anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 28. April 2019
Zack, vorbei, und schon wieder nicht erholt
Tja, das war's, Freiheit zu Ende, ab Montag greift wieder das alltägliche Büroleben und wenn ich am Montag von wahrscheinlich jedem Kollegen gefragt werde, ob ich mich denn auch gut erholt hätte und ich hätte ja nun wirklich Glück mit dem Wetter gehabt, weiß ich wieder keine vernünftige Antwort, denn natürlich habe ich mich nicht erholt. Weil, wovon? Vom Arbeiten? Das ist doch lächerlich, als ob man sich vom Rumsitzen im Büro erholen müsse. Und wenn doch, dann frage ich mich, wie? Also ich meine, wie erholt man sich eigentlich?
Und woran merkt man, dass man sich erholt hat?
Ich habe echt keine Ahnung, wie ich mich produktiv erholen könnte, denn schließlich wird ja auch erwartet, dass man sich GUT erholt. Also Erholung mit Leistungsdruck. Bloß nicht versagen und sich etwas schlecht erholen. Wobei mir auch hier die Definition fehlt und ich nicht weiß, was besser ist: eine schlechte Erholung oder gar keine Erholung?

Weil ich weder eine Idee habe, wie man sich gut erholt noch wie man sich schlecht erholt, kann ich also gar nicht sagen, wie viel Prozent des Erholungssolls ich in den letzten zwei Wochen geschafft habe, irgendwie habe ich das mit der Erholung einfach ignoriert und mich hauptsächlich nur damit beschäftigt, nur das zu tun, wozu ich grade Lust hatte. Auf Erholung hatte ich keine Lust, denn das klingt schon wieder nach Stress und ungesundem Aktionismus. Die Badegäste, die hier in Mengen mit ihren Nordic Wackling Stöcken den Strand langhecheln, die erholen sich bestimmt dabei ganz prächtig - aber genau deshalb verzichte ich sehr gern auf Erholung.

Wenn ich es mir richtig gut gehen lassen kann, dann bedeutet es für mich, ich muss nichts machen, was mit körperlicher Bewegung zu tun hat, zumindest nicht mit unsinniger körperlicher Bewegung. Und sinnlos in der Gegend rumzurennen ohne ein konkretes Ziel zu haben, wo man hin will und ohne einen konkreten Grund, weshalb man das zu Fuß und in diesem Tempo machen muss, ist für mich der Inbegriff von unsinniger körperlicher Bewegung.

Während ich da jetzt so drüber nachdenke, warum grade die Leute auf der Arbeit so begierig darauf sind, dass man sich gut erholt hat, und dass die klassische Form der Erholung meist mit viel Bewegung an der frischen Luft verbunden ist, fällt mir auf, wo der Zusammenhang ist: Wenn man tatsächlich 14 Tage wie ein hirnkrankes Karnickel mit diesen Wackling Stöcken durch die Gegend gerannt ist, dann ist man so froh, dass dieser Irrsinn endlich wieder aufhört und man wieder an die heimelige, gemütliche Arbeitsstelle zurückkehren kann, dass man also nach 14-Tagen Erholungsauszeit unglaublich motiviert zur Arbeit zurückkehrt und alles daran setzen wird, dass man dort so lange wie möglich weiterarbeiten darf - alles ist besser als diese gruselige Erholung. Damit verkörpert man also nach ausgiebiger Erholung den Prototyp von leistungsorientiertem Arbeitnehmer.

Das werde ich wohl nicht mehr, denn ich habe mich schon wieder nicht erholt, ich brauche also dringend noch mehr Urlaub für einen weiteren Versuch
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Montag, 25. März 2019
Tagebuchbloggen
Auf Twitter fand ich diese Frage nach dem Sinn, Zweck und Nutzen des Tagebuchbloggens
"Mich interessiert, ob es Sinn macht und wie Du es machst, im Blog ein Tagebuch zu führen. Bzw. mein Tagebuch als Blog zu veröffentlichen - aber das will man ja nicht, oder?"

Und weil ich darauf nicht in 140 bzw. 280 Zeichen antworten kann, nehme ich es als Anlass, einfach an dieser Stelle darauf zu antworten, vor allem, weil ich beim Nachdenken über die Antwort merke, dass sich bei mir "Zweck und Nutzen" im Laufe der Zeit tatsächlich geändert haben.
Ich antworte deshalb zweigeteilt, zunächst das "Wie" und dann das "Warum"

Wie ich es mache
Ich schreibe hier jeden Tag etwas auf diesem Blog, weil ich mir das so vorgenommen habe und weil ich es mittlerweile schon seit dreieinhalb Jahren durchhalte.
Wenn man es erst mal eine Zeitlang durchgehalten hat, wird es immer leichter, weil es zu einer festen Institution im täglichen Leben wird, man selber irgendwann so sehr daran gewöhnt ist, dass es zur Routine wird. Außerdem ist mein eigenes Umfeld mittlerweile daran gewöhnt und begreift es ebenfalls als Selbstverständlichkeit und unterstützt mich auch aktiv mit Themenvorschlägen, Fotos und/oder Gastbeiträgen, die ich immer dann in Anspruch nehme, wenn ich tatsächlich mal einen Tag überhaupt gar keine Chance sehe, hier irgendetwas zu veröffentlichen.
Und schließlich gibt es irgendwann auch feste Leser, die man weder beunruhigen noch enttäuschen will.

Der Vorsatz "ich schreibe jeden Tag etwas" war am Anfang hauptsächlich ein Versuch, überhaupt wieder mit dem Bloggen anzufangen. Ich habe schon 2006 mal eine Zeitlang gebloggt, das aber aus Gründen wieder drangegeben und alles gelöscht, danach habe ich mehrfach Versuche gestartet, das Bloggen noch mal neu zu beginnen, sonderlich erfolgreich war ich damit aber nie, weil ich mehr Ausreden hatte, weshalb ein Text noch nicht gut genug ist, um ihn zu veröffentlichen als dass ich Texte tatsächlich online setzte. Irgendwann hatte ich eine Sammlung von über hundert angefangenen Blogtexten, online war kaum etwas. (Übrigens: weshalb ich gerne bloggen möchte, steht in der "Warum-Antwort" weiter unten)
Im Sommer 2015 versuchte Frau Novemberregen aktiv Leute zum täglichen Bloggen zu bewegen, ich habe das damals gespannt verfolgt (weil ich ihren Blog sowieso schon seit Anfang lese), aber um öffentlich Wetten mit anderen abzuschließen, bin ich viel zu wenig kompetitiv. Überhaupt bin ich sofort raus, wenn es um Gewinnen oder Verlieren geht, if I can't win, I'm not gonna play - und das Risiko, dass ich da versagt hätte, war mir schlicht zu groß. Aber die Idee, die dahinter stand und die Tipps, die sie anderen gab, wie man so ein tägliches Bloggen beibehalten kann, das gefiel mir alles sehr, und so habe ich dann ab Oktober 2015 nur mit mir selber als Wettgegner die Challenge angenommen - und kann für mich sagen, dass diese Idee für mich genau richtig war, um überhaupt wieder zu bloggen.

Der Begriff "Tagebuchbloggen" steht für mich dabei nicht für Tagebuch im klassischen Sinn, also dass ich jeden Tag penibel aufschreibe, was ich so mache, sondern er steht nur dafür, dass ich wirklich jeden Tag irgendwas in meinem Blog veröffentliche.
Das ist damit die elegante Überleitung zu der "Warum-Frage", denn da hat sich im Laufe der Zeit tatsächlich auch etwas geändert.

Warum ich täglich blogge
Ganz am Anfang, also ganz frühes damals™, so ca. 2005-2006, hat es mir einfach Spaß gemacht, Texte zu schreiben und darüber mit anderen ins Gespräch zu kommen. Meine Texte waren schon immer einigermaßen "autobiographisch" geprägt, freie Phantasiegeschichten liegen mir gar nicht, auf dieser Ebene geht meine Kreativität gegen Null.*
Ich kann aber sehr gut Texte schreiben zu Themen, die mich grade interessieren, über die ich nachdenke, zu denen ich eine Meinung habe, wo ich mich aufrege oder wo ich auch einfach nur Dinge beschreibe, die ich erlebt habe. Beim Schreiben werden mir oft erst Dinge klar, die ich vorher so explizit noch gar nicht wahrgenommen habe, ich diskutiere sozusagen beim Schreiben mit mir selber und nutze Schreiben deshalb sehr gerne, um Dinge in meinem Kopf zu sortieren.
Deshalb habe ich das Bloggen auch schon sehr früh für mich entdeckt und hatte viel Spaß daran, denn durch das feedback (Kommentare), was damals noch viel üblicher war als heute, wurden Themen manchmal noch zusätzlich von Seiten beleuchtet, die ich in der Form noch gar nicht beguckt hatte. Damals habe ich nicht täglich etwas geschrieben, aber schon sehr oft, damals hatte ich aber auch noch deutlich mehr Zeit, mich im Internet rumzutreiben als das heute der Fall ist.
*Meine Mutter behauptet zwar bis heute, dass ich mir ständig Geschichten ausdenke, die gar nicht stimmen, das liegt aber nur daran, dass ich ab und zu, natürlich nur sehr selten und auch nur in ganz unbedeutendem Maße, aber vielleicht doch schon mal ab und zu, Dinge aus der Realität etwas verändere. Aber dass ich damals in der Schule die 100m unter 13 Sekunden gelaufen bin, das stimmt bestimmt und ich kann nichts dazu, wenn der Lehrer uns die 100m Strecke auf der 75m-Bahn laufen ließ.

