Ich war immer so stolz auf meinen fatalistischen Pragmatismus. "Hilft ja nix."- einer meiner Standardsätze, denn wenn Sachen sind wie sie sind, ist es sinnvoller, sie einfach zu akzeptieren und sich einen pragmatischen Weg raus aus der Katastrophe zu suchen, statt sich in die Ecke zu setzen und alle drei Affen auf einen Schlag zu imitieren.
Zwar bin ich noch nicht so weit, dass ich die Realität durch Nichtwahrhabenwollen versuche zu negieren, aber immer öfter passiert es mir, dass sie mich ausknockt und dass ich dann statt energisch die Ärmel aufzukrempeln und wegen Widerstand und "hilft ja nix" mit doppelt soviel Energie nach einem Ausweg suche, verstört und bewegungslos vor dem Chaos stehe und mich hilflos fühle.
Immer öfter passiert es mir, dass mir Sachen zu viel werden, dass ich einfach nicht mehr kann, noch nicht mal aufregen kann ich mich dann und das ist bei mir wirklich ein sehr schlechtes Zeichen.
Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, dass ich nicht mehr so viel schaffe wie früher und dass alles, was ich mache, regelmäßig länger dauert, als ich selber vorher dachte, dass ich dafür benötige.
Meine Verlangsamung ist dabei so ruckartig passiert, dass mein Kopf damit gar nicht richtig mitgekommen ist. Ich denke immer noch, ich kann alles mal eben schnell wegerledigen und bin dann am Abend bass erstaunt, was ich mal wieder alles nicht geschafft habe, mich dafür aber nach einem 9 Stunden Arbeitstag fühle wie nach einer Doppelschicht ohne Wochenende.
Außerdem mache ich Fehler und zwar solche Fehler, wie ich sie bei andren Leuten sehr verachte, nämlich gehäufte Mengen an Flüchtigkeitsfehlern. Einzelne Flüchtigkeitsfehler können immer mal passieren, das ist nichts schlimmes, aber wenn sich diese Ungenauigkeiten häufen, dann sieht es nach einem strukturellen Problem aus und dagegen sollte man unbedingt was tun.
Leider habe ich noch keinen Plan, was ich dagegen tun könnte, denn das einzige, was mir einfällt wäre, langsamer und sorgfältiger zu arbeiten, aber das ist zur Zeit mit meinem Kopf noch nicht vereinbar.
Denn der wehrt sich sofort und sagt: "Was, NOCH langsamer? Dann schaffe ich ja überhaupt nichts mehr, das kommt auf keinen Fall in Frage. Für noch langsamer fehlt mir die Zeit."
Überhaupt, die Zeit, das ist auch so ein Problem.
Früher war ich immer fest davon überzeugt, dass die Zeit zu den Menschen gehört und wenn ein Mensch älter und langsamer wird, dann wird auch seine Zeit langsamer. Er braucht ja auch nicht mehr so viel, dachte ich früher.
Junge Menschen rennen oft im Dauerlauf durch ihre Tage, da muss die Zeit genauso fit sein und neben ihnen her joggen. Jungen Menschen geht vieles nicht schnell genug, sie treiben die Zeit deshalb ständig an und verlangen Höchstleistungen.
Ich dachte, wenn man die Zeit nicht mehr antreibt, wenn man selber langsamer geht und mehr Pausen macht, dann passt sich die Zeit an und vergeht auch langsamer.
Ich fürchte, das war eine ziemlich Fehlvorstellung, denn ich stelle fest, dass das nicht stimmt, sondern es ist genau umgekehrt. Je langsamer ich werde, umso mehr rast die Zeit. Alles verfliegt nur noch, Wochen, Monate, Jahre, alles rauscht in einem irren Tempo an mir vorbei und einmal nicht aufgepasst, wusch, schon ist wieder ein Jahr um.
Es ist also wahrscheinlich so, dass die Zeit grundsätzlich immer mit Mach 3 unterwegs ist, dass aber junge Menschen noch genug Energie haben, um bei diesem Tempo mitzuhalten, aber je älter und je langsamer man wird, umso mehr muss man sich daran gewöhnen, dass die Zeit schneller ist als man selber.
