anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 9. Januar 2019
Haushaltseinrichtungen
Ja, ich hatte heute nach zweieinhalb Wochen fast echten* Urlaubs meinen ersten Arbeitstag.

*ich habe eine Fußnotenallergie und hasse die Blogger, die sich darin aufgeilen, sich in Fußnoten zu verperfektionieren, aber ich habe an dieser Stelle wirklich eine Anmerkung** und weil ich sie nicht als Fußnote bringen will, steht sie jetzt direkt hier, also
**fast echter Urlaub meint: ich habe mich wirklich fast gar nicht um Büro-E-Mails gekümmert. Ich habe sie zwar registriert und in 2-3 superdringenden Fällen auch tatsächlich eingegriffen und geantwortet, aber ansonsten habe ich wirklich alles sehr tapfer ignoriert. Auch die fast 60 E-Mails die mir mein Chef erster Ordnung in der Zeit zwischen den Tagen geschrieben hat. Wie drückte es eine Kollegin heute aus, als ich beiläufig erwähnte, dass ich ungefähr diese Menge E-Mails von ihm nur zwischen Weihnachten und Neujahr erhalten habe: "Der Kerl braucht dringend ein Sozialleben. Wir sollten ihm eine Freundin organisieren." - oder so :-)

Fußnoten mittendrin ist aber auch schwierig, weil jetzt so ein großes Loch ist zu dem vorherigen Satz, ich fange am besten noch mal an:


Ja, ich hatte heute nach zweieinhalb Wochen fast echten*** Urlaubs meinen ersten Arbeitstag.

***Jetzt muss ich diesen Begriff ja nicht mehr erklären, weil ist schon erledigt, ich wollte aber auch nicht kommentarlos über das Sternchen hinwegschreiben

also: Erster Arbeitstag heute nach längerem Urlaub - und ich hatte hauptsächlich Spaß.
Lag aber nicht an der Arbeit, sondern an J., der heute den Tag über immer wieder seine Wunderliste zwecks "Haushalt J." aktualisiert und ergänzt hat.
Ständig machte mein Handy "ping" und ständig musste ich wieder aufs Neue grinsen.
Denn seine regelmäßigen Listeneinträge sahen in der Mehrheit zB so aus:



Er hat ja so ein ganz eigenes Wörterdefinitionsthema, das man mit ihm auch nur mit viel Türenknallen und Beleidigtsein länger als 5 Minuten diskutieren kann, besser ist es also, man akzeptiert es wie es ist, was jedoch nicht zur Verständigung beiträgt. Da in diesem Fall aber die Karten einfach mal umgekehrt verteilt sind, weil, er will halt was von mir und es ist SEIN Interesse, dass ich ihn verstehe und nicht umgekehrt, deshalb ist er immerhin schlau genug, seine Begriffe, die er als Shortlisteinträge zunächst mal nur so hingerotzt hat, dann auch einem breiteren nicht so gebildeten Publikum ausführlicher zu erläutern. Diese Art von "so funktioniert das Leben" mag ich sehr.

Wir haben dann heute den Tag über darüber diskutiert, welche Putzlappen er so braucht und wo man die am günstigsten kauft (dass er sehr sparsam ist, hatte ich ja neulich erst erläutert), weil ich ihm hier aber keine problemlose Sofortlösung**** präsentieren konnte, ist er kurzerhand in den billigsten Laden marschiert, um dort alle Lappen aufzukaufen, weil er ja nicht weiß, welche er wirklich braucht.



****weil die Lappen, die in meiner Küche verwendet werden, sind extra dick und ich habe sie mir auch extra so gewünscht und vor zwei Jahren von C. so zu Weihnachten geschenkt bekommen. Wenn man die überall problemlos kaufen könnte, wäre das ja kein sinnvolles Geschenk gewesen.

Da er heute dann schon selber einkaufen war, pingelte anschließende das Telefon ständig, weil er all die Einträge, die er gestern gemacht hatte, heute wieder als erledigt markierte. Ob des ständig pingelnden Handys fragte ein Kollege, ob ich jetzt doch in der Erstsemester-Elterngruppe dazugefügt wurde, ein bisschen peinlich war es mir dann schon.

Auf der Fahrt vom Büro nach Hause habe ich dann mit meiner Mutter telefoniert, weil ich ihr erzählen wollte, wie es mit der Haushaltseinrichtung ihres Enkels grade vorangeht - und zack - gerieten wir in Streit, weil sie sofort auch ein paar Gegenstände aus ihrem Haushalt aussortierte und mit in den neuen J.-Haushalt einbringen wollte. - Aber so geht das natürlich nicht.
Mutter ist eindeutig mehr als Großmutter und erst sortiere ICH aus, bevor sie dran ist.
Sie kann gerne die Dinge aussortieren, die ich durch Zufall eventuell doch nicht habe, aber erst dann. Nicht vordrängeln, das gildet nicht.
Sie wollte unbedingt ihre Geschirrtücher loswerden, dabei habe ich noch gar nicht geprüft, ob ich nicht auch Geschirrtücher loswerden möchte.
Und Frühstücksbrettchen hat sie auch schon angeboten.
Ich muss da erst mal ein ernstes Gespräch mit meinem Sohn führen, dass er die Reihenfolge bei der Haushaltsaufnahme auch wirklich streng beachtet, das gibt sonst Ärger, ich spüre das schon.

Außerdem hat sie deutlich mehr Enkel als ich Kinder und der Sohn der Schwester plant wohl auch den Auszug (hier habe ich nur zweite Hand Infos, irgendwie hat die Schwester in der letzten Zeit keine Zeit mehr, mit mir zu reden, aber vielleicht ist sie ja auch nur gestresst, weil der Sohn auszieht, was weiß ich) - auf alle Fälle gilt für mich: Kram, den MEIN Sohn meint zu brauchen haben will, darf ich als erste aussortieren und Punkt
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Sonntag, 6. Januar 2019
Sirenenalarm und Journalistenvorstellungen
In Summe war heute ein recht produktiver Tag, auch wenn ich erst gegen 12h aufgestanden bin.

Dabei schrillten bereits um kurz nach 11h die Sirenen hier auf der Insel, das ist das inseleigene Mittel der Wahl für den Sammlungsruf: "Alle Mann an Strand". Die Feuerwehr hatte den Sirenenruf abgesetzt, weil sie Unterstützung bei den Strandaufräumarbeiten brauchte, es war heute Nacht dann doch noch reichlich Kram aus den havarierten Containern angespült worden, deutlich mehr als nur die paar Fernseher von gestern, unter anderem wohl auch ein paar dieser todesgefährlichen Chemiepäckchen und bei derartigem Höllenzeug geht dann gleich die volle Luzie ab. Ich habe noch nicht ganz verstanden, wo das Lebensgefährliche bei diesem Chemiezeug ist, dass man es nicht essen sollte, dürfte doch wohl jedem klar sein, aber besser, man macht viel Zirkus drum, sonst ist man nachher schuld, wenn irgendein ganz Schlauer tatsächlich probehalber dran leckt.

Ich habe ja Facebook von meinem Handy gelöscht - aber für Notfälle und vor allem für alle Inselinfos habe ich es natürlich noch auf dem iPad und das war sehr praktisch, denn drei Minuten nach dem Sirenenalarm wusste ich schon aus Facebook, was am Strand los war, weitere 10 Minuten später wusste ich, dass sich auch bereits Unmengen an Leuten auf den Weg gemacht hatten, deshalb bin ich entspannt im Bett geblieben und habe erst mal mein Buch zu Ende gelesen.

Dass da ein Frachter ein paar Container verloren hat kommt ja schon mal öfter vor, hier wurden schon die lustigsten Sachen angeschwemmt, dass aber die aktuelle Containerstory derartig viele Katastrophenjournalisten anzieht, wie sich mittlerweile hier auf der Insel tummeln, das hätte ich nicht vermutet. Und weil es so viele sind, muss natürlich auch eine Riesenstory draus gemacht werden. Jeder versucht den anderen zu übertrumpfen und alle wollen die allerheißesten Originalinsiderinfos direkt aus dem Herzen der Insel. Ein Fest für den Inseldeppen - der wurde heute mindestens von vier verschiedenen Sendern interviewt, und natürlich alles im echten O-Ton, keine Fakenews. Ich habe mich schlapp gelacht.

