anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Freitag, 15. November 2019
Freitag mit Rückblick
Schon Freitag, da guck.
Rückwirkend geht so eine Woche ja immer erstaunlich schnell vorbei und obwohl diese Woche im Vergleich zur letzten deutlich weniger vollgepackt war, bin ich doch rechtschaffen freitags-k.o.
Und wenn ich k.o. bin, neige ich zum Jammern.

Ich meine, ich jammere sowieso gerne, weil ich mir beim Jammern ja sehr schnell selber sehr albern vorkomme, denn während ich nach außen jammere, läuft vor meinem inneren Auge ein Film ab mit einer AnJe in schwarz-weiß, die mit mir spricht und mich fragt, ob ich eigentlich noch alle Tassen sortiert hätte? Weil, wenn jemand mal entsetzlich wenig Grund zum Jammern hat, dann ich. Mir geht es ja wohl gold, ich solle da mal an die armen Negerkinder denken und überhaupt, so weit muss ich gar nicht denken, selbst hier in Deutschland, direkt um mich herum, gibt es viele, viele Leute, denen es deutlich schlechter geht als mir. - Funktioniert absolut zuverlässig und auf Knopfdruck steuerbar, diese schwarz-weiße AnJe aus dem Off, so wie früher das schlechte Gewissen aus der Lenorwerbung.
Jetzt, wo ich die Werbung grade noch mal gegoogelt habe, stelle ich fest, dass das schlechte Gewissen in der Werbung gar nicht schwarz-weiß war, in meiner Werbe-Erinnerung allerdings schon, was aber wohl an dem schwarz-weiß Fernseher lag, den meine Eltern früher hatten. Naja.

Während ich also gleichzeitig leise vor mich hin mimimie und mich dafür selber auslache, überlege ich, was mich diese Woche eigentlich besonders interessiert hat, was mir Spaß gemacht hat, was mich beeindruckt hat, was mich gefreut hat und worüber ich mich geärgert habe.

Als erstes fällt mir natürlich immer irgendwas ein, über das ich mich geärgert habe, ich scheine wirklich ein ausgesprochen negativer Mensch zu sein und sollte dringlichst an meiner Grundhaltung arbeiten. Ist aber grade kein guter Zeitpunkt, denn sonst würde ich mich ja noch mehr ärgern, dann auch noch über mich. Versuche ich das mit dem Ärgern also einfach zu ignorieren.

Gefreut habe ich mich heute über die Post.
Schon seit längerem gab es keine unerfreuliche Post mehr, im Gegenteil, auch wenn ich aktiv versuche mich an fiese Briefe zu erinnern (und s.o., eigentlich kann ich das ja gut), fällt mir hier grade nichts ein. Das lässt mich ja hoffen.
Nach CWs Tod, als der gesamte Rest der Welt meinte, dass dann ja wohl ich für das von CW so ruckartig hinterlassene Durcheinander verantwortlich sei und mich deshalb mit grässlicher Post gradezu flutete, entwickelte ich eine große Furcht vor dem Briefkasten. Die Monster, die in meiner Kindheit unter meinem Bett wohnten, waren in den Briefkasten umgezogen und es gab Tage, da bin ich nur hintenrum ins Haus gegangen und habe den vorderen Teil mitsamt Briefkasten aktiv ignoriert.
Und nun fällt mir auf, dass an der Briefkastenfront seit längerem schon Ruhe herrscht, im Gegenteil, ich bin wieder gespannt, was da für Post angekommen ist, wenn der Briefträger mal wieder einen Schwall* abgeliefert hat.

*Ich habe den Eindruck, dass der Briefträger hier nicht mehr täglich rumfährt, sondern nur noch alle paar Tage, weil ich schon seit längerem nur noch schwallartig Post bekomme. Entweder ein paar Tage gar nichts, oder gleich einen ganzen Haufen.

Heute war ganz viel Erfreuliches in der Post.
Das Landesamt schickt den Bescheid über den Grad der Behinderung für den Vater und sie haben dabei meinem Antrag vollumfänglich entsprochen. Auch wenn ich weiß, dass er recht sicher einen Anspruch auf diese 100% hat, die sie ihm jetzt bescheinigt haben, so ist es doch trotzdem schön, wenn man den Bescheid bekommt, ohne sich weiter darum streiten zu müssen. Und erfreulicherweise sogar rückwirkend ab 2018 (hatte ich auch beantragt und sie haben auch daran mitgedacht.) Jetzt kann ich dem Finanzamt schreiben, dass er nicht nur wie bisher 50% hat, sondern ab 2018 sogar 100%, gibt sofort Geld zurück. Das ist doch fein.