Das ist eine ziemlich unangenehme Erkenntnis, aber wahrscheinlich liegt auch genau hier die Erklärung, warum ich für so vieles keine Erklärung mehr habe: Es war alles da, es lag alles in der Luft und ich hätte nur danach greifen müssen, aber es ist mit der Zeit an mir vorbeigeflogen und ich war nicht mehr schnell genug, zum richtigen Moment nebenher zu laufen und die wichtigen Dinge rauszufischen.
Jetzt hoffe ich nur, dass das Feature "altersgerechtes Zeitgefühl" nicht auch schon an mir vorbeigeflogen ist, sondern dass ich es mir demnächst noch runterladen kann, um mich endlich nicht mehr so verloren zwischen den rasenden Tagen der Gegenwart zu fühlen
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Meine Mutter vertritt diese Meinung und ich teile sie vollumfänglich, weil ich an mir selber beobachten kann, dass ich wohl grade wieder so eine Stufe runtergefallen bin.
Plötzlich gehen mir Dinge so sehr auf die Nerven, dass ich die schlechte Laune, die dadurch verursacht wird, schon fast körperlich schmerzhaft wahrnehme und es gelingt mir nicht mehr, diese Dinge mit meiner bisherigen Gelassenheit einfach achselzuckend hinzunehmen, sondern ich habe das Gefühl, ich habe das nächste Level von Altersbockigkeit erreicht.
Gleichzeitig hat mein Körper einige Fähigkeiten sozusagen über Nacht eingestellt oder verändert, so haben sich zB meine Beine sehr zügig von meinem bisherigen, für mich normalen Zustand "dünne Klapperstelzen ohne weitere Auffälligkeiten" in die neue Version "hässliche Altfrauenbeine mit Besenreisern und Wasserödemen" verwandelt. Meine bisher sehr unempfindliche Haut, die ich sozusagen gar nicht pflegen musste, weil sie keinerlei Probleme machte, ist plötzlich staubtrocken und juckt dementsprechend unangenehm. "Altershaut" sagte Tante Google dazu, ich creme also wie blöd dagegen an und hasse es.
Ein weiteres, sehr schreckliches Feature meiner sprunghaft fortgeschrittenen Demenz sind Wortverwechslungsstörungen.
Wortfindungsprobleme habe ich schon lange, daran bin ich gut gewöhnt und trainiert, die notwendigen Wörter gegebenenfalls einfach selber neu zu erfinden. Wenn man das mit ausreichend Selbstverständlichkeit macht, gibt es nur sehr selten Verständigungsprobleme und manche Wörter hat K sofort adoptiert, weil sie ihm viel besser gefallen als die vom Duden vorgesehenen Begriffe.
Wenn man aber Wörter verwechselt und das immer erst mit Verzögerung bemerkt, dann ist das nicht nur peinlich, sondern auch enorm kommunikationshemmend.
"Ich fahre einkaufen, soll ich noch was mitbringen?" fragt K und ich sage "oh, das ist gut, bring doch bitte Salat mit."
Als K die Einkäufe auspackt, bin ich verwundert, warum er die Gurke, die mir zum Salat noch fehlte, nicht mitgebracht hat, sondern noch mehr Blattsalat.
Als ich noch nur Wortfindungsprobleme hatte, hätte ich wahrscheinlich so ein Katzenerschreckgemüse bestellt und als großer Fan von Ärgervideos hätte K sofort gewusst, was ich haben will.
Weil ich den Februar dieses Jahr so besonders schrecklich fand, bin ich natürlich überzeugt, dass das alles die üblen Folgen eines ätzenden Monats sind, ganz innen drin fürchte ich aber, es ist tatsächlich einer dieser unvermeidlichen Alterssprünge und ich werde mich wohl damit arrangieren müssen, das Altwerden scheiße ist
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Das gesamte Angebot rangiert ausschließlich im Hochpreissegment, wobei Burlington die hauseigene Billigmarke für Socken ist. Burlingtonsocken gibt es deshalb vereinzelt sogar schon mal unter 10 Euro das Paar, "echte" Falkesocken liegen eher bei gut über 20 Euro pro Paar. Wer Socken sonst nur bei Ernstings Family für 5 Euro im Dreierpack kauft, muss also umdenken.