Überhaupt habe ich mich in der letzten Zeit häufiger darüber gewundert, mit welchem seltsamen Selbstverständnis sehr viele (die meisten?) Journalisten so unterwegs sind. Die Geschichte um und über Herrn Relotius zum Beispiel - so weit ich das beurteilen kann, haben sich hauptsächlich Journalisten darüber aufgeregt. Ich, als einfacher "Endkunde" habe zunächst gar nicht verstanden, wo das Problem überhaupt gewesen sein soll. Gut, er hat sich Geschichten ausgedacht - aber ist das nicht ganz normal und wurde das nicht schon immer so gemacht?
Ich meine, wenn jemand solche Texte schreibt wie Herr Relotius - wer kommt denn auf den Gedanken zu glauben, das wäre frei von Phantasie? Ich finde das so selbstverständlich, dass ich umgekehrt enorm erstaunt war, als ich mitbekam, wie viele Leute so taten, als hätten sie ihm jedes Wort geglaubt. Und wo genau ist der Unterschied, ob ich erdachte Wahrheiten über syrische Kinder oder über irgendwelche Promis schreibe? Dass die "Yellowpress" ohne Ende erfundene Phantasiegeschichten verbreitet, das weiß doch wirklich jeder, weshalb ist also das, was Herr Relotius da geschrieben hat, plötzlich so ein Problem?
Ich habe es nicht verstanden, ehrlich nicht, aber wahrscheinlich habe ich auch ein komplett anderes Bild von Journalisten als die Journalisten über sich selber haben.
Und um von hier zurück zu unserem aktuellen "Umweltskandal" in der südlichen Nordsee zu kommen - wenn so ein Journalist jetzt den örtlichen Inseldepp interviewt, der ihm einen sagenhaft Dünnschiss erzählt - aber natürlich alles aus erster Hand und als Einheimischer - meint der Journalist dann wirklich, er hat eine "wahre Geschichte" und die "echte Stimmung unter den Einheimischen" eingefangen? Überhaupt, was ist denn die "echte Stimmung"? Kann das überhaupt jemand sagen, festlegen, definieren oder bestimmen?
Siehste - und deshalb ist es doch völlig wumpe, ob Herr Relotius ein paar echte syrische Kinder getroffen hat oder sich einfach welche ausgedacht hat, im Zweifel sind die Unterschiede marginal, weil auch die echten Kinder eben nur Einzelpersonen wären und kein Mensch genau sagen kann, was es daneben noch für 27.358 andere Meinungen, Stimmungen und Schicksale gibt.

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Den Nachmittag habe ich dann mit einigen Aufräumarbeiten hier im Haus verbracht, Wäsche waschen, Treppe wischen, Bad putzen. Mit K zusammen habe ich den Kleiderschrank aus Cs Zimmer wieder zusammengeleimt, der mir beim Wäscheeinräumen stückchenweise entgegenkam. Sowas passiert schon mal, wenn die Schränke mehr als 100 Jahre alt sind. Außerdem habe ich einige Stunden am PC gesessen und tatsächlich konzentriert hintereinander weg gearbeitet. Meine eigene Steuererklärung 2018 ist bis auf die Zahlen, die mir noch von anderen zugeliefert werden müssen, schon komplett fertig, ich habe diverse Umsatzsteuererklärungen abgegeben, meine eigene Buchhaltung aktualisiert und jede Menge BackUps gemacht. Dann habe ich Rechnungen für den Vater bezahlt und die Übersicht über seine Krankheitskosten und die bereits erfolgten Erstattungen aktualisiert. Außerdem habe ich den Gas- und den Stromlieferanten für das hiesige Haus gewechselt (für Greven hatte ich das schon im Dezember angestoßen), das gleiche auch für den Onkel organisiert und den Onkel persönlich besucht, weil sein Kopierer nicht mehr funktionierte. Dort habe ich dann den Toner gewechselt, neuen Toner bestellt und K hat ihm noch geholfen, einen Fernseher in seinem Schlafzimmer ans Laufen zu kriegen.

Am Abend haben wir die Kühlschrankbestände kontrolliert und beschlossen, dass es Gambas mit Salat, Baguette und Kräuterbutter gibt, das war ausgesprochen lecker, jetzt bin ich vollgefressen und müde
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Donnerstag, 3. Januar 2019
Reisekosten
Nachdem J sich gestern ausführlich mit der Logistik der Berlinrückfahrt beschäftigt hat, hat er um kurz nach Mitternacht beschlossen, den ursprünglichen Plan, nämlich am Sonntag mit K und mir im Auto bis nach Greven mitzufahren, um von dort irgendwie eine Weiterfahrt nach Berlin zu organisieren, aufzugeben und ist lieber heute schon mit C gemeinsam im Zug nach Bielefeld gefahren, um dann von dort nach Berlin weiter zu reisen.
Ich habe mich noch nicht ausführlicher damit beschäftigt, welche Reiseetappen man optimalerweise mit welchen Transportmitteln kombiniert, um nach Berlin zu fahren, weil ich noch nicht oft genug nach Berlin gereist bin, um deshalb in eine gründliche Recherche einzusteigen. Ich bin einmal von Borkum nach Berlin gereist, weil ich zur Einweihung des Adlon Hotels eingeladen war (d.h. eigentlich war natürlich CW eingeladen, aber damit galt die Einladung dann auch für mich und diese Veranstaltung fand ich spannend genug, um dafür tatsächlich extra aus Borkum anzureisen) und ich erinnere mich an diese Reise hauptsächlich als an eine lange, an eine sehr, sehr lange Zugfahrt. Zu der Zeit gab es aber auch wenig Alternativen. Auto wäre ziemlich bekloppt gewesen, denn ich musste ja nur die Hinreise alleine organisieren, zurück bin ich mit CW im Auto gefahren. Und fliegen war damals für mich noch nicht so problemlos möglich wie es heute der Fall ist und alle anderen alternativen Reisemethoden wie Flixbus oder Blablacar waren noch nicht auf dem Markt.
J optimiert seine Reisen aber nicht nur in Punkto Bequemlichkeit, das ist bei ihm sogar ein sehr vernachlässigtes Kriterium, er versucht vor allem so preiswert wie möglich von A nach B zu kommen und deshalb fand er die ursprüngliche Idee, nämlich umsonst bei uns im Auto bis nach Greven mitzufahren, schon ziemlich ideal. Leider werden wir am Sonntagabend aber erst recht spät in Greven ankommen, weil wir auf dem Weg zunächst beim Vater in Leer vorbeifahren werden - und wie lange wir uns dann dort aufhalten, das kann ich beim besten Willen nicht genau sagen. Es kann also spät werden - und der einzige sichere Weitertransport war dann ein Flixbus um 1h nachts, der dann 7h unterwegs sein sollte. Hört sich schon arg gruselig an.
Von Bielefeld fährt aber irgendein ICE, der wohl grade Sparpreise anbietet und auch ziemlich schnell ist - und wenn die zwei ab Emden gemeinsam mit einem Niedersachsenticket fahren, dann kostet die Fahrt für die zweite Person nur 5€ mehr, und plötzlich wurde diese Reisevariante selbst für den bis zur Selbstkasteiung sparsamen J zu einer attraktiven Variante.