Dann habe ich aber meine berufliche Position verändert und plötzlich wurde es sehr wichtig, dass ich privat und beruflich sauber trenne, bzw. dass die Menschen in den beiden Welten sauber getrennt sind, denn beruflich bin ich in einem Umfeld unterwegs, wo von mir ein sehr seriöses, verantwortungsbewusstes und verschwiegenes Verhalten erwartet wird, weshalb ich ganz enorm wenig Interesse daran habe, meine privaten Meinungen mit Menschen aus meinem beruflichen Umfeld zu diskutieren. Außerdem gibt es Menschen in meinem beruflichen Umfeld, von denen habe ich keine besonders gute Meinung und auch das möchte ich nicht in meinem beruflichen Umfeld thematisieren.
Deshalb ist mir eine ausreichende Anonymität sehr wichtig und deshalb habe ich auch nur ein sehr eingeschränktes Verlangen nach einer größeren Bekanntheit meines Blogs.
Leider bestand damals eine viel zu große Gefahr, dass mein damaliger Blog bei Menschen in meinem beruflichen Umfeld bekannt werden würde, deshalb habe ich 2008 kurzerhand alles gelöscht und litt dann viele Jahre unter Verfolgungswahn.
Gleichzeitig fehlte es mir aber, dass ich schriftlich meine Gedanken sortierte und ich stellte fest, dass das Veröffentlichen im Internet für mich eine wunderbare Möglichkeit war, mich selber zu disziplinieren, Gedanken zu Ende zu denken. Zumindest zu einem vorläufigen Ende oder immerhin so weit, dass es zunächst mal in sich rund war, was ich da als Meinung von mir gab. Ohne Veröffentlichung blieben die allermeisten Texte halbfertig im Entwurfsordner stecken, ein Zustand, der mich immer mehr ärgerte und ich musste akzeptieren, dass ich von der Grundveranlagung her ein enorm schludriger Mensch bin (wusste ich zwar schon immer, aber man versucht ja meist, so unangenehme Wahrheiten irgendwie zu verdrängen).
Um mich also selber zum Schreiben zu zwingen, was ich mag, weil es mir hilft, meine Gedanken zu sortieren, brauche ich externen Druck. Diesen externen Druck kann ich mir aber nur selber machen, weil ich das ja nie und niemals je von einem fremden Dritten akzeptieren würde. Und so entstand das Projekt "ich schreibe jeden Tag etwas auf dem Blog". Zunächst nur heimlich und still mit mir selber besprochen (weil die Angst zu scheitern am Anfang schon sehr groß war), mittlerweile habe ich aber genug "Vergangenheit", um mir selber bewiesen zu haben, dass ich es durchgehalten habe, Scheitern ist also kein Problem mehr, deshalb kann ich jetzt auch offen darüber sprechen.
Ganz eigentlich wollte ich also nur Texte bloggen, in denen ich mir wirklich ausführlich Gedanken zu irgendeinem Thema gemacht habe, aus Gründen der Selbstdisziplin wählte ich aber die Form des "jeden Tag etwas Schreiben" und so blieb und bleibt für viele Tage "zwischendurch" natürlich nur eine Kurzbeschreibung des eigenen Tages, weil ich nicht genug Zeit und genug Themen habe, mir jeden Tag ausführlich Gedanken zu irgendwas zu machen. Würde ich aber diesen selbstgemachten Zwang des "ich muss einfach jeden Tag irgendwas schreiben, egal ob gut oder schlecht, ich muss nur einfach etwas abliefern" - würde ich diesen Zwang aufgeben, verwaiste mein Blog wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit wieder, weil ich eben diese lästige Tendenz habe, zum sofortigen Verlottern zu neigen, wenn ich da nicht aktiv gegensteuere.

Mittlerweile hat sich das tägliche Bloggen also einigermaßen fest etabliert und so ergab sich im Laufe der Zeit noch ein sehr angenehmer Nebeneffekt: Ich muss nämlich niemanden aus meiner Familie mehr anrufen, um zu erzählen, was ich in der letzten Zeit so gemacht habe, das können sie alles hier lesen, wenn es sie interessiert. Und wenn es sie nicht interessiert, haben sie Glück, dass ich sie nicht anrufe, um ihnen mit Dingen einen Knopf an die Backe zu quatschen, die sie offensichtlich nicht interessieren. Sic!
Als mir vor gar nicht so langer Zeit der zweite Sohn, der früher immer sagte "ne, so viel Zeit, das alles zu lesen habe ich nicht" mitteilte, dass er hier doch regelmäßig mitliest, freute ich mich schon sehr über sein "Geständnis", denn nach meiner eigenen Interpretation gibt es ja sonst nur einen Grund, wenn Menschen aus meinem persönlichen Umfeld hier nicht lesen.

Ein "Tagebuch" wurde das Blog also allein deshalb, weil ich nicht für jeden Tag Themen (und Texte) habe, die außerhalb meines Tagesgeschehens liegen und über die ich einfach nur mal so grundsätzlich etwas schreiben möchte. Einen Entwurfsordner (Onenote), in dem immer noch fast hundert angefangene Texte liegen, habe ich immer noch, ich habe aber heute eine deutlich höhere Motivation, diese Texte zu Ende zu bringen, denn jeder fertige Text aus dem Entwurfsordner erspart mir einen Tag Rumgeeiere à la "heute ist gar nichts passiert" oder "ich komme leider vor lauter Müdigkeit zu nix mehr", was zwar grundsätzlich erlaubte Jokerphrasen sind, um das Tagessoll zu erfüllen, aber weder bin ich darauf stolz noch strebe ich es an, solche Beiträge in größerer Menge zu posten, weil ich dann ja den offensichtlichen Beweis liefern würde, dass ich etwas in meinem Leben ändern müsste.

Zusammenfassung: Ich benutze mein Blog als Tagebuchblog, weil es mir den äußeren Rahmen für die nötige Selbstdisziplin gibt, überhaupt etwas zu schreiben und weil ich es praktisch finde, dass Menschen, die ich persönlich kenne, sich jederzeit informieren können, was ich so mache und über das Blog auch jederzeit eine Möglichkeit haben, mit mir ins Gespräch zu kommen.
Und schließlich finde ich es inzwischen auch schon sehr praktisch, dass ich einfach hier nachschauen kann, in welchem Jahr wir das Zimmer im Dachgeschoss renoviert haben oder wann genau ich mir den Arm gebrochen habe
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Freitag, 22. März 2019
Bildergucker
Heute war Aufsichtsrat und weil es eine „Strategiesitzung“ sein sollte, fand das nicht im normalen Sitzungsraum statt, sondern wir hatten eine externe „Location“ gemietet, wo es dann auch Mittagessen und Kuchen am Nachmittag gab.
Außer dass damit der gesamte Tag verplant war, war auch die sonst übliche Sitzordnung hinfällig und man sortierte sich neu.
So kam es, dass ich neben einem Mitglied des Aufsichtsrates saß, mit dem ich sonst noch nie zu tun hatte und zur Freude des Aufsichtsratsvorsitzenden war der längst nicht so quatschaffin wie die Aufsichtsrätin, neben der ich sonst sitze, so dass ich diesmal keine einzige Ermahnung wegen unzulässiger Tuschelei kassiert habe.
Ich war dafür aber fasziniert damit beschäftigt zu beobachten, was dieser Mensch ständig auf seinem Handy anguckte.
Mag ja sein, dass die Tuschelei mit meiner Sitznachbarin sonst den Vorsitzenden irritiert, aber wir hören dafür durchgehend zu und nehmen aktiv an der Sitzung teil.
Der Mensch, neben dem ich heute saß, muss
sich dagegen überwiegend sehr gelangweilt haben, sonst hätte er sich ja nicht so ausgiebig und dauerhaft mit seinem Handy beschäftigt, schlussfolgere ich, denn er wurde sichtlich nicht durch irgendeine Kommunikation abgelenkt. Das hätte ich ja noch verstanden, wenn es eine wichtige berufliche oder spannende private Ablenkung gewesen wäre, aber nein, alles nicht, sondern er guckte Bilder.
Er guckte ausgiebig und ausführlich Bilder (Fotos), die er auf seinem Handy gespeichert hatte.
Ich habe mich wirklich mehrfach immer wieder versichert und unter Ignorierung jeglicher Diskretion sehr genau hingeguckt, aber er guckte wirklich nur die Fotos auf seinem Handy.
Da waren Landschaftsaufnahmen bei und Gebäude, aber im wesentlichen guckte er Leute an.
Fand ich enorm faszinierend, denn es ist so weit weg von allem, was mir selber je einfiele.
Ich habe natürlich auch eine große Menge an Fotos auf meinem Handy, kein Wunder, ich knips ja auch ständig alles mögliche, und natürlich gucke ich die Fotos auch an, wenn ich sie gemacht habe, aber eigentlich auch nur dann. Anschließend habe ich die Fotos nur noch, um sie zu haben. Ich merke grad selber wie seltsam das ist, aber ich käme wirklich nie auf die Idee, mir stundenlang Fotos auf meinem Handy anzuschauen.

