anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 31. Dezember 2019
Jahresrückblick 2019 mit Nachtrag
Da ich letztes Jahr beschlossen habe, für den letzten Tag des Jahres eine neue Tradition zu begründen, fülle ich den Fragebogen vom letzten Jahr dieses Jahr natürlich auch aus.


Wie schnell ist das Jahr vergangen?
So ca. 200 bis 250 Tage
Welche Farbe hatte das Jahr?
jadegrün
Auf einer Skala von 1-10?
8-9
Zusammengefasst?
Es gab ganz viele liquide Finanzzuflüsse von vielen verschiedenen Seiten


Familie:
Keine großen Veränderungen.
Alle drei Kinder studieren das gesamte Jahr.
N besteht sein zweites Staatsexamen als Mediziner und beginnt anschließend sein praktisches Jahr. Sein erstes Tertial absolviert er am UKM in Münster und wohnt in Greven, dann geht er für vier Monate nach Wien, über Weihnachten kommt er nach Hause, wo wir ihn mit einem neuen (gebrauchten, aber deutlich jüngeren) Auto überraschen, damit fährt er am 27.12. zurück nach Wien, packt dort seine Sachen und beginnt am 30.12. sein letztes Tertial in Bad Ischl.
C war während ihres Masterstudiums im Herbst für zweieinhalb Monate in St. Andrews, K und ich wollen sie mit dem Flugzeug besuchen, aber das Wetter ist so schlecht, dass wir keinen passenden Slot finden.
Sie beschließt aus ihrer 9er WG auszuziehen und sucht sich gemeinsam mit einer Freundin eine neue Wohnung, die beiden wohnen jetzt richtig seriös "wie Erwachsene" (naja, mit 25 kann man das ja auch mal anfangen)
J bekommt im Januar in Berlin ein Appartement in einem Studentenwohnheim, er ist der festen Überzeugung, dass er das Studium niemals schaffen wird und mindestens 20 mal durch alle Klausuren durchfällt, weil er keine Lust hat, so unsinniges Zeug auswendig zu lernen. Zu seiner großen Überraschung besteht er aber im Sommer alle Klausuren und kündigt das große Durchfallen jetzt für den nächsten Durchgang an.

Der Vater hat sich gesundheitlich stabilisiert, er muss dreimal die Woche zur Dialyse und wohnt deshalb dauerhaft im Seniorenheim in Leer.

Von der Mutter weiß ich kaum was, sie redet wenig mit mir, weil der Bruder ihr das verboten hat. Warum der Bruder das tut und was er gegen mich hat, kann ich nicht rausbekommen, weil reden ja unerwünscht ist und die Mutter auch kein Interesse daran hat, hier etwas zu vermitteln. Die Mutter hat große Sorge, es sich mit dem Sohn zu verderben, immerhin ist er der einzige, der sich anständig um sie kümmert, sagt sie. Die Töchter kritisieren nur an ihr rum, das mag sie nicht. Ich arrangiere mich damit, dass ich nicht für sie zuständig bin; wenn sie nach Borkum kommt, wohnt sie jetzt beim Bruder, so verkehrt finde ich die Lösung tatsächlich nicht. - Nachtrag: Diese Passage ist gestrichen, weil es alles ganz anders ist. Von der Mutter weiß ich kaum etwas, weil wir wenig miteinander reden. Ich rufe sie nicht an, weil ich üblicherweise überhaupt niemanden anrufe. Wenn sie wissen will, wie es mir geht, kann sie es ja hier lesen.
Ich weiß, dass der Bruder sie regelmäßig anruft und sie überhaupt viel mit dem Bruder zu tun hat, außerdem wohnt sie im selben Haus wie die Schwester, weshalb ich mich nicht für sie zuständig fühle.
Ich finde, es reicht, wenn ich mich um den Vater kümmere, da gerate ich auch nicht in Streit mit den Geschwistern, denn den mag sonst keiner.
Der Bruder lebt sein eigenes Leben auf seine eigene Art und Weise mit eigenen Schwerpunkten und eigenen Wichtigkeiten, die mir überwiegend derart fremd sind, dass ich nur Unmengen an Fragezeichen habe, aber keine Antworten bekomme - weil, wir reden ja nicht miteinander. Und vielleicht ist das auch besser so, denn sonst rege ich mich nachher nur auf.


Häuser und Wohnen:
Das Jahr der Verkäufe.
Die Fabrik in MG ist tatsächlich verkauft und das Hotel auch, hieran habe ich immerhin 1% Anteil gehabt und dadurch insgesamt einen Liquiditätszufluss dieses Jahr generiert, der wohl nie mehr zu toppen ist.
Für einen Teil des Geldes habe ich mir noch eine Immobilie auf Borkum gekauft, Immobilien sind einfacher zu verwalten, wenn sie nicht wild in der Weltgeschichte verstreut sind.
Außerdem besitze ich seit diesem Jahr einen Anteil an einem Grundstück im Ostwestfälischen, erster Teil der Umsetzung der Pläne des Vorjahres, denn auf diesem Grundstück wollen wir gemeinsam ein Haus bauen.
In der Wohnung in MG sind im Januar neue Mieter eingezogen, die Miete wird vom Jobcenter bezahlt, das mit den neuen Mieters auch anstandslos eine Mieterhöhung akzeptierte. Im Dezember wurde von dieser Miete die letzte Rate des Kredites für die Wohnung bezahlt, nach genau 25 Jahren ist die Wohnung nun komplett abbezahlt. Ich habe sie 1995 aus einer Zwangsversteigerung erworben und damals zu 100% finanziert. Sie war als private Zusatzrente gedacht, die Kalkulation ging deutlich früher auf als erwartet.
Das Mietshaus in Greven ist unverändert, es waren interessierte Käufer zur Besichtigung da, aber danach habe ich nichts mehr gehört. Ich möchte hier noch genau fünf Jahre wohnen, ich drücke mir die Daumen, dass das gelingt.

Pläne:
Die Hausbaupläne für das neue Haus auf dem Festland gehen sehr langsam voran, aber es bewegte sich was in 2019, für 2020 ist geplant, dass wir uns einen Architekten suchen und uns intensiv mit der konkreten Planung des neuen Hauses beschäftigen.
Die Umbau- und Erneuerungspläne für das Haus auf Borkum stecken fest, die örtlichen Handwerker verlangen Preise, die keinen Bezug mehr zum Festland haben, wir werden hier etwas anderes organisieren müssen.

Reisen
Keine, nur zuhause gewesen.
Da ich grundsätzlich ja eher unreisig bin, fehlt mir da zum Glück aber auch nichts.

Zum ersten Mal gemacht:
Immobilien verkauft.
Bisher habe ich in meinem Leben immer nur Immobilien gekauft, dieses Jahr habe ich erstmals welche davon wieder verkauft. Es macht sehr zufrieden, wenn ein Plan gelingt, denn alle Immobilien waren als Teil meiner privaten Altersabsicherung gedacht und jetzt, wo die ersten zwei tatsächlich in echtes Geld zurückverwandelt wurden, beginnt sich dieser Plan zu realisieren.
Außerdem: E-Bilanzen erstellt. Ganz alleine und ohne Datev-Unterstützung.
Und: Quinoa gekocht (und gegessen).

Häkchen auf der Bucketlist:
Die Sache mit dem Grundstück im Ostwestfälischen klargemacht und endlich ein paar BHs gefunden, die nicht kneifen.

Entdeckt und Spaß dran gefunden:
Swopper - Dieser wippende Bürostuhl ist einfach genial.
Außerdem: Quinoa als Reisersatz entdeckt und lieben gelernt und selbstgemachte Gemüsebrühe zum every and all time Standardgewürz erkoren.

