anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 8. Januar 2021
Rufbereitschaft
Ich habe beschlossen, meine Freitag-Homeofficetage in "Rufbereitschaft" umzubenennen, denn das entspricht ziemlich exakt dem, was ich tue und in anderen Berufen ist Rufbereitschaft ja auch ganz normale Arbeitszeit.
Ich bin per Telefon und per E-Mail jederzeit erreichbar, weil ich natürlich morgens als erstes den Computer anschalte und immerhin dann auch als erstes alle aufgelaufenen Mails sichte, wenn nötig beantworte und anschließend ausführlich das restliche E-Mail-Postfach von den liegengebliebenen Resten der Woche bereinige, der Großteil wird dabei allerdings nur in andere Ordner verschoben. Aber genau dafür sind die Ordner ja da.

Und wenn ich das erledigt habe, gehe ich in die Küche, weil ich mir einen Tee kochen will, dort muss ich dann erst mal Klarschiff machen, weil die letzten vier Tage in aller Regel dazu keine Zeit war.
Dann muss ich Pipi und im Bad geht es mir wie in der Küche, wird Zeit, dass hier mal wieder sauber gemacht wird.
Wenn ich wieder zurück am Rechner bin, sind drei Neue E-Mails eingegangen und zwischendurch gab es auch ein paar Telefonate, die habe ich aber beim Putzen schon problemlos angenommen, ich putze grundsätzlich mit dem Handy in der Hosentasche.

Meist ist dann auch schon Mittag und ich bekomme Hunger.
Im Büro würde ich dann ein Butterbrot essen, im Home-Office habe ich aber eine komplette Küche vor der Bürotür, meistens gibt es Freitags bei uns etwas Gutes zu essen.

Heute gab es Rouladen.

Rouladen sind ideal für Home-Office mit Rufbereitschaft, beim Kochen setze ich mir meist vorsorglich schon die Kopfhörer auf, so telefoniert es sich besser mit schmutzigen Händen.

Am Abend kam mein Westfalenmann nach Hause und freute sich wie Bolle über die Rouladen. Ich wusste gar nicht, dass der so auf Rouladen steht, aber wenn er die wirklich so lecker findet, nun, das Jahr hat ja noch ein paar Freitage
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Mittwoch, 6. Januar 2021
Über Gruppengespräche und Anstrengungsgrade
Anstrengender Bürotag heute.
Ich habe sehr viele 1:1 Gespräche geführt, die ja grundsätzlich deutlich anstrengender sind als Video- oder Telefonkonferenzen mit größerer Besetzung, weil ich in Gruppengesprächen schon seit langem die Strategie fahre, mich möglichst unauffällig im Hintergrund zu halten, so dass solche Gespräche höchstens 20% meiner Aufmerksamkeit verlangen und ich die übrigen 80% entweder zwecks Erholung auf Schlafmodus stellen oder für andere Dinge nutzen kann, die sowieso erledigt werden müssen, dann aber keine zusätzliche Zeit fressen.

Die Teilnahme bei solchen Video- oder Telefonkonferenzen fühlt sich ein bisschen an wie früher in der Schule, wo ich den größten Teil der Schulstunden auch mit einem Buch unterm Tisch lesend verbracht habe. 20% Aufmerksamkeit mussten dabei aber immer noch für den Lehrer abgezwackt werden, weil man ja erstens ständig aufpassen musste, dass man nicht erwischt wird und weil man zweitens auch immer den zuletzt gesagten Satz des Lehrers im Passivspeicher haben sollte, so dass man auch wenn man komplett unerwartet aufgerufen wurde, noch irgendetwas halbwegs passendes antworten konnte. Und sei es auch nur, das man die letzte Frage/den letzten Satz des Lehrers langsam wiederholte, um sich Zeit zum Nachdenken zu verschaffen.
Ich bedauere es übrigens zutiefst, dass die Smartphones erst vierzig Jahr nach meiner Schulzeit erfunden wurden, mir hätte so ein kleines, handliches Gerät, auf dem ich ohne Ende Lesestoff speichern kann, das Leben deutlich bequemer gemacht. Andererseits hätte ich dann wahrscheinlich deutlich weniger klassische Literatur gelesen, denn die gab es in kleinen, gelben Reclam-Büchern*, die genau in ein Gesangbuch passten und damit habe ich mir viele Stunden Gottesdienst einigermaßen erträglich gestaltet.

*Alle anderen Bücher wären in der Kirche aufgefallen. Was hätte ich damals für so ein "Lesestoff-Speichergerät" in Gesangbuchgröße gegeben. Ich frage mich übrigens bis heute, was andere Leute in der Kirche machen? Wie gelingt es Menschen eine Stunde rumzusitzen und nichts zu tun, ohne dabei einzuschlafen? Das wäre nämlich meine Alternative zu lesen gewesen, was mir natürlich auch ein paar Mal passierte aber jedesmal dick Ärger gab. Man darf in der Kirche nicht schlafen, zumindest nicht als Kind.

