anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 11. Juli 2020
Urlaubsanfang
Am Anfang des Urlaubs ist die bevorstehende Urlaubszeit noch unendlich lang, man dehnt und räkelt sich beglückt, ob all der noch kommenden, wunderbaren Tage, ach was, Wochen und genießt sein Glück, dass es endlich, endlich so weit ist.
Ist der erste Samstag eigentlich schon Urlaub oder gilt das noch als Wochenende? Das beste an diesem Wochenende ist auf alle Fälle, dass es am Montag keinen Montag gibt, allein das macht dieses Wochenende schon zu etwas besonderem.

Wir haben - natürlich - erst mal gründlich ausgeschlafen und dann noch weiter im Bett rumgelungert, bis ich Energie geladen aufstand und befand, dass ja eigentlich noch kein Urlaub sei, sondern nur Wochenende und dass wir heute mal alles vorbereiten könnten, damit der Urlaub wirklich rundum perfekt wird, da gibt es schließlich noch ein paar Dinge zu tun.
Wir begannen mit Einkaufen, das war schon sehr fein.
Dann haben wir uns etwas zu Essen gekocht, das war auch sehr fein und vor allem sehr lecker.
Dann meinte K, er könne am besten heute noch den Rasen am Vaterhaus mähen, dann könne er ihn vier Wochen - am Ende des Urlaubs, auch noch mal mähen, das passt gut ins Timing.
Ich ging derweil den Onkel besuchen, der hatte auch gleich einen Stapel an Dingen, die getan werden müssen.

Gegen 19h waren wir beide wieder zu Hause und haben uns gefreut über das, was wir heute geschafft haben.

Alles in allem war das ein wunderbarer Start in den Urlaub, wir sind jetzt beide sehr zufrieden
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Freitag, 10. Juli 2020
Geschafft
So, endlich.
Urlaub
und ich bin auch schon angekommen.

Das hat heute alles ganz wunderbar funktioniert.
Bis Mittags war ich noch im Homeoffice, um 12.45h rief endlich die Ärztin zurück, um die Ergebnisse der Blutuntersuchung zu besprechen, die unverändert sind, weshalb ich auch wieder die identisch dosierten Schilddrüsentabletten bekommen habe wie schon immer, das Rezept konnte ich mir dann bis 13h noch abholen, was haargenau hinkam, um 12.59h war ich in der Praxis, um 13.03h dann schon in der Apotheke daneben und - Glück! - sie hatten diesmal mein Medikament vorrätig, so dass ich jetzt also für die nächste Zeit komplett versorgt bin. Das war dann mal eine Punktlandung.

Anschließend habe ich noch fix das Haus ein wenig saubergemacht, alle Sachen zusammengepackt und im Auto verstaut und bin dann mit genug Zeitpuffer entspannt losgefahren.
Alleine, denn N fährt nächste Woche erst nach Amsterdam und dann irgendwohin, was ich schon wieder vergessen habe, auf alle Fälle ist er anderweitig unterwegs und K nimmt den Flieger mit, damit er mobil ist und zwischendurch mal im Büro nach dem Rechten sehen kann. Ich war also für den Autotransport zuständig und das war auch okay. Der Zeitpuffer war so ausreichend, dass ich noch meinen Stopover bei McDov in Appingedam einlegen konnte, dort gibt es jetzt Bitterballen, das ist noch besser als ein McKroket. Bitterballen sind mein absolutes Lieblingsessen aus Holland, das war also eine sehr erfreuliche Entdeckung.
In Holland scheint keine Maskenpflicht zu herrschen, dort liefen auch in den Innenräumen alle ohne Maske rum, das fühlte sich schon fast wieder seltsam an.

Als ich in Greven losfuhr war das Wetter noch sehr grau. Die Wolken hingen tief und die Sichten waren schlecht - kein gutes Fliegerwetter. Aber K vertraute dem Forecast, der eine deutliche Besserung gegen Abend versprach. Es sollte von Norden kommend besser werden.
Als ich eine knappe dreiviertel Stunde unterwegs war, rief er an, um sich einen aktuellen Wetterbericht von vor Ort durchgeben zu lassen, da war ich grade in Höhe des AKW Lingen und konnte bestätigen: Es wird deutlich besser. Man sieht schon wieder Himmel zwischen den Wolken.