Gesundheitliche Veränderungen:
Augen: Unverändert alt, drei neue Gleitsichtbrillen im Sommer gekauft und begriffen, dass Gleitsichtkontaktlinsen nichts für mich sind.
Ohren Bisher noch keine Ausfälle beobachtet (aber vielleicht höre ich es auch nur nicht……)
Unfälle Keiner (toi, toi, toi)
außerdem:
Alle alten Krankheiten auskuriert, die Schleimbeutel muckern nicht mehr und das Herz ist pumperlgesund.
Neue Krankheiten Ich bekomme einen Hallux am rechten Fuß, weshalb ich alle Absatzschuhe aussortiert habe, von dieser Art Schuhwerk habe ich mich dieses Jahr endgültig verabschiedet
Sonstiges Die Schilddrüse ist gut eingestellt und verlangt seit Sommer sogar weniger Stoff, insgesamt macht Altwerden aber immer noch keinen Spaß

Optische Veränderungen:
Gewicht unverändert, es ist dabei geblieben, dass ich nur eine Mahlzeit pro Tage esse, daran habe ich mich gut gewöhnt, aber weniger wird das Gewicht trotzdem nicht
Haare Farbe unverändert, ehemals Natur, mittlerweile habe ich so viele graue Haare, dass ich wirklich alle sechs Wochen nachfärben muss. Außerdem radikal kürzer, war ein Versuch im Oktober, gefällt mir aber nicht so gut wie erhofft, also lasse ich sie jetzt wieder wachsen, ist praktischer im Alltag, weil sich längere Haare besser zusammenbinden lassen.
Sonstiges meine Zähne werden immer schiefer, nächstes Jahr habe ich einen Termin beim Kieferorthopäden

Finanzen, Veränderung zum Vorjahr:
regelmäßiger Zufluss mehr
regelmäßiger Abfluss gleich
variable Ausgaben gleich
Gesamtvermögen deutlich mehr, weil der Wert der verkauften Immobilien jetzt realisiert ist
Besondere Anschaffungen ein Auto für N, sonst fällt mir nichts ein
Und sonst noch so:
In der Summe hat mir das Jahr 2019 sehr gut gefallen, der Verkauf der Immobilien hat nicht nur gewaltig Geld in die Kasse gespült, sondern auch sehr viel Ärger und Arbeit abgestellt.
Insgesamt kann ich mich an keinen größeren Ärger in 2019 erinnern, im Wesentlichen lief das Leben recht gleichmäßig vor sich hin, keine besonderen Vorkommnisse, alles im grünen Bereich.
Auf 2020 freue ich mich, weil ich die Zahl mag, und weil jetzt das Jahrzehnt beginnt, in dem viele Änderungen anstehen.
Zwei Kinder werden nächstes Jahr mit ihrem Studium fertig sein und sich anschließend allein unterhalten können. Jedes Stück Verantwortung, was wegfällt, ist positiv.
Ab morgen gilt: Noch vier Jahre - und dieses
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Montag, 30. Dezember 2019
Abbaden und Schiff hinter Dünen
Weil C und N morgen früh schon abfahren, wollte C ihr traditionelles Neujahrsschwimmen vorziehen und beschloss, stattdessen heute einfach ein Jahresabschlussschwimmen zu absolvieren.
Im Unterschied zum 1. Januar vor 364 Tagen war heute deutlich besseres Wetter, die Sonne schien, es waren Plustemperaturen und der Wind blies zwar kräftig, aber ein vergleichbarer Sturm wie Anfang des Jahres war es noch lange nicht.
Ich war heute nicht so gut gelaunt wie vor 364 Tagen, deshalb beschränkte ich mich diesmal aufs Fotografieren, zum An- oder Abbaden zum Jahreswechsel braucht man wirklich gute Stimmung und Spaß am Unsinn machen.
Aber C ging ins Wasser und planschte richtig wild durch die Wellen



Am Nachmittag habe ich mich dann wieder an den Schreibtisch gesetzt, die vorbereiteten Steuererklärungen online übermittelt, wobei ich eine Erklärung vorher noch mal ausführlich kontrolliert und ein paar Fehler ausgemerzt habe. Die harten Fristsachen sind jetzt also alle erledigt, aber statt Freude und Erleichterung zu empfinden, dass es jetzt endlich geschafft ist, bin ich eher genervt und angepisst von dem Kram, irgendwie geht mir dieser ganze Behörden-Formular-Vorschriftskram nur noch gegen den Strich, weil ich das alles so entsetzlich nutzlos finde.
Ich meine, diese ganze Papierverwaltung, das ist doch kein produktiver Beitrag für die Gesellschaft. Da hat absolut niemand was von, es geht keinem besser, nichts wird vorangetrieben, es ist nur eine sinnlose Beschäftigung aufgrund ebenso sinnloser Bürokratievorschriften. Und außerdem unverschämt teuer.
Ich weiß, ich profitiere ja selber davon, aber wenn ich die Gesamttätigkeit mal wirklich objektiv von außen betrachte, dann finde ich diese ganzen Sesselpupserjobs gnadenlos überbezahlt, wohingegen Jobs, die wirklich einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten, komplett unterbezahlt sind.
Gibt es irgendeinen vernünftigen Grund, warum Krankenpfleger und Kindergärtner nur ein Drittel von dem bezahlt bekommen, was Menschen mit meinem oder vergleichbaren Jobs erhalten?
Aber das scheint wohl eine Besonderheit unserer Gesellschaft zu sein, dass jeder meint, Verwaltung sei unerhört wichtig und müsse deshalb so besonders gut bezahlt werden.

Nun denn, so lange muss ich das alles zum Glück nicht mehr machen, ich kann das Aufregen darüber deshalb auch einfach wieder bleiben lassen.

Gegen halb fünf färbte sich der Himmel intensiv blau-rot und ich lehnte mich aus dem Dachfenster, um ein Foto mit Mond, Abendstern, Dünen und buntem Himmel zu machen. Während ich noch überlegte, ob es sich lohnt, für dieses Motiv die Treppe runterzulaufen und das ganze von vor der Tür noch mal ausführlich zu knipsen, sagte K, der neben mir die Farben bewunderte, plötzlich: "Schau mal, da fährt ein Schiff."

Und tatsächlich, hinter den Dünen fuhr ein Schiff, man sah die schwarzen Schornsteine, die so hoch waren, dass sie über die Dünen hinausragten.



Morgen früh um 7.30h müssen die Kinder zur Fähre gebracht werden, ich gehe deshalb besser jetzt gleich ins Bett
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Sonntag, 29. Dezember 2019
Auf den letzten Drücker ging es dann ziemlich flott
Ich habe es tatsächlich geschafft, alle Steuererklärungen, die für 2018 noch erstellt werden mussten, sind fertig. Jetzt nur noch zwei E-Bilanzen, aber mittlerweile ist mir ja auch davor nicht mehr bange.

Den Onlineübermittlungsabsendeknopf drücke ich aber erst morgen, weil morgen ja ganz offiziell noch ein normaler Arbeitstag ist, da sieht das besser aus, wenn die Steuererklärungen während eines normalen Arbeitstages übermittelt werden und nicht Sonntags oder Nachts. Einen letzten Hauch von Seriosität möchte ich mir bewahren.

Eigentlich ging das heute alles ganz schnell, bis 18h habe ich noch verzweifelt vor mich hin prokrastiniert, bis ich mir sagte, jetzt oder nie - und der alte Spruch, dass jede Arbeit immer genau so lange dauert, wie Zeit dafür zur Verfügung steht, hat sich mal wieder sehr deutlich bewahrheitet.

Fühlt sich schon gut an, so eine Last erledigt zu haben.

