anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Mittwoch, 7. Januar 2026
Eingeschneit
Das mit dem Schnee ist heute dann ja wohl mal richtig eskaliert. Rund 30cm sind wirklich eine beachtliche Menge, vor allem hier für die Insel.

Der Hund fand es zunächst noch witzig, als sie in den Garten sprang, ging ihr der frische Schnee fast bis zum Bauch und sie machte einige hohe Hüpfer, freute sich, wie es staubt und begann immer schneller im Kreis zu rasen. Dann sah sie die fallenden Schneeflocken und versuchte, sie zu fangen und zu fressen, so war sie eine Zeitlang beschäftigt, bis ihr schlagartig kalt wurde und sie mit vollem Speed wieder ins Haus schoss.
Alles etwas extremer heute.

Ich war heute noch nicht mal bis zum Gartenschuppen vor der Tür - ich hätte mir Stiefel anziehen müssen und dazu war ich zu bequem, zum Glück war K dazu aber bereit, sonst wäre es kalt geworden, wir brauchten nämlich frisches Brennholz aus dem Schuppen.

Zum Abend hin frischte der Wind auf, jetzt bläst es draußen so doll und so eisig kalt, dass man das Gefühl hat, man ist am Nordpol, es ist auf das äußerste ungemütlich.

Weil ich nur im Haus war, habe ich ein wenig housekeeping gemacht und überall gestaubsaugt, Wäsche gewaschen und das Bad geputzt. So ein sauberes Haus fühlt sich sofort frischer an.

Am Computer habe ich mich erst mit Buchhaltung beschäftigt und dann beschlossen, mein Depot neu zu allokieren. Die Börsen steigen und steigen, es ist wahrlich unheimlich, aber einige meiner Anlagen laufen deutlich schlechter als der Durchschnitt und deshalb habe ich jetzt beschlossen, alle Fonds, die sich in den letzten fünf Jahren kaum bewegt haben, zu verkaufen und dafür lieber andere Produkte zu kaufen, von denen ich mir mehr verspreche.

Zu dem Zweck habe ich mich mal wieder ausgiebig mit der Analyse von ETFs und Fonds beschäftigt und dabei bemerkt, dass sich im letzten Jahr viele Bewertungen verschoben haben, dass aber ausgerechnet die, die ich jetzt loswerden will, immer noch mit fünf Sternen ausgezeichnet sind. Ich frage mich deshalb ernsthaft, ob diese Finanzbewertungssterne käuflich sind
.

588 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?


Dienstag, 6. Januar 2026
Too much information
Als ich meinen Westfalenmann kennenlernte, sagte er mir, dass er es es für unabdingbar hält, regelmäßig wenigstens eine Tageszeitung zu lesen.
Menschen, die keine Zeitung lesen, wären grundsätzlich nicht richtig informiert und bekämen viele wichtige Dinge nicht mit.

Er selber las früher drei-vier verschiedene, heute mindestens noch zwei ausführlich und zwei-drei weitere kursorisch.

Ich glaube, ich habe in meinem Leben vielleicht 100x eine Tageszeitung komplett durchgeblättert - früher noch analog, wenn ich durch Zufall irgendwo eine Tageszeitung in die Finger bekam, heute wische ich ab und zu (vielleicht einmal im Jahr, wenn mir sehr langweilig ist) auf dem iPad durch eine der Tageszeitungen, für die ich einen digitalen Zugang habe. (Nicht selbst bezahlt, natürlich, sondern über weitergegebene Zugangsdaten, was mir keinerlei schlechtes Gewissen macht, da ich sie ja üblicherweise nicht benutze.)

Was ich sagen will: Ich lese keine Tageszeitungen, obwohl ich es theoretisch könnte. Habe ich aber noch nie getan, denn es gelingt mir nicht, ich finde den allermeisten Kram, der da drin steht, unsäglich uninteressant, langweilig, schlecht geschrieben und vor allem redundant, so dass ich mich beim Lesen schon innerlich weigere, so etwas zu lesen, was das Vorhaben "Zeitunglesen" unweigerlich zum Scheitern bringt.

Gleichzeitig bin ich aber auch der festen Überzeugung, dass die Quellen, aus denen ich meine Informationen beziehe, ausreichen, um mir alle wichtigen Informationen mundgerecht anzureichen und ich gleichzeitig ein gut funktionierendes Gespür dafür entwickelt habe, bei welchen Informationshäppchen es sich lohnt, aktiv hinterherzurecherchieren.

