anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Donnerstag, 3. Februar 2022
Heiser
Puh, das war ein langer Redetag heute.
Eine Besprechung nach der nächsten, überall musste ich viel sprechen, jetzt bin ich heiser und k.o.

Außer einer sehr langen und aus meiner Sicht sehr erfolgreichen Besprechung mit dem Wirtschaftsprüfer gab es am Abend dann noch ein Bewerbungsgespräch mit einem sehr guten Bewerber, den ich sehr gerne sofort einstellen würde, leider ist er für unser Budget einfach zu teuer. Wahrscheinlich ist er aber auch deutlich überqualifiziert für den Job, den wir hier bim Angebot haben, ich tröste mich also damit, dass ihm bei uns sowieso sehr schnell langweilig geworden wäre und Mitarbeiter, die sich langweilen, kann man noch schlechter halten als Mitarbeiter, die sich unterbezahlt fühlen.

Neulich habe ich mich noch gewundert, wie bescheiden die anderen Bewerber in ihren Gehaltsforderungen waren, dieser war es leider nicht und prompt passt er auch nicht in unseren Rahmenplan. Die Unterschiede in den Erwartungen sind im Zweifel noch größer als die Unterschiede in den Leistungen.
Nun denn.

Dafür ist morgen der erste Freitag in diesem Jahr, an dem ich keine Bürotermine mit Anwesenheit habe und deshalb entspannt Home-Office machen kann, mit diesen erfreulichen Aussichten gehe ich jetzt erschöpft ins Bett
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Mittwoch, 2. Februar 2022
2.2.22
Schnapszahltag.
Kinder, die heute geboren werden, haben Glück, sie haben einen Geburtstag, den sich jeder merken kann. Ob es Eltern gibt, die eine demnächst anstehende Geburt heute künstlich einleiten lassen, um so ihrem Kind dieses besondere Geburtstagsdatum zu sichern, weiß ich nicht, kann es mir aber gut vorstellen, Menschen sind so bekloppt.

Außer dem Geburtstag ist für viele Menschen ja auch ihr Hochzeitstag ein sehr wichtiges Datum, und weil man den besser auswählen kann als ein Geburtsdatum, haben die Standesämter heute Hochkonjunktur.
Wir haben zwar Seuchenzeit und große Feiern sind nicht möglich, aber egal, heute wird geheiratet, denn heute kann man sich ein Schnapszahldatum für die Ewigkeit sichern. Denn für solange werden Ehen ja geschlossen und heute kann man sich nicht nur die Liebe, sondern auch das Datum amtlich besiegeln lassen, mit Behördenstempel und der Unterschrift eines Standesbeamten aus dem mittleren Dienst. Wenn das nicht romantisch ist.

Werden Eheleute befragt, warum sie sich ausgerechnet so ein Schnapszahldatum zum Heiraten ausgesucht haben, bekommt man von der Frau erstaunlich oft die Antwort, dass sie davon ausgeht, dass es damit dem Mann leichter fällt, das Datum nicht zu vergessen. Das erzählte heute ein Reporter, der über den 2.2.22 als Weeding-Boomsday berichtete und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das stimmt.

Was dabei auffällt, ist die Tatsache, dass die Frau schon vor der Ehe sicher ist, dass der Mann ein anderes Verhältnis zu ihrem Hochzeitstag hat als sie, d.h. sie geht ganz selbstverständlich davon aus, dass er den Tag nicht so wichtig findet wie sie und es deshalb eine gute Wahrscheinlichkeit gibt, dass er im Laufe der Zeit diesen Tag vergessen wird. Es ist also eine gute Idee, ihm mit so einem Schnapszahldatum eine Eselsbrücke zu bauen, ewiges Erinnern an den Tag der Tage, Ehe gerettet, ewige Liebe.

Wenn das die Kurzzusammenfassung der Realität ist, dann haben die Feministinnen, die dringend die Gleichheit zwischen Mann und Frau herstellen wollen, noch eine Menge zu tun. Aber wahrscheinlich erst ab morgen, heute hatten sie keine Zeit, heute wurde ja geheiratet
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Dienstag, 1. Februar 2022
Alter Ego
Zwischendurch muss ich meine Gemütslage immer mal wieder neu kalibrieren, sonst gerät sie in eine Schieflage und rutscht systematisch abwärts.