Da ich den Tag bis 18h überwiegend damit verbracht habe, mich darüber zu grämen, dass ich noch diese blöden Dinge tun muss, gibt es sonst nicht viel zu erzählen ist natürlich auch nicht viel passiert.
Bis 13h habe ich gemeinsam mit K im Bett rumgeschlumpft und Internet gelesen, bis mir einfiel, dass heute ja Sonntag ist und die Läden im Winter Sonntags um 14h schließen - und K heute morgen den letzten Kaffeefilter verbraucht hat, es also sehr geboten schien, sich blitzschnell fertigzumachen, um noch fix neue Kaffeefilter zu ergattern, sonst morgen früh nix Kaffee.
Um 13.40h war ich also bei Lidl und entdeckte zu meiner Freude, dass es dort nicht nur Kaffeefilter gab, wovon ich als Selbstverständlichkeit ausgegangen war, sondern es gab auch grade frisch eingetroffen unseren Lieblingsbressot Traditionell im Angebot und weil es den wahrscheinlich offiziell erst ab Montag gibt, hier auf Borkum der Lidl aber auch am Sonntag auf hat und die grade die Montagsangebotsregale schon eingeräumt hatten, hatte ich die einmalige Chance, den Bestand sofort zu ca. 50% aufzukaufen.
Wenn ich erst morgen nach dem Aufstehen, also so am frühen Nachmittag, dort erschienen wäre, hätte ich nie mitbekommen, dass es diesen Bressot überhaupt grade im Angebot gab, weil der morgen garantiert blitzschnell ausverkauft ist, das kenne ich schon, das ist meistens so.
Die Insel ist seit zwei Tagen gesteckt voll mit Urlaubern und die kaufen alle ein wie die Blöden, eine wahre Heuschreckenplage, diese Touristen.

Ich habe mich vor allem deshalb so gefreut, weil ich aus unserem Vorratsbestand exakt gestern das letzte Töpfchen geöffnet hatte und ich mich schon seelisch moralisch darauf eingestellt hatte, dass ich danach für die nächste Zeit dann mal keinen Frischkäse mehr essen kann, weil dann halt alle und nicht beschaffbar. Es ist ja nicht nur so, dass das Zeug bei Lidl besonders günstig ist, wenn es im Angebot ist, das auch, aber es ist ansonsten einfach nicht zu kaufen, auch nicht für teuer, und das finde ich viel schrecklicher. Auf dem Festland könnte ich noch in dem großen Feinkostrewe Glück haben, die haben auch diese Sorte regulär gelistet, aber hier auf der Insel gibt es genau diese Sorte sonst eigentlich gar nirgends und deshalb ist es eben eine besonders glückliche Fügung, dass ich heute unsere Vorräte wieder für die nächsten drei Monate aufstocken konnte. Zum Glück hält sich das Zeug grundsätzlich auch locker zwei Monate über das angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum, genau deshalb habe ich auch gleich 15 Pakete erworben.

Anschließend sind wir zum Onkel gefahren, ich habe meine Nebenkostenabrechnungen noch mal vorsichtshalber von seinem Faxgerät aus per Fax versendet, in der deutschen Verwaltung ist Faxübermittlung fristwahrend zulässig, eingescannt per E-Mail nicht, mehr muss man über deutsche Verwaltung eigentlich auch gar nicht wissen.

Die Kinder sind auch mitgefahren und haben sich vom Onkel zeigen lassen, wie man Apfel- und Birnbäume beschneidet. J hat sich einen Zusatzjob in Berlin besorgt, wo er einem älteren Ehepaar bei der Gartenpflege helfen soll, um wenigstens den Hauch einer Ahnung zu haben, für die Dinge, die er da tun soll, gab es heute einen (Winter)Crashkurs beim Onkel.

K hat dann noch mit dem Onkel die Umstellung des Telefons von Telekom auf Vodafone besprochen, weil die Telekom sich in der letzten Zeit zu einer derart unintuitiven und nicht gangbaren Serviceonlinewüste entwickelt hat, dass jetzt endgültig das Maß voll ist.
Der Onkel spart in zwei Jahren durch die Umstellung von Telekom auf Vodafone fast 1.000 € UND landet in einem deutlich besser strukturierten Onlineportal* für die Verwaltung der Verträge, dass in so einem Fall auch der eingefleischteste Telekomtraditionskunde gerne wechselt.

*okay, natürlich wird es nicht wirklich der Onkel sein, der in dem Onlineportal landet, sondern nur seine Verträge, die dann künftig von mir/uns dort verwaltet werden, aber genau deshalb finde ich es ja auch so wichtig, dass die Online-Verwaltung problemlos funktioniert.

Dann fuhren wir wieder nach Hause, ließen die Kinder beim Onkel, die durften dort noch weiter Bäume beschneiden, ich hatte aber Hunger und habe zuhause erstmal fix eine Kartoffelsuppe gekocht und mit Blätterteig-Schinkenröllchen bzw. Blätterteig-Pestoröllchen** als vegetarische Variante, ergänzt, sehr leckeres Abendessen.

**geht ganz leicht: Man nehme eine Packung Fertigblätterteig aus dem Kühlregal, schneide sie in ca. 20 kleine Stücke, rolle dann jedes Stück mit dem Nudelholz noch etwas größer aus, bestreiche es mit rotem Pesto, rolle es dann von der Längsseite her zusammen, ich verzwurbele die fertige Rolle dann meist noch durch Insichverdrehen, dann wälze ich sie in geriebenem Käse und dann lege ich sie aufs Backblech, im Ofen braucht es ca. 12 Minuten bei 200°C. Die Schinkenröllchen gehen genauso, nur statt Pesto nimmt man Schinken und rollt den mitsamt dem Blätterteigstück auf. Ist ein wunderbarere Fingersnack, leicht herzustellen, macht aber immer viel Eindruck

Tja, und dann war es 18h, mir fiel keine Ausrede mehr ein und ich habe mich an den Rechner gesetzt.

Für morgen nur noch Sendeknopf drücken und zwei E-Bilanzen, das ist ja wohl eine Kleinigkeit
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Samstag, 28. Dezember 2019
Donnerstag bis Samstag
Was das Tagebuchbloggen angeht, habe ich heute ja sogar schon drei Tage aufzuholen, da die letzten beiden Tage zwar lange Texte veröffentlicht wurden, aber eine Tageszusammfassung fehlte komplett.

Ich gebe es zu, erstens gab es nicht viel zu erzählen, weil hier hauptsächlich Abhängen galore stattfindet, was außer der darin liegenden Ereignislosigkeit auch eine ungemeine Antriebslosigkeit nach sich zieht, zweitens habe ich mich aber auch sehr über das Weihnachtsgeschenk von N gefreut, der mir nämlich "Jokerblogbeiträge" geschenkt hatte und wenigstens einen davon wollte ich schon mal gleich als erstes auch einsetzen.

Jetzt ist alles eingerichtet, N ist registrierter Contributor für dieses Blog und wenn ich künftig mal einen akuten Durchhänger habe und keine Zeit, etwas zu Bloggen, dann rettet N die Familienehre und springt mit einem medizinischen Notfallbeitrag in die offene Wunde Lücke und sorgt für eine unterbrechungsfreie Bloghistorie.
Bisher hatte ich nur J als Backoffice-Partner, jetzt ist auch N dabei. Mir gefällt das ungemein gut.

Vorgestern ist aber auch wirklich nicht sehr viel passiert.
Tagsüber haben wir eine Runde mit den Rädern gedreht, einmal bis ans Ende des Deckwerks und Strandholz gesammelt. N hat einen sehr genialen, sehr großen Strandholzbalken gefunden, der jetzt im Schuppen steht, um langsam zu trocknen. Anschließend möchte ich ihn als Gestell für eine Esstischleuchte verwenden. Kann man für 589 € bei einem Lampendesigner kaufen - oder einfach selber machen. K hat sich schon seufzend in sein Schicksal gefügt.
Am Abend kam der Onkel zum Essen, wir hatten einen Nudeltopf mit Filetspitzen und frischen Champignons und eine vegetarische Lasagne vorbereitet, Hühnersuppe als Vorspeise, nach Nachspeise hat keiner mehr gefragt, wir waren pappsatt. Nur Bier ging noch rein. Und ein Basil-Smash, vielleicht war das der Grund, weshalb die Stimmung durchaus gehoben war, der Onkel fuhr auf alle Fälle erst nach Mitternacht sehr fröhlich nach Hause.
Als mir N im Laufe des Abends anbot, dass dies doch eine ideale Gelegenheit wäre, um einen seiner Beiträge einzusetzen, konnte ich ihm nur zustimmen, so passte alles perfekt zusammen.

