke, wie sich jetzt bereits die abendliche Bettschwere bemerkbar macht, nutze ich die kurze Wachphase zwischen Mittagsschlaf und richtigem Insbettgehen für diese Zwischenmeldung, da ich eh nur einen halben Tag lang wach war, gibt es auch nicht sehr viel zu erzählen.

Als ich nach dem Aufstehen in die Küche kam, freute ich mich darüber, dass K schon alles saubergemacht hatte und bekam Lust, alles sofort wieder einzudrecken. Damit K sich nicht beschwert, sondern meine Küchenverdreckung freudig unterstützt, habe ich mir überlegt, dass ich doch mal wieder Nudel- und Kartoffelsalat machen könnte.

Das ist nicht ein Salat, also kein Nudelkartoffelsalat, sondern zwei, Nudelsalat für K und Kartoffelsalat für mich, weil ich Nudelsalat nicht mag, dafür aber Kartoffelsalat, den K zwar auch mag (weil er längst nicht so essenspingelig ist wie ich), aber eben nicht so absolut supergerne begeistert wie Nudelsalat.

Wenn man K nach seinem Lieblingsessen fragt, wird Nudelsalat sehr weit oben stehen, er muss aber vorzugsweise genau so gemacht sein, dass er so schmeckt wie bei seiner Mutter.

Die festen Zutaten sind einfach: Gabelspaghetti, Kochschinken, Zwiebel, Erbsen und Champignons (die letzten beiden aus der Dose) und eben eine mayonnaisenartige Soße mit Zitrone.

Wenn Zitrone im Essen ist, steige ich grundsätzlich sofort und immer aus. Ich mag Zitrone ausschließlich in Getränken und in Eis, eventuell noch in Kuchen, da ich aber eh kein Kuchenfreund bin, kann man das vernachlässigen. Aber Zitrone in normalem, herzhaften Essen, urrrgh, ne, niemals ever je, das versaut sofort alles und ich rühre nichts mehr an.

Es gibt ja Menschen, die machen Salatdressing mit Zitronensaft, schüttttel, nein danke, ich möchte dann ganz bestimmt keinen Salat.
Zitrone auf Fisch - brrrrhhh wie schrecklich, warum muss man den Fisch so versauen?
Schon deshalb bin ich bei Ks Nudelsalat noch nicht mal in der Lage, die Soße abzuschmecken, weil ich sie rein wegen der Zitrone so eklig finde.

Im Laufe der Jahre hat er sich durch verschiedene von mir produzierte mayonnaisehaltige Soßenvarianten probiert, heute weiß ich in etwa, was ich tun muss, damit es so schmeckt, dass K zufrieden ist, obwohl er jedesmal sagt, dass seine Mutter die Salatsoße mit Büchsenmilch gemacht hat.
Man kann Mayonnaise auch aus Büchsenmilch machen, habe ich ergoogelt und ausprobiert, aber diesen Versuch fand K überhaupt nicht gelungen und mir war das entschieden zu aufwändig. Ich mache also stets eine klassische Mayonnaise aus Ei und Öl mit Salz, Pfeffer und Senf. Die Menge an Zitronensaft lasse ich K sehr gerne selber dazugeben, dann bin ich nicht schuld und damit es etwas flüssiger wird, kommt noch ein Paket Sahneyoghurt dazu, wenn K weiß, dass irgendwo Sahne drin ist, schmeckt es ihm sowieso immer.

Ich stellte also heute eine große Grundportion Mayonnaise her, aus 2/3 machte ich Nudelsalatsoße und aus dem Rest Kartoffelsalatsoße, die besteht im Wesentlichen aus Mayonnaise, in die man etwas Flüssigkeit aus dem Glas mit den eingelegten Gurken kippt.

Dann kochte ich Nudeln und Kartoffeln, sorgte dafür, dass sie nach dem Kochen wieder kalt wurden, schnibbelte die restlichen Zutaten klein und jetzt gibt es eine sehr große Schüssel Nudelsalat, einen glücklichen Westfalenmann und eine deutlich kleinere Schüssel Kartoffelsalat, weil ich nicht so viel essen kann wie K.

Damit sind meine Tagesaktivitäten aber auch schon fast umfassend beschrieben.
Wir waren dann noch zwei Stunden mit dem Hund am Strand, weil Bixas Züchterin grade zu Besuch auf der Insel ist und schrieb, dass sie am Hundestrand auf uns wartet. Bixa erkannte sie sofort wieder und wir waren komplett abgemeldet.

