anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Sonntag, 6. September 2026
Zu viele Texte und seltsame Postings
Wir liegen beide im Bett und lesen im Internet rum. Ich habe irgendwann keine Lust mehr, weiter in meinem RSS-Feed rumzuscrollen, denn die Blogs, die ich schon lange kenne, gerne mag und regelmäßig lese, habe ich alle durchgelesen.

Mein RSS-Feed zeigt noch eine Menge ungelesener Beiträge von einigen der neuen Blogs, die ich durch Rivva entdeckt und spontan in meinen RSS-Feed aufgenommen habe, weil sie einzelne Beiträge geschrieben hatten, die bei Rivva empfohlen worden waren und mir gut gefielen.

Inzwischen irritiert mich aber die Menge an Beiträgen, die einige Blogs regelmäßig raushauen, denn das passt nicht zu meiner Vorstellung, wie Texte entstehen und warum sie jemand auf einem privaten Blog veröffentlicht.

Ich überarbeite meinen RSS-Feed also und schmeiße einige der grade neu entdeckten Blogs wieder raus. Eventuell werde ich jetzt ein paar wirklich gute Beiträge verpassen, aber dann ist das so.

Bei jemandem mitzulesen, der derart inflationäre Mengen an ellenlangen Texte veröffentlicht, egal wie gut geschrieben und wie gut durchdacht, fühlt sich seltsam an, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass er sich das alles selber ausgedacht hat.

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K liest meist komplett andere Dinge als ich. Heute fand er irgendwo einen Hinweis zu dem Hashtag #Extrembügeln und zeigte mir Fotos auf Instagram, wo Menschen an den absurdesten Stellen ein Bügelbrett aufstellen, um dann ein Foto von sich, einem Bügeleisen, einem Bügelbrett und einem zerknitterten Hemd z.B. über einer riesigen Gletscherspalte zu machen.
K fand das witzig, ich bin mir nicht sicher wie ich das finde, meine spontane Reaktion war: Meine Güte, ist das albern.

Warum machen Menschen das? Was treibt sie an? Bügelwut wohl eher nicht, zumal ich mir gar nicht vorstellen kann, dass die da in echt bügeln, oder gibt es Bügeleisen mit Akku?
Und für wen machen sie das? Um sich selber etwas zu beweisen? Kann ich mir auch eher nicht vorstellen, denn was beweist man sich selber, wenn man mit einem Bügelbrett auf dem Rücken einen Gletscher hochkraxelt? Dass man mit einem Bügelbrett auf dem Rücken auf einen Gletscher klettern kann? Ja nu, und weiter?

Außerdem glaube ich, dass die da eh mit einer Gruppe von Menschen unterwegs waren, denn irgendjemand muss ja auch die Fotos machen, die sehen nämlich nicht nach Selfiestick aus.
Das heißt dann aber auch, dass ja mehrere Menschen zusammen mit dem Bügelbrett, dem Bügeleisen und dem zerknitterten Hemd bis auf den Gletscher geklettert sind. Gibt es von den anderen vergleichbare Fotos? Oder nur von dem Accountinhaber mit den meisten Followern?

Kann es eventuell sein, dass es vor allem das Verlangen nach Klicks und Reichweite ist, was die Leute dazu bringt, Bügelbretter auf Gletscher zu schleppen? Dann ist es nämlich wirklich keine witzige Idee, sondern nur alberne Selbstvermarktung.

Es bleibt wohl dabei: Bei den allermeisten Menschen verstehe ich nicht, was sie antreibt.

Sonst so:
Der Hund ist wieder da, das ist schön. Sie hat sich schrecklich gefreut, als sie uns gesehen hat, das schmeichelt dem eigenen Ego schon auch
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(Abgelegt in anjesagt und bisher 198 x anjeklickt)

... ¿hierzu was sagen?

 
Au weia,
ich bin so ein Viel/Allesposter und damit bestimmt raus. Aber da du eben fragst, was mich antreibt, antworte ich. Ich kann nicht anders. Als ich 1996 mein Sammlungen von literarischen Links zu veröffentlichen begann, kam ein Stein ins Rollen. Ich bin Einsammler. Was mir unterkommt, Fundstücke in Form von Bildern, Cartoons, Themen, Neuigkeiten, vor allem Kuriosa, wird, wenn es mich interessiert, (ein)gesammelt, d.h. strukturiert, verknüpft, verlinkt und früher auch auf Social Media hinausposaunt. Seitdem ich vor kurzem Permalinks und RSS habe, hörte ich damit auf und belästige nurmehr mich selbst auf meiner eigenen statischen Webseite und die Menschen, die es lesen mögen. Deine geäußerte Abneigung gegen inflationär bloggende Poster verstehe ich, weil ich, wenn auch wenige Blogs, wieder aus der Blogroll schmiß, weil sie mir zu viel wurden. Ich weiß also ein bißchen, was dich stört. Aber ICH kann nicht anders. Ich muß einsammeln und es festhalten. KI hilft mir bei der Recherche nach Quellen, Fakten usw. Seitdem ich da nicht mehr stundenlang googlen muß, spare ich Unmengen Zeit. Aber schreiben und formulieren, den Spaß lasse ich mir nicht nehmen.

... ¿noch mehr sagen?  

 
Und nein,
ich meine ganz andere Blogs. Es gibt Leute, die schreiben seitenlange Texte über/zu einem konkreten Thema, in denen sie Hintergründe und Recherchen (mit Quellenangaben) darstellen und erläutern und dann ihre eigene Meinung zusammenfassend ergänzen. Das können dann durchaus interessante Themen sein und jeder einzelne Beitrag für sich ist gut geschrieben und gut recherchiert zusammengestellt.

Nur in meiner Vorstellung haut man solche Texte nicht mal eben so raus, sondern die brauchen Zeit. Auf der einen Seite Zeit für die Herstellung und auf der anderen Seite Zeit zum Lesen und Rezipieren.

Wenn ich als Leser dann aber das Gefühl habe, ich kann gar nicht so schnell lesen wie da jemand lange Texte raushaut, dann stimmt da was nicht für mich.
Denn so wie ein Blogger ja nicht nur für einen Leser schreibt, lesen Leser ja nicht nur in einem Blog, da muss es irgendwo eine passende Balance geben, also für mich.

Ich habe überhaupt nichts gegen KI, kann jeder so benutzen, wie es ihm gefällt und dass inzwischen niemand mehr mit der alten Google-Version googelt, sondern auch "normale" Google-Suchen inzwischen längst von einer KI erledigt werden, finde ich völlig okay, aber wenn jemand dann die Ergebnisse seiner KI-Recherchen als lange Blogtexte veröffentlicht, dann fühlt sich das Ergebnis so ein wenig an wie Malen nach Zahlen, und das ist meiner Meinung nach eher als Beschäftigung für den Maler gedacht und nicht für die Kunstliebhaber, die dann die fertigen Werke bewundern können.

 
Es könnte sogar sein, daß wir dasselbe Blog abgewählt haben. Ich scrolle bei Bloggern, wenn sie Texte von Essaylänge posten, sehr oft weiter. Bei politischen Analysen renke ich mir vor Gähnen leider den Kiefer aus. Und Technikblabla bringt mich manchmal zur Weißglut, was aber an mir liegt, der ich es gern verstünde und für mich nutzte. Vor Neid kommt Rauch aus meinen Nüstern.