Heute hatte ich aber keine Konferenzgespräche, sondern nur 1:1 Telefonate bzw. direkte Gespräche im Büro und bei solchen Gesprächen bleibt einem gar nichts anderes übrig, als 100% Aufmerksamkeit in das Gespräch zu geben. (außer Gespräche mit bestimmten Leuten, die man nur führt, weil die Leute einem etwas gründlich erklären wollen, die man aber nicht schon nach 1 Minute unterbrechen darf, wenn und weil man es verstanden hat, weil sie dann beleidigt sind und sich beschweren, dass sie nicht ausreden dürfen. Bei solchen Leuten reicht dann auch in einem 1:1 Gespräch eine 20%ige Aufmerksamkeit.)

Nach so anstrengenden Bürotagen wie heute, habe ich dann abends auch keine Lust mehr, noch irgendwas zu machen, meist reicht mein Schwung noch nicht mal soweit, dass ich etwas zu essen herstelle, was bei der aktuellen Kühlschrankfüllsituation dazu führt, dass es immer mehr Dinge gibt, die dringend weg müssen, vielleicht sollte ich mich einfach von der Idee verabschieden, unter der Woche überhaupt irgendetwas anderes außer Butterbrote (tagsüber) und Chipse (abends) zu essen
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Sonntag, 3. Januar 2021
Nur Dinge getan, die Spaß machen
Es ist erstaunlich, wie gut ich dieses intensive Nichtstun bisher durchgezogen habe, ich stelle aber auch fest, es macht zunehmend Spaß.
Ich habe nicht nur keinerlei Job-Büroarbeiten mehr erledigt, ich habe auch keine sonstigen, privaten "Computer-Bürokram-Dinge" mehr gemacht und das finde ich schon echt krass. Keine Dateien auf dem Computer sortiert, die Fotos sind seit September nicht mehr importiert worden, sortiert wurden sie seit über zwei Jahren nicht, keine Texte geschrieben, einfach nichts von dem getan, "was wirklich mal langsam gemacht werden müsste".
Komplette Tage ohne "nützliche" Tätigkeiten zu vertrödeln, das ist schon ziemlich geil und ich genieße das grade intensiv.
Heute habe ich ein Buch fast komplett durchgehört (Mittagsstunde von Dörte Hansen, gelesen von Hannelore Hoger), ganz große Liebe, dabei habe ich Stempel auf Flauschband geklebt und ausgeschnitten.
Als ich 2008 aus der Fabrik in MG ausgezogen bin, habe ich auch ca. 70qm Stempelzimmer aufgegeben, d.h. mir war klar, dass ich in dem Reihenhaus hier in Greven nur einen geringen Bruchteil meiner bisherigen Stempelsammlung unterbringen kann, weshalb ich ganz viele Stempel verschenkt, aber bei ca.1000 Stempeln habe ich kurzerhand das Gummi von den Holzklötzchen abgezogen und nur die Holzklötzchen verschenkt/entsorgt, die einfachen Stempelgummis nehmen ja kaum Platz weg. Statt einem festen Holzklotz pro Stempel kann man auch einen Wechselklotz verwenden, den man mit Klettband bezieht, das Stempelgummi beklebt man entsprechend mit Flauschband und dann hat man eine sehr Platz sparende, aber trotzdem gut stempelnde Lösung gefunden.
Nun, und diese ziemlich große Kiste mit Unmengen an Stempelgummis steht seit knapp 13 Jahren hier im Keller, weil ich mich seit dem Umzug nicht mehr damit beschäftigt habe. Heute fand ich, war endlich mal eine gute Gelegenheit.

So sieht das dann aus.
Bis ich alle Stempelgummis, die hier noch unbearbeitet rumliegen, beflauscht habe, das wird noch etwas dauern, aber immerhin ist jetzt schon mal ein Anfang gemacht und ich habe entdeckt, dass man hervorragend Hörbuch dabei hören kann
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Freitag, 1. Januar 2021
Sehr ruhiger Start ins Jahr
Da bei anhaltend unfliegbarem Sichtflugflugwetter das Thema Borkum derzeit kein Thema ist, wurde es wieder ein sehr ruhiger Tag hier im Haus auf dem Festland, mir gefällt das alles sehr und ich könnte einfach immer so weiter machen.
Wir haben hier ein wenig im Haus rumgepröttelt und u.a. eine Steckdose getauscht. Es gab neulich bei Aldi klassische Einbau-Steckdosen, in die man nicht nur einen normalen Schuko-Stecker stecken konnte, sondern die gleichzeitig auch zwei USB-Anschluss-Löcher hatten, so dass man also sein Handyladekabel ohne Zwischenstecker direkt in die Steckdose stecken kann, was ich ungemein praktisch finde.
Heute identifizierte ich die Steckdose neben dem Fernseher als ideale Steckdose für den Austausch und weil ich Anstalten machte, dass ich die Steckdose selber wechseln würde, konnte mein Westfalenmann das nur dadurch verhindern, dass er das spontan selbst in die Hand nahm.
Solche Arbeiten ziehen dann regelmäßig Folgearbeiten nach sich, in diesem Fall war das der Anschubser gleich mal die gesamte Ecke neben und unter dem Fernseher sauber zu machen und die dort gesammelten Zeitschriften durchzusortieren. Next stop: Papiertonne.

