anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Dienstag, 13. April 2021
Ungewollt trocken
Was denn, heute ist wirklich erst Dienstag und ich war damit bisher auch erst nur zwei Tage nach dem Urlaub im Büro? Nicht zu fassen, fühlt sich an wie fast eine komplette Woche, und dabei sind es nur zwei jämmerliche einzelne Tage, ich vertrage echt gar nichts mehr.

Zu nichts vertragen passt auch meine höchst erstaunliche Alkoholunlust. Seit ungefähr zwei Monaten mag ich kein Bier mehr. Und mit nicht mögen, meine ich wirklich nicht mögen. Ich finde es schmeckt fies und in meinem Kopf ist jede Erinnerung gelöscht, wie es früher schmeckte. Wobei ich allerdings davon ausgehe, dass das Bier seinen Geschmack überhaupt nicht verändert hat, nur mein Kopf wertet den Geschmack anders aus, ich kann mich aber halt nicht mehr daran erinnern, wie es sich anfühlte, als ich Bier noch mochte. Und ich mochte Bier wirklich gerne und habe viel Bier getrunken, das immerhin weiß ich noch.

Alles vorbei, ich finde Bier jetzt genauso bäh wie Hagebuttentee, wobei ich im Zweifel sogar eher Hagebuttentee trinken würde als Bier, wenn ich wählen müsste. Dafür mag ich seit exakt dem Beginn meiner Bierabneigung plötzlich alkoholfreies Bier. Zwar nur eine bestimmte Sorte, die finde ich aber durchaus lecker und trinke das Zeug jetzt regelmäßig mit Genuss. Alkoholfreies Bier fand ich bis vor ungefähr zwei Monaten so bäh wie ich seit zwei Monaten richtiges Bier finde, da muss sich irgendein Schalter in meinem Kopf umgelegt haben und ich beobachte meine Geschmacksveränderung mit großem Interesse, kann allerdings keinerlei konkreten Auslöser nennen, der diese Schalterveränderung hätte ausgelöst haben können.
Es kann aber auch sein, dass es irgendein Stoff bei uns im Haus ist, der das ausgelöst hat, denn es scheint ansteckend zu sein, K, der zunächst tapfer alleine weitergetrunken hat, trinkt seit ungefähr einem Monat deutlich weniger Bier und seit einer Woche gar keins mehr und hat auch keines mehr nachgekauft. Wir haben damit den völlig außergewöhnlichen Zustand erreicht, dass wir wirklich kein einziges Bier mehr im Haus haben, bis auf drei Sixpacks Alkoholfreies. Ich glaube das letzte Mal ist mir das während des Studiums passiert und das lag damals daran, dass ich schlicht pleite war.

Jetzt könnte man meinen, dass wir dann eben auf Wein oder Sekt umschwenken, aber auch daran liegt mir/uns im Moment nichts. Wir haben beide einfach keine Lust auf Alkohol, ist das nicht skurril?
Wobei ich Wein noch nicht so unlecker finde wie Bier. Wein schmeckt immer noch wie Wein, aber das war ja auch nie ein Durstlöscher, sondern immer eher ein Genussgetränk, und ich habe aktuell kein Verlangen danach, ganz simpel, aber eben auch sehr erstaunlich.

Aber zum Glück ist ein Leben ohne Alkohol ja kein Drama, keiner von uns leidet an unkontrollierbarem Zittern, wir trinken einfach was anderes und gut ist.

Mein aktuelles Lieblingsgetränk ist selbstgemachte Erdbeerlimonade. Erdbeeren gab es neulich extrem günstig, also habe ich welche gekauft, stellte dann fest, dass ich ja auch noch viele Zitronen habe, die auch mal verbraucht werden mussten, weil der geplante Einsatz im Longdrink halt aktuell auch nicht passiert. Also habe ich Erdbeeren mit Zitronensaft und Zuckersirup püriert, einmal durch ein Sieb gestrichen und hatte erstklassigen Erdbeerlimonadensirup, nur noch mit Sprudelwasser aufgießen und wir waren uns beide einig, dass wir dafür jedes anderes Mixgetränk stehen lassen würden
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Montag, 12. April 2021
Nach einem langen ersten Bürotag
bleibt nicht mehr viel Schwung, dafür viel Müdigkeit und eine große Portion Schicksalsergebenheit.
Die Arbeit im Büro war so, wie ich es erwartet hatte, es machte wenig Spaß. Immerhin habe ich entdeckt, was der eigentlich Spaßverderber bei der Arbeit ist: Es ist das gezwungenermaßene und nicht zu ändernde Zusammenarbeiten mit Menschen, um die ich außerhalb des Büros einen sehr großen Bogen machen würde, denen ich aber durch die Arbeit im Büro weder aus dem Weg gehen kann, noch kann ich sie komplett ignorieren, ich darf sie aber auch nicht totmachen. Letzteres fände ich am besten, dafür ist es am meisten ausgeschlossen, so schade.