Dafür sind die Socken aber auch wirklich toll. Das Tragegefühl ist so ungleich viel angenehmer verglichen mit dem von Billigsocken, dass ich mir schon vor einigen Jahren (als ich den Werksverkauf in Schmallenberg frisch entdeckt hatte) mal auf einen Rutsch fast 20 Paar Socken gekauft habe. Im Werksverkauf sind die Socken zwar etwas preiswerter als der normale Ladenverkaufspreis, aber billig sind sie damit noch immer nicht.
Ich glaube, so viel Geld, wie ich an dem Tag für Socken ausgegeben habe, hatte ich in meinem gesamten Leben vorher noch nicht mal insgesamt für alle Socken, die ich mir je gekauft habe, ausgegeben, aber irgendwann muss man ja mal anfangen mit einem Luxuslotterleben.
Ich mag ja auch den Spruch "Ich fliege jetzt Businessclass, sonst würden es meine Erben tun."
Ich fliege zwar nicht Businessclass, weil ich schlicht gar keinen Bedarf mehr habe, mit einem großen Flieger irgendwohin zu fliegen, aber ich trage jetzt Falke Socken - und seit gestern auch einen Falke Jogginganzug.
Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass es sowohl die Jacke als auch die Hose im Werksverkauf mit jeweils 50% Rabatt gab, doch selbst mit diesem Rabatt erschien mir der Preis für diese, ähem, Freizeitkleidung, immer noch sehr Businessclass-mäßig, aber K meinte, wir kaufen das jetzt, so einen edlen Jogginganzug zu kaufen wäre doch auch mal ein Erlebnis und so habe ich neben all den letzten Malen, die ich ja begonnen habe systematisch zu sammeln, doch auch mal wieder ein erstes Mal. Denn dass ich je einen (neuen!) Jogginganzug besitzen würde, der regulär fast 600 Euro kostet, hätte ich mir wirklich nie vorstellen können.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das jetzt der endgültige Beweis dafür ist, dass ich die Kontrolle über mein Leben verloren habe, denn tatsächlich trage ich auch zuhause nur sehr, sehr selten Kleidung, mit der ich nicht auch jederzeit bedenkenlos vor die Tür gehen würde und ein Jogginganzug ist ganz ausdrücklich nichts, was ich jemals freiwillig in der Öffentlichkeit spazieren führen würde, aber dieser Falke Jogginganzug ist so ein seltsames Zwitterding, dass ich mich vielleicht stiltechnisch grade eben noch so verschämt immerhin auf Borkum bis zum Strand damit trauen würde.
Ich gebe aber zu, dass sowohl die Hose als auch die Jacke so ziemlich das angenehmste und bequemste Kleidungsstück sind, was ich je getragen habe, irgendwie scheint es bei der Qualität selbst bei Jogginganzügen gewaltige Unterschiede zu geben.
Ansonsten habe ich nur noch ein Paar Socken gekauft (auch hier 50% Rabatt) und zwei Pullover.
Falke Pullover sind mindestens so toll wie Falke Socken, sehr, sehr angenehm zu tragen, aber regulär auch sehr, sehr weit oben auf der Preisskala. Gestern gab es Einzelstücke mit 75% Rabatt, bei diesen Rabattstrukturen werden selbst Falke Pullover einigermaßen bezahlbar.
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Heute war das Wetter noch besser als gestern, es wird täglich wärmer, so dass wir dachten, wir könnten mal eine kleine Radtour durch den Ort machen.
Unterwegs kamen wir an einem Flohmarkt vorbei, das war eine nette Abwechslung. Sonntagsflohmärkte sind für mich aber meistens nicht so attraktiv wie Samstagsflohmärkte, weil Sonntags fast nur (ausländische) Händler als Anbieter vertreten sind.
