anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 29. März 2023
Ohrenarzt und Unfall
Vorletzter Tag im Büro, heute mittendrin nur kurz unterbrochen durch meinen Termin beim HNO-Arzt. Auf dem Weg vom Büro zum Arzt fuhr ich durch die Rieselfelder, als ich von einem Einsatzwagen mit Blaulicht überholt wurde, der dann 300m weiter vorne stoppte, da lag nämlich ein umgefallener Müllwagen im Graben.
Dummerweise in dem Graben, der die Straße von den parallel verlaufenden Bahngleisen trennte und dadurch war einerseits die Straße nicht mehr komplett befahrbar, andererseits aber auch die Gleise nicht mehr nutzbar. Das sah alles sehr seltsam aus. Wie so ein riesengroßer Maikäfer auf dem Rücken, nur halt in LKW-Format, der Schiene und Straße gleichzeitig behinderte.

Ich konnte grade noch an dem Einsatzwagen vorbeifahren, hinter mir wurde die Straße dann komplett gesperrt. Es sah nicht so aus als wäre es zu Personenschäden gekommen, aber die sonstigen Umstände des Unfalls ließen auf einen Großschaden schließen.
Auf dem Rückweg bin ich natürlich wieder in die Rieselfelder abgebogen, dabei hatte ich mir vorgenommen, gleich von vornherein außen rum zu fahren, aber Gewohnheit und komplett verpeilt, da machste nichts dran. Ich durfte dann einen extra großen Umweg fahren, um die immer noch gesperrte Stelle zu umgehen.
Als ich allerdings weitere 4 Stunden später nach Hause fuhr, wieder genau an dieser Stelle vorbei, weil ich wieder nicht daran gedacht hatte, mir einen anderen Weg zu suchen, war alles geräumt, die Straße war befahrbar und man sah nur sehr seltsame Extralöcher im Graben und skurrile Schleifspuren.

Wenn man den größten Teil seines Lebens im Büro verbringt, ist so ein Ereignis ein echtes Erlebnis.

Der Besuch beim HNO-Arzt war in gewisser Weise, aber auch ein Erlebnis. Der Arzt schaute nämlich in mein Ohr, sagte, "Oha" , wandte sich zu der anwesenden Arzthelferin um und meinte: "Ich brauche einen Haken".
Mit dem angereichten Spezialinstrument porkelte er kurz in meinem Ohr rum, dann machte es plopp, die Welt um mich herum erhöhte ihre Lautstärke locker um 5 dB und er hielt mir einen dicken Klumpen verhärtetes Ohrenschmalz vor die Nase.

Das ging alles sehr schnell und sehr einfach, ich wurde als gesund entlassen und kann jetzt künftig den Fernseher wieder leiser stellen
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Dienstag, 28. März 2023
Bratkartoffeln
Puh, bin ich satt.
Genau genommen bin ich mehr als satt, überfressen trifft es besser, aber es war auch wirklich so lecker, dass ich nicht aufhören konnte zu essen solange noch was da war.
Es gab nämlich Bratkartoffeln zum Abendessen, von K höchstpersönlich Stück für Stück mit Liebe gebraten, bessere Bratkartoffeln habe ich noch nie je irgendwo gegessen, was allerdings kein Wunder ist, weil ich sonst niemanden kenne, der sich freiwillig soviel Mühe macht beim Bratkartoffelbraten wie mein Westfalenmann.
Dafür sind seine Bratkartoffeln aber auch wirklich die weltbesten Bratkartoffeln, es lohnt sich einfach, so viel Arbeit da rein zu stecken.

Ich hatte gestern einfach nur so und ohne konkrete Speiseplanabsicht mal einen großen Topf mit Pellkartoffeln auf Vorrat gekocht. Als ich heute Abend nach Hause kam, habe ich sie gepellt und dabei überlegt, was man daraus wohl machen könnte, als K in die Küche kam, die fertigen Pellkartoffeln sah und sich sofort freute, weil man aus kalten Pellkartoffeln ja wohl eindeutig nur Bratkartoffeln machen kann.
Er erklärte sich bereit, die Kartoffeln zu braten, also habe ich alle fertig gepellt und K die Küche überlassen.
K brät Bratkartoffeln wie andere Leute ein Schnitzel. Drei Minuten von jeder Seite, jede Kartoffelscheibe liebevoll von Hand sorgfältig ausgerichtet einzeln in der Pfanne platziert, Küchenwecker gestellt, nach drei Minuten wird gewendet, auch hier wird sorgfältig und in Einzelbehandlung jede Kartoffelscheibe einzeln gewendet. So nehmen die Kartoffelscheiben natürlich viel Platz weg in der Pfanne, bis alle vorgekochten Scheiben gebrachten waren, brauchte er heute Abend sechs Bratpfannendurchläufe.
K arbeitet nicht mit schwenken und Pfanneninhalt durchrütteln oder anderen grobmotorisch nur sehr ungenau definierbaren Bewegungen , Ks Bratkartoffeln werden in liebevoller Handarbeit Scheibe für Scheibe einzeln gebraten. Und werden so zu den leckersten Bratkartoffeln der Welt.

Sonst ist nicht viel passiert, wie auch, wenn man den größten Teil des Tages im Büro verbringt, für größere Abenteuer bleibt da einfach keine Zeit.

