anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Montag, 6. April 2020
Dies und das
Die körperliche Überarbeitungs- mit anschließender Überfressungsorgie von gestern endete in einem mehr als 12stündigen Erholungsschlaf. Als ich heute gegen 11h aufwachte, fühlte ich mich wieder einigermaßen fit und ausgeruht.
Kurz bevor ich gestern halbtot ins Bett fiel, kam N noch aus Österreich zurück, aber für mehr als ein schwaches "Hallo, dort steht was zu essen" und "ich muss ganz dringend ins Bett" reichte es nicht mehr.
Er hatte aber auch acht Stunden Autofahrt hinter sich und war froh, ebenfalls zügig im Bett verschwinden zu können.

Er kam direkt aus Bad Ischl (nicht zu verwechseln mit Ischgl, ohne Bad dafür mit G und nicht in Tirol, sondern im Salzkammergut), wo er die letzten zwei Wochen seiner PJ-Zeit in Isolation verbracht hat, weil er Kontakt zu einem Infizierten hatte, sich aber zu seinem Kummer dann doch nicht selber angesteckt hat. Er hätte es sehr praktisch gefunden, wenn er sich infiziert hätte, weil er dann anschließend nach überstandener Infektion ziemlich problemlos als Arzt weiterarbeiten könnte, so wird er weiter nicht nur mit dem Risiko leben müssen, sich selber zu infizieren, sondern das dann eben auch mit Pech an andere weitergeben zu können. Aber nun ja, absolut betrachtet oder besser gesagt, relativ betrachtet, sind es bisher eben doch nur sehr, sehr wenige Personen, die wirklich infiziert sind oder waren. Das wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir da eine angemessene Durchseuchung erreicht haben.

Auf der anderen Seite hat es den Vorteil, dass er aktuell nur ein sehr geringes Risiko mitbringt, denn wenn er ausgerechnet grade jetzt und diesen Moment schon infiziert ist, hätte er sich das in den letzten zwei Tagen einfangen müssen, was nun wirklich eher unwahrscheinlich ist, in Österreich sind die Abriegelungsvorschriften ja noch strenger als hier.

Ich habe mich in den letzten Wochen rein beruflich und damit zwangsläufig sehr ausführlich mit den Hintergründen, den Folgen und vor allem den Wahrscheinlichkeiten mit, durch und um das Corona-Virus beschäftigen müssen, denn grade die Vermögensverwalter haben sehr ausdrücklich begriffen, dass sie sich mit wissenschaftlich fundierten und dementsprechend seriösen und mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffenden Informationen und Prognosen um dieses Virus herum beschäftigen müssen, um einigermaßen passend abschätzen zu können, wie sich die Finanzmärkte in der Zukunft entwickeln können oder werden. Weil ich also grade aus dieser Ecke mit sehr vielen verschiedenen, gleichzeitig aber auch identischen Informationen versorgt wurde, bilde ich mir ein, hier die Wahrscheinlichkeiten für ein individuelles Infektionsrisiko sehr gut von den "Massenrisiken" abgrenzen zu können, weshalb ich viele Dinge auf individueller Ebene nicht mehr so ernst nehme, es aber trotzdem sehr sinnvoll finde, dass für die Gesamtbevölkerung nach wie vor der komplette Shut Down durchgezogen wird.

So nach und nach entwickele ich also mein ganz persönliches, durchaus zweigeteiltes Corona-Gefühl, einerseits im persönlichen Umgang und andererseits in der Beurteilung der Entwicklung auf die Gesamtgesellschaft.
Was den persönlichen Umgang angeht, so stelle ich fest, dass da sehr viel der anfänglichen Besorgnis und Panik verloren gegangen ist. Mein gesamter Lebensstil ist angenehmerweise grundsätzlich schon nicht "pro Infektion", weil ich halt üblicherweise sowieso nicht innerhalb von Menschenmassen unterwegs bin. Das auch künftig, also sagen wir mal für die nächsten zwei Jahre, zu vermeiden, wird mir nicht schwer fallen und mein Leben nur sehr wenig einschränken.
Dass daneben immer noch das Einzelrisiko bleibt, dass sich jemand, mit dem ich einzeln und individuell umgehe, infiziert hat ohne es zu wissen und mich dadurch ansteckt, dass wir im 1:1 Kontakt miteinander umgehen, nun, mit diesem Risiko werde ich leben müssen, ich werde allerdings auch die Leute, mit denen ich im direkten, persönlichen Kontakt umgehe, gezielter danach screenen, wie sorglos diese Menschen jeweils im eigenen Umgang mit "Massenveranstaltungen" sind.
Diese Maßnahmen zusammengenommen reichen mir persönlich aus, um ohne große Panik ein einigermaßen normales Leben in den nächsten Monaten (bis es einen Impfstoff oder ein Therapeutikum gibt) führen zu können.

Die Gesamtbevölkerung wird aber wohl nur dann wieder ein einigermaßen normales Leben führen können, wenn es gelingt, künftig alle Neuinfizierten samt ihren Kontaktpersonen rauszufiltern, um genau diese Leute dann in eine sofortige Zwangsquarantäne oder Isolation zu stecken.
Ich persönlich meine, das wird nur über diese App, über die derzeit diskutiert wird, gelingen, aber warten wir es einfach ab.

Insgesamt mache ich mir aber über Corona und alles, was damit zusammenhängt, nur noch sehr begrenzt Gedanken, es wird sich alles zeigen, wie es weitergeht, vorausschauende Spekulationen bringen rein gar nichts.