Im Moment sind die äußeren Rahmenbedingungen nicht grade günstig, um ohne externe Unterstützung dauerhaft heiteren Gemütes durch die Tage zu wandern.

Meine externe Unterstützung ist nichts anderes als mein eigenes alter ego, mit dem ich mich im Bedarfsfall sehr gut zanken kann, denn es ist so verdammt vernünftig, schwebt in schwarz-weiß und als Schatten hinter mir (so wie früher in der Lenorwerbung) und fragt mich regelmäßig, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, wenn ich jammerig und wehleidig in der Ecke sitze und die Welt scheiße finde.

Im Moment finde ich die Welt und vor allem die meisten Menschen darin und drumherum sehr häufig sehr anstrengend und oft sitze ich mutlos in der Ecke und hadere mit Sinn und Zweck.

Das dauert alles noch so lange, nichts geht voran, aber gleichzeitig fliegt die Zeit nur so vorbei, der erste Monat des Jahres ist schon wieder um und ich habe heute schon wieder eine alte Jahreszahl als Datum geschrieben.

Ich bin noch gar nicht richtig im neuen Jahr angekommen, da ist es schon zu einem Zwölftel wieder vorbei und doch fühlt sich alles zäh, langsam und mühselig an.

Da stimmt doch was nicht, ich habe ganz offensichtlich einen Knall.

Das habe ich mir heute ausdrücklich klargemacht und die Umstände, für die ich mich gerne bemitleiden lassen möchte, etwas zurechtgeruckelt und schon geht alles besser.

So ein alter ego, das einem ab und zu den Kopf wieder graderückt, ist sehr zu empfehlen.

Ich habe mir sogar extra eine E-Mailadresse dafür eingerichtet, also eine gmail-Adressse, die nicht "anje" heißt und als mich Google nach meinem Vor- und Nachnamen fragte, habe ich Alter als Vor- und Ego als Nachname eingetippt.
Google hat das kommentarlos akzeptiert und wenn ich mich jetzt in meinem Google-Konto anmelde, werde ich immer freundlich begrüßt mit "Hallo Alter", allein das macht mir schon jedes Mal gute Laune
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Montag, 31. Januar 2022
Schreibtisch- und Haushaltsarbeit
Für heute war Schreibtischarbeit geplant und ich habe tapfer durchgehalten.
Drei weitere Firmen sind für 2020 jetzt vollständig abgearbeitet und es ist alles an Bürokratie erledigt, was für 2020 zu erledigen war.
Die Buchhaltungen sind abgestimmt, Bilanzen wurden erstellt, Steuererklärungen ausgefüllt und dann wurde alles auch noch online übermittelt, inklusive Veröffentlichung im Bundesanzeiger, höchst vorbildlich also.

Für 2021 habe ich auch schon alles vorbereitet, die Buchhaltungen und die Bilanzen sind fertig, es gibt aber vom Finanzamt noch keine Formulare für 2021, also kann ich auch noch keine Steuererklärungen abgeben. Pech, ich war grade so schön im flow.

Eine einzige Firma fehlt jetzt noch*, dafür muss ich mich noch einmal zusammenreißen und konzentrieren, denn da gibt es abweichende Zahlungs- und Abrechnungszeiten, die Abgrenzerei dafür ist jedesmal ein Krampf, aber dann kann ich zumindest den Firmen- und damit den Körperschaftsteuerteil für 2020 endgültig abhaken.

*und noch ein paar Einkommensteuererklärungen, aber die sind verglichen mit den Abschlüssen für die Firmen Kleinkram.

Um mich zwischendurch ein wenig zu zerstreuen, habe ich nebenbei noch die Wäsche sortiert und die Waschmaschine angeworfen, den Papiermüll zusammengetragen und rausgebracht und die Blumen gegossen. Ich glaube, wenn ich permanent Home-Office machen würde, hätte ich einen topgepflegten Haushalt.

Es mag sein, dass es daran liegt, dass das Gras auf der anderen Seite immer grüner ist, aber ich empfinde Hausarbeit normalerweise weder als stressig noch als belastend, denn ich bin keinem fremden Dritten dafür Rechenschaft schuldig, es ist ausschließlich mein ganz ureigenes Notwendigkeits- (oder auch Nichtnotwendigkeits)gefühl, dem ich genügen muss, es gibt keine harten Fristen und vor allem keine festen Regeln.