Gestern war dann ja theoretisch ein normaler Arbeitstag und ich hatte mir Großes vorgenommen, denn ich habe ja noch eine langsam immer dringlicher werdende Liste an Dingen, die bis zur deadline 31.12. erledigt sein müssen.
N fuhr mit der 7.30h Fähre zurück aufs Festland, C hatte sich angeboten, ihn zur Fähre zu bringen, ich war ebenfalls aufgestanden, um Tschüss zu sagen, aber knapp waren die beiden abgefahren, lag ich auch schon wieder im Bett und schlief erst mal bis 10h.
Nach dem Aufstehen wollte ich unbedingt erst mal einkaufen gehen, zwei Tage ohne Ladenkontakt, das fühlte sich ja schon fast wie Entzug an. Außerdem hatte sich ohne Ende Glasmüll angesammelt, das Bier war alle und eine Riesentüte sonstiges Pfandzeug wollte auch weggebracht werden, es lohnte sich also, den Fahrradanhänger rauszukramen, das Wetter war kalt aber trocken, da kann man sehr gut Fahrradfahren.
Danach habe ich mich brav an den PC gesetzt, eine Veröffentlichung habe ich geschafft, dann verließ mich Energie und Motivation und ich bin wieder ins Bett gegangen.
Nach vier Stunden Nachmittagsschlaf war ich fit fürs Abendessen, es gab Bratkartoffeln und Reste vom Vortag, anschließend einen fast fertigen Blogtext nur noch feinpolieren, dann wieder Bett, so kriegt man Tage auch rum.

Zu meinem Kummer werde ich von der ganzen Schlaferei nicht wacher, sondern groove mich nur immer mehr ein, in dieser Dauererschöpfung. Heute also auch wieder lange geschlafen, dann aber an den Schreibtisch gehechtet und nicht wieder aufgestanden, bis ich endlich die beiden Nebenkostenabrechnungen fertig hatte, die ansonsten in drei Tagen verjähren.
Ich muss noch mehr Nebenkostenabrechnungen fertigstellen, aber die anderen Mieter kriegen alle was zurück, da wird das mit der Verjährung wohl eher kein Problem sein.
Für diese beiden Abrechnungen habe ich fast vier Stunden gebraucht, weil ich jedesmal, wenn ich dachte, jetzt ist alles fertig, doch noch wieder einen Fehler entdeckte und alles noch mal neu machen musste. Wenn man derart unmotiviert seine Arbeit erledigt, wie ich das derzeit mache, scheint das mit der Qualität ein ernstes Problem zu sein.

Jetzt noch als to-dos bis Dienstag: vier Steuererklärungen und zwei E-Bilanzen. Dann ist alles erledigt. Stay tuned, es bleibt spannend.

Nach den vier Stunden am Schreibtisch hatte ich ausdrücklich keine Lust mehr und wollte vor die Tür.
Draußen war es aber a****kalt, ganz plötzlich und unerwartet, gestern war es noch dick über Null Grad, heute fror ich schon beim Haustüröffnen.
Wir sind deshalb einfach nur so eine Runde mit dem Auto einkaufen gefahren, um vor Ort festzustellen, dass wir eigentlich nichts brauchen, aber ich habe mal eine Tüte Tiefkühlerbsen gekauft, man weiß nie, ob sich da nicht plötzlich ein akuter Mangel zeigt, wenn keine Tiefkühlerbsen im Haus sind.
Anschließend noch beim Onkel vorbeigefahren, um die Hilti zurückzubringen und einen vollen Komposteimer hatte ich auch gesammelt, der Onkel war aber unterwegs, so waren wir schnell wieder zu Hause.

Zum Abendessen gab es gebackenen Hasselback Kürbis, ein Rezept, was ich schon mehrfach gemacht habe und was immer sehr lecker war. Diesmal hatte ich einen kleinen Butternut Kürbis und einen Spaghettikürbis, weil ich die nebeneinander probieren wollte, um rauszufinden, welcher mir besser schmeckt.



Ich glaube, ich mag den Butternutkürbis mehr, C sagte, sie zieht den Spagghetiitkürbis vor, so sind die Geschmäcker halt unterschiedlich.
Als Beilage gab es Quinoa und Kartoffelspalten (Kartoffelspalten, weil Kartoffelspalten, damit kann ich nie etwas falsch machen und ich wusste nicht, wie die Kinder Kürbis und Quinoa finden werden.)

Kartoffelspalten sind natürlich alle, aber von beiden Kürbissen ist noch jeweils die Hälfte übrig und Quinoa ist auch noch da, morgen werde ich das einfach untereinandermengen und mit Käse überbacken.

Im Fernsehen kommt nur Müll, die Kinder sind nach dem Essen sofort wieder in Cs Zimmer verschwunden, um weiter Papermario zu spielen. Sie haben die Gamecube aus den 90ern rausgekramt und nach den Geräuschen zu urteilen, die bis hier nach oben dringen, haben die beiden viel Spaß.

K hat den Ofen angeworfen und sich über die Anfeuerungsflamme gefreut
Er hat schon letztes Jahr größere Mengen dieser Pressholzbriketts mit Loch in der Mitte gekauft, jedes Mal, wenn er damit den Ofen anfeuert, ruft er vorher: "Komm mal mit der Kamera, gibt ein tolles Foto zum Bloggen."
Er hat natürlich recht, weshalb ich es diesmal auch endlich pflichtschuldigst hochlade.
Voilà, Anfeuerungsflamme durch Loch im Brikett:


Mehr ist nicht passiert, für morgen ist ein weiterer Aktivitätsschub geplant
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Freitag, 27. Dezember 2019
Warum ich arbeite
Im Moment kursiert im Internet die Frage: Was würdest du tun, wenn du das Gehalt, das du im Moment bekommst, weiterbekämst, ohne dass du dafür arbeiten müsstest?

Für mich ist die Antwort schwierig, weil ich einerseits natürlich hauptsächlich arbeiten gehe, weil ich damit Geld verdiene (zumindest habe ich es deshalb mal begonnen zu tun), andererseits gehe ich aber auch arbeiten, weil ich nicht wüsste, was ich besseres tun könnte.
So habe ich sicher keine Lust, meine Zeit überwiegend damit zu verbringen, dass ich zuhause rumsitze und darauf warte, dass K heimkommt und gleichzeitig hätte ich noch viel weniger Lust darauf, dann im Wesentlichen auch allein für die anfallende Hausarbeit verantwortlich zu sein, was gefühlt automatisch eine unausgesprochene Erwartungshaltung wäre, weil, wenn man keiner bezahlten Lohnarbeit nachgeht, muss man ja irgendwas mit seiner Zeit anfangen.

So wenig, wie ich tatsächlich überwiegend keine Lust habe, ins Büro zu gehen, so wenig fällt mir aber auch ein, was ich alternativ tun könnte, denn die einzige Alternative, die mir wirklich Spaß machen würde, nämlich irgendwas gemeinsam mit K zu machen, fällt aus, weil K ja keine Zeit hat, wenn er selber noch arbeiten geht.

Deshalb lautet meine Antwort, dass ich natürlich sofort aufhören würde zu arbeiten, wenn ich mein Gehalt auch ohne Arbeit bekäme, aber nur dann, wenn für K dasselbe Angebot gilt und wir dann beide gemeinsam nicht mehr arbeiten müssten. Wenn K dagegen unverändert weiterarbeiten muss, dann würde ich einfach auch weiterarbeiten und dann halt das doppelte Geld verdienen, aber alternativ zu Hause bleiben und den Haushalt machen, finde ich keine erstrebenswerte Alternative.