Ich erinnere mich allerdings an eine
Bahnfahrt, bei der ein junger, fremdländisch aussehender, junger Mann neben mir saß und der guckte auch die gesamte Fährt lang (von Münster bis Berlin) Fotos auf seinem Handy an (Kinder und Erwachsene, ich denke, es war seine Familie) und ich erinnere mich daran, wie seltsam ich das damals schon fand, obwohl meine selbstgesuchte Erklärung davon ausging, dass die Leute auf den Fotos wahrscheinlich seine Familie ist, von der er jetzt getrennt wurde, Flüchtlingsschicksal oder so, und eigentlich wäre das sehr plausibel, aber trotzdem fand ich es seltsam, weil es so weit weg von meiner eigenen Welt ist.

Der Mensch im Aufsichtsrat heute ist aber kein Flüchtling, sondern deutscher Rechtsanwalt - und guckt trotzdem stundenlang Fotos auf seinem Handy, statt der Sitzung zu folgen. Für den habe ich echt keine plausible Erklärung
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Dienstag, 12. März 2019
Wie definiert sich eine Frau?
Dieser Weltfrauentag hat für mich ein paar durchaus interessante Aussagen hervorgespült, weil sich plötzlich so viele Leute mit diesem Thema beschäftigt haben und ich es gar nicht vermeiden konnte, dass mir das Thema alle naselang vor die Nase gehalten wurde.

Normalerweise gehe ich dem gesamten Themenkreis "Feminismus" nämlich rein vorsichtshalber weiträumig aus dem Weg, ich trete dabei stets nur von einem Fettnapf in den nächsten.

Ich glaube, ich tauge nicht zur Frau.

CW sagte immer, ich sei ein Mann mit Gebärmutter und wenn ich mir so typische Verhaltensmuster und Denkschablonen anschaue, die gemeinhin mit Mann bzw. Frau verknüpft sind, dann stelle ich selber fest, dass ich viel mehr denke, fühle und rede wie ein Mann und vor den typischen Reaktionen, Ansichten, Verhaltensweisen von Frauen meist nur ratlos rumstehe und hauptsächlich Fragezeichen vor meinem inneren Auge aufploppen.
Meine Hauptfrage dabei ist meist, warum????
Warum machen sich Frauen Dinge oder Sachverhalte zu einem Problem, die ein Mann in aller Regel mit einem Schulterzucken abtut?
"Mental load" ist so ein Thema, wo ich immer Augenzucken bekomme. Weil die Frau meint, sie müsse sich um alles kümmern und trage deshalb die gesamte Last der Verantwortung, der Organisation und letztlich des Reservebackups, weil Mann sich keinen Kopf macht und das belastet die Frau so sehr, dass sie mental total ausgepowert ist und deshalb eben auch mehr gestresst ist als ein Mann.

Ich frage dann immer nur: Warum? Wenn ich will, dass Dinge getan werden, dann ist das meine Sache, dann kann ich doch jemand anderem nicht ankreiden, dass er sich nicht dafür interessiert?

Ich weiß gar nicht, ob das nun typisch männlich ist, aber mit meiner absolut überzeugten Grundeinstellung "ich kann alles alleine" käme ich nie auf den Gedanken, von einem anderen etwas ohne konkrete Absprache zu erwarten. Und selbst wenn er mit einer konkreten Absprache nicht das tut, was er versprochen hat zu tun, sondern, "sorry, ich stand im Stau", oder "ach Mist, tut mir leid, total vergessen" als Begründung liefert für Dinge, die er verbaselt hat, nun, dann müsste ich doch spätestens nach der dritten Entschuldigung gelernt haben, dass dieser Mensch unzuverlässig ist und ich ihn bei Dingen, die mir wichtig sind, austausche und solche Dinge lieber an Leute delegiere, die mehr Zuverlässigkeit garantieren. Weil, zu "ich kann alles alleine" gehört nicht, dass ich alles alleine mache, aber dass ich immer alles alleine so organisiere, dass es auch wirklich fluppt.

Und ja, ich glaube das kann ich. Ich glaube sogar, ich kann das ziemlich sehr gut. Dinge so zu organisieren, dass sie funktionieren.

Eventuell bin ich also keine Frau, sondern nur ein ergebnisorientierter Manager, mag sein, erspart mir aber große Mengen an mental load Gejammer, weil ich meine Probleme lieber löse statt sie zu beklagen.

Ich jammere gerne, keine Frage, aber grundsätzlich finde ich es praktischer, Dinge erst zu lösen und dann zu jammern, ist einfach vom zeitlichen Ablauf her effizienter.

Einen bemerkenswerten Satz habe ich auch in dem Freitags-Podcast von Garbor Steingart gehört, dort hat er mit zwei Frauen von der Edition F gesprochen (muss jeder selber googeln, bin grade zu faul, den Link herauszusuchen) und die wurden zum Abschluss gefragt, was sie von Angela Merkel halten und haben im Ergebnis gesagt: Angela Merkel ist keine Feministin und keine Kämpferin für die Sache der Frauen, dafür macht sie zu viele Dinge zu sehr wie ein Mann.

Der Satz hat mich spontan getriggert. Wenn man Dinge ganz ruhig und unaufgeregt einfach erledigt, macht man Dinge wie ein Mann, Dinge wie eine Frau machen, bedeutet dann???? - Emotionale Heransgehensweise? Nicht so rational, dafür mit mehr - ja was eigentlich? Und warum ist das besser? Weil wir mehr Diversität brauchen? Weil es zu viele Männer gibt, die Frauen nicht gerne ans Steuer lassen? Ja, warum kaufen sich die Frauen dann nicht einfach ihr eigenes Auto?
Ich käme einfach nie auf den Gedanken, so etwas zu diskutieren. Sollen die Jungs doch gucken, wie sie klarkommen, ich habe als Frau den Vorteil, dass ich alles kann, was eine Frau eben kann - und das, was ein Mann kann, kann ich auch, weil Frauen in Hosen etwas normales sind, Männer in Röcken fühlen sich dagegen immer noch seltsam.

Ich finde, Frausein hat absolut jede Menge Vorteile gegenüber Mannsein, eben weil ich jederzeit einen auf Prinzessin machen kann, wenn es mir grade nutzt, wenn aber kein Prinz da ist, der die Drecksarbeit für mich erledigt, ja herrje, dann mache ich es eben doch selber, einfach, weil ich es kann. Und nein, ich habe da kein schlechtes Gewissen bei, weil, warum sollte ich? Wenn ein ritterlicher Mann auf der Landstraße anhält, um mir bei einer Reifenpanne zu helfen und mir dann den Reifen wechselt, dann finde ich das völlig in Ordnung. Der Typ fühlt sich nachher wie ein stolzer Pfadfinder nach einer guten Tat - und ich habe mir das Finger dreckig machen gespart, ist doch eine winwin-Situation.
Wenn allerdings nach einer halben Stunde immer noch keiner angehalten hat, na, dann muss ich den Reifen halt doch selber wechseln und klar kann ich das dann, weil, Reifen wechseln ist wirklich nicht so kompliziert, aber man macht sich halt dreckig dabei und es ist anstrengend und überhaupt finde ich es viel bequemer, wenn solche Dinge von einem Mann gemacht werden, aber ich glaube, als Feministin gelte ich mit der Einstellung nicht. Obwohl ich grundsätzlich den Reifen wechseln könnte.
Ich kann übrigens auch eine Bohrmaschine bedienen, Tapeten ankleben und Bretter sägen, überlasse diese Tätigkeit aber auch ohne Bedauern einem Mann, wenn einer da ist, der es ebenfalls kann, denn dann kann ich in der Zeit ja was anderes machen. Was ich dagegen nicht kann (und sehr bedauere und unbedingt noch mal lernen will), ist die Bedienung einer Nähmaschine, die geht mir immer durch, wenn ich nur ein ganz bisschen Gas gebe, ich fürchte, ich fahre schon zu lange GTI.
Ich kann aber stricken und häkeln, möchte ich hier noch unbedingt erwähnen, damit nicht der Eindruck entsteht, ich beherrschte nur typisch männliche Fertigkeiten.

Im übrigen fand ich dieses gesamte Gehampel um den Frauentag einfach nur albern. Was soll das jetzt sein, ein zweiter Muttertag, damit Frauen ohne Kinder auch mal Frühstück ans Bett bekommen und einen Blumenstrauß? Sind die Leute eigentlich alle noch ganz dicht?
Und überhaupt, ist das jetzt nicht auch eine Diskriminierung der Diversen, wenn die Frauen nun ihren eigenen Tag bekommen haben, die D-Leute aber immer noch abstreiten, dass der d-day extra für sie gemacht wurde?