Am Vormittag ein längeres Vorstellungsgespräch, am Nachmittag eine sehr lange Besprechung im Zusammenhang mit dem großen Projekt in der Firma. Unter anderem nahm daran ein Landschaftsarchitekt teil, dessen Arbeiten mir gut gefielen, so dass ich die Gelegenheit nutzte, ihn im Anschluss an den Termin noch mal wegen meiner privaten Bauabsichten zu befragen.

Ich weiß jetzt, dass ich nicht einfach die Grube für den Keller ausbaggern und den Aushub am Rand des Grundstücks zu einem Deich aufschütten lassen kann, sondern dass ich vorher noch den Mutterboden unter dem künftigen Deich ausheben muss, weil das erstens das Gesetz so vorschreibt und zweitens die Statik. Wenn ich den Kelleraushub direkt auf den unvorbereiteten Untergrund kippe, wird die weichere Muttererde im Laufe der Zeit nachgeben und einsacken, dann habe ich einen schiefen Deich und das will ich ja auch nicht.
Außerdem gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, dass man auf Mutterboden nichts bauen darf, auch keine Deiche.
Finde ich gut, dass ich das vorher erfahre
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Montag, 27. März 2023
Pfau und Fassade
Gestern fiel mir nicht auf, dass eine Stunde fehlt, heute fühlt es sich an als fehlten mindestens zwei, ich hoffe, das kumuliert nicht weiter.

Gestern waren wir in Bielefeld, weil die Mutter Probleme mit ihrem iPad hatte und ich das durchs Telefon nicht reparieren konnte. Vor Ort ließ sich das Gerät dann durch einen Kaltstart davon überzeugen, doch wieder zu funktionieren, das war zum Glück einfach.
Die Technik wird nicht nur immer komplexer, sie wird leider auch immer unentbehrlicher. Mittlerweile fühlt es sich selbst für die Mutter schon sehr verloren an, wenn der Zugang zum Internet nicht mehr funktioniert.

Auf ihrem Balkon habe ich noch schnell die letzten Fotos vom sterbenden Pfau gemacht.

Ich habe ihr das Tier vor vielen Jahr mal als Balkondeko geschenkt, aber nun rafft der Rost rafft ihn dahin. In den Hals hat die Mutter schon einen Bleistift zur Verstärkung gesteckt, so hält er wenigstens den Kopf noch schön aufrecht.

Und dann war da noch dieses Haus, das ich unterwegs auf der Fahrt nach Bielefeld sah

Beim Vorbeifahren traute ich allerdings meinen Augen kaum, als ich die Rückseite des Hauses sah - bzw. eben nicht sah. Hier nimmt der Bauherr ganz offensichtlich Anleihen bei Herrn Potjomkin.


Und sonst so: Montage sind anstrengend
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Sonntag, 26. März 2023
Doch was geschafft
Als ich heute auf die letzte Woche zurückblickte, die gefühlt nur aus Stress und Büro und noch mehr Büro bestand, fiel mir auf, dass ich doch noch jede Menge nebenher erledigt habe, nur die Dinge, die seit Wochen auf meiner to-do-Liste stehen, die blieben unbearbeitet.
Vielleicht sollte ich mir also doch wieder angewöhnen, alles, was so erledigt werden muss, aufzuschreiben um es abhaken zu können, vielleicht gibt das ein besseres Gefühl.
Oder ist es genau umgekehrt, wenn ich es aufschreibe, geht die Prokrastiniererei erst richtig los?
Ich weiß es nicht, ich werde das beobachten.

Heute war mir danach, Dinge, die ich letzte Woche nebenbei erledigt habe, wenigstens nachträglich abzuhaken, also schreibe ich sie hier auf:
1. Ich bin für einen Termin in einer HNO-Praxis vorstellig geworden und habe ihn spontan für nächsten Mittwoch bekommen. (Wenn man weiß, wie sehr ich es hasse, solche Terminvereinbarungen zu erledigen, versteht man auch, weshalb ich es als erwähnenswerte Leistung hier aufführe.)
Ich war etwas sprachlos, dass das so schnell klappte, weil Facharzt und neue Patientin und nur Kasse usw., aber nein, nächsten Mittwoch habe ich einen Termin beim HNO-Arzt, weil ich gerne einmal abklären lassen möchte, ob die immer mal wieder auftretenden Symptome eines Hörsturzes, der sich zwar bisher regelmäßig wieder selber reparierte, normal sind oder ob sich da etwas ankündigt, was ich vorbeugend behandeln sollte.

2. Meine Schuhe vom Schuster abgeholt. Die Logistikprobleme beim Abholen sind die gleiche wie beim Hinbringen, aber auch das Abholen habe ich erfolgreich organisiert.