Ich kann deshalb sehr gut schlafen, habe keine seltsamen Träume, also alles wie immer, ich träume ja auch sonst nicht.

Im tatsächlichen Leben gab es heute ausgesprochen leckere Alkoholika, Gin-Basil-Smash, wie immer, wenn N zu Besuch ist



K hat derweil draußen die Gartenabfälle von gestern verbrannt und dabei die gesamte Nachbarschaft eingequalmt, wenn es rein nach dem Rauch und dem Gestank geht, gibt es hier in der Umgebung in der nächsten Zeit bestimmt keine gefährlichen Viren, die sind im wahrsten Sinne des Wortes alle ausgeräuchert



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Donnerstag, 2. April 2020
Homeofficeausbau
Vorletzter Tag Homeoffice fürs erste. Morgen noch und dann habe ich erst mal zwei Wochen Urlaub. Da wird es zwar auch diverse TelKos und Videokonferenzen geben (das besagte neue, große Projekt), aber das Verpflichtungsgefühl fällt weg und das ist das einzig Entscheidende.

Dabei habe ich gar nichts gegen Homeoffice, wenn ich wählen könnte, würde ich von meiner 5-Tage-Woche sehr gerne 4 Tage davon im Homeoffice arbeiten, die menschlichen Livekontakte fehlen mir ganz sicher nicht. Aber dadurch, dass jetzt gefühlt 90% aller Leute im Homeoffice arbeiten, dauern sehr viele Dinge sehr viel länger, weil die allerwenigsten der neuen Home-Officers schon eine brauchbare Office-Infrastruktur haben, von einer funktionierenden Selbstorganisation mal ganz zu schweigen.
Das macht das Arbeiten aktuell recht mühsam, deshalb bin ich sehr froh, dass ich ab übermorgen Urlaub habe und diese Themen erst mal keine Rolle mehr spielen.

Ansonsten habe ich meinen Tag heute mit Texte verbessern verbracht - eine Arbeit, die mich oft sehr aggressiv werden lässt, weil ich kein Verständnis dafür habe, wenn Menschen in gehobenen Positionen nicht vernünftig schreiben können.
Ich stelle grade fest, dass ich mich zu 80% eigentlich zu 99% nur über Kollegen und Mitarbeiter der gehobenen Gehaltsstufen aufrege. Menschen, die ihren Arbeitgeber fast 100.000€ oder mehr im Jahr kosten, von denen erwarte ich verflixt noch mal auch eine anständige Leistung. Und brauchbare Texte verfassen zu können, über oder aus dem eigenen Arbeitsgebiet, das gehört für mich zwingend dazu. Diese Erwartung ist aber ganz offensichtlich weit weg von jeder Realität und ich rege mich dann halt jedesmal erst auf und motze anschließend Texte auf, mit denen ich eigentlich gar nichts zu tun habe, nur weil ich nicht will, dass der Müll, den die Leute bis dahin im Entwurfsordner stehen hatten, auch wirklich nach draußen geht.

Ansonsten habe ich heute meine frisch erworbene "Spanische Wand" aus einem GLS-Aufbewahrungs-Kiosk abgeholt. Geliefert wurde sie gestern früh um 8:52h. Das weiß ich so genau, weil ich ja Überwachungskameras habe und um 8:52h gab es ein Bild vom klingelnden GLS-Bote, leider war ich um 8:52h grade unter der Dusche und K war schon ins Büro gefahren. Deshalb ließ der GLS-Bote nicht das Paket da, sondern nur eine Abholkarte und ich konnte mich heute damit beschäftigen, wie ich ein Paket von über 2m Länge nach Hause transportiere.
Aber geht ja nix über Cabrios, offen sind sie wahre Großraumwunder.
Jetzt habe ich also einen wunderschönen Raumteiler aus Bambus von 2m Höhe und 3m Breite, den ich bei Videokonferenzen einfach hinter meinem Schreibtisch aufstelle und muss mir dann nie mehr Gedanken machen, was sich die anderen Videokonferenzler wohl für Gedanken machen über das, was sie sonst so im Hintergrund des Videobildes sehen.
Voilà, mein sorgfältig kuratierter, videokonferenztauglicher Homeoffice-Arbeitsplatz:


Und jetzt mache ich erst mal zwei Wochen Urlaub
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Dienstag, 31. März 2020
Neues System eingeführt und Projektvorfreude
Heute etwas Wichtiges gelernt: Nix zwischendurch auf Zettel schreiben, weil die meinen anfallsartigen Aufräum- und Wegwerfgelüsten im Home-Office zum Opfer fallen können.
Im Büro-Office bin ich erstens nicht fürs Saubermachen zuständig und zweitens liegt da wenn, dann auch immer nur Büro-Bürokram auf meinem Schreibtisch rum, da schaltet sich automatisch die "erst einscannen, dann wegwerfen" Funktion im Kopf ein, weil das Einscannen im Büro-Office auch noch mal einen Tick einfacher geht als im Home-Office.

Dabei funktioniert das Einscannen hier mittlerweile auch schon echt gut, komfortabel und vor allem office-tauglich, also nicht mit einer dieser Handy-Scan-Apps, die dann verwackelte jpgs mit viel blödsinnigem Rand um das Dokument produzieren, sondern mit einem neuen, modernen, professionellen Scanner, den K schon vor einem Jahr hier für Greven (steht hier im allerletzten Absatz) gekauft hat und ich bin sehr froh darum, dass ich mich nicht mit dem alten, dafür günstigen Teil, was ich für Borkum gekauft habe, rumärgern muss.
Allerdings muss ich zum Einscannen eben immer noch vorher das Scanprogramm öffnen und den Scanner starten, es ist erstaunlich, wie sperrig man sich anstellt, wenn auch nur ein kleines bisschen des sonst als selbstverständlich gewöhnten Komforts fehlt.