K beschäftigte sich derweil mit Pakete packen und vorher die zu verkaufende Technik wieder auf Werkseinstellungen zurückzusetzen.
Da geht dann schon mal ein Tag schnell rum, ich habe aber immer noch keinen Lagerkoller, sondern freue mich schon wieder auf mein Bett
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Mittwoch, 30. Dezember 2020
Techniktag
Heute Mittag bekam ich eine E-Mail, dass der gestern bestellte Drucker zugestellt worden sei, allerdings nicht in meinem Büro (was ich mir nach gründlicher Logistikplanung als sinnvollste Zustelladresse überlegt hatte), sondern bei der Firma, die die Büros im Erdgeschoss hat.
Da habe ich ziemlich gestaunt, denn mit so einer Turbolieferung hatte ich überhaupt nicht gerechnet, sonst hätte ich den Drucker natürlich direkt hier nach Greven liefern lassen.
Nun war der Drucker aber schon ausgeliefert und da wollte ich ihn auch so schnell wie möglich haben. Ein Anruf bei dem freundlichen Paketannehmer-Nachbarbüro ergab, dass die Dame dort nur noch bis 14h vor Ort sein würde. und dass bei uns im Büro wohl tatsächlich niemand anwesend ist, es stände auch kein Auto auf dem Parkplatz.
Also blieb nur, dass ich mich blitzschnell ins Auto setzte und den Drucker abholte, zum Glück fand ich im Keller noch eine alte Minisackkarre, die vielleicht keine Waschmaschine aushält, aber für den 30kg Drucker reichte es, die ursprünglich geplante Logistik (einen der Hausmeister lieb anlächeln und um Hilfe bitten) fiel ja heute aus, weil niemand da war.
Wieder zuhause wuchtete K das schwere Ding die Treppe hoch bis ins Arbeitszimmer im 1. OG, hier musste dann erst mal die alte Technik abgebaut und ca. 5kg Staub weggesaugt werden. Irre, was sich hinter so einem Druckerregal an Dreck ansammelt.

Wir hatten den neuen Drucker grade im Netz, da schellte es und unser Postbote brachte eine neue Fritzbox. Hier wurde ja letzte Woche der Kabel-Internetzugang neu verhandelt und wir haben jetzt nicht nur 500MB Download und 50MB Upload, sondern bekommen auch die allerneueste Fritzbox dazu gratis gestellt. Ist alles Folge des quasi Neukunden-Services, weil ich ja formell erstmal gekündigt hatte und dann konnten sie mir ein tolles Neukundenangebot machen. Der Spaß kostet jetzt exakt 5€ mehr als vorher, aber das ist es ja schon für die Fritzbox wert.
Die neue Fritzbox ist jetzt gleich drei Generationen neuer als die alte, was zur Folge hat, dass wir die Einstellungen der alten Fritzbox nicht einfach übertragen können, was wiederum bedeutet, dass nun alles komplett neu eingerichtet werden muss. Großer Spaß, denn es müssen leider auch alle Geräte einzeln neu verbunden werden und davon gibt es in unserem Haushalt reichlich. K turnt hier seit über eine Stunde rum, schimpft leise vor sich hin und kämpft sich da durch, immerhin ist anschließend alles frisch und sauber eingerichtet und wir sind sicher, dass auch kein versteckter Hacker mehr drin wohnt, positiv denken. Weiterer positiver Effekt der neuen Fritzbox ist eine um ein vielfaches schnellere Übertragung im WLan, ohne die wäre das neue, schnelle Internet auch ziemlich nutzlos verpufft.

Der neue Drucker druckt auf alle Fälle schon ganz hervorragend, nicht nur mit einer sehr guten Qualität, sondern er hat auch einen einstellbaren, automatischen Duplexdruck, das wollte ich unbedingt haben, weil ich mir beim manuellen Bedrucken von Rückseiten grundsätzlich das Hirn verrenke und dann doch vier Versuche brauche, bis endlich richtigrum eingelegt beide Seiten vernünftig bedruckt sind. Das hat also jetzt endlich ein Ende.
Wenn das mit dem Scannen genauso schnell und problemlos klappt, bin ich hochzufrieden, das werden wir aber erst morgen ausprobieren, für heute war erst mal genug Technik.

Plan für morgen: Jede Menge Pakete verschicken (Ks ebay-Auktionen sind erfolgreich verlaufen und die alte Fritzbox geht auch zurück an Vodafone), die weiteren Funktionen des Druckers einrichten - und ganz viel in den Büroregalen aufräumen, um dann frisch sortiert ins neue Jahr zu starten
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Mittwoch, 30. Dezember 2020
Frei, einfach nur frei - und Druckerkauf
Inbox zero und dabei ist heute erst der 29. Noch zwei Tage Zeit, also quasi fast ein halbes Leben und ich habe alle deadlines für dieses Jahr schon erledigt, sogar gestern schon, mir ist ein bisschen unheimlich vor mich selber, so früh und vor allem ohne jede Verlängerung war ich noch nie mit allem fertig.
Und ich stelle fest, dass ich das Gefühl unglaublich genieße. Das erste Mal seit - ich weiß gar nicht seit wie vielen Jahren oder Jahrzehnten, dass ich tatsächlich alles, und ich meine wirklich ALLES, was es an theoretisch denkbaren "Schreibtischverpflichtungen" so gibt, erledigt habe. Es ist in diesem Moment einfach nichts mehr offen.
Das ändert sich schlagartig ab dem 1.1., denn ab dem Moment ist 2020 beendet und man könnte alle Steuererklärungen, die für 2020 abgegeben werden müssen, abgeben, rein theoretisch zumindest. Praktisch scheitert es am Anfang des Jahres noch daran, dass die neuen Formulare noch nicht zur Verfügung stehen und dass man noch Abrechnung für 2020 braucht, die andere Leute erstellen müssen, aber die Verpflichtung als solche ist schon da.