Grundsätzlich finde ich es ja sehr positiv, dass die Kinder so sparsam sind. Ich habe mir bei der Erziehung auch viel Mühe gegeben, sie immer wieder auf preiswertere Alternativen für eine Wunscherfüllung hinzuweisen, bei J bin ich da aber unbestritten etwas übers Ziel hinausgeschossen.
Eine andere Erklärung für seine teilweise echt abstruse Sparsamkeit möchte ich nicht suchen.
Dabei ist er überhaupt nicht geizig, das ist etwas komplett anderes und das ist ein Vorwurf dem man ihm auf gar keinen Fall machen kann, die negativen Folgen seiner Sparsamkeit richten sich immer nur gegen ihn selbst, nie gegen andere, aber ihm fallen teilweise schon sehr krude Positionen ein, um auch die letzten 10 cent noch zu sparen.
Mittlerweile hat er immerhin einen Telefontarif mit Flatrate, weil die Telefonflat ohne Aufpreis dabei war. Als er aber noch im ostfriesischen Flachland lebte und dort mangels anderer erreichbarer Netzanbieter auf die Telekom angewiesen war, musste es natürlich der günstigste Tarif sein, weil eigentlich nur mobiles Internet wichtig war und Telekom ist schon teuer genug. In der Zeit war es dann immer ein Drama, wenn er wirklich aktiv jemanden anrufen musste, weil das ja extra kostete. Arzttermine zB konnte er deshalb immer nur am Wochenende vereinbaren, wenn er das familiäre Festnetzflatratetelefon benutzen konnte. Blöderweise haben die meisten Arztpraxen am Wochenende nicht geöffnet, Arztterminvereinbarungen waren ihm deshalb im Grunde nicht möglich, was dazu führte, dass ich einmal in einer Arztpraxis anrief und die dortige Arzthelferin bat, doch bitte meinen Sohn auf seinem Handy anzurufen, damit die Sache endlich mal voran ging.

Bis zu einem gewissen Grad kann ich ihn tatsächlich verstehen, ich bin ebenfalls sehr sparsam erzogen worden und achte bis heute bei allem, was ich so kaufe, immer noch sehr auf den Preis und gebe mir fast automatisch Mühe, nach Möglichkeit den günstigsten Preis zu finden, ohne dabei die Qualität zu verschlechtern, aber gleichzeitig habe ich auch allen drei Kindern immer wieder versucht zu erklären, dass Sparsamkeit nicht zwangsläufig Wunschverzicht bedeutet und dass man seinen eigenen Komfort auch durchaus bepreisen kann. Ich gebe allerdings zu, dass ich meine Stundenlöhne bei der Bepreisung meines Komforts heute ziemlich hoch ansetze, wohingegen J wahrscheinlich immer noch auf Mindestlohnbasis mit Abschlägen rechnet
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Montag, 31. Dezember 2018
Aufdringlich
Es gibt eine ganze Menge Vorwürfe, die lasse ich mir tatsächlich relativ widerspruchslos gefallen, weil sie leider berechtigt sind.
Manche Vorwürfe akzeptiere ich beschämt und mit gesenktem Kopf, manche achselzuckend und mit einem Na-und?-Blick als Antwort, aber es gibt halt Vieles, wo ich den Ansprüchen nicht genüge und es entweder nicht ändern kann, oft aber auch nicht ändern will.

So weiß ich zum Beispiel, dass ich nur eine mittelschlecht bis mangelhaft ausgeprägte Empathie habe und alleine das wirkt auf viele Menschen schon sehr verstörend, wenn ich ungerührt schwer dramatische Ereignisse mit einem "das ist dann wohl dumm gelaufen" kommentiere.
Emotionsausbrüchen anderer Menschen stehe ich auch meist recht rat- oder verständnislos gegenüber. Da hat der Lieblingsfußballverein verloren, Lady Di ist gestorben oder es werden unschuldige Tierbabys gequält - ich kann verstehen, dass man sich darüber ärgert oder es nicht gut findet, aber deshalb in lautes Geheul und tiefe Verzweiflung auszubrechen - ne, sorry, aber so etwas kann ich ganz absolut nicht nachvollziehen.
Überhaupt Tod - ich bin da leider wirklich enorm emotionslos, denn letztlich ist der Tod aus meiner Sicht immer nur ein Problem für die, die übrig bleiben und nicht für den, der stirbt, denn der ist dann ja tot.

Ein weiteres dickes Manko, was man mir wahrscheinlich sehr zu recht und darum auch häufig vorwirft, ist mein schlechtes Sozialverhalten.
Ich fürchte allerdings, das wird nix mehr mit mir und Gruppen. Ich bin so wenig an anderen Menschen interessiert, dass ich relativ ungerührt jeden beleidigten "Freund" aus meinen Kontakten streiche. Wenn mich jemand blöd findet, dann mag das in dem einen oder anderen Fall bedauerlich sein, für eine aufwändige Beziehungspflege fehlt mir aber einfach das Interesse an Beziehungen.

Außerdem weiß ich, dass ich arrogant, überheblich und extrem egoistisch bin, war ich schon immer und wird sich auch wohl nicht ändern lassen. Muss ich mit leben und muss ich mir vorwerfen lassen, ist halt so.
Den Egoismus-Vorwurf zB diskutiere ich schon lange nicht mehr, weil ich festgestellt habe, dass der vor allem von Leuten kommt, die erwarten, dass ich etwas für sie tue, weil es für sie bequemer ist, wenn ich es mache, statt dass sie es selber organisieren oder bezahlen müssten, in solchen Fällen bin ich also recht entspannt egoistisch.
Arroganz und Überheblichkeit dagegen sind immer eine Frage der Benchmark. Solche Vorwürfe werden mir meist von Akademikern gemacht, die meinen, ihr Diplom garantiere Ihnen eine automatische Mitgliedschaft im Club der Weisen. Was ich teilweise anders sehe.

Es gibt aber Vorwürfe, die wären mir so unangenehm, dass ich grundsätzlich siebenfache Vorsorge treffe und lieber in das komplette Gegenteil verfalle, nur um nie, niemals ever je Gefahr zu laufen, dass mir eben genau die Vorwürfe gemacht werden, die ich vermeiden möchte, weil ich genau dieses Verhalten bei anderen zutiefst missbillige.

Wenn man mich wirklich gründlich beleidigen (und bestürzen) will, dann muss man mir nur vorwerfen, ich wäre wie mein Vater. Mein Vater war mir in seiner selbstherrlichen und komplett unreflektierten Art schon früh ein besonders gutes schlechtes Vorbild. So wie er wollte ich nie sein. Mein Vater hat sich niemals auch nur einen Deut um die Interessen oder Persönlichkeiten von anderen Menschen gekümmert, er entschied, was gut und richtig ist und selbstverständlich war er der einzige, der überhaupt den Unterschied zwischen wichtig und unwichtig kannte. Alles, von dem er keine Ahnung hatte, war halt unwichtig, falls aber jemand etwas nicht wusste auf Gebieten, auf denen mein Vater Experte war, dann war dieser Mensch unweigerlich auf das gröbste ungebildet und dumm und er schaute spürbar auf ihn herab.
Ein Satz aus meiner Kindheit, der sich mir fest eingebrannt hat, lautete: "Man muss die Menschen zu ihrem Glück zwingen." - Und das tat er mit einem schier unermüdlichen, missionarischen Eifer, nicht nur bei mir, sondern bei allen Menschen, die ihm nicht schnell genug aus dem Weg gingen.
Seine unfassbare Egozentriertheit umfasste auch feste Überzeugungen über die Gottgegebenheit natürlicher Regeln. Beispielsweise gibt es selbstverständliche Unterschiede zwischen Mann und Frau und selbstverständlich ist der Mann das überlegene Geschlecht. Mein Vater lernte im Laufe der Zeit, dass es schlecht ankommt, wenn er das so offen sagt, aber es gab bestimmte Tätigkeiten, da verweigerte er komplett, sie selber zu erledigen, insbesondere gehörten dazu alle Haushaltsdinge. Frauen sind für den Haushalt zuständig und als er keine Frau mehr hatte, verkam sein Haushalt, aber das war er ja nicht schuld, sondern die fehlende Frau.
Von einer Frau erwartete er Respekt und Bewunderung, wenn sie ihm das nicht demütig genug bewies, dann wurde sie scharf gemaßregelt.
Was er ebenfalls ablehnte, war jede Art von handwerklicher Betätigung oder körperliche Arbeit. Er war immerhin Akademiker und als solcher einer höheren Kaste angehörig als einfache Arbeiter oder Handwerker.