Alles kann, nichts muss, man sieht das "nichts muss" sehr deutlich an meinen Küchenfenstern, deren Reinigungsnotwendigkeit ich Woche um Woche ohne Hemmungen weiter verschiebe, oder, wie es mein Westfalenmann so entspannt ausdrückte als ich ihn fragte, was er denn täte, wenn ich seine Wäsche nicht mehr wüsche und seine Unterhosen irgendwann aufgebraucht sind. Er kauft dann neue, meinte er und ich denke, das ist die perfekte Einstellung, um sich von solchen Dingen nicht stressen zu lassen
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Donnerstag, 27. Januar 2022
Neue Mitarbeiter
In der Firma haben wir zur Zeit verschiedene offene Stellen zu besetzen und obwohl man von allen Seiten hört, dass es einen akuten Fachkräftemangel gibt und dass gerade im Baubereich und in der IT sozusagen gar keine Leute mehr zu kriegen sind, hatten wir erfreulicherweise doch ein paar sehr gute Bewerber dabei.

Seit zwei Wochen laufen nun Bewerbungsgespräche.
Eine Architektin und einen Ingenieur haben wir schon eingestellt, die zwei haben heute ihre Verträge unterschrieben und ich bin sehr zufrieden mit der Verstärkung für das Technikteam, die wir da gefunden haben.

Die Bewerber für den IT Bereich haben wir diese Woche eingeladen, nächste Woche gibt es noch zwei Gespräche und ich bin sehr sicher, dass wir einen wirklich sehr gut zu uns passenden Mitarbeiter einstellen werden, denn einer war schon dabei, von dem waren wir spontan alle begeistert.

Zwischendurch gab es dann noch eine Bewerberin für die stellvertretende Leitung Rechnungswesen.
Eine Mitarbeiterin aus dem Wirtschaftsprüferteam, was uns seit Jahren prüft, möchte nämlich gerne auf die (gute) andere Seite wechseln und fragte an, ob wir nicht zufällig Verwendung für sie haben. Das sind dann so ganz besondere, unerwartete Glücksfälle, wenn sich eine sozusagen perfekte Mitarbeiterin, die man schon seit Jahren kennt, unerwartet selber anbietet. Wir haben natürlich sofort zugegriffen.

So viele neue Leute an Bord zu holen macht Spaß und gibt viel Schwung und Hoffnung, dass demnächst viele positive Verbesserungen im Arbeitsumfeld möglich sind, das ist schon sehr toll.

Was mich dagegen bei jedem einzelnen Bewerber jedes Mal aufs Neue zutiefst erstaunt hat, war die unerwartet niedrige Gehaltsforderung, die sie hatten.

Eine 30jährige Architektin mit Masterabschluss wünscht sich ein Jahresgehalt zwischen 35.000 - 40.000 €.
Ein Bauingenieur mit 17 Jahren Berufserfahrung möchte gerne 55.000 € Jahresgehalt und der künftige IT-Verantwortliche (15 Jahre Berufserfahrung und zwei Masterabschlüsse) ist mit 65.000 € zufrieden.

Wenn ich mir überlege, dass der nichtsnutzige Assistent der Geschäftsführung, der wirklich zu gar nichts taugt, dass der mehr als das Doppelte verdient bekommt als die junge Architektin haben möchte, dann macht mich das immer wieder aufs Neue böse.

Die Architektin wird zwar jetzt rund 45.000 € Jahresgehalt verdienen, im Verhältnis zu dem, was der GF-Assistent bekommt, ist das aber immer noch einfach nur ein Unverhältnis. Schlimm, finde ich das.

Aber ändern werde ich es wahrscheinlich auch nicht mehr und wenn sich alle neuen Mitarbeiter jetzt ganz offensichtlich sehr darüber freuen, künftig in unserer Firma arbeiten zu dürfen und dafür sogar noch mehr Geld bekommen als sie ursprünglich haben wollten, dann haben wir letztlich ja wohl doch alles richtig gemacht
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Freitag, 21. Januar 2022
Freitag ist der neue Montag
Die Meine zweite Arbeitswoche dieses Jahres ist um und ich stelle fest, der Freitag ist der schlimmste von allen Tagen.
War letzte Woche schon so, heute auch und die nächsten Freitage versprechen keine Besserung.