Aber ich habe mich heute endgültig intern dazu verdonnert, dass ich alles, was hier an Papier rumliegt, wirklich zügig und zeitnah einscanne und dann auch gleich in die entsprechende Akte ablege, so dass gar nicht erst unsortierte papierberge entstehen.

Und außerdem habe ich ein leeres Notizbuch mit Stift auf dem Schreibtisch liegen, damit ich alles, was ich nur mal eben so schnell mitschreiben möchte, dort hineinschreiben kann, und eben nicht mehr auf irgendeinen fix gegriffenen Schmierzettel, der dann bei der nächsten Aufräumaktion im Müll landet.
Habe ich mir ab sofort fest vorgenommen. Aus Gründen.

Ansonsten habe ich heute viel aufgeräumt - nicht, weil es dringend nötig war, sondern weil ich einen Zettel suchte, den ich aber nicht gefunden habe. Das war blöd. Dafür habe ich ganz viele Dinge gefunden, die ich irgendwann mal bei ebay verkaufen wollte und weil ich den Esstisch und das Wohnzimmer grade so schön sauber und blitzblank leergeräumt hatte, war das eine gute Gelegenheit, diesen Schwung zu nutzen, um all die zu verkaufenden Teile schon mal zu fotografieren, zwei habe ich sogar schon bei ebay eingestellt. Aber dann habe ich mich selber wieder gebremst, weil mir einfiel, dass ich nur Dinge online verkaufen sollte, die ich anschließend auch verschicken kann, d.h. also Dinge, für die ich auch einen Karton zum Verpacken habe. Fehlt der Karton, sollte ich mir erstmal überlegen, wie ich den beschaffe, ist in Zeiten mit mehr oder weniger Ausgangssperre nicht so einfach.

Beruflich wurde für unsere Gesellschaft heute ein Projekt freigegeben, was ich ganz ungemein phantastisch finde und worüber ich mich sehr freue, dass wir daran weiterarbeiten dürfen, am meisten freut mich aber, dass genau jetzt, wo dieses wirklich ungemein tolle Projekt startet, der ungeliebte Geschäftsführungskollege unsere Gesellschaft verlässt, um ins Mutterhaus zu wechseln - der hätte das gesamte Projekt nämlich sonst als "seines" ausgegeben. An andererleuts Projekten zu arbeiten macht aber deutlich weniger Spaß, als Dinge voranzutreiben, die für das eigene Team zählen.

Ich habe da meine ganz eigene Definition von "Teamwork". Für mich bedeutet das nämlich, dass jeder im Team sich maximal dafür einsetzt, dass insgesamt nachher ein wirklich tolles Ergebnis rauskommt, was dann aber auch die Leistung des gesamten Teams ist. Dabei müssen die einzelnen Leute im Team nicht unbedingt "gleichberechtigt" oder gar "sozialistisch" zusammenarbeiten, im Gegenteil, ich habe gar nichts dagegen, dass einzelne Leute auch ganz alleine vor sich hinbroddeln, wenn der Output dadurch besser wird. Ich habe aber ganz massiv was dagegen, wenn ein Einzelner Leistungen eines oder mehrerer Anderer nutzt, um sich dadurch massiv selber zu profilieren. So etwas finde ich einfach nur schäbbig und vor allem ist es ein klarer Hinweis darauf, dass solche Leute alleine mal zu gar nichts in der Lage wären, denn sonst hätten sie es ja nicht nötig, sich mit fremden Lorbeeren zu bekleckern.
Egal, der Fritze ist weg, ich bin darüber sehr froh und das neue Projekt ist wirklich richtig toll, ich glaube, das wird etwas ganz besonderes, wenn es fertig ist.

Zum Abendessen gab es Gemüsesuppen aus allen Gemüseresten, die langsam dringlich weg mussten, war sehr, sehr lecker, weil die Mettwurst auch weg musste
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Dienstag, 31. März 2020
Unterirdische Medien und schwachsinnige Diskussionen
Dass inzwischen auch im Mutterkonzern fast alle im Homeoffice sind, führt an einigen Stellen, die sonst lange bürokratische Verwicklungen bedeutet hätten, zu sehr schlanken, pragmatischen Lösungen, die mich sehr glücklich machen. Ich habe deshalb heute gleich mal die Gelegenheit genutzt und ein paar Dinge erledigt, die ich schon seit längerem vor mir her schob, eben weil ich den Bürokratismus scheute - und heute waren es zwei Anrufe, die ich mit der Aussage "Ich denke, das ist jetzt das Sinnvollste." verknüpfte - und alle waren einverstanden. So schön.

Auf der anderen Seite musste ich aber gleichzeitig ein paar Mitarbeiter wieder einfangen, die es mit dem Pragmatismus dann doch etwas übertrieben und meinten, sie könnten jetzt alle Kontrollen und Genehmigungen abschaffen und kurzerhand selber in ihrem Sinne entscheiden. Das war mir dann doch ein wenig too much.

Ein Streitthema sind aktuell die geplanten Urlaube. Diejenigen, die ursprünglich über Ostern in Urlaub fahren wollten, können jetzt natürlich nicht fahren und deshalb will ja auch keiner mehr Urlaub haben. Klappt aber nicht im Gesamtbild, denn es kann ja nicht sein, dass sich dann alle Urlaubszeiten zum Ende des Jahres stapeln, das gab dann ein paar lange Gesichter heute.