Als ich in Holland war, war das Wetter dann wirklich richtig prima, leuchtend blauer Himmel mit vielen weißen Kumulus Wolken, so sieht Sommer aus.



Die Warteschlange für die Fähre nach Borkum war nicht sehr lang, ich freute mich schon, dass die Fähre dann wohl angenehm leer sein wird, aber Pustekuchen, die Fähre kam aus Emden und hat in Eemshaven nur noch ein paar zusätzliche Fahrgäste aufgenommen, insgesamt war es also leider doch eher voll, aber das Wetter war ja okay, also habe ich mir auf dem Oberdeck den Wind um die Ohren wehen lassen und meinen Start in den Urlaub genossen.

Als ich zu Hause ankam, war K natürlich schon da, eine Stunde nach mir aufgebrochen, dafür eine Stunde eher da, Fliegen geht halt schneller.

Inzwischen ist alles ausgepackt, eingeräumt, jetzt Bett und laaaange ausschlafen
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Donnerstag, 9. Juli 2020
vorletzter Tag
Das mit Inbox Zero wird wohl bis morgen nicht komplett klappen. Da ich letzte Woche ja nur sehr langsam voran gemacht habe (bzw. schubweise zwar sehr schnell, dafür aber andere Zeiten dann gar nicht) war diese Woche noch ein gewisser Stapel über und plötzlich kamen täglich andere, aktuell wichtige Dinge kurzfristig dazwischen und so liegt hier jetzt noch ein bisschen was, einiges davon aber schon seit Januar, das kann also ruhig noch länger warten, nu ist auch egal.

Morgen mache ich halbtags Home-Office und werde nebenher überlegen, was ich eigentlich noch mitnehmen möchte, weil ich vier Wochen am Stück auf der Insel bin, gibt es ja vielleicht doch das eine oder andere, was ich in der Zeit dort vermissen könnte. Oder zumindest dringend brauche. Wie zB meinen Ordner mit meinen eigenen Steuerunterlagen. Vermissen ist da sicher das falsche Wort, aber ich muss meine eigene Steuererklärung bis zum 31.7. abgegeben haben, weil ich nicht von einem Steuerberater vertreten werde. Für alle Mandanten habe ich eine automatische Fristverlängerung bis 31.12. - nur für mich selber nicht, hat mir mein Finanzamt ausdrücklich so erklärt. Letztes Jahr habe ich meine eigene Erklärung um 0:05h elektronisch übermittelt, da war dann aber nicht mehr der 31.7., sondern schon der 1.8. - und auf meinem Steuerbescheid stand nachher, dass ich meine Erklärung verspätet abgegeben habe und dass das Folgen hätte, wenn sich das wiederholt.
Für dieses Jahr habe ich also eine halbfertige Steuererklärung vorbereitet (da sind die Personalien eingetragen und die Zahlen aus der LSt-Karte abgetippt), wenn ich nicht rechtzeitig mit der vollständigen Erklärung fertig werde, schicke ich das Teilstück schon mal pünktlich ab, um die Frist zu wahren und reiche dann anschließend in aller Ruhe eine berichtigte Erklärung nach. - Ich habe mir diesen Formalismus nicht ausgedacht.

Und ein paar andere Akten werde ich auch noch einpacken, wozu habe ich Urlaub, da komme ich endlich mal zum Arbeiten. Aber wann sonst soll ich all die anderen Firmen, die aus CWs Hinterlassenschaften noch übrig sind (und die weiteren, neu hinzugekommen, weil K hat Gefallen daran gefunden, sich ein Imperium aufzubauen), also, wann sonst soll ich dafür die Abschlüsse und Steuererklärungen fertig machen? Eben, deshalb packe ich das also alles ein.

Und den gusseisernen Topf, weil ich den zum Brotbacken als perfektes Werkzeug entdeckt habe. Eigentlich wollte ich noch einen zweiten kaufen, das habe ich aber bisher nicht geschafft, also schleppe ich den einzigen, den ich bisher besitze, einfach mit.