Meine Hauptinformationsquelle sind Überschriften. Ich behaupte, dass die wesentliche Nachricht in 80% der Fälle ausreichend durch die Überschrift transportiert wird. Deshalb lasse ich mir auch von vielen verschiedenen Nachrichtendiensten/Zeitungen Push-Nachrichten aufs Handy schicken. Wichtige Nachrichten (Trump überfällt Venezuela) greifen alle Medien auf, dazu bekommt man 20x die gleiche Pushnachricht von 20 verschiedenen Diensten, da muss man sich dann nicht weiter drum kümmern, bei solchen Themen verfolgen einen die entsprechenden Informationen eh überall.

Überschriften, die nur eine Zeitung hat, klicke ich dagegen ab und zu gezielt an, weil ich mir davon interessante Infos zu einem speziellen Thema verspreche. (Das Problem von Wärmepumpen im Winter)

Außerdem verfolge ich (einige) Links zu Zeitungsartikeln, die mir in Blogs oder Newslettern empfohlen werden und ich habe das Gefühl, dass ich damit ausgesprochen breit und gut informiert durchs Leben komme.

Weshalb ich das jetzt so ausführlich beschreibe? - Weil ich es interessant finde, dass in den Blogs und Newslettern, die ich verfolge, immer häufiger das Thema behandelt wird, dass Leute aktiv keine Nachrichten mehr wahrnehmen wollen, weil alles immer nur noch schrecklicher wird um uns herum.

Spontan erinnert mich das an so ein Kleinkindverhalten: Finger in die Ohren und laut lalala singen, dann kriegt man keinen Ärger.

Gleichzeitig stelle ich aber auch für mich fest: Infos über alles, was Herr Trump so treibt, ignoriere ich genauso wie alles, was Herr Putin so macht und andere Gegenden der Welt, wo sich die Menschen prügeln. Ich bekomme die Überschriften per Push-Nachricht auf mein Handy, schaue inzwischen aber kaum noch hin, weil es ja doch immer dasselbe ist und igendwann ist man eben einfach abgestumpft. Da werden mir selbst die Überschriften schon zu viel und dann frage ich mich: Liest das überhaupt noch irgendwer?

.

596 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?


Montag, 5. Januar 2026
Nichts tun
Das Wetter ist für meinen Geschmack gleichbleibend ungemütlich, Schnee war noch nie etwas, was ich besonders favorisiert hätte, aber da ich verreisen noch schrecklicher finde, muss ich wohl damit leben, dass derzeit an den Standorten, an denen ich mich üblicherweise aufhalte, überall Schnee liegt.

Die Gassirunden erledigt K alleine (also alleine mit Hund), ich bin sehr froh, wenn ich nicht vor die Tür muss.
Der Hund ist bei dem derzeitigen Wetter allerdings auch mit kurzen Gassirunden zufrieden und sichtbar froh, wenn sie wieder im Warmen ist.

Laut Müll-App (und auch laut Online-Plan) sollte heute der Papiermüll abgeholt werden.
Wurde er aber nicht, die blaue Tonne steht immer noch randvoll und zugeschneit an der Straße - ich lasse sie dort jetzt einfach stehen, irgendwann wird hoffentlich mal ein Müllauto hier vorbeikommen und sich erbarmen.

Einkaufen waren wir heute nicht - seitdem die Feiertage vorbei sind und ich jeden Tag und jederzeit wieder so viel einkaufen kann, wie ich will, ist mein Drang verflogen und ich finde es gemütlicher, einfach im Schlamperlook zu Hause zu bleiben.

Ansonsten feiere ich jeden Tag mehrfach die Tatsache, dass ich wirklich nirgendwohin mehr fahren muss, wenn ich keine Lust habe. Die Vorstellung, ich müsste bei diesem Wetter aufs Festland und mich dort mit dem Auto durch das Verkehrschaos wühlen - entsetzlicher geht es kaum
.

601 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?


Sonntag, 4. Januar 2026
Von gesagten und nicht gesagten Wörtern und Sätzen
Gestern Abend, kurz vorm Lichtausmachen, fragte mich mein Westfalenmann, ob ich wüsste, was ein Pilaster sei.
Ich fragte zurück, in welchem Zusammenhang, er sagte, in keinem, ihm sei das Wort eben einfach so eingefallen und er wüsse selber nicht genau, was es bedeutet, deshab frage er ja.