Statt ruhigem Home-Office, gibt es jeden Freitag Termine im Büro und wenn ich sowieso ins Büro muss, kann ich auch gleich den gesamten Tag da verbringen, dann ist auch egal.
Spätestens Freitagmittag fällt mir regelmäßig auf, was die gesamte Woche liegengeblieben ist und was jetzt aber wirklich dringlich mal weggearbeitet werden müsste.
Entspannung geht anders.

Im Ergebnis bin ich jetzt platt und ausgelaugt und sehr unmotiviert. Das ist kein schönes Gefühl und macht das Gegenteil von guter Laune.

Morgen Nachmittag gehen wir Leute besuchen, das wird auch anstrengend. Wir haben den Termin schon mehrfach abgesagt und jetzt ist kein Spielraum mehr da für eine weitere Absage, jetzt wird das durchgezogen, koste es, was es wolle und seien die Seuchenstände auch so hoch wie nie.

Ich glaube, vielen Leuten geht es ähnlich, nach zwei Jahren Pandemie gilt die Seuche nicht mehr als Ausrede, genau deshalb explodieren ja grade die Zahlen.

Aber hilft ja nicht, spielen wir morgen also russisch Roulette und warten darauf, ob eine Infektion im Lauf steckte
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Mittwoch, 19. Januar 2022
Anstrengender Tag zum Ausgleich
Spruch des Tages: Woran erkannt man einen Sozialphobiker?
- An einer grünen Coronawarnapp.

So langsam geht mir dieses Coronazeug ernsthaft auf die Nerven, alle möglichen Leute melden Kontakte und rote Apps, verfallen in Panik und können leider nicht mehr arbeiten, es ist anstrengend.

Und diese krampfhaften Frauenförderer gehen mir auch auf die Nerven. Weil wir mehr männliche als weibliche Mitarbeiter haben, was in einer Firma, in der zwei Drittel der Mitarbeiter aus dem Baubereich kommen, ziemlich normal ist, gibt es jetzt aber den ausdrücklichen Wunsch, die aktuell offenen Stellen bitte nur mit Frauen zu besetzen.
Konkret heißt das, wir besetzen die Stellen nicht mehr nach Kompetenz, sondern nach Geschlecht. Wenn das nicht die Standarddefinition für Sexismus ist.
Die haben doch wirklich einen Knall.

Für die aktuell ausgeschriebenen Stellen als Projektleiter Hochbau habe ich exakt 1 weibliche Bewerbung und das ist eine Studentin, die noch nicht fertig ist.
Für die Stelle Fachrichtung Wirtschaftsinformatik habe ich gar keine weibliche Bewerbung aber fünf wirklich gute Jungs. Und nu? Anforderungen ändern und irgendwas mit Wohlfühlwissenschaften ausschreiben? Dann bewerben sich bestimmt ausreichend Frauen.

Als Projektleiter Hochbau werden wir jetzt einen Mann einstellen, der nach der Hochzeit den Namen seiner Frau angenommen hat und nur mit reduzierter Stundenzahl arbeiten will, weil seine Frau voll arbeitet. Das ist doch eine ausreichend weibliche Lebensweise, das zählt doch sicherlich auch als Frau.

Zu allem Überfluss zickt jetzt auch noch mein Rechner rum, ich schätze, ich muss mir einen neuen kaufen, was ich auch sehr hasse. Das macht nur lästige Arbeit bis ich ihn so eingerichtet habe, dass wieder alles läuft und bringt keinen zusätzlichen Vorteil.
Einen Rechner neu aufzusetzen ist eine meiner ungeliebtesten Beschäftigungen.

Wahrscheinlich sind so Tage wie heute die Strafe für die Freude von gestern. Gleicht sich alles wieder aus
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Sonntag, 16. Januar 2022
Privileg
Für K stand heute ein Termin in Bielefeld auf dem Programm, ich nutzte die Gelegenheit und fuhr mit, um mich bei meiner Mutter absetzen zu lassen, wo K mich nach seinem Termin auch wieder abholte.