So, ich glaube, das waren für heute genug Fettnäpfchen
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Dienstag, 5. März 2019
Weshalb Politiker nur noch Phrasen dreschen
In seinem heutigen Morgenbriefing-Podcast hat sich Gabor Steingart mit Alexander Kissler unterhalten, der so ziemlich das Klügste zu "political correctness" gesagt hat, was ich je dazu gehört habe.
Er sagte sinngemäß, dass es kein Wunder ist, dass jeder, der heutzutage Karriere machen will (bzw. einen Absturz durch einen shitstorm vermeiden will) sich schon fast zwanghaft in Phrasen flüchtet, weil Phrasen den Vorteil haben, dass sie einen maximalen moralischen Anspruch mit minimaler inhaltlicher Füllung verbinden.
Wer Phrasen benutzt, muss nicht mehr selber denken, Phrasen sind also bequem und sie sind sicher. Da sie deshalb mittlerweile jeder benutzt, hat die politische Kommunikation zwar nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun, aber sie verprellt auch niemanden.

Das wird an einem Beispiel besonders deutlich: Durch das eherne Mantra der Politik "Jeder verdient Respekt", hat jeder, der einen Anspruch anmeldet, quasi systemimmanent gleichzeitig den Anspruch, damit auch ernstgenommen zu werden. Und die Politiker versuchen eifrig, jeden formulierten Anspruch ernstzunehmen, weil sie sich davon Gruppenloyalitäten erhoffen.

Im Ergebnis ist das allerdings so unendlich absurd, dass man eigentlich vor Entsetzen nur noch verstummen kann, denn durch diese immer schräger werdenden Einzelansprüche, verfällt unsere Gesellschaft in ein löchriges Gebilde mit tausenderlei Sonderschutzzonen, die komplett unverbunden nebeneinander herbestehen.
Wer heutzutage den Mund öffnet, tut das nicht mehr als Individuum, sondern als Vertreter irgendeiner schrägen Art von Gruppenidentitäten.

Die Folge davon ist aber leider das Aussterben der Individualität, und nur die Individualität garantiert auch Freiheit.
Durch diesen Trick mit der Zwangseingruppierung, verkommt das individuelle Ich zu einem gezwungenen Gruppen-Wir und die Freiheit versteckt sich hinterm Ofen und schaut traurig zu, wie immer mehr Menschen nur noch Ringelpiez mit Anfassen in einer erzwungenen Gruppenfröhlichkeit spielen.

Ich kann das nicht so schön wiedergeben, wie er das in diesem Podcast formuliert hat, ich saß aber 10 Minuten beifallnickend im Auto und konnte immerzu nur wiederholen: "Genau so ist das - und genau deshalb habe ich auch so wenig Lust, mit Menschen zu kommunizieren."

Denn jeder, der sich mit einer eigenen Meinung außerhalb dieser vorformulierten Phrasen bewegt, riskiert einen Shitstorm vom feinsten und muss sich für Dinge rechtfertigen, für die er sich gar nicht rechtfertigen wollte, weil die im Zweifel gar nicht Teil seiner Meinung waren. Aber phrasenfrei formulierte Sätze sind halt nicht so stromlinienförmig wie vorformulierte Standardfloskeln und tragen deshalb immer die Gefahr in sich, dass irgendjemand an einer kleinen Unebenheit hängen bleibt - und deshalb zu einem Riesengezeter anhebt
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Mittwoch, 23. Januar 2019
Schneeschippen und die Rolle der Frau
Hier im Münsterland hat es heute Nacht geschneit. Nicht viel, aber genug, als dass man es morgens wegschippen musste. Das sind dann halt die Nachteile des Wohnens in einem Haus - da ist man grundsätzlich selber für Schneeschippen verantwortlich.
Auf Borkum habe ich damit eine Firma beauftragt, weil ich das ja gar nicht leisten könnte, wenn ich an einem Schneefalltag grade nicht da bin, auf Borkum gibt es aber auch lange Bürgersteigwege vorm Haus, da müsste sehr viel öffentlicher Gehweg freigeschippt werden. Hier in Greven wohnen wir in einer Anlieger-Spielstraße, wir haben also gar keinen Bürgersteig, dafür wird bei uns aber auch die Straße nicht geräumt. Ich habe mal geforscht, was wir als Anwohner so einer Straße überhaupt räumen müssen, habe ein paar widersprüchliche Angaben gefunden und räume seitdem exakt so viel wie unser Vorzeigenachbar - der ist Stadtrat und macht deshalb vorsichtshalber nie etwas falsch, zumindest nichts, was man ihm vorwerfen könnte, der wird das also bestimmt richtig wissen. Der schüppt einen kleinen Streifen direkt vor seinem Vorgarten frei und den Zuweg bis zur Haustür, also gehe ich davon aus, dass ich das auch so machen muss.
Heute morgen habe ich dann mit Amüsement festgestellt, dass wohl alle anderen Nachbarn sich inzwischen auch nach unserem Vorzeigenachbarn richten, beim letzten Schnee hat nämlich noch kaum jemand den Streifen vor dem Vorgarten freigeschüppt, heute morgen war der aber bei allen Nachbarn sauber geräumt. Als ich um 8.30h die Schneeschippe schwang, war ich sowieso der letzte in der Reihenhausreihe, der dieser Bürgerpflicht nachkam.

Schneeschippen am Morgen ist für meine Laune ja enorm förderlich - nicht. Aber immerhin war ich gründlich wach, so dass ich die besten Voraussetzungen mitbrachte, um als ersten Termin heute Vormittag in die Schlussbesprechung der Betriebsprüfung einzusteigen. Wach und grimmig hat sich gelohnt, ich glaube, mein Jahresgehalt habe ich heute schon durch das Verhandlungsergebnis verdient.

Im Büro habe ich mich anschließend mit meinen normalen Tätigkeiten beschäftigt, das heißt, ich habe mit verschiedenen Mitarbeitern ihre Arbeitsergebnisse besprochen, was teils erfreuliche teils weniger erfreuliche Erkenntnisse brachte, aber die Erwartungshaltung, dass mir überwiegend fehlerfreie Ergebnisse nur kurz zum Abzeichnen vorgelegt werden, die habe ich schon vor langer Zeit beerdigt.

Über einen Kollegen aus dem Mutterhaus habe ich mich geärgert, weil ich mich über E-Mails, in denen steht "würden Sie dann bitte dies und jenes erledigen" immer ärgere, wenn der E-Mail Schreiber nicht nur absolut keine Kompetenz hat, solche Dinge überhaupt zu verlangen, geschweige denn anzuweisen und schon gar nicht mich anzuweisen.

Es ist wahrscheinlich wirklich nicht so gemeint, aber ich reagiere ausgesprochen empfindliche darauf, wenn innerhalb einer Arbeitsgruppe, in der ich die einzige Frau bin, jemand wie selbstverständlich erwartet, dass ich dann die Sekretärinnenarbeit übernehme, Arbeitszuweisung nach dem Motto "einer muss es ja machen und du kannst das doch so gut".

Überhaupt reagiere ich jedesmal sehr zickig, wenn mir jemand irgendwelche typischen Frauenarbeiten als Selbstverständlichkeit zusortiert, weil ich mich darüber ärgere, dass es immer noch (so viele) Menschen gibt, die gar nicht merken, welche Bilder sie in ihrem eigenen Kopf nicht nur haben, sondern immer weiter fröhlich bedienen.

Neulich zB war ich erst relativ spät abends aus dem Büro nach Hause gekommen und hatte viel Hunger, weshalb ich mich sofort in die Küche begab und begann, das Chaos dort aufzuräumen, weil ich nur in einer einigermaßen aufgeräumten Küche überhaupt etwas zu essen herstellen kann. Während ich also grade eine Pfanne abwusch, rief meine Mutter an, die irgendeine Sache nur kurz besprechen wollte. Ich sagte ihr, dass ich für nur kurz grade noch Zeit hätte, ansonsten aber unbedingt in die Küche zurückgehen wolle, weil ich halt eben erst aus dem Büro gekommen sei und nun dringend noch etwas zu essen machen wollte, da ich Hunger bis unter die Arme habe.
Wir klärten ihr Anliegen kurz und dann verabschiedete sie sich mit: "Dann mach mal was zu essen, dann muss auch Krischan nicht mehr so lange warten."
Über diesen letzten Halbsatz habe ich mich tagelang geärgert. Tatsächlich habe ich nämlich gar nichts für K gekocht, der war satt und lag zufrieden auf dem Sofa, weil er während des Tages genug zu essen bekommen hatte, das passiert übrigens häufiger.
Ich habe mich darüber geärgert, weil es als absolut selbstverständlich angenommen wurde, dass ich, wenn ich etwas koche, dann den Mann auch gleich mitversorge. Dass ich einen Mann habe, der durchaus schon selber groß ist und sich deshalb auch durchaus selber versorgen kann, wird gar nicht überlegt - und erst recht kommt in der Vorstellung nicht vor, dass er, wenn er vor mir zu Hause ist und selber auch noch etwas essen möchte, sich doch wohl selbstverständlich auch alleine schon längst in die Küche begeben hätte, diese Variante wird gar nicht erst als Möglichkeit erwogen. Stattdessen wird die Information, dass ich erst spät nach Hause komme und sofort eilig in die Küche stürze, spontan um das Bild ergänzt, dass der arme Mann dann sicherlich ja auch schon seit langem hungrig auf dem Sofa wartet.

