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Dienstag, 4. August 2026
Was ist Wohlstand
anje, 23:04h
Ich habe heute aus dem Hotel Matze die Folge mit Ulrike Herrmann gehört, hier der YouTube Link dazu
https://youtu.be/Li8jOBgDamM?si=M53kFuOLp-8R0qyJ
Ich mag Ulrike Herrmann vor allem wegen ihrer erfrischend pragmatischen Sicht auf wirtschaftliche Hintergründe und in diesem Gespräch mit Matze Hielscher hat sie sehr nachvollziehbar dargelegt, warum Putin niemals den Krieg mit der Ukraine beenden wird, denn dann ist er persönlich politisch ruiniert, egal ob er den Krieg gewinnt oder irgendeinem Friedensabkommen zustimmt.
Die russische Wirtschaft ist total zerstört, aber dass es den Russen zur Zeit schlecht geht, lässt sich sehr gut damit begründen, dass eben Krieg ist.
Wenn aber kein Krieg mehr ist, ist die Wirtschaft trotzdem immer noch kaputt und das ist dann echt schlecht zu erklären.
Ein mehrfach aufgegriffenes Thema war auch die völlig ungerechte Besteuerung von Superreichen im Vergleich zu der Masse der Bevölkerung insbesondere im Bereich der Erbschaftsteuer. Damit rennt sie bei mir natürlich offene Türen ein, denn darüber rege ich mich auch regelmäßig auf.
Interessant ist, dass nach Umfragen aber tatsächlich die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Erhöhung der Erbschaftsteuer ist, was vor allem deshalb skurril ist, weil der Mehrheit der Bevölkerung von einer Reform oder Erhöhung der Erbschaftsteuer überhaupt nicht betroffen wäre, vor allem nicht, wenn die besonders kritiserten Ungerechtigkeiten abgeschafft würden.
Und trotzdem sind die meisten dagegen. So wie die meisten auch eine Vermögensteuer ablehnen, eine Steuer, die ich auch sofort wieder erheben würde, wenn ich etwas zu sagen hätte.
Sie erwähnte den französischen Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Zucman, der ein Steuermodell entwickelt hat, in dem es 2% Vermögensteuer gibt, auf die aber die gesamte gezahlte Einkommensteuer angerechnet wird. Ich finde das eine geniale Idee und wäre sofort dafür.
Ich habe in dem Zusammenhang auch über Wohlstand nachgedacht und dass es so unendliche viele verschiedene Varianten und Sichtweisen gibt, wie Wohlstand definiert wird.
Ich glaube, die Definition, die mir am besten gefällt, ist, dass Wohlstand eine Vergleichsgröße ist. Und zwar interessanterweise nach unten.
So lange es noch (ausreichend) Menschen gibt, denen es deutlich schlechter geht als mir, bin ich wohlhabend, aber nicht reich, denn reich sind natürlich nur die, die mehr haben als ich und davon gibt es auch immer welche.
Interessanterweise stellt sich in Umfragen ja immer wieder heraus, dass die meisten Menschen mit ihrer individuellen, persönlichen Situation durchaus zufrieden sind, aber trotzdem der Meinung sind, mit Deutschland geht es bergab.
D.h. die meisten Menschen meinen, sie gehören zu der Gruppe "über dem Durchschnitt", das ist also nicht nur bei der Beurteilung der eigenen Autofahrerskills so, sondern auch bei der Beurteilung des eigenen Wohlstands.
Deshalb braucht man auch immer eine Gruppe von Menschen, denen es sichtbar schlechter geht, damit man sich selber einbilden kann, zur Elite zu gehören. Die Menschen sind in der Mehrzahl doch ziemlich bescheuert.
Gut fand ich auch die Aussage, dass Wohlstand in einer Volkswirtschaft durch technischen Fortschritt entsteht und nicht durch Arbeit. Denn die Leute in den Entwicklungsländern arbeiten im Zweifel alle mehr als wir, haben aber weniger Wohlstand. Sogar weniger als jeder Arbeitslose Hartz4-Empfänger bei uns.
Das ist eine solche Binse, dass man nur staunen kann, dass das nicht jedem absolut klar ist.
Das Problem ist nur, dass wir uns hier in Deutschland sehr lange auf unseren Lorbeeren aus dem letzten Jahrtausend ausgeruht haben und dabei wurde glatt vergessen, dass technischer Fortschritt permanent gefüttert und gefördert werden muss. Ich sach mal so: Nicht nur die Bahn leidet unter einem Instandhaltungsstau und schlecht entwickelter Infrastruktur.
Wenn man jetzt sagt, dass eine Volkswirtschaft 100% Wohlstandsgewinn erwirtschaftet, von dem sich aber das reichste 1% der Leute 80% schon mal vorab einsteckt, dann bleibt für den Rest der Bevölkerung zwar immer noch Wohlstandsgewinn übrig, aber warum geben die sich mit so einem kläglichen Rest zufrieden? Weil es immer noch mehr ist als gar nichts?
Und warum wählen Menschen die AFD? Die hat neoliberale Wirtschaftsvorstellungen, mit denen wird alles noch viel schlimmer, das ist doch so einfach zu sehen.
Sagte ich schon, dass ich die Mehrheit der Menschen seltsam finde?