Meine Tochter, die am anderen Ende von Bielefeld wohnt, hatte sich auch auf die Reise zu ihrer Großmutter begeben. Sie fuhr mit öffentlichen Verkehrsmittel einmal quer durch die Stadt, K und ich fuhren mit dem Auto knapp 100km quer durch Westfalen.
Wie nicht anders zu erwarten, geht es schneller, mit dem Auto 100km übers Land zu fahren, als mit Bus und Bahn durch eine Stadt. In derselben Stadt zu wohnen heißt noch lange nicht, dass es einfacher ist, sich zu besuchen.

Ich sagte schon, dass ich Städte gruselig finde, sagte ich schon, nicht wahr?

Als K mich nach seinem Termin wieder bei meiner Mutter abholte, nahmen wir auch C mit und brachten sie zu sich nach Hause (geht mit dem Auto doppelt so schnell wie mit Öffis) und ich bin seit längerem mal wieder bei Tageslicht durch eine größere Stadt gefahren und dann auch noch durch ein paar reine Mehrfamilienhausansammlungen gekurvt (keine Plattenbauten, nur vierstöckige Häuser aus den 50er, davon aber ganz enorm viele in einem Viertel der Stadt), was unterm Strich dazu führte, dass ich sehr demütig wurde.

Ich mache mir viel zu selten Gedanken darum, wie ungemein privilegiert ich bin und wenn mir das mal wieder derart krass vor Augen geführt wird, wie heute, dann macht mich das sehr demütig.

Natürlich bin ich privilegiert, weil ich weiß bin und zum gehobenen Bürgertum gehöre, weil ich studiert habe und weil ich gesund bin, weil ich keine finanziellen Probleme habe und weil es tausend andere, klassische Gründe gibt, die mir ehrlich gesagt aber alle egal sind, weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich die selber befördert habe, sondern das war halt schlicht und einfach Glück.

Es gibt Leute, die gewinnen im Lotto und es gibt Leute, die werden zur richtigen Zeit am richtigen Ort von den richtigen Eltern mit der richtigen Menge körperlicher Anlagen geboren - so eine Kombination von Treffern ist eben auch nur Glück.

Nein, wofür ich heute so ungemein dankbar war, ist das Privileg, so viele Dinge nicht zu wollen und auch nicht wollen zu müssen.
Zuvörderst bin ich zutiefst dankbar dafür, dass ich nicht in einer Stadt wohnen muss.

Jedesmal, wenn ich mich in einer Stadt aufhalte, verspüre ich diese grundtiefe Ablehnung gegen diese irre Menge an Menschen, die sich in einer Stadt und dann auch noch in so normalen Mietshäusern so unerträglich nah kommen müssen, dass es mich nur komplett beklommen macht.
Es ist natürlich nicht genug Platz da, sonst gäbe es keine mehrstöckigen Mietshäuser und sonst wäre es wohl auch keine Stadt. Bei mir triggert das aber nur alle tief verborgenen Fluchtinstinkte.

Ich habe die erste Hälfte meines Lebens in Mietswohnungen gewohnt.
So lange ich es nicht anders kannte, fand ich es auch nicht schlimm. Aber die Vorstellung, ich müsste heute wieder zurück in eine enge Wohnung mit einem verdreckten Treppenhaus und stinkenden Nachbarn, die seltsame Geräusche machen, die finde ich so gruselig, dass ich wirklich nur ein ganz großes Danke an mein Schicksal senden kann, dass ich echt gute Chancen habe, dass mir das auch in Zukunft erspart bleiben wird.

Außerdem bin ich zutiefst dankbar dafür, dass mir die anderen Menschen, die in einer Stadt leben, nicht fehlen. Dass ich all den Rummel nicht brauche und auch die Möglichkeiten nicht, die eine Stadt bietet.

Dass ich keinen Mangel verspüre, wenn ich mir mein Essen selber koche und nicht jeden Tag irgendetwas anderes ausländisches aus einem entsprechend spezialisierten Restaurant essen möchte.

Ich bin dankbar dafür, dass sich meine Geschmacksvorlieben nicht globalisiert haben und ich deshalb mit Kartoffelpürree und Salat heute noch genauso zufrieden bin wie vor 30 Jahren.

Ich bin dankbar dafür, keinen Drang nach kultureller Erbauung zu haben, ich brauche weder Theater noch Konzerte, keine Museen und keine Sportveranstaltungen, ich bin sehr zufrieden, wenn ich mich mit all dem nicht befassen muss.