Okay, meine Mutter ist über achtzig und hat ihr Leben im Wesentlichen als Hausfrau verbracht - aber eigentlich kommt sie aus einem sehr intellektuellen Elternhaus, hat selber auch studiert und ist vor allem schon seit über fünfzig Jahren meine Mutter. Warum ist in all den Jahren nicht bei ihr angekommen, dass Frauen nicht dafür da sind, den Mann zu versorgen, und dass vor allem ICH so etwas ganz bestimmt nicht als meine Aufgabe betrachte, sondern den armen Mann auch ungerührt verhungern lassen würde, wenn ich grade keine Lust habe, etwas zu kochen?
Und vor allem, warum traut sie mir zu, dass ich einen Mann, der ernsthaft einen Unterschied zwischen mannkann und fraukann im Kleinhirn verankert hat, auch nur ansatzweise ernst nehmen würde? Dass es solche Männer in Mengen gibt, ist mir bekannt, meine eigene Familie ist reich damit gesegnet, aber ich bilde mir fest ein, dass ich diesen Männern überwiegend mit Spott, wenn nicht mit offensichtlicher Verachtung begegne - und meine eigene Mutter meint, dass ich mir dann selber so ein Exemplar auf meine (sic!) eigene Couch holen würde? Und nein, CW war auch kein Exemplar der alten Männerklasse, der hat nur so getan - und sich dann über sich selber totgelacht. Das mag für fremde Leute vielleicht missverständlich gewirkt haben, aber CW ist auch seit über 10 Jahren Geschichte.

Ich ärgere mich darüber, wenn achtlos oder sogar freundlich hingeworfene Halbsätze so offensichtlich deutlich machen, welches Bild der andere von mir in seinem Kopf hat und ich noch nie, in meinem gesamten Leben noch nie jemals freiwillig so sein wollte - es aber bis heute nicht ändern kann, dass mich andere Menschen so sehen.

Mein Vater, der sich regelmäßig so sehr darüber freut, dass ich mich um seine Angelegenheiten kümmere und so stolz darauf ist, dass er eine Tochter hat, die so tolle Sachen kann, mein Vater drückt seinen belobigenden Stolz dann aus mit dem Satz: "Du bist so toll, dich müsste man auf der Stelle heiraten." - Natürlich ist ihm gar nicht bewusst, was er eigentlich damit ausdrückt, nämlich dass sich der Mann eine Frau aussucht und nicht umgekehrt. Und ich stehe dann vor diesem Satz und denke mir: "Ja klar, geheiratet werden, das Schicksal der Frau wird im Passiv besiegelt." -
Nennt man Passiv nicht auch die Leideform? Mein eigener Vater überantwortet mich bedenkenlos dem Passiv.
Tolle Wurst
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Dienstag, 22. Januar 2019
Ich werde Kino wohl aus meiner Aktivitätenliste grundsätzlich streichen
Der Tag heute bestand bisher nur aus Büro, in dem die Inbox gewaltig angewachsen ist, weil ich über die Hälfte des Tages in einer Besprechung saß, die zwar wichtig war, die aber auch neue Arbeit nach sich zieht.
Immerhin wurde in einem anderen Termin, auf den ich schon lange gewartet habe, auch endlich ein Flaschenhals erledigt, der mich bisher an einigen Stellen immer wieder ausgebremst hatte, das war ein sehr gutes Gefühl.

Mehr gibt mein Tag nicht her, heute, ich habe aber noch mal über Kino im allgemeinen nachgedacht und dabei mal wieder festgestellt, dass ich ganz offensichtlich nicht mehrheitstauglich kompatibel bin - denn mir bleibt es auch nach längerem Nachdenken ein Rätsel, was Leute an so einem "Rudelgucken" schön finden.

K meinte, dass die Riesenleinwand und die Akustik im Kino doch etwas ganz anderes ist als so ein kleiner Fernsehbildschirm zuhause, im Kino könne man sich viel besser in einen Film reinfallen lassen. - Das mag so sein, aber, ähem, ich spüre das nicht.
Oder ich verweigere das Spüren aus reinem Selbstschutz, denn ich käme niemals nie auf den Gedanken, mich in einen Film reinfallen lassen zu wollen. Und schon gar nicht in einen mit depressiven Müttern, die sich umbringen, aber das ist ein anderes Thema.

Ich glaube, es liegt daran, dass ich einfach kein Augenmensch bin. Ich nehme über die Augen Informationen auf - aber keine Emotionen.
Wenn ich einen beeindruckenden Sonnenuntergang sehe, dann beeindruckt mich nicht die Stimmung oder der Anblick, sondern die Technik der Gesamtinszenierung. Die Technik, die die Natur zu bieten hat, die beeindruckt mich durchaus - aber eben nicht auf emotionaler Ebene, sondern eher wissenschaftlich/intellektuell.

Wo Bilder mich allerdings durchaus berühren, das sind negative Emotionen, also Angst, Schrecken, Grusel, Trauer. Diese Emotionen werden auch bei mir durch Bilder transportiert - da ich auf solche Emotionen aber sehr gut verzichten kann, mache ich sowieso die Augen zu, wenn solche Bilder auf mich zu kommen.

Wenn zB K irgendwelche riskanten Manöver fährt oder fliegt, mache ich grundsätzlich die Augen zu, dann rege ich mich nicht auf und alles ist gut. Das habe ich schon bei CW so gemacht, sonst wäre ich schon vor vielen Jahren bestimmt mehrfach an Herzinfarkt verstorben, und ich finde es insgesamt einen sehr pragmatischen Umgang mit solchen Situationen.

Ich finde fröhlich sein, Glück, Lachen, Zufriedenheit viel besser als Angst und Schrecken und werde deshalb auch nie verstehen, weshalb Leute freiwillig Horrorfilme oder Psychothriller gucken.

Weil ich aber auf schöne Bilder nicht passend positiv reagiere, auf unschöne Bilder aber doppelt negativ, kann ich nur verlieren, wenn ich mich in einen Film reinfallen lassen würde.
Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich an Filmegucken insgesamt nicht sonderlich interessiert bin.

Bücherlesen finde ich viel besser - da kann ich die spannenden Stellen einfach überschlagen, hinten nachlesen und mich vergewissern, dass alles gut ausgeht und dann zügig und ohne besonderes Interesse die spannenden Stellen soweit lesen, dass ich die Handlung verfolgen kann, weitere Details finde ich uninteressant und lese sehr gezielt darüber hinweg.

Für mich hat Kino deshalb keinerlei Pluspunkte, aber reichlich Minuspunkte im Vergleich zu einer DVD, die ich ohne all dieses Kinobrimborium wesentlich entspannter zu Hause gucken kann.
Ich spare mir nicht nur die unbequeme Anreise, ich spare mir auch das Bad in der Menschenmenge, die Kommentare der Umsitzenden, das Gedränge und Geschubse beim Rein- und Rausgehen, die Zwangsbeschallung mit Werbung, den engen, unbequemen Sitz und überhaupt eben all die Lästigkeiten, die mit einem Aufenthalt außer Haus und unter Menschen verbunden sind.

Aber zum Glück scheint es ja immer noch Massen von Menschen zu geben, die das anders sehen, und das ist auch gut so, die dürfen gerne alle weiter ins Kino gehen, ich stelle einfach nur für mich selber fest, dass ich andere Freizeitaktivitäten spannender finde als Kino
.

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Montag, 21. Januar 2019
Kino
Ich war im Kino.
Gestern Abend.

Ich schreibe das so ausdrücklich und hervorgehoben hin, weil ein Kinobesuch für mich tatsächlich eine besondere Sache ist, ich glaube, das letzte Mal war ich irgendwann im Jahr 2013 im Kino.
Ich bin grundsätzlich sowieso nicht so der Filmgucker, ich schaue auch nur wenig Fern und die ungeguckten DVDs stapeln sich bei uns in beachtlicher Höhe. Selbstverständlich besitze ich eine Unmenge an DVDs, erstens, weil ich von fast allem eine Unmenge besitze und zweitens, weil ich Filmegucken theoretisch toll finde - es scheitert dann nur immer am Alltag, denn in aller Regel passt der Zeitpunkt, wenn mir (uns) Filmegucken einfällt, so gut wie nie, (um 22h muss ich sowas gar nicht mehr anfangen, da schlafe ich mit 200%iger Sicherheit bei ein), aber auch sonst erscheint mir die praktische Umsetzung von Filmegucken meist zu umständlich und gleichzeitig bin ich oft aus reiner Interesselosigkeit an einem konkreten Film schwer unmotivert, mich überhaupt darum zu kümmern, das wir ihn anschauen.
Denn, was ich an Filmegucken toll finde, ist vor allem das Bild, was ich von filmeguckenden Menschen in meinem Kopf mit mir trage: man sitzt gemütlich auf dem Sofa, kuschelt sich aneinander (Filmegucken natürlich nur zu zweit, alleine geht gar nicht, wofür sollte man das tun?) - also: alles sehr kuschelig, man braucht aber auch Getränke und Knabberzeug und eben eine insgesamt aufwändig gestaltete Kulisse, so will es das Bild. Am besten, wenn dabei ein Kaminfeuer knistert - das haben wir nur auf Borkum, deshalb ist dort der ungeguckte DVD-Stapel auch besonders hoch….
Aber deshalb geht Filmgucken auch nicht mal eben so, das bedarf einer gewissen Vorbereitung, man muss alles, was für den Tag noch zu erledigen ist, bereits erledigt haben, damit man nach dem Film ohne lästiges jetztmussichabernochdiesundjenesmachen entspannt ins Bett rüberrutschen kann. Das Problem dabei ist, dass ich, wenn ich alles, was für den Tag noch zu erledigen ist, erledigt habe, üblicherweise so müde bin, dass ich wirklich nur noch ins Bett will. Keinen Bock mehr auf theatralisch gemütliches Filmguckgekuschel.
Und deshalb guck ich halt keine Filme, oder zumindest nur sehr selten und sehr wenige. Ein Netflix-Abo wäre an mich zu 99,9% verschwendet, weil ich es ungeguckt vorbeirauschen lassen würde.

