Frau Cisek benutzt ständig den Konjunktiv oder schränkt ihre Aussagen durch ein kleines Hintertürchen ein.
"Man geht davon aus, dass die Viren diese Eigenschaft haben könnten", "Ich würde empfehlen", "das ist sehr unwahrscheinlich" usw.
Dieselben Sätze lauteten bei Herrn Drosten: "Und wenn man sich die Ergebnisse ansieht, dann liegt es auf der Hand, dass man als Zusammenfassung daraus folgern kann, dass die Viren die Eigenschaften haben.", "Ich rate deshalb", "das ist doch gar nicht vorstellbar"
Im Grunde sagt er genau das gleiche, seine Aussagen klingen aber wesentlich vertrauensfördernder und für mich klingen sie deshalb auch kompetenter, weil souveräner. Ich höre diesen Podcast, weil er mir das Gefühl gibt, dass ich dadurch gut informiert bin. Angst entsteht durch einen Mangel an Information, nur leider ist genau dass das Gefühl, was Frau Cisek bei mir fördert.
Sie hinterlässt bei mir nachhaltig den Eindruck, als ob sie zwar viel weiß, sich selber aber eben doch nicht absolut sicher ist, weil, es könnte ja auch sein, dass..... und jemand, der so vorsichtig und ängstlich ist, dem folge ich ungern in blindem Vertrauen nach, wenn ich selber den Weg nicht beurteilen kann, und der andere ganz offen sagt, dass es eben doch noch Ausnahmen und Besonderheiten gibt, die zwar selten sind, aber es gibt sie halt. Das fördert ja auch nur die Argumente der Querdenker, die sich genau auf diese Einschränkungen stürzen und dann laut propagieren: 90jährige Frau nach Corona-Impfung verstorben. Frau Cisek sagt dazu, dass es nicht geklärt ist, woran die Frau gestorben ist und ob es Zusammenhänge zur Impfung gibt - Herr Drosten kommentiert solche Schlagzeilen dagegen mit: "Das ist doch vollkommener Blödsinn."
Und im übrigen habe ich eine tiefsitzende Abneigung gegen Menschen, die "ich würde sagen" sagen. Unter welchen Umständen würden sie es denn dann eventuell doch nicht sagen?
Ne, bleib mir weg, Menschen die noch nicht mal für ihre eigene Meinung die Verantwortung übernehmen wollen, die sind mir als Ratgeber definitiv zu wackelig.
Sie mag ja eine extrem hohe fachliche Kompetenz besitzen, das kann ich weder beurteilen, noch will ich es anzweifeln, aber ich halte sie für diesen Podcast einfach fehlbesetzt. Sie ist nicht die Frau neben Herrn Drosten, sie ist einfach nur irgendeine x-beliebige, universitär hochrangige Wissenschaftlerin, von deren Sorte es trotz des hohen Elitestatusses viele gibt, die sich im übrigen aber teilweise auch wirr widersprechen. Ihre Hauptqualifikation besteht meiner Meinung nach darin, dass Herr Drosten sie fachlich zu schätzen scheint und das ist sicherlich eine Menge wert und bestimmt eine sehr gute Empfehlung, aber ihre 14tägigen Podcastfolgen finde ich trotzdem um Längen schlechter als die mit Herrn Drosten
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Auf dem Weg ins Büro bin ich morgens bei der Packstation vorbeigefahren, um weitere ebay-Pakete von K dort einzulegen, das System mit diesen Packstationen funktioniert ganz hervorragend und ich bin großer Fan. Ich nutze am liebsten die Station auf dem Lidl-Parkplatz, weil da erstens der große Parkplatz dazugehört und ich zweitens sowieso regelmäßig dort einkaufe, da lassen sich viele Dinge sinnvoll verbinden.
Heute war allerdings grade eine DHL-Mitarbeiterin da und räumte aus bzw. bestückte neu, so dass ich Zeit hatte, nicht nur die Abläufe des Systems, sondern auch die anderen Menschen zu beobachten, die da auf dem Parkplatz geschäftig hin- und herliefen, ihre Einkäufe zum Auto schoben bzw. auf einen Einkaufswagen warteten, der zur Zeit ja Zugangsvoraussetzung für jeden Laden ist. Sonst nehme ich Menschen ja sehr selten bewusst wahr, heute fand ich es aber interessant und habe folgendes bemerkt:
1. die DHL-Mitarbeiterin könnte die Pakete locker in der Hälfte der Zeit in und aus der Packstation ein- und ausladen, wenn sie etwas organisierter vorginge. Was die gute Frau da an Durcheinander produzierte, machte mich schon beim Zugucken ganz zappelig. Ich will ja gar nicht die Effizienz von DHL verbessern, aber wenn die Frau bei dieser Arbeit eine halbe Stunde Zeit sparte, könnte sie in dieser halben Stunde doch auch privaten Kram erledigen, bei Lidl einkaufen, z.B. Ich verstehe nicht, warum Menschen so umständlich sind.
2. es gibt drei Sammelreihen mit Einkaufswagen. Eine ist komplett gesperrt, weil es sonst wohl zu viele Wagen für zuviele Leute gleichzeitig im Laden wären.
Die zweite ist komplett leergeräumt, aus dieser Reihe sind grade alle Wagen unterwegs, nur ganz hinten ist ein einsamer Wagen an das Außengeländer angekettet, damit man einen Anfangswagen hat, an den man einen zurückgebrachten Wagen wieder anschließen kann, um seinen Einkaufschip zurückzubekommen.
Die dritte Reihe ist komplett voll, da kann man sich einfach einen Wagen nehmen. Trotzdem stehen drei Leute daneben und warten, dass jemand einen Wagen nach dem Einkauf zurückbringt, der den Wagen dann erst in die ganz leere Reihe bis nach hinten durchschiebt, dort ankettet, seinen Chip entnimmt und dann holt sich der nächste genau diesen Wagen mit einem eigenen Chip.
Weshalb sich die Leute nicht einen Wagen aus der vollen, dritten Reihe nehme, erschließt sich mir nicht. Ich verstehe aber auch die Zurückbringer nicht, die sich mühsam durch den langen, schmalen Gang der mittleren Reihe schlängeln, um ganz hinten ihren Wagen wieder anzuschließen, statt ihn einfach in der vollen Reihe vorne dranzuhängen.
Ich habe dem Treiben dort bestimmt fünf Minuten zugeguckt, dieses seltsame Wagenspiel ist genau dreimal in der Zeit durchgespielt worden.
3. Außerdem frage ich mich ja schon seit langem, weshalb die Leute immer noch umständlich mit Einkaufswagenchips oder gar Bargeld rumhantieren, um sich einen Wagen freizuschalten. Ich habe schon seit vielen Jahren so einen "abziehbaren Einkaufswagenchip" (nach diesem Begriff googlen, dann werden ganz viele angezeigt) an meinem Schlüsselbund, den stecke ich in den Einkaufswagen, löse die Kette und ziehe dann den Chip wieder raus. So habe ich einen Einkaufswagen ohne Chip, den ich nach dem Einkauf meist gar nicht umständlich wieder zurückbringen muss, sondern gleich dem nächsten, der einen Wagen holen geht, in die Hand drücken kann, es gibt ja nichts auszulösen. Obwohl ich diese Erfindung sehr praktisch finde, scheint sie immer noch ein Geheimtipp zu sein. Seltsam.
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In Greven war heute mal wieder Briefträgertag, da wird die Post ja schon seit längerem immer nur noch schwallartig verteilt. Heute waren zwei Briefe von der neuen Kfz-Versicherung dabei, das ist ja eine Versicherung, die noch mit echten Menschen, analog und in einer Niederlassung vor Ort arbeitet, was mir grundsätzlich gut gefällt, was aber absolut nicht bedeutet, dass weniger Fehlern passieren, eher im Gegenteil.