Leider hat die Züchterin einen anderen Hund mit in Urlaub genommen, also nicht Bixas Mutter, es wäre wirklich spannend gewesen zu beobachten, wie Bixa auf ihre Mutter reagierte hätte oder auch die auf sie, denn bei ihrem letzten Zusammentreffen im September letzten Jahres waren die Rollen noch sehr klar verteilt und unsere sonst so forsche Bixa wurde sehr klein und unterwürfig als ihre Mutter ihr klarmachte: Ich Chef, du nix.

Das Wetter ist zur Zeit nicht unbedingt strandmäßig, mit 18°C eher kühl und sehr windig, als es dann auch noch anfing zu regnen, sind wir wieder nach Hause gegangen.

Den Rest des Tages habe ich dann verschlafen, aus meiner Sicht war das heute ein sehr schöner Tag
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Samstag, 18. Juli 2026
Jens Spahn und Rente
Um das, was mir grade aus aktuellem Anlass vor die Füße gefallen ist und heute intensiv durch alle Medien geistert, um das auch gleich als erstes zu kommentieren:
Jens Spahn ist für mich der Inbegriff eines Politikers, den man wirklich nicht gebrauchen kann, wenn man von der Politik eine offene, grade und transparente Kommunikation erwartet. Und zwar deshalb nicht, weil er selber davon überzeugt ist, dass Wasser predigen und Wein saufen keine Verfehlung ist, wenn es nicht illegal ist.
Der Typ hat tatsächlich keinerlei Unrechtsbewusstsein, weil er aus seiner Sicht nichts Verbotenes getan hat.

Er war gestern bei Paul Ronzheimer im Podcast und hat ausführlich dargelegt, dass er überhaupt nichts Illegales getan hat, weil blablablubb und dass für sein Privatleben andere Regeln gelten als für ihn als Mitglied einer Partei, wo er schließlich dem Fraktionszwang folgen müsse.

Ich meine, wenn die gewählten Abgeordneten eh nicht ihre persönliche Meinung vertreten dürfen, noch nicht mal öffentlich sagen dürfen, dass sie das privat anders sehen, ja warum besetzen wir die Posten dann nicht alle mit irgendwelchen KI-Chatbots, kommt dann doch aufs Gleiche raus und ist billiger.

Ich habe sehr selten politische Meinungen, weil es mir schwerfällt, mich in Positionen einheitlich festzulegen, wenn es sowohl für die eine als auch für andere Seite sehr gute Gründe gibt und ich beides nachvollziehen kann.

In diesem Fall habe ich deshalb sehr neugierig diesen Podcast angeklickt (war in einem Kommentar der Zeit verlinkt), weil ich unbedingt wissen wollte, wie Herr Spahn seine Sicht der Dinge darstellt und wieso sein Verhalten aus seiner Sicht kein Problem sein könnte.

Nach den 30 Minuten Podcast habe ich allerdings nur leicht fassungslos den Kopf geschüttelt und mich gewundert, wie sich so ein Mensch so lange so weit oben in der Politik halten konnte und was das für die Politik als System bedeutet.

Unabhängig davon, dass ich es niemals in Ordnung finde, ein Kind als Instrument zu benutzen, um sein persönliches Lebensglück zu finden, weil ich das extrem egoistisch und in gewisser Weise auch menschenverachtend finde, denn wie das Kind das findet (finden wird), derartig vereinnahmt zu werden, scheint allen Beteiligten ja völlig egal zu sein, schließlich wird es ab sofort mit Liebe überhäuft und was kann es sonst noch wollen.

Dass es später mit der Last leben muss: "Ich habe meine Karriere für dich geopfert." finde ich auch nicht unwichtig, genausowenig wie die Tatsache, dass es zwei ziemlich alte Elternteile hat (beide Mitte vierzig, wenn es Frauen wären, würde man sagen "äußerst spätgebärend" und wenn das Kind in die Pubertät kommt, sind seine Eltern beide fast 60, tja.) und es insgesamt schon vom ersten Tag seines Lebens durch die Umstände seiner sich selbst und ihr Lebensglück verwirklichen wollenden Eltern zu einem extrem exponierten, "anderen" Leben gezwungen wird, all das sind Gründe, die will ich nicht werten, denn das geht mich nichts an und wird irgendwann sowieso zwischen dem Kind und seinen Eltern diskutiert werden, not my cup of tea, aber dass einer unserer führenden Politiker ein derart bigottes Verhalten offensichtlich komplett in Ordnung findet, weil es ja nicht illegal ist, wenn man sich mit Kohle im Ausland etwas kauft, was im Inland nicht produziert werden darf, weil er es als Politiker selber verboten hat, nun, das schockiert mich schon.