Üblicherweise gleicht die Atmosphäre auf einem Sonntagsflohmarkt eher der eines arabischen Souks. Es gibt von Lebensmitteln über Lampen, Sanitär, Kosmetik, Elektronik, Klamotten und Schuhen so ziemlich alles an preiswerter Neuware, was man im Alltag so braucht, ich brauche davon aber normalerweise gar nichts, weil ich preiswerte Neuware lieber beim Discounter kaufe.
Auf dem Flohmarkt kaufe ich gerne gebrauchte Dinge, Privataussteller mit dem aussortierten, eigenen Haushalt gibt es Sonntags aber nur wenige auf den Flohmärkten. Liegt wahrscheinlich daran, dass auch das Publikum auf den Sonntagsflohmärkten zu 90% dem Publikum eines arabischen Souks gleicht.
Ich habe heute deshalb nur zwei Gürtel und eine große Tüte Kerzenreste, in der vor allem Bienenwachskerzen waren, gekauft, das reichte aber auch, wir waren schließlich nur mit Fahrrad und damit ohne Kofferraum unterwegs.
Auf dem Nachhauseweg kamen wir an der Eisdiele vorbei, in der es viele Jahre das leckerste Eis der Umgebung gab. Jetzt gibt es dort einen neuen Betreiber und wir waren uns einig, dass wir diese Eisdiele aus unserer Empfehlungsliste streichen werden.
Sehr traurig, aber sic transit gloria mundi
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Das Wetter spielte mit und so machte die Fahrt über die schlängeligen Wege bei strahlend blauem Himmel unerwartet viel Spaß.
Ganz oben im Sauerland liegt noch richtig echter Schnee, zwar nicht frisch gefallen, sondern schon etwas älter, aber eben noch nicht komplett weggetaut. Die Skilifte sind auch noch alle in Aktion und es herrscht ein reger Betrieb an Wintersportvolk.
Ich war mit einem dienstlichen E-Auto unterwegs, für die Hinfahrt hatte ich mehr als die Hälfte der Gesamtreichweite verbraucht, zurück ging es dann aber ja vor allem bergab, da konnte man durch Fahren sogar wieder Reichweite dazugewinnen.
Insgesamt reichte es genau für einmal Münster-Sauerland und zurück, als ich das Auto in Münster wieder an die Ladestation klemmte, hatte es noch 40km Restreichweite, es hat also problemlos funktioniert, aber für meine Nerven sind so E-Autos ja nix, zumindest nicht für Überlandfahrten.
Etwas anstrengend finde ich auch die übergriffige Technik in diesen Autos, ständig meint das Auto, selbstständig entscheiden zu wollen und bremst schon weit vor dem kommenden Geschwindigkeitsbegrenzungsschild unaufgefordert ab.
Überhaupt bremst das Auto permanent wegen allem möglichen, mich macht das ganz nervös.
Geärgert habe ich mich über die Lüftung, die ich nicht abschalten konnte, irgendwo lüftete es immer und ich hatte ständig das Gefühl, es zieht. Ich habe über drei Stunden rumprobiert, ob irgendwo in den Tiefen des Menus eine Möglichkeit für "Lüftung aus" angeklickt werden konnte, habe ich nicht gefunden, nur Gesamtaus - und dann blieb das Auto stehen.
Da der Termin rechtzeitig erledigt war, reichte es auf dem Rückweg noch für einen Abstecher im Werksverkauf von Sockenfalke, das war sehr schön.
Insgesamt war es ein schöner, aber auch ein sehr anstrengender Tag, der Plan für morgen besteht vor allem aus Ausschlafen
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Erst nach 19h war ich endlich alleine in meinem Büro und habe dann gierig alle Butterbrote runtergeschlungen, die ich morgens als Tagesverpflegung mitgebracht hatte.
Seitdem ist mir schlecht.
Abends um 19h das erste Mal am Tag etwas zu essen und dann gleich vier Butterbrote auf einmal, das scheint kein bekömmliches Konzept zu sein
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Die Leute stecken üblicherweise bis unter die Halskrause voll mit stummen Schuldvorwürfen, die sie aber selbstverständlich nie direkt äußern, sondern nur durch Andeutungen und Seufzen oder in dem sie sich bei anderen über ihr schweres Leben ausjammern.