Aber jetzt in diesem Moment, wo das Jahr 2020 noch nicht beendet ist, gibt es für den Abschluss des Jahres noch keine Verpflichtung, alle Verpflichtungen für Jahre bis 2020 habe ich dagegen erfüllt und genau deshalb fühlt sich die aktuelle Zeit für mich so unglaublich an. Wie schwerelos. Nichts muss mehr gemacht werden, ich kann mich mit 100% reinem Gewissen aufs Sofa setzen und nichts tun.
Alle Steuererklärungen sind abgegeben, alle E-Bilanzen übermittelt und alle HGB-Bilanzen veröffentlicht. Alle Nebenkosten sind abgerechnet, alle offenen Rechnungen überwiesen, alle Krankenkassenabrechnungen erledigt und alle rumfliegenden Unterlagen sind abgelegt. Niemand will was von mir, ich bin für nichts mehr verantwortlichen, ich habe richtig und in echt frei.

Eben haben wir noch die Bescherung nachgeholt, die wir am 24. aufgeschoben hatten, da wir letzten Donnerstag ja noch dachten, wir kommen spätestens am Wochenende nach Borkum. Jetzt haben wir auf ein Auspacken vor der Kamera umgeschwenkt und damit ist das auch erledigt.

Draußen ist schlechtes Wetter und außerdem Pandemie, ich habe so sehr nichts zu tun, wie ich das gefühlt das letzte Mal als Kind nicht zu tun hatte, obwohl Kinder ab einem gewissen Alter ja schon Lernaufgaben theoretisch auch in die Ferien mitschleppen. Es fühlt sich also wie eine Kleinkindfreiheit an und das ist ein unglaublich gutes Gefühl.
So schade, dass es nur für eine so kurze Zeit hält.