Der Podcast mit Prof. Drosten gefiel mir heute ausnehmend gut, weil ich es bewundernswert finde, wie präzise und doch einfach formuliert dieser Prof. Drosten Probleme erkennt, thematisiert und vermittelt. Heute hat er sich über den Umgang der Presse/der Medien mit ihm und anderen Wissenschaftlern aufgeregt - und er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Medien versuchen krampfhaft noch mehr Sensation, noch mehr Drama, noch mehr Clickbait, noch mehr von allem, über das man sich aufregen kann, in ihren Überschriften und Texten unterzubringen - und das ist einfach widerlich.

Statt sachliche Informationen zu vermitteln, werden reißerische Stories formuliert und völlig irre Bilder gezeichnet. Die Medien versuchen intensiv Streit, Ärger und Aufregung zu provozieren, damit sie noch tollere Stories posten können.

Das drückt so exakt das aus, was mich auch schon seit langem an den allermeisten Medien, sei es Online-Magazin, Zeitung oder Fernsehen stört, dass ich seinen Punkt einfach zu 150% verstehe und richtig finde.

Er sagt, er mag keine Interviews mehr geben - und ich lese die Interviews, die gedruckt werden, nicht mehr, und ich gucke auch keine Talkshows im Fernsehen mehr, weil ich den Stil, mit dem die Medien die Informationen zu dem Coronakram aufbereiten, ätzend finde. Billig, peinlich, ärmlich und komplett niveaulos.

Ich kann ja verstehen, dass sich viele Medienvertreter jetzt plötzlich für "systemrelevant" halten, weil die Leute, die nun alle zu Hause sitzen, nach Informationen gieren, aber die Art und Weise, wie die allermeisten der Medienvertreter diese Systemrelevanz zu ihren Gunsten umsetzen, die finde ich einfach nur mies.

Was ich übrigens auch nicht mehr ab kann, sind die blödsinnigen Diskussionen um die Frage "wie lange noch?" Das erinnert mich so sehr an die Autoreisen mit den Kindern früher, das ich spontan aggressiv werde, wenn sich das Thema nur andeutet.
Wir fuhren früher mit dem Auto häufiger nach Frankreich, von MG bis ins Queyras sind es knapp 1000km, davon 250km über schmale, enge Passtraßen in den Alpen, die Reise dauerte also. Kurz hinter Aachen fragte zuverlässig der erste, wann wir da sind, das förderte grundsätzlich nicht die Stimmung im Auto.
Aber das waren Kinder - und heute fragen das Erwachsene und meinen auch noch ernsthaft, dass man es diskutieren könne. Sind die alle nur bekloppt
?

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Montag, 30. März 2020
Ruhiger Sonntag
Lange und gut geschlafen, nach dem Aufwachen lange und genüsslich weiter im Bett gelegen und Internet gelesen. K hat nach dem Kaffee erst frisch gepressten Orangensaft und anschließend Erdbeeren mit Prosecco serviert, so lässt es sich sehr gut im Bett aushalten.

Irgendwann waren wir dann aber doch bereit, das Bett zu verlassen und haben als erste Tat nach dem Duschen und Anziehen alle Uhren im Haus aktualisiert. Ich bin ja bekennender Uhrenfan, d.h. es gibt hier im Haus über 40 Uhren (ohne Armbanduhren), die fast alle manuell umgestellt werden müssen, weil nur zwei Funkuhren dabei sind, die das alleine erledigen. Dabei ist die Stunde nach vorne im März die leichtere Umstellung, weil man die Uhrzeiger ohne Schaden fürs Uhrwerk problemlos eine Stunde vor drehen kann. Das Zurückstellen im Oktober ist grundsätzlich wesentlicher aufwändiger. Allein wegen dieser lästigen Uhrumstellerei bin ich großer Fan der Abschaffung der Zeitumstellung. Grundsätzlich ist mir egal, welche der beiden Uhrzeiten wir behalten, hauptsächlich ganzjährig dieselbe, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann hätte ich lieber immer Sommerzeit. Dass es morgens früher hell wird interessiert mich als überzeugte Eule wirklich gar nicht, lieber abends nicht so früh dunkel.

Zu Essen gab es heute Gambas in Knoblauchsauce mit frischem Zwiebelbaguette und dem Rest der Dips von gestern. Wir sind immer noch im Dip-Wahn und ich verwende ja jedes Mal mindestens drei verschiedene Dip-Würzmischungen, wovon eine immer das selbstgemachte Gemüsebrühpulver
ist und es ist jedes Mal, wirklich JEDES Mal so, dass einer von uns irgendwann feststellt, dass der Dip mit genau diesem Gemüsebrühpulver mal wieder der leckerste ist. Und dabei habe ich wirklich viele verschiedene Dip-Gewürzvarianten mittlerweile erworben und auch schon ausprobiert, wobei die Basis immer die gleiche ist: 1 Becher Schmand oder Creme Fraiche mit 1 Paket Frischkäse verrühren, dann auf drei Portionen verteilen und in jede Portionen ca. 1,5 TL Dip-Gewürzpulver rühren. Fertig.
Die anderen Dip-Mischungen sind auch lecker, unbestritten, aber bisher konnte noch keine dieses selbstgemachte Pulver schlagen.

K bastelte den Nachmittag über an einer Präsentation, die er nächste Woche braucht, er hat sie mehrfach an mir getestet und ich glaube, ich war ein gutes, weil sehr kritisches Publikum.