Ich staunte ein wenig, weil ich sonst nur die umgekehrte Variante kenne, nämlich dass man nach einem konkreten Begriff sucht, von dem man nur weiß, was er bedeuten soll und nur eine grobe Definition hat. Diese Richtung des Suchens macht mich immer ganz hibbelig, weil, wie findet man etwas, von dem man nicht weiß, wie es heißt?

Dass einem dagegen einfach so, out of the blue, ein Wort einfällt, von dem man nicht weiß, was es bedeutet, das fand ich zumindest bemerkenswert.
Die passende Definition dafür zu finden ist dann natürlich ganz leicht, man schaut bei Wikipedia nach und selbstverständlich wird da genau erklärt, was Pilaster sind.

Es sind Reliefpfeiler, ein Wort, was hauptsächlich als Palindrom bekannt ist.

Was ein Palindrom ist, wusste ich ohne nachzuschlagen und spontan fiel mir der Satz mit dem verbotenen N-Wort ein, der endet mit "zagt im Regen nie" und ich fragte mich, ob man den heute noch als Beispielssatz für ein Satz-Palindrom benutzen darf ohne Gefahr zu laufen, schief angesehen zu werden?

Ich meine, ich benutze all diese heute verpönten Wörter genauso wie ich vor 50 Jahren auch die damals verpönten Wörter benutzt habe, denn es gab ja schon immer Wörter, die man nicht aussprechen durfte, ohne dass man bei empfindlichen Gemütern Empörung erzeugte.
Und genau wie ich es vor 50 Jahren mit Wörter wie Sex*, Vögeln*, Arschloch* und Scheiße* gemacht habe, mache ich es auch mit den heute verpönten Wörtern: Ich benutze sie nur in einem Safe-Space, d.h. also wenn ich sicher bin, dass keine zartbesaiteten Anstandsdamen in der Nähe sind, die sich darüber nur wieder gewaltig aufregen und anschließenden Tiraden über - vor 50 Jahren: die verkommene Jugend - , oder heute: die respektlosen Boomer vom Stapel lassen.

*ich glaube, diese Wörter sind heute alle wieder gesellschaftsfähig, oder? Zumindest nimmt heute niemand mehr Rücksicht auf die Ohren von anständigen Fräuleins, heute nimmt man Rücksicht auf besonders empathische Mitmenschen, deshalb werde ich natürlich den Teufel tun und den Satz mit dem bösen N-Wort hier öffentlich aufschreiben. Mit der aktuell akzeptierten Bezeichnung ist allerdings das Palindrom dahin, manche Opfer muss man eben bringen, wenn man nicht unangenehm auffallen will.

Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen den Überblick darüber verloren, wen man heute mit Vorsatz und absichtlich beleidigen darf und wen noch nicht mal in Abwesenheit und ohne jede Beleidigungsabsicht, weil ich das mit dem Rassismus noch nicht so richtig kapiert habe.

Rassismus ist doch, wenn man Menschen, die einer anderen Ethnie angehören, bösartig ausgrenzt und verbal niedermacht, oder?

Was sagen die Kölner denn heute zu den Düsseldorfern - und umgekehrt? Oder die Schalker zu den Borussen?
Und dürfen die Borkumer die Holländer noch Muffköppe nennen und die Festländer Europäer oder gibt es dafür auch längst rassistisch korrekte, andere Begriffe?
Und was ist mit meinem Westfalenmann? Ich meine, wie soll ich den nennen, um ihn mit einem Wort zu beschreiben? Denn selbstverständlich bin ich mir meiner rassistischen Ausgrenzung ihm gegenüber bewusst, aber nun, er ist halt Westfale.
Ich habe ihn aber trotzdem lieb
.

738 x anjeklickt (4 mal hat hier schon jemand geantwortet)   ... ¿selber was sagen?


Samstag, 3. Januar 2026
Kalt mit Schneegegriesel
Heute sind auch hier die Temperaturen soweit runter, dass das Schneegegraupel sogar eine kleine Zeit liegenbleibt. Im Garten müssen wir jetzt schon genauer hinschauen, wenn wir sehen wollen, was unser Dalmatiner mit seiner perfekter Tarnfarbe draußen so treibt.

Der Dalmatiner mit Tarnfarbe im Schnee

Uns war heute nicht sehr nach draußen, es war wirklich ausgesprochen ungemütlich, der Hund wollte aber auch nicht länger draußen rumlaufen, offensichtlich kein Dalmiwetter.

Ich habe eine längere Weile am PC gesessen und mich mit Steuererklärungen, Jahresmeldungen, Ermäßigungsanträgen , Fristverlängerungsanträgen und der Zustimmung zur elektronischen Bescheidübermittlung beschäftigt.