3. Neue Sommerreifen für mein Auto bestellt und für nächsten Freitag einen Termin zum Räderwechsel vereinbart, ich kann also gleich mit funkelnagelneue Sommerreifen nach Borkum fahren und habe das pünktlich zum anstehenden O erledigt.
Gefreut habe ich mich darüber, dass mir rechtzeitig genug einfiel, dass mir beim letzten Reifenwechsel gesagt wurde, dass die Sommerreifen ersetzt werden müssen, normalerweise vergesse ich so etwas ja, bis der Reifenwechsel selber ansteht und dann ist blöd. Jetzt fiel es mir aber bereits vor zwei Wochen wieder ein, ich rief also rechtzeitig genug beim Autoschrauber an, der die Reifen zwischen den Wechselterminen für mich aufbewahrt, und ließ ihn nachgucken, welche Größe Reifen denn nun genau für die Sommerreifenfelgen gebraucht werden (ist eine andere Größe als die Winterreifen, weil die Winterreifenfelgen noch von meinem alten Golf stammen, ist alles etwas kompliziert.) Diese Info gab ich dann zunächst an K weiter, der sich zwei Wochen lang damit beschäftigte, die tollsten, besten, preisgekröntesten und vor allem die leisesten Reifen dieser Saison rauszusuchen, denn K ist hier viel mehr engagiert als ich und findet vor allem leise das allerwichtigste Entscheidungskriterium.

Er stellte im Ergebnis fest, dass es einen Test in der Autobild gab und dass dieses Jahr Goodyear der Testsieger bei den Lautstärken (eigentlich müsste es hier Leisestärken heißen, oder?) ist und dass ich deshalb unbedingt nur Goodyearreifen fahren solle. Mir ist das eingeschränkt egal, ich möchte vor allem gute Reifen haben und wenn Goodyear jetzt leisere Reifen als Conti produziert, dann eben die. Zwischendurch war noch Pirelli im Rennen, was mir persönlich vor allem wegen des Namens gut gefiel. Elli Pirelli, an irgendwas erinnert mich das und ich hätte es hübsch gefunden, Pirellireifen zu fahren, dann kam aber raus, dass das ein alter Test war und dass Pirelli in der Autobild überhaupt ganz schlecht abschneidet und naja, dann eben kein Pirelli, Pech.

Bei den Goodyearreifen war dann nur das Problem, dass es von den in der Autobild getesteten Reifen zwei Versionen mit leicht unterschiedlicher Bezeichnung und stark unterschiedlichen Preisen gab und dass K nicht rauskriegen konnte, wo genau der Unterschied ist und welche nun leiser sind.

Ich rief dann kurzerhand bei Goodyear an und ließ mir erklären, dass die eine Nummer für die Vorjahrsversion steht und die andere für die aktuelle Version, die technischen Unterschiede aber marginal und die Dezibel bei beiden identisch seien. Weshalb die Vorjahresversion im Netz so viel teurer ist als die aktuelle Version, konnten sie mir bei Goodyear nicht erklären, sie vermuteten, dass es was mit Einkaufsmengen und Sonderangeboten zu tun hat.
Mit so viel beruhigendem Fachwissen ausgestattet musste ich dann nur noch nach dem günstigsten Preis für einen klar bezeichneten Reifentyp googeln und kaufte schließlich bei ebay, weil es dort noch einen 10% Sonderrabatt gab. Geliefert werden sie direkt an meinen Autoschrauber, der sie dann in Ruhe auf die Felgen ziehen kann, um nächsten Freitag nur noch die Räder zu wechseln. Es ist alles vorbildlich und pünktlich bearbeitet und organisiert, ich bin stolz auf mich.

4. Die Hausmesse von Nobilia besucht und mir ca. 98 ausgestellte Musterküchen angeschaut. Hier ging es mir so ähnlich wie neulich auf der Sanitärmesse: Immerhin weiß ich jetzt sicher, dass es bei den normalen Küchenbauern nichts gibt, was mich besonders vom Hocker haut. Dafür gibt es sehr viel, was mich immer nur genervt den Kopf schütteln lässt, nämlich Design-Shishi, der die Funktionalität beeinträchtigt und für solchen Blödsinn habe ich ja mal überhaupt kein Verständnis. Designs follows function ist so ziemlich der wichtigste Leitsatz, den ich nie müde werde zu zitieren, scheint aber für viele Designer keine Bedeutung zu haben - und für viele Küchenkäufer offensichtlich auch nicht. Eigentlich wusste ich vorher schon, was ich alles nicht will, immerhin weiß ich es jetzt ganz genau.

5. Die Baumesse in Münster besucht - und auch hier war der Besuch komplett entbehrlich, weiß man aber immer erst hinterher, einen Versuch war's wert.
Positiv zu vermerken ist immerhin, dass der Aufzugbauer, den wir schon im Rahmen der Auftragsplanung im Auge hatten, einen Stand auf der Messe hatte und wir jetzt einen persönlichen Kontakt haben und außerdem schon wissen, dass es verschiedene Plattformaufzüge gibt und auch welche, die nicht streng nach Krankenaufzug aussehen.

Und schließlich
6. habe ich jemanden gefunden, der mir aus der LED-Lampe, die ich auf dem Flohmarkt gekauft habe und einem großen, alten Stück Treibholz, was N auf Borkum gefunden hat, eine Treibholz-LED-Lampe gebastelt hat und ich bin sehr zufrieden damit. Als letzte Herausforderung muss K jetzt noch eine stabile Möglichkeit finden, die Lampe in der Decke über dem Esstisch auf Borkum zu befestigen, aber hier bin ich zuversichtlich, dass ihm das gelingen wird.