Außerdem hat K mit seinem Freund und Fliegerarzt telefoniert, weil der vor drei Wochen in Ischgl war und seit zwei Wochen mit Coronabestätigung zu Hause in Quarantäne ist. Seit einer Woche ist er nicht mehr ans Telefon gegangen und da begannen wir natürlich schon, uns ein wenig Sorgen zu machen. Aber heute hat er sich gemeldet und mitgeteilt, dass er das Schlimmste der Krankheit jetzt wohl überstanden hat, aber dass er in seinem Leben noch nie so einen schweren und belastenden Infekt gehabt hätte, es wäre wirklich sehr, sehr übel gewesen. Aber jetzt sei es wohl überstanden und er könne auch kurzfristig wieder arbeiten - er ist jetzt einer der gesuchtesten Fliegerärzte überhaupt, weil er nachweislich kein Ansteckungsrisiko mehr mitbringt und alle Airlines ihm grade die Bude einrennen, damit er die Flugtauglichkeitsuntersuchungen für das derzeit noch fliegende Personal macht.

Nach dem, was er von dieser Krankheit erzählt hat, bin ich wirklich ganz und gar nicht scharf drauf, mich damit zu infizieren. Allerdings habe ich auch keine Idee, wie sich das dauerhaft vermeiden lässt, außer ich bleibe ab sofort für den Rest meines Lebens drinnen.
Nun, für die nächsten drei Wochen habe ich das aber sowieso schon fest beschlossen.

Eine Vorstellung, wie sich die Wirtschaft nach dieser Krise entwickeln wird, habe ich übrigens auch nicht und das besorgt mich etwas, denn eigentlich müsste ich das ja verstehen, also die Theorie dahinter, denn das ist Teil meiner Ausbildung. Aber die aktuelle Situation hat es in der Form noch nicht gegeben, so dass ganz viele Möglichkeiten, der weiteren Entwicklung denkbar sind. Theoretisch vorstellbar ist zB eine wilde Inflation, weil die Leute jetzt alle zuhause bleiben und dabei ganz viel Geld sparen und gleichzeitig flutet der Staat das Land noch mit weiterem Geld, weil also nach der Krise enorm viel Geld da ist, es aber keine Waren gibt, weil die Lieferketten alle unterbrochen sind und die Produktionen noch nicht funktionieren, dann hätte man also die klassische Situation, dass viel Geld auf wenig Ware trifft und das führt zu einer Inflation.
Andererseits ist auch genau das Gegenteil vorstellbar, nämlich dass jetzt alle pleite gehen, dass deshalb Arbeitslosigkeit wie irre in die Höhe schnellt und keiner mehr Geld hat, so dass deshalb auch keine Nachfrage mehr da ist, was die produzierenden Unternehmen in eine noch größere Krise stürzt und das nennt man dann Rezession.
Ich kann mir beides vorstellen, aber wie es tatsächlich weitergehen wird, das mag ich nicht vorhersagen
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Samstag, 28. März 2020
Es wird
Wasser läuft.
Ich schätze, in ca. 20 Minuten ist die neue Wasserbettmatratze befüllt und wir können ins Bett gehen.
Uff.
Das war jetzt eine ziemliche Plackerei, denn so eine Wasserbettmatratze ist schwer. Sehr schwer, auch wenn man versucht hat, das Wasser maximal abzupumpen. Ganz bekommt man es nicht raus, weil wir keine free flow Matratze haben (das wäre nur eine Plastikhülle, in die man Wasser füllt), sondern eine beruhigte Matratze mit zusätzlicher Lendenstütze, was bedeutet, da ist jede Menge Vließ in der Matratze, was sich natürlich mit Wasser vollsaugt, aus dem sich das Wasser dann eben nur noch begrenzt wieder absaugen lässt.

Aber wir haben es geschafft und die alte Matratze liegt schon draußen auf der Terrasse, wo sie jetzt warten muss, bis der Müllhof wieder aufmacht, der wegen Corona zur Zeit geschlossen ist.

Die fehlenden Adapter für die Pumpe hat heute der Hausmeister aus Ks Firma besorgt, Beziehungen schaden nur dem, der keine hat....

Die alte Umrandung ist auch entsorgt, die neue eingebaut, es gefällt mir jetzt alles deutlich viel besser, auch die neue Heizung gefällt mir deutlich besser, überhaupt wird das sicher alles ganz toll, wunderbares, neues Schlafgefühl, ich freue mich schon sehr, leider meldet K grade, dass jetzt das warme Wasser alle ist und das Bett nun mit kaltem Wasser weiter befüllt wird, weil die Heizung streikt, das ist eher nur so semigut, irgendwas ist ja immer, aber morgen, morgen ist dann bestimmt alles gut.

Der Rest des Tages bestand aus ca. 27 Stunden Telefonkonferenz, ich will jetzt mit niemandem mehr reden, mit niemandem mehr skypen, ich will jetzt einfach nur noch meine Ruhe
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Freitag, 27. März 2020
Neues Wasserbett und kein neues Wasserbett
Das war ein voller Tag heute und ich bin jetzt eigentlich schon ziemlich müde, aber für das Wesentliche des Tages wird es noch reichen:
Es begann mit der Lieferung der Wasserbettersatzaustattung.
Es fuhr vor: Ein Speditionsunternehmen, denn der Karton, der geliefert wurde, war groß. Sehr groß.