Und ich bin dankbar dafür, dass mein Westfalenmann das alles ganz genau so empfindet und wir uns zu zweit in den letzten 14 Jahren nicht einmal gelangweilt haben, ganz im Gegenteil.

Die Tatsache, dass ich einen Menschen an meiner Seite habe, dem ich genau so genug bin wie er mir, ist unbezahlbar.
Die Tatsache, dass wir in allen wesentlichen Dingen genau gleich ticken und in allen anderen Dingen ganz herzlich unterschiedlich sind, so dass wir immer genug Raum haben, uns gegenseitig übereinander aufzuregen und es nie langweilig ist bei uns, halte ich für das größte Privileg überhaupt.

Denn all diese intensive Menschenvermeidung kann ich mir ja nur leisten, weil ich nicht alleine bin.
Und das halte ich weder für selbstverständlich noch für einen glücklichen Zufall, das halte ich wirklich für ein echtes Privileg
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Sonntag, 16. Januar 2022
Hauswirtschaftstag
K meinte, wir machen heute einen Hauswirtschaftstag.

Am Vormittag sortierte K seine beruflichen E-Mails, ich unsere gemeinsame Wäsche.
Außerdem räumte ich die Spülmaschine aus und wieder ein, machte die Küche sauber und leerte die Mülleimer.

Dann sagte K, er müsse mal eben zum Flugplatz, weil die dort das Schließsystem geändert haben und heute wäre Schlüsselausgabe. Immerhin wollte er schon mal den Glasmüll mitnehmen und unterwegs zum Container bringen.

Als er wiederkam, wollte er schwungvoll fortfahren, mit seinem Hauswirtschaftstag und schlug vor, dass wir mal einkaufen gehen.

Das machten wir auch und brachten dabei auch die Pfandflaschen weg.
Es blieben drei Mehrwegpfandflaschen übrig, weil Lidl nur das Einwegpfandsystem unterstützt.

Wir hatten auch ein wenig TK-Zeug gekauft, weshalb wir uns nicht sofort um das Mehrwegpfand kümmern konnten. Wir fuhren also nach dem ersten Einkaufen wieder nach Hause, räumten die Einkaufe weg, ich wechselte eine Maschine Wäsche, aßen noch ein Butterbrot und brachen dann zur zweiten Einkaufstour auf, das Mehrwegpfand stand ja noch rum und Hauswirtschaftstag ist Hauswirtschaftstag, wenn, dann soll auch nachher alles ordentlich sein.

Mehrwegpfand ist ja mein persönlicher Endgegner, weil regelmäßig Flaschen in meinen Pfandkisten landen, die weder der örtliche Edeka, noch der Rewe oder irgendein anderes Geschäft in Greven annimmt. Ich habe keine Ahnung, wo die herkommen, irgendwann sind sie plötzlich da und ich muss sehen, wie ich sie wieder loswerde.

Gelernt habe ich, dass der Großmarkt im Süden von Münster auch die ausgefallensten Pfandflaschen annimmt. Wir hatten also einen sehr guten Grund, mal wieder zum Großmarkt zu fahren.

Der Pfandflaschenannahmemitarbeiter im Großmarkt stöhnte über den Großauftrag und meinte, bei so einer Großanlieferung müsse er mal schauen, ob er das noch alles unterkriegt, es gelang ihm dann aber doch und er buchte mir 38 Cent Pfandretoureguthaben auf meine Karte. Insgesamt also ein sehr erfolgreicher Abschluss.

Im Großmarkt kauften wir dann noch ein paar Dinge, die es nur im Großmarkt gibt, diesmal hauptsächlich Putzmittel, weil ich einen fatalen Hang zu professionellem Reinigungswerkzeug habe und ein Kloreiniger, in dem eine gute Portion Salzsäure drin ist, macht viele Sachen einfach schneller und problemloser sauber als Ökoputzzeug mit Bienenwachslabel oder sowas.

Anschließend fuhren wir dann noch in ein Bettengeschäft und lagen Tempurmatratzen Probe.
K möchte jetzt auch unbedingt eine Tempurmatratze.

Ich wusste das ja schon vorher, konnte K aber nicht verbal überzeugen, dass diese Matratzen einfach einen so großen Komfortunterschied ausmachen, dass es den so großen Preisunterschied ausgleicht.