Und ins Kino gehe ich schon 10mal seltener nicht. Das ist ja noch umständlicher und aufwändiger.
Da muss man extra hinfahren, sich also aus dem Haus begeben, urrrghhh, wie ungemütlich.

Aber gestern waren wir im Kino.
Ich hatte plötzlich so einen spontanen Aktivitätsanfall, wie waren schon gegen 17.30h wieder in Greven - und gefühlt war das Tageswerk getan, der Blick auf die Uhr zeigte aber, dass es noch erstaunlich früh war.
Und ich wusste einen Film, der grade im Kino läuft und der mich so neugierig gemacht hatte, dass ich ihn tatsächlich und wirklich sehen wollte: Der Junge muss an die frische Luft - die Hape Kerkeling Jugendbiographie.
Und es gab noch einen Kinogutschein. - Den hatte K mir vor über drei Jahren mal zu Weihnachten geschenkt - zwei Kinokarten im Cineplex plus 2 Kaltgetränke und 2x Popcorn, könnte man doch endlich mal einlösen.

Spontane Idee, spontaner Entschluss, wir haben es getan.
Ich mag ja keine Stadt, ich sagte es, aber wenn man meint, ins Kino gehen zu müssen, dann hilft das nichts - entweder muss man dann sehr ungemütlich und unbequem mit Öffis reinfahren und von der nächstgelegenen Haltestellen laufen - grusel, nein, nicht bei Minustemperaturen und überhaupt viel zu unbequem, also bleibt Alternative Auto, das machten wir.
Gab nur leider keine Parkplätze, nach längerem Suchen dann einen neben der nächstgelegenen Haltestelle der Öffis gefunden (ca. 700m Fußweg, erwähnte ich die Minustemperaturen?), aber einen Versuch war es wert (statt Öffi Auto meine ich natürlich).
Damit kamen wir aber nicht die vorgeschriebene halbe Stunde vor Filmbeginn im Kino an, sondern nur 28,5 Minuten vorher, was bedeutete, dass unsere reservierten Sitzplatz-Karten nicht mehr reserviert waren, zum Glück waren aber auch andere reservierte Sitzplatz-Karten nicht mehr reservierten, wir konnte also sehr erfolgreich upgraden und bekamen Plätze in Reihe acht und nicht mehr in Reihe drei, also nix mehr Sperrsitz. Das hat dann immerhin mal gut geklappt.
K besorgte die Kaltgetränke und Popcorn, dann haben wir noch eine Viertelstunde gewartet und dann durften wir rein.
Die Vorstellung war ausverkauft, weil wir so früh schon drin waren, durften wir anschließend noch mehrfach aufstehen, um Leute auf die Plätze links von uns zu lassen, faszinierenderweise schmiss keiner der sich vorbeiquetschenden Menschen die Colaflaschen oder das Popcorn um, hätte ich eigentlich erwartet.
Gegen 20.15h begann die Werbung auf der Leinwand, gegen 20.45h war immer noch Werbung auf der Leinwand, bevor endlich die erlösende Langnese-Eis-Pause kam, manche Dinge ändern sich tatsächlich nicht. Ich dagegen war mittlerweile schon arg schlecht gelaunt. Seit fast einer Stunde hing ich in diesem Kino rum und wartete darauf, dass es endlich losgeht, ich muss mal eine ernste Rede mit meinem Masochismus reden.

Dann begann der Film und zeitgleich begannen zwei mittelalte Damen hinter uns den Film zu kommentieren - in einer Lautstärke, die es unmöglich machte, sie zu ignorieren. Muss man mögen.
Den Film muss man auch mögen, mir gelang das nicht recht. Zu viel Rheinisch, gleich zu Anfang gab es eine volle Dröhnung, eigentlich war ich an der Stelle schon mit dem Film durch. Ich finde Rheinisch ja witzig, vor allem, weil ich es ziemlich gut selber spreche, aber mal im Ernst: Das ist doch maximal als Gag zu gebrauchen, so spricht man doch nicht immer, sondern vielleicht im Karneval oder wenn man einen Spaß macht, aber Rheinisch statt Hochdeutsch? - Nein danke, da bin ich raus.
Die beiden Miezen hinter uns trugen auch nicht zur Launenaufhellung bei, am meisten habe ich mich mal wieder über mich selber geärgert, weil ich sie nicht lautstark zur Ruhe gerufen habe. Bin ich also selber schuld, wenn die weiterquatschen - aber herrjeh, deshalb verdoppelte sich meine schlechte Laune ja auch.*
*Und ja ich weiß, ich wollte Feldstudien zum Meckerverhalten im allgemeinen betreiben, hier hatte ich dann ein wunderbares Beispiel, wie gründlich ich versage, auch wenn mir mein Kopf gleichzeitig sagt: "Sag denen die Meinung."

Der Film insgesamt: Ich habe ihn zu Ende gesehen, weil man im Kino wenig anderes machen kann. Zu Hause hätte ich wahrscheinlich begonnen, ein wenig zu bügeln oder zu bloggen oder nebenher zu lesen, auf alle Fälle hätte ich mir noch eine Zusatzbeschäftigung gesucht, weil ich nur diesen Film gucken eher nicht so interessefüllend fand.
Zu vorhersehbar das Ganze, zu kalkuliert die Gags, zu künstlich, zu wenig Raum für eigene Weiterspinnereien, insgesamt also relativ flach - was die beiden Damen hinter mir mit "Hach, es müsste viel mehr so Filme mitten aus dem Leben geben." begleiteten - die scheinen ja ein sehr interessantes Leben zu führen, hörte man schon an ihren Kommentaren.

Allerdings fand ich den Film sonst schon sehr mitten aus dem Leben: eine völlig überlastete Hausfrau, die zu nix Zeit hatte, noch nicht mal zu einer ausgiebigen Kuschelrunde nach dem Poppen mit ihrem Ehemann, weil "einer muss sich ja hier um alles kümmern, mir nimmt ja auch keiner was ab", was im Endergebnis zu einer bösen Depression führte, klar, wenn man Pflichterfüllung vor Spaß haben stellt, ist Depression schon ein ziemlich gradliniger Weg.

Ich glaube durchaus, dass das Leben genau so ist - aber verflucht - das ist doch schon schrecklich genug, muss man das auch noch verfilmen? Und kleine Jungs, die verzweifelt den Kaspar für ihre heulende Mutter machen - ja, das ist mitten aus dem Leben, ich finde es aber einfach überhaupt nicht angenehm, mir so etwas anzuschauen.
Wenn in einem Film gezeigt würde, wie es in einem Schlachthof mit Massentierhaltung zugeht - kein Mensch käme auf den Gedanken, das in einen Unterhaltungsfilm einzubauen und anschließend als "tollen Film, den man dringend sehen muss" zu belobigen. Aber ich finde den Unterschied von Schlachthof zu depressiver Mutter mit Kasparkind nur sehr graduell.
Nun, egal, jeder wie er mag, mir war der Film zu sehr aufgesetzt, zu bemüht um Gags, zu krawallig ab und zu, kurz: Ich muss ihn nicht noch mal sehen, bin aber froh, dass wir a) die Kinogutscheine endlich verbraucht haben und ich b) mir tatsächlich selber eine Meinung zu dem Film gebildet habe, denn jetzt kann ich alle anderen Filmbesprechungen entspannt überlesen
.