Der Speditionsfahrer fuhr den Karton bis vor die Haustür - dann verschwand er wieder. Kein Rufen, Jammern, Bitteln half, er erklärte nur: "Ich nix dürfen gehen in Haus." - und weg war er.
Laut Frachtpapieren wog der Karton 80kg, aber ich glaube, das war sehr wohlmeinend aufgerundet, denn so stark, dass ich 80kg alleine in dieser eher unhandlichen Form von vor der Haustür bis ins Wohnzimmer wuchten kann, bin ich eigentlich nicht - aber es gelang.

Das war teil 1 des Tages.
Dann Telephomeoffice, bei dem ich mich mit einem Banker gräßlich am Telefon verquatschte, in letzter Sekunde fiel mir auf, dass ich ja gleich meinen Notfalltermin beim Zahnarzt habe und ich kam grade noch rechtzeitig los bzw. pünktlich an.
Weil, in Zeiten wo man sich wahrlich besseres vorstellen kann, als einen Termin beim Zahnarzt wahrzunehmen, in solchen Zeiten fällt mir natürlich ein Inlay raus und da half nu alles nix, ich musste einen Notfalltermin organisieren. Zeit hat der Zahnarzt ja nu genug, denn alle Routinetermine sind abgesagt, es scheint aber trotzdem noch genug Notfälle zu geben, es war auf alle Fälle ein sehr abgestimmter, organisierter Terminablauf, damit sich bloß nicht zwei Leute gleichzeitig beim Zahnarzt begegnen.

Auf dem Rückweg kam ich an einem Lidl vorbei und ich dachte, wenn ich jetzt schon einmal unterwegs und vor der Tür bin kann ich auch mal was einkaufen, als ich aber sah, dass bei dem Lidl eine lange Schlange mit Einkaufswagen bewaffneter Menschen vor der Tür auf Einlass wartete, verging mir die Lust wieder und ich fuhr weiter Richtung zuhause, ich habe zwar nicht mehr viele Frischsachen, aber die sonstigen Vorräten halten noch lange.

In Greven kam ich dann an einem Sonderpostenkrimskramsmarkt vorbei, der zu meinem Erstaunen nicht nur geöffnet war, sondern auch der Kundenparkplatz davor war gut gefüllt. Ich hätte ja gedacht, das diese Läden gar nicht mehr geöffnet sein dürfen, aber was weiß ich schon.
Im Lidl in Greven gab es dann keine Schlange an wartenden Menschen vor der Tür, hier durfte jeder rein, der rein wollte. Es kam sich drinnen keiner aktiv zu nahe, alle hielten irgendwie Abstand, es war aber auch kein übermäßig strenges Bürokratieverfahren, was dort praktiziert wurde. Unter dem Aspekt "gesunder Menschenverstand" im Grunde alles in Ordnung, ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es auch ein par Hysteriker geben könnte, die sich schon wieder darüber aufregen, dass dort nicht sorgfältig der Abstand abgemessen wurde, es war aber grade kein Hysteriker anwesend, damit war alles entspannt.

Zu meiner Freude gab es diese Woche Carpaccio im Lidl im Angebot, bei solchen Angeboten neige ich immer zu Hamsterkäufen, hat aber nix mit Corona zu tun, sondern damit, dass es das grundsätzlich nur so selten gibt.

Ab Mittag zu Hause wieder Video-Telephomeoffice, heute zweimal mit Teams, einmal davon mit Leuten, die uns angeblich sagen wollten, wie es funktioniert, praktisch gesehen kam aber nur das allgemeine Geschwurbel von Team auf Augenhöhe, gemeinsam Lösungen, agil, Cloud, neue Wege, disruptive Ideen und ähnliches blabla bei rum, weil, für die technische Anwendung wären sie nicht zuständig, sie würden mehr so die Kultur vermitteln.
Ja, ne, ist klar.

Ich kann Teams mittlerweile benutzen und weiß in etwa wo ich klicken muss, damit es was macht, aber den wirklich echten Vorteil von diesem System verglichen zB zu Zoom, was ich eindeutig intuitiver und angenehmer zu bedienen finde (und preiswerter auch noch), habe ich immer noch nicht rausgefunden.
Zoom wurde ja von irgendeinem Typen auf Twitter diskreditiert, weil es angeblich ein totales Überwachungstool im Hintergrund ist - und mich fasziniert, wer alles auf diese Anschuldigung aufgesprungen ist, ohne sie selber genauer zu prüfen.
Zoom KANN so ein Überwachungstool sein, wenn der Administrator, also der, der die Session startet, es in den Grundeinstellungen so einstellt, aber dann ist nicht das Programm selber das Problem, sondern der Administrator der Session, der dann alles kontrollieren will.
Ich kann mir übrigens reichlich Situationen vorstellen, wo so eine Überwachung Sinn macht, weshalb ich die Möglichkeit, dass man es überhaupt einstellen kann, gar nicht so schlecht finde, aber deshalb die Meinung zu verbreiten, Zoom selber würde wie ein Spionageprogramm Daten der User abgreifen, das ist schon ziemlich sehr verkehrt.
Nun ja, so sindse, die Leute, geht halt schneller, solche Meldungen einfach weiter zu verteilen, statt sie mal kritisch zu hinterfragen.

Aber mit so einer gezielten Falschmeldung kann man natürlich Programme auch sehr bewusst diskreditieren, bei uns führt das zB dazu, dass Zoom tabu ist, aber Teams ganz toll. Ich weiß ja nicht, aber die, die sowas bestimmen, hinken selber oft der Technik hinterher.