Die Idee, als Esstischlampe einen großen, alten Holzbalken mit LED-Beleuchtung aufzuhängen, kam mir schon vor längerem, als ich dann feststellte, dass man solche Lampen für Beträge ab 800€ aufwärts kaufen kam, war mir klar, dass ich die Idee irgendwie selbstgebastelt umsetzen muss, denn so ein Betrag für so eine Lampe ist einfach nur lächerlich.

Als erstes kaufte ich deshalb auf dem Flohmarkt eine längliche LED-Lampe und anschließend teilte ich allen Familienmitgliedern mit, sie mögen bei Spaziergängen auf der Insel bitte Ausschau nach einem passenden Stück Holz, das N dann auch irgendwann fand und stolz mitbrachte. Jetzt brauchte ich nur noch jemanden, der Lampe und Holz zusammenfügte und weil ich davon ausging, dass so jemand auf dem Festland leichter zu finden ist, nahm ich Holz und Lampe mit - und jetzt ist es fertig.


Hier liegt die fertig zusammengebaute Lampe auf dem Rücksitz meines Autos


Und hier auf meinem Wohnzimmerteppich, jetzt muss K nur noch das Problem des Anbringens lösen.

Insgesamt war es also eine ziemlich erfolgreiche Woche, vor lauter Stress im Büro habe ich das erst im Nachhinein bemerkt
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Samstag, 25. März 2023
Rumschlunzen, YouTube und Bewegen
Ein klassischer Start in einen freien Samstag: Nach dem Wachwerden zapfte K uns zwei Tassen Kaffee aus der Senseo-Maschine, brachte sie ins Schlafzimmer und wir tranken erst mal Kaffee im Bett, während wir Internetzeitung auf dem iPad lasen.
Eine Stunde später verschwand K kurz und kam dann mit zwei Gläsern frisch gepresstem Orangensaft zurück, den wir, weiter lesend im Bett liegend, ausgiebig genossen, die aktuellen Orangen haben eine sehr ausgewogene Balance zwischen süß-fruchtig-sauer.
Wenn möglich (=wenn zu vertretbaren Preisen erhältlich) sorge ich dafür, dass wir am Wochenende immer ausreichend Orangen im Haus haben, eine gute Orangensaftpresse finde ich inzwischen wichtiger als eine Kaffeemaschine.

Ich selber trinke üblicherweise nur noch eine Tasse (großer Becher) Kaffee am Tag, nämlich die, die mir K morgens ans Bett bringt.
Wenn ich darüber nachdenke, ist das auch so ein 15-Jahre Ding. Mit der Kaffeetrinkerei habe ich eigentlich erst in der Familienphase begonnen, dafür in dieser Zeit dann aber auch extrem. Zwischen 30-45 war Kaffee tagsüber mein Dauerbegleiter, mindestens zwei Kannen Kaffee gehörten zum Standard und ich war damals auch sehr pingelig, wie der Kaffee schmecken musste.
Abweichungen wurden stets nur mit großem Genörgel ertragen, Kaffee im Ausland war eine Katastrophe, je nach dem, wo ich unterwegs war, brachte ich regelmäßig meinen eigenen Kaffee mit. Zum Glück konnte ich es grade noch ertragen, wenn meine eigene Kaffeesorte in einer Frenchpress zubereitet wurde, am liebsten aber war mir eine Zubereitung in meiner eigenen Filtermaschine (auch das musste eine spezielle sein.)

Mit 45 habe ich die exzessive Kaffeetrinkerei dann schlagartig eingestellt, seit dem trinke ich tagsüber Tee. Kräutertee, egal welche Kräuter, am liebsten wild gemischt.
Zur Zeit sind aber mal wieder 15 Jahre um und ich bemerke, wie ich immer mehr nach Alternativen zu meinen Standardkräutertees suche.

Zurück zur Tagesbeschreibung, wir haben den Vormittag im Wesentlichen im Bett verbracht, zwischen Wachwerden und richtigem Aufstehen liegen am Wochenende gut schon mal drei-vier Stunden und ich liebe es, oder präziser ausgedrücki: Wir lieben es. K stellte heute fest, dass er früher (sein früher meint immer die Jahre, die er mit seiner Ehefrau verbracht hat), er bemerkte also heute, dass er während seiner Ehe nie im Bett rumgeschlunzt hat, da wurde morgens zackig aufgestanden und das Tagewerk begonnen.

Ich musste darüber sehr grinsen, denn natürlich beeinflusst man sich in einer Beziehung immer gegenseitig, K ist aber derjenige, der sich deutlich eher anpasst. Seine Ehefrau ist ein sehr disziplinierter Mensch, für die ist im Bett rumschlunzen ganz bestimmt etwas überhaupt nicht Akzeptables und deshalb kam so ein indiskutables Verhalten eben einfach nicht vor und K hätte sich nie getraut, dass einfach für sich selber einzuführen. Wobei es allerdings auch so ist, dass das Rumschlunzen zu zweit noch mal deutlich schöner ist als alleine.
In seinem früheren Leben war es also so, dass, wenn der erste aufstand, der andere auch sehr schnell anschließend aufstand, eben um sich nicht den Vorwurf des Rumschlunzens einzufangen.
In unserer Beziehung verhält sich das dagegen diametral entgegengesetzt. Knapp legt sich einer ins Bett, um sich etwas auszuruhen, wirft der andere auch sofort alle Klamotten von sich und kriecht ebenfalls ins Bett, bloß keine Sekunde gemeinsames Rumschlunzen verpassen.

