anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 23. Juni 2020
Richtfest
Ist grad 'ne Menge los, in meinem Umfeld.

Der Corona-Ausbruch in Rheda-Wiedenbrück strahlt durchaus bis nach Münster und bis zu uns in die Firma. Wir haben nicht nur Mitarbeiter aus dem Kreis Gütersloh und Warendorf in der Belegschaft, wir haben auch Immobilien dort in der Gegend, deren Pächter jetzt wieder größere finanzielle Probleme bekommen, es ist auf alle Fälle ein großes Gesprächsthema und wir warten alle gespannt, wie es dort weitergeht.

In der Finanzszene dagegen ist der Fall Wirecard das absolute TopThema. Sowas Spannendes, ich finde das aufregender als alle Dallas und Denver Folgen zusammen. Man denkt ja immer, sowas passiert nur im Film - und dann wiederholt sich der Fall Enron einfach hier vor unserer Haustür. Irre.

Weil sich überall die Nachrichten überschlagen, habe ich dann heute mal nach einem halben Arbeitstag schon wieder Schluss gemacht. Wir waren um 16h zu einem Richtfest im Kreis Paderborn eingeladen (und sind auf dem Weg dorthin mitten durch Rheda-Wiedenbrück gefahren, offen im Cabrio, wie so Abenteurerfreaks) - und dieses Richtfest war eine wunderbare Abwechslung zu meinem sonst ja eher drögen Büroalltag.
Das gerichtfestete Haus steht mitten auf dem Land, rundherum nur Bauern und von denen kamen mit etwas Verspätung (bei dem Wetter mussten alle heuen) natürlich auch reichlich zum Schnapstrinken vorbei und ich fühlte mich plötzlich sehr geerdet, so inmitten all dieser Landmenschen. Dabei habe ich noch nicht mal Schnaps getrunken, weil ich Schnapstrinken auf Bauernfesten grundsätzlich nicht mehr mache, Erfahrungen aus meiner Jugend wirken da nach.

War ein schöner Tag, vor allem die über drei Stunden Autofahrt mit offenem Verdeck durch die Felder Westfalens, das war schon toll. Diese Gerüche, die einem dabei um die Nase wehen, unvergleichlich. Und ich meine wirklich die gute, frische Landluft, denn gedüngt wird im Sommer eher weniger
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Montag, 22. Juni 2020
Unfall, Sterben und Insolvenz
Meine Mutter erzählte immer was davon, dass es wichtig ist, ordentliche Unterwäsche anzuhaben, wenn man das Haus verlässt, weil es ja jederzeit passieren kann, dass man einen Unfall hat und was sollen dann die Sanitäter oder Krankenschwestern von einem denken, wenn sie sehen, dass man gestopfte Unterhosen trägt.
Ich weiß nicht, ob sie diesen Grundsatz auch für sich selber konsequent beherzigt hat, ich glaube, sie erzählte es eher mit einem kleinen Augenzwinkern von einer Großtante, die das dann aber bestimmt und konsequent immer beachtet hat, wenn sie das Haus verließ. Mir fiel das nur neulich wieder ein, als ich mir überlegte, dass ich vor meinem Tod auf alle Fälle noch meine Nachttischlektüre sorgfältig kuratieren muss, was da aktuell liegt, möchte ich nicht als letzten Eindruck hinterlassen. Und dann habe ich mir die Nacht über Sorgen gemacht, dass ich jetzt doch ganz kurzfristig und unerwartet versterbe, man steckt ja nicht drin, und dass die Chancen für so einen plötzlichen Übernachttod streng nach Murphy bestimmt viel größer sind, wenn man eine ungünstige Nachttischlektüre hinterlässt. Ich habe deshalb meinen Nachttisch jetzt erst mal aufgeräumt und etwas Nachlassenswertes ausgelegt, jetzt kann ich beruhigter versterben.