Und bestimmt noch mehr Krempel, aber den muss ich mir morgen noch zusammensuchen.

Heute räume ich erst mal auf, um einen Überblick zu bekommen
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Montag, 6. Juli 2020
Montag - und wir wollen nicht weiter drüber reden
Ich zähle nicht nur die Tage, sondern inzwischen sogar die Stunden, die ich noch arbeiten muss bis Urlaub, weil ich wohl wirklich und ernsthaft urlaubsreif bin.
Ich brauche eine Auszeit, in der ich die aktuellen Zuständigkeiten einfach abstreifen kann, nicht mehr dran denken, keine Ausreden, kein Planen, keine Verspätungen, kein schlechtes Gewissen und vor allem keine Sorgen. Ich muss den ganzen Büroquatsch mal eine Zeitlang komplett aus der Verantwortungsliste verbannen, einmal alles runterfahren und in Ruhe neu starten, danach geht bestimmt alles besser.

Heute also der letzte Montag vor der Sommerpause - das Meiste ist damit schon geschafft.

Zum Abendessen hat N heute Mojitos gemacht, mit gefühlten 2,0 Promille (Isch schwöööre, war nur ein klitzekleines Gläschen) ist das Leben eh sofort deutlich einfacher, ich gehe mal davon aus, alles wird gut, und wenn noch nicht alles gut ist, dann fahre ich am Freitag trotzdem in Urlaub.
Punkt
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Sonntag, 5. Juli 2020
Ein ruhiger Sonntag
Ein sehr gemütlicher Sonntag war das heute. Nach einem langen Ausschlafen sind wir noch bis Mittags im Bett geblieben und haben gelesen. K stand zwischendurch mal auf und holte Kaffee, dann presste er uns noch frischen Orangensaft und dann machte er noch mal Kaffee, das war alles sehr gemütlich und ich habe meine gesamte Blogroll leergelesen, hier bin ich also jetzt schon bei Inbox Zero, das gefällt mir.
Beim Blogs lesen fiel mir auf, dass ich es zwar mag, wenn andere Blogger interessante Links posten, ich selber kriege das allerdings kaum hin, weil ich einfach viel zu faul bin, mir irgendwelche Links systematisch zu speichern. Ich surfe immer noch wie vor 20 Jahren eher wahllos durch dieses Internet, klicke mich von Link zu Link, freue mich, wenn etwas dabei ist, was mich interessiert, aber wenn ich es gelesen habe, klicke ich einfach weiter, aus den Augen aus dem Sinn. Wenn ich dabei unterwegs auf Themen stoße, die mich zum Nachdenken bringen, dann denke ich zwar über das Thema selber weiter nach und ab und zu fange ich auch schon mal spontan an, etwas dazu aufzuschreiben, vergesse aber trotzdem, mir den Beitrag zu speichern, der der Auslöser für mein Nachdenken war und deshalb kann ich später auch keinen Link mehr liefern, wenn ich das Thema tatsächlich mal selber in meinem eigenen Blog aufgreife.
Ein bisschen liegt das daran, dass ich die meisten Blogs mit einem Feedreader lese, da müsste ich erst dreimal extra klicken, bis ich überhaupt den Link zu einem einzelnen Beitrag kopieren könnte, und dann steht der Link so einzeln in der Gegend rum, den müsste ich dann ja auch noch irgendwie erläutern und plötzlich ist das alles so umständlich - und zack, habe ich die Lust verloren, das ordentlich zu Ende zu bringen. Die Blogger, die ihre Infos immer so ordentlich mit Quellenangabe und Zitathinweis weiterverteilen, die bewundere ich durchaus für ihre Disziplin und die gut organisierte Struktur, die dahinter stehen muss, ich fürchte aber, in diesem Fach werde ich nie konkurrieren können.