Wir haben heute also den Vormittag im Bett verbracht und ich kam zwischendurch auf die Idee, K etwas auf YouTube zeigen zu wollen.

YouTube, das ist auch so ein Ding: Ich habe den Kindern schon vor über einem Jahr angeboten, dass ich die Kosten für einen Familienaccount übernehme, wenn sich jemand darum kümmert, YouTube werbefrei zu schalten. Alle finden die Werbung lästig, aber keiner hat Lust, sich darum zu kümmern, diesen blöden Account einzurichten, denn es ist offenbar eine recht umständliche Veranstaltung (also so einen Familienaccount einzurichten) und keiner weiß so genau, was man alles dabei beachten muss - und nun ja, dann eben nicht, so wichtig ist YouTube offenbar niemandem mehr. Ich finde das eine interessante Beobachtung.

Heute wollte ich aber unbedingt etwas auf YouTube gucken, nämlich so Turn- bzw Bewegungsvideos von Liebscher-Bracht, die waren im Hotel Matze Podcast zu Gast und ich bin natürlich neugierig geworden.

Immer, wenn ich so AnleitungsVideos auf YouTube ansehe, macht mich die Langsamkeit des Vortrags wahnsinnig. Das Beste an YouTube ist, dass man es auf 2fache Geschwindigkeit schalten kann, ich gucke YouTube Videos in 90% der Fälle in der maximal beschleunigten Fassung, die Originalversion macht mich total zappelig und aggressiv.

Also habe ich heute nach Liebscher Bracht auf YouTube gesucht, festgestellt, dass YouTube randvoll mit Videos von diesem Kanal ist und ich sinnvollerweise irgendeine Auswahl treffen muss, was ich zuerst sehen will.
Die Überschrift: "Meine drei Lieblingsübungen" fand ich gut, habe mir das Video auf dem iPhone im Schnelldurchlauf angesehen, fand die Übungen gut und wollte das Ganze dann auch K einmal vorspielen, damit der sich ebenfalls eine Meinung bilden kann. Wenn wir hier das große Turnen anfangen bzw. durchhalten wollen, geht es sicherlich zu zweit besser als alleine.

Wenn man zu zweit das gleiche YouTube Video gucken will, dann ist es am besten, wenn man das Video auf dem großen Fernsehbildschirm abspielt, wir liegen immer noch im Bett, also versuche ich, YouTube auf dem Schlafzimmer TV anzuwerfen.
Ich nutze dazu am liebsten die Synchronisation über AppleTV, damit lasse ich meinen Handybildschirm auf dem Fernseher anzeigen, hat bisher bestens funktioniert, scheint aber inzwischen von YouTube blockiert worden zu sei, was heißt, über einfache Bildschirmsynchronisation lässt sich YouTube nicht mehr auf den Fernseher bringen. Noch ein Punkt Abzug für YT.

Aber wir haben ja einen SmartTV, da kann ich YT auch direkt über den Fernseher aufrufen. Ist deutlich umständlicher als übers iPhone, weil man die Buchstaben für die Suche mühsam über eine virtuelle Tastatur eingeben muss, aber wenn es anders nicht geht, dann eben so.

Ich finde das Video, starte es und gehe auf Einstellungen, um die Geschwindigkeit hochzudrehen. Nächste Erkenntnis: Am TV ist das nicht möglich, es gibt schlicht den Menupunkt der Geschwindigkeitsverstellung nicht. WTF. Sehr genervt drücke ich nur noch den Ausschalter und gebe den Versuch, YouTube auf einem großen Bildschirm zu gucken, als gescheitert auf. Was ein Glück, dass ich dafür nicht auch noch Geld bezahle.

Ich zeige K das Video also auf dem iPad und grundsätzlich findet er die Idee dahinter genauso gut wie ich.
Ich kann alle Erklärungen, weshalb der Körper von diesen Übungen profitiert, rational verstehe und bin bereit, die passenden Bewegungsübungen jeden Tag für 7 Minuten in meinen Tag zu integrieren.

Sport ist ansonsten ja so gar nicht meins. Mir macht Sport schlechte Laune, ich habe es oft genug ausprobiert. Das war schon vor 50 Jahren so, vor 30 Jahren immer noch und hat sich bis heute nicht verändert.
Bei mir passiert weder was mit Endorphinen noch mit anderen Glückshormonen, bei mir passiert nur was mit zunehmender Aggression über mich selber, weshalb ich mich zu diesem Blödsinn quäle.

Um mir eine generelle körperliche Grundbeweglichkeit zu erhalten, habe ich es mal mit Yoga probiert, weil das ja offiziell kein Sport ist, es stellte sich aber heraus, dass das auch nichts für mich ist, ich bin ständig dabei eingeschlafen.
Yoga habe ich aus meinem Bewegungsplan also auch wieder gestrichen.