Wenn ich Single wäre und K gäbe es nicht, wäre meine Antwort sicherlich auch noch mal eine andere, aber es sind halt immer jede Menge "wenns" zu bedenken und in der aktuellen Konstellation, in der die Realität halt ist wie sie ist, ist für mich die Bezahlung in meinem Job sicherlich wichtig, aber nicht mehr der einzige Grund, weshalb ich den Job mache.

In meinem Job erledige ich Dinge, die getan werden müssen, wenn ein Unternehmen erfolgreich funktionieren soll, ich bin zuständig für die Organisation der Verwaltung, das Rechnungswesen und das Controlling.
Diese Sorte Jobs sind üblicherweise ziemlich gut bezahlt.

Und genau deshalb habe ich mich auch für diesen Beruf ausbilden lassen, weil die Frage, in welchem Beruf ich mit dem geringsten Aufwand und gleichzeitig der höchsten Sicherheit das meiste Geld verdienen kann, das entscheidende Hauptkriterium war, als ich mir vor knapp 40 Jahren überlegt habe, was ich denn künftig für einen Job machen könnte.

Ich gebe es ganz offen zu: Mir ist Geld wichtig.

Mir ist es allerdings überhaupt nicht wichtig als Statussymbol oder als Vergleichsmaßstab beim Schwanzvergleich, mir ist es einfach nur wichtig als persönliche Absicherung meiner Freiheit und als Grundlage dessen, was ich mir unter einem "guten Leben" vorstelle.

Selbstverständlich gibt es unendliche viele Definitionen, was sich einzelne Menschen unter einem "guten Leben" vorstellen, meine Definition als Kind/Jugendliche lautete: Ich möchte mir jederzeit eine Portion Pommes Frites mit Sauce kaufen können und immer noch genug Geld übrig haben, um mir ein Busticket in die nächste Stadt leisten zu können - und ich möchte dabei nicht von dem Wohlwollen eines anderen abhängig sein.

In der Familie meiner Kindheit war Geld ständig knapp. Überall musste gespart werden, gekauft wurden nur Dinge, die man nicht selber machen oder selber anbauen konnte.
Mit 15 bekam ich 5 DM Taschengeld in der Woche, eine Portion Pommes Frites mit Schaschliksauce kostete 1,20 DM, eine Busfahrkarte in die nächste größere Stadt 2,50 DM, wirklich weit kam ich mit meinen 5 DM also nicht.
Mein Wunsch damals: Ich möchte so viel Geld haben, dass ich - wenn ich will - jeden Tag Pommes Frites essen kann und ich will jederzeit die Möglichkeit haben, genau dorthin zu fahren, wo ich hin möchte UND ICH MÖCHTE DAS MIT NIEMANDEM DISKUTIEREN!

Im Wesentlichen würde ich diese Wünsche heute immer noch als die zentralen Vorstellungen für ein "gutes Leben" nennen, wobei mir die Unabhängigkeit dabei immer am allerwichtigsten war. Als Kind musste ich mich bei meinem Vater rechtfertigen, wofür ich mein Taschengeld ausgab, womit der Grundstein für meine extreme Abneigung gegen finanzielle Abhängigkeit und Kontrolle sehr früh gelegt war. Das Mutter-und-Hausfrau-Modell war damit für mich schon mit 15 absolut keine Option mehr. NIEMALS hätte ich meine Freiheit dafür aufgegeben, weshalb ich auch mit 15 sehr sicher war, dass ich keine Kinder haben will.

Als erstes sorgte ich also sehr früh dafür, dass ich selber Geld verdiente, erst mit Nachhilfe und dann mit Blockflöten- und Klavierunterricht, ich war aber auch Türsteher in einer Disco (wo ich dann sogar Karriere machte und mich bis zur Chefbedienung hochgearbeitet habe), ich hatte eine Putzstelle (weil die für eine Stunde Putzen mehr bezahlten als andere für eine Stunde Klavierunterricht) und ich habe eine Zeitlang als Mannequin und Messehostess gearbeitet (groß und dünn genug war ich ja).
Gleichzeitig nahm ich natürlich zusätzlich das Taschengeld und anschließend den Unterhalt während des Studiums ohne Bedenken an, weil ich mir durch mein selbstverdientes Geld eine Unabhängigkeit erarbeitet hatte, die mir Taschengeld und Unterhalt als angenehmes add-on erscheinen ließ, auf das ich im worst case aber jederzeit hätte verzichten können. MIT Taschengeld und Unterhalt konnte ich mir aber auch sehr früh dieses angestrebte Luxusleben leisten - ich aß damals enorm viel Pommes Frites und fuhr nicht mehr Bus, sondern hatte ein eigenes Auto.
Aber sehr viel größer wurden meine Luxusbestrebungen nie und ich würde bis heute behaupten, dass ich nicht sehr viel mehr als Pommes Frites, eine individuelle Mobilität und eine maximale finanzielle Unabhängigkeit brauche, um zufrieden zu sein.

Ich glaube, diese finanzielle Unabhängigkeit ist das Trauma meines Lebens. Meine allerallergrößte Sorge war stets, dass ich aus welchen Gründen auch immer jemand anderen um Geld bitten muss. Deshalb wollte ich stets einen Job haben, bei dem es absolut selbstverständlich ist, dass er gut bezahlt ist und bei dem der Arbeitgeber hinter dem Arbeitnehmer herläuft, denn auch Gehaltsverhandlungen gehören zu den Dingen, die ich im Wesentlichen verweigere.

Mein Glück war, dass BWL und Steuerrecht zufällig zu den Dingen gehören, für die ich eine gewisse Grundbegabung mitbringe. Hätte ich nur unter Jobs wie Kunsthistoriker, Kindergärtner oder Maurer wählen können, um meine berufliche Erwartungshaltung (hohes Gehalt und sicherer Arbeitsplatz) umsetzen zu können, hätte ich sicher noch mal neu überlegt, aber unter den gegebenen Bedingungen war die Entscheidung einfach und schnell getroffen.
Eine Überlegung, die bei der Berufswahl für mich übrigens nur eine sehr untergeordnete Rolle spielte, war die Frage, ob mir der Job Spaß macht. Es reichte, wenn ich es nicht allzu gruselig fand, was ich da gegen Bezahlung so arbeitete.

Im Rahmen meiner Jobberei als Mannequin und Messehostess bekam ich dann auch einmal das Angebot für eine "persönliche Begleitung" eines älteren Herren* und ich fand das völlig cool. 500 DM sollte ich für einen Abend bekommen - und noch ein schickes Abendessen. Ich habe da gründlich drüber nachgedacht und mich schließlich sehr klar und rational für diesen Job entschieden, denn hey, wo ist das Problem? Ist doch nur im Kopf, also abstellbar.

Dachte ich.

Klappte nicht ganz.

Ich lernte an dem Abend, dass mein Unabhängigkeitsanspruch ein absoluter war und ich es weder leiden konnte, jemandem finanziell ausgeliefert zu sein, noch körperlich. Deshalb bin ich an dem Abend noch rechtzeitig in dem Restaurant durchs Klofenster in den Hinterhof geklettert und von dort aus getürmt - unangenehmen Diskussionen entziehe ich mich übrigens sehr gerne durch Weglaufen.