So Sätze wie: "Schön, dass du auch mal wieder was von dir hören lässt, ich dachte schon, du bist tot." gehören in ihr Alltagsrepertoire, aber auch so Sprüche wie "dass du nach so vielen Jahren plötzlich mit solchen Wünschen ankommst" oder auch "wieso willst du das denn plötzlich nicht mehr machen, das hast du doch immer gemacht."
Ich reagiere auf solche Menschen grundsätzlich enorm aggressiv, weil ich sie als mindestens so egoistisch und rücksichtslos empfinde, wie sie das anderen unterstellen.
Denn üblicherweise sind das Menschen, die enorm davon profitieren, dass die wenigstens Menschen einen Dissens offen ansprechen und lieber nachgeben, bevor jemand anderes offen leidet.
Gleichzeitig kriegen diese Menschen selber eigentlich kaum was geregelt, was aber nicht offen auffällt, weil sie immer jemanden finden, der entweder ihr Versagen deckt oder für sie die Kartoffeln aus dem Feuer holt.
So ein Typ Mensch ist die zweite Sekretärin bei uns im Büro.
Ursprünglich als Chefsekretärin gestartet, musste sie ja schon akzeptieren, dass sie nach der dreijährigen Babypause ihren alten Job nicht wiederbekommen konnte, da der Chef nunmal den Einsatz einer Vollzeitkraft verlangt, weil er keinen Bock hat, seine Arbeit am Nachmittag ohne Sekretariatsunterstützung zu erledigen.
So wurde sie Sekretärin "für die Technik", hier war auch ein Halbtagsjob möglich.
In der Technik war früher immer eine Sekretärin beschäftigt, die die Bänder abgetippt hat, auf denen die Architekten und Ingenieure die Protokolle der Baubesprechungen diktierten und wo regelmäßig Unterstützung gebraucht wurde, wenn es einen der großen Submissionstermine gab.
Submissionen erfolgten früher nämlich noch vollständig analog. Zu einem festgelegten Termin gaben alle Bewerber einer Bauausschreibung ihre Bewerbungsunterlagen gleichzeitig ab, die Umschläge wurden in einem öffentlichen Termin alle gleichzeitig geöffnet, gestempelt und gestanzt, damit sichergestellt war, dass keiner der Bewerber einen Wissensvorsprung hat und etwa schon vorher weiß, zu welchem Preis ein Konkurrent anbietet, denn dann wäre es ja leicht gewesen, ihn zu unterbieten.
Diese Submissionen waren früher eine sehr aufwändige Veranstaltung mit viel Verantwortung.
Heute passiert das alles digital und online und das kann auch eine Person alleine an ihrem Schreibtisch mal eben innerhalb einer Stunde erledigen. Schiefgehen kann kaum noch was, das macht inzwischen alles die Software.
Genau genommen gibt es für eine Sekretärin in der Technik überhaupt keine Arbeit mehr, das aber traute sich niemand, offen zu sagen, denn das hätte diese Zweitsekretärin enorm gekränkt. Schließlich ist sie wichtig und erwartet auch offen, dass die viele Arbeit, die sie in mittlerweile nur noch 25 Wochenstunden so wuppt, ausreichend gewürdigt wird.
Blöd nur, dass niemand so genau weiß, was sie eigentlich noch für Arbeit macht, denn die alte Aufgabe, die Bänder mit den Protokollen abtippen, die ist wirklich schon sehr lange hinfällig, wird aber immer noch von jedem als erstes erwähnt, sofort gefolgt von "und dann macht sie ja alle Submissionen.", wenn man mal nachfragt, was diese Zweitsekretärin eigentlich so grundsätzlich zu tun hat.
Tatsächlich macht sie also eigentlich nichts mehr, was in irgendeiner Weise von Bedeutung wäre, achtet aber sehr auf ihre Position und als ich sie mal bat, für einen Termin, zu dem ich Besuch erwartete, doch bitte Kaffee zu kochen, erklärte sie mir, dass sie fürs Kaffeekochen nicht zuständig wäre, dafür ließe sie sich auch nicht verheizen. Es war schließlich kein Termin für einen ihrer Jungs aus der Technik?