Dass ich für ein und denselben Vertrag an einem Tag zwei Briefe bekomme, in dem einen ist der Versicherungsschein, in dem anderen die "Auto-Karte", also eine kleine Karte, auf der alle Details zur Versicherung stehen und die man ins Auto legen soll, also, dass diese Unterlagen in zwei getrennten Umschlägen versendet werden, finde ich merkwürdig, aber nun, sei's drum. Vielleicht liegt es ja unserer unregelmäßigen Postzustellung und die wurden mit größerem zeitlichen Abstand versandt.
Was ich allerdings doch sehr skurril finde, ist, dass im Versicherungsschein ein anderes Autokennzeichen steht als auf der "Auto-Karte", obwohl sie beide für dasselbe Auto sind, nur das skurrilste ist: Keines ist richtig. Im Versicherungsschein ist ein Zahlendreher in der Nummer und auf der Auto-Karte ein Buchstabendreher im Mittelteil.
Ich werde da morgen mal anrufen und bin jetzt schon gespannt, was die für Ausreden haben
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* er schickte mir den Link zwar über einen Messengerdienst, aber er war nicht anklickbar, weil er ein Foto von einem Flyer gemacht hatte, der für dieses Online-Portal warb. An dieser Stelle fiel mir auf, wie unpraktisch so analoge Werbeflyer sind.
** da ich mich ja aktiv gegen das Gendern entschieden habe, gendere ich in keine Richtung und bei Putzfrauen sind natürlich alle Putzmänner und sonstige geschlechtslosen Putzlappen mitgemeint, dies nur zur Klarstellung.
Als ich 2008 aus dem gemeinsamen Haushalt mit CW auszog, habe ich nicht nur einen 500qm großen Loft zurückgelassen, sondern auch eine festangestellte Haushaltshilfe, die täglich kam.
Mit CW zu leben hieß auch immer, einen großen Haushalt zu führen, wir hatten also regelmäßig Gäste, irgendjemand war fast immer grade zu Besuch und blieb dann natürlich auch zum Essen, dass wir wirklich nur zu fünft am Tisch saßen, kam tatsächlich selten vor. Wenn ich die Kinder rief und bat, sie mögen den Tisch decken, war die absolut sichere Gegenfrage immer: "Für wie viele Leute?"
So ein großer Haushalt, in dem außer vielen Gästen auch noch drei quirlige Kinder, ein großer Hund und lange Zeit auch noch zwei Katzen lebten, der ist putz- und aufräumtechnisch eine Herausforderung. Weil ich keine gesteigerte Putzaffinität habe, war es das klügste, das Problem outzusourcen und die notwendigen Putz- und Aufräumleistungen fremd einzukaufen.
Wir hatten also Haushaltshilfen, anfangs an drei Tagen die Woche, als wir in die Fabrik umzogen und kein AuPair mehr hatten, haben wir dafür eine Hilfe für 30 Stunden die Woche eingestellt, die war dann auch zusätzlich gleich noch Kinderaufpasser, wenn es Bedarf gab.
Ich habe also viele Jahre Erfahrung mit Putz- und Haushaltshilfen und als ich 2008 meinen eigenen Neuanfang machte, da musste ich nicht lange überlegen, ob ich eine Putzfrau brauche oder nicht, da wäre das finanziell nur möglich gewesen, wenn ich von CW Geld angenommen hätte, und das wiederum wollte ich auf keinen Fall.
So lernte ich, dass sich ein Haushalt mit drei (größeren) Kindern (kein Hund mehr, der war verstorben) sehr gut ohne Putzfrau managen lässt, ich glaube, die Kinder haben die Putzfrau deutlich mehr vermisst als ich.
Dass ich hier in Greven also keine Putzfrau mehr hatte, war anfangs nur den finanziellen Umständen geschuldet, als die sich besserten, dachte ich tatsächlich ab und zu darüber nach, dass es doch angenehm wäre, wenn der Putzstress wieder wegdeligiert werden könnte.
Aber dann habe ich weiter nachgedacht und mich an die Zeiten mit Putzfrau erinnert und dann wusste ich plötzlich, dass ich ohne Putzfrau im Grunde viel zufriedener bin, denn wenn man es mal aus einer anderen Perspektive beguckt, dann bringt eine Putzfrau viele Nachteile mit sich, aber wenig Vorteile.
Seitdem ich keine Putzfrau mehr habe, ist mein Verhältnis zu Dreck im Haushalt deutlich entspannter geworden. Als ich noch jemanden dafür bezahlte, dass er den Dreck wegputzte, habe ich mich regelmäßig darüber geärgert, wenn der Dreck nicht ordentlich weggeputzt war.
In den 18 Jahren, in denen ich diverse Putzfrauen beschäftigte, war der Dreck eigentlich nie so ordentlich weggeputzt, dass ich mich nicht geärgert habe, irgendeine ungeputzte Ecke fand sich immer und ich habe mich gefühlt ständig geärgert.
Seitdem ich keine Putzfrau mehr habe, muss ich mich über Dreck nicht mehr ärgern, weil es ja niemand schuld ist, dass er dort rumliegt.
Ich meine, wenn die Fenster schmutzig sind, sind die Fenster schmutzig, aber ich bin es nicht schuld, weil ich sie nicht schmutzig gemacht habe und ich bin es auch nicht mittelbar schuld, weil ich die Putzfrau nicht vernünftig gescheucht habe, die Fenster sind einfach nur von ganz alleine schmutzig geworden und es gab niemanden, der dafür zuständig gewesen wäre, sie zu säubern.
Wenn es mich stört, dass die Fenster schmutzig sind, kann ich sie ja putzen, aber dafür muss es mich erst so doll stören, dass das Störgefühl lästiger ist als das Putzen - und da kann ich aus Erfahrung sagen: das dauert. Und bis dahin passiert einfach gar nichts, keine schlechte Laune, kein rausgeworfenes Geld, nur ein paar Fenster, die so nach und nach immer schmutziger werden, bis ich irgendwann Lust habe, sie zu putzen.
Wenn ich sie dann geputzt habe, habe ich als Belohnung dann übrigens nicht nur saubere Fenster, sondern zusätzlich meist noch richtig viel gute Laune, weil es sich halt richtig gründlich gelohnt hat, die Fenster zu putzen. Man sieht den Unterschied tatsächlich, und nicht nur, wenn man von Beruf Hausdame in einem 5 Sterne Hotel ist.
Jetzt gibt es natürlich außer so Großaktionen, wie Fensterputzen auch den regelmäßig Kleinkram in einem Haushalt. Staubsaugen zB und Waschbecken auswischen.
Das könnte man täglich tun, oder zumindest so oft, wie die Putzfrau in der Woche zum Putzen ins Haus kommt, aber wenn man eine Putzfrau dafür kommen lässt, heißt das auch, dass man das Staubsaugen erstmal ermöglichen muss. Wenn man also selber weiß, dass gleich die Putzfrau kommt, gerät man in einen ganz persönlichen Stress, weil man natürlich unbedingt vorher aufräumen muss und überhaupt, das Haus erstmal in einen putzfraukonformen Zustand versetzen muss. Man muss seine schmutzigen Unterhosen in den Wäschekorb werfen und noch wichtiger: alle verdächtigen Gegenstände aus dem Bett entfernen, alle nicht vorzeigbare Lektüre sicher verstecken, und in den anderen Räumen gibt es auch immer irgendetwas, was man vorher so zurechtruckeln muss, dass man eine Putzfrau ins Haus lassen kann, Weil, wie peinlich wäre das sonst, wenn ein fremder Mensch sieht, wie unendlich liederlich man selber in Wahrheit wirklich ist, gruselig, das darf nie jemand erfahren.
Für mich bedeutete Putzfrau also immer Stress, weil ich auf Termin aufräumen musste und sie bedeutete Stress, weil ich mich geärgert habe, dass sie letztlich nie so ordentlich geputzt hat, dass es nichts mehr zu meckern gab. Ich meine, ich selber putze auch nicht so ordentlich, dass ich nichts zu meckern über mich hätte - ich werde aber ja auch nicht dafür bezahlt und deshalb ist das mit dem Anspruch und der Unzufriedenheit eine komplett andere Sache.