Am Nachmittag habe ich erst ein wenig die Küche aufgeräumt, dann wieder eingedreckt, weil ich einen Kuchen gebacken habe, dann aber auch wieder sauber gemacht, um sie sofort wieder neu einzudrecken, weil mir einfiel, dass noch Erdbeeren im Kühlschrank stehen, die ich ja zu meinem neuen Lieblingsgetränk, Erdbeerlimonade, verarbeiten könnte. Heute kam ich auf die gute Idee, dass ich die durchgeseihte Erdbeerpulpe ja nur mit Zuckersirup und Zitronensaft vermischt abfüllen muss, das Auffüllen mit Wasser kann man ja auch erst beim Eingießen machen, dann passt das Erdbeerlimokonzentrat nämlich genau in eine 1l Karaffe und lässt sich viel leichter im Kühlschrank unterbringen.
Manchmal wundere ich mich, wie lange ich brauche, um auf so einfache Ideen zu kommen, denn die Male vorher, wo ich diese Erdbeeerlimo schon hergestellt habe, habe ich jedesmal mit der Gesamtmenge von 2l gekämpft, für die es in diesem Haushalt kein passendes Gefäß gibt.

Am Abend stand dann Kühlschrank leeren auf dem Programm, in fünf Tagen verlasse ich diesen Haushalt erstmal für einen Monat, da ist klug, den Kühlschrank vorher so leer wie möglich gegessen zu haben. Heute gab es Backofengemüse und Camembert, damit ist schon mal ein großes Fach frei geworden
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Samstag, 4. Juli 2020
Neue Haustür
Wir haben heute eine Haustür ausgesucht.
Zu dem Zweck sind wir nach Rietberg gefahren, wo ein großer Hersteller, mit dem der Schreiner unseres Vertrauens zusammenarbeitet, eine sehr große Haustürenausstellung hat und wo wir auf Vermittlung des Schreiners einen Termin mit einem Berater hatten - und jetzt wissen wir enorm viel über Haustüren, haben unsere Wunschtür konfiguriert und drücken uns selber die Daumen, dass das alles nun so gut weiterläuft wie dieser Termin sich heute entwickelt hat.
Weil, es war wirklich ein ungemein positiver Termin, der Berater war supernett und wir fühlten uns bei ihm extrem gut aufgehoben.
Er hat uns so gut wie alle Extras ausgeredet, die wir ursprünglich haben wollten und die den Preis der Haustür gut verdreifacht hätten, im Ergebnis haben wir jetzt eine technisch relativ preiswerte Haustür bestellt, einfach deshalb, weil es für unser Haus und unseren Bedarf die sinnvollste Lösung ist.
Wir haben ja beide so einen leichten Technik-Tick und eine Tür mit elektrisch betriebener Verriegelung, die man dann über einen Fingerabdrucksensor öffnen kann, erschien uns extrem praktisch. Wir brauchen keinen Schlüssel mehr und wenn man im Sommer Schwimmen geht, ist das ein unbestritten positiver Luxus. Und überhaupt eben geile Technik, die nach viel Bequemlichkeit aussieht, das ist schon was Feines. Dazu wollten wir dann noch eine Türkamera mit Internetsteuerung, wie aus so abgedrehten Hollywoodfilmen, bot dieser Hersteller alles an und K träumte schon von der ultimativen Luxustür.
Ist aber für eine Haustür, die in einem Haus auf Borkum auch noch genau auf der Wetterseite und in direkter Strandnähe eingebaut werden soll alles keine gute Idee.
Weil Sturm, Salzwasser und vor allem der superfeine Sand, den der Sturm dann ja mitschleppt und mit hoher Geschwindigkeit genau auf die Tür und all diese Elektronikteile pustet - das geht nicht lange gut.
Ich weiß in welchem Tempo auch extra "seewasserfeste" Edelstahl- und Alumimiumteile auf der Insel verrotten, und einiges, was uns als positives Extra sinnvoll erschien, funktioniert mechanisch. Eine Mechanik, die Sand ins Getriebe bekommt, und das wird 100%ig sicher passieren, nimmt aber schnell übel.
Deshalb haben wir uns auf Anraten des Verkäufers von all dem technischen Shishi wieder verabschiedet und uns einfach nur für eine optisch schöne Tür entschieden. Friesengrün-weiß mit großer Glasscheibe, damit Licht ins Haus fällt und wenn alles so klappt, wie wir uns das vorstellen, dann gelingt es dem Glaser des Herstellers in die Mitte der Glasscheibe, mit einer einfachen Bleiverglasung abgesetzt, das Borkumwappen reinzuritzen. In diese Idee habe ich mich jetzt total verliebt und will gar nicht darüber nachdenken, was wir tun, wenn der Glaser sagt, es geht doch nicht. Das muss einfach gehen, weil ich jetzt fest daran glaube.
Insgesamt waren wir über zweieinhalb Stunden in diesem Türenladen und es war ein rundum positives Erlebnis. Wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstellen, dann wird die neue Tür noch dieses Jahr eingebaut.