In diesem Fall ist es also der Mensch Jens Spahn als solches und die Partei, die so einem Menschen eine so exponierte, politische Verantwortung zugeschustert hat, die mich betroffen macht.

Ansonsten fühle ich mich von vielen politischen Themen oft nur eingeschränkt betroffen, weil ich sehr oft weiß, dass ich es eh nicht verhindern kann und meine Energie dann lieber in Lösungen stecke, wie ich für mich und meine Umgebung einen Weg finde, damit umzugehen, statt mich zu dem Thema selber zu positionieren.

Grundsätzlich gehe ich Themen auch lieber rational an und finde die oft emotional geprägte Auseinandersetzung damit nur anstrengend. Ja, ich weiß, viele Leute reagieren hier anders und in der Politik ist das offensichtlich auch kein üblicher Ansatz. Vielleicht entsetzt mich das Benehmen von Herrn Spahn deshalb auch so, er hätte es doch wissen müssen, verdammt!

Wirtschaftspolitik z.B. ist etwas, bei dem ich die volkswirtschaftlichen Aspekte und Folgen meist sehr gut überschauen und verstehen kann, aber überhaupt kein Interesse daran habe, mir zu überlegen, wie man unbeliebte, aber rational notwendige Beschlüsse politisch sinnvoll verkauft.

Sozialpolitik wird sehr häufig mit Wirtschaftspolitik verknüpft, in den meisten Fällen verdrehe ich die Augen, weil ich die Lösungen bzw. die notwendigen Folgen entweder komplett anders sehe oder komplett anders begründen würde.

Rente z.B. ist so ein Thema, wo ich wirklich nur noch die Augen verdrehen kann, weil ich die Kommunikation, die dazu stattfindet, hinten und vorne nicht begreife.
Dabei lässt sich die aktuelle Rentenformel doch wirklich mit einem Satz zusammenfassen:
Die Leute bekommen alle mehr raus als sie selber eingezahlt haben.

Da habe ich grundsätzlich gar nichts gegen, aber den allermeisten Rentnern ist nicht klar, dass ihre Rente zu einem Großteil auch nur eine Sozialleistung des Staates ist, die sie sich beileibe nicht selber verdient haben.
Wer also stolz darauf ist, nie dem Staat auf der Tasche gelegen zu haben, sollte sich spätestens als Rentner klar machen, dass er jetzt eben doch zu einem Gutteil vom Staat lebt.

Als ich Mitte der 80er BWL studierte und dabei unter anderem auch das Fach "Rentenberechnung" belegt hatte, wurde mir vor 40 Jahren schon klar, dass es vollkommen ausgeschlossen ist, dass das Konzept der damaligen (und bis heute immer noch aktuellen!) Rentenformel auf Dauer funktionieren kann. Es ist einfach mathematisch nicht möglich.
Aus genau diesem Grund habe ich mir von Anfang an maximal viel Mühe gegeben, so wenig wie möglich in die Rentenkasse einzuzahlen und mich stattdessen lieber um eine privat organisierte Altersvorsorge gekümmert. (Und nein, ich meine nicht mein Versorgungswerk, davon habe ich mich auch freistellen lassen.)

Ich würde das heute meinem damaligen Ich exakt genauso immer noch raten, auch wenn ich ehrlich gesagt schon ein wenig erstaunt bin, dass das Rentensystem immer noch so weiterläuft wie vor 40 Jahren, ich hätte schon viel eher damit gerechnet, dass es hier massive Änderungen gibt und sei es eben auch nur, dass die Renten auf ein entsprechendes Niveau gesenkt werden und jeder, der mehr haben will, dann eben Sozialhilfe/Aufstockung beantragt, oder von mir aus auch einfach nur zwei Bescheide bekommt: Einen Rentenbescheid mit dem Betrag, den er sich selber verdient hat und einen Sozialbescheid, in dem steht, wie viel ihm der Staat aus Steuermitteln dazugibt.