Da ich nichts zu tun habe, habe ich heute Vormittag überlegt, was ich denn schon immer mal tun wollte und da fiel mir ein, dass ich mich die letzten Tage sehr über die hiesige Bürotechnik geärgert habe. Und damit das ab sofort besser wird, habe ich heute Vormittag einen professionellen Drucker-Scanner-Kopierer mit Faxmodem und LED-Technologie gekauft.
K hatte sich vorher ausgiebig mit den verschiedensten Testberichten für diese Geräte beschäftigt und wir haben dann gemeinsam definiert, was ich will.
Nebenher haben wir noch herausgefunden, dass LED-Drucker besser sind (sein sollen?, wir werden es sehen) als Laser-Drucker, dann haben wir ein wenig die Logistik überlegt (wohin schicken lassen? Das Teil wiegt ca. 30kg, da ist also nix mehr mit Packstation und am Kiosk abholen muss ich in der Größenordnung auch nicht mehr haben) und als wir uns schließlich durch alle diesen Themen durchentschieden hatten, sagte uns die website des Herstellers, dass das gewünschte Gerät leider grade nicht lieferbar sei.
Amazon bot es aber doch an, sogar günstiger als der Listenpreis des Herstellers und K wollte schon auf kaufen klicken, weil K immer alles bei Amazon kauft. Er hat dort ein prime-Konto und das verpflichtet ihn zur Monogamie (ich denke, dass das so ist, weil er sich so verhält, ich dagegen muss zum Glück nur sehr, sehr selten was bei Amazon kaufen, weil ich kein prime-Konto habe und deshalb günstiger woanders bestellen darf.)
Weil ich im Bestellen bei anderen online shops außerhalb von Amazon geübt bin, habe ich meine Methode auch mal ausprobiert, ich habe dazu einfach die Typ-Nummer des gewünschten Gerätes bei Google eingegeben. (alles am iPad, weil ich noch im Bett lag.)
Als oberste Treffer werden dann immer Anzeigen eingeblendet von online shops, die einem genau dieses Gerät auch verkaufen, in diesem Fall war der Büromarkt Böttcher mit einem Angebot dabei, was noch deutlich preiswerter war als Amazon, Lieferung inklusive.
Büromarkt Böttcher kenne ich, da habe ich ein Kundenkonto, also bin ich erstmal aufgestanden und habe meinen PC angeworfen, mich am PC dort eingeloggt, das gewünschte Gerät herausgefischt und dann fasziniert auf den Preis gestarrt, denn plötzlich war der Drucker rund 50€ teurer.
Auf dem iPad war der Tab aber noch offen, deshalb habe ich mir diesen Link auf den PC geschickt - und dann kostete der Drucker wieder den 50€ niedrigeren Preis. Der blieb dann auch zunächst konstant, ich legte den Drucker in den Warenkorb und klickte auf kaufen, die Bestellung wurde akzeptiert und ich bekam eine Bestellbestätigung für den günstigen Preis. Ich schloss den Browser, für mich war die Angelegenheit abgehakt, aber dann wollte K noch mal die genauen Maße wissen, weil er messen wollte, ob der neue Monsterdrucker überhaupt ins Arbeitszimmer passt. (Ja, er passt, zwar knapp, aber grade so, ufff.) Also machte ich den Browser wieder auf, googelte wieder nach der Typ-Nummer, wieder war Böttcher die oberste Anzeige - aber diesmal genau 20€ teurer als noch 10 Minuten zuvor und auf einem PC ergoogelt und nicht auf einem iPad.
Ich meine, ganz im Ernst, aber irgendwie fühle ich mich von diesen wirren Algorhythmen provoziert.
Bei den Preisunterschieden, die die je nach Cookie-Szenario auf dem jeweils suchenden Gerät auswerfen, erscheint es mir das allersmarteste zu sein, für die Suche nach dem besten Preis ein möglichst einfaches Internetgerät zu verwenden, auf dem man vorher den Cookie-Cache komplett geleert hat. Die Händler wollen es nicht anders, genau wie die Internetanbieter und die Energieversorger mit ihren bekloppten Neukundenrabatten
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Freitag, 25. Dezember 2020
Erklärungen für Kinder
Neulich im Supermarkt, neben mir in der Schlange eine Mutter mit einem ca. 4jährigen Kind, das interessiert die Menschen vor den Kassen mustert, hinter mir ein Mann, der seine MuNa-Maske zu einer Kinn-Maske umfunktioniert hatte.
Das Kind zeigt auf den Mann und sagt mit seiner gut hörbaren Kinderstimmen: „Guck mal Mama, ist das ein Covidiot?“
Die Mutter guckt den Mann an und antwortet ihrem Kind, ebenfalls gut hörbar für alle: „Ja mein Schatz, aber man zeigt nicht mit dem Finger auf solche Leute. Das sind ganz arme Menschen, weil die schwer krank im Kopf sind und deshalb mit ihrem Leben nicht alleine klarkommen.“
Das Kind fragt neugierig zurück: „Was kann der denn nicht alleine?“
Worauf die Mutter sagt: „Denken, mein Schatz. Der kann nicht alleine denken, sondern ist darauf angewiesen, dass das andere für ihn tun.
Er hat aber Pech gehabt und wohl jemanden erwischt, der das ebenfalls nicht gut kann, und weil er selber eben auch nicht so klug ist, merkt er das nicht. Und dann kommt sowas dabei raus.
Das ist wirklich ein großes Unglück für die Leute, aber sie können nichts dagegen tun.
Nur deshalb zeigt man nicht mit dem Finger auf die, sondern sollte lieber viel Mitleid mit diesen Menschen haben.“

Mich erinnerte dieser Dialog sehr an meine Mutterzeit vor 20 Jahren, genau so einen Dialog hätte ich wahrscheinlich auch mit meinen Kindern laut und für alle hörbar in der Öffentlichkeit geführt, hätte es damals Covidioten gegeben.

Damals gab es dafür andere Dialogthemen, bspw. Benehmen ganz allgemein.
So erinnere ich mich an eine Szene, wo wir in einem Haus mit einem parkähnlichen Grundstück drumherum wohnten, unser Park grenzte an den Park der Nachbarn, die Häuser (Gründerzeitvillen) gehörten zwei Brüdern, wobei der eine der Brüder sein Haus samt Park an uns vermietet hatte, in dem anderen wohnte der (kinderlose) Bruder mit seiner Frau und fünf Katzen. Zwischen den Häusern, sozusagen auf der Grenze zwischen den beiden Parks, die ansonsten durch eine sehr hohe Mauer getrennt waren, stand eine alte, verfallene Kapelle. Genau genommen stand die Kapelle auf dem Grundstück des anderen Hauses, wenn man sich aber furchtlos durch sehr viel Gestrüpp und Unterholz quetschte, konnte man sie von unserem Grundstück aus erreichen.
Die Kinder wussten, dass sie dort nicht spielen sollten, aber natürlich ist so ein leerstehendes Haus verführerisch.
Eines Tages kam N ziemlich verdreckt und blutverschmiert von draußen rein und wollte sich stickum ins Bad verdrücken, das gelang ihm aber nicht, da ihm seine vierjährige Schwester folgte, die mir stolz erzählte, dass N was auf den Kopf gefallen wäre, er hätte aber überhaupt nicht geweint und es wäre auch nur sein Kopf blutig, die Jacke hätte er gleich ausgezogen, damit die nicht schmutzig wird, dann wäre aber die Nachbarin gekommen und hätte sich aufgeregt, da seien sie weggelaufen.
Während sie noch erzählte, schellte es an der Tür und draußen stand die Nachbarin und machte ein Mordsgezeter.
Sie schrie und tobte, dass es verboten sei, dass die Kinder dort in der Kapelle spielten und dass ich darauf aufzupassen hätte, das wäre unterlassene Aufsichtspflicht und wenn sie die noch mal dort erwische, dann gnade ihnen Gott, dann würde sie mich anzeigen, das wäre ihr Grundstück und die Kinder dürften das nicht betreten und schon gar nicht die Kapelle und dann fing sie wieder von vorne an, nur noch eine Oktave höher, die Dame war offensichtlich sehr in Rage.
Während die Nachbarin also bei uns vor der Tür stand und alles zusammenbrüllte, zupfte mich meine Tochter am Ärmel und fragte: "Mama, warum schreit die Frau so?" was mich zu der Antwort veranlasste: "Nun, hier hast du ein gutes Beispiel für schlechte Erziehung. Die Frau hat offensichtlich nie gelernt, dass man nicht so rumschreit, wahrscheinlich hatte sie Eltern, die sich nicht vernünftig um sie gekümmert haben, und so wird man dann, wenn man groß ist. Verstehst du jetzt, warum ich euch immer sage, ihr sollt nicht so brüllen, wenn ihr euch aufregt?"