Gestern hat die Geschäftsführung nun offiziell verkündet, dass das Sekretariat insgesamt umstrukturiert wird, dass es künftig nur noch ein Sekretariat für die gesamte Firma gibt und damit einzelne Sekretärinnen nicht mehr einzelnen Abteilungen zusortiert sind. Außerdem wurde verkündet, dass die jetzige "Chefsekretärin" nun offiziell Büroleiterin ist und damit die Chefin aller anderen Sekretärinnen und dass sie entscheidet, wer welche Arbeiten erledigt.
Das schlug ein wie eine Bombe, denn die bisherige Zweitsekretärin ist jetzt nicht nur ihrer ungestörten Freizeit während der Arbeitszeiten beraubt, sondern sie muss auch raus aus ihrem geschützten Einzelbüro und wird künftig offen am Empfang sitzen, was so Ausweichaktivitäten wie stundenlanges Rumtrödeln im Kopierraum effektiv verhindert.
Heute war deshalb akute Krisenstimmung unter den zarter besaiteten Kollegen, denen die Gute erfolgreich vorgejammert hatte, dass sie das niemals erwartet hätte, dass sie nach 17 Jahren, in denen sie sich für die Firma aufgeopfert hat, jetzt so behandelt wird.
Und ich dachte mir, dass das genau das Verhalten ist, was ich so tief verachte: Sich selber immer überall die Rosinen rauspicken und dann beleidigt zu sein, wenn es auffällt und abgestellt wird.
Grundsätzlich habe ich gar nichts dagegen, wenn sich jemand die Rosinen rauspickt, solange er selber genau weiß, dass er eben aktiv Rosinenpickerei betreibt und sich über jede einzelne Rosine, die er erfolgreich ergaunert hat, auch einzeln freut.
Seine eigene Rosinenpickerei aber als selbstverständlich zu betrachten und als "steht mir zu", womöglich noch als Honorierung für die gute Leistung, die man sich irrtümlich einbildet, das ist ein Verhalten, mit dem komme ich grundsätzlich gar nie klar und habe exakt Null Mitleid, mit der Dame, mit der da nun so rücksichtslos und undankbar umgesprungen wird, nach 17 Jahren…
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Ich war also nur kurz weg weg, aber als ich zurück zum Parkplatz kam, stand da ein Polizeiauto und eine größere Menschenmenge direkt vor meinem Auto, ich kam kaum durch.
Es stellte sich heraus, dass ein Mensch mit seinem Auto mein Auto gerammt hatte und als dieser Mensch sich aus dem Staub machen wollte, ist er von zwei anderen Leuten aufgehalten worden, die dann die Polizei riefen und die war grade angekommen als ich auch erschien.
Der Fall ist aber trotz gefasstem Täter leider immer noch arg kompliziert, denn der Unfallverursacher ist Serbe und war auch in einem serbischen Auto unterwegs, allerdings ist das Auto nicht versichert und der Fahrer hat keinen gültigen, deutschen Führerschein.
Insgesamt also alles eher unerfreulich, insbesondere für den unglücklichen Unfallfahrer, denn der hat jetzt ein richtig dickes Problem und wahrscheinlich eh nicht genug Geld, um die Reparatur zu bezahlen.
Wie das jetzt genau weitergeht, weiß ich noch nicht, ich hoffe sehr, dass wenigstens meine Vollkasko den Schaden zahlt, wenn der Unfallverursacher das nicht kann. Schaun wir mal
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Ich war mit Auto und Fähre unterwegs, K mit dem Flieger und meldete bereits eine gute Landung als die Fähre grade erst ablegte. Der See- und Landweg dauert halt schon deutlich länger.
Im Rahmen akuter Energiesparmaßnahmen (die Spritpreise sind ja wirklich explodiert in der letzten Woche) habe ich auf der Rückfahrt den Tempomat konsequent auf 106 km/h gestellt, weil das Auto bei diesem Tempo interessanterweise den niedrigsten Verbrauch anzeigt.