Außerdem hat das BaFöG-Amt die Verlängerung des Studienzeitraums von N genehmigt, auch hier berechtigterweise, aber wenn man so viel mit Behörden zu tun hat wie ich, dann freut man sich über jeden positiven Bescheid, den man nicht separat erkämpfen muss, doppelt.

Ein langerwartetes Notarschreiben war auch in der Post, wieder eine Angelegenheit, die nun abschließend geklärt ist. Es geht voran.

Dann habe ich darüber nachgedacht, was mich sehr interessiert oder beeindruckt hat - und da fiel mir als erstes, als zweites und auch als drittes immer wieder diese Podcastfolge von letzter Woche Donnerstag ein, wo Gabor Steingart mit Jakob Augstein spricht und ich so fasziniert war von diesem Gespräch, dass ich genau diese Folge jetzt schon dreimal gehört habe.
Das war wirklich ein toller Disput - ich glaube, hier ist dieses Wort mal angebracht. Zwei Männer, die klug argumentieren können, die beide gut mit Worten umgehen können und teilweise komplett gegensätzliche Meinungen haben, die sie ohne Verletzungen und Seitenhiebe unter die Gürtellinie offen nebeneinander gestellt haben. Grandios. Mich regt so etwas sehr zum Nachdenken an.

Und Spaß gemacht hat mir schließlich jeden Abend mein neuer Swopper. So ein lustiger Stuhl, ich sitze darauf, hüpfe wippend auf und ab - und freue mich wie ein Kind auf dem Spielplatz. Schade eigentlich, dass ich mit zwei Swoppern die Freude nicht einfach verdoppeln kann, sonst wüsste ich ja sofort, was ich als nächstes auf meiner Wunschliste hätte
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Donnerstag, 14. November 2019
Gemüsebrühpulver
Der Tag ist ziemlich schnell verflogen, ich habe aber auch wirklich sehr viel geschafft.
Im Büro war ich nur für drei Stunden, dann bin ich schon wieder abgehauen, weil ich zu einer Veranstaltung nach Düsseldorf musste. Die war sehr langweilig, aber ich hatte zum Glück mein iPad dabei, eine gute Internetverbindung und einen stabilen VPN-Tunnel, so dass ich dort in Düsseldorf in der letzten Reihe eines Vortragssaals produktiver war als im Büro, weil ich dort überhaupt nicht gestört wurde.
Ich sollte häufiger auf langweilige Veranstaltungen gehen.

Während der Autofahrten diverse Telefonate erledigt und Dinge geklärt, auf dem Rückweg schnell ein paar Teile eingekauft, so dass wir zum Abendessen frisches Baguette, warme Pizzabrötchen, Tartar, Salat und zweierlei Dips hatten, ein wahres Schlemmermahl.

Das mit den Dips hat sich hier in der letzten Zeit zu einem festen Standard entwickelt. Ich habe inzwischen sehr viele verschiedene, erprobte (selbstgemischte) Kräuter-/Gewürzmischungen auf Vorrat, so dass ich nur noch ein Paket (200ml) Creme Fraiche nehme, den Inhalt auf zwei Dippschälchen verteile und dann nach Geschmack jeweils ca. 1 Teelöffel Kräuter-/Gewürzmischung dazugebe, gründlich verrühre und fertig.

Letzte Woche habe ich Gemüsesuppenbrühpulver selber gemacht, nach diesem Rezept, und es nach einem ersten Test sofort in das feste Repertoire meiner Lieblingsrezepte aufgenommen.



Es ist wirklich ganz ausgezeichnet perfekt und ich denke, ich werde jetzt ausschließlich nur noch dieses Suppenbrühpulver verwenden.
K meckerte zwar, dass das ganze Haus nach Suppe riecht, aber nachdem er jetzt zum zweiten Mal den Dipp aus Creme Fraiche und 1 TL von diesem Pulver essen durfte, ist er versöhnt und meint auch, dass man das Rezept unbedingt wiederholen muss, wenn das Glas alle ist.

Als getrocknete Pilze habe ich Steinpilze genommen, weil ich die erstens grade da hatte und zweitens auch am liebsten mag - und ich denke, das war eine sehr gute Idee, hier werde ich nicht variieren.
Insgesamt habe ich etwas weniger Sellerie genommen als in dem Rezept angegeben, weil ich nicht so der Selleriefan bin und in dem Rezept ja auch gewarnt wurde, dass Sellerie schnell vor schmeckt. Dafür habe ich mehr Petersilienwurzel reingepackt, die mag ich nämlich gerne. Sonst habe ich mich streng an das Rezept gehalten - die Menge war so, dass sie ganz haarscharf im Thermomix verarbeitet werden konnte. Ich hatte zwischendurch Bedenken, aber dann ging doch alles rein.