Jetzt versuche ich es mal mit den Dehnübungen von Liebscher-Bracht, ich muss sie nur komplett auswendig lernen, weil ich keine Lust habe, ständig ein Handyvideo nebenbei laufen zu lassen, aber die Übungen sind simpel und schnell zu begreifen, da sehe ich nicht das Problem. Aktuell besteht das größte Problem darin, dass man eine Ecke in einem Raum braucht, in der man seine Hände in einem bestimmten Winkel rechts und links an die Wand legen kann - so eine Ecke haben wir in unserem Haus aber nicht, in allen Ecken steht etwas oder es hängt etwas an der Wand, es gibt auf alle Fälle nirgendwo eine freie Ecke zum Turnen.
Das ist etwas ernüchternd, ich muss jetzt mal nachdenken, wie ich dieses Problem löse
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Dienstag, 21. März 2023
Ärgerliches und gute Serie
Der Tag bestand aus einer frühen Ankunft im Büro und einer späten Abfahrt aus dem Büro, dazwischen für zwei Stunden unterbrochen durch einen MRT-Termin, der mir die Info bescherte, dass die Schmerzen an meinem Daumen nicht zu ändern sind, jede Art von OP ist sinnlos, ich muss mich einfach damit arrangieren, dass ich rechts wenn möglich den Daumen nicht benutze.
Arthrose und Alter, kaputt und aussichtslos, nun denn.

K telefoniert seit 10 Tagen hinter unserem Architekten her, der stellt sich tot und ist nicht zu erreichen, sehr lästig.
Ein Angebot für den Rohbau liegt vor, völlig überteuert mit falschen Massen kalkuliert, wenn es nach mir geht, fliegt dieses Bauunternehmen jetzt schon mal raus und wir schreiben alles noch mal neu aus.

Was Positives:
Mariana Leky erwähnte neulich in dem Podcast, der mir so gut gefiel, dass sie die Serie "Six feet under" ganz toll fände und jetzt grade noch mal alle Folgen durchgeschaut hätte, was sie nur empfehlen könne.

Als absolutes Influencer-Opfer muss ich solchen Empfehlungen dann grundsätzlich immer und sofort folgen, da wir aber keinen Streamingdienst abonniert haben, habe ich die Serie kurzerhand gegoogelt, gelernt, dass es fünf Staffeln gibt mit je ca. 10-15 Folgen und dass man die völlig problemlos bei ebay kaufen kann.
Insgesamt sind das über 50 Stunden Film, ich habe rund 15 Euro für alle fünf Staffeln bezahlt und denke, das ist entschieden preiswerter als ein Netflix-Abo, denn mit dieser Serie werde ich die nächsten Monate gut beschäftigt sein.

Mittlerweile haben wir die ersten fünf Folgen gesehen und sind beide sehr zufrieden. Gute Serie, kann ich ebenfalls nur empfehlen.
Wir werden nach und nach alle Folgen ansehen, es war eine sehr gute Idee, diese Serie auf DVD zu kaufen, so sind wir unabhängig und niemand kann sie uns wieder wegnehmen, weil das Programm wechselt, wir nicht schnell genug alles angeschaut haben oder weil das Internet Schluckauf hat.
Offline Technik hat viele gute Seiten
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Montag, 20. März 2023
Trüber Tag und Rassismusgedanken
Tag-Nacht-Gleiche soll heute sein, was nur schwer zu erkennen war, da sich an einem derart trüben Tag wie heute nicht das Gefühl des Aufbruchs in die hellen Tage einstellen mochte.
Egal, es wird auf alle Fälle eindeutig Frühling. In Greven ist in der Straße mit den Zierkirschbäumen die Kirschblüte gefühlt über Nacht ausgebrochen, beim Büro in der Speicherstadt, immerhin 15km weiter südlich, gibt es ebenfalls jede Menge Zierkirschen, die sind dagegen aber noch komplett dunkel.

Dunkel war heute auch mein schwungloses Montagsgemüt, die sonstigen Nachrichten der allgemeinen Weltlage trugen wenig dazu bei, das zu ändern.

Apropos, Überleitung aus der Hölle, in der Verwaltung des Mutterhaus arbeitet ein dunkelhäutiger Mensch, der als "sie" angesprochen werden möchte, was dieser Mensch nicht müde wird zu betonen. Ob sich bei diesem Menschen unten rum ein Penis befindet oder nicht, weiß ich nicht, möchte ich auch gar nicht wissen. Ich wäre schon aufgrund der demonstrativ zur Show gestellten Körbchengröße DoppelD sowieso nie auf den Gedanken gekommen, hier ein anderes Pronomen als "sie" zu verwenden.
Höchstens vielleicht noch "es" für "das Alien". Denn wer, wie oder was dieser Mensch wirklich ist oder sein möchte, eine Eigenschaft ist aus meiner Wahrnehmung unbestreitbar, dieser Mensch ist ein wahrer Kotzbrocken.

Fachlich sehr weit oben angesiedelt, was Inkompetenz angeht, unzuverlässig, umständlich und mit einer bemerkenswert hohen Fehlerquote in der eigenen Arbeit, was als solches sowieso schon höchst anstrengend ist, ist ihre auffallendste Eigenschaft ihre feste Überzeugung, dass alle Menschen um sie herum Rassisten und LGBTQXYZ-feindlich sind, weil sie überall abgelehnt wird.

Dass sie überall abgelehnt wird, liegt nach meiner festen Überzeugung aber nicht an ihrer Hautfarbe oder einer wie auch immer gearteten persönlichen Geschlechtsidentifizierung oder sexuellen Ausrichtung, sondern wirklich nur daran, dass sie schlicht unerträglich ist.