Außerdem kam heute der neue Toaster und K meint, ich soll jetzt 100mal aufschreiben: Ich darf nicht mit einer Gabel im Toaster rumstochern. Ich habe mir aber schon eine Gabel aus Holz gesucht, damit ist das doch bestimmt noch weiter erlaubt, oder?

.

584 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?


Freitag, 2. Januar 2026
Viel Wind
Huch, in der letzten halben Stunde ist die Uhr einfach drei Stunden nach vorne gerückt, jetzt ist der Tag gleich um und ich hätte fast das Blog vergessen.
Dabei habe ich nur mal eben ein bisschen an meinen neuen 2026er Tabellen gearbeitet, dabei muss ich mich konzentrieren und kann nicht auch noch auf die Zeit achten - und dann macht die sich gerne mal selbstständig und beginnt zu sprinten.

Aber nun ja, gibt auch nicht viel zu erzählen von heute.
Draußen ist es ausgesprochen sehr windig, trotzdem sind wir eine Runde über den Strand gelaufen, wenn man in die richtige Richtung läuft, macht das Spaß. Hinweg durchs Dorf und durch die geschützten Straßen, zurück dann mit dem Wind im Rücken am Wasser lang.

Strand bei Sturm

Dass die Flut aktuell höher aufläuft als sonst und dass das Wasser dann an Stellen landet, wo es nicht mehr so einfach wieder ablaufen kann, das sieht man auf dem oberen Bild, trotz Niedrigwasser war da noch eine Menge Wasser dicht an der Dünenkette stehengeblieben.
Auf dem Bild dadrunter habe ich versucht, die Sandwehen zu fotografieren, die vom Wind über den Strand gepeitscht wurden. Es hatte kurz vorher geregnet und eigentlich war alles nass, aber der Wind blies die oberste Oberfläche Sand rasch trocken und trieb sie dann mit einer irren Geschwindigkeit als natürlichen Sandstrahler über den Strand. Mit nackten Beinen hätte ich da nicht laufen mögen.

Das war aber auch schon die einzige Aktivität des Tages, ansonsten war ich sehr zufrieden damit, drinnen zu sitzen und die regelmäßigen, wüsten Regen- und Graupelschauer durchs Fenster zu beobachten
.

580 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?


Donnerstag, 1. Januar 2026
Stürmisch, kalt und Leute, die knallen
Entgegen meines Vorhabens an Silvester besonders früh ins Bett zu gehen, genoss ich gestern den friedlichen Abend vor dem PC und brachte meine Buchhaltung samt Ablage und Sicherung auf Vordermann. Jetzt ist das Jahr 2025 also komplett erfasst, abgelegt und gesichert, heute kann ich mich mit den Vorträgen für 2026 beschäftigen und neue, frische Tabellen anfangen. So etwas macht mich sehr zufrieden.

Wettermäßig ist der erste Tag des Jahres eher ungemütlich, es gab sogar Sturmflut- und Unwetterwarnungen für Ostfriesland, aber die haben ja mittlerweile die Qualität einer mütterlichen Ermahnung im Sinne von: Und fahr bloß vorsichtig - ernstnehmen kann man diese Warnungen schon lange nicht mehr, zumal es am Strand auch wirklich nicht nach Sturmflut aussah. (Das weiß ich von K, der mit dem Hund unterwegs war.) Es weht hier etwas mehr als die letzten Tage, aber das ist auch alles. Und es gibt regelmäßig unangenehme Regen- und Graupelschauer, die Temperatur ist bis auf 2°C gesunken, insgesamt also kein Wetter mehr, bei dem ich gerne vor die Tür gehe.

+++++++++++

Über Feuerwerk und Silvesterknallereien wird viel debattiert, ich wundere mich, dass es immer noch Leute gibt, die zwanghaft daran festhalten wollen.

Ich selber habe schon seit vielen Jahren den Spaß daran verloren, weil ich mir irgendwann mal die "Warum und Wozu-Frage" stellte und leider nicht beantworten konnte. Seitdem wäre es mir vor mir selber peinlich, Geld für etwas auszugeben, was leicht einen Schaden, sicherlich Dreck und Gestank, aber offensichtlich keinerlei sinnvollen Nutzen produziert. Wenn ich einfach nur Spaß haben will, kenne ich eindeutig sinnvollere Möglichkeiten. Da sich Feuerwerkskram nicht gebraucht auf dem Flohmarkt erwerben lässt, komme ich noch nicht mal in Versuchung, etwas zu kaufen, nur weil es so günstig ist.