Weil ich über Versterben nachdachte, bin ich beim nächsten Gedanken bei Insolvenzen gelandet und habe mir überlegt, dass es doch eigentlich gar nicht so schlimm wäre, wenn alle diese Fleischzerlegebetriebe jetzt wegen Corona endlich mal neue Auflagen bekommen, so dass sie anschießend alle kein billiges Fleisch mehr produzieren könnten, weil die Auflagen, die sie erfüllen müssen, so teuer sind, dass sich die Kosten verdoppeln, weshalb die Leute dann weniger Fleisch essen, so dass sie dann nicht genug Umsatz haben und einfach alle pleite gehen.
Ich fände das ehrlich gesagt gar nicht so schlimm.
Ich habe noch nie verstanden, weshalb Fleisch so billig verkauft werden muss, wenn man den Preis einfach nur verdoppelt (doch wahrscheinlich reicht das noch nicht, verdreifachen wäre eigentlich noch besser), dann essen die Leute, worst case, nur noch 1/3 so viel Fleisch wie bisher, eben weil es plötzlich so teuer ist. Nur mal ganz ketzerisch gefragt: Und wo ist das Problem? Dass dann die riesengroßen Fleischzerlegebetriebbe nicht mehr rentabel arbeiten können, weil ihnen die Mengen fehlen? Ja nu, dann kaufen die Kunden halt wieder von kleineren Metzgern, die kommen mit dem dreifachen Preis ganz gut klar. Und Familie Tönnies kehrt wieder zurück zu ihren Wurzeln und macht als einfach Schlachterfamilie weiter, das haben die beiden Gründer schließlich mal von der Pike auf gelernt.

Außerdem würde ich noch eine andere Firma ganz entspannt in die Insolvenz gehen lassen, nämlich die Lufthansa. Die könnte sich mit so einer Insolvenz wunderbar sanieren und wäre auf einen Schlag all ihre gigantischen Pensionsverbindlichkeiten los. Die machen bei der Lufthansa nämlich mittlerweile ein Vielfaches ihres aktuellen Börsenwertes aus und irgendwie ist das Gesamtgefüge dort definitiv nicht mehr zeitgemäß. Die können das bei AEG abgucken, die hat sich auf die Art gleich zweimal all ihrer Pensionsverpflichtungen entledigt
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Sonntag, 21. Juni 2020
Wenn einer geht
So eifrig ich gestern durch den Tag gewuselt bin, so nichtstuerisch habe ich den Tag heute begangen, im Durchschnitt sind damit beide Tage im angemessenen Bereich.

Die Schwester zog nicht nur um, sie zog vor allem aus und das machte den Umzug deutlich komplizierter als Umzüge von Natur aus sonst schon sind.
Sie hat sich nach über als 20 Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt, der mit dem jüngsten Kind und unserer Mutter in dem gemeinsamen Riesenhaus zurückbleibt.

Ich habe so etwas Ähnliches ja schon vor 12 Jahren gemacht, nur habe ich damals einen Mann verlassen, der mich so geliebt hat wie ich war und nicht das fiktive Leben mit mir, das für ihn noch für immer so hätte weiterlaufen können.
CW war ernsthaft ge- und betroffen, als ich ihm damals erklärte, dass ich künftig lieber ohne ihn leben möchte, aber grade weil er mich auch wirklich gut kannte, wusste er, dass ich nicht gehe, weil ich einen anderen habe oder weil ich ihn nicht mehr liebe (beides Gründe, die man sehr gut hätte nach vorne schieben können und die auch beide eine gewisse Berechtigung gehabt hätten), sondern weil es einfach Materialermüdung war, die mich irgendwann so mürbe gemacht hat, dass ich das gemeinsame Leben in der Form nicht mehr ertragen konnte.
Es lag nicht an CW, es lag daran, dass ich viele Jahre ein Leben geführt habe, für das dann irgendwann einfach die Zeit vorbei war. Mir wurde klar, dass sich an meinem Leben nichts Grundlegendes mehr ändern wird, wenn ich mit CW weiterlebe, dass ich aber im Laufe der Zeit auch immer stärker das Gefühl bekommen habe, das kann nicht alles gewesen sein, es muss noch mehr als alles geben.
Das Leben mit CW war sicherlich kein schlechtes Leben, ganz im Gegenteil, ich habe immer alles bekommen, was ich haben wollte und CW hätte immer alles für mich getan, wenn ich darum gebeten hätte, aber es war auch gleichzeitig ein Vorzeigeleben. Wir waren schillernde Paradiesvögel, die überall auffielen und auf die sicherlich auch viele Leute neidisch waren.
Für CW war es das Leben, in dem er sich am wohlsten fühlte, das war genau auf ihn zugeschnitten und ich war die perfekte Frau an seiner Seite, weil ich nicht nur seine Spleens ertrug, sondern auch überall immer wieder alles ausbügelte, glattzog und für Ordnung sorgte, wo er mal wieder den Bogen überspannt hatte.
Und CW hat mich dafür geliebt, dass ich all das konnte, was er nicht konnte, was er aber niemals nach außen zugegeben hätte. Wir waren ein ziemlich gutes Team.