Ich habe keine drei Backbleche, aber ich habe dieses geniale Pizzagestell, was problemlos zwei Backbleche ersetzte. Insgesamt ergab es nachher eine 500ml Dose voll Gemüsepulver, ich finde, dafür lohnt sich der Aufwand.

Zum Essen gab es heute Abend den ersten Glühwein der Saison, der duunt gewaltig, ich denke, ich gehe jetzt ins Bett
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Mittwoch, 13. November 2019
Viel geschafft, ohne es als erledigt markieren zu können
Der Tag war in Summe erfolgreich, das heißt, es sind Dinge geglückt und Entscheidungen getroffen worden, die mir sehr gefallen und mich auch durchaus zufrieden machen, aber die positiven Dinge sind irgendwie alle komplett unerwartet passiert und das Einzige, was ich dafür geleistet habe, war, dass ich es nicht verhindert habe (was ja in manchen Situationen auch schon eine echte Leistung ist), was mich aber ärgert, ist die Tatsche, dass ich von den Dingen, die ich heute eigentlich schaffen wollte, nichts, und ich wiederhole: NICHTS geschafft habe.
Okay, ich habe mich zwischendurch auch regelmäßig selber unterbrochen, weil mir ständig Dinge einfielen, die ich dringlich und auch noch und manche schon seit längerem erledigt haben wollte, die habe ich dann mal fix dazwischen geschoben, so dass meine Abhakliste für heute ziemlich lang wäre, hätte ich die erledigten tasks vorher auch alle als tasks erfasst. Habe ich natürlich nicht, also ist meine Abhakliste sehr kurz, genau genommen eben bei Null, was mich frustriert, weil ich in echt ja schon eine Menge geschafft habe - nur halt nix von der Liste.

J geht mit seiner Abhakliste ja ganz anders um, der eröffnet hemmungslos tasks, wenn er sie längst erledigt hat, nur um sie dann sofort abhaken zu können. Irgendwie fühle ich mich aber zu alt, um mich so läppisch selber zu behumßen, ich habe den Ehrgeiz ERST eine Liste zu machen und sie dann abzuarbeiten und nicht umgekehrt. Das Problem ist dann halt, dass ich ständig daran denken muss, Dinge auf die Liste zu setzen, was ich insbesondere mit Dingen, die ich ja sowieso ständig vergesse, nur ganz schlecht hinbekomme. Verzwickt.

Nun, heute hatte ich also nix zum Abhaken, dafür waren die Tagesergebnisse aber durchaus produktiv, ist ja auch was
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Dienstag, 12. November 2019
Noch mehr Quinoa und Respekt
Fangen wir heute mal von hinten an: es war noch reichlich Quinoa von gestern übrig, deshalb habe ich heute die Hälfte des Restes (was also heißt, auch für morgen ist noch was da, was daran liegt, dass ich das von vornherein wusste und in voller Absicht so viel Quinoa gekocht habe, eben weil ich es praktisch finde, dass das essen der Folgetage dann quasi auch schon geklärt ist) - also, wo war ich? ach ja, ich habe die Hälfte des restlichen Quinoas heute zusammen mit einer gleich großen Menge frischem Gemüse (Zwiebeln, Paprika, Pilze, Möhren, Lauch und Knoblauch) gebraten, Gesamtergebnis: Sehr lecker und sieht so aus:



Morgen brate ich dann noch ein paar Putenschnitzel dazu und noch mehr Gemüse, ich mag es, wenn das Essensthema schon belastbar für die nächsten Tage geklärt ist.

Zurück zum Anfang des Tages: Die Bürozeit habe ich fast ausschließlich in einer Besprechung verbracht (ja nur eine, die dauerte), und mir während der Besprechung überlegt, dass ich eigentlich keine Lust mehr habe, andere Leute aus-, fort- oder weiterzubilden. Zumindest nicht, wenn die anderen Leute meinen, sie müssten mit mir auf "Augenhöhe" diskutieren.
Wir sind hier wieder bei dem Thema "Respekt" und nein, ich habe meine Gedankengänge dazu immer noch nicht so weit sortiert, dass ich den Beitrag dazu fertig habe bzw. veröffentlichen möchte, aber ich hatte heute noch mal live Gelegenheit darüber nachzudenken, wie weit ich bereit bin, mit anderen Leuten respektvoll umzugehen und mir ist dabei aufgefallen, dass es daran scheitert, dass ich finde, die anderen gehen ja auch nicht respektvoll mit mir um.