Mit hochgradigen Underperformern arbeiten zu müssen, ist als solches schon anstrengend, wenn man sich dann aber noch als Rassist beschimpfen lassen muss, weil man sich über mangelnde Fachkompetenz dieser Kollegin beschwerte und um einen anderen Teampartner gebeten hat, kann das insgesamt dazu führen, dass jemand alle Skrupel über Bord wirft und AfD-Mitglied wird.
So reagierte zumindest ein Kollege, den ich bisher eigentlich immer sehr schätzte.

Ich finde das definitiv nicht die richtige Lösung für solche Probleme und persönlicher Frust über wahre Widerlinge ist immer noch kein Grund, irgendetwas in der Form zu verallgemeinern, ich kann aber verstehen, dass jemand von einer Gesellschaft die Nase voll hat, die Minderheiten grundsätzlich und immer in Schutz nimmt, statt sie so zu behandeln, wie sie es ja selber ständig fordern: Als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft.

Denn wenn ich unbeachtlich jeglicher ethnischen, kulturellen, geschlechtlichen oder was weiß ich welchen Besonderheiten einfach alle Menschen nur als Mensch behandele, dann braucht auch niemand mehr einen extra Schutz - und ja, es gibt auch unter den Minderheiten Leute, die man eigentlich nur ablehnen kann.

Ich bin auf alle Fälle sehr froh, dass ich jener besagten Kollegin grundsätzlich problemlos aus dem Weg gehen kann, für mich die einfachste, die bequemste und die konfliktfreieste Lösung dieses Problems, aber auch das kann halt nicht jeder einfach so umsetzen
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Sonntag, 19. März 2023
Nix Besonderes passiert
Hier ist heute nicht viel passiert. Den Vormittag habe ich lesend im Bett verbracht, gegen Mittag konnte ich mich durchringen, aufzustehen, was mir Sonntags vor allem deshalb schwer fällt, weil Sonntags ja auch regelmäßig das ungeliebte Haarewaschen ansteht, aber hilft ja nix.

Frisch geputzt und gewaschen habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und gearbeitet, irgendwann war der Tag um und ich bin in die Küche gegangen, um einen großen Berg wwm-Gemüse aus dem Kühlschrank zu sammeln, zu putzen, kleinzuschnibbeln und in den Backofen zu schieben.
Es gab also Ofengemüse, und zwar viel Ofengemüse, deshalb blieb Rest über und das bedeutet, den kann ich morgen zu Aufstrich verarbeiten, das wird lecker, darauf freue ich mich schon
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Freitag, 17. März 2023
Bad ab jetzt anders
Ich war heute in Frankfurt auf der Sanitärmesse, morgens hin, sechs Stunden über die Messe laufen und wieder zurück, knapp 700km Autofahren und die zehnfache Menge an Schritten, die ich sonst auf der Uhr zusammenlaufe, Gesamtergebnis: Ich bin so platt, dass ich mich nicht mehr rühren kann, aber gleichzeitig auch sehr zufrieden, dass ich jetzt ganz sicher weiß, alles gesehen zu haben, was es an Auswahl an Badewannen und sonstigem Badausstattungskram gibt, es gibt tatsächlich nichts, was ich wirklich richtig toll finde.

Das ist deshalb beruhigend, weil ich bisher dachte, ich muss nur einfach immer noch weiter suchen und ich habe vor allem die kleinen Nischenanbieter noch nicht gefunden, die wirklich originelle Badideen haben - aber nach dem ich heute von Lettland über Polen, Türkei und Usbekistan bis China wirklich eine international breit ausgestellte Anbietervielfalt besichtigen konnte, weiß ich, dass ich die Originalität selber machen muss, die kann man nicht fertig von der Stange kaufen.

Das ist eine sehr befriedigende Erkenntnis und führt zu einem völlig neuen Badplanungsansatz.

Manchmal lohnt es sich auch, nichts zu finden
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Donnerstag, 16. März 2023
Schuster
Heute war ich wieder früh wach, konnte aber nicht früher ins Büro fahren, weil ich meine Schuhe zum Schuster bringen wollte und der macht erst um 9h auf.
Es gab also keinen Grund, mich zu beeilen, selbstverständlich war ich deshalb schon um 8h fertig aufgestanden, angezogen und abfahrbereit, ich sollte mir immer vornehmen, mich nicht zu beeilen, dann geht alles deutlich schneller.

Die zusätzliche Stunde habe ich genutzt, um den schönen Blumenstrauß wieder in Form zu bringen, die Tulpen waren mal wieder deutlich über alles hinausgewachsen und frisches Wasser kann ja auch nicht schaden.

Außerdem habe ich die Küche aufgeräumt, den Herd geputzt und den Müll sortiert. Fühlte sich nach einem sehr produktiven Start in den Tag an.

Der Schuster hat sein Ladengeschäft in der Fußgängerzone von Greven, was bedeutet, der Besuch dort ist umständlich und aufwändig, denn es sind viele verschiedene Komponenten zu berücksichtigen und passend zu kombinieren (Anreise wegen Parken, Wetter wegen Laufen und Zeitpunkt wegen Öffnungszeiten) und normalerweise versuche ich solche Umständlichkeiten aus meinem Leben fernzuhalten.