Ich habe mich also in den letzten Jahren, als ich mir längst wieder eine Putzfrau hätte leisten können, stets aktiv dagegen entschieden, weil ich noch nicht entspannt genug bin, den Stress, den eine Putzfrau verursacht, auch zu ertragen.
Ich habe dafür gelernt, mich von Dreck, der sich einfach von alleine überall verbreitet, nicht stressen zu lassen. Wenn er mich stört, mache ich ihn weg und das betrachte ich dann übrigens als Indoor-Fitness-Übung, ich finde es also durchaus positiv, mich wenigstens einmal die Woche ein bisschen beim Putzen zu bewegen. Mehr als einmal die Woche muss aber auch nicht sein und damit entfällt für mich komplett jeder Grund, wieder eine Putzfrau zu beschäftigen
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K und ich sind also immer noch in Greven, die Kinder sind dafür immer noch zu dritt auf Borkum und im Grunde hat keiner was am aktuellen Zustand zu beklagen, weil ja keine Seite alleine ist und beide Seiten ein sehr gut ausgestattetes, gemütliches Haus mit ausreichend Platz und gut funktionierendem Internet zur Verfügung haben. Und wenn uns nach hausübergreifender Kommunikation ist, dann schmeißen wir eine Internetleitung an und das klappt alles ganz hervorragend.
Ich habe heute fast dreieinhalb Stunden mit J geredet. Ihn verlangte nach einem Crashkurs in Immobilienwissenschaften und nach dem ich erst sagte, da wüsste ich mal gar nicht, was ich ihm da erzählen sollte, das wäre doch alles selbsterklärend, und überhaupt wüsste ich gar nicht, was es da zu wissen gäbe, provozierte er mich spontan mit 2-3 derart dämlich unwissenden Bemerkungen, dass ich daraufhin einmal tief Luft geholt und dann 3 1/2 Stunden quasi non stop geredet habe.
Am Ende war ich heiser und sehr erstaunt von meinen eigenen Erklärungen, mir war gar nicht bewusst, wie komplex das ganze tatsächlich ist. Und dabei ging es weder um das Bauen oder Kaufen von Immobilien, noch überhaupt um irgendwelche Investmentstrategien, sondern nur um die absoluten Basics, also welche Formen von Immobilien gibt es (ich habe meine Erläuterungen beschränkt auf Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen), wie wird man Eigentümer, welche Arten von Gemeinschaftseigentum gibt es, wo ist der Unterschied zwischen Bruchteilseigentum und Gesamthandseigentum, was sind die Vor- und die Nachteile, wofür und wann zahlt man Steuern und welche Steuererklärung muss eine Eigentümergemeinschaft abgeben.
In dem Zusammenhang war zu erläutern, welche Kosten Immobilien verursachen und wer was davon bezahlt (Unterschied Eigentümer ./. Mieter). Von da kamen wir auf die Unterschiede zwischen Hausgeld und Nebenkosten, was Abschreibung bedeutet und weshalb sie zwingend kalkuliert werden muss, wer Instandhaltungen bezahlt und wie ein Eigentümer hier wirtschaftlich sinnvoll Vorsorge trifft.
Natürlich landeten wir irgendwann beim Berliner Mietendeckel und ich habe ihm mit einfachen Zahlen, die jeder im Kopf nachvollziehen kann, vorgerechnet, dass es wirtschaftlich einfach ausgeschlossen ist, eine Immobilie, die im Quadratmeter 2.500€ kostet (was ja nun wirklich noch sehr günstig ist) für eine Miete von 5€/m²/Monat zu vermieten*, wenn man allein durch die Miete die Immobilie finanzieren will und nicht noch zusätzlich mit steigenden Preisen. Das mit dem Berliner Mietendeckel wird also nur dazu führen, dass die Leute ihre Wohnungen nicht mehr vermieten, sondern nur noch verkaufen**, weil Vermietung unter diesen Bedingungen einfach ein Minusgeschäft ist und die, die noch weiter vermieten, werden dann aber sicher nichts mehr instandhalten oder modernisieren, weil dafür dann definitiv überhaupt kein Geld mehr da ist.
*5€/m²/Monat entspricht bei einem Anschaffungspreis von 2.500€/m² einer Rendite von 2,4%, was tatsächlich eine negative Rendite ist, wenn man mit 50 Jahren Nutzungsdauer, also 2% rechnet, während der aber auch noch zusätzliche Instandhaltungen anfallen (die Immobilienwirtschaft kalkuliert hier mit 1-1,5% je nach Alter und Ausstattungsstand der Immobilie) und außerdem sind natürlich noch Risikokosten wie Leerstand oder Mietausfall zu kalkulieren. Außerdem entstehen laufende Kosten durch Verwaltung und Finanzierung, die ebenfalls durch die Miete gedeckt sein sollten. Die laufenden Kosten einer Immobilie liegen in diesem Beispiel also deutlich über den Mieteinnahmen, was zu einem Dauerverlust führt, der übrigens steuerlich noch nicht mal angesetzt werden kann, weil Dauerverluste steuerlich nicht mit positiven Erträgen verrechnet werden können.
**Man schaue auf die Zahlen von 2020, der Verkauf von Wohnungen in Berlin ist rasant gestiegen und zwar in etwa im gleichen Verhältnis wie die Eigennutzung von Wohnungen gestiegen ist. Wer in Berlin eine schöne Wohnung haben möchte, kann sie nicht mehr mieten, sondern nur noch kaufen. Wo hier der Vorteil für die sozial schwächeren ist, verstehe ich nicht, ich bin aber zum Glück auch kein Politiker.
J weiß jetzt, was der Unterschied zwischen dem Katasteramt (Kommune) und dem Grundbuchamt (Amtsgericht) ist, er kann sich etwas unter einem gesonderten und einheitlichen Feststellungsbescheid vorstellen und er weiß, wie Sonderwerbungskosten entstehen. Es war also insgesamt ein Parforceritt durch deutsches Zivil- Steuer- und Verwaltungsrecht mit Einsprengseln aus dem Gesellschaftsrecht (wer kann wie und gegen wen oder was aus welchem Anspruch vollstrecken und vor allem, wer haftet wofür), als ich nach 3,5 Stunden so heiser war, dass ich nur noch krächzen konnte, haben wir die Vorlesung beendet, aber ich habe das Gefühl, er hat tatsächlich eine Menge verstanden, (die Zwischenfragen wurden immer intelligenter, deshalb gehe ich davon aus, dass er wirklich aufmerksam zugehört hat).
Ich habe anschließend darüber nachgedacht, woher ich das alles weiß und nein, es ist nicht zwingend Teil meines Berufes, ich kenne ausreichend Kollegen, die haben davon so gut wie keine Ahnung, es hat sich einfach so im Laufe der Zeit ergeben, dass ich immer mal wieder in Situationen war, wo ich selber auch einzelne Dinge nachfragen konnte und weil ich in solchen Dingen fast krankhaft neugierig bin und ständig alles ganz genau wissen will, habe ich mir im Laufe der Jahre ein ziemlich umfangreiches Wissen aus vielen Einzelinformationen zusammengetragen und mit ein wenig eigener Kreativität passende Querverknüpfungen erkannt oder gezogen. Jede einzelne Information für sich ist trivial, aber zusammengefasst sind sie tatsächlich ziemlich wertvoll und nützlich und weil das Erbe der Kinder wohl vor allem aus Immobilien bestehen wird, ist es nicht verkehrt, wenn sie sich selber auch schon früh dafür interessieren
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Gleichzeitig ist mir aber auch aufgefallen, dass meine Kenntnis von bekannten Schlagersänger- und -innen samt ihren Liedern ungefähr Mitte der 80er aufhört, alle, die danach erst berühmt wurden, hat meine Wahrnehmung nicht mehr registriert bzw. einige wenige sind mir (inzwischen) zwar vom Namen her bekannt, weil eben so viel über sie berichtet wurde, dass das selbst in meiner stark gefilterten Informationsblase ankam, ich bringe sie aber tatsächlich nicht mit irgendeinem Song in Verbindung bzw. ich kenne ihre berühmtesten Songs einfach nicht.