Bis unsere Zeit abgelaufen war, weil es mir plötzlich nicht mehr reichte, dass ich alles hatte. Ich musste deshalb gehen und suchen, ob es draußen in der Welt nicht noch ein anderes Leben für mich gibt, eines, das mir mehr als alles bietet.

Als ich damals auszog, nahm ich nicht nur mein eigenes Leben mit, ich nahm CW vor allem auch unser gemeinsames Leben weg, und das war für ihn wirklich schrecklich, denn er hatte unser gemeinsames Leben ja bis zum Schluss gemocht.

Aber er ließ mich nicht nur gehen, er konnte es sogar verstehen, denn auch das ist Teil von echter Liebe. Nicht nur sein eigenes, kleines Ego in den Mittelpunkt aller Gefühle zu stellen, sondern den tiefen Wunsch zu spüren, dass es dem, den man wirklich liebt, so gut geht wie nur möglich.
Das war CW, dafür habe ich ihn geliebt und dafür habe ich ihn auch immer respektiert.
Verglichen mit meiner Schwester habe ich bei meinem Trennungsauszug sicherlich den einfacheren Teil erwischt, denn von allen Männern zum Verlassen war CW einer der allerangenehmsten.

Ich weiß also, wie kompliziert Umzüge sind, die auch gleichzeitig Auszüge sind, man sortiert einen Haushalt auseinander, der nachher auf beiden Seiten unvollständig ist, mit jedem Teil, das man zurücklässt verabschiedet man sich von seinem alten Leben, was in Summe dann doch eine Menge Abschiede sind, gleichzeitig weiß man bei jedem Teil, das man mitnimmt, dass man dem anderen damit ein weiteres Stück seiner Erinnerungen raubt, es ist ein insgesamt ungemein schmerzhafter Prozess.

Meine Schwester muss sowohl bei ihrem Auszug als auch bei ihrer Trennung mit viel mehr Problemen und Widerständen kämpfen als das für mich auch nur im Ansatz ein Thema war, weshalb ich es gestern doppelt wichtig fand, dass wenigstens ein Teil ihrer Familie verlässlich da ist, denn genau das ist es doch, wofür man Familie braucht, nicht nur um oppulente Familienfeste mit tollen Fotos zum Vorzeigen zu produzieren, finde ich
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Samstag, 20. Juni 2020
Umzug
Heute geht nix mehr, die Schwester zog um und wir haben geholfen. Jetzt bin ich platt
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Freitag, 19. Juni 2020
Restaurantbesuch, Überweisung und Kameraaktivitäten
Wir waren heute das erste Mal seit über drei Monaten wieder in einem Restaurant und haben dort gegessen. Und obwohl wir draußen im Biergarten saßen (drinnen sitzen in einem Restaurant ist für mich immer noch ein absolutes NoGo, egal ob erlaubt oder nicht, aber allein die Vorstellung finde ich so unangenehm, dass ich mich nur schüttele bei dem Gedanken), also, obwohl ir draußen saßen an der frischen Luft war mir ein bisschen unheimlich als die Getränke kamen und mir klar wurde, dass ich jetzt aus einem Glas trinken muss, von dem ich nicht weiß, wer und wie es gereinigt wurde und das fand ich schon ein wenig unheimlich. Das sonstige Geschirr und Besteck machte mir keine Probleme, weil ich davon ausgehe, dass das in einem Restaurant grundsätzlich und sicher durch eine Spülmaschine gereinigt wird, aber Biergläser wurden zumindest vor Corona auf eine Art und Weise gereinigt, die ganz sicher perfekt geeignet zur Virenverbreitung ist. Habe ich mir früher keine Gedanken drum gemacht, aber heute macht es ein blödes Gefühl.
Ich habe mein Bier trotzdem getrunken und den Ouzo auch, ich fühle mich jetzt wie ein Abenteurer.

Wir hatten aber auch etwas zu feiern, K wurde nämlich heute offiziell und mit allem Pomp und Trara aus einem Job entlassen, den er seit 2005 als "Zusatzjob" nebenher macht, ohne zusätzliche Vergütung, nur mit richtig viel zusätzlicher Arbeit und die Tatsache, dass das jetzt ein Ende hat, versetzte uns in gewaltige Feierstimmung. K meint, sein restlicher, verbliebener Job fühlt sich jetzt an wie Urlaub. Das wird eine schöne Zeit, noch vier Jahre und dieses.