Da ich mit den Luftreisezeiten ja eh nicht mithalten kann, kommt es bei der Autofahrt auf die letzten 10 Minuten schneller dann auch nicht mehr an.
Durch diese optimierte Fahrweise habe ich den Durchschnittsverbrauch tatsächlich um mehr als 2 Liter pro 100km senken können, damit habe ich die Preissteigerung mehr als reingespart, mit den Gesamtkosten bin ich also durchaus zufrieden. Ich sollte künftig an meinem Fahrstil arbeiten.
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Weil es mit dem Flieger aber nur rund zwei Stunden von Haustür zu Haustür dauert, hat K heute die Kühltasche mitgenommen, in der auch die letzten Reste aus dem Tiefkühler waren, denn ich habe ihn endlich überzeugen können, dass es viel sinnvoller ist, den Kühlschrank auf Borkum abzuschalten, wenn wir wissen, dass wir die nächsten vier Wochen höchstens mal am Wochenende da sein werden.
Überzeugt hat ihn ein Strommessgerät, das er an den Kühlschrank geklemmt hatte und das Tag für Tag den gleichen Verbrauch meldete: 1,5 kWh. Bei den heutigen Strompreisen sind das über 50 cent pro Tag, in einem Monat also schon bummelig 15 Euro - und so viel ist der gesamte Kühlschrankinhalt nicht wert, der da dauerhaft durchgekühlt wird, weil es fast unmöglich ist, auch den Tiefkühlinhalt regelmäßig auf den Punkt wegzuverbrauchen.
Aber schnöde Mathematik ist enorm überzeugend, ab sofort wird der Kühlschrank wieder geleert und abgestellt, wenn wir wissen, dass wir erst in vier Wochen wieder für längere Zeit da sein werden.
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Gemeldet hat sich der Schreiner, die Haustür für das Mietshaus und die Innentüren für mein Haus sind da, er plant den Einbau jetzt für die 12. KW, es geht voran.
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Außerdem haben wir die schöne Tempurmatratze bestellt, Lieferzeit 2-3 Wochen, wenn wir Glück haben, kommt sie genau dann, wenn die Schreiner da sind, dann wäre auch das Problem gelöst, wie wir die schwere Matratze die Treppe hoch bekommen.
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Jetzt muss ich nur beim Installateur mal nachhaken, was mit den neuen Heizkörpern ist und auf ein Angebot für zwei neue Bäder warte ich auch schon über ein Jahr. Aber irgendwann wird sich auch an dieser Front etwas bewegen, ich bin da zuversichtlich
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Als ich endlich rauskam, war es 16h, die Sonne machte sich schon fast wieder bereit zum Untergehen und ich hatte gnadenlos schlechte Laune, weil es mir nicht gelungen war, den gesamten Bürokram einfach rigoros zu ignorieren und die Prioritäten anders zu setzen.
Es ist schon etwas bescheuert, aber ich habe mich heute mit meinem eigenen Narrativ ausgetrickst. Grade weil ich ja immer sage, dass ich hier nicht zum Urlaubmachen bin, sondern dass ich hier einfach nur zuhause bin, kann es ja nicht so dringend sein, dass man jede Gelegenheit nutzen muss, um an den Strand zu gehen.
Dabei ist es wohl dringend, denn es geht nicht um Urlaub, sondern um Leben und davon ist gar nicht mehr so viel übrig.
Erstens bin ich schon ganz schön alt und zweitens dreht er Irre da in Russland grade komplett am Rad und wenn der nicht zügig gestoppt wird, dann ist das, was für uns alle übrig bleibt, vielleicht noch viel kürzer als das, was ich bisher nur für mich kalkuliert habe. Grade in Situationen wie im Moment, wo man eben nicht weiß, wie es weitergeht, sollte man die verbleibende Lebenszeit nicht noch unnötig mit Nichtigkeiten vergeuden.
Als mir das klar wurde, bekam ich schlechte Laune.
Und vergeudete noch mehr Lebenszeit mit muffelig sein. Es ist vertrackt.