Nun ist mein Musikgeschmack noch nie geeignet gewesen, irgendwelchen Mainstream Anforderungen zu genügen, auch nicht, wenn ich als benchmark für den jeweils "wichtigen" Mainstream nur den Geschmack meiner jeweiligen Peergroup ansetze.
Versaut habe ich mir das dadurch, dass ich einerseits schon sehr früh Liedermacher ganz prima fand (und Musicals übrigens auch), mich aber gleichzeitig nicht in der zu Liedermachern gehörenden Fangemeinde wiederfand. Falsche Peergroup für mich, sozusagen, weil eindeutig zu viel Ideologie (also, ich meine, der typische Liedermacherfan ist überwiegend gleichzeitig auch in der grün-linken oder der Gemeindepfarramts-Ideologie zu verorten) und auf Ideologie reagiere ich ja identisch wie auf Religion, ich halte sehr gerne sehr viel Abstand.
Ich finde, jeder kann das mit dem Glauben und den Überzeugungen für sich halten wie er will, aber meine wichtigste Überzeugung ist, dass ich meine Meinung bitte jederzeit ändern können möchte, wenn ich neue Informationen habe, die meine bisherige Meinung plötzlich komplett anders beleuchten und das wird in ideologisch geprägten Gruppen nun mal gar nicht gern gesehen.
Weil ich mich also den Liedermacherfans nicht anschließen mochte, Musicals sowieso nur was für ganz andere Leute waren und ich gerne von den ideologisch ungeprägten Typen aus dem Reitstall und von der Clique am Borkumer Südstrand akzeptiert werden wollte, habe ich mich einfach an den Charts der damaligen Zeit orientiert, wenn es um meinen "offiziellen" Musikgeschmack ging und dabei sehr früh gelernt, dass Schlager eher was für ältere Leute sind, die meinen, sie müssten auch noch Party machen. Also so für Leute ab 30 oder so und dass es für jüngere Leute wie mich total uncool war, Schlager zu mögen. (Musicals war übrigens "Intellektuellen-Musik", da ist die Peergroup für 15-16jährige noch dünner besetzt und Streber wollte ich ja nun auch auf gar keinen Fall sein.)
So bis Mitte der 70er war es dabei relativ einfach, Schlager als Schlager zu identifizieren, das waren nämlich alle deutschen Lieder, die keine Liedermacherlieder waren. Es wurde dann etwas komplizierter als Marius Müller-Westernhagen gemocht werden durfte. Dessen Lieder waren cool und wurden auf jeder Fete gespielt, das gefiel mir, denn endlich hatte ich auch mal ganz in echt einen Mainstream-Geschmack. Aber Peter Maffay war deshalb noch lange nicht akzeptiert und Udo Jürgens war schwierig, aber immerhin nicht so schlimm wie Tony Marschall, Roberto Blanco oder Roy Black. Es gab außerdem einzelne Ausnahmen, für die wurde man nicht sofort in die ewige Musikgruftihölle verbannt, wenn man die mochte, z.B. Juliane Werding mit "Am Tag als Conny Kramer starb", das wurde grade noch mit zugekniffenen Augen akzeptiert, obwohl es natürlich cooler war, gleich das Original von Joan Baez zu hören.
Dass in dem Schlagerrückblick, den ich da gestern sah, Udo Jürgens auf einer Stufe neben Rex Gildo einsortiert wurde, das fand ich dann schon schräg, weil er zumindest in meiner Welt früher nicht als zu verachtender Schlagerfuzzi galt. Es war nicht cool ihn zu mögen und er war auch kein echter Liedermacher, aber irgendwie eher doch sowas als ein Schlagerstar. Nun ja.
Die Sendung Hitparade war für die Erwachsenen (also die ab 30), das guckte man höchstens, weil man es gucken durfte, aber nicht weil man selber interessiert war. Ich guckte es vor allem deshalb ganz gerne, um zu lernen, bei welcher Musik ich ordnungsgemäß die Augen verdrehen musste, wenn Freunde dabei waren.
Angesagte, also akzeptierte Musik gab es bei Ilja Richter in der "Disco", was ich versuchte, regelmäßig zu gucken, einfach deshalb, damit ich informiert war, welche Songs grade "heiß" waren. Das war die preiswerteste und bequemste Variante. Echte Freaks hörten natürlich ständig Radio und kauften sich im Zweifel auch noch passende Zeitschriften, das war mir viel zu lästig, weil ich die Musik selber ja gar nicht hören wollte, sondern nur die wichtigsten Informationen zum darüber Mitreden brauchte.
In den 80ern bekam ich "neue" Musik dann entweder übers Radio mit, was beim Autofahren lief und natürlich wenn man abends ausging, da wurden die Charts ja auch hoch und runter gespielt. Mein Kontakt zu Erwachsenen (also denen über 30) wurde immer weniger, keine Teilnahme an gemeinsamen Feten mehr, ich war alt genug, um auf eigene Feten gehen zu können. Dementsprechend spärlich wurden auch so nach und nach die Informationen über neue Schlager - und irgendwann war ich dann von Informationen über dieses Musikgenre sozusagen abgeschnitten, weil, wo hätte ich etwas darüber erfahren können? Niemand in meinem Umfeld hörte diese Musik, ich glaube, ich hielt Schlager lange Zeit für so etwas wie Kölnisch Wasser - das wird mit meiner Elterngeneration irgendwann aussterben.
Ich erinnere mich gut, dass ich 2006 das erste Mal etwas von Andrea Berg hörte, weil der Maler, der auf Borkum den Innenanstrich erledigt hatte, so von ihr schwärmte und ich aus Neugier dann diesen Namen googelte und vor Erstaunen fast vom Stuhl fiel, als ich las, wie viele Millionen Schallplatten diese Frau schon verkauft hatte.
Das hat mich damals schon erstaunt und gestern gab es ja noch viele weitere Informationen über Schlagersänger und -innen, die heute angesagt sind und ich stellte fest, dass ich tatsächlich kaum einen der Namen kannte, obwohl die teilweise das x-fache an Platten verkaufen verglichen mit den Leuten, die meiner Meinung nach grade in den Charts sind.
Immerhin wusste ich schon, wer Helene Fischer ist und von "dem Wendler" hatte ich auch schon gehört, allerdings vor allem deshalb, weil sich so viele Satiriker so häufig über den lustig machen. Roland Kaiser (kenne ich, noch von früher und außerdem kauft er häufig mit mir gleichzeitig im selben Großmarkt in Münster ein, man kennt sich sozusagen vom Einkaufen), also dieser Roland Kaiser hat jetzt eine Platte mit Florian Silbereisen gemacht und den hätte ich stumpf unter "Volksmusik" abgelegt und plötzlich wurde mir klar, dass es neben Schlager und der Hitparade (für die Leute ab 30) ja früher auch noch Volksmusik und den blauen Bock gab (für die Leute ab 60) und dass es etwas ähnliches also sicher heute auch noch gibt - nur, wer verdammte Axt, guckt das noch?
Und dann habe ich mir überlegt, dass meine frühere Einteilung, also Schlager sind vor allem was für "Leute ab 30" und Volksmusik ist was für Rentner, vielleicht tendenziell früher gepasst hat, so ganz grob, aber dass ich damit heute keine einfache Abgrenzung mehr zu mir definieren kann, weil, sonst hätte ich die letzten 28 Jahre ja schon Schlager hören müssen bzw. wenigstens hätte ich Freunde haben müssen, die Schlager hören und demnächst wechseln dann alle zur Volksmusik und das halte ich alles für extrem unwahrscheinlich.
