anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 7. September 2021
Was Mann so nicht sieht
Ich wundere mich ja immer, was und wie andere Leute ihre Umgebung wahrnehmen oder eben nicht wahrnehmen.
Mit dem, was mein Westfallenmann alles nicht sieht, könnte man zehn Haushalte komplett ausstatten.

Die Tatsache, dass er grundsätzlich Dinge, die direkt vor seiner Nase im offenen Kühlschrank vor ihm liegen, nicht sieht, ist längst ein running gag bei uns geworden. Lange Zeit habe ich ja geglaubt, er macht das extra, aber so hartnäckig zuverlässig, wie er Dinge nicht sieht, kann man so etwas gar nicht extra machen und vor allem betrifft seine partielle Blindheit ja nicht nur den Kühlschrank, sondern auch viele andere Dinge.

Mülltüten, die im Weg stehen und rausgebracht werden müssen, sind ein weiterer Klassiker, mein Westfalenmann sieht aber auch Dinge nicht, die er wirklich gerne sehen würde und er macht sich ganz offensichtlich höchst persönlich und selber regelmäßig extra Arbeit nur dadurch, dass er die Dinge nicht sieht und deswegen ständig Wege doppelt gehen muss, eben weil er Dinge nicht wahrnimmt, wenn er sie hätte einpacken sollen und damit meine ich nicht, dass er sie vergessen hat - das fände ich noch vollkommen normal und erklärlich - nein, ich meine wirklich, er sieht sie nicht.

Auf der Kommode liegen sein Schlüssel und sein Handy nebeneinander - er nimmt den Schlüssel und übersieht das Handy, um dann zwei Minuten später wieder umkehren zu müssen, weil er am Auto bemerkt, dass sein Handy nicht da ist. Das passiert fast täglich und bedeutet jedesmal drei Stockwerke doppelt hoch und wieder runter laufen. Das hält zwar fit und ist im Grunde auch wirklich nicht schlimm, aber wenn es mir so ginge, würde ich mich selber sehr über mich aufregen.

Anderes Beispiel: Unten in der Tiefgarage, direkt neben der Tür in unser Haus, steht seit Jahren ein Fahrrad, was niemand mehr benutzt und was da nur deshalb steht, weil ich seit Jahren noch nicht dazu gekommen bin, es zu verkaufen. Dieses Fahrrad ist groß und steht wirklich direkt quer neben der Tür, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man es nicht sieht, vor allem geht jeder von uns mindestens zweimal am Tag daran vorbei.

Funfact: Mein Westfalenmann weiß nicht, dass dort ein Fahrrad steht.

Als neulich C zu Besuch hier war und sich in unserer Abwesenheit das Fahrrad für eine kleine Radtour auslieh, als es deshalb also fehlte, als ich nach Hause kam, da habe ich spontan einen Schreck bekommen, denn der Eingang ohne Fahrrad sieht einfach komplett fremd und ungewohnt aus und eben so, als ob jemand das Fahrrad geklaut hat. Mir fiel dann natürlich ein, dass C ja einen Schlüssel zum Haus hat und sich wahrscheinlich selbstständig das Fahrrad aufgepumpt und fahrbereit gemacht hat, aber das allererste Gefühl als ich den leeren Eingang sah, war halt ein Schreck.

Selbstverständlich hat mein Westfalenmann nicht bemerkt, dass das Fahrrad fehlt, weil er ja gar nicht wusste, dass da sonst seit Jahren eines steht.

Ich finde so eine fehlende Umgebungswahrnehmung sehr eigenartig, aber auch immer wieder erheiternd.

Manche Dinge dagegen sieht er, aber auch nur eingeschränkt, er scheint mit so einer Art starker Unschärfe durchs Leben zu laufen, mich wundert nur, dass er nicht ständig irgendwo gegendengelt.