Die Nachbarin bekam Schnappatmung und ich hatte kurz Sorge, dass sie mir tot auf der Schwelle zusammenbricht, aber dann klappte sie nur noch ihren Mund zu, drehte auf dem Absatz um und verschwand wieder in Richtung ihres eigenen Grundstücks, übrigens genau auf dem Weg, der die beiden Grundstück verband und den sie den Kindern verbieten wollte zu benutzen
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Donnerstag, 24. Dezember 2020
Heiligabend
Heute ist also offiziell Heiligabend, sagt der Kalender und auch wenn wir uns heute den ganzen Tag nicht benommen haben wie Heiligabend, wird es wohl trotzdem so sein. Das ist eine sehr tröstliche Feststellung, denn sie beweist, dass man sich Heiligabend gar nicht benehmen muss wie Heiligabend, der Kalender zieht das trotzdem durch und irgendwann ist der Tag um, das Ereignis ist vorbei und man hatte den ganzen Tag keine Last mit lästigen Traditionen.

Ich finde es faszinierend, dass ich dafür erst 58 Jahre alt werden musste, um das so präzise festzustellen, aber es ist ja nie zu spät. Wenn ich nicht vorzeitig durch Corona oder eine andere Misslichkeit dahingerafft werde, habe ich noch ein paar Jahre - und für die kommenden Jahre habe ich heute gelernt: Heiligabend ist am allerbesten, wenn man sich keine Mühe gibt, Heiligabend zu begehen.

Nach dem ausgiebigen Ausschlafen überlegten wir, was wir denn heute so tun könnten. Nach Borkum fliegen war nicht, wegen Wetter, also bleiben wir in Greven und warten auf bessere Wetterzeiten. Morgen ist das Wetter vorhergesagt deutlich besser, aber morgen ist der Flugplatz auf Borkum geschlossen, wir schauen dann mal, wie es übermorgen wird.

Weil dann klar war, dass wir nicht fliegen, brauchten wir eine Beschäftigung für den Tag und entschieden uns für Shoppen, das ist immer eine brauchbare Abwechslung. Wir fuhren zum Großmarkt, weil der so groß ist, dass es dort fast nie voll ist, als wir ankamen (eine halbe Stunde bevor er schloss), war er sogar so leer, wie ich den Großmarkt bisher selten erlebt habe. Sehr entspanntes Coronashoppen und mehr als eine halbe Stunde brauchten wir auch nicht, weil wir ja eigentlich sowieso nichts brauchten, aber im Großmarkt findet man ja immer irgendwas, das war insgesamt sehr nett.
Ich kaufte unter anderem einen Romanescu und grübele seitdem, wann wir den überhaupt essen werden, denn wir haben wirklich bis ca. Ostern genug an Essen im Haus, aber nun, ein Romanescu mehr oder weniger macht den Kohl dann auch nicht mehr fett. Es wird sich finden.

Weil der Großmarkt schon um 13h schloss und wir irgendwie noch nicht shoppingmüde waren, beschlossen wir, noch rasch bei Lidl vorbeizufahren, da hatte ich in meiner App noch einen Gutschein für ein Paket Käse für umme, wenn ich was anderes für mindestens 2€ kaufe, das sollte gelingen, denn wir brauchten noch Brot.

In der Lidl App gab es seit 24 Tagen den Lidl-Adventskalender mit jedem Tag irgendeinem anderen Spezialangebot, heute gab es einen 5 € Gutschein, wenn man für mindestens 35 € einkauft. 5 von 35, das sind mehr als 14% Rabatt, sowas finde ich ja grundsätzlich ganz wunderbar und natürlich kaufe ich dann irgendwas für 35€ ein, wenn ich dabei über 14% Rabatt bekomme.
2 € hatte ich ja schon eingeplant, aber auch für die anderen 33€ fand sich was. Wir haben jetzt sehr viel Heilbutt und Ramazotti brauchten wir auch, fand ich und dann noch dies und das, als ich grob überschlug, stellt ich fest, dass ich sogar übers Ziel hinausgeschossen war und schon für 40€ Kram im Wagen hatte. Da fiel mir ein, dass K die App ja auch auf dem Handy hat und dass er dann doch auch diesen Gutschein in seinem 24. Türchen haben wird. So war es und deshalb mussten wir noch mehr einkaufen, es galt schließlich, sich nun 2 x € Rabatt zu erkaufen.
Um es kurz zu machen: Wir haben jetzt sehr viel Alkohol im Haus, aber der wird ja nicht schlecht.