Es muss also ganz andere Unterschiede geben und dann wurde mir klar, dass es neben meiner kleinen, eingeschränkten Miniwelt ein gigantisch großes Paralleluniversum geben muss, in dem Millionen von Menschen leben, die auf Schlager und auf Volksmusik stehen und dafür auch richtig viel Geld ausgeben - die aber alle für mich nicht sichtbar sind.
Und das hat mich dann sehr nachdenklich gemacht
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Das Ausrechnen der Zahlen ist dabei nur ein kleiner Teil, dann müssen ohne Ende Dokumente hergestellt werden, hübsch formatierte Tabellen und ansprechend formulierte Briefe ausgedruckt, wieder eingescannt, eingetütet, frankiert werden. Das dauert halt alles.
Jetzt ist die Post aber schon eingeworfen und es fühlt sich gut an.
Irgendwann am Nachmittag machte mein Handy "pling" und eine Push-Nachricht meldete, dass in der Packstation ein Paket auf mich wartet. Das fand ich aufregend, denn ich habe nichts mehr bestellt, alle offenen Bestellungen sind längst da.
Weil ich ja grundsätzlich ein enorm neugieriger Mensch bin, musste ich also dringend zur Packstation fahren und nachschauen und fand ein Überraschungspaket von dem Schreiner, der auf Borkum die Haustür eingebaut hat.
Darin als Besonderheit endlich mal keine Flasche, sondern ein superedles, japanisches Messer als absolut wunderbares Weihnachtsgeschenk, ich war richtig begeistert.
K hat in den letzten Wochen sein Büro aufgeräumt und dabei so nach und nach die Weihnachtsgaben der letzten Jahre aus den Schränken geholt und bei uns im Weinkeller eingelagert, wenn wir von einem für die nächste Zeit also wirklich genug im Haus haben, dann sind es Weinflaschen.
Ansonsten höre ich ja mit großer Begeisterung seit 22 Tagen jeden Morgen den großen Adventskalenderpodcast "Herzregen" von Frau Novemberregen und Frau Herzbruch, heute Morgen hatten sie das Thema "Älterwerden" und ich musste ganz gewaltig grinsen, denn im Wesentlichen beklagen sie genau die Dinge, die ich vor 14 Jahren, als ich in ihrem Alter war, 1:1 auch beklagt habe. Ich höre mich noch reden.
Ich bin aber heute 14 Jahre älter und finde mein eigenes, 14 Jahre jüngeres Ich im Rückblick inzwischen irgendwie niedlich. Ich habe mir damals ernsthaft Gedanken ums Älterwerden gemacht, habe damit gehadert und fühlte mich nicht mehr richtig platziert im Leben. Nicht Fisch nicht Fleisch, nicht mehr jung, aber natürlich auch nicht richtig alt. Viele Perspektiven meines 30jährigen Ichs waren weggefallen oder ließen sich zumindest nicht mehr mit echter Seriösität anstreben. Die endgültige Zahl der Kinder stand fest, die berufliche Ausrichtung ließ sich auch nicht mehr sinnvoll verändern, (obwohl ich hier in gewisser Weise ja dann doch einen kompletten Neustart gewagt habe, aber der grundsätzliche Beruf blieb der gleiche), für eine Umschulung zur Aktuarin war die Zeit genauso abgelaufen, wie für einen Neustart als Stewardess und zum Auswandern fehlte mir inzwischen auch der Schwung.
Die Kinder waren zwar schon alle so groß, dass sie selbstständig zur Schule gehen konnten, aber eben noch nicht groß genug, um komplett alleine zu leben (so wie heute), ich war gefangen in einer Melange aus Verantwortung, Kümmern und Loslassen und fühlte mich scheiße. Mein Aussehen veränderte sich, meine Haare saßen nicht mehr so easypeasy wie sie das 40 Jahre lang zuvor stets getan hatten, ich bekam Stoppeln am Kinn, die mich wahnsinnig machten, Falten am Hals, die mich Rollkragenpullis en masse kaufen ließen und ich konnte ohne Brille nichts mehr lesen.
Ich weiß das alles noch genau, aber ich habe mich inzwischen damit versöhnt. So, wie ich eines Morgens aufwachte und plötzlich nichts mehr ohne Brille lesen konnte, wachte ich einige Jahre später auch mal plötzlich morgens auf und freute mich, dass ich eine Gleitsichtbrille habe, die so vieles im Leben einfacher macht.
Ich glaube, mit Anfang/Mitte 40 hatte ich immerzu das Gefühl, das Glas ist nicht mehr ganz voll, da fehlt was, da fehlt sogar ein großer Schluck, wenn nicht gar die Hälfte und mit einem halbleeren Glas war ich ganz und gar nicht einverstanden.
Heute schaue ich mir mein Leben an und denke, was ich für ein Glück habe, dass noch so viel drin ist in meinem Glas. Vielleicht nicht mehr halbvoll, aber fast. Und das Beste kommt erst noch, das Süße sitzt am Boden, da kann ich mich jeden Tag drauf freuen.
Und ja, ich bin absolut superheilfroh, dass ich aus dem Alter von "bis Mitte 40" raus bin. Von allen Altern, die ich in meinem Leben schon erlebt habe, war die Zeit zwischen Anfang bis Mitte 40 ganz unbestritten die anstrengendste und mental zermürbendste. Formal gab es damals für mich keinen Grund irgendwas zu beklagen, ich hatte alles. Ein tolles Haus, ein aufregendes Leben und ziemlich pflegeleichte und selbstständige Kinder, aber vielleicht war genau das das Problem: Es gab keine Perspektive für die absehbare Zukunft, die es besser werden ließ, weil es ja schon sehr gut war. Aber die ersten 40 Jahre in meinem Leben war es quasi ständig bergauf gegangen, ich hatte tolle Dinge gemacht und erreicht - und dann war plötzlich Stillstand. Wo soll man noch hin, wenn man oben angelangt ist?
Ich habe deshalb damals alles hingeschmissen und einfach noch mal neu angefangen, das ist (zum Glück!) auch wirklich rundum gut gegangen, aber so war ich die letzten 14 Jahre gut beschäftigt und hatte gar keine Zeit, mich übers Älterwerden zu grämen. Und heute habe ich eine durchaus absehbare Perspektive: Nur noch vier Jahre und dann kann ich mich zu 100% mit den Dingen beschäftigen, die mir heute schon am meisten Spaß machen und da bin ich sehr sicher, das wird toll.
Frau Herzbruch träumt von einer Wohnung am Meer, wo sie im Alter vor der Scheibe sitzt und aufs Meer guckt. Im Unterschied zu Frau Herzbruch bin ich dieser Wohnung (und nein, ich will natürlich ein Haus und ich muss das Meer nicht sehen, mir reicht es, wenn ich es hören und riechen kann, mir ist ja Gucken nicht so wichtig), aber im Unterschied zu Frau Herzbruch bin ich meiner sehr ähnlichen Altersvorstellung schon deutlich näher und das macht ganz enorm mehr zufrieden, eben weil ich keine Zwischenperspektive mehr brauche. Vor 14 Jahren hätte ich noch geglaubt, dass es mindestens noch 23 Jahre dauert, bis ich in diesem Haus non stop dem Meer lauschen kann. (Bis 67 halt)
Aber 23 Jahre ist einfach zu viel, wenn man Mitte 40 ist, ist das das halbe Leben, das kann man nicht einfach nur mit Warten verbringen. Ausgeschlossen, da braucht es noch etwas anderes in der Zeit. Wenn man das aber nicht sieht, ist das blöd. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern.
Und genau deshalb bin ich so unendlich froh, dass ich diese Zeit hinter mir habe. Ich habe mich in den letzten 14 Jahren gut beschäftigt und unter anderem ist es mir gelungen, mein persönliches Arbeitsende 5 Jahre nach vorne zu ziehen, deshalb sind es für mich nur noch vier Jahre. Und die sitze ich doch locker auf einer halben A*backe ab
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Den Vormittag habe ich überwiegend damit verbracht, einen Text wiederzufinden, den ich heute Vormittag im Bett auf dem Handy oder dem iPad gelesen habe, aber er blieb unauffindbar. Das ist schon verrückt, nicht wahr, dass manchmal Dinge verschwinden, die eben grade noch da waren und man hat überhaupt keine Erklärung, weshalb und vor allem wohin sie verschwunden sind, aber sie sind weg, innerhalb von Sekunden unsichtbar, in einer Dimensionsfalte versteckt, einfach nicht mehr greifbar. Völlig skurril und oft auch völlig absurd.