Als K am Abend nach Hause kam, wollten wir dann das Wasserbettinnenleben tauschen, weshalb wir die Pumpe aus dem Keller holten, um im ersten Schritt mal das Wasser aus dem Bett abzupumpen.
Blöd nur, dass wir die Pumpe vor zwei Jahren neu gekauft haben, als auf Borkum der Wasserschaden war und wir dort das Wasserbett abpumpen mussten. Damals brachte K die (alte) Pumpe per Luftfracht nach Borkum, wir ließen sie dann da und kauften einfach für Greven eine neue. Wo ein Wasserbett steht, sollte auch eine Pumpe in der Nähe sein.
Wir haben also eine Pumpe, das wussten wir, aber diese Pumpe braucht Adapter als Anschlüsse, damit man einen Schlauch anschließen kann - und Adapter hatten wir nicht.

K fuhr noch extra in Baumarkt, aber dort waren die Teile nicht zu finden. Online lieferbar ab Mitte April, ich glaube, wir haben ein Problem.
Und ein ziemlich vollgestelltes Wohnzimmer und immer noch ein nasses Wasserbett. Alles nicht so erfreulich.

Keine Ahnung, wie es damit jetzt weitergeht, morgen ist erst mal ein Tag vollgepropft mit mindestens sechs verschiedenen Telefonkonferenzen, dafür muss ich früh aufstehen, weshalb ich jetzt ins Bett gehe
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Mittwoch, 25. März 2020
Postboten
Heute ist Mittwoch und heute passierten eine Menge Dinge.
Drei verschiedene Zustellmenschen brachten Post und Pakete. Die Briefträgerin brachte die normale Post, die heute angenehm harmlos war und im Wesentlichen auch nur an K gerichtet war. Die Briefträgerin sah ganz normal aus, wie Postbriefträger heute halt so aussehen, in Dienstkleidung mit dem Klingelbeutelteil um die Hüfte und steckte die Post einfach in den Briefkasten.
Eine DHL-Paketbotin brachte anschließend ein Paket mit dem Apple TV, diese Paketbotin war in voller, neumodischer Schutzkleidung, trug also einen Stoffmundschutz in Postfarben (blaugelb) und Handschuhe und hatte einen langen Stock dabei, mit dem sie wohl auf die Klingel gedrückt hatte, um dann aber auch sofort noch mal zwei Meter zurückzuspringen. Als ich die Tür öffnete, legte sie das Paket vor sich auf den Boden (ca. 3m von meiner Haustür entfernt), rief mir zu, ich müsse nichts quittieren und rannte zurück zu ihrem Paketauto.
Als letztes kam dann ein Paketbote von DPD, der brachte ein Paket mit der neuen Wasserbettheizung, weil ich dachte, es sei kluk, auch die Heizung neu zu kaufen, wenn ich den Rest des Wasserbettes ja bis auf das Holzgestell schon komplett erneuere. Der trug einfach nur Jeans und Pulli, klingelte selber, blieb vor der Tür stehen, übergab mir das Paket, wollte aber auch nichts quittiert haben und winkte mir fröhlich zum Abschied.
Dafür, dass ich ja nun seit vielen Tagen keinen anderen Menschen außer meinen Westfalenmann live und
in echt gesehen habe, war das ganz schön viel Kontakt auf einen Schlag.

Die Nachbarn sehe ich im Grunde auch nicht, in dieser Reihenhauskette findet wenig Nachbarschaft statt, was sicherlich auch zum Teil an mir liegt, weil ich ja normalerweise nur selten da bin. Als ich heute morgen die Balkontür zum Lüften aufmachte, wunderte ich mich über das Geglitzer im Nachbargarten, schaute genauer hin und entdeckte, dass dort der Rasensprenger munter vor sich hin Wasser versprühte. Erst dachte ich, das sei mal wieder typisch Flodder, weil das natürlich die Floddernachbarn sind, bei denen mittlerweile der halbe Garten nur aus Matschpampe bestand und was kann es im März für einen Grund geben, seinen Rasen zu wässern?
Aber dann entdeckte ich, was in der Nacht mit dem versprühten Wasser passiert war:



Die hatten damit Eissträucher erschaffen



weil es nachts unter 0°C war, ist das feine Wasser an den Sträuchern gefroren und ich musste zugeben, das sah schon wirklich sehr schön aus.
Hätte ich den Flodders gar nicht zugetraut, dass sie so gute Ideen haben.

Sonst ist weiter nichts besonderes passiert, wieder viele Telefonkonferenzen und am Abend ein weiteres Experiment mit Microsoft Teams. Die Methode, mit der Microsoft seine Produkte aufbaut und verkauft, wird sich mir wohl nie erschließen, aber vielleicht ist das auch egal. Wenn man einfach hartnäckig genug dranbleibt und immer wieder andere Leute fragt, hat man irgendwann so viele nützliche, kleine Einzelinformationen zusammen, dass es insgesamt reicht, um den ganzen Kram auch wirklich vernünftig nutzen zu können, es bleibt nur dieses enorm ermüdende Gefühl: Warum machen die das so umständlich und warum erklären die das nicht vernünftig.