All diese Vorbildeigenschaften führten dazu, dass ich mit 18 auszog, weil er es mir dann nicht mehr verbieten konnte, und mich seitdem darin übte, mir und dem Rest der Welt mein Dauermantra "ich kann alles alleine" immer und immer wieder zu beweisen. Deshalb kann ich nicht nur alles, was eine Frau (selbstverständlich) können muss, sondern auch alles, was man als Basic-Handwerker-Wissen braucht, um im Alltag einigermaßen selbstständig zu überleben. In meinem Job kann ich auch alle Tätigkeiten meiner Mitarbeiter und ich achte sehr darauf, dass ich jederzeit weiß, wie der Server funktioniert, wo ich welche Zugänge und Passwörter finde und welche Basics ansonsten notwendig sind, um in einem Büro zu überleben, wenn die Sekretärin und die Sachbearbeiter krank sind.

Außerdem halte ich fast panisch Abstand zu anderen Menschen, weil ich auch hier das Dauerschlechtevorbild meines Vaters nicht aus dem Kopf bekomme. Er lud sich zB ausgesprochen hemmungslos überall selber ein, in seiner Sicht der Dinge machte er dann dem anderen eine Freude, weil er ihm etwas von seiner Zeit schenkte. Überhaupt, dem anderen eine Freude machen, war ihm ganz wichtig, selbstverständlich bestimmte er aber selber, über was der andere sich zu freuen hatte. Grundsätzlich war es für jeden anderen immer eine Freude, wenn er sie an seiner Weisheit teilhaben ließ und ihnen die Welt erklärte, so redete er anderen Leuten über Stunden einen Knopf an die Backe und bemerkte nie, wie ätzend sie ihn fanden.
Auch sonst ließ er sich nicht lumpen, wenn es darum ging, anderen eine Freude zu machen, ich zB bekam regelmäßig eine Sahnetorte, wenn er sich bei mir zu Kaffee und Kuchen einlud. Dass ich schon als Kind Sahnetorte auf das entschiedenste verweigert habe, hat er nie mitbekommen, für ihn ist Sahnetorte das leckerste, was es gibt.

Dieses Nichtmitbekommen, was andere wirklich denken - das ist mein persönliches Horrorbild. Aus Sorge, dass ich jemals so sein könnte wie mein Vater, bin ich in diesem Punkt hypersensibel und beziehe jede kryptische Äußerung à la "es gibt Leute, die wissen einfach nicht, wann sie stören" sofort auf mich und ziehe mich zurück.

Blöderweise ist es oft gar nicht so leicht zu erkennen, wann man als aufdringlich empfunden wird, denn dafür gibt es keine feste Regel und was von dem einen als herzliche Nähe und Wärme geschätzt wird, führt bei einem anderen schon zu Stalkeralarm. (Hier nur nebenbei bemerkt, aber das Wort "Stalker" hat für mich eine richtig gruselige Konnotation, vergleichbar mit Kinderschänder, und ich finde es ganz entsetzlich, dass heutzutage schon ein einfaches Interesse an einem anderen sehr schnell als "stalking" bezeichnet wird. Ich zucke dann immer sofort derart erschrocken zurück, dass ich am liebsten mit dem anderen nie mehr reden möchte, bloß um demonstrativ weit genug Abstand zu halten.)

Meine Unsicherheit beim Erkennen von "heiklen Situationen" führt zu hochsensiblen Antennen, die natürlich in vielen Fällen auch Störungen melden, wenn der andere gar keine Störung gesendet hat, aber ich trete lieber zehnmal zu viel den sofortigen Rückzug an, als dass ich einmal aus Sorglosigkeit den Tanzabstand verletze oder mich auch nur der Gefahr aussetze, dass jemand leicht irritiert die Augenbraue hochzieht und hinter meinem Rücken fragt, wer mich denn bloß eingeladen hat.

Was es zusätzlich besonders kompliziert macht, zu erkennen, ob bzw. wann man jemanden nervt, ist die Höflichkeit der meisten Menschen. Denn statt eindeutige Signale, oder im Ernstfall auch wirklich mal eine klare Ansage zu senden, mit denen sie sich erkennbar abgrenzen (könnten), sind viele Menschen auch zu den übelsten Nervensägen noch zuvorkommend und freundlich, so dass grade besonders nervige Menschen, die ihrerseits meist nur eine schwach ausgeprägte eigene "Nervsensibilität" besitzen, gar nicht mitbekommen, als wie aufdringlich sie grade tatsächlich empfunden werden.

Über diese aus meiner Sicht falsche Höflichkeit habe ich mich schon oft mit Menschen, die mir nahestehen, gestritten, weil ich finde, es ist kein schöner Charakterzug, jemanden ungebremst ins offene Messer laufen zu lassen - denn natürlich ist die freundliche Höflichkeit nur eine nach außen aufgesetzte Maske. Knapp ist der andere weg, kotzt man sich ausführlich darüber aus, wie sehr der einem wieder auf die Nerven gegangen ist - und ich überlege mir dann immer, wie ich mich fühlen würde, wenn ich durch einen blöden Zufall erführe, dass jemand so über mich redet.
K zitiert dann sehr gerne "Man sollte dem anderen die Wahrheit wie einen Mantel zum Hineinschlüpfen anbieten und nicht wie einen nassen Waschlappen um die Ohren hauen", was ich grundsätzlich ja auch sehr richtig finde, was aber nur funktioniert, wenn der andere überhaupt bereit ist, einen Mantel anzuziehen. Wenn er den Mantel aber nicht als seinen Mantel erkennt oder schlicht keine Lust hat, überhaupt einen Mantel anzuziehen, oder aus welchen Gründen auch immer nicht darauf reagiert, dass ich ihm da einen Mantel hinhalte, dann würde ich ihm nach dem Versuch, des Mantelhinhaltens, das Teil aber auch bedenkenlos um die Ohren hauen. Immer noch besser als ihn nackicht ins Verderben laufen zu lassen, damit tue ich ihm doch erst recht keinen Gefallen. Um hier mal konsequent im Bild zu bleiben.

Ich versuche deshalb so weit es mir möglich ist, dem anderen so deutlich wie möglich zu zeigen, wenn er für meinen Geschmack zu weit gegangen ist, weiß aber auch, dass das oft ungemein kompliziert ist. Hier schließt sich dann der Kreis, denn hier findet sich natürlich auch eine Begründung für mein schlechtes Sozialverhalten: Es ist mir in vielen Fällen einfach zu kompliziert. Auf der einen Seite habe ich ständig Sorge, dass andere Menschen mich aufdringlich finden, auf der anderen Sorge, weiß ich nicht, wie ich ihnen im umgekehrten Fall mitteilen kann, dass mich da was stört, dann gibt es Empfindlichkeiten auf beiden Seiten - und zack, schon wieder eine Freundschaft perdu
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Samstag, 29. Dezember 2018
Einkaufsmethoden
Um das mit dem aktiven Leben nicht zu sehr zu übertreiben, war ich heute vorsichtshalber mal wieder nicht vor der Tür, als weitere Begründung für die Unsinnigkeit jedweder Draußenaktivität kam mir der Dauerregen, der wohl nur gestern mal eine Pause gemacht hat, sehr gelegen.

Bis 13h lagen wir im Bett und haben uns gegenseitig wohlig gemütlich aus dem Internet vorgelesen, dann schellte der Briefträger und brachte einen ganzen Stapel Post, fast alles, was wir am 23.12. gekauft haben, kam heute schon an, nur die beiden Bildschirme fehlen noch, schade.

In meiner Filterblase gab es diverse Diskussionen pro und contra online-Einkäufe, ich habe sie interessiert gelesen und festgestellt, dass ich mal wieder so anders bin und lebe als die meisten anderen Menschen, dass meine Gründe für oder gegen die eine oder die andere Einkaufsform so individuell sind, dass ich nicht sinnvoll mitdiskutieren kann.