Ich meine, wenn ich von bestimmten Dingen einfach keine Ahnung habe, manche Dinge schlicht nicht beherrsche und auch zu wenig eigene Kapazität mitbringe, um in einem angemessenen Tempo in die Liga der anderen Mitspieler aufzuschließen - kann ich dann wirklich erwarten, dass mich die anderen auf Augenhöhe respektieren?

Wir reden hier nicht von allgemeinen, zwischenmenschlichen Befindlichkeiten, wir reden hier einfach nur von knallharten Jobfacts, die sind definierbar, erkennbar und sehr genau zu belegen. Und sorry, aber ein Großteil der Fähigkeiten in diesen Jobs besteht schlicht daraus, dass man Dinge einfach weiß.
Dass man sie weiß, weil man sich mit dem Thema beschäftigt hat, weil man sich vor allem in der Form mit dem Thema beschäftigt hat, dass man maximal viel an "alten Unterlagen/Schriftsätzen" gelesen hat, und weil man sich gleichzeitig auch darum kümmert, dass man Neuerungen mitbekommt, in dem man Fachzeitschriften liest und nachhaltig bemüht ist, wissenstechnisch à jour zu bleiben.

Und nein, ich finde nicht, dass eine Besprechung zu einer internen Fortbildungsveranstaltung ausarten sollte (weil, sonst hätte man sie gleich als Fortbildungsveranstaltung kennzeichnen können, dann wären aber auch die Rollen anders verteilt.) und ich finde noch weniger, dass man denjenigen, die so offenkundige Wissens- und Kapazitätslücken haben, dann immer noch höflichen Respekt entgegenbringen sollte, ich finde viel mehr, dass man denjenigen, die auf dem Niveau einer Fachbesprechung nicht mithalten können, das auch signalisieren sollte. Damit sie nicht lästkigerweise konstant der irrigen Annahme verfallen, dass es doch eine positive Besprechung gewesen sei, weil sie schließlich sehr viel gelernt hätten.

Ich finde nämlich, dass diese Leute absolut nicht respektvoll mit mir, meiner Zeit und meinen Möglichkeiten umgehen.
Ich finde, ich bin keine Kindergartentante, die für die allgemeine Ausbildung inkompetenter Kollegen zuständig ist, dafür bin ich schlicht überbezahlt.

Wenn jemand Dinge nicht weiß und eine Fortbildung braucht, ist das völlig legitim - aber mich dafür zwangszuverpflichten, in dem solche Menschen mit ihrer offensichtlichen Inkompetenz eine ganze Besprechungsrunde aufhalten, und ich mich deshalb bemüßigt finde, die Grundlagen des kleinen Scheins im öffentlichen Recht noch mal für alle zu wiederholen, das macht mich böse.
Und es macht mich noch mehr böse, wenn die Auslöser dieser überflüssigen Fortbildungsveranstaltung irgendwelche Führungspersönlichkeiten sind, die aufgrund seltsamer Auswahlkriterien (oder einer allgemein schwachen Bewerbungslage) zu einem Job gekommen sind, von dem sie offensichtlich überfordert sind.
Und nein, ich habe einfach keine Lust, mit diesen Leuten respektvoll umzugehen, eben weil sie es umgekehrt ja auch nicht tun.
Jemand, der einen Job macht, den er nicht beherrscht, hat meiner Meinung nach kein Recht, formalen Respekt wegen seiner Position zu erwarten. Wenn jemand Dinge nicht weiß, weiß er sie nicht. Ein Chef unterscheidet sich von einem Fließbandarbeiter aber dadurch, dass er das fehlende Wissen deutlich schneller nachholt. Ein offensichtlich auffallend begriffsstutziger Chef mag vielleicht formal ein Chef bleiben - aber den Anspruch auf Respekt hat er ganz sicher verspielt.

Mir ist also aufgefallen, dass es für mich einen großen Unterschied macht, welche Position jemand innehat und wie er sich auf dieser Position verhält.
Einem Hausmeister erkläre ich mit sehr viel Geduld, sehr viel Engagement und eben auch sehr viel menschlichem Respekt irgendwelche Zusammenhänge, die für ihn bisher neu waren und er sich erst langsam in diese neue Wissenswelt einfinden muss.
Denselben Sachverhalt mit denselben Zusammenhängen erkläre ich jemandem, der eine gehobene Führungsposition hat, deutlich knapper und mit viel weniger Engagement. Dass er es bisher vielleicht noch nicht wusste, finde ich nicht schlimm, ich erwarte aber, dass er das fehlende Wissen in kürzester Zeit nachholt.
Tut er das dann nicht, weil er per Saldo auch nicht mehr geistige Kapazität hat als der Hausmeister, verliere ich bei einem Menschen in einer gehobenen Position wesentlich schneller den Respekt als bei jedem Aushilfshandwerker.