Sei's drum, hilft ja nix, ist hier, wie so oft, eine sinnvolle Einstellung, ich werde einfach weiter dranbleiben
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Dienstag, 24. März 2020
Montag übersehen
Mir ist aufgefallen, dass gestern Montag war und es mir nicht aufgefallen ist.
Im Homeoffice fühlen sich die Wochentage irgendwie gleich an, liegt aber vielleicht auch daran, dass für mich vor allem die Verpflichtung wegfällt, in dieses Büro zu gehen. Die Arbeit selber ist allerdings auch weniger geworden, es fallen nämlich viele Gespräche mit Mitarbeitern weg, die im Büro gefühlt alle naselang auf der Matte stehen und irgendwas wollen, was die (meine) produktive Arbeitszeit natürlich sehr belastet. Im Homeoffice gibt es zu 90% nur produktive Arbeit, (und 10% Rumgealbere am Telefon) was ich sehr angenehm finde. Da es im Homeoffice aber in vielen Fällen auch egal ist, wann ich die Arbeit erledige, muss ich mir die Zeit dafür nicht zwischen zwei Mitarbeitergesprächen rausstehlen, sondern kann Dinge dann erledigen, wenn ich dazu Lust habe. Und das mache ich natürlich auch am Wochenende, weil, warum nicht. Ist ja schließlich kein Unterschied, getan werden muss es sowieso.
Damit ist aber jetzt die klare Trennung zwischen Büro und Wochenende weggefallen und damit ist ein Montag auch kein Montag mehr, sondern einfach nur ein neuer Tag.

Im Moment gefällt mir das sehr gut, vielleicht liegt das aber auch daran, dass vor allem die Teile meiner Arbeit weggefallen sind, die ich schon immer lästig fand.
Damit hat der Tag einfach insgesamt mehr Stunden (u.a. natürlich auch weil ich mir eine Stunde für Hin- und Rückfahrt zum Büro spare) und das bedeutet, ich habe tatsächlich zwischendurch Zeit Dinge zu tun, für die ich sonst nie Zeit habe.

Heute habe ich in der Mittagspause den Tisch auf der Terrasse geschrubbt und mit Hammer und Meißel Spachtel bearbeitet. Da waren schon wieder neue Stalagmiten gewachsen, weil ich zwar seit letztem Sommer eine passende Decke zum Abdecken habe, die aber noch jungfräulich verpackt in der Ecke liegt.
Jetzt aber, dieses Jahr wird alles anders, ich habe auch schon die Schleifmaschine rausgesucht und werde die letzten Kalkhügel auf dem Tisch abschleifen und ab dann immer mit der Decke schützen. Fester Vorsatz.

Am Nachmittag habe ich ein Brot gebacken, im Homeoffice ist das ja überhaupt kein Problem, weil die reine manuelle Arbeitszeit gering ist, aber die Wartepausen dazwischen machen es zu einer zeitlich sehr langen Angelegenheit, da kann man prima zwischendrin arbeiten.

Die Küche habe ich auch sauber gemacht und zwar vor allem deshalb, weil es mir Spaß machte und ich mich anschließend jedesmal freute, wenn ich wieder in die Küche kam, um mir zB frisches Teewasser aufzusetzen, wie schön so eine Küche ist, wenn sie sauber ist.

Überhaupt empfinde ich all diese Hausfrauenarbeiten als enorm entspannend und finde, Homeoffice und Hausfrau ist eine prima Kombination für mich. Statt in meinen Pausen blöd im Internet rumzuscrollen oder in der Bürokaffeeküche mit Kollegen zu schwatzen, mache ich hier jetzt zwischendurch immer ein wenig sauber und finde das enorm produktiv.

Wenn es nach mir geht, kann das mit dem Homeoffice jetzt für immer so bleiben
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Montag, 23. März 2020
Homeoffice
Heute also ganz normaler Arbeitstag mit 100% Homeoffice - und ich stelle fest, dass ich jetzt am Abend keinen Bock mehr auf PC und Bildschirm und virtuelle Kommunikation habe.
Das muss sich sicherlich alles erst irgendwie einruckeln, aber wenn man wirklich nur Homeoffice macht, dann gibt es auch wirklich nur sehr wenig analoge Abwechslung.
So geballt wird das dann tatsächlich zu einem sehr langen Tag.

Außerdem habe ich wieder sehr viel telefoniert und videokonferiert und für diese Kommunikationsmethoden muss ich mir erst mal eine Hornhaut wachsen lassen, aktuell nervt mich diese Dauertelefoniererei noch sehr.

Die Krise als Charaktertest bringt immer neue, groteske Eigenschaften von Menschen ans Licht, ich glaube, wenn das alles vorbei ist, werde ich noch mehr Menschen nicht mögen als eh schon.
Mag ja sein, dass das niemand beeinflussen kann und wer von Natur aus ängstlich ist, der neigt jetzt sehr schnell zur Panik - aber ich bin von Natur aus misanthrop und die Panikhasen, die jetzt total am Rand drehen, die präsentieren die schwachen Seiten der menschlichen Spezies wirklich von ihrer besonders überflüssigen Seite, während die obercoolen "Jetzt chill mal, Alter" - Typen den Gegenpol in seiner allerdunkelsten Form repräsentieren . Schade, dass körperliche Gewalt grade nicht en vogue ist, aber ich könnte diese coolen Chiller wirklich den ganzen Tag ohrfeigen.
Es gibt sicherlich keinen Grund panisch zu werden, vor allem, weil einen das auch nicht weiterbringt, aber die Gesamsituation jetzt immer noch nicht ernst zu nehmen, das ist schlicht das dämlichste, was man sich ausdenken kann.

Zum Glück muss ich nicht vor die Tür gehen, ich begegne also niemandem aus den besonders anstrengenden Gruppen live, und um ihnen virtuell nicht zu begegnen, hilft es sehr, wenn man einfach wenig in sozialen Medien unterwegs ist. Mir hilft das zumindest sehr
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