*rückwirkend betrachtet war der Mann damals wahrscheinlich höchstens Mitte vierzig, ich muss grade ein wenig grinsen, wie sich da im Laufe des eigenen Älterwerdens die Beurteilung verschoben hat, aber in meiner Erinnerung war er damals definitiv ein alter Mann

Das fällt mir jetzt alles so ein, wenn ich darüber nachdenke, weshalb ich den Job mache, den ich mache und wie sich für mich die Bedeutung von Geld im Laufe der Zeit verändert hat. Denn eigentlich hat sich hier kaum etwas verändert, mir ist Geld immer noch wichtig als Absicherung der finanziellen Freiheit, da ich aber genau dieses Ziel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft bis an mein Lebensende jetzt schon erreicht habe, ist für mich auch ein starker Antriebsfaktor weggefallen, überhaupt noch zu arbeiten.
Da ich aber gleichzeitig auch finde, dass es sich nicht lohnt, das eigene Leben nur für einen begrenzten Zeitraum komplett anders zu organisieren und umzukrempeln, arbeite ich eben einfach weiter, werde weiter dafür bezahlt - und kokettiere mit dem Bewusstsein, dass ich dadurch mehr Geld habe als ich brauche.
Denn genau das ist ja auch so ein Thema: Geld einfach deshalb auszugeben, weil es da ist, widerstrebt mir mindestens so sehr wie Gehaltsverhandlungen. Mein Ausgabeverhalten hat sich in den letzten Jahren also nur sehr wenig verändert und ich fürchte auch, um Geld wirklich mit vollen Händen zu verplempern, fehlt mir jede Begabung.

Ich leiste mir zB den Luxus von inzwischen acht verschiedenen Gleitsichtbrillen (plus drei Sonnenbrillen) - und ich werde mir wieder neue kaufen, wenn ich Gestelle sehe, die mir gefallen. Einfach weil es mir Spaß macht. Ich finde aber, es reicht, wenn ich mir die als Set im Sonderangebot bei eyes&more kaufe. Auf Vergleichspreise bei einem normalen Optiker umgerechnet habe ich also wahrscheinlich höchstens eine bis anderthalb Brillen - aber ich bezweifle, dass ich durch die etwas anderes sehen würde.

Es gibt eine Menge Luxus, die ich mir sehr bewusst und überlegt leiste, bspw. auch die Verweigerung, mein Haus auf Borkum an Gäste zu vermieten, denn entgangene Einnahmen sind betriebswirtschaftlich das gleiche wie Ausgaben, aber auf diese Einnahmen verzichten zu können, das ist ein Luxus, den ich mir mit Wonne leiste. Und da das Haus auch komplett abbezahlt ist, kostet es nur noch die laufenden Nebenkosten, die so ein Haus eben verursacht, insgesamt also sehr überschaubare Beträge.

Umgekehrt verzichte ich dafür auf viele Dinge, die für andere ein Luxus sind, die mir aber wenig oder gar nichts bedeuten, weshalb der Verzicht kein Verzicht ist, weil ich ja auch keinen Mehrwert dadurch hätte.
Ich brauche zB normalerweise keine "neuen Dinge" im Sinne von "Erstbesitzer" oder so.
Ich habe in meinem Leben zweimal einen fabrikneuen Neuwagen besessen, einen habe ich geschenkt bekommen (und hätte genauso gerne auch einen gebrauchten genommen) und den zweiten habe ich mir selber gekauft, einfach weil es das Modell mit der Ausstattung nicht gebraucht gab und gleichzeitig der Neupreis durch irgendwelche seltsamen Rabattkonstellationen des Händlers so sehr gesenkt wurde, dass es nur noch unwesentlich teurer war als ein gebrauchtes Auto mit anderer/schlechterer Ausstattung. Aus genau diesem Grund habe ich genau dieses Auto auch einfach mal so auf dem Rückweg vom Kindergarten gekauft. Ich besuchte damals öfter mal Autohäuser auf der Rückfahrt vom Kindergarten, N hatte nämlich damals eine starke Zuneigung zu Autoprospekten und so klapperte ich mit ihm systematisch alle Autohäuser im Umkreis ab, eigentlich um das Kind zu bespaßen, aber in einem habe ich dann auch tatsächlich ein Auto gekauft. - Und es über 16 Jahre gefahren.

Genauso wenig wie neue Autos brauche ich sonstige Dinge in neu. Meine Garderobe stammt zu 95% vom Flohmarkt oder aus dem Secondhandshop, das gleiche gilt für meine Inneneinrichtung oder andere "Investitionsgüter".

Urlaub im Sinne von Verreisen ist mir mittlerweile nicht nur unwichtig, sondern sogar schon eher anstrengend geworden, K würde gerne mehr Verreisen, zum Glück haben wir dafür nicht genug Zeit :-)

Und meine Alltagseinkäufe erledige ich schon aus reiner Bequemlichkeit am allerliebsten beim Discounter und mit einer ziemlich unspektakulären Einkaufsliste, die nur sehr selten mal Dinge enthält, die auf dem Bon nachher zweistellig ausgewiesen werden.
Ich habe einen ausgesprochen undifferenzierten Geschmack, Feinkostartikel finde ich in den allermeisten Fällen langweilig, das gleiche gilt übrigens für teure Restaurants. Im Zweifel träume ich immer noch von einer Portion Pommes Frites mit Schaschliksauce als Lieblingsessen aller Zeiten, italienische Gourmetlokalitäten haben mich dagegen fast noch nie überzeugt.

Das alles zusammengenommen führt dazu, dass ich tatsächlich nur ein relativ geringes Monatsbudget für laufende Ausgaben benötige und deshalb so entspannt davon ausgehe, dass ich alles, was ich mindestens im Monat brauche, auch bestimmt zur Verfügung haben werde.

Aktuell arbeite ich also nicht mehr, weil ich Geld verdienen muss, sondern nur, weil ich noch kein besseres Konzept für die nächsten fünf Jahre gefunden habe. Aber wenn ich mich für meine Arbeit bezahlen lasse, dann habe ich auch den Anspruch an mich selber, sie ordentlich zu machen - und genau deshalb jammere ich so oft darüber, weil anstrengend ist es dann halt schon
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Donnerstag, 26. Dezember 2019
How to: Verdauung.
Der Körper ist ein wahnsinnig faszinierendes Wunder. Wenn man sich mal damit beschäftigt und lernt, was alles so falsch laufen kann, merkt man erst einmal, wie froh die meisten von uns sein sollten, dass eigentlich der Großteil weitestgehend gut funktioniert. Eine kleine, winzige Änderung in der DNA – wir reden hier von den Bauteilen A, T, C, G – an einer falschen Stelle kann bewirken, dass der Körper „falsch“ oder im Zweifel auch gar nicht funktioniert.
Diese Erkenntnis hatte ich schon früh im Biologie-Unterricht während der Schule, viele weitere, die meine Faszination für dieses Wunderwerk nur befeuern, habe ich dann im Studium erlangt. Mir ist dabei auch aufgefallen, dass ein Großteil des Studiums daraus besteht, eine eigene Sprache zu lernen, sodass der „einfache Pöbel“ nicht mehr versteht, worum es geht.
So kam mir die Idee, ein paar Texte über die verschiedenen Organsysteme im Körper zu schreiben, einerseits um mal zu erfahren, ob ich gut darin bin; andererseits aber auch als Geschenk für meine Mutter, die sie als Notfalllösung für ihren Blog nutzen kann. Sie hat mir mal erklärt, dass ich wohl recht begabt darin sei, Dinge verständlich zu erklären – das hat sie (bzw. ihre Leser…) jetzt also davon.

Das Verdauungssystem ist strenggenommen nur ein großer langer Schlauch, der sich durch den Körper zieht, – jeder kennt den Witz „Wenn zwei sich küssen, entsteht eigentlich nur eine Röhre mit zwei Arschlöchern am Ende“ – und mittels Muskelbewegungen Nahrung aufnimmt, zerkleinert, zerlegt, mit Speichel versetzt und den Rest dann am Ende zusammen mit Stoffwechselabbauprodukten nach draußen befördert. Das Ganze dauert durchschnittlich ein bis drei Tage, wobei der längste Weg (bis zum Dickdarm) meist schon nach etwa 10 Stunden zurückgelegt ist. Die größte Varianz ergibt sich durch die unterschiedlich lange „Verweilzeit“ im Enddarm, also den 20 Zentimetern kurz vor’m Poloch. Ich glaube jeder weiß, wie lange man zur Not zurückhalten kann…
Mund, Speiseröhre (Ösophagus) und Magen (Gaster) werden innerhalb der ersten drei Stunden passiert. Im Magen herrscht ein saures Milieu, was einerseits eine erste immunologische Barriere ist, da hier Bakterien größtenteils eliminiert werden. Andererseits zersetzt die Säure die Nahrung und trägt so gemeinsam mit den Verdauungsenzymen* im Speichel zur Aufnahme der Nährstoffe bei.
*Praktische Übung: Wenn man Weißbrot lange im Mund kaut, schmeckt es irgendwann süß. Denn der Speichel spaltet die Kohlenhydrate des Brots, sodass schrittweise u.a. Glucose, der wichtigste Baustein von normalem Zucker, entsteht. Glucose kann nicht nur geschmeckt werden (der „gute“ Geschmack ist ein Anreizsystem des Körpers, denn Glucose ist ein wunderbarer Energielieferant), sondern auch besser von den Darmzellen aufgenommen werden.