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Freitag, 18. Januar 2019
Die Sache mit dem Beschwerdemanagement
Manchmal fügen sich die Ereignisse ja ganz possierlich.
Gestern habe ich mir noch vorgenommen, künftig mal darauf zu achten, wie das mit dem Meckern und dem sich beschweren im analogen Leben so abläuft - und heute hatte ich sofort mehrere Gelegenheit es mit mir selber als "Geschädigte" live zu protokollieren.
Spoiler vorab: Es ist wirklich kompliziert.
Ich habe mich heute in vier verschiedenen Situationen wirklich sehr geärgert und ich habe das auch nachdrücklich zum Ausdruck gebracht - aber wirklich geändert hat das irgendwie kaum etwas.
Situation 1 (beruflich): Im Rahmen einer Vermögensverwaltung, bei der ich für das Reporting zuständig bin, hat sich das Unternehmen an einem Fonds beteiligt und da die Beteiligung für den Fonds nicht unerheblich ist, habe ich einen eigenen Ansprechpartner, der mir persönlich regelmäßig den Geschäftsverlauf erklärt und seine eigenen Informationen direkt vom Fondsmanager bezieht und mit dem auch alles bespricht, was für mich von Bedeutung ist. Ein Ding, was für mich seit jeher von großer Bedeutung ist, sind die Planzahlen. Ich muss selber die Entwicklung der gesamten Vermögensverwaltung planen und den Gremien berichten, wie viel Geld für sonstige Späße zur Verfügung steht - die wollen das logischerweise auch immer im Vorhinein wissen und da hilft halt nur eine gute Planung.
Ich habe deshalb bereits im Oktober bei diesem Fonds angefragt, wie es für das Jahr 2018 aussieht, ob noch mit einer Ausschüttung zu rechnen ist und wie insgesamt so das Jahr war. Antwort: Alles gut, alles bestens, kommt noch eine Ausschüttung, wir hatten ja Zielgrößen vorgegeben und die erreichen wir sicher dieses Jahr, können Sie sich drauf verlassen.
Ende Dezember gebe ich also meinen eigenen Gremien das voraussichtliche Ergebnis für 2018 bekannt (in dem natürlich die avisierte Ausschüttung aus diesem Fonds enthalten ist). Als ich dieses Jahr wieder im Büro bin, stelle ich fest, dass Pustekuchen, nix ist mit Ausschüttung. Sie haben es leider, leider dann letztes Jahr doch nicht mehr schaffen, es gab da Verzögerungen, aber dieses Jahr, da dann bestimmt und mehr.
Und heute hat mich dieser Fondsmensch dann angerufen und versucht, sich auf die ganz billige Tour rauszureden - Schuld waren natürlich alle anderen, nur er selber, er könnte da ja mal gar nichts für, es täte ihm aber trotzdem sehr leid und blablabla.
Und ja, ich habe ihm sehr deutlich erklärt, dass ich das extrem unprofessionell fände. Es kann sicherlich immer mal passieren, dass Dinge nicht so laufen, wie man es geplant hat - aber dann kann man den Leuten, die sich auf die Planung verlassen, doch wenigstens rechtzeitig Bescheid geben.
Ich ärgere mich am meisten darüber, dass ich den Fehler jetzt in meine eigene Planung übernommen habe - und nur, weil ich dem Typ geglaubt und vertraut habe. Ich finde, das ist keine Basis für eine Zusammenarbeit, den anderen so komplett hängenzulassen und im Nachhinein dann mit einem simplen "ja, tut mir leid" abzuspeisen. Als i-Tüpfelchen wollte er mir dann noch geschönte Zahlen für 2018 unterjubeln - da war es mit meiner Contenance dann endgültig vorbei. Für was hält der mich? Für so dämlich, dass ich auf seine Klein Erna-Zahlen hereinfalle?
Ergebnis: Ich bin SEHR deutlich geworden am Telefon und habe trotzdem das Gefühl, dass es gar nichts ändert. Im Zweifel macht der das dieses Jahr wieder ganz genauso. Hilft also nichts, sich aufzuregen, das einzige, was man tun kann, ist, sich selber von seinen Informationen unabhängig aufzustellen. Nur leider habe ich keine Idee, wie das funktionieren soll.

Situation 2 (wieder beruflich): Im Oktober habe ich bei einem Notar hier vor Ort eine Vertragsgenehmigung unterzeichnet, die er mit Unterschriftsbeglaubigung an einen Kollegen im Rheinland weiterleiten sollte. Anfang Dezember fragt der Notar aus dem Rheinland nach, wie weit ich denn mit meiner Unterschrift sei. Ich rufe also recht aufgeschreckt bei dem lokalen Notar an, der mir völlig zerknirscht gesteht, dass er den Vorgang verbummelt hat, er würde sich aber jetzt sofort und höchstpersönlich darum kümmern. - Heute telefoniere ich in anderer Angelegenheit mit dem Notar aus dem Rheinland und frage ganz beiläufig, wie weit denn nun die Vertragssache sei, meine Unterschriften müssten ja nun beglaubigt vorliegen. Antwort: Nix liegt vor. Mir ist vor Empörung ja fast der Hörer aus der Hand gefallen.
Umgehend habe ich den lokalen Notar angerufen und mich mühsam von Empfang über Vorzimmer bis zum Notar selber durchgeboxt, der den Vorgang sofort auswendig auf dem Schirm hatte und meinte, er hätte sich doch im Dezember gleich gekümmert - aber wenn der andere Notar sagt, er hat nichts bekommen, nun, dann ist da wohl ein Problem. Wie gehen eigentlich Notare unter sich miteinander um, belügen und betrügen die sich genauso wie das im normalen Geschäftsverkehr wohl Usus ist? Da kann man als Mandant doch nur kopfschüttelnd daneben stehen.
Aber mehr als dem Herrn Notar mitzuteilen, dass man für so eine Schlamperei überhaupt kein Verständnis mehr hat, kann man nicht machen - und sich einen neuen Notar suchen.

Situation 2a: Genau das habe ich auch gemacht. Der Notar von oben hat nicht nur diese Unterschriftsbeglaubigung so unendlich verschleppt, er hat auch einen Grundbuchantrag, den ich sehr gerne noch in 2018 hätte eintragen lassen wollen, einfach unbearbeitet liegen gelassen und nu ist zu spät, zumindest für 2018. Jetzt habe ich aber keine Lust mehr auf diesen Notar und möchte mit einem anderen arbeiten. Also habe ich letzte Woche einen anderen Notar angerufen, bin dort bis zur Vorzimmerdame gekommen, habe das (komplexe) Problem geschildert und gebeten, dass der Notar mich bitte zunächst mal anrufen möge, weil es am einfachsten ist, die Regularien telefonisch zu besprechen. Wenn dann alles beisammen ist, mache ich auch einen Termin im Büro, aber erst Telefon. - Darauf warte ich bis heute.
Ich weiß ja, dass die Baubranche komplett ausgebucht ist und sich vor Aufträgen nicht retten kann, aber einfach Anwaltsnotare in Westfalen, die jammern doch sonst immer, dass sie Mandanten suchen. Nur bei diesem Kundenservice, ich fürchte, da wird das nichts.
Über diese Situation habe ich mich heute sozusagen nur so als add on geärgert, weil es mir einfiel, als ich mit dem ersten Notar zwangsläufig wieder zu tun hatte.
Beschwert habe ich mich hier noch bei niemandem - weil wie, denn? Spricht ja keiner mit mir.

Situation 3 (immer noch beruflich) : Die Steuererklärungen, die ich vor drei Tagen begonnen habe, zu kontrollieren und zur Überarbeitung zurückzugeben, sind mittlerweile zum vierten Mal überarbeitet - ich habe heute Abend die Endkontrolle gemacht, leider sind immer noch Fehler drin. - Wie geht man damit um? Wie erkläre ich dem anderen, dass ich mittlerweile VERDAMMT NOCHMAL endlich eine fehlerfreie Leitung erwarte. Die Menschen, die diese Steuerklärungen erstellen, werden wirklich sehr gut bezahlt, Stundenlöhne im gehobenen dreistelligen Bereich, finde ich sehr gut bezahlt - da kann ich doch wohl nach mehreren Hinweisen irgendwann eine fehlerfreie Leistung erwarten, oder nicht?
Ich weiß nicht, wie ich mit diesem Problem umgehen soll oder werde, die Dame, die diese Steuererklärungen erstellt hat, hat auf dem Papier eine sehr gute Ausbildung mit sehr guten Noten - wie sage ich ihr jetzt, dass ich ihre Leistung leider komplett unterdurchschnittlich finde? Ich gebe zu, dass es eine komplizierte Steuererklärung ist - aber hey, deshalb habe ich sie ja auch einer Spezialistin gegeben. Und bei dem Gehalt, was diese Leute verdienen, erwarte ich eine selbständige Arbeit und nicht ein dankbares "Oh, jetzt habe ich aber eine Menge gelernt" als Ergebnis.
Irgendwas passt hier nicht und ich ärgere mich über die Diskrepanz zwischen Gehalt und Leistungserbringung.
Wie ich hier sinnvoll konstruktive Kritik anbringe, die nicht einfach nur als weitere, extrem gut bezahlte Ausbildungsstunde zu verbuchen ist, habe ich noch nicht raus.