Und neue Fenster gibt es nächstes Jahr, die sind grob auch schon ausgesucht und der Schreiner hat gesagt, dass er das alles macht und dafür auch extra wieder nach Borkum kommt, das ist alles ziemlich positiv und ich bin jetzt sehr zufrieden
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Donnerstag, 2. Juli 2020
Ich träume nicht
Ich bilde mir ja ein, dass ich unbedingt dieses Datensammelarmband tragen muss. Weshalb genau ich das will, kann ich eigentlich gar nicht wirklich sagen. Ich meine, wenn ich offiziell Gründe angeben müsste, dann könnte ich das natürlich schon erklären, ich weiß viele Gründe, die sich dann auch sehr seriös und sinnvoll und überhaupt insgesamt nachvollziehbar und positiv anhören, aber nur weil etwas gut klingt und sich richtig anhört, bedeutet das ja noch lange nicht, dass es auch stimmt. Es ist Teil meines Jobs Lebens ständig für allen möglichen Unsinn passende und glaubwürdige Erklärungen parat zu haben. Ich habe das sehr früh gelernt und wenn man das ein halbes Jahrhundert trainiert hat, dann ist man irgendwann auch richtig gut darin.

Mein Vater war ja studierter Pädagogiker und wusste deshalb, dass Kinder Regeln brauchen, weshalb er vorsichtshalber mal ganz viele aufstellte, viel hilft viel, so dass ich von klein auf mit einem äußerst seltsamen Strauß an Regeln, Vorschriften und Verboten konfrontiert war, mir blieb also gar nichts anderes übrig als schon zu früh zu lernen, wie man trotz dieser Blödsinnsumgebung noch ein einigermaßen nettes Leben führen kann. Die Regeln meiner Kindheit glichen in vielen Punkten den aktuellen Coronavorschirften - sie machten in ihrer Unverhandelbarkeit nur wenig Sinn, aber sie gaben meinem Vater das gute Gefühl, das maximal Mögliche getan zu haben. Und überhaupt - warum soll man was erlauben, wenn man es auch genauso gut verbieten kann?
Ich habe also früh gelernt, wie man mit Compliance umgeht: Man braucht vor allem immer eine sehr gute Begründung, warum für den einzelnen Fall grade die generelle Regel nicht gilt, denn wenn die Regel nicht gilt, dann kann man sie ja auch nicht brechen - es ist einfach nur eine Frage der Rhethorik.

Ich kann also ziemlich gut Begründungen liefern, die für den Rest der Welt total nachvollziehbar sind, nur ich selber weiß vielleicht, was ich davon frei erfunden habe und was vielleicht tatsächlich wirklich stimmt. Leider nur vielleicht, weil ich natürlich auch irgendwann beginne, meine eigenen Märchen zu glauben.

Ganz für mich selbst und ohne Begründungszwang weiß ich nicht, weshalb ich so ein Datenerhebungsgerät mit mir rumschleppe. Vielleicht aus Protest gegen all die wildgewordenen Datenschützer, die ich in den allermeisten Fällen albern finde, weil sie Leute dazu bringen wollen, ihre Haustür vorne mit siebenundzwanzig Sicherheitsschlössern zu verriegeln, während die dann hinten im Garten wüste Partys mit wildfremden Menschen feiern, die natürlich alle nicht ins Haus eingebrochen sind, sondern persönlich vom Hauseigentümer reingelassen wurden, weil es nur gute Freunde sind. Oder Freunde von Freunden, oder mit noch mehr umme Ecke - egal, auf alle Fälle ist die Haustür gut gesichert, weil, das sagen ja die Leute vom Datenschutz, das ist wichtig.