Ein Schließmuskel am Magenausgang schleust nach und nach den Mageninhalt in den Darm (Intestinum), so wird nicht nur garantiert, dass der Aufenthalt im Magen ausreichend lang ist, sondern auch sichergestellt, dass nicht zu viel saurer Magensaft gleichzeitig in den – dagegen schutzlosen – Darm gelangt. Es folgt der erste Abschnitt des Dünndarms, das etwa zwölffinger-lange Duodenum, wo gleich zu Beginn ordentlich Bauchspeichel der sauren Magensuppe beigemengt wird. Bauchspeichel ist basisch, neutralisiert also die Säure. Der Brei wandert mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 0,0006 km/h (ca. 7 Stunden für ca. 4 Meter) weiter, während in einer nun relativ pH-neutralen Umgebung die dadurch aktivierten Verdauungsenzyme wunderbar arbeiten können. Im Dickdarm wird das restliche, unverdauliche Etwas dann entwässert und somit komprimiert, sodass es in der Ampulle des Enddarms (≙Mastdarm≙Rektum) gespeichert werden kann. In den letzten Zentimetern vor dem finalen Schließmuskel besitzt jeder von uns mehrere Ringmuskeln, die nicht nur ausreichend dichthalten, sondern auch in der Lage sind, nicht-festen Inhalt zu erkennen, was uns letztlich ermöglicht, einen einfachen Furz von einer größeren Aktion zu unterscheiden. Glücklicherweise haben wir Menschen an den äußersten Ringmuskeln eine willentliche Innervation, sodass wir uns nicht automatisch entleeren, wenn Druck und Entspannung gleichzeitig** da sind.
**Ich muss selber etwas schmunzeln - mit Druck meine ich hier die Füllung des Enddarms und mit Entspannung den Zustand, in dem sich ein Lebewesen nervlich befindet, wenn kein Feind oder eine sonstige Gefahr da ist. Um mich jetzt nicht in einem meiner Lieblingsthemen, der Neurophysiologie, zu verlieren, breche ich den Exkurs an dieser Stelle knallhart ab. Wie unser Nervensystem aufgebaut ist, erkläre ich hier, sobald meine Mutter wieder zu beschäftigt/faul ist, etwas Eigenes zu veröffentlichen.
Alles, was im Magen oder Darm von den Zellen aufgenommen und an das Blut abgegeben wird, wird zur Leber geschleust. Dieses „Pfortadersystem“ ist überlebenswichtig, da die unzähligen Bakterien im Darm bei der Zersetzung der Nahrung neben einigen nützlichen Stoffwechselprodukten auch viel Ammoniak und sonstige Gifte produzieren, die unser Darm leider auch aufnimmt. Die Entgiftungsfunktion der Leber ist wohlbekannt, ich denke ich brauche hierüber nicht viele Worte verlieren. Sie speichert außerdem Glucose, indem sie sie wieder langkettig vernetzt, stellt einen Teil des Bauchspeichels*** her, reguliert den Fetthaushalt im Blut (bzw. versucht es…) und produziert wichtige Stoffe und Faktoren für unser Immun- und Gerinnungssystem. Ich trage mit dieser kurzen Aufzählung der Wichtigkeit der Leber kaum Rechnung – dass sie sich selbst regenerieren kann, eine gewisse immunologische Toleranz**** ausbildet usw. macht sie nur interessanter. Der Einfachheit halber belasse ich es aber bei diesen kurzen Ausführungen – ein grobes Bild sollte dadurch geschaffen sein.
***Ich habe die Bauchspeicheldrüse (das (sic!) Pankreas) bislang nicht erwähnt, ihre Funktion ist durch den Namen schon weitestgehend erklärt. Außer dem „nach außen“ (=exokrin) gespuckten Bauchspeichel produziert die Drüse aber auch einige ins Blut (=endokrin) abgegebene Stoffe, allen vorweg Insulin. Ganz grob zusammengefasst ist die Regulation hier ziemlich einfach: Glucose im Blut hoch = Insulinausschüttung; Glucose niedrig = Glucagonausschüttung (regt die Leber an, die gespeicherten Glucoseketten wieder aufzulösen). Sorry, sehr viel mehr ist das nicht – Diabetes (eigentlich Diabetes mellitus) ist entweder eine „angeborene“ Störung bei der Sekretion (die dafür zuständigen Zellen werden autoimmunologisch zerstört) oder aber eine „erworbene“ Resistenz gegen Insulin.
****Man muss hier im Hinterkopf behalten, dass in der Leber tausend verschiedene Stoffe – darunter einige Gifte – verarbeitet werden. Wenn unser Immunsystem hier direkt anspringen würde, wäre das blöd, ergo ist das Immunsystem innerhalb der Leber etwas gedämpfter. Zeigt sich in der Praxis durch die vergleichsweise niedrige Anzahl an Abstoßungsreaktionen bei Lebertransplantationen.


Mediziner sprechen manchmal von einem dritten Blutkreislauf, gemeint ist damit neben dem Lungen- und Körperkreislauf das besagte Pfortadersystem. Die Leberzellen entgiften und regulieren also das eintreffende Blut und geben es in die „untere Hohlvene“ (Vena cava inferior) ab, die wiederum das verbrauchte Blut aus den Beinen und Beckenorganen (ich zähle neben der Blase, der Gebärmutter/Prostata und den Eier(stöcke)n auch einfach mal die Nieren und Nebennieren dazu…) führt. Ab dem Einmünden der Lebervenen ist der Weg zum Herz übrigens nicht mehr lang, die Leber liegt zu einem Großteil nämlich gut geschützt hinter dem Brustkorb und gar nicht so weit im Bauch.
Und so endet die sehr grobe Ausführung über unser Verdauungssystem nach inzwischen viel mehr Text als ich dachte; und das obwohl ich über einige spannende Dinge kein Wort verloren habe, wie z.B. die Tatsache, dass der lange Schlauch durch ein riesiges eigenes Netzwerk koordiniert wird, was aus mehr Nervenzellen besteht als unser Rückenmark
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Mittwoch, 25. Dezember 2019
Regenbogen und Ferienwohnungsverwendung
Sehr ruhiger Tag hier, wir haben alle lange geschlafen und dann hat jeder ein wenig in seinem Internet rumgekroost.
Die Kinder guckten Netflix über AppleTV auf dem Fernseher und/oder in ihr Macbook bzw. PC bzw. iPad oder Handy, teilweise alles gleichzeitig, bei der Vielzahl der elektronischen Geräte, über die heute jeder verfügt, weiß man ja gar nicht mehr, wie man das beschreiben soll, es hat sich auf alle Fälle keiner gelangweilt.

Ich habe die Wäsche sortiert und zwei Maschinen Wäsche durchgescheucht, die dritte wartet noch auf ihren Einsatz, weil ich bei dem Wetter schlecht draußen trocknen kann, stecke ich die feuchte Wäsche in den Trockner, der aber nicht gleichzeitig mit der Waschmaschine laufen kann, weil dann immer die Sicherung wegen Überlastung in die Knie geht.
Aber zwei Maschinen sind gewaschen und getrocknet, ist ja auch was.