Frau Novemberregen und Frau Herzbruch (in der Blogroll verlinkt) haben sich heute in ihrem Adventskalenderpodcast über Wohnen unterhalten und Frau Novemberregen träumt von einer Wohnung nur für sie, zu der sonst niemand anderes Zutritt hat, weil sie meint, dann wären dort immer alle Dinge an dem Platz, an dem sie selber sie hinterlassen hat.
Dazu kann ich nur sagen, dass ich davon auch lange geträumt habe, bis alle Kinder ausgezogen waren und ich inzwischen durchaus Räume besitze, die nur ich alleine benutze. Aber knapp waren die Kinder weg, haben sich die Dimensionsfalten im Haus verdreifacht und es ist (fast) genauso viel immer noch zwischendurch verschwunden, wie das früher auch regelmäßig der Fall war. Das ist sehr gruselig, vor allem auch, weil ich jetzt niemanden mehr habe, dem ich die Schuld dafür zuschieben kann, dass Dinge weg sind.
Heute Vormittag suchte ich also einen Text, den ich nur Minuten vorher noch gelesen hatte. Eigentlich interessierte mich der Text selber gar nicht, sondern nur das Zitat, was darin vorkam, denn es war einem Urheber zugeordnet und genau den wollte ich wiederfinden, aber wie verhext, es blieb verschwunden.
Das Zitat selber weiß ich natürlich auch nur noch dem Sinn nach, es lautete ungefähr: Glück ist, wenn man irgendwann den Menschen gefunden hat, den man bis an sein Lebensende ärgern kann. - und ich finde es ganz ungemein treffend auf den Punkt gebracht.
Leider weiß ich halt nicht mehr, wer das mal so klug erkannt und formuliert hat, aber ich würde es zu 100% unterschreiben.
Und vielleicht habe ich deshalb auch so oft das Gefühl, wirklich glücklich zu sein, denn wenn ich das Band, was meinen Westfalenmann und mich verbindet, beschreiben müsste, dann ist es eben die Tatsache, dass wir uns wirklich ganz vorzüglich gegenseitig ärgern können und das auch unentwegt tun.
Am Nachmittag habe ich Dinge getan, die ich schon wieder vergessen habe, es hatte aber nichts mit Schreibtischarbeit zu tun und allein das ist immer schon ein Grund, um mit dem Tag zufrieden zu sein.
K hat sich heute damit beschäftigt, Dinge bei ebay einzustellen, was ich ganz ungemein hervorragend prima finde und jetzt hat er nicht nur die drei alten Sonos-Boxen bei ebay reingesetzt, sondern auch gleich noch ein paar Dinge, die ich ihm zusätzlich angeschleppt habe und auf fast alle Teile liegen schon Gebote vor, es ist also sehr wahrscheinlich, dass auch alles verkauft wird. Große Freude.
Ansonsten habe ich über Dinge nachgedacht.
Inspiriert von dem Herzregen-Podcast finde ich die Idee prächtig, einen Begriff in den Raum zu werfen und sich dann zu überlegen, was man dazu zu sagen hat.
Ein Begriff, der mir gestern vor die Füße geworfen wurde, war "Perfektion" und nach dem ich kurz nachgedacht habe, möchte ich zu Perfektion Folgendes sagen: Ich halte nichts davon.
Meine Großmutter sagte gerne, dass 80% der Erledigung vieler Dinge auch 80% der Zeit braucht, die fehlenden 20% der Erledigung brauchen dann aber noch mal 80% der Zeit. Ich finde, da ist sehr viel Wahres dran, deshalb lasse ich üblicherweise die letzten 20% gleich von vornherein weg, sie haben ein zu schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis und zu 80% perfekt ist doch nun wirklich auch völlig ausreichend.
Das Prinzip hat übrigens einen wissenschaftlichen Namen, man nennt es das Pareto-Prinzip und die Verteilung von 80% und 20% wird da etwas anders beschrieben, aber ich glaube, meine Großmutter meinte genau dieses Prinzip und weil eine gewisse Schludrigkeit sowieso meinem Naturell entspricht, kommt mir das alles ganz ungemein entgegen und ich lebe quasi das Paretoprinzip mit allen Fasern.
Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass bei mir nie etwas perfekt ist. Meine Schulbücher hatten immer Eselsohren, in meinen Schulheften war oft gleich auf der ersten Seite ein dicker Klecks und so schaute ich stets nur mit großem Staunen auf die Klassenkameradin, bei der immer alles ordentlich war.
Nie ein Eselsohr, nie ein Klecks, ihre Handschrift sah aus wie Kalligraphie, ihre Kniestrümpfe rutschten nie und ihre Zöpfe sahen noch am Abend aus wie grade eben erst geflochten.
Es gibt so Menschen, die Perfektion scheinbar mühelos beherrschen. Ich habe schon früh erkannt, dass ich nicht dazu gehöre und mich von Anfang an auf die 80% Regel spezialisiert.
Mit dieser von Anfang an einkalkulierten, fehlenden Perfektion komme ich sehr gut klar, wenn die anderen noch strampeln, bin ich schon da, ich mache halt keinen 100m Lauf, sondern einfach nur 80m. Reicht auch, finde ich
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Ich weiß, dass ich von Menschen, die sich für Feminismus einsetzen, entweder als Nestbeschmutzer" (die aggressive Variante) oder als Profiteur (die abwertende Variante) bezeichnet werde, weshalb ich eigentlich nur sehr ungern meine Meinung zum modernen Feminismus äußere. Im Grunde kann ich vorher schon sicher sein, dass die Menschen, die mir persönlich wichtig sind, meine Meinung ablehnen und mich innerlich mit vielen Minuspunkten belegen, eben weil es so ungemein political incorrect ist, sich negativ zu Frauenthemen und Gendervielfalt in allen Variationen zu äußern. Das gehört sich nicht, schon gar nicht für eine Frau. Einen Mann kann man ja wenigstens noch in die Ecke "alter, weißer Mann" stecken und dort einsam und verachtet sterben lassen, aber was macht man mit einer Frau?
Unsolidarisch ist da ja wohl noch die harmloseste Beschimpfung.
Ich bevorzuge wenn, dann aber lieber den Begriff "Profiteur", denn der stimmt wenigstens.
Ich habe mein ganzes Leben massiv davon profitiert, dass ich eine Frau bin und dass die Gesellschaft meint, Frauen müssen besonders unterstützt werden.
Ich habe die Gesetze nicht gemacht, ich habe aber gelernt, sie für mich positiv zu nutzen.
Weil ich als Frau fest davon überzeugt war, dass ich mich nur verschlechtern könnte, wenn ich heirate, war ich formal immer eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern und wenn irgendwelche Randgruppen hier in Deutschland vom Gesetzgeber bevorzugt behandelt werden, dann sind es alleinerziehende Mütter (oder waren? ich habe keine Ahnung, wie das heute ist, aber in den 90ern war es auf alle Fälle ein großer Vorteil). Meine Kinder bekamen problemlos einen Kitaplatz bevor sie ein Jahr alt waren, als Bemessungsgrundlage für die Kitagebühren galt nur mein Einkommen.
Als sie in die Schule kamen, bekamen sie sofort einen Platz in der Hortgruppe bzw. in der Ganztagsbetreuung. Bei der Bewerbung um einen der begehrten Plätze in der Montessorischule wurden Kinder von alleinerziehenden Müttern ebenfalls bevorzugt und wenn es was zu unterschreiben gab, empfand ich es grundsätzlich als großen Vorteil, dass ich das alleine konnte und nicht umständlich die Unterschrift des Vaters auch erst noch einsammeln musste.