Und weil ich das meiste, was im Namen des Datenschutzes so an Umstand und Unbequemlichkeit in die Welt gesetzt wird, für nutzlos halte, mag es mein stiller Protest sein, dass ich deshalb extra viele Daten sammeln lasse, um sie dem RKI dann als Spende weiterzureichen.

Es kann aber auch eine versteckte masochistische Ader sein, dass ich es unbedingt schwarz auf weiß sehen will, dass meine Bewegungsdaten eine Katastrophe sind.

Meine aktuelle Begründung mir selber gegenüber lautet: Ich will die Schlafphasen messen, um mir selber zu beweisen, dass ich mehr schlafen sollte. Hört sich auch plausibel an.

Spannende Erkenntnis dieser gemessenen Schlafphasen ist ihre Einheitlichkeit, sie sehen nämlich sehr oft so aus:

Ich schlafe komplett ohne REM-Phase, übrigens ist das Ergebnis bei allen Datenmessgeräten, die ich bisher verwendet habe, das gleiche. Wenn eine REM-Phase vorkommt, dann ist sie so kurz, dass sie kaum nennenswert sein kann. Und ich glaube, dass ich damit immerhin eine gute Erklärung gefunden habe, weshalb ich schon seit immer sage, dass ich nicht träume. Oder zumindest nur sehr, sehr selten.
Was ich daraus sonst noch so ableiten kann, weiß ich nicht, ich fand es aber trotzdem irgendwie spannend
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Mittwoch, 1. Juli 2020
gleichmäßig langsam vs einzelne Sprints mit vielen Pausen
Eigentlich ist der akute Stress im Job jetzt durch, ich habe nur noch einen Stapel an liegengebliebenem Kram, den ich in aller Ruhe abarbeiten kann, aber statt mich entspannt und zufrieden an diese zugegeben langweilige, dafür aber komplett stressfreie Arbeit zu machen, sitze ich rum, starre Löcher in die Luft und kämpfe mit diesem Dauersatz, der mir das Hirn verklebt: "Ich habe keine Lust." Zwischendurch reiße ich mich dann immer mal wieder zusammen und arbeite konzentriert und zügig einen Berg Dinge weg. Weil ich das mit zusammengebissenen Zähnen und hoher Konzentration mache, bin ich ziemlich schnell, so dass ich am Ende des Tages das ganz normale Pensum eines ruhigen 8-Stunden-Tages abgearbeitet habe, aber gefühlt habe ich mich den größten Teil des Tages damit beschäftigt, meine Unlust wegzusublimieren, was im Ergebnis kein gutes Gefühl für die Selbstzufriedenheit macht.
Wenn ich mir eine Radtour vorstelle, bei der ich 80km am Tag fahren muss, kann ich entweder ganz langsam und entspannt 8h Stunden lang mit 10km/h vor mich hinradeln, oder ich rase zwei Stunden lang wie eine blöde mit 40 km/h durch die Gegend, um den Rest des Tages Löcher in die Luft zu starren. In beiden Fällen habe ich die gleiche Strecke geschafft, aber irgendwie fühlt es sich unterschiedlich an
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Montag, 29. Juni 2020
Mode
Es ist schon seltsam mit der Mode, oder genauer: mit dem Modegeschmack einzelner Menschen.
Jeder lebt ja in seiner ganz eigenen Filterblase, aus der sich sein ganz eigener Modegeschmack bildet. Der wird deshalb durch Vorbilder, wie man gerne sein möchte, genauso beeinflusst wie durch Hinternbilder, wie man auf keinen Fall sein möchte. "Am Arsch" denkt man sich, wenn man Leute sieht, die man nur rein optisch schon ungemein abstoßend findet. Hinternbilder sind damit genauso prägend wie Vorbilder und als drittes spielen dann noch Traumbilder eine wichtige Rolle, denn natürlich lebt jeder gleichzeitig noch in dem jeweils individuell ausbalanzierten Spannungsfeld zwischen Dunning-Kruger-Effekt und Impostor-Syndrom.