Am frühen Nachmittag sah das Wetter freundlich genug für einen Spaziergang aus, nach dem es gestern ja wirklich durchgängig nicht nur geregnet, sondern phasenweise auch richtig gegossen hat und wir sehr froh waren, dass keiner von uns vor die Tür gehen musste.

Die Kinder gammelten in Schlafanzug- und Pflegerhosen glücklich vor ihren Geräten rum, also zogen K und ich zu zweit los, ein bisschen frische Luft und einmal Wasser gucken war der Plan.

Als wir in Höhe der Heimlichen Liebe am Strand lang liefen, machte ich ein Foto von dem Insel-Panorama, relativ blauer Himmel, alles war schön.


Dann zog sich der Himmel plötzlich zu und wurde blitzschnell rabenschwarz. Allerdings nur hinter der Promenade, der Leuchtturm lag noch voll im Sonnenlicht, es sah wirklich beeindruckend aus



Die Fotos habe ich alle mit meinem Handy gemacht, keine Profikamera mit Riesenblitz oder so, alles von der Natur ausgeleuchtet und natürlich auch alles ohne Filter. (Gilt hier ja immer, außer ich schreibe es ausdrücklich dazu.)

Gleichzeitig fing es an zu regnen, so dass sehr schnell ein wunderschöner Regenbogen entstand.
Und ich weiß jetzt, wo ich nach dem Gold graben muss: Am Fuß vom Sendemast.


Das untere Foto hat K gemacht, der hat schon das neue iPhone mit einer deutlich besseren Kamera, die kann jetzt auch Weitwinkel, so dass er den gesamten Regenbogen draufbekam. Ich hätte dafür 20m weit ins Meer laufen müssen, um genug Abstand zu haben, diesen Einsatz war mir ein vollständiger Regenbogen dann doch nicht wert.
Lustig bei diesen Weitwinkelbildern sind dann nur immer die stürzenden Linien, auf dem Originalfoto haben Leuchtturm und Sendemast also gewaltig Schlagseite, hier habe ich dann mit einer "Graderichten-App" etwas korrigiert.

Das ganze Spektakel, mit schwarzem Himmel, Regen und Regenbogen dauerte vielleicht 10 Minuten, dann war der Spuk schon wieder vorbei.

Ich habe anschließend noch ein paar Fotos vom Meer mit Sonne im Gegenlicht gemacht. Weil ich ein Foto haben wollte, wo K genau in diesem gespiegelten Lichtfenster steht, bin ich hinter ihm weiter oben am Strand immer hin und her gelaufen, um die Position perfekt auszurichten, weil ich das Foto als "Schnappschuss" haben wollte und nicht als gestellte Regieanweisung "bleib genau da stehen und gucke nach vorne". Mein hin und her Gerenne verwirrte K aber so, dass er auch immer hin und her lief, was es mir mit meiner "Schnappschussidee" natürlich extra schwer machte - aber es ist gelungen.



Das andere Foto heißt "K kuckt Küste", denn da schaut er genau nach Eemshaven, die Kohlekraftwerke sind verschwommen im Hintergrund zu erkennen. Hier habe ich das mit dem zufälligen Schnappschuss aufgegeben und ihm gesagt, wo er stehen und wohin er gucken soll. Ich finde das Foto trotzdem schön.

Ansonsten habe ich mit der Mutter telefoniert, die erzählte, der Bruder hat sich jetzt auch eine Ferienwohnung hier auf der Insel gekauft - aber nur als Kapitalanlage und vorrangig zur Fremdvermietung, was mir grundsätzlich ja komplett fremd ist.

Dass man sich eine Ferienwohnung kauft, weil man sein Domizil eben nicht mehr mit fremden Leuten teilen will, das kann ich verstehen.
Man kann seine privaten Sachen gleich vor Ort lassen und muss zum Verreisen keine Koffer mehr packen, man kann sich seine Ferienwohnung genau so einrichten, wie es einem selber gefällt und muss keine Sorge haben, dass fremde Leute einem die Dinge kaputt machen oder wegschleppen und das allerwichtigste: Man hat sein eigenes Bett und muss sich nicht mit Phantasien rumplagen, wer wohl schon alles auf die Matratze gepinkelt, gevögelt oder gekotzt hat.
Grade bei Bett bin ich hochempfindlich, ich mag mein Bett schließlich auch sehr.

Ich kaufe alle Kleidungsstücke auf dem Flohmarkt und habe kein Problem damit, weil ich das Zeug ja waschen kann, bevor ich es selber trage. Aber die Matratze in einem Bett kann ich nicht waschen, da kann ich maximal ein sauberes Bettlaken drüberlegen - und dass man jedesmal die Bettdecke und das Kopfkissen durchreinigt, wenn man frisch ankommt, halte ich auch eher für unlösbar, was aber alles für Krabbeltiere in Bettdecken und Kopfkissen hausen können, die andere Leute dort eingeschleppt haben, das sollte man vorsichtshalber nicht googeln.
Krätze ist da noch fast die harmlose Variante.

Und ja, ich habe deshalb auch ein Problem mit Hotelbetten und ich wundere mich seit Ewigkeiten, weshalb Leute meinen, sie würden keine Secondhand-Kleidung tragen wollen - aber ohne mit der Wimper zu zucken im Urlaub in Hotelbetten schlafen, von denen sie mit 100%iger Sicherheit keine Ahnung haben, wer da vorher schon alles dringeschlafen und Dinge drin getan hat. Urrrrgghgh, grusel, schüttel, es ist besser, ich denke da gar nicht drüber nach, weil ich sonst ein ernsthaftes Problem mit Urlaub machen in fremden Betten habe.

Ich sehe gleichzeitig ein, dass nicht jeder die Kohle hat, sich eine Ferienwohnung zur Selbstnutzung zu kaufen, und wenn man Urlaub machen möchte, muss man halt Kompromisse machen - aber wenn ich die Kohle habe und mir so eine Wohnung kaufen kann, ja verflixt, warum hole ich mir dann andererleuts Problemgeziefer ins eigene Haus? Ne, sorry, erschließt sich mir nicht.

Muss es aber ja zum Glück auch nicht. Die allermeisten Ferienwohnungsbesitzer vermieten ihre Wohnungen tatsächlich auch an fremde Leute, weil man da natürlich zusätzlich Geld mit verdienen kann.
Ich glaube, wenn man erstmal so viel Kohle hat, dass man Ferienwohnungsbesitzer sein kann*, dann bricht bei den allermeisten Menschen auch sofort ein gesteigerter Geldgierwahn aus und sie müssen immer noch mehr und noch mehr haben. Ist ein komplett anderes Thema, lässt mich aber auch regelmäßig den Kopf schütteln. K nennt das "das chronische Halsleiden - die kriegen den Hals nicht voll" und ich denke, das beschreibt es ziemlich genau.

*für ganz arme Menschen ist das schon deshalb nichts, weil man die wenigstens Ferienwohnungen zu 100% finanzieren kann, ein gewisses Eigenkapital muss man als Startkapital schon mitbringen

Deshalb soll das jeder machen wie er mag, für mich bleibt es aber für immer dabei: Wenn ich Ferienwohnungen vermiete, dann nur solche, in denen ich nicht selber wohne. Der Onkel zB vermietet seine Ferienwohnungen, weil sie genau dafür gedacht sind: um Urlauber dort wohnen zu lassen. Seine eigenen "Privaträume" vermietet er aber selbstverständlich nicht, die sind halt privat. Und genau das gleiche gilt für mein Haus: Freunde sind natürlich als Besuch willkommen - aber nur, wenn sie mich besuchen wollen und nicht einfach nur eine preiswerte Übernachtung für ihren Urlaub suchen. Und gegen Geld schläft niemand in meinem Bett, ich bin doch keine Nutte
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