So sparten wir uns also reich mit unseren Einkäufen und kamen am frühen Nachmittag sehr vergnügt wieder in Greven an. Zwar haben wir die Kühlschränke voll mit Leckereien, aber weil wir inzwischen beide sehr hungrig waren, hatte keiner mehr Lust auf aufwändiges Kochen. Aber wir hatten ja zum Glück noch Reste von vorgestern, die haben wir fix in der Pfanne warm gemacht und ruckzuck waren wir beide satt und bereit für den gemütlichen Teil des Tages.

K zog sich zurück, um mit seiner Schwester zu telefonieren, ich funkte die Kinder an und fragte nach, wie es dort auf Borkum so geht.
Die drei hatten es sich auch gemütlich gemacht und freuten sich darüber, dass es keinerlei Vorgaben zu befolgen gab, das ist eine ziemlich perfekte Lösung. Die Kinder hatten nämlich von sich aus auch keinen Bock auf Weihnachten und Baum und Gedöns und all diesen lästigen Tüddelkram da drumherum, hätten das aber von sich aus nie gesagt, weil sie ja meinten, ich würde da drauf stehen.
Ich dagegen finde das Weihnachtsgetute schon seit Ewigkeiten schrecklich, dachte aber, ich müsse wenigstens einen formalen Restrahmen beibehalten, damit die Kinder nicht ganz so traditionslos aufwachsen müssen. Und so kam es, dass wir uns alle gegenseitig seit Jahren einen Gefallen tun wollten und uns selber zu seltsamen Weihnachtsveranstaltungen gezwungen haben.
Aber dieses Jahr ist ja zum Glück alles anders und keiner von uns ist daran schuld. Das ist genial, weil wir jetzt endlich alle mal die Chance hatten, das zu tun, was wir tun würden, wenn wir nicht immer (ausgedachte) Rücksicht auf die jeweils andere Partei genommen hätten. Die Kinder feierten also Weihnachten ohne Eltern und die Eltern ohne Kinder und nirgendwo gab es einen Baum oder ein Festessen oder irgendwas, sondern alle schlunzten sich nur völlig entspannt durch einen Schlechtwetterwintertag, an dem niemand arbeiten musste, es war für alle ein echt schöner Tag.

Nach einigem Hin und Her merkten wir, dass Telefonieren zu viert blöd ist, Facetime nicht richtig funktioniert, wenn auf einer Seite drei Leute nebeneinander sitzen, also machten wir Zoom an und dann hatten wir es richtig gemütlich.
Irgendwann kam noch K dazu, dann waren wir zu fünft und es war ein sehr witziger Heiligabend, bis plötzlich die zwei Jungs verschwunden waren und nur noch C auf der Kinderseite tapfer durchhielt. N lag auf dem Sofa und schlief ein wenig, J hatte sich in sein Zimmer verzogen und pflegte sonstige soziale Kontakte, nach anderthalb Stunden Kernfamilienzoom ist es dann ja auch mal gut.

Inzwischen hatten wir hier doch wieder ein wenig Hunger bekommen und nach dem Abschalten von Zoom machte ich für uns beide ein paar Häppchen mit Heilbutt zurecht, dazu ein leckerer Dip, schnelles Festmahl. K hat in den letzten Tagen herausgefunden, wie dieser Chromcast funktioniert und warf zum Essen als Hintergrundbegleitung Loriots "Weihnachten bei Hoppenstedt" an. Das ist so gut, ich hatte längst vergessen, wie gut das tatsächlich ist, es ist einfach unfassbar gut, das könnte meine neue Tradition werden: Immer am 24.12. gucken wir Weihnachten bei Hoppenstedts. Echte Empfehlung
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Montag, 21. Dezember 2020
privater Bürokram
Es geht voran.
Langsam und mühselig, aber voran.
Heute habe ich die Abschlüsse von drei Firmen fertiggestellt, die Steuererklärungen dazu ausgefüllt, die E-Bilanzen übermittelt und die HGB-Bilanzen veröffentlicht, ausgewählte Unterlagen zusammengestellt und per Anschreiben an die Finanzämter versandt.
Urlaubstage können richtig produktiv sein.

Außerdem habe ich mit Schrecken festgestellt, dass ich für 2019 noch für zwei Immobilien die Nebenkostenabrechnung erstellen und verschicken muss und weil ich die Nebenkosten insgesamt kontrolliert habe, ist mir aufgefallen, dass ich ganz dringend meinen Internetanschluss hier in Greven kündigen oder wenigstens neu verhandeln muss, denn sonst verlängert er sich von alleine um ein Jahr, kostet dann aber das Doppelte. Das ist immer die Krux, wenn man günstige Neukundenverträge abschließt, die muss man sich am besten schon bei Abschluss sofort auf Wiedervorlage legen, damit man bloß nicht vergisst, sie auch wieder zu kündigen.