Ich gehe mit Begeisterung einkaufen, aber bis auf Lebensmittel brauche ich üblicherweise nie etwas, weil ich alle anderen Gegenstände, die man sonst noch kaufen kann und die es nicht im Discounter gibt, entweder auf dem Flohmarkt oder bei eBay kaufe.
Hauptsache gebraucht, weil ich neu nicht wirklich vorteilhafter finde und den Aufpreis, den neu kostet, in aller Regel nicht bereit bin, zu bezahlen. Außerdem finde ich gebraucht deutlich nachhaltiger, ein Aspekt, der mir erst als positive Nebenerscheinung auffiel, als Nachhaltigkeit überhaupt zum Thema wurde.
Insbesondere bei Kleidung erschließt sich mir der Vorteil von neu endgültig gar nicht mehr, weil, wenn ich mitbekomme, was grade die neuste Mode ist, dann sind die Flohmärkte schon wieder voll davon.....
Naja, und außerdem mag ich zeitlos schlicht sowieso am allerallerliebsten, so dass mein Kleiderschrank zu 95% aus Basics besteht und die findet man immer auf dem Flohmarkt.
Haushaltskrempel und Bücher kann man ebenfalls exzellent auf dem Flohmarkt finden (Bücher übrigens oft mit super Beratung, weil die Verkäufer die Bücher meist wirklich selber gelesen haben und sie nur weiterverkaufen, weil es immer mehr Menschen gibt, die Bücher statt Tapete nicht zwingend als notwendige Standardeinrichtung betrachten), genauso wie jede Art von Dekoschnickschnack und Kleinmöbel, (Großmöbel gibt es auch, aber die lassen sich so schlecht tragen, die kaufe ich nur, wenn ich weiß, dass mein Westfalenmann mich abholt :-)
Im Grunde bleibt also nur Elektronik als Zeug, wo selbst ich einsehe, dass neu besser ist als gebraucht, weil neu eine deutlich höhere Chance auf wenigstens mittelfristige Funktionstüchtigkeit hat.

Und alles mit Elektrik, ja nun, hmm, das kaufe ich deshalb nicht im örtlichen Fachhandel, weil es gar keinen kompetenten örtlichen Fachhandel gibt, ich habe zumindest noch keinen gefunden.
Also lese ich solange im Internet rum und befrage im Bekanntenkreis alle Menschen, die ähnliches benutzen nach ihren Erfahrungen und Empfehlungen, bis ich mich für ein Teil entscheide, dann suche ich den günstigsten Preis und lasse es mir bringen, weil ich mir Dinge wie Spül- und Waschmaschinen auch vor 30 Jahren schon habe bringen lassen und alle Büroartikel sowieso übers Büro gekauft werden.

Als weitere Besonderheit kommt bei mir ja noch hinzu, dass das Leben auf einer Insel sowieso andere Einkaufsgewohnheiten befördert, hier ist traditionell schon immer viel bestellt worden, Quelle, Otto und Neckermann waren hier die Händler mit dem größten Umsatz, früher.
Heute hat sich für die Inselbewohner einfach nur das Angebot vergrößert, aber deshalb darüber nachzudenken, ob man lieber den örtlichen Handel unterstützt, nö, ich denke, das hat hier noch nie jemand gemacht und es fühlte sich auch irgendwie eigenartig an, weil es den örtlichen Handel im Grunde nur für die Touristen gibt.

Wenn ich also meine eigenen Einkaufsgewohnheiten betrachte, dann kann ich feststellen, dass sich bei mir in den letzten 30 Jahren kaum etwas verändert hat.
Okay, mittlerweile gibt es eBay, was für mich so etwas wie ein online-Flohmarkt ist, aber im Wesentlichen kaufe ich heute noch genauso ein wie vor 30 Jahren.

Ich fand "shoppen gehen" schon immer anstrengend. Es geht los mit der Unmöglichkeit der passenden Bekleidung für einen Einkaufsmarkt: wenn es draußen heiß ist und man selber wegen der Hitze nur spärlich bekleidet ist, dann friert man sich tot in den maßlos runterklimatisierten Läden, im Winter schwitzt man sich dagegen zu Tode, weil man ja erst mal in den geheizten Laden hingelangen muss, und dafür braucht es halt Mütze, Schal und Daunenjacke, die innen sofort überflüssig werden.
Dann habe ich das Problem des Tragens: Auf dem Flohmarkt gehört ein geräumiger Hackenporsche zur Profiausstattung, aber im Kaufhaus ist das Teil einfach lästig und außerdem peinlich, Tüten schleppen ist dagegen mindestens genauso ätzend, es gibt keine positive Lösung.
Ein weiteres, für mich meist äußerst unangenehmes Extra des Ladeneinkaufs ist das in aller Regel (so die Erfahrung aus meinen wenigen Ladeneinkäufen) gestresste, genervte, schlecht gelaunte oder sonstwie miesepetrige Verkaufspersonal. Kommt auf dem Flohmarkt in der Form sozusagen nie vor. Dort ist es genau umgekehrt, da freuen sich die Verkäufer, wenn man sich für ihre Ware interessiert, weil es ja ihre eigene Ware ist, die sie verkaufen.
Und schließlich gibt es einen ganz entscheidenden Punkt, der für mich gegen "in der Innenstadt einkaufen" spricht: Ich mag keine Städte. Ich kriege sofort schlechte Laune, wenn ich mich in einer Stadt aufhalte, mir ist es dort zu voll, zu laut, zu beengt und insgesamt eben einfach viel zu rummelig. Nein danke, für mich nix Stadt. Habe ich ja erst vor zwei Monaten ausführlich drüber räsoniert. Hier und hier
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Mittwoch, 26. Dezember 2018
Weihnachten
Meine Mutter fragte heute, ob wir überhaupt einen Weihnachtsbaum hätten und selbstverständlich haben wir einen Weihnachtsbaum, sogar mit Krippe und allem Pipapo



Ich gebe allerdings zu, dass es knapp war, denn ich habe mich geweigert, mich darum zu kümmern. Ich habe mich sogar soweit geweigert, mich darum zu kümmern, dass ich noch nicht mal jemand anderes gebeten habe, sich darum zu kümmern, ja, ich habe noch nicht mal pauschal gesagt, dass ich überhaupt gerne einen Weihnachtsbaum hätte. Ich habe einfach gar keine Meinung zu dem Thema gehabt und den Kindern ganz unverbindlich nur mitgeteilt, wenn sie gerne die letzten Formalitäten einer Weihnachtsfeier retten wollten, dann müssten sie sich halt kümmern.

Ich kann mich dieses Jahr über Weihnachten nicht beschweren, es war erstaunlich stressfrei, es gab keinen Streit und es war auch mental nicht übermäßig anstrengend.
Trotzdem bin ich jetzt froh, dass es vorbei ist. Wenn ich wählen dürfte, würde ich Weihnachten ersatzlos abschaffen und dafür lieber irgendwann im Sommer eine Handvoll bundesweiter (von mir aus auch europaweiter) Feiertage festlegen, ich bin sicher, da hätte jeder mehr von.
Aber egal, es ist wie es ist, Gejammer hilft nix, also muss jeder alleine lernen, wie er die Weihnachtszeit für sich selber am besten organisiert.

Da keines der drei Kinder bisher eine eigene Familie gegründet hat, kommen sie alle drei Weihnachten noch nach Hause und ich denke, es ist auch gut so, denn immerhin haben sie hier noch ein Zuhause und müssen nicht alleine rumsitzen und so tun, als hätten sie sowieso kein Interesse an Weihnachten oder - meiner Meinung nach noch schlimmer, sie würden als demonstrativer Beweis für das gute Herz einer fremden Familie die auf keinen Fall zu bemitleidende Inklusionsfigur einer weltoffenen Weihnachtsfeier bei guten Freunden mimen.

Denn, auch wenn man selber so gar nichts mit Weihnachten und den ganzen Werten, die dazu gehören, am Hut hat, so ist es gleichzeitig genausowenig schön, wenn man sich bei dieser Gelegenheit seiner persönlichen Einsamkeit so richtig gründlich bewusst wird.
Weihnachten ist nunmal ein Familienfest - und wenn man Weihnachten alleine verbringt, dann ist einem die Familie abhanden gekommen.
Hilft ja nix, es zu beschönigen.
Man mag das an 364 Tagen im Jahr sogar gut finden und sich dazu beglückwünschen, dass man sich von der oft anstrengenden, einengenden, andersdenkenden, anspruchsvollen, unverschänmten, rücksichtslosen oder wie auch immer blöden Familie gelöst hat, nur an diesem einen Tag im Jahr, da kommen die Gedanken dann doch.

Was wäre wenn?