Trotzdem ging es mir mit Feuerwerk immer noch wie mit einem Autounfall: Man ist froh, dass man selber nichts damit zu tun hat, muss aber zwanghaft hinschauen, wenn es bei anderen passiert.
Hier auf Borkum hat die Stadt traditionsgemäß immer ein gewaltiges "Höhenfeuerwerk" am Hauptstrand gezündet, als Publikum dazu versammelten sich so unendlich viele Menschen auf der unteren und der oberen Promenade, dass man Sorge haben musste, dass die Insel kentert.

Zum Glück entdeckte ich irgendwann, dass ich auch aus meinem Dachfenster heraus noch reichlich Feuerwerk gucken konnte und musste seitdem gar nicht mehr um Mitternacht am Strand rumlungern. Das gefiel mir nicht nur deswegen gut, weil es Ende Dezember nachts nur sehr selten angenehmes Draußenwetter gibt, sondern vor allem auch, weil ich mit zunehmendem Alter Menschenmassen immer noch schrecklicher finde als ich sie eh schon immer fand. Vor 20 Jahren dachte ich, mehr Abneigung gegen Menschenmassen kann man gar nicht haben, dann lernte ich, dass nach Abneigung Widerwillen kommt. Die nächste Stufe der Eskalation wäre Hysterie, die versuche ich durch Enthaltsamkeit zu vermeiden.

Seitdem ich Silvester also ohne FOMO entspannt zu Hause bleiben konnte, entdeckte ich auch, wie viel die Nachbarn um mich herum privat rumböllern. Und ich gehe davon aus, dass das keine wilden Jugendlichen sind, denn jüngere Leute gibt es hier in der umliegenden Nachbarschaft kaum, sondern ziemlich alte, erwachsene Leute. Ich begann zunehmend darüber zu staunen, welch seltsame Dinge Menschen tun, die man sonst durchaus als vernünftig wahrnimmt.

Dieses Jahr (oder jetzt muss es ja schon letztes Jahr heißen) wurde nach meinem Gefühl insgesamt spürbar weniger geknallt als in den Vorjahren, meine direkten Nachbarn hatten aber trotzdem noch reichlich Knallzeug zu verballern, was der Hund aber erstaunlich gelassen ignorierte.
Die Stadt hat das erste Mal offiziell verkündet, dass es statt eines Raketenfeuerwerks eine LED-Lichtershow geben wird. Die konnte ich nun aus meinem Dachfenster nicht mehr begucken, da es pünktlich um 23.30h aber auch ganz gewaltig zu stürmen und zu regnen begonnen hatte, war ich sehr froh, dass auch die neue Lichtershow kein FOMO-Gefühl bei mir aufkommen ließ, für die Zuschauer vor Ort wird es sicherlich eher ungemütlich gewesen sein, aber das muss ja jeder für sich selber entscheiden.

Wir saßen um Mitternacht gemütlich drinnen vor dem bullernden Kaminofen, freuten uns über den tobenden Wind draußen und das laute Regengeprassel auf den Fenstern, weil es mit viel Schadenfreude für die unbeirrbaren Knallmenschen einherging, die draußen rumliefen und versuchten, ihre privaten Raketen zu zünden.

Rein theoretisch ist morgen normaler Müllabfuhrstag für unsere Straße, aber weder online auf der Seite der Entsorgungsbetriebe noch in der App ist der 2.1. als Müllabfuhrtermin eingetragen. Der 26.12. (letzte Woche) ist schon wegen Feiertag ausgefallen, so langsam steigt hier der Müllberg und ich bin unsicher, was ich tun soll. Als ich vorhin draußen nachschaute, stellte ich fest, dass kein Nachbar weit und breit Müll an die Straße gestellt hat, zudem frischt der Wind immer mehr auf und es regnet Hunde und Katzen, weshalb ich beschloss, nur auf Verdacht auch lieber keinen Müll an die Straße zu stellen. Bis ich alle meine einzelnen Mülltüten in einem großen, offiziellen Müllsack verpackt und mit einer Abdeckplane gesichert hätte, wäre ich pitschnass geworden. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Abdeckplane vom Sturm weggeweht wird, dann zerhacken die Möwen den Müllsack und verteilen den Inhalt in der Gegend, das ist alles eine große Sauerei. Ich sammele also meinen Müll noch eine Woche und verschiebe das Problem auf einen anderen Tag
.

623 x anjeklickt (...bisher hat noch niemand was dazu gesagt)   ... ¿selber was sagen?