Ich bleibe dann noch formal höflich - aber wenn der Respekt erst mal weg ist, ist auch gleichzeitig jede Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit verschwunden, und ich glaube, das ist ein sehr weit verbreitetes Problem in deutschen Büroetagen
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Montag, 11. November 2019
Steuerbilanz und Quinoa mit Kürbis
Ein ausführliches Montagsgejammer spare ich mir an dieser Stelle, es war aber heute besonders übel. Bis 9h habe ich mit mir gekämpft, ob ich überhaupt ins Büro gehen solle und nicht lieber anrufen und mitteilen, ich sei verstorben oder eine ähnliche Ausrede vortragen.

Gegen 10h hatte ich es aber dann doch geschafft mich aufzuraffen und trat tapfer meinen Arbeitstag an.
Zwischen 11h-15h habe ich meine Bürotür zugemacht, das Telefon ausgehangen und mich mit der Steuerbilanz der Holding befasst.
Als im März die Handelsbilanz fertig geprüft war, habe ich mich sofort an die Steuerbilanz gemacht, ich hatte damals grade einen Schwung guter Vorsätze. Leider aber auch sofort rund 90 Millionen Differenz. Das hört sich viel an, da die Holding aber mit Milliardenbeträgen unterwegs ist, relativiert sich das, trotzdem sind 90 Millionen zu viel, um als Rundungsabfall unter den Tisch zu fallen.

Ich habe im März dann das gesamte Thema Steuerbilanz erstmal beiseite geschoben, besser mal ein paar Wochen drüber schlafen.
Nach den Sommerferien habe ich die unvollendete Steuerbilanz wieder rausgekramt, vor allem auch, weil die Finanzamtsmahnungen eintrudelten und mir klar wurde, es hilft ja nix.

Mittlerweile habe ich die Bilanzen und Erklärungen der kleineren Beteiligungsgesellschaften im Wesentlichen fertig, nur bei der Holding, da hakte es.
Die Differenz hatte sich zwischendurch mal von +90 Millionen auf -27 Millionen verändert, aber alles noch zu groß, um ignoriert werden zu können.
Dann fand ich einen Fehler, den die Wirtschaftsprüfer in die Handelsbilanz gebastelt hatten. Die hatten 17 Millionen vergessen abzuschreiben, so was kann ja mal passieren. War nur ärgerlich, weil die meine Zahlen, die ich vorher ermittelt hatte, einfach overruled hatten und ich habe ihre Änderungen nicht mehr kontrolliert. Unterm Strich dann also doch wieder mein Fehler.
Alter Merksatz: Lasse nie einen Wirtschaftsprüfer ungeprüft Dinge machen. Habe ich ja eigentlich schon vor 29 Jahren gelernt, schließlich war CW der Prototyp eines rechthaberischen Wirtschaftsprüfers, die immer alles besser wissen, es aber längst nicht so oft auch wirklich besser können. Aber ich habe es nicht kontrolliert und jetzt flogen mir diese 17 Mio schon mal störend in der Steuerbilanz um die Ohren. Doch meine Differenz hatte trotzdem noch mehr Gründe - und ich fand sie ums Verrecken nicht. Kruzifix.

Heute deshalb neuer Anlauf. Mit Tür zu und Telefon aus und ich habe dann einfach noch mal ganz vor vorne angefangen. Einfach alles noch mal - und, siehe da, nach vier Stunden war die Steuerbilanz fertig, Differenz 0 und alle Positionen sauber miteinander verknüpft.
Da war ich dann doch schon etwas stolz.

Auf dem Rückweg vom Büro habe ich noch ein Brot gekauft und obwohl ich in beschwingter Einkaufslaune war, ansonsten nichts mehr gefunden, was ich noch zusätzlich kaufen könnte. So was gibt mir auch immer zu denken.

Zuhause angekommen klingelte das Telefon und K teilte mit, dass er erst in über einer Stunde da sein würde, aber reichlich Hunger hätte.
Also beschloss ich, heute mal wieder Quinoa und Kürbis zu machen, von beidem ist grade genug im Haus.
Ich hatte neulich einen ganz kleinen, niedlichen Butternusskürbis gekauft, der erschien mir genau passend groß für zwei Portionen.