Umgekehrt war es für mich an keiner Stelle hinderlich, dass es keinen Trauschein gab, denn es gab ja den Vater der Kinder, wir lebten ein ganz normales Familienleben und ich glaube, dass die allerwenigstens Leute überhaupt wussten, dass wir nicht verheiratet waren. Im Alltag war das auch an keiner Stelle ein Problem und im Behördenumgang war es eindeutig ein Vorteil.
Steuerlich hatten wir den Sachverhalt auch optimiert - ich war beim Vater der Kinder angestellt und verdiente dort grade genau so viel, um das System optimal auszupendeln.
Dass sich eine Ehe schon aus steuerlichen Gründen lohnt, ist auch so ein modernes Stadtmärchen. Wenn man seine Abgaben wirklich optimieren will, geht es ohne Trauschein definitiv besser. (Und ich kann das so sagen, denn genau das ist mein Beruf)
Beruflich habe ich ebenfalls sehr davon profitiert, eine Frau zu sein, denn erstens gibt es in meinem Beruf viel zu wenig Frauen, so dass ich es sehr angenehm fand, ohne große Anstrengung überall sofort und spontan als willkommene Quotenfrau angenommen zu werden und mit meinem Gewissen bzw. meinem moralischem Anspruch konnte ich das auch stets vereinbaren, weil ich zum Glück über ein gesundes Selbstbewusstsein verfüge und nie Sorge hatte, ich hätte mir da eine Position erschlichen, die zu groß für mich ist. Ich empfand es einfach nur als bequemen Vorteil, dass ich dafür nicht boxen musste.
Den größten Vorteil hatte ich aber stets, wenn ich beruflich mit echten, typischen Machos zu tun hatte, die sich selber als die Krone der Schöpfung betrachteten und eine Frau eben nur als eine Frau. Ich meine, das ist doch genial, wenn man derart unterschätzt wird, mehr Vorteil kann man sich kaum denken.
Und selbstverständlich fand ich es ganz prima, eine heikle Betriebsprüfung dadurch erfolgreich für den Mandanten zu retten, dass ich in einem superkurzen Rock erschien und dem Betriebsprüfer erfolgreich einredete, dass ein gemeinsames Mittagessen wichtiger ist, als noch die letzten drei Akten penibel durchzusehen.
Ich habe auch mal eine Wette mit einem Freund gewonnen, wer von uns beiden schneller einen Autoreifen wechseln kann. Ich hielt kurzerhand den nächsten Brummifahrer an, der sich sehr kooperativ zeigte und mir gerne half, meine Wette zu gewinnen...
Insgesamt kann ich von mir und meinem Leben nur sagen, dass ich mich an keine Situation erinnere, wo ich mich benachteiligt gefühlt hätte, nur weil ich eine Frau war. Oder doch, einmal Silvester, als die Jungs alle gemeinsam grölend versuchten, die Marseillaise in Schnee zu pinkeln und ich nicht mitmachen konnte. Aber ich glaube, hier wäre ich auch mit modernen Gendertechniken nicht weitergekommen.
Umgekehrt hatte ich aber sehr oft das Gefühl, dass es schon eine arge Rosinenpickerei ist, wie ich mir mein Leben gestaltet habe - aber dann sagte ich mir stets, dass ich weder die Regeln der Gesellschaft noch die Gesetze und Bürokratievorgaben so gemacht hatte wie sie sich entwickelt haben, ich habe einfach nur davon profitiert, dass es vor mir schon einige Generationen von Frauen gegeben hatte, die sich sehr hartnäckig ihre Gleichberechtigung erkämpft hatten - und diesen Frauenrechtlern bin ich auch wirklich dankbar dafür.
Ich denke aber auch, dass dieser Kampf längst erfolgreich erledigt ist. Was geblieben ist, sind ein paar seltsame alte, weiße Männer, die im Wesentlich aber auf einer schmelzenden Eisscholle in den nahen Tod treiben und jede Menge Pflichten und Vorgaben, was die formale Gleichberechtigung in einer Beziehung angeht. Das ist schon heute alles nicht mehr so bequem wie noch vor 30 Jahren, als das Rosinenpicken für eine Frau wirklich extrem einfach war, alles in allem bin ich sehr froh, dass ich meine Schäfchen heute im Wesentlichen im Trockenen habe.
Das einzige, was es meiner Meinung nach dafür brauchte, war eine realistische Selbsteinschätzung kombiniert mit einem gelassenen Selbstbewusstsein und eine große Portion "common sense".
Natürlich ist mir in meinem Leben nicht immer alles gelungen, natürlich bin ich an einigen Stellen gescheitert, ausgebremst worden oder auf die Schnauze gefallen, aber der einzige Grund, der mir nie als Ausrede für mein eigenes Versagen eingefallen wäre, wäre ein Hinweis auf mein Geschlecht. "Die haben mich nicht genommen, weil ich eine Frau bin."
ist so ziemlich der letzte Satz, der mir je als Begründung eingefallen wäre. Ich fand es dagegen ganz normal festzustellen "Die haben mich nicht genommen, weil ich nicht in ihr System passe."
Denn das kann ja nun wirklich sein, dass es außer der rein fachlichen Qualifikation, die man meint, aus Zeugnisnoten ablesen zu können, darüber hinaus auch noch eine menschliche Qualifikation gibt und wenn ich da nicht genüge, dann liegt es daran, dass ich bin wie ich bin und wenn mein Typ nicht zu dem gewünschten Profil passt, ja nun, dann ist das eben so.
Ich finde es völlig legitim, dass sich nicht immer und überall alle Menschen gleichmäßig sympathisch sind.
Zusammenfassung:
Ich finde, der Feminismus hat in den letzten 100 Jahren ganz wichtige Dinge erreicht und verändert, ich bin aber auch der Meinung, nu ist gut. Es gibt nichts mehr zu verbessern, jede Frau, die gerne möchte, kann tun und lassen, was sie will, das ist für mich das, was wirklich zählt.
Mir ist gleichzeitig bewusst, dass längst nicht jede Frau "will", d.h. der heutige Feminismus kämpft nicht mehr für die Rechte der Frau, sondern für die Unbequemlichkeiten der Frau, denn Dinge zu wollen bedeutet leider gleichzeitig auch, aktiv zu sein, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.
Es mag sein, dass es viele Menschen gibt, die das wichtig finden und spaßigerweise gibt es auch zunehmend Männer, die das unterstützen, was ich wiederum sehr gut verstehen kann. Wenn ich Mann wär, wäre ich auch Feminist, ist doch sonst blöd, wenn es kaum Frauen gibt, die mit anpacken.
Ich bin aber kein Mann und ich kann es nicht leiden, anderen vorzuschreiben, was sie zu denken, zu meinen oder zu tun haben. Ich finde den modernen Feminismus deshalb ungemein übergriffig - aber ich bin zum Glück auch alt genug, dass es mir eigentlich auch wieder komplett egal sein kann.
Macht doch, was ihr wollt und von mir aus vergendert eure Sprache, wenn's schee macht, ich bin dabei einfach nur raus
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Das für mich mit großem Abstand entscheidendste Kriterium ist die Stimme der Sprecher. Es ist jetzt nicht superwichtig, dass sie eine tolle Stimme haben, das ist eher ein zusätzlicher Pluspunkt, der für die Unterscheidung zwischen "kann man hören" und "macht Spaß zu hören" von Bedeutung ist, aber eine schreckliche Stimme ist dagegen ein absolutes Knockout-Kriterium.