Situation 4 (endlich mal privat): Und dann war da noch die geschulte Kundenfreundlichkeit von Fielmann.
Ich möchte ja jetzt Gleitsichtkontaktlinsen haben. Habe ich bei meinem Kollegen gesehen, der war auch bei Fielmann, bei dem klappte alles ganz prima, der ist total happy mit seinen Linsen, genau das will ich auch.
Also war ich letzten Samstag bei meinem Fielmann. Ich hatte einen Termin gemacht, um die notwendige Linsenvoruntersuchungen sorgfältig durchführen zu lassen, alles klappte gut, jetzt gibt es erst mal Probelinsen zum Testen und dann werden die endgültigen bestellt. Für das Einsetzen der Probelinsen habe ich dann auch gleich einen Termin vereinbart, die Dame wollte es so, mir war es egal, obwohl ich es schon ein wenig aufwändig fand, was sie da so vorhatte.
Der Termin zum Einsetzen der Probelinsen wäre morgen um 17h, weil angeblich ist 17h der späteste Termin für eine Probelinseneinsetzung. Warum das nicht später geht, denn immerhin hat Fielmann ja bis 18.30h geöffnet, erschloss sich mir nicht, war mir aber dann auch egal, Freitag 17h wird schon klappen.
Klappt jetzt aber nicht, morgen habe ich Termine, die bis 18h gehen, also rief ich bei Fielmann an und fragte, ob ich heute um 17h kommen könne. Antwort: Nein, heute um 17h sind die Kontaktlinsenmitarbeiter schon alle ausgebucht, heute könne ich nur um 14h kommen.
Ich habe dann versucht zu erklären, dass ich meiner Meinung nach gar keinen Kontaktlinsenmitarbeiter benötige und wenn, dann maximal für 5 Minuten, weil, so kompliziert, sich da zwei Linsen in die Augen zu setzen, wird das ja wohl nun auch nicht sein, also was soll das Getue? Ja, da könne sie mir nichts zu sagen, da würde sie mich lieber gleich mit einem Kontaktlinsenmitarbeiter verbinden wollen. Die Kontaklinsenmitarbeiterin sagte mir dann, dass sie um 17h schon einen Termin habe und dass 17h auch der späteste Termin sei, der überhaupt vereinbart werden könne, weil, ich müsste ja auch testen, ob ich mit den Linsen klarkomme, und deshalb ginge es heute leider nicht.
Meine Hinweise, dass, wenn es heute nicht ginge, dann ginge es gar nicht, ich würde in Urlaub fahren und überhaupt, retournierte sie sehr trainiert mit: "Dann lasse ich die Linsen hier einfach liegen und Sie schauen dann in vierzehn Tagen oder so mal, wann Sie Zeit haben. Ich lasse die Linsen auch gerne bis zu einem Vierteljahr hier liegen, dann schicke ich sie allerdings zurück." - Ich habe dann versucht mit ihr zu verhandeln, dass so eine Linsenübergabe doch höchstens fünf Minuten dauern könne und sie müsse mir auch nicht helfen und ich kann sowieso immer alles alleine - aber no chance, heute auf keinen Fall und wenn ich morgen den Termin nicht wahrnehmen wolle, nun, dann könnte ich mich ja mal irgendwann melden, wenn ich mal ausreichend Zeit hätte, aber eine 5-Minuten-Sache sei das ganz sicher nicht, da müsse ich schon anderthalb Stunden Zeit einplanen.
Ob dieser unverschämten Zeitverplemperei war ich so fassungslos und wütend, dass ich einfach aufgelegt habe. Mir fehlen immer noch die Worte und ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Mein Kollege, bei dem ich mich dann erkundigt habe, wie das so weitergeht, mit den Probelinsen und anprobieren usw. erklärte mir dann, bei ihm sei das alles ganz problemlos gegangen, er hätte die Linsen bekommen, im Laden eingesetzt, zack, nach Hause gehen und 14 Tage später wiederkommen und sagen, ja, Linsen passen, möchte ich jetzt gerne als Abo kaufen. Das dauert wirklich nur 5 Minuten.
Hier habe ich jetzt also ein Beispiel, wo ich mich ganz herrlich über das Verhalten von anderen Leuten ärgere, weil es zu 100% zu meinen Lasten geht, aber außer der Tatsache, den Fielmannleuten zu sagen, dann steck dir deine blöden Linsen doch sonst wo hin, ich gehe jetzt zu einem anderen Optiker, fällt mir nichts Gescheites ein. Doch jetzt einfach woandershin zu gehen ist auch keine gute Lösung ist, weil ich die Probelinsen schon bezahlt habe und sowieso schon mehr als eine Stunde Zeit deshalb verdaddelt habe. Das wäre dann alles vergeudet.
Ich habe echt noch keinen Plan, wie ich damit jetzt weiter umgehe, wahrscheinlich muss ich mich einfach dem Zeitdiktat dieser Linsenmitarbieterin beugen, oder ich ärgere mich morgen den Tag über noch mal richtig in Rage und gehe dann am Samstag zu einem anderen Optiker, bezahle dort das doppelte und vergeude noch mehr Zeit - aber ich habe mich nicht von der Linsentussi schikanieren lassen
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Freitag, 11. Januar 2019
Gender, Hacker und smarte Banker
Morgen ist schon wieder Freitag, das ging zum Glück schnell, aber ich hatte Montag ja auch noch Urlaub.

Am Nachmittag war ein Termin mit einem Banker, der sich und seine Bank mal wieder vorstellen und ins Gespräch bringen wollte (wir haben eine Abteilung für Vermögensverwaltung und deshalb sind Banker natürlich immer wild hinterher, mit uns ins Geschäft zu kommen) Normalerweise sind solche Termine schrecklich, weil reine Zeitverschwendung. Die Klinkenputzerbanker, die diese Türöffnerjobs machen, sind üblicherweise mehr Verkäufer als Banker und wissen deshalb, was ihre Bank alles kann, können aber selber nix.
Zu meiner allergrößten Überraschung wusste dieser Bankvertreter aber tatsächlich richtig gut Bescheid und es machte ausgesprochen viel Spaß, sich mit ihm zu unterhalten. Der Chef erster Ordnung, der bei diesen Terminen natürlich auch immer dabei sein muss, weil die Banker sonst eh keine Ruhe geben würden, bevor sie nicht mit dem obersten Chef gesprochen haben, verkrümelte sich nach einer Weile und ich hätte das Gespräch dann auch problemlos beenden können, aber ich fand den Mensch derart interessant, dass ich sagte, ich hätte noch länger Zeit - und nachher hatte der gesamte Termin über vier Stunden gedauert und es war keine Minute langweilig. Ich glaube allerdings, dass der Banker auch Spaß hatte, nicht nur, weil er seine Bank ins Geschäft bringen kann, sondern weil es wirklich ein rundum gutes Gespräch war. Sowas gibt es manchmal. Nicht oft, aber wenn, dann macht es richtig viel Spaß.

*******

Ich habe einen interessanten Satz gelesen, zum Thema Gendersprache, die ich eigentlich ziemlich grässlich finde. Ich finde jede Variante, Sprache geschlechtslos zu verwenden, umständlich, lästig, albern, überflüssig, behindernd, insgesamt also ziemlich ätzend, aber ich glaube, ich beginne wenigstens ganz entfernt ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass da tatsächlich ein Problem hinterstecken könnte.
Das generische Maskulinum ist zwar praktisch - aber es macht halt auch Bilder im Kopf. Und welche Macht Bilder im Kopf haben, das weiß ich sehr gut, ich bin schließlich ausreichend hysterisch und bekomme schon eine Ekelgänsehaut, wenn nur jemand das Wort "Bauchnabel" verwendet.
Der Satz steht in dem Beitrag von Mek Wito, der ab sofort nur noch im generischen Femininum schreiben will, was aus meiner Sicht auch keine Lösung ist, aber immerhin ist mir durch diesen Satz bewusst geworden, dass das ganze nicht unbedingt nur ein albernes Thema ist für Menschen, die sonst keine Probleme haben, sondern eventuell ist es tatsächlich ein Problem, über das man mal ernsthaft nachdenken sollte.

Der Satz lautet:
Zwei Fussballer sitzen in der Kabine und reden über ihre Regelschmerzen.

Lautete der Satz:
Zwei Fussballer sitzen in der Kabine und reden über ihre Prostata - würde dieser Satz überhaupt niemandem auffallen. Es ist der Widerspruch der beiden Bilder, der in dem oberen Satz steckt, der ihn so auffällig macht.
Und genau damit macht er deutlich, dass das generische Maskulinum eben nicht automatisch auch Frauen mitmeint- und genau an der Stelle lohnt es sich vielleicht, da doch noch mal weiter drüber nachzudenken.

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Irgendwo las ich heute, der 20jährige Schülerhacker, über dessen Taten gerade so viel berichtet wird, hat die Passwörter von den Promiaccounts gar nicht gehackt, sondern einfach durch Ausprobieren geraten.
Das kann ich mir sehr gut vorstellen und ich finde die Gesamttat sowieso so skurril, dass ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr rauskomme . D.h. Ich finde nicht die Tat skurril, sondern die Reaktionen darauf. Denn wenn ich die Berichte, die ich so mitbekommen habe, richtig verstehe, dann hat der Typ nur ganz normale Alltagsdaten veröffentlich, also Daten wie Name, Anschrift und Telefonnummer. Daten, die jeder, der eine eigene Website betreibt, nach dem Gesetz sowieso von sich selber aus ins Internet stellen muss, weil Impressum und Pflicht und so. Und auch ihre Steuernummer und die Kontonummer müssen unglaublich viele Leute gesetzlich vorgeschrieben öffentlich bekanntgeben - das sind nämlich verpflichtende Angaben auf einer Rechnung und der Unternehmer MUSS das da drauf schreiben.
Außerdem sind viele Daten bis heute von vielen Leuten sowieso öffentlich im Netz abrufbar, denn soweit ich weiß, ist das Telefonbuch immer noch frei zu erreichen.
Wo ist also das Problem bei Daten, die sowieso nicht geheim sind? Ich verstehe das wohl alles nur nicht richtig
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