Weil ich gestern der Mutter versucht habe zu erklären, wie das mit Quinoa funktioniert, habe ich es heute mal fotografiert:



Was die Zubereitung von Quinoa angeht bin ich lupenreiner Autodidakt, ich habe mich einfach mal quer durchs Internet gelesen und aus den vielen Rezepten und Tipps meine persönlich Anleitung herausgeleitet, da ich es jetzt schon mehrfach gekocht habe, kann ich bestätigen: Funktioniert inzwischen.
Quinoa gibt es in weiß und in "bunt" - genau wie Reis, den gibt es ja auch als schwarzen Wildreis und unterschiedlich lange oder runde weiße Körner.
Ich habe bisher meist die bunte Version Quinoa gekauft (gibt es bei Aldi Nord), Lidl hat nur die weiße Variante und bei Edeka habe ich es nicht gefunden, da kenne ich mich aber auch nur mittelgut aus, wahrscheinlich werden die es auch haben.
Im Netz wurde mehrfach erwähnt, dass man die Quinoakörnchen sehr gut waschen soll vor der Zubereitung, weil da irgendwas dran klebt, was sonst bitter schmeckt.
Ich habe noch keinen ungewaschenen Quinoa probiert, weiß also nicht, ob das stimmt oder ob es nur ein Twist ist, um ein wenig Aufregung in die Zubereitung zu bringen - denn die Quinoakörner sind so klein, dass sie mir ewig durchs Sieb fielen. Bis ich dann auf die sehr gut funktionierende Idee mit dem "Suppenbeutel" gekommen bin. Ursprünglich mal gekauft, um darin Dinge in einer Suppe mitzukochen, die man dann problemlos wieder rausfischen kann, eben weil sie brav zusammen in dem Beutel bleiben, eignet er sich auch hervorragend als Quinoawaschbeutel.
Das Problem habe ich also schon mal erfolgreich gelöst.

Nach dem gründlichen Waschen brate ich den feuchten Quinoa in Olivenöl an, wenn er beginnt, ganz wunderbar zu duften kippe ich die doppelte Menge Wasser in den Topf (ich nehme immer eine Tasse Quinoa und zwei Tassen Wasser) sowie zwei Teelöffel Gemüsebrühe. (habe ich übrigens neulich auch selber gemacht und bin sehr begeistert, erzähle ich ein ander Mal.), Dann einmal aufkochen lassen, anschließend runterdrehen bis es nur noch leise simmert und warten, bis das Wasser verkocht ist. Dauer ca. 25 Minuten.
Genauso mache ich übrigens auch Reis, der lässt sich nur leichter waschen.

Den Kürbis habe ich halbiert, die Kerne rausgekratzt, dann in kleinen Abständen eingeschnitten, alles mit Olivenöl, Salz und Pfeffer bepinselt und bestreut, in das Körnerloch noch ein wenig Knoblauch, Kräuter, Butter und Honig gegeben und während das Quinoa gar zieht bei 180° im Backofen weichgebraten.
Die Garzeiten passen gut zu einander.



Als K nach Hause kam, war das Essen fertig.
Ich habe während das Zeug im Ofen/auf dem Herd vor sich hinschmurgelte Fernsehen geguckt. Auf NDR 3 haben sie tiefgefrorene, fertigpanierte Minihähnchenschnitzel getestet und - Überraschung! - festgestellt, dass die nix taugen und eklig schmecken. Das hätte ich denen schon vor dem Test sagen können, ich frage mich schon immer, wer so etwas kauft und wie abgestumpft man sein muss, um es dann auch noch zu braten und zu essen. Aber Fertigessen scheint ja ein wachsender Markt zu sein.
Dabei bin ich bekennender Fast Food Fan - es hat aber auch alles seine Grenzen und tiefgefrorene Minischnitzel sind auch nicht schneller hergestellt als frische, selbst panierte, ich sehe bei solchen Dingen also den Vorteil gar nicht - außer dass das Fertigzeug teurer ist, schlechter schmeckt und nur den Hersteller erfreut
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Sonntag, 10. November 2019
Bielefeld und seltsame Preisbegründung
Am frühen Morgen fuhren wir nach Bielefeld, es hatte über Nacht ganz leicht gefroren und taute grade weg, so dass ein sanfter Nebel in der Luft hing, der das ansonsten sehr helle Sonnenlicht etwas dämpfte.
Mich fasziniert das Licht des Herbstes immer wieder, heute hatten es mir die Bäume auf der B54 angetan.



In Bielefeld verbrachte ich einen schönen halben Tag mit der Schwester, bis sie zu einem anderen Termin fuhr, anschließend unterhielt ich mich ein wenig mit der Mutter, bis K erschien, um mich abzuholen und wir wieder nach Hause fuhren.
In der letzten Woche bin ich/sind wir enorm viel in der Gegend rumgefahren, ich brauche jetzt erst mal ein wenig Rumreiseerholung.