Ich habe heute meine 34 Mio. pünktlich und erfolgreich auf den Weg gebracht, habe dafür gesorgt, dass sie zeitnah von allen Clearingstellen bearbeitet und weitergereicht wurden und um 11h bekam ich schon den Anruf, dass das Geld angekommen sei. Geht doch. Das Problem war, dass sich die 34 Mio. nicht per "Moneybeam" übertragen ließen, weil sie nicht bei der Wirecard Bank lagen. Die kann nämlich Moneybeam in SMS Geschwindigkeit, dafür wurden dort aber auch grade erst zwei Milliarden verbummelt, ist eher keine Referenz für größere Bankgeschäfte.
Ich glaube, dann mache ich mir lieber ein bisschen mehr Arbeit, wenn ich Geld am selben Tag und valutengleich über mehrere Banken weiterreichen muss, für die Fortschrittlichkeit der Wirecard Geschäfte bin ich wahrscheinlich noch nicht entspannt genug.

Ein Dauerkichern lösen bei mir all die E-Mails aus, die die verkaufte Kamera seit heute sendet. Wir haben nämlich eine alte Überwachungskamera bei Ebay verkauft und der Mensch, der sie gekauft hat, hat sie einfach nur ins Netz gebracht, nicht aber unter seinem eigenen, neuen Account registriert. Das heißt, da steht jetzt irgendwo, und ich kann mir sogar denken wo, weil ich ja weiß, wohin die Kamera verschickt wurde, also da steht jetzt eine Kamera und macht Aufnahmen von allem, was sie so sieht, wenn sich in ihrem Sichtfeld etwas bewegt, weil, das ist ihr Job. Und diese Aufnahmen schickt sie dann an meine E-Mail Adresse, weil ihr noch niemand eine andere E-Mail Adresse mitgeteilt hat. Gekauft wurde die Kamera von einem jungen Familienvater, der sich gerne mal die Eier krault, so viel kann ich auf Fälle schon mal feststellen.
Ich hatte reichlich Spaß
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Donnerstag, 18. Juni 2020
Messengerdienste, Lookism und Gabionen
Ich denke, die meisten Familien mit etwas größeren Kindern haben einen Familienchat, die klassische Zusammensetzung ist dann Mutter, Vater und die entsprechende Menge an Kindern, so etwas haben wir natürlich auch, sogar auf drei verschiedenen Plattformen, das hat sich nach und nach so ergeben. Weil der leibliche Vater der Kinder tot ist, haben alle ganz selbstverständlich meinen Westfalenmann als Ersatz adoptiert, so dass wir einen Familienchat mit fünf Personen haben, wie eine ganz normale Familie. Für mich ist das die einzige Chatgruppe, an der ich überhaupt teilnehme, was hauptsächlich daran liegt, dass ich kein sehr aktives Sozialleben unterhalte.

Bei uns hat sich Telegram als Hauptkanal durchgesetzt, weil sich iMessage nur auf dem Mac, nicht aber auf einem WindowsPC synchronisiert und WhatsApp sich eigentlich gar nirgendwo vernünftig synchronisiert.
Die Synchronisation mit dem Rechner finde ich schon ziemlich wichtig, da ich es viel bequemer finde, auf einer richtigen Tastatur vor einem richtigen Bildschirm zu schreiben, als so klein und mickerig auf einer Smartphoneoberfläche rumdöckeln zu müssen, wenn ich gleichzeitig sowieso den großen Rechner an habe.
Außerdem finde ich es lästig, bestimmte Dinge nur auf einem Gerät erledigen zu können, weshalb ich einfach gar nicht verstehe, wieso WhatsApp überhaupt noch von irgendjemandem genutzt wird, weil es wirklich von allen Chatprogrammen, die ich kenne, das ist, was am schlechtesten funktioniert und am unkomfortabelsten ist. Bei mir funktioniert es noch nicht mal auf dem Handy vernünftig und das liegt nicht daran, dass ich irgendwelche Meldungen nicht erlaube, nein, es schickt mir regelmäßig einfach von sich aus keine Push-Nachricht, wenn mir jemand was geschrieben hat. Weshalb nicht, weiß ich nicht, die Push-Nachrichten fehlen ja auch nur manchmal, nicht immer.