Es gibt diesen Spruch: Wenn wir hier schon nicht gewinnen können, dann treten wir denen wenigstens den Rasen kaputt. -
Vielleicht ist das die beste Erklärung für alles
.
https://youtu.be/Li8jOBgDamM?si=M53kFuOLp-8R0qyJ
Ich mag Ulrike Herrmann vor allem wegen ihrer erfrischend pragmatischen Sicht auf wirtschaftliche Hintergründe und in diesem Gespräch mit Matze Hielscher hat sie sehr nachvollziehbar dargelegt, warum Putin niemals den Krieg mit der Ukraine beenden wird, denn dann ist er persönlich politisch ruiniert, egal ob er den Krieg gewinnt oder irgendeinem Friedensabkommen zustimmt.
Die russische Wirtschaft ist total zerstört, aber dass es den Russen zur Zeit schlecht geht, lässt sich sehr gut damit begründen, dass eben Krieg ist.
Wenn aber kein Krieg mehr ist, ist die Wirtschaft trotzdem immer noch kaputt und das ist dann echt schlecht zu erklären.
Ein mehrfach aufgegriffenes Thema war auch die völlig ungerechte Besteuerung von Superreichen im Vergleich zu der Masse der Bevölkerung insbesondere im Bereich der Erbschaftsteuer. Damit rennt sie bei mir natürlich offene Türen ein, denn darüber rege ich mich auch regelmäßig auf.
Interessant ist, dass nach Umfragen aber tatsächlich die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Erhöhung der Erbschaftsteuer ist, was vor allem deshalb skurril ist, weil der Mehrheit der Bevölkerung von einer Reform oder Erhöhung der Erbschaftsteuer überhaupt nicht betroffen wäre, vor allem nicht, wenn die besonders kritiserten Ungerechtigkeiten abgeschafft würden.
Und trotzdem sind die meisten dagegen. So wie die meisten auch eine Vermögensteuer ablehnen, eine Steuer, die ich auch sofort wieder erheben würde, wenn ich etwas zu sagen hätte.
Sie erwähnte den französischen Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Zucman, der ein Steuermodell entwickelt hat, in dem es 2% Vermögensteuer gibt, auf die aber die gesamte gezahlte Einkommensteuer angerechnet wird. Ich finde das eine geniale Idee und wäre sofort dafür.
Ich habe in dem Zusammenhang auch über Wohlstand nachgedacht und dass es so unendliche viele verschiedene Varianten und Sichtweisen gibt, wie Wohlstand definiert wird.
Ich glaube, die Definition, die mir am besten gefällt, ist, dass Wohlstand eine Vergleichsgröße ist. Und zwar interessanterweise nach unten.
So lange es noch (ausreichend) Menschen gibt, denen es deutlich schlechter geht als mir, bin ich wohlhabend, aber nicht reich, denn reich sind natürlich nur die, die mehr haben als ich und davon gibt es auch immer welche.
Interessanterweise stellt sich in Umfragen ja immer wieder heraus, dass die meisten Menschen mit ihrer individuellen, persönlichen Situation durchaus zufrieden sind, aber trotzdem der Meinung sind, mit Deutschland geht es bergab.
D.h. die meisten Menschen meinen, sie gehören zu der Gruppe "über dem Durchschnitt", das ist also nicht nur bei der Beurteilung der eigenen Autofahrerskills so, sondern auch bei der Beurteilung des eigenen Wohlstands.
Deshalb braucht man auch immer eine Gruppe von Menschen, denen es sichtbar schlechter geht, damit man sich selber einbilden kann, zur Elite zu gehören. Die Menschen sind in der Mehrzahl doch ziemlich bescheuert.
Gut fand ich auch die Aussage, dass Wohlstand in einer Volkswirtschaft durch technischen Fortschritt entsteht und nicht durch Arbeit. Denn die Leute in den Entwicklungsländern arbeiten im Zweifel alle mehr als wir, haben aber weniger Wohlstand. Sogar weniger als jeder Arbeitslose Hartz4-Empfänger bei uns.
Das ist eine solche Binse, dass man nur staunen kann, dass das nicht jedem absolut klar ist.
Das Problem ist nur, dass wir uns hier in Deutschland sehr lange auf unseren Lorbeeren aus dem letzten Jahrtausend ausgeruht haben und dabei wurde glatt vergessen, dass technischer Fortschritt permanent gefüttert und gefördert werden muss. Ich sach mal so: Nicht nur die Bahn leidet unter einem Instandhaltungsstau und schlecht entwickelter Infrastruktur.
Wenn man jetzt sagt, dass eine Volkswirtschaft 100% Wohlstandsgewinn erwirtschaftet, von dem sich aber das reichste 1% der Leute 80% schon mal vorab einsteckt, dann bleibt für den Rest der Bevölkerung zwar immer noch Wohlstandsgewinn übrig, aber warum geben die sich mit so einem kläglichen Rest zufrieden? Weil es immer noch mehr ist als gar nichts?
Und warum wählen Menschen die AFD? Die hat neoliberale Wirtschaftsvorstellungen, mit denen wird alles noch viel schlimmer, das ist doch so einfach zu sehen.
Sagte ich schon, dass ich die Mehrheit der Menschen seltsam finde?
Es gibt diesen Spruch: Wenn wir hier schon nicht gewinnen können, dann treten wir denen wenigstens den Rasen kaputt. -
Vielleicht ist das die beste Erklärung für alles
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