Ich brauchte aber auch ein neues Rezept für meine Schilddrüsentabletten und musste deshalb in der Arztpraxis erscheinen. Ich jammerte darüber, dass ich das Rezept selber zwar mittlerweile online bestellen kann und dass ich mich auch mit viel bürokratischem Umstand für das E-Rezept habe freischalten lassen, dass das aber alles nichts nutzt, wenn ich dann doch persönlich in die Praxis kommen müsse. Erklärung der Arzthelferin: Meine Karte muss noch eingelesen werden, denn ich war dieses Quartal noch nicht da und Karteeinlesen ginge nur vor Ort, nämlich durch das manuelle Reinstecken der Karte in ihren Automaten.
Tja nu, da hilft die tollste Digitalisierung nicht, wenn es dann doch immer wieder diese mechanischen Schnittstellen gibt.

Die Arztpraxis liegt am Rand der Fußgängerzone, die lässt sich noch einigermaßen komfortabel erreichen, es gibt einen mittelgroßen Parkplatz rund 500m entfernt, mit etwas Glück und Ausdauer ergibt sich dort meist eine Möglichkeit, sein Auto abzustellen.

Wenn ich also sowieso wegen des Rezeptes jetzt kurzfristig in die Innenstadt von Greven muss, dann war das eine gute Gelegenheit auch endlich mal meine Schuhe zum Schuster zu bringen.

Früher habe ich meine Schuhe immer auf Borkum zum Schuster gebracht. Der hatte sein Geschäft auch in der Fußgängerzone, aber auf Borkum bin ich zeitlich unabhängig und kann problemlos alles mit dem Fahrrad erreichen, die einzigen einschränkenden Kriterien bestanden früher also nur darin, dass ich daran denken musste, meine kaputten Schuhe vom Festland mit auf die Insel zu nehmen, aber das ist ja nur eine Frage der logistischen Organisation, darin bin ich gut, das empfand ich nie als Unbequemlichkeit.

Dann hat der Schuster auf Borkum zu gemacht und ich entdeckte, dass es im K+K-Supermarkt einen Mr. Minit-Laden gab. Um neue Absätze anzubringen oder Sohlen festzukleben reichte das völlig, der Supermarkt hatte einen großen Parkplatz direkt vor der Tür und der Mr. Minit-Laden war bis 19h geöffnet.

Leider wurde aus dem Mr. Minit Laden irgendwann ein "wir-reparieren-ihr-Handy-Laden" und ich war schusterlos, bis ich den Orthopädieschuhmacherladen in der Fußgängerzone von Greven entdeckte und herausfand, dass der auch ganz normale Schuhe repariert und überhaupt all das kann, was man von einem guten Schuster erwartet.

Es gibt ja Dinge, da rede ich nur ungern drüber, meine intensive Schuhliebe gehört dazu, denn es gibt kaum jemanden, der mir nicht innerlich einen Vogel zeigt, wenn er erfährt, wie viele Paar Schuhe ich besitze.
Seitdem ich alle Schuhe mit einem Absatz von mehr als fünf Zentimetern aussortiert habe, hat sich der Umfang etwas reduziert, (zumindest theoretisch, in echt stehen die aussortierten Schuhe noch alle oben in einem der Gästezimmer und warten darauf, dass ich sie mal bei ebay reinstelle) trotzdem ist der aktiv genutzte Bestand immer noch auf einem Niveau, für das ich ungern konkrete Zahlen nenne, es sind auf jeden viele, um nicht zu sagen sehr viele Schuhe, die ich besitze.

Als Entschuldigung kann ich anführen, dass ich die Sammlung ja auch seit über vierzig Jahren pflege (und ja, ich habe immer noch ein Paar Schuhe, die besaß ich schon als ich noch zur Schule ging), dass ich immer sehr viel Wert auf wirklich gute Schuhe gelegt habe und dass ich die meisten Schuhe (so wie meine gesamte Kleidung) entweder gebraucht oder massiv reduziert gekauft habe. D.h. die Anzahl an Schuhen ist hoch, wenn ich sie alle zum original Neupreis gekauft hätte, wäre der Betrag gut fünfstellig, tatsächlich hält sich das finanziell aber durchaus im Rahmen.

Grade weil ich nur sehr hochwertige Schuhe besitze, finde ich es viel zu schade, sie wegzuwerfen, wenn ein Absatz abgelaufen ist oder sich die Sohle löst. (Passiert auch bei 300 € Schuhen, wenn man sie lange genug trägt.)
Deshalb finde ich Schuster eine sehr wichtige Einrichtung des täglichen Lebens. Ich persönlich kann sehr gut ohne Kneipe und auch ohne Kino leben, aber ohne Schuster fände ich traurig, leider gibt es immer weniger.
Trotz Corona haben in den letzten Jahren deutlich mehr Schuster dichtgemacht als Kneipen oder Kinos. Was für eine seltsame Nachfrageverschiebung.

Der Schuster, zu dem ich heute zwei Paar Schuhe gebracht habe, hat seit neuestem Samstags geschlossen. Er sagt, er wird dieses Jahr 66 und es wird ihm langsam ein bisschen viel, aber noch hat er Spaß an seiner Arbeit und will gerne weitermachen. Nächste Woche kann ich meine Schuhe wieder abholen und ich freue mich schon drauf. Das Beste an Schusterläden ist der Geruch
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