Mich ärgert das dann sehr, wenn mir Leute über WhatsApp Termine schicken oder Aufträge oder Nachfragen und ich das teilweise erst mit fünf Tagen Verspätung mitbekomme, was schlicht daran liegt, dass ich ja nicht ständig nachschauen gehe, ob mir bei WhatsApp jemand was geschrieben hat, wenn ich nicht damit rechne, dass mir da überhaupt jemand etwas schreibt. Menschen, mit denen ich häufiger zu tun habe, die habe ich mittlerweile überwiegend zu Telegram umgeleitet, aber alle fremden Leute, die meine HandyNummer haben, benutzen interessanterweise immer als erstes WhatsApp, wenn sie mir eine Nachricht schreiben wollen, was mich regelmäßig erstaunt. Ich benutze bei fremden Leuten nur dann WhatsApp, wenn sie wirklich gar keinen anderen Messenger installiert haben, wobei ich zugebe, dass ich auch niemanden kenne, der WhatsApp NICHT installiert hat, vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis dahinter.

Ich selber habe viele Messenger-Apps installiert,

erstens, weil man ja nur durch Ausprobieren herausfinden kann, wie gut oder schlecht eine einzelne App funktioniert und zweitens, weil man nur dadurch, dass man die App installiert und sich dort anmeldet dem Dienst überhaupt eine Chance gibt, bekannt und benutzt zu werden. Wenn ich in irgendeiner Art und Weise dazu beitragen kann, dass WhatsApp stückchenweise an Bedeutung verliert, dann nur dadurch, dass ich allen anderen Apps wenigstens eine Chance gebe.

Einer der Menschen in meinem Umfeld, die ich noch nicht auf einen anderen Nachrichtenmessenger umleiten konnte, ist der Onkel, der kann nämlich nur WhatsApp. Er nennt das übrigens hartnäckig SMS und begreift nicht, wo überhaupt die Unterschiede sind, aber bei "seiner SMS-App" hat er verstanden, wie er sie bedienen muss, deshalb lasse ich ihm sein WhatsApp-SMS, eine Umerziehung wäre schlicht zu kompliziert. Er kann übrigens auch keine E-Mail, was teilweise zu skurrilen Situationen führt, wenn ich E-Mails, die an ihn gerichtet sind, ausdrucke, einscanne und ihm dann per WhatsApp weiterleite. Ich habe der Einfachheit halber sein E-Mail-Konto auch bei mir installiert, weil ich es irgendwann satt war, dass ich jedesmal vorbeikommen musste, wenn da "wieder so eine Zahl an dem blauen Knopf" stand.

Unser Familienchat läuft mittlerweile schwerpunktmäßig über Telgram, in die Familien-WhatsAppGruppe hat vor vier Jahren das letzte Mal jemand was reingeschrieben und die Familien-iMessage-Gruppe haben J und ich den beiden "Mac-Kindern" mühsam abgewöhnt.

Insgesamt ist Telegram also mittlerweile mein Standard-Messenger und just vor ein paar Tagen habe ich eine neue praktische Eigenschaft entdeckt, nämlich den Chat "Gespeichertes". Das ist gar kein echter Chat, eigentlich nur ein Chat mit mir selber, der eine reine Speicherfunktion darstellt. Dorthin kann ich also alles schicken, was ich mir merken will, Links z.B. oder Texte, ich kann dort aber auch Dokumente hochladen und sie dann irgendwann auf einem anderen Gerät wieder runterladen. Wie eine normale Dropbox-Funktion, nur ohne Mengenbegrenzung, ich habe zumindest noch keine entdeckt.
Finde ich sehr praktisch, vor allem weil ich Telegram generell sehr angenehm zu bedienen und übersichtlich finde.
Ich begann also Links an diesen Telegram-Chat "Gespeichertes" zu schicken und nicht mehr in Pocket zu speichern, was ich bisher immer gemacht habe, aber irgendwie gefällt mir dieser Telegram-Speicher jetzt deutlich besser.