J wünscht sich ja eine auffällige oder hässliche Picknickdecke und ich habe heute mal gegoogelt, was der Markt so an hässlichen Picknickdecken zu bieten hat.
Ist gar nicht so einfach, danach zu googeln, denn wenn ich eingab "hässliche Picknickdecke", wurde entweder mehrfach so eine seltsame Teppichdecke von Fatboy für 280 € angezeigt* - oder Bilder von hässlichen Picknickdecken, die ich alle völlig okay fand.

*wer um alles in der Welt kauft so ein Ding für derart viel Geld???? Über Geschmack will ich gar nicht streiten - aber der Preis ist ja wohl nur abgedreht.

Aber dann habe ich doch eine Decke gefunden, die wunderbar zu Js Anforderungen passt: Ziemlich auffällig, kultig oder hässlich je nach Blickwinkel, auf alle Fälle genug Grund, ausführlich darüber zu reden.
Eine Prilblumendecke, gab es diesen Sommer umsonst von Henkel, wenn man genug Produkte kaufte und die Kassenbons hochlud.
Die Aktion ist zwar vorbei, es gibt aber genug Angebote auf ebay und ebay Kleinanzeigen.

Ein Angebot war aus Bielefeld, seit August online, so ganz viele Liebhaber scheint es wohl nicht für die Decke zu geben. Ich fand Bielefeld natürlich grade sehr praktisch als Artikelstandort, schrieb die Anbieterin an, die auch prompt antwortete, ja, Decke sei noch da und ja, ich könne sie auch am Nachmittag abholen. Ich sagte ihr, ich bräuchte die Decke nur als Witzgeschenk und ob sie auch mit fünf Euro weniger einverstanden sei als sie als Preis aufgerufen hatte. (Sie wollte 15 € haben, es gab aber auch andere Pril-Decken für 12 € Verhandlungsbasis und überhaupt kosten Picknickdecken bei ebay Kleinanzeigen meist einstellig. Wirklich günstig sind also 15€ für eine Werbegeschenkdecke nicht unbedingt. Und außerdem bietet sie die Decke seit drei Monaten erfolglos an.)
Ihre Antwort: 'Nein, sie müsse schon den vollen Preis haben, da sie dafür Kerzen für das Grab ihrer Tochter kauft.'
Über diese Antwort habe ich mich derart geärgert, dass ich spontan beschloss, bei dieser Dame ganz bestimmt überhaupt nichts zu kaufen. Lieber bezahle ich fünf Euro mehr bei jemand anderem als dieser Frau auch nur 10 cent zu geben. So eine blöde Pissflitsche. Das ist ja wohl die widerlichste Bettelmasche, die ich mir vorstellen kann. Kerzen für das Grab der Tochter - und die Kohle für diese Kerzen hat sie nur, wenn sie eine Decke verkauft, die sie im Sommer umsonst ergattert hat und seitdem verzweifelt versucht, gegen Kerzengeld zu tauschen? Ich will gar nicht wissen, woran die Tochter gestorben ist, aber bei solch einer Mutter habe ich sofort Bilder im Kopf.

Am Abend habe ich dann noch ein wenig Post erledigt, ein Schreiben ans Finanzamt fertig gemacht (und vorher die dafür nötigen Zahlen erfolgreich zusammengetragen, Fristablauf morgen, damit also perfekte Punktlandung), und schließlich noch für das im März verkaufte Grundstück in Mönchengladbach eine Übersicht über die bei mir angemahnten Grundstückskosten gefertigt, um einmal abzurechnen, wer diese Kosten überhaupt schuldet. Eine Arbeit, die seit August auf meiner to-do.Liste steht.
Blöderweise war der Eigentumsübergang nämlich am 25.3., die Grundbucheintagung aber erst irgendwann im Mai, so dass alle Kosten bis zur Grundbuchberichtigung zunächst bei mir angefordert werden und ich muss dann mit dem neuen Eigentümer wieder abrechnen. Ein ziemliches Durcheinander.
Aber ich glaube, jetzt blicke ich grade etwas durch.

Morgen beginnt wieder eine neue Woche, ich merke jetzt schon, wie meine Motivation Purzelbäume rückwärts schlägt, wenn ich jetzt künftig immer schon am Sonntag über den Montag jammere, ist das doch auch eine Abwechslung, oder?
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Samstag, 9. November 2019
Ausruhtag mit rückblickendem Gewunder
Der Tag bestand vorwiegend aus Ausruhen, ich merke mein fortschreitendes Alter deutlich.
Früher wäre so eine Woche wie diese für mich ein Klacks gewesen, eine Lächerlichkeit im Strudel wilder Tage, aber diese Zeiten sind lange vorbei.
Geblieben ist eine vage Erinnerung an laute Tage mit langen Nächten voller Musik, Tanz, Alkohol und wirren Gesprächen.
Vergessen ist der Antrieb und der Grund für das Leben in dieser Zeit.
Es war halt so, man lebte so, oder ich lebte so, weil ich dachte, es sei halt so? Ich weiß es nicht mehr und heute erscheint es mir wie ein abstruser Traum. Was in aller Welt hat mich damals getrieben, so ein Leben zu leben?