Welche Stimmen ich so gruselig finde, dass es mir ein Weiterzuhören unmöglich macht, ist natürlich mein ganz persönlicher, subjektiver Geschmack, aber jede Stimme, die so nasal klingt, als hätte der Sprecher einen Stockschnupfen, so eine Stimme ist mir so unangenehm wie anderen Leuten das Geräusch von Fingernagel Kratzen auf Schultafel. Ich erinnere mich, dass es in meiner Jugend eine Pastorin gab, die den alten, pensionierten Pfarrer ersetzen sollte und die hatte auch so eine Schnupfen-Näsel-Stimme. Wenn die predigte, war es mir körperlich unmöglich in der Kirche sitzen zu bleiben, weshalb ich das trotz der Androhung von körperlichen Auseinandersetzungen mit meinem Vater auf das entschiedenste verweigerte.
Und was ich als Podcast-Stimme überhaupt nicht leiden kann, sind diese Mädchen-Stimmen. Es gibt ja Frauen die klingen mit Mitte 40 noch wie Teenager, das finde ich ganz entsetzlich und auch wenn der Inhalt dessen, was sie sagen, vielleicht echt interessant ist, aber einer 15jährigen möchte ich nicht zuhören, auch nicht bei philosophischen Betrachtungen über das Leben. Egal wie alt die 15jährige ist, wenn sie klingt wie 15 ist das für mich erledigt.
Es gibt einen ziemlich bekannten Podcast "Hotel Matze" und die Ehefrau von Matze hat selber einen Podcast gestartet, der sich inhaltlich echt interessant liest. Leider ist Frau Matze stimmlich blutjung, was eben bedeutet, dass ich ihr leider nicht zuhören kann, auch wenn ich ihre aufgeschriebenen Gedanken ganz toll finde/fände.
Was ich auch nicht ertragen kann, ist Akzent. Überhaupt keinen Akzent. Einfach gar keinen, auch keinen, den ich tendenziell mag, wie norddeutsch, ich ertrage Sprechstücke nur auf Hochdeutsch, alles andere ist mir nach fünf Minuten too much.
Was dagegen funktioniert ist ein Podcast auf plattdütsch, das ist ja kein Akzent, das ist eine andere Sprache, dann geht das.
Dann gibt es sehr viele privat produzierte Podcast, wo die Podcaster ursprünglich aus der Bloggerszene kommen und wirklich tolle und interessante Dinge schreiben oder geschrieben haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie angenehm frei sprechen können. Wenn man sich erst mal durch eine ganze Reihe verschiedener, privat produzierter Podcasts probegehört hat, stellt man schnell fest, wie viele Leute seltsame Sprachticks haben. Heutzutage sagt man nicht mehr "äh", heutzutage sagt man "genau", das aber mindestens so oft und unsinnig wie die typischen "ähs", finde ich sehr gruselig.
Sehr anstrengend finde ich auch diese holprigen Sprecher, denen beim Reden über A schon mittendrin B einfällt und die dann brückenlos mitten Satz neu ansetzen, was über B sagen, nur um vor Beendigung dieses Gedankens dann noch zu C zu wechseln. Usw.
Und ich finde es unangenehm, wenn Leute hässlich lachen. Es ist ganz erstaunlich, wie viele Leute hässlich lachen. Es mag ihr persönliches Schicksal sein, ich weiß nicht, wie weit man an seiner eigenen Lache etwas drehen kann, aber bei manchen Leuten habe ich wirklich das Gefühl, die hören sich ihren eigenen Podcast gar nicht an, sonst würden sie ihre schrille Lache doch ganz bestimmt rausschneiden - oder gibt es Leute, die so etwas mögen?
Erst wenn das Soundthema Stimme so gelöst ist, dass ich beim Zuhören nicht schon aus rein akustischen Gründen sofort wieder abschalten möchte, kann ich mich mit den inhaltlichen Aspekten eines Podcasts auseinandersetzen. Hier variieren meine Vorlieben dann, habe ich festgestellt, aber tendenziell mag ich Podcasts am liebsten, wo Personen miteinander sprechen und mir nicht einfach nur so etwas erzählen. Und ich habe aktuell keinen Bedarf an Aktualität.
Das Morningbriefing von Herr Steingart, den ich eine lange Zeit echt gut fand, habe ich deabonniert und gelöscht, irgendwann ging mir der gute Mann mit seinem Narzissmus dann doch zunehmend auf den Senkel, überhaupt habe ich ein grundsätzliches Problem mit Menschen, die sich selber so ungebremst großartig finden.
Mag ja sein, dass es aus reinen Achtsamkeits- und überhaut Erfolgskriteriumsgründen sehr schlau ist, sich selber toll zu finden, aber ich finde, das sollte man einfach eine Runde leiser tun, was für mich bedeutet, ich schalte solche Podcast gar nicht erst ein. Dann ist das maximal leise.
Und wenn ich nicht bald einen Podcast finde, den ich einschalten kann, wenn ich das wöchentliche DrostenUpdate durchgehört habe (hier finde ich Frau Cisek übrigens auch deutlich weniger angenehm zum Zuhören als Herrn Drosten), dann starte ich einfach die acht Stunden Alles gesagt mit Juli Zeh noch mal. Die finde ich so toll, die kann ich ohne Bedenken auch zwei- oder dreimal hören
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Unterwegs konnten wir der Sonne beim Verschwinden zusehen, eigentlich sieht das ja immer wieder gleich aus, aber eben auch wieder schön

Wir sind also wieder auf dem Festland, morgen ist Büro und ich hadere mit mir, meinen Lebensumständen und vor allem, dass ich zulasse, dass diese Lebensumstände mir das aktuelle Leben immer wieder vermiesen.
Ich habe in meinem Leben sicherlich sehr viel falsch gemacht und mich häufiger mal falsch entschieden, aber ich habe meine Fehler nie bereut, weil sie Teil meines Lebens sind und insgesamt mein Leben so geformt haben, dass es heute ist, wie es ist und grundsätzlich finde ich es gut, wie sich mein Leben heute darstellt, was aber nicht bedeutet, dass man da nicht noch was optimieren könnte.
Mein Beruf war immer Teil meines "Gesamtlebens", ich habe nie eine scharfe Trennung zwischen Beruf und Privat gemacht, ich habe am Sonntag mit Mandanten telefoniert, am Wochenende E-Mails beantwortet und nachts an Verträgen, Präsentationen oder Bilanzen rumgeschraubt, das war alles niemals ein Thema und es hat mich auch nie gestört.
Jetzt aber stört es mich.
Es stört mich, weil ich keine Lust mehr auf den Beruf habe, denn ich brauche ihn nicht mehr so nötig wie früher.
Es stört mich, weil ich das Gefühl habe, der Beruf klaut mir wichtige Zeit meines Lebens und ich habe Angst, in einem überschaubaren demnächst Zeitraum einfach umzufallen wie Thomas Oppermann und dann war's das, mit dem Leben.
Wenn man meint, dass man gar nicht mehr so viel Leben noch vor sich hat, dann wird man geizig mit dem Verschwenden von Lebenszeit und nach so einem herrlichen Wochenende auf der Insel wird mir erst recht klar, dass ich da wirklich wichtig neue Linien einziehen muss und dass ich mich dann im Zweifel auch hart entscheiden muss, was mir heute wichtig ist und worauf ich noch bereit bin, vier Jahre zu warten.
Und ich fürchte, meine Wartebereitschaft wird immer weniger und ich fürchte, da wird demnächst etwas eskalieren, denn es ist nicht nur meine Entscheidung und sie betrifft halt auch nicht nur mich, es ist, wie immer im Leben, kompliziert, aber das allein ist kein Grund, sich nicht damit auseinanderzusetzen.
Ansonsten habe ich das Wochenende für ein ausgiebiges Fusstraining genutzt.

Laufen in weichem Sand ist auch mit Schuhen eine perfekte Übung, es ist ganz ungemein schade, dass ich im September nicht einfach auf der Insel geblieben bin und dort jeden Tag das Laufen im Sand weiter übte, ich bin sicher, dann wäre mein Fuß schon lange wieder heil.
Aber so ist das eben mit den falschen Entscheidungen, drüber jammern bringt nichts, man sollte sie bewusst wahrnehmen und sich fragen, was man aus ihnen lernen kann
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