Heute morgen las ich dann den aktuellen Eintrag von Herrn Fischer, der die Wörter "Lookism" und "Gabionen" verwendete - und ich erinnerte mich, dass ich beide Wörter schon mehrfach verzweifelt versucht habe, zu finden, weil ich sie zwar kenne, mir aber einfach nicht merken kann, wie sie heißen. Wörter zu finden, von denen man grade nicht weiß, wie sie heißen, ist eine ganz blöde Sache, es sucht sich so kompliziert und ich hasse es.
Und weil er mir zufällig grade zwei dieser Wörter auf einen Schlag servierte, dachte ich, es ist eine gute Idee, wenn ich mir diese beiden Wörter mal fix in meinen "Gespeichertes" Chat schicke, dann kommen sie mir nicht mehr weg.

Aber irgendwie habe ich den falschen Knopf erwischt und habe beide Wörter durch Zufall in den Familienchat gepostet. - Das war jetzt ein langer Anlauf, um zu erklären, dass und weshalb ich heute die Wörter "Lookism" und "Gabionen" in unseren Familienchat postete, aber immerhin habe ich gleichzeitig ein wenig gegen WhatsApp gerantet.
Was ich aber eigentlich erzählen wollte, war, dass sich dadurch plötzlich eine interessante Diskussion über Lookism ergab und ich in diesem Zusammenhanng feststellte, dass ich Lookism in der Grundbedeutung, nämlich dass man Menschen aufgrund ihres optisch sichtbaren Äußeren in bestimmte "Schubladen" vorsortiert, völlig normal finde und auch nichts Verkehrtes dabei sehe. Ich betreibe Lookism dabei meist in der positiven Form: Wenn ich einen Menschen treffe, der mir optisch enorm gut gefällt, (nicht, weil er hübsch ist, sondern weil er durch Kleidung, Körperhaltung, Mimik und Ausstrahlung eben genau den Typ Mensch darstellt, der mir sympathisch ist), dann gebe ich bei solchen Menschen viel leichter meine ansonsten standardmäßig sehr große Distanz und Zurückhaltung auf und begegne solchen Menschen einfach etwas aufgeschlossener.
Was genau ist daran verkehrt?
Ich reagiere natürlich auf Optik, auf was denn sonst, wenn ich einen Menschen ansonsten noch gar nicht kenne?
Aber auch unter solchen optisch sympathischen Leuten gibt es dann Menschen, die sich trotzdem als echte Widerlinge entpuppen, dann ist es nur mein Problem, dass ich denen gegenüber zunächst spontan zu freundlich war. Kann passieren.

Überhaupt finde ich "Vorurteile" nicht grundsätzlich falsch und verdammenswert, meine Vorurteile habe ich mir aus Erfahrungswerten der Vergangenheit gebildet und sie helfen mir, eine Ersteinschätzung eines Menschen mit besserer Wahrscheinlichkeit passend hinzubekommen. Ich vergleiche meine Vorurteile gerne mit "Chartanalyse" im Finanzgeschäft. Aus den Zahlen der Vergangenheit versucht man auf die Entwicklung der Zukunft zu schießen - ist das nicht ein sinnvoller Ansatz für eine Prognose?
Natürlich kann ich damit gewaltig danebenliegen, das wird sich zeigen, wenn ich weiter mit diesem Menschen zu tun habe, aber ich muss doch irgendwo anfangen. Ich mag meine Vorurteile deshalb, weil sie mir helfen, eine grobe Vorsortierung der Menschen vorzunehmen und mir Signale liefern, wann ich vielleicht mal nicht ganz so vorsichtig auf einen anderen Menschen zugehen sollte, wie ich es sonst eigentlich immer tue - und das im übrigen auch für vollkommen normal halte, weil ich wirklich nichts Verwerfliches daran erkennen kann.

Die Gabionen als zweites Wort passen übrigens perfekt zu diesem Thema, denn ich bin der festen Überzeugung, dass Leute, die ihren Garten mit Gabionen abgrenzen, keine Menschen sind, die ich sympathisch finden kann, sorry.

Aber wie bei fast allem im Leben, gibt es sicherlich auch dafür zwei Sichtweisen, wie es die hintereinander aufploppenden Nachrichten auf meinem Handy heute auch auf das Sinnfältigste vorführten:


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Mittwoch, 17. Juni 2020
Warn App und Punktlandung
Jetzt ist sie also endlich da, die Corona-Warn-App, aber irgendwie hätte ich mir das alles aufregender vorgestellt.