Unsere Handtücher zB sind farblich zusortiert. Als wir noch zu fünft in einem Haushalt lebten, war das sehr praktisch, weil jeder seine eigene Handtuchfarbe hatte und es deshalb nie aus Versehen zu Verwechslungen kam.
Meine Handtücher sind rot, Ks Handtücher sind grün.
Jeder hat immer ein großes Duschtuch und ein kleines Händetuch in Gebrauch.
Natürlich liegen die Handtücher auch entsprechend nach Größen und Farben sortiert im Schrank und ich hielt das immer für ein "sprechendes" Sortiersystem. Ich meine, das kann man doch gar nicht nicht erkennen, wie die Handtücher in den Schrank geräumt werden sollen, oder?

Neulich drückte ich K einen Stapel frisch gewaschene und gefaltete Handtücher in die Hand und bat ihn, die in den Badezimmerschrank zu bringen.
Das Ergebnis sah dann so aus.



Mein sprechendes Sortiersystem scheint kein Westfälisch zu sprechen
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Montag, 6. September 2021
Unverändert
Die Woche beginnt so fordernd wie die letzte endete, wirklich originell ist das nicht, aber ich habe noch nicht raus, wie ich es ändern könnte.
Aber ich arbeite dran
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Sonntag, 5. September 2021
Und zurück
Heute Mittag haben wir eine große Radtour gemacht, weil ich Pferdemist sammeln wollte, ich hatte gestern nämlich eine Tüte voll Stockrosensamen gesammelt und die wollte ich heute aussäen.

Im Internet steht, dass Stockrosen gerne humusreichen Boden mögen, was tendenziell keine hervorstechende Eigenschaft unseres Sandbodens ist, deshalb kam ich auf die Idee, den Sand in unserem Garten mit Pferdemist aufzup-äppeln (scnr). Was für Rosen gut ist, ist sicher auch für Stockrosen gut, ich packte also Eimer (mit Deckeln, immerhin) und Schaufel in die Packtaschen am Fahrrad und wir machten uns auf den Weg einmal rund um den linken Teil der Insel, nämlich dort lang, wo die Reitwege verlaufen.

Die Mission war erfolgreich, wir fanden reichlich Pferdeäpfel und haben zu Ks Vergnügen auch noch einen Abstecher zum Flugplatz gemacht. Heute war fast perfektes Fliegerwetter, das lockte auch den letzten Piloten nach draußen, als wir gegen 14h am Flugplatz waren, standen dort mindestens 30 Maschinen.
Natürlich alles nur die kleinen Propellermaschinen, für Privatjets ist Borkum nicht vornehm genug.

Ich habe übrigens das Ereignis herausgefunden, was gestern diesen Jet-Auflauf auf dem Münsteraner Flugplatz verursacht hat: Europameisterschaft der Springreiter in Riesenbeck. Keiner hat Vorurteile und natürlich ist Reiten ein echter Volkssport für alle - genau deshalb fliegen die Zuschauer für ein Reitturnier auch mit ihren Privatjets ein.

Egal, wo war ich? Ach so, ja, Pferdemist haben wir also erfolgreich gesammelt, K hat das Beet gründlich umgegraben, wir haben die staubtrockene Erde mit rund 150l (es lebe das Regenfass!) Wasser immer wieder angefeuchtet, die Pferdeäppel eingearbeitet, dann habe ich den Samen ausgestreut - und jetzt warten wir mal.
Schritt eins auf meinem Weg zum Bauerngarten.

Außerdem habe ich noch den Onkel besucht, ihm gezeigt, wo man den Ton am Telefon wieder anschaltet, wenn man ihn versehentlich ausgeschaltet hat, ein Betriebssystemupdate ausführen lassen und seinen Impfnachweis digital als Zertifikat aufs Handy geladen. Alles Wichtige ist jetzt also erstmal erledigt, das ist beruhigend.

Zurück nach Münster machten wir uns erst kurz vor Flugplatzschließung auf den Weg, wir waren der zweitletzte Flieger, der noch im Gras parkte, alle anderen waren schon wieder weg.
Wir flogen gleichzeitig mit der Fähre ab, d.h., die Fähre flog natürlich nicht, sondern schwamm unter uns, hatte aber auch grade erst abgelegt.