Ich nehme mich da keineswegs aus, ganz im Gegenteil, ich versuche nur meinen eigenen Modegeschmack sowohl in dem Bereich, der mir persönlich gut gefällt und den ich versuche, nachzuahmen, nach dem Warum zu ergründen als auch meine Modeabneigungen, also alle Stilrichtungen, die ich mit "ach du meine Güte, da hat es aber jemand nötig" pauschal extrem herablassend diskriminiere, zu verstehen*.
*Irgendwas hat sich in dem Satz grammatikalisch verduddelt, aber ich bin zu faul, da jetzt länger drüber nachzugrübeln, wie es richtig gehört, ich gehe davon aus, es ist auch in der grammatikalisch avantgardistischen** Form verständlich.
**avantgardistisch ist die schicke Form von "ich kann es grad nicht besser"


So, nach meinen passiv-aggressiven Angriffen auf den selbsternannten "ich bin Kulturschaffender und damit systemrelevant" Umtriebler, komme ich zurück, zu dem, was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt Leute, die pflegen eine äußerlich durchaus auffallende Optik und beschweren sich dann gleichzeitig über Lookism.
Ich stehe dann jedesmal fasziniert am Rand und frage mich, wer denen eigentlich ins Hirn geschissen hat, dass sie die Widersprüchlichkeit ihrer eigenen, optisch gestylten Existenz im Kontrast zu dieser Forderung nicht bemerken.

Ich sagte es ja neulich schon, ich finde Lookism völlig okay, weil es in meiner Definition die Vorbeurteilung einer Person rein nach ihrer optischen Erscheinung ist und das betrifft vor allem die optischen Aspekte, die jeder Mensch aktiv selber beeinflussen kann.
Jemanden nur wegen seiner Hautfarbe in eine bestimmte Schublade zu stecken, ist meiner Meinung nach kein Lookism, sondern nur dämliche Ignoranz. Wenn sich aber jemand große Mühe gibt, seine Hautfarbe noch durch allerlei andere Modeaccessoires zu unterstreichen und damit besonders hervorzuheben, dann denkt der sich ja was dabei und dann finde ich es legitim, dass ich mir als Beobachter der Szenerie mir auch etwas dazu denken darf.
So'n Punk zB, der sich die Mühe macht, seine Haare regelmäßig optisch passend zu seinem Rollenbild anzupassen, der will doch mit seiner Optik etwas ausdrücken und insofern wäre es ja fast schade, wenn sich da niemand drum kümmern würde.

Und das gilt meiner Meinung nach für alle optischen Spirenzchen, die sich Menschen im weitgefassten Rahmen von "Mode" selber ausdenken.

Ich selber ziehe eine möglichst unauffällige Mode vor. Maximales Understatement war schon immer mein Credo und im übrigen bin ich viel zu eingebildet arrogant als dass ich zugeben würde, dass mich optische Überlegenheit beeindrucken könnte.

"Möglichst unauffällig" heißt dabei 'maximal unterstützend', ohne sich je selber in den Vordergrund zu spielen, weder positiv noch negativ.

Dabei gibt es für mich ein paar NoGos, die ich für mich selber kategorisch ausschließe und wegen derer ich alle Menschen, die hier eine andere Meinung haben, erst mal in eine Schublade mit Minuspunkten stecke, weil sie eindeutig dem Leitbild "die Optik bestimmt nicht den Menschen" widersprochen haben.

Tattoos gehören für mich in diese NoGo-Schublade. Jeder Mensch, der sich ein Tattoo stechen lässt, wird dafür gute Gründe haben - und ich reagiere ganz pauschal mit einem abwertenden "na, dann wird er das wohl brauchen" Schulterzucken darauf, und bin jedesmal froh, dass dieser Krug an mir vorüberging.