Es ärgert mich nämlich, wenn viele dieser gutbezahlten Rentner meinen, sie haben es sich selber verdient.
Ne, haben sie halt nicht.

Nach dem Krieg funktionierte das System der Rente allerdings noch bestens, da gab es kaum Rentner, dafür viele aktive Arbeitnehmer und so wurde kurzerhand der sogenannte "Generationenvertrag" erfunden, der besagt, dass aus den Beiträgen der aktiven Arbeitnehmer die laufenden Rentenzahlungen bezahlt werden. (Also das bis heute gültige Umlagesystem, weil ein Kapitaldeckungssystem aufgrund fehlender Einzahlungen vor dem Start damals bedeutet hätte, dass der Staat die fehlenden Beträge zuschießt, die er damals nicht hatte.)

Dass so ein Generationenvertrag nur funktioniert, wenn es deutlich mehr Arbeitnehmer als Rentner gibt, kann sich jeder sofort ausrechnen, wenn man weiß, dass das Rentenniveau grade eben noch mit 48% festgeschrieben wurde. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass ein durchschnittlicher Rentner knapp die Hälfte (48%) seines bisherigen Lohns als Rente bekommt. Da die Beiträge zur Rentenversicherung aber weniger als 20% betragen (18,6% zur Zeit), braucht es mehr als zweieinhalb aktive Arbeitnehmer, um einen Rentner zu bezahlen. Bei einer umgedrehten Alterspyramide und Rentnern, die eine immer längere Lebenserwartung haben, kann das nicht gutgehen.

Wenn man dazu noch bedenkt, dass wir große Mengen an Menschen haben, die nie oder nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben, aber natürlich gleichberechtigt mit verrentet werden, wird das Minus in der Rentenkasse noch größer.

Es reicht ja, wenn man nur überschlägig mit gerundeten Zahlen rechnet, damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie sich das mit der Rente und der Gegenfinanzierung durch Einzahlung errechnet, damit jeder nachvollziehen kann, dass heutige Rentner mehr Rente ausgezahlt bekommen als sie selber je eingezahlt haben.

Sagen wir also die Beiträge zur Rentenversicherung betragen 20% und die Rente beträgt nachher 50% des Arbeitslohnes, dann muss jeder Arbeitnehmer zweieinhalb mal länger arbeiten als er Rente bekommt, wenn die Rente aus seinen eigenen Einzahlungen bezahlen werden soll. (20% x 2,5Jahre = 50%).

Um 10 Jahre Rente zu beziehen, muss man also schon 25 Jahre in die Rente eingezahlt haben.
Wenn man sagt, dass ein Rentner vielleicht durchschnittlich 20 Jahre Rente bezieht, dann muss er 50 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt haben, um seine eigene Rente eingezahlt zu haben. Zinseszinseffekte nivellieren sich mit Lohn- und Rentenerhöhungen, das habe ich zur Vereinfachung unterstellt.

Und tja nun, aber 50 Jahre ist wohl eher kein typischer Einzahlungszeitraum und wenn man bedenkt, dass "besonders langjährig Versicherte" nach 45 Jahren Einzahlung schon mit 63 in Rente gehen (konnten?), heißt das, dass hier an beiden Seiten gekürzt wurde: Die Leute arbeiten kürzer und beziehen länger Rente - das kann nur funktionieren, wenn der Staat aus Steuermitteln aufstockt.

Für Akademiker, die teilweise erst mit 30 beginnen, in die Rente einzuzahlen, kann es überhaupt nicht mehr funktionieren und sonstige Rentenzahlungen für Nichteinzahler oder Nichteinzahlungszeiten (Ausbildung, Kindererziehung, Mütterrente) müssen logischerweise auch vollständig aus einem anderen Budget finanziert werden.

Um es noch mal klarzustellen: Es geht mir überhaupt nicht um die Höhe der Rente an sich, das ist mir ziemlich egal, ich finde es nur nicht okay, dass nicht ganz klar gesagt wird, dass der normale deutsche Rentner sich seine Rente nicht durch seine eigene Arbeit verdient hat, sondern dass ein Großteil aus ganz normalen Steuergeldern finanziert wird.
Genauso wie das Bürgergeld.

Aber wahrscheinlich habe ich nur völlig verdrehte Vorstellungen von dem, wie Politik kommuniziert und funktioniert. Ein bisschen beruhigt mich allerdings, dass sich auch Jens Spahn diesmal vertan hat
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