Was wäre, wenn ich eine tolle Familie hätte? Eine, in der sich alle mögen und keiner den anderen runtermacht?
In der jeder für jeden Verständnis hat und keiner übergriffig wird? In der alle auf Augenhöhe miteinander umgehen und keiner hinter dem Rücken des anderen die Augen rollt? In der Erwartungen, Ansprüche und Möglichkeiten fließend zueinander passen, so dass es weder Enttäuschungen, noch unerfüllte Einzelsehnsüchte gibt?
Eine Familie, in der alle ähnliche Grundwerte haben und wo jeder mit seiner Rolle innerhalb der Familie rundum zufrieden ist?
Eine Familie ohne internes Machtgerangel, ohne Eifersüchteleien und ohne Empfindlichkeiten?

Ja, das wäre natürlich sehr schön. Genauso schön wie Weltfrieden und eine sofortige Umsetzung aller Klimaziele.
Ich habe nur das dumpfe Gefühl, dass ich dann erst recht ausgeschlossen wäre aus meiner Familie, weil ich selber diesen Ansprüchen ganz sicher nie genügen könnte.

Ich finde es ja schon kompliziert, eine einigermaßen ausgeglichene Zweierbeziehung zu führen - jede zusätzliche Person ist eine zusätzliche Herausforderung für die Symmetrie bzw. Balance.

Und es mag sein, dass es diese Idealfamilien gibt, aber wenn ich mit all meinen Ecken und Kanten durch einen schrägen Zufall in so eine Idealfamilie hineingeraten würde - tja, dann wär's das wohl mit der Idealfamilie, denn ich bin einfach nicht stromlinienförmig genug, um in so einer idealen Umgebung nicht ständig unangenehm aufzufallen. Und leider bin ich gleichzeitig nicht stumpf genug, um das zu ignorieren.

Jetzt mag es natürlich auch Leute geben, die haben einfach deshalb keine Familie, weil sie keine Familie mehr haben. Sie ist ihnen weggestorben und sie sind alleine übrig geblieben. Für diese Menschen ist Weihnachten sicherlich schon deshalb belastet, weil sie den Verlust der Familie noch mal so deutlich bemerken.
Für diese Fälle habe ich leider auch keine Lösung, hier kann man sich das Wegbleiben der Familie noch nicht mal schön denken, im Gegenteil, je mehr man darauf herum denkt, um so schlimmer wird es, hier ist es wahrscheinlich wirklich das allerbeste, über Weihnachten insgesamt so wenig wie möglich nachzudenken und sich nur fürs nächste Jahr vorzunehmen, sich intensiv um das Schaffen einer neuen Familie zu kümmern, denn es braucht nur einen einzigen weiteren Mensch, mit dem man gerne seine Zeit verbringt - und schwupp, schon ist Familie entstanden.

Mein Mensch ist mein Westfalenmann und wenn ich nach vorne schaue, dann ist er für mich die einzige Familie, die (hoffentlich) auf Dauer bleiben wird.
Die Kinder werden irgendwann ihre eigenen Familien gründen, das wünsche ich ihnen zumindest und ich wünsche ihnen, dass sie sich dort wohl fühlen und deshalb beginne ich jetzt schon mit loslassen - kein Kind soll sich verpflichtet fühlen, Weihnachten mit mir zu verbringen.
So schön Traditionen sein mögen, weil sie Sicherheit und Zuverlässigkeit bedeuten, so anstrengend können Traditionen aber auch werden, wenn sie in Zwang und Verpflichtung ausarten.

Wir hatten dieses Jahr noch einen Weihnachtsbaum, wir werden sehen, wie es nächstes Jahr wird
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Montag, 10. Dezember 2018
Nachhall
So ein Wochenende mit Psychostress hallt nach, konnte ich heute feststellen. Es fiel mir den ganzen Tag schwer, mich länger zu konzentrieren und ich habe mich mehrfach dabei ertappt, wie ich Löcher in die Luft starrte und darüber nachgrübelte, was ich eigentlich grade tun wollte.

Und ausgerechnet heute, wo ich auf dem Problem der adäquaten Kommunikation mit Kindern, die extreme Wortfetischisten sind und erratische Wutanfälle bekommen, rumkaue, ausgerechnet an so einem Tag stoße ich auf einen Blogartikel über das Leben mit einem Autistenspektrum-Asperger Kind.
Das hilft dann wieder sehr, die Dinge richtig zu rücken.
Manche Dinge sind eben wie sie sind, mich wundert nur, dass ich mich immer wieder darüber wundere, denn dass man diese Besonderheit vielleicht ein wenig umtrainieren kann, so dass das Störende im Alltagsbetrieb etwas weniger stark ist, bedeutet eben nicht, dass man diese Besonderheit je komplett ablegen kann. Was wunder ich mich also
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Montag, 12. November 2018
SM Gemuckel
Diese Überschrift wollte ich schon lange benutzen, es hat aber bis jetzt gedauert, bis ich einen neuen Anlauf genommen habe, um nun tatsächlich ein wenig aufgeräumter mit meinen Socialmedia-Aktivitäten umzugehen als bisher.
Eine meiner Uraltklagen ist ja, dass ich die Sache mit Twitter irgendwie nie so richtig in Griff bekommen habe.
Zwar habe ich schon seit sehr vielen Jahren ein Konto, dass ich dann gemeinsam mit meinem ersten Blog irgendwann löschte, um anschließend alles wieder neu zu starten, dieses "Zwischenblog" kam aber genausowenig je ans Laufen wie mein zweiter Twitteraccount.
Aber jetzt - ich habe mir Großes vorgenommen - siehe unten.

Ich habe mich ja stets bei allen neuen Socialmedia-Kanälen, die im Laufe der Jahre so aufkamen, angemeldet, bisher war mein Anspruch, wenigstens zu begreifen, wie die Technik funktioniert und mir zumindest rudimentär einen eigenen Eindruck zu verschaffen.
Die erste SM-Plattform (neben den diversen Yahooforen, in denen ich mich ja schon ewig rumtrieb), die ich noch zu alten Blogzeiten sogar recht regelmäßig nutzte, war Xing, damals noch OpenBC. Mir erschien das einigermaßen seriös und ich dachte, es kann ja nicht schaden, wenn ich neben meinem sehr privaten Auftritt in den Yahoo-Foren und im Blog auch noch einen formalen, rein beruflich orientierten Internetauftritt habe und ich bildete mir damals tatsächlich ein, ich könne privat und beruflich im Internet trennen.
Nun, bekanntlich funktionierte das nicht, in der Folge löschte ich alle privaten Internetspuren (soweit ich sie löschen konnte) und zog mich privat fast vollkommen aus dem Internet zurück. Dafür war ich dann bei Xing relativ aktiv unterwegs. Ich war Mitglied in allen möglichen beruflichen Gruppen und lernte so eine Menge Kollegen kennen, die sich teilweise dann auch wieder zur beruflich initiierten, tatsächlich aber eher privat gelebten "Sondergruppen" zusammenschlossen, zu denen man nur auf persönliche Einladung und mit mindestens zwei Referenzen/Bürgen Zutritt hatte, die Situation der "versteckten" Gruppen bei Xing kam mir sehr gelegen, ich war ja sowieso grade nicht so heiß auf öffentliche Auftritte im Internet.

Privat war ich dann noch bei Plattformen wie Stayfriends, werkenntwen, und ach, bestimmt noch vielen anderen angemeldet, deren Namen ich inzwischen alle schon wieder vergessen habe, weil ich sie nach kurzem Ausprobieren nie benutzt habe. Mails bekomme ich von dort auch schon lange nicht mehr, weil ich längst sehr scharf eingestellte Spamfilterregeln habe, das meiste kommt gar nicht mehr bei mir an.

Bei Facebook habe ich mich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, erst sehr spät angemeldet, ich habe grade mal nachgeschaut - seit 2011 habe ich meinen "offiziellen" Facebookaccount. Ich hatte vorher einen "anonymen", das Hin- und Herschalten fand ich aber schnell zu lästig und habe den anonymen Zugang nach meiner offiziellen Anmeldung komplett deaktiviert. Google+ hatte ich natürlich auch, da war aber nie was los.
Die privateste der beruflichen Xing-Gruppen zog 2012 von Xing zu Facebook um, zu dem Zeitpunkt schliefen auch meine Xing-Aktivitäten fast komplett ein. Ich verlor auch das Interesse am Ausbau eines beruflichen Netzwerkes, ich hatte einen Job, den ich sowieso nicht mehr wechseln wollte und hatte über den Job Zugriff auf jede Menge jobinterne Netzwerke, Xing war einfach nicht mehr wichtig und tatsächlich fand ich Facebook ausreichend spannend.