Ich verstehe ja die Marketingidee dahinter nicht, entweder wollen die Anbieter nur sackdämliche Kunden, die das mit dem dauernden kündigen und neu abschließen von Verträgen nicht geregelt kriegen - oder die haben alle nur einen wirtschaftlichen Horizont von nicht mehr als 365 Tagen.
Wieso gibt es überhaupt Neukundenboni? Ich fände Bestandskundenboni viel sinnvoller, dass man als Stammkunde ausgezeichnet und gepflegt wird, das ist nachhaltig und vor allem mit einer langfristigen Strategie viel bindungswirksamer.
Diese blödsinnige Neukundenrabattschlacht führt doch nur dazu, dass ich nirgends länger bleibe, weil ich dann draufzahlen muss.
Aber vielleicht ist das ja auch ein Zeichen unserer schnelllebigen Zeit, außer immer neuer, immer billiger und immer größer zählt nix mehr.
Ich finde das anstrengend
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Sonntag, 20. Dezember 2020
Blödsinnige Bürokratie
Lange geschlafen, das war gut.
Dann noch eine ganze Zeitlang im Bett gelegen und gelesen, das war auch sehr gut.
Aber seit dem Nachmittag sitze ich am Schreibtisch und bastele an den privaten Abschlüssen rum, das ist zwar produktiv und sinnvoll, macht aber keine gute Laune.

Immerhin habe ich eine (von insgesamt sechs) Firmen jetzt schon mal (fast) fertig, ausgerechnet die, von der ich annahm, dass sie besonders einfach fertig zustellen ist, aber das war eine grandiose Täuschung. Nun ja, jetzt ist es ja erledigt, allerdings habe ich jetzt auch Kopfschmerzen und einen Knoten im Hirn, weil es tatsächlich so kompliziert war, dass ich mich über drei Stunden hochkonzentriert mit der Buchhaltung befassen musste, um sicher zu sein, dass am Ende alles korrekt abgerechnet ist und irgendwie bin ich aus dem Alter raus, in dem Denksportaufgaben Spaß machten.

Jetzt nur noch die Technik, also die fertigen Zahlen in die Steuererklärung eintragen, eine E-Bilanz erstellen und alles übermitteln.

Und am Ende kommt eine Steuer von genau 0 € raus, weil die gesamte Firma nur existiert, um einen Immobilienkredit über ein Währungsdarlehen laufen zu lassen. Weil sich aber die Bankvorschriften geändert haben, dürfen Banken solche komplexen Finanzinstrumente (Währungskredite, Pfui!) jetzt nicht mehr an Privatpersonen ausgeben, sondern nur noch an Firmen. Also muss die Privatperson, die schon seit Jahren ihre Immobilienkredite immer über Währungsdarlehen finanziert hat, nun eine Firma gründen, über die dann der Kredit läuft, dann ist die Bankcompliance zufrieden.
Eine Firma muss aber steuerlich natürlich auch komplett abgebildet und erklärt werden, d.h. es braucht eine Buchhaltung, eine HGB-Bilanz mit GuV und Anhang (für den Bundesanzeiger, der Kram muss nämlich auch noch veröffentlicht werden) und eine E-Bilanz fürs Finanzamt.
Ein Privatmensch arbeitet mit Ein- und Auszahlungen, d.h. Dinge werden für ihn steuerlich wirksam, wenn das Geld fließt. Eine bilanzierende Firma arbeitet aber mit Forderungen und Verbindlichkeiten, hier kommt es also gar nicht auf den Geldfluss an, sondern auf die sogenannte "periodengerechte Zuordnung". Spannend wird es, wenn die Firma nur zum Weiterreichen da ist, dann müssen alle Beträge erst abgegrenzt und dann wieder aufgelöst werden und am Ende müssen sich die Steuererklärung des Privatmenschen (bei dem sich die Zinsen aus dem Währungskredit auswirken sollen) und die Steuererklärung der Firma so ergänzen, das insgesamt wieder alles auf Null ist. Es geht ja schließlich nicht um ein Steuersparmodell, sondern nur um eine Befriedigung der Bankvorschriften.
Das ist tatsächlich noch deutlich umständlicher und komplizierter als es sich so schon anhört.
Mir macht so etwas enorm viel schlechte Laune, weil ich diesen gesamten Vorschriftenkram so komplett überflüssig finde. Er ändert nämlich nichts. Er verhindert nichts und was Positives bewirkt er schon mal gar nicht, es wird nur alles noch aufwendiger in der Dokumentation als es eh schon ist, und statt sich mit produktiver Arbeit zu beschäftigen, vergeuden die Menschen, die zu solch einem Zirkus gezwungen werden, 90% ihrer Arbeitszeit mit völlig überflüssigem Bürokratieaufwand.
Ich könnte jedesmal darüber kotzen.

Aber so ist es eben, hoch lebe die Bürokratie, sonst fehlte ja einer unendlichen großen Anzahl von Verwaltungsmenschen komplett ihre Existenzberechtigung.

Die gute Nachricht des Tages: Alle drei Kinder sind heil auf Borkum angekommen, jetzt heißt es nur Daumendrücken, dass sie sich die nächsten Tage nicht die Köpfe einschlagen
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