Sie aktualisiert sich nur alle 24h Stunden, wie soll man denn da die nötige Neugier aufbauen, um regelmäßig dranzubleiben und zu kontrollieren, ob sich was verändert hat?
Ich bin sicher, ich vergesse ihre Existenz einfach ruckzuck und Push-Nachrichten scheint sie nicht zu schicken, zumindest hat sie mich dafür nicht um Erlaubnis gebeten, so dass es also passieren kann, dass sie auf rot springt - und ich merke nix. Tolle Sache.

Überhaupt ist mir die ganze App viel zu vorsichtig, viel zu datenschützlerisch bürokratisch, so wird das nie was. Dabei gäbe es tolle Ideen, wie man ruckzuck für eine flächendeckende Verbreitung sorgen könnte: Jeder der irgendeine App von Facebook, Google oder Amazon auf dem Handy hat, dem wird die einfach zwangsinstalliert, weil er ja ganz offensichtlich eh kein Interesse an Datenschutz hat. Das wäre ein pragmatischer Umgang damit - und außerdem würde ich ein grünes App-Signal zur Voraussetzung für alle möglichen bürgerlichen Freiheiten machen. Und ein automatisches Einspielen eines positiven Testergebnisses.
Dann könnte man mit so einer App was bewegen - aber so, so ist das doch hauptsächlich heiße Luft.
Andererseits ist es mir eigentlich auch egal, ich kann an der Gesamtsituation eh nix ändern und absolut betrachtet, finde ich die ganzen Corona-Einschränkungen ja überwiegend angenehm, keine Menschenmassen, alles geht (immer noch) deutlich ruhiger, von mir aus kann das für immer so bleiben.

Sonst so: Normale Büroarbeit mit intensiver Vorbereitung der nächsten Aufsichtsratssitzung, das sind grundsätzlich immer doppelt anstrengende Phasen. Noch eine Woche, dann ist das Schlimmste erst mal vorbei.
Gefreut habe ich mich über eine intuitive Punktlandung, die ich mit der Verteilung von Festgeldern auf verschiedene Laufzeiten hatte.
Wir werden Anteile an einer anderen Firma übernehmen, insgesamt für 34 Mio. €, das Geld liegt auch schon parat, es war nur lange nicht klar, wann der Kaufpreis fließen wird, es war aber klar, dass es mit einer Frist von 5 Tagen fließen muss, wenn der Kaufvertrag erst unterschrieben ist.Weil 34 Mio. heutzutage einfach zu viel sind, um sie kostenlos auf dem Girokonto rumliegen lassen zu dürfen, habe ich versucht, sie wenigstens kurzfristig als Festgeld anzulegen, für kurzfristiges Termingeld sind die Minuszinsen immerhin geringer als für Tagesgeld, dort kosten sie 0,5%.
Auf dem Girokonto kosten 34 Mio € jeden Tag damit 465,75€ an "Guthabengebühren", das ist die euphemistische Umschreibung der Banken für Negativzinsen und ich finde, das ist eine Menge Geld.
Für 10 Tage sind das schon 4.657,50€, für einen Monat knapp 14 T€ - und ich verhandele mit Mitarbeitern über die Speicherkapazitäten eines Diensthandys. Das ist einfach keine sinnvolle Relation.
Da aber keiner wusste, wann die hohen Herren, falsch, die Oberbremse in diesem Fall war eine hohe Frau, die hatte sichtbar Profilierungsbedarf und genoss es, sich hier umständlich wichtig zu machen. Nicht, dass das Ergebnis unterm Strich ein anderes geworden ist, was letztlich rauskommen sollte war eigentlich allen Beteiligten schon ewig lange klar, aber weil sie sich so zierte, mussten alle anderen Jungs bei ihr Männchen machen, damit es überhaupt voran geht, und ich glaube, das hat sie genossen.
Und so kam es, dass schon seit Anfang Mai die 34 Mio. in cash bereit stehen, weil es seit Anfang Mai jederzeit sein kann, dass der Vertrag unterschrieben wird und dann muss die Kohle auch fließen.
Aber für 465,75€ am Tag fand ich die Flausen dieser Dame einfach zu teuer bezahlt - und habe deshalb höchst eigenmächtig entschieden, dass die ihr Gehampel sicher maximal lange auskosten wird und habe die 34 Mio deshalb kurzerhand noch mal festgelegt. So kosteten sie nicht 0,5%, sondern nur 0,3%, das spart immerhin ein bisschen was.
Am Freitag werden die letzten 10 Mio davon fällig - und am Freitag wird aber auch tatsächlich der Vertrag unterschrieben, wenn das mal keine Punktlandung war
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