Als wir heute an diesem Bettenladen vorbeikamen, von dem ich wusste, dass die Tempurmatratzen führen, nutzte ich die Gelegenheit und überredete K zu einem Probeliegeabenteuer.
Es hatte ein wenig was von Loriot, aber immerhin ist K nun ebenfalls von diesen Matratzen überzeugt, jetzt müssen wir noch die Logistik regeln.

Als wir am Abend wieder zu Hause waren, verräumte ich den zweiten Schwung Einkäufe, wechselte die dritte Maschine Wäsche und machte einen großen Salat zum Abendessen.
Es war ein sehr erfolgreicher Hauswirtschaftstag
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Donnerstag, 13. Januar 2022
Zerrissene Ketten
Diese Woche scheint die Woche der zerreissenden Ketten zu sein.

Das hört sich jetzt prosaischer an als das, was dahintersteckt, aber mir ist heute schon wieder eine Halskette gerissen und damit ist es die dritte diese Woche und das erscheint mir doch eine ungewöhnliche Häufung.
Das letzte Mal, dass mir davor eine Halskette riss, ist schon mehr als zwei Jahre her.

Die Kette, die ich am Montag zerrissen habe, war noch fast ein nachvollziehbarer Unfall, denn ich hatte vergessen, dass ich überhaupt eine Kette anhabe und als ich mir abends beim Zubettgehen den Pulli über den Kopf zog, nahm die Kette es übel, dass ich sie vorher nicht geöffnet hatte. Ratsch. Kommt zum Zahngold und dem Ring mit dem verlorenen Stein, hier lohnt eine Reparatur nicht.

Am Dienstag trug ich eine Kette mit schwarzen Hämatitperlen, nichts wertvolles, aber ziemlich alt und weil es keine Trommelperlen sind, sondern speziell geschliffene, ganz kleine "Oliven" mag ich die Kette gerne und trage sie oft zu schwarzen Oberteilen.
Als ich am Nachmittag im Büro an meinem Rechner saß, klimperte es plötzlich und eine olivige, schwarze Perle kullerte über meine Tastatur. Diese Kette ist komplett ohne Fremdeinwirkung und sogar ohne sonstige Bewegung einfach im Wege der Materialermüdung plötzlich gerissen und spuckte mir ihre Perlen auf die Tasten.

Am Mittwoch habe ich keine Kette getragen.

Heute morgen habe ich meine Lieblingskette angelegt, sie besteht aus 15 gleichen, ca. 2x3cm großen, schwarz-beige-grün-grauen Landschaftsachaten, die einen ganz besonderen, eigenen Schliff haben und die wegen der Farben zu ungemein vielen Teilen aus meinem Kleiderschrank passen.
Als ich heute Abend nach Hause fuhr, habe ich mir einen Schal umgewickelt, als ich zu Hause ankam und den Schal abwickelte, fiel mir ein Achat in die Hände, die anderen baumelten noch an der gerissenen Kette.
Weshalb diese Schnur gerissen ist, kann ich nicht verstehen. Ich habe die Kette vor ca. 6 Jahren auf einem Flohmarkt gekauft, dann ist sie mir sehr schnell gerissen und ich habe die Steine auf eine dünne Metallschnur neu aufziehen lassen, die ich wegen der Schwere der Steine ja extra in dieser Stabilität ausgesucht hatte. Dass auch diese Metallschnur jetzt nur sechs Jahre gehalten hat, lässt mich etwas ratlos zurück.

Und überhaupt finde ich drei gerissene Ketten in vier Tagen eine Menge.

Ich habe hier eine Kiste stehen, in der ich kaputten Schmuck sammele, den ich gerne reparieren lassen möchte. Leider ist die Dame, die solche Reparaturen früher für mich erledigt hat, nicht mehr zu erreichen, sie ist entweder verstorben oder verzogen, auf alle Fälle verschwunden und nun weiß ich niemanden mehr, wo ich meine gesammelten Schäden hinbringen könnte. Echt blöd, denn die Kiste steht da schon länger und wird immer voller, ich muss dringend jemanden finden, der kaputten Schmuck repariert, ohne dass er dafür Preise verlangt, als wären es Kronjuwelen
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