Das ging natürlich auch nur eine gewisse Zeit gut, denn die Verknüpfung von privat und beruflich begann mich wieder zu stören, so dass ich bei Facebook schon seit längerem im Wesentlichen inaktiv bin. Ich nutze die Marketplace-Gruppe speziell um auf Borkum Dinge zu kaufen oder zu verkaufen und auch die anderen lokalen Gruppen bieten manchmal ganz interessante Informationen, aber als Blogersatz taugt Facebook für mich absolut nicht - viel zu viel Verbindung zwischen beruflich und privat und überhaupt bin ich nicht gut in dieser "Daueronlineverpflichtung", die Facebook quasi verlangt, weil man sonst das allermeiste nicht mitbekommt, was Menschen, für deren Tun und Lassen man sich durchaus interessiert, so posten.

Und ich glaube, damit habe ich genau das erwähnt, was mich bei den meisten SM-Kanälen so entsetzlich stört: Das Gefühl, nicht Herr der Entscheidung zu sein, was ich sehe und was nicht.

Eine gewisse Regelmäßigkeit braucht natürlich jeder SM-Kanal, sowohl von dem, der konsumiert als auch von dem, der produziert, aber grade Facebook ist mir eindeutig zu durcheinander geworden und ich finde es eben einfach blöd, wenn ich Informationen, die ich irgendwann mal gesehen habe oder Texte, die ich irgendwann man gelesen habe, nicht mehr wiederfinde, wenn ich sie suche und nach dem mir das bei Facebook mehrfach passiert ist, habe ich mich immer mehr darüber aufgeregt und beschlossen, das einfachste, um derartige Aufreger zu vermeiden, ist, dort einfach nicht mehr zu lesen.
Und so kam es, dass ich meine Facebook-App auf dem Handy gelöscht habe und auch niemals über den Browser gehe, weil ich keine Lust auf die Cookies habe, mit denen Facebook dann zwanghaft um sich wirft.

Neben Xing und Facebook gibt es natürlich noch reichlich andere SM-Plattformen, die mich aber überwiegend auch alle nicht dauerhaft interessieren. Mein Schwerpunkt ist eindeutig die Sprache. Bilder sind ganz nett, aber bitte als Ergänzung zur Sprache. Nur Bilder bzw. Bilder als Schwerpunkt, wie bei Instagram, sind mir ehrlich gesagt zu langweilig. Es gibt bei Instagram dann auch einige Leute, die schreiben irre viel Text zu ihren Bildern, aber auch wenn da welche bei sind, die ganz interessante Dinge schreiben - praktischer finde ich dann tatsächlich Blogs. Und da ich eh nicht genug Zeit habe, um überall mitzulesen, habe ich Instagram inzwischen auch eher zur Seite geschoben.
Zwischendurch hatte ich auch Snapchat installiert und war dort eine Zeitlang sehr von Juli von Heimatpott(ential) fasziniert. Die postete täglich irgendeine lange Folge von Snapchat-Videos, in denen sie hauptsächlich Dinge erzählte und eben so vor sich hin redete. Das war wie ein Podcast-Blog mit Film, das hat mir sehr gefallen, aber irgendwann war sie verschwunden, tauchte einige Monate später dann bei Instagram wieder auf und machte dort mit Instastories weiter, wo sie vorher bei Snapchat aufgehört hatte, aber dort ist sie jetzt auch schon seit längerem wieder abgetaucht und wo bzw. ob sie aktuell im Internet aktiv ist, weiß ich nicht. Sie hat 2016 gleich in zwei Kategorien beim Blogger des Jahres gewonnen, aber außer dieser Juli habe ich ansonsten nie jemand vergleichbar interessanten bei Snapchat oder Instagram entdeckt - und Snapchat deshalb irgendwann komplett gelöscht (die Albereien der Leute da sind vielleicht ganz witzig, aber wenn man drei-fünf davon gesehen hat, hat man eigentlich auch alle gesehen und Leuten, die einigermaßen stolperig irgendeinen Unsinn in ihre Selfiekamera quatschen, muss ich weiß Gott nun auch nicht regelmäßig zusehen.)

Um auf diesen Kanälen selber Content zu produzieren, fehlt mir ganz klar das Interesse und - soweit es Video-Podcasts angeht, auch die Begabung. Ich bewundere es sehr, wenn Leute stand by einfach so interessant und zuhörenswert losquatschen können, ich kann das nicht, ich muss jeden Satz erst dreimal umdrehen, bevor er brauchbar klingt und wenn ich dann dazu auch noch ein halbwegs anguckbares Gesicht machen soll, dann reduziert sich der Content, den ich produzieren könnte, auf ca. genau Null.

Dann gibt es natürlich noch so etwas wie Pinterest, da muss ich zugeben, habe ich bis heute das System nicht wirklich begriffen, aber auch hier geht es ja nur um Bilder - und schließlich gibt es YouTube, aber da sind wir bei dem, was ich grade über Snapchat sagte: Content liefern könnte ich selber exakt Null und Musikvideos finde ich extrem langweilig, Musik ist für mich zum Hören und nicht zum Gucken da, ich mag aber auch kein Multitasking. Und sonstige Filme treffen eben auch nicht mein Interesse. Überhaupt fand ich Filme ja schon seit jeher nur so mittel- bis kaum interessant.

Nach dem ich mal so einzeln und mit Abstand über die verschiedenen SM-Plattformen nachgedacht habe und was mich selber eigentlich wirklich interessiert und was nicht, kam ich genau zu dem oben genannten Schwerpunkt: Sprache ist mir deutlich wichtiger als Bilder, Buchstaben finde ich am einfachsten, aber Podcast mag ich auch, Filme haben schon wieder zu viele Bilder und Musik höre ich sowieso am allerliebsten alleine, das fällt als SM-Kanal für mich völlig raus.
Und ich möchte gerne selber bestimmen, was ich konsumiere und in welcher Reihenfolge.

Deshalb mag ich Blogs und mag Blogs und mag Blogs.

Wenn man einen Schritt mehr darüber nachdenkt, fällt allerdings auf, dass es ausgesprochen seltsam ist, dass ich mit Twitter bisher nicht klargekommen bin und genau deshalb habe ich beschlossen, Twitter eine neue, eine dritte Chance zu geben und es diesmal wirklich ernsthaft und nachhaltig auszuprobieren.
Das mit dem Blog klappt ja inzwischen auch seit über drei Jahren recht zuverlässig.

Zu dem Zweck habe ich mir ein neues Twitterhandle zugelegt, das heißt jetzt - Überraschung - @anjesagt und ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit diesem Account die Sache mit Twitter jetzt endlich mal in Griff bekomme.

Gestern habe ich schon mal rund 60 Followeranfragen verschickt, mit ein bisschen Glück erkennt mich ja der eine oder andere und folgt zurück.
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Montag, 29. Oktober 2018
Stadt
Es ist ein altes Phänomen, dass Themen in der eigenen Wahrnehmung grundsätzlich dann verstärkt überall auftauchen, wenn man meint, man sei selber nur durch ganz persönlich konstruierten Zufall und vor allem ganz alleine und individuell mit diesem Thema konfrontiert worden.

Das erste Mal ganz offensichtlich aufgefallen ist mir das in meiner ersten Schwangerschaft.
Ich habe selber erst sehr verspätet überhaupt erfahren, dass auch mir so etwas (schwanger werden) nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich und in echt passieren kann (denn eigentlich habe ich nicht daran geglaubt, dass so ein bisschen Pille vergessen, derart weitreichende Folgen haben könnte) - aber knapp wusste ich, dass ich unvermeidbar schwanger bin, war die Welt plötzlich voll mit Kinderwägen. Es war wirklich faszinierend, aber die Kinderwagendichte in meiner Umgebung hatte sich nur durch meine Schwangerschaft schlagartig verfünfzigfacht, allerdings erst ab der 12. Woche, denn vorher war ich mangels eigenen Darumwissens ja mit dem Thema noch gar nicht befasst.