Die unteren beiden Fotos sind durch das hintere Fenster und gegen die Sonne gemacht, son Flieger ist ziemlich schnell über eine Fähre hinweg, da bleibt nicht viel Zeit zum Knipsen, aber wenn man beim Abflug zurückblickt und so stimmungsvolle Gegenlichtaufnahmen produziert, dann tröstet es einen selber etwas über den Abschied hinweg. Ich hätte nichts dagegen gehabt, noch ein paar Wochen zu bleiben.

Nun ja, morgen wieder Büro, dort gibt es immer noch enorm viel zu tun, aber immerhin haben die zwei Tage Wochenende etwas zum Energieauftanken beigetragen
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Samstag, 4. September 2021
Transfer
Heute passte nicht nur die Terminlage, sondern auch das Wetter, wir flogen also heute morgen nach Borkum.

Auf dem Flugplatz in Münster gab es eine größere Ansammlung von Privatjets. Sehr ungewöhnlich, so viele sind dort gar nicht stationiert und dass sie alle auf dem Vorfeld rumstehen, weist ja auf eine frische Aktivität hin. Da gibt es also irgendeine größere Veranstaltung der oberen Zehntausend Fünfhundert in der Gegend, aber die Presse weiß von nichts. Ist ja auch irgendwie interessant.



Unser Weg führte uns über die Meyerwerft, als wir über die Werft flogen, zog auch eine einzelne Wolke dort vorbei, ich fand es witzig, wie sie zwischendurch die Sicht verdeckte.


Ansonsten war sehr schönes Fliegerwetter, zwischendurch immer wieder einzelne Wolken, wir flogen aber "on top" und über dem Wasser waren dann alle Wolken weg.



Am Nachmittag mähte K nicht nur bei uns, sondern auch am Vaterhaus den Rasen, das war viel, das Zeug war gewaltig gewachsen, aber er kämpfte sich tapfer durch. Ich machte am Vaterhaus die Straße sauber, fuhr einkaufen und brachte meine Briefwahlunterlagen auf den Weg. Am Abend waren wir beide ziemlich groggy, sollten aber unbedingt noch einen Strandspaziergang machen.



Wir blieben bis zum Sonnenuntergang, patschten durchs Wasser und genossen einfach die Leere, denn seltsamerweise waren kaum Menschen am Strand. Ich habe keine Ahnung, wie ausgebucht die Insel derzeit ist, am Strand war es aber sehr ruhig, das war wunderbar.


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Freitag, 3. September 2021
Umfallen
Die Woche ist um und ich bin noch nicht umgefallen, das finde ich erstaunlich.
Um meinen eigenen Erwartungen aber nicht zu weit hinterherzuhinken, hole ich das Umfallen jetzt gleich nach und achte nur darauf, dass ich dabei möglichst dicht neben meinem Bett stehe
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Donnerstag, 2. September 2021
Zu viel von allem
Der Stressfaktor aus Ärger- und Arbeitsbelastung ist nach wie vor unangenehm hoch, neben dem großen Projekt, was immer noch nicht wieder in ruhigen Bahnen läuft, entstehen aber auch immer mehr andere Baustellen, die zunehmend akut werden, einfach aus purer Vernachlässigung.

Im normalen Büroalltag hat man immer wieder mal periodische Sonderthemen, die kurzfristig sehr arbeitsintensiv sind, die man aber gut händeln kann, wenn man sie früh genug einplant und dann mit ausreichend Zeit nach und nach neben dem laufenden Geschäft vorbereitet und abarbeitet

Wenn aber ein Großprojekt derart ausufert, dass es alle sonstigen Zeitreserven beansprucht und noch mehr darüber hinaus, dann schiebt man die periodischen Themen eben immer weiter, bis sie plötzlich dann morgen fertig sein müssen.

Man hätte das natürlich wissen können, aber man hat es aus verzweifeltem Selbstschutz lieber ignoriert, vielleicht geht es ja von alleine weg, wenn ich nur fest genug die Augen zu kneife. An irgendwas muss man doch glauben, wenn sonst nichts mehr hilft.