Als ich um 16h dann endlich das Haus verließ, wollte ich einkaufen gehen, um Backmalz zu kaufen, weil ich mir dieses Rezept in den Kopf gesetzt hatte.
Erkenntnis des Tages: Auf Borkum gibt es kein Backmalz. Gab es mal, wurde aber wieder ausgelistet, weil es zu wenig nachgefragt wurde, was ich verstehen kann. Ich wusste bis heute ja noch nicht mal, dass es sowas überhaupt theoretisch geben könnte, dann ist es logisch, dass ich es auch noch nie nachgefragt habe.
Das Internet sagte aber, ich könne Backmalz durch Rübenkraut ersetzen, deshalb besitze ich jetzt ein halbes Pfund Rübenkraut (minus einen Teelöffel, so viel kam in den Brotteig) und suche nun nach Rezepten für Rübenkraut.
Das Brotrezept hatte ich mir ausgesucht, weil ich alte Roggen- und Vollkornmehlreste hatte, die ich endlich mal verbrauchen wollte. Die sind nun erfolgreich verarbeitet, dafür habe ich jetzt Rübenkraut.
Bei dem Rezept habe ich außerdem den Fehler gemacht, vorher nur die Zutatenliste zu lesen und nicht die Backanweisung, denn dieses Buch wird in einem Römertopf gebacken.
Das habe ich erst bemerkt, als ich den Teig zum Gehen neben die Heizung stellte und dabei mal nebenbei das weitere Vorgehen durchlas.
Römertopf ist blöd, weil ich den grade aussortiert und per Müllsack in die ewigen Jagdgründe geschickt habe. Wie sollte ich auch auf die Idee kommen, dass man in so einem Teil Brote backen könnte.
Ich habe also keinen Römertopf mehr, ich habe alternativ aber einen gusseisernen Brotbacktopf, der funktionierte auch.
Das Brot ist inzwischen fertig und schmeckt ganz okay, ich glaube nicht, dass es sich lohnt, wegen übersteigerter Rezepthörigkeit zur Wiederholung wieder einen Römertopf in den Haushalt einzuführen. Außerdem habe ich ja auch die gemischten Mehlsorten nicht mehr, ich habe jetzt nur noch Rübenkraut
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Wahrscheinlich haben viele Menschen ihre Lieblingsmonate, ich habe vor allem einen Monat, den ich nicht leiden kann und das ist schon seit jeher der Februar.
Der kürzeste Monat des Jahres dauert regelmäßig am längsten, auch dieses Jahr zog er sich wie Kaugummi.
Jede Woche guckte ich einmal hoffnungsvoll auf das aktuelle Datum - und knickte frustriert zusammen, weil wieder nur ein Tag vergangen war.
Aber jetzt ist ja auch diese Hürde geschafft, ab jetzt geht sicher alles besser.
Jetzt müssen nur noch so Kleinigkeiten wie Krieg, Pandemie und Klimakatastrophe erledigt werden, doch immerhin ohne zusätzliche Februar-Belastung.
Für nächsten Dienstag habe ich den nächsten Impftermin gebucht, die drei Monate sind wieder um, die Impfung 5/5 steht an, viel geändert hat sich ja noch nichts an deraktuellensituation, ich behalte also meinen gewohnten Impfturnus bei.
So schade, dass man gegen Krieg nicht impfen kann, obwohl ich die Idee ganz interessant finde, alle Impfgegner zum Austoben ihrer Freiheitsgelüste an die Ostfront zu schicken. Nun ja, man wird ja wenigstens träumen dürfen.
Viel passiert ist hier ansonsten nicht, ich war mit dem Onkel einkaufen, morgen ist ja Geburtstag, das war aber auch meine einzige Draußenaktivität.
Der Himmel war schon wieder bedeckt, zwar noch trocken, aber nicht mehr so verlockend hell wie die letzten zwei Tage.
Den Nachmittag habe ich einer Videokonferenz verbracht und nebenher den Ofen angefeuert, ich finde ja nichts geht über Strahlungswärme, es war ein ausgesprochen kuscheliger Termin.
Und morgen ist die Woche der Freiheit schon wieder zur Hälfte vorbei, jammer
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