anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 12. August 2026
Geldgeschenke an Kinder
Der ich-werde-krank-Zustand ist unverändert, es wurde bisher nicht schlimmer, aber auch nicht besser, am Nachmittag war ich von diesem unsympathischen Schnoddergefühl so genervt, dass ich es mit einer Ibu beworfen habe, eine halbe Stunde später ging es mir schon deutlich besser. Ich bin immer wieder erstaunt, was Ibus so können, dabei tat mir ja nichts weh, ich fühlte mich einfach nur allgemein sehr jämmerlich.

Vorhin ließ die Ibu-Wirkung nach, sofort habe ich eine frische Ibu nachgelegt und gehe jetzt gleich wieder früh ins Bett, so ein festgefahrener Krankheitsanfang taugt zu gar nichts, noch nicht mal ausführlich Jammern mag ich darüber, sonst schäme ich mich vor mir selber.

Für die nächsten zwei Stunden bin ich also wieder fit, was mir gut passt, denn ich muss noch ein Gespräch verarbeiten, das ich mit einer Mandantin führte und jetzt immer noch darüber nachgrübele, warum Leute so sind wie sie sind.

Ich habe gestern zwei Stunden mit einer Mandantin telefoniert, die mir vorher eine lange E-Mail geschrieben hatte, weil sie ursprünglich mal plante, ihrer Tochter Geld zu schenken, dann ihre Meinung aber wieder änderte und jetzt doch gerne noch meine Meinung dazu wissen wollte.

Sie hatte bereits sehr ausführlich irgendeine KI dazu konsultiert, die ihr am Ende ausdrücklich davon abgeraten hat, der Tochter das Geld zu geben.
Denn die Tochter hat einen Mann, den die Mutter nicht leiden kann, weshalb die Mutter Sorge hat, dass der Mann sich die Kohle untern Nagel reißt, was der Mutter natürlich sehr missfiele.
KI sagt ihr also "tu's nicht" und im Grunde war sie mit diesem Rat sehr zufrieden. Weil sie aber seit fast 30 Jahren meine Mandantin ist und ich ihr beigebracht habe, keine größeren finanziellen Transaktionen zu tätigen, ohne mich vorher zu fragen (sie hat es auf die harte Tour gelernt), fragte sie dann vorher doch noch mal vorsichtshalber nach meiner Meinung.

Der Sachverhalt hat noch viel mehr Details, die tun aber nichts zur Sache, denn im Kern ging es um folgende Themen:

- Die Mutter findet, die Tochter kann nicht mit Geld umgehen, weil die sich Dinge kauft, die sich die Mutter nie kaufen würde, weil das in ihren Augen zu viel Luxus ist

- Die Mutter will unbedingt und hofft sehr, dass sich die Tochter wieder von diesem Mann trennt, den sie unmöglich findet

- Die Tochter tut eigentlich nie das, was die Mutter vernünftig findet, sondern immer das ziemliche Gegenteil.

Jetzt muss man allerdings noch dazu wissen, dass die Tochter kein durchgeknallter Freak ist, sondern nur einen Mann liebt, der frech zu ihrer Mutter ist und eben etwas weniger bürgerliche Idealvorstellungen hat als ihre Mutter.

Und: Die Mutter hat grade einen sehr hohen Geldbetrag aus dem Erbe ihrer eigenen Mutter bekommen, den sie selber aber eigentlich gar nicht braucht, weil sie längst alles hat, was sie sich so vom Leben wünscht.

Nach zwei Stunden hatte ich die Mutter dann aber doch überzeugt, dass es durchaus klug und sinnvoll ist, wenn sie ihrer Tochter jetzt schon mal Geld gibt und ich Mittel und Wege weiß, es so sicher zu übertragen, dass der freche Mann der Tochter es sich nicht unter den Nagel reißen kann.

Und dass ich es außerdem sehr sinnvoll fände, wenn sie ihren anderen Kindern bei der Gelegenheit dann auch allen den gleichen Betrag geben würde, erstens ist es gerecht und zweitens finde ich es sinnvoll, wenn man seinen Kindern schon in jungen Jahren ein Sicherheit vermittelndes Finanzpolster überträgt und sie das nicht erst dann als Erbe bekommen, wenn sie es eigentlich gar nicht mehr als Sicherheit brauchen.

So wie meine Mandantin selber, die zugibt, dass sie es schon ärgerlich fand, dass ihre Mutter bis zu ihrem Tod auf ihrem Geld saß, obwohl sie es eben auch selber gar nicht mehr brauchte, sie sich dagegen als junger Mensch schon sehr strecken musste bzw. sich einige Dinge nicht traute, weil sie die finanziellen Folgen fürchtete.

Das, was mich bei der ganzen Geschichte am meisten stört, ist die Tatsache, dass sie zunächst eine KI befragt hat, die ihr ausdrücklich abriet, ihrer Tochter das Geld zu geben. - Ich bin sehr sicher, dass wir hier einen Fall von akuter Arschkriecherei bei der KI haben.
Meine Mandantin wird ihre Fragen im Zweifel so formuliert haben, dass die KI sofort erkannte, dass die Mutter sich unwohl fühlt, wenn sie der Tochter das Geld gibt und es dann bei dem verhassten Schwiegersohn landet, weshalb es für die KI das einfachste war, sie in diesem Unwohlsein massiv zu bestärken und ihr zu raten, jedes Risiko zu vermeiden.

Diese Art von KI finde ich ganz gruselig. Didaktisch hochtrainierte Schleimscheißer - wenn sich so etwas verbreitet und die Leute sich von der KI ihre eigene Meinung gut formuliert aktiv unterstützen lassen, na, dann Prost Mahlzeit, dann hören wir sehr schnell wirklich auf, selber zu denken.

Was mich auch fasziniert ist die Tatsache, wie wenig es Eltern gelingt, ihre Kinder als selbstständige Lebewesen mit eigenen Wünschen, Vorstellungen, Meinungen und Werten zu akzeptieren.

Und dass es offensichtlich ein großes Problem ist, wenn man jemandem Geld schenkt, der sich dann davon etwas gönnt, was man sich selber nicht gönnen würde, weil man eine andere Einstellung zu Geld hat.

Es hat insgesamt also fast zwei Stunden gedauert, aber dann habe ich sie doch überzeugen können, dass es eine gute Idee ist, ihren Kindern jetzt schon mal Geld und Vertrauen zu schenken
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