Solche Nebenkriegsschauplätze tragen definitiv nicht zur Entlastung oder Entspannung bei und deshalb kann ich aktuell nur einen steigenden Stress- und Erschöpfungsfaktor melden, aber wie durch Zauberhand geht es jeden Tag aufs Neue immer weiter.

Ich schalte jetzt wieder um auf Bürorechner, morgen ist Gremienvorlage für einen Wirtschaftsplan einer Tochtergesellschaft und natürlich hat den bisher noch niemand erstellt
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Mittwoch, 1. September 2021
Zeitflug und eine Therapeutin, die keine sein will
Und zack - September.
Noch vier Monate und wir haben 2022, das ist doch wahrlich unfassbar.

Ich weiß gar nicht, wann das Jahr den Turbo eingelegt hat, eben war doch noch Jahresanfang, alles ganz neu und frisch und nun ist das Jahr schon wieder fast vorbei.

Ich stehe verwundert und mit rotgeriebenen Augen vorm Kalender, schließlich habe ich mich immer noch nicht zuverlässig an die neue Schreibweise mit einer 1 hinten gewöhnt, da hat sich die 1 bald auch schon wieder überholt und ich bleibe staunend zurück und starre meine leeren Hände an. Wie kann das nur sein?

Frühling, Sommer, zwei schnelle Tage sind vorbeigehuscht, mehr ist auch nach langem Kramen in der Erinnerung davon nicht zu finden, und ich mache mir Sorgen.

Natürlich zähle ich die Tage bis Büroende, 1.117 sind es übrigens, Stand heute, und natürlich kann ich es kaum erwarten, bis es endlich soweit ist, aber doch nicht so, herrjehnochmal.

Heute Abend war ich bei der Massage. Seitdem ich den Beschluss verinnerlicht habe, dass ich reich bin, leiste ich mir solche Dinge auf selbstbezahltem Privatrezept. Genau genommen natürlich komplett ohne Rezept, aber da es sich um eine seriöse Physiotherapiepraxis handelt und nicht um eine schnöde Wellnessbude, behandeln die dort nur auf Rezept, und überhaupt haben sie ja auch Annahmestop für neue Patienten, ich habe also nicht nur sehr viel Glück, dass ich dort überhaupt angenommen wurde, sondern auch, dass sie mein Rezept akzeptieren. Das besteht pro Termin aus einem 20 Euro Schein und wird als Vorkasse immer gleich für 10 Termine auf einmal eingereicht, vereinfacht das Handling enorm.

Heute erklärte mir meine Physiotherapeutin, dass sie gar keine Physiotherapeutin sei, sondern darauf bestände, als Physiotherapeut bezeichnet zu werden, weil sie mindestens so gut sei wie ein Mann und dass sie deshalb nicht auf ein einzelnes Geschlecht reduziert werden wolle. So wie sie massiert, kann ich diese Selbsteinschätzung absolut bestätigen, musste aber gleichzeitig auch sehr grinsen, weil sie mit dieser Argumentation bei mir natürlich offene Türen einrennt.

Sie führte sehr nach- und eindrücklich aus, was sie von all diesem Genderkrimskrams hält, redete sich dabei immer mehr in Rage und arbeitete ihren Zorn sofort an meinem Rücken ab. Ich weiß nicht, ob man Verspannungen auf Vorrat wegmassieren kann, aber wenn, dann habe ich jetzt für die nächsten drei Wochen bestimmt nicht eine einzige mehr.

Auf der Fahrt nach Hause hörte ich im Radio einen sehr hübschen Satz: "Ich schaue jeden Morgen Frühstücksfernsehen, um mich jeden Morgen frisch mit allgemeinem Menschenhass aufzuladen. Danach starte ich dann gut gelaunt erbost in den Tag."
Ich glaube, es war Benjamin von Stuckrad-Barre, der diese gut formuliert Erkenntnis von sich gab, ich fand es auf alle Fälle witzig
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