Ich hatte auch tatsächlich noch nie das Gefühl, das ich ein Tattoo brauche, ich hatte aber auch noch nie das Gefühl, dass ich heiraten möchte oder mich zu etwas ähnlich "Ewigem" mit nach außen gekehrter Symbolwirkung zu entschließen. Ich habe eben überhaupt wenig Bedarf, anderen Leuten etwas beweisen zu wollen.
Und wenn ich es nur für mich mache - na, dann brauche ich auch kein echtes Tattoo. "Die wahren Abenteuer sind im Kopf" - und nicht von anderen in meinen Körper gepiekst.

Dabei muss ich meinem Vater bis heute zutiefst dankbar sein, dass ich kein eigenes Tattoo habe, denn eine meiner größten Schwächen ist ein 100%iger Widerspruchsgeist. Hätte mein Vater mir vor 40 Jahren verboten, dass ich mich tätowieren lassen, dann wäre ich heute bunt wie ein Bootsmann auf Kaperfahrt. Weil ich es mir natürlich nie hätte verbieten lassen.
Zu meinem großen Glück hat er es aber einfach vergessen mir zu verbieten, was so gesehen schon fast wieder eine Leistung ist, weil er mir ansonsten so gut wie alles verboten hat. Nur an die Tattoos, da hat er tatsächlich nicht dran gedacht. Uffff.

Und um den Bogen zum Einleitungssatz zurück zu schlagen: ich war in einem Männer-Modehaus und ich sach mal so: Die Männer haben echt Glück, dass grade Corona ist und jeder jetzt damit eine perfekte Ausrede hat, nicht den dernier cri tragen zu müssen, weil, das wären sonst bunte Blumenhemden, und das kann doch wirklich niemand wollen, oder
?

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Sonntag, 28. Juni 2020
Aufgeräumt
heute war Aufräumsonntag.
K hat seine Schreibtischschubladen sortiert und erstaunliche Dinge gefunden, ich habe erst ein bisschen das Haus gestaubsaugt und gewischt und dann in meinem Stempelzimmer rumsortiert, dieses Vergangenheitsaufräumen ist ansteckend.
Dabei habe ich neben unglaublich viel Kram, den ich schon komplett vergessen hatte, erstaunlicherweise einige Dinge trotz wirklich ausführlicher und gründlicher Suche nicht gefunden, es ist also zu vermuten, dass ich sie nicht besitze, was mich zwar sehr erstaunt, aber mein Ausstieg aus der Szene ist mittlerweile schon über 12 Jahre her, deshalb habe ich nicht mehr auswendig parat, was ich mal alles besessen habe und was ich vor allem beim Umzug mitgenommen habe.
Der Umzug meiner Schwester wirkt bei mir noch nach, ich bin heute lange durch dieses Haus hier gewandert und habe mir beguckt, was ich alles an Kram besitze und mir dabei dann überlegt, was davon ich beim nächsten Umzug nicht mehr mitnehmen möchte, es sieht so aus, als wäre das eine Menge.

Als ich vor 12 Jahren hier in dieses Haus gezogen bin, habe ich damals gefühlt fast die Hälfte meiner Sachen in MG zurückgelassen, weil das Haus hier halt nur ein ganz normales Reihenhaus ist, was nur 1/3 so viel Platz hat wie die Fabrik in Mönchengladbach, aber ich wollte ja auch nur noch ein ganz kleines, zurückgezogenes Leben führen.
Umso erstaunlicher finde ich es, wie viel Kram ich immer noch mitgeschleppt habe, der jetzt im Wesentlichen unberührt seit 12 Jahren hier rumliegt, aber vielleicht fällt es auch leichter, wenn man sich auf ein Aussortieren auf Raten einlässt.
Auf alle Fälle haben K und ich heute einen Wegwerfbeschluss gefasst, regelmäßig immer mal ein bisschen, so, dass es immer noch problemlos in die schwarze Tonne passt und das Wegwerfen keinen größeren Umstand verursacht. Wenn man jetzt schon mal damit anfängt, ist es nachher, wenn der Umzug dann wirklich ansteht, nicht mehr so viel und man kann wesentlich befreiter nur noch die Dinge einpacken, die man wirklich behalten möchte
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