Dass mit der Schwangerschaft hat sich bei mir ja nun wirklich endgültig als Thema erledigt, dafür begegnet mir im Moment aber das Stadtthema überall und zwar derart verstärkt, dass ich es wirklich bemerkenswert finde.

Ich selber bin eigentlich mit der Erklärung "das ist Geschmackssache, so wie Koriander" vollkommen zufrieden, denn sie kommt meinem Nichtvorstellungsvermögen sehr entgegen. Ich kann mir im Grunde ja auch nicht wirklich vorstellen, dass man Koriander nicht mögen kann, habe aber gelernt, dass es Menschen gibt, die da sehr entschieden reagieren. (Eine Ablehnung, die ich dagegen bei Zitronengras sofort teilen kann, btw).
Menschen, die gerne in Städten leben, sind für mich damit einfach genauso seltsam, wie Menschen, die keinen Koriander mögen oder anders ausgedrückt, sie sind mir genauso suspekt, wie Menschen, die Zitronengras mögen und damit wäre die Sache für mich erledigt. Ich bin froh, dass es so seltsame Menschen gibt, schließlich habe ich dadurch mehr von den Dingen, die mir wichtig sind, und mehr muss ich mit diesen Menschen ja nun auch wirklich nicht zu tun haben.
Als Franzose würde ich sagen "chacun à son goût", mein Juraprof hätte gesagt "suum cuique" und ich würde mir erst dann Gedanken machen, wenn der Spruch von innen auf einem Stadttor zu lesen wäre.

Es scheint aber (meine Wahrnehmung, damit für mich genauso skurril wie die vielen Kinderwägen, die ich vor 27 Jahren plötzlich sah), dass ganz plötzlich überall Menschen aufploppen, die das Thema diskutieren wollen.
Entweder mit mir persönlich (das Thema "Vorteile des Stadtlebens" kam in der letzten Zeit in für mich ungewöhnlich vielen Smalltalksituatiunen vor) oder ganz allgemein, dann lese ich darüber in irgendwelchen Blogs oder anderen Stellen im Internet. Und die allerallermeisten Menschen, deren Meinung mir begegnet, betonen die Vorzüge der Stadt. Die Vielfalt, die Möglichkeiten, das Angebot, die Auswahl, die Offenheit, die Fröhlichkeit, die Lebendigkeit, die Wärme, ach, eben all den Kram, den man nur hat, wenn ganz viele Menschen auf einem Haufen zusammen kommen, die Vorteile, die nur durch die schiere Größe einer Gemeinschaft entstehen. Sie erläutern lang und breit, wie viel Nutzen der Einzelne daraus ziehen kann und wie wichtig der Zusammenhalt in derartigen Gemeinschaften auch für die Gesellschaft als Ganzes ist und dass nur so Fortschritt entsteht.

Das mag nun alles so sein und ich will da auch wirklich niemandem widersprechen, ganz im Gegenteil, wahrscheinlich ist eine in Stein und Beton eingepferchte und in Hochhäusern aufgestapelte Existenz in stinkiger Luft umgeben von Dauerlärm und blinkenden Lichtern die eigentliche Rechtfertigung des Menschen für die Massentierhaltung und Abholzung der Regenwälder, denn warum sollte es den Tieren besser gehen als den Menschen und gegen die globale Erwärmung bauen wir uns einfach Klimaanlagen. Man muss das nur aus dem richtigen Blickwinkel sehen, ich habe da bisher nur nie drüber nachgedacht.

Aber jetzt, wo mir von so vielen Seiten die Vorteile des Stadtlebens so klar offenbart wurden, jetzt habe ich endlich verstanden, dass ich es bin, die sich komplett rückständig und gesellschaftlich gefährlich neandertalerhaft verhält, in dem ich die Vorteile der städtebaulichen Massenmenschhaltung so boshaft negiere.
Aber die ungebildete Landbevölkerung war ja auch schon immer eine schwierige Klientel, was Meinungsbildung angeht, rückständig, stur und unbelehrbar.
Es tut mir wirklich leid
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Donnerstag, 4. Oktober 2018
Ein anderer Tag
Der Tag heute war anders.
Anders als all die Tage der letzten Monate, ich denke, am besten passt das Bild eines reifen Eiterpickels - und heute war der Tag, an dem ich all den angesammelten Dreck endlich mal gründlich rausgedrückt habe.
Es hatte sich schon angebahnt, die letzten Tage, auch bei Eiterpickeln kann man ja zusehen, wie sie reifen, manchmal kommt dann auch vorher schon etwas raus, aber das ist nur die oberste Spitze und sorgt im Zweifel nur dafür, dass die Entzündung dadrunter noch schlimmer wird. So war es hier auch, ich habe schon vorgestern einen spontanen Wutanfall bekommen, aber geklärt oder erledigt war damit noch lange nichts, es war dafür das deutliche Signal, dass hier Redebedarf besteht.

Und heute ist es mir dann endlich gelungen, all das auszusprechen, was ich seit Monaten, teilweise sogar schon seit Jahren, als lästiges Ärgernis mit mir herumtrage und was sich aber in den letzten Monaten so sehr verhärtet und verdichtet hat, dass es zu einem drückenden Geschwür wurde, das dringend entlastet werden musste.

Der Eiterstau ist jetzt also raus, ob aber das Ärgerpartikel, durch den sich all der Eiter immer wieder bildet, nun auch wirklich mit ausgeschwemmt und beseitigt wurde, das wird erst die Zukunft zeigen. Die Stelle ist wund und wird nur heilen, wenn das Grundärgernis beseitigt wird, wenn das nicht gelingt, hilft wohl nur Amputation.

Mein schwärender Dauerkonflikt ist die Diskrepanz zwischen der Loyalität K gegenüber und meinen eigenen Interessen. K hat eine ausgeprägte Schäferhundmentalität und fühlt sich für alles mögliche verantwortlich, was mich persönlich gar nicht interessiert, ihn aber sehr stark bindet. Grundsätzlich kann ich rein rational seine Position verstehen, es fällt mir aber zunehmend schwer, sie zu unterstützen oder gar zu teilen. Ich habe einfach zu wenig Mutter Theresa-Gene, um mich selber aufzuopfern, nur um andere zu retten.
Ich merke, wie ich selber zunehmend körperliche Zipperlein entwickele, als überzeugter Anhänger der Theorie "jede Krankheit kommt aus dem Kopf" bleibt mir gar nichts anderes übrig, als nach den Ursachen zu forschen. Und dabei entdeckt man dann diese dicken, psychischen Eiterbeulen, die im Zweifel auch Auslöser für Schleimbeutelentzündungen in der Hüfte sein können und vor allem insgesamt ein latentes Unwohlsein verursachen.

Ich kann sehr gut verstehen, dass es schwierig ist, andere Leute hängen zu lassen, nur weil man sich lieber um sich selber kümmert, aber manchmal kann man halt nicht alles haben, was man sich vorstellt - und für mich ist inzwischen der Zeitpunkt gekommen, wo ich beginne, Prioritäten zu setzen und dabei wird eben auch kräftig entrümpelt.

Da ich all diese kleinen, vielen Ärgernisse über eine so lange Zeit schweigend mit mir rumgeschleppt habe, hat sich dadurch nicht nur ein Eitergeschwür gebildet, was heute endlich geplatzt ist, sondern ich fürchte, ich habe auch eine Allergie entwickelt, die dazu führt, dass ich künftig viel eher mit Ausschlag und Eiterpickeln reagiere, wenn die auslösenden Trigger nicht nachhaltig beseitigt werden.

Wir werden sehen, wie es weitergeht und ob wir die Entzündunng gemeinsam in Griff bekommen. Die letzten Tage ging es mir so mies, dass ich tatsächlich bereit war für eine Amputation - alles ist beser als mit diesen Dauerschmerzen weiterzumachen, aber jetzt gab es erst mal eine Entlastung und sehr viel Dreck ist hoch- und rausgekommen, vielleicht hat es ja tatsächlich etwas bewirkt, es wird sich zeigen
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