Es ist lustig, wie ich die Erinnerung verliere. Ich weiß noch, dass ich so gelebt habe, aber nicht mehr, warum.
Oder habe ich mich das nie gefragt, damals? Das würde mich dann sehr erschrecken. Das Erschrecken kommt mit großer Verspätung, aber man trifft sich im Leben ja immer zweimal, und vielleicht hätte ich mich damals schon erschrocken, wenn ich die Frage nach dem Warum an mich herangelassen hätte. Heute dagegen bin ich schon lange nicht mehr beweglich genug, um solchen Fragen auszuweichen. Heute holt es mich also unweigerlich ein, das Erschrecken.
Und die große, unbeantwortete Fragen, warum Menschen sich so ein Leben antun?

Die Feier gestern Abend war mir in Summe hauptsächlich anstrengend. Ich fand es mühsam, einen zweiten Tag in Folge schon wieder mit so vielen Menschen in einem Raum zu sein. Ich fand die Lautstärke, die ganz zwangsläufig entsteht, wenn viele Leute in einem Raum sind, ausgesprochen nervenbelastend und ich fand es unbeschreiblich anstrengend, dass es so viele Menschen gab, die ich vorher kaum (oder gar nicht) kannte, die aber endlich die Gelegenheit nutzen wollten, um Smalltalk zu machen.
Was um alles in der Welt treibt die Leute dazu, in einer Umgebung, in der es ohne ein eigenes Gespräch schon so laut ist, dass man sein eigenes Wort kaum versteht, wieso meinen Menschen, dass sie in so einer Umgebung mit mir (oder wer ansonsten auch immer ihr zufälliger Tischnachbar ist) Smalltalk machen müssen?
Ich verstehe nicht was sie sagen und ich habe nicht genug Stimmkraft, um ihnen irgendwas zu antworten - die gesamte Situation ist einfach nur unglaublich schwachsinnig. Mindestens oder passend genauso schwachsinnig wie der Inhalt der Gespräche, die geführt werden.
Warum machen Menschen so etwas? Was soll damit erreicht werden? Was ist anschließend besser? Besser fortentwickelt oder was weiß ich in welche Richtung besser vorangetrieben? Die Sozialkontakte? Das glaubt doch niemand wirklich, oder?

Auf dem Wirtschaftsprüferfest habe ich einen Anwalts-Kollegen* getroffen, den ich bisher nur vom Telefon kannte, das war positiv. Wir haben uns während des Abends vor den Toiletten verabredet, um ungestört ein paar Worte wechseln zu können. Ansonsten habe ich hauptsächlich Leute getroffen und "kennengelernt", von denen ich jetzt weiß, dass ich einen weiteren Kontakt mit ihnen unbedingt vermeiden muss, mein Leben dauert nicht mehr lange genug, um meine Zeit mit solchen Nichtigkeiten zu verschwenden. So gesehen auch positiv, wenn das Ergebnis des Abends eine konkretisierte Negativliste ist.
*Ich habe ja wirklich große Vorbehalte gegen Juristen, aber dieser eine, spezielle, machte mir einen erstaunlich vernünftigen Eindruck, der sich beim persönlichen Kennenlernen sogar noch verstärkte, Sachen gibt's.

Auf der Feier gestern Abend gab es aus meiner Sicht dagegen wirklich gar nichts Positives, außer dem Essen, das war wirklich sehr gut. Und natürlich die Tatsache, dass ich meiner gesellschaftlichen/beruflichen Verpflichtung ordnungsgemäß nachgekommen bin. Man hat wahrgenommen, dass ich da war, das ist wichtig, ich durfte aber auch früh wieder gehen, habe ich beschlossen, mein Abgang war allerdings polnisch. Ich werde wohl am Montag erfahren, wann es dem ersten auffiel, dass ich nicht mehr da war.

In Summe bin ich allerdings zu alt für all das.
Den Abend heute auf der Couch fand ich derart ungleich schöner als es jede festliche Veranstaltung hätte sein können, ich sollte darauf achten, dass ich noch deutlich viel mehr Abende auf der Couch verbringe
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