anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 6. April 2016
Strandlust


Gern bin ich allein an des Meeres Strand,
Wenn der Sturmwind heult und die See geht hohl,
Wenn die Wogen mit Macht rollen zu Land,
Oh wie wird mir so kühn und so wonnig und wohl!

Die segelnde Möwe, sie ruft ihren Gruß
Hoch oben aus jagenden Wolken herab;
Die schäumende Woge, sie leckt meinen Fuß,
Als wüssten sie beide, wie gern ich sie hab’.

Und der Sturm, der lustig das Haar mir zaust,
Und die Möw’ und die Wolke, die droben zieht,
Und das Meer, das da vor mir brandet und braust,
Sie lehren mich alle manch herrliches Lied.

Doch des Lebens erbärmlicher Sorgendrang,
Oh wie sinkt er zurück, wie vergess’ ich ihn,
Wenn die Wogenmusik und der Sturmgesang
Durch das hoch aufschauernde Herz mir ziehn!

Hermann Allmers

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Donnerstag, 17. März 2016
Gradlinige Liebe
Unendlich

Ich liebe
Seine unerschütterliche Gelassenheit
Seine ruhige Selbstverständlichkeit
Seine verlässliche Sicherheit.


Ich hasse es,
Dass er sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, auch nicht, wenn ich mich mal wieder aufrege,
Dass er nie zweifelt, an der Richtigkeit seiner Meinungen, auch wenn ich das ganz anders sehe,
Dass er einen einmal angefangenen Weg immer weiter geht, auch wenn ich längst überzeugt bin, dass es die völlig falsche Richtung ist.

Wie gut, dass ich ihn am meisten für das liebe, was ich hasse
.

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Mittwoch, 16. März 2016
Wann sind wir da?
.

Da ist diese Sehnsucht
Nach Ruhe und Schlaf
Erschöpft, müde und antriebslos
Geistern abgerissene Satzfetzen durch mein leeres Hirn.
Das Denken ist aus der Rille gerutscht
Und wiederholt monoton leiernd sinnloses Treibgut.
Die Zunge ist zu groß für den Mund,
Sie findet keinen Platz hinter den Zähnen.
Nichts passt dahin, wo es soll
Wie lange noch? Das geht nie gut.
Einfach weitermachen,
Immer weiter, jeden Tag.
Ich habe sie gezählt, die Stunden
The hours to go,
Noch immer über 14k
Da soll man nicht müde werden
So viele Stunden und so wenig Zeit
.

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Samstag, 13. Februar 2016
I did it my way
Jetzt, mit der Kraft einer Zuflucht,
Geborgen am Ausgang,
Gelitten im Durchgang und
Frierend am Eingang,
Weiß ich
Was es braucht
Ein Zuhause zu haben.

Dein Leben war geprägt von Flucht und Scheitern.
Kein Selbstvertrauen, kein Soistesgut;
Aus jeder Heimat vertrieben
Und stets auf der Suche nach Glück,
Hast du vergessen zu leben.

Du dauerst mich.
Ich trauere
Um mich,
Um uns
Und alles, was nie gewesen ist.

...

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Donnerstag, 21. Januar 2016
Im Schlaf
im Schlaf


Die Tigerdompteure und Schuhverkäufer,
die Manager, Trinker und reitenden Segler.
Die Jahrmarktschreier und Ehebrecher,
gerettete Seelen und Schwerverbrecher,
sie alle,
alle
schließen die Augen im Schlaf.
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Samstag, 9. Januar 2016
Gedichte meiner Kindheit
Ich habe als Kind schon Gedichte gemocht, am liebsten waren mir ganze Geschichten in Reimform.
Michael Ende war deshalb neben James Krüss einer meiner Lieblingsdichter und ich kann viele dieser Gedichte immer noch auswendig.
Aus irgendeinem mir nicht erklärlichen Grund war dieses Gedicht heute mein Dichtwurm, (wie heißt ein Gedicht, das einem ständig im Kopf rumschwirrt?)
Um es wieder loszuwerden, schreibe ich es jetzt hier auf, vielleicht klappt das ja.


Die Rüpelschule
von Michael Ende

Im Lande Hule-Sule,
zehntausend Tagereisen weit,
da gibt es eine Schule
für Ungezogenheit.

Da prahlt man und protzt man,
da motzt man und trotzt man,
und wer dort am lautesten tobt,
wird sehr von den Lehrern gelobt.

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Dann geht es noch ganz lange so weiter, aber da man fremde Texte nicht einfach so weiterverbreiten darf, steht hier der Rest natürlich nicht

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Sonntag, 29. November 2015
Ende des Herbstes
Herbst

Ich sehe seit einer Zeit,
wie alles sich verwandelt.
Etwas steht auf und handelt
und tötet und tut Leid.

Von Mal zu Mal sind all
die Gärten nicht dieselben;
von den gilbenden zu der gelben
langsamem Verfall:
wie war der Weg mir weit.

Jetzt bin ich bei den leeren
und schaue durch alle Alleen.
Fast bis zu den fernen Meeren
kann ich den ernsten schweren
verwehrenden Himmel sehn.

Rainer Maria Rilke
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Dienstag, 10. November 2015
Recht auf Freiheit
Recht auf Freiheit

In meiner Vorstellung,
meinen Wünschen und meinem Selbstbild,
teile ich anderen Menschen
gern feste Rollen zu.
Oft übernehmen sie dann auch genau diese Rolle,
weil es das einfachste ist.
Das Bühnenbild ist bereitet,
ich liefere zudem die richtigen Stichworte.
Wenn sie sich jedoch dann irgendwann weigern,
diese Rolle weiter zu spielen,
bin ich enttäuscht,
und fühle mich zurückgewiesen und verraten.

Dabei haben sie nur von ihrem Recht auf Freiheit Gebrauch gemacht.
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Mittwoch, 28. Oktober 2015
Fragen
Beim Aufräumen alter Texte fand ich dieses Gedicht aus dem Jahr 2006 und stelle fest, dass es im Grunde noch immer genauso aktuell ist wie damals. Ich könnte heute allerdings ein paar Strophen ergänzen.


Warum kann der Hund nur bellen?
Wie entsteht ein Muttermal?
Womit heizen Mikrowellen?
Was ist eine Landtagswahl?

Wer hat denn das Geld erfunden?
Gibt es Vögel ohne Schwanz?
Wodurch heilen meine Wunden?
Ist ein halbes Brot noch ganz?

Warum darf ich "will" nicht sagen?
Wer bestimmt die Höflichkeit?
Welcher Teil im Bauch heißt Magen?
Was ist eine Obrigkeit?

Kennst Du Zähne, die nicht beißen?
Weißt Du, was ein Virus frisst?
Warum muss ich Joscha heißen?
Wer erfand den Gummitwist?

Kannst Du mir die Schleife binden?
Schläfst Du heut' in meinem Bett?
Ich kann meinen Schlumpf nicht finden.
Manchmal bist du wirklich nett.

Möwe

Noch mehr Möwe
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