Der tiefbegabte Assistent der Geschäftsleitung hat sich in den zwei Wochen meiner Abwesenheit durch ganz besonders lautstarkes Blödsinnmachen hervorgetan, es macht so müde, diesen Unsinn immer wieder gradezubiegen.

Dann gibt es zwei Kolleginnen, die bereits geimpft sind. Beide Anfang bis Mitte 40, aber beide mit guten Kontakten in die passende Szene, es ist ihnen auf alle Fälle gelungen, sich erfolgreich als Risikogruppe einstufen zu lassen und dann auch noch einen Impftermin zu ergattern. Wie sie das gemacht haben, weiß ich nicht, ich möchte es auch gar nicht wissen, ich mag mich mit solchen Leuten am liebsten gar nicht unterhalten, irgendwie fühlt sich das alles so bedrückend an. Es macht auf alle Fälle keine gute Laune.

Nur die neue Sekretärin, die macht mir Spaß. Sie hat in den ersten sechs Wochen ihrer Tätigkeit schon so viele Baustellen entdeckt, dass es eine Freude ist, sie kräftig zu unterstützen und sie immer wieder zu ermuntern, bloß weiter zu machen und wirklich alles einmal umzukrempeln. Sie rüttelt an uralten Basics der Ablage- und Aufbaustruktur, das ist wirklich ganz großes Kino und ich freue mich wie Bolle, dass da endlich mal jemand ist, der das gleiche sieht wie ich, der dann aber auch die Ärmel hochkrempelt und es angeht, weil das im Grunde natürlich auch genau zu dem Job gehört, wofür sie eingestellt wurde. Mit solchen Menschen zu arbeiten, macht viel Spaß, wenn wir nur solche Menschen im Büro hätten, würde ich mich wahrscheinlich überhaupt nie über die Arbeit beschweren.
Es sind aber überwiegend eher die Bürokraten, die sich bei uns den Hintern breit sitzen. Das haben wir schon immer so gemacht, das war im Vorjahr auch so und im übrigen ist das Vorschrift. Teufel, wie ich das hasse.

Aber ich werde mich schon wieder reinfinden, noch 1.259 Tage
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Sonntag, 11. April 2021
Rückfahrt zur Arbeit
So, Urlaub zu Ende, Haus geputzt und Ankunft auf dem Festland ohne Zwischenfälle, dem Dienstantritt morgen steht damit nichts im Weg.

Die Reise in Bildern:


Blauer Himmel mit prächtigen Wolken als Begleiter auf der Fährfahrt. Lustig ist, dass die oberen beiden Fotos als Einzelfotos einen komplett graden Horizont haben, knapp setze ich sie in das Collageensemble, werden sie schief und lassen sich auch nicht grade ziehen. Nun denn, dann soll es so sein.

Die wilden Wolken blieben auch Begleiter bei der Autofahrt, ich habe die ganze Zeit nur aus dem Fenster geschaut und den Himmel, das Licht und die Landschaft bewundert, es sah einfach prächtig aus.


Kurzer Zwischenstopp beim Heim des Vaters. Sonntags sind keine Besuche erlaubt, aber ich habe ihm wenigstens seine Zeitungen gebracht und einen kleinen (nachträglichen) Ostergruß. Die Entscheidungen der Politiker machen schon seltsame Dinge mit den alten Menschen. Irgendjemand meint, dass es das Wichtigste im Leben ist, weiterzuleben. Auf die Qualität des Lebens kommt es dabei nicht an. Und deshalb wird die Qualität gestrichen und alle werden gezwungen, unter den erbärmlichsten Verhältnissen einfach nur weiterzuleben, solange, bis sie an irgendetwas anderem versterben, alles ist erlaubt außer Corona, denn dann sind weder die Politiker noch die Ärztean irgendetwas schuld. Und dass die alten Leute über kurz oder lang an irgendetwas anderem ganz selbstverständlich versterben werden, nun, dafür sorgt die Natur auch ohne Corona. Sehr bequeme Exculpation für diejenigen, die keine Lust haben, die Verantwortung zu übernehmen.
Sorry, das musste mal raus.

Ankunft im Münsterland dann bei Sonnenuntergang, stimmungsvolle Begrüßung des Festlandzuhauses.


Ich geb's ja zu, auch in Westfalen ist es ganz nett. Es ist halt nur so, dass hier die ungeliebte Büroarbeit wartet. Nun ja, noch 1.260 Tage
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Samstag, 10. April 2021
Viel Arbeit
Heute fiel uns auf, dass wir ja nur noch heute haben, um all die Dinge in und ums Haus herum zu erledigen, die sinnvollerweise alle noch erledigt werden sollten, bevor wir morgen wieder aufs Festland fahren müssen und so verbrachten wir heute einen recht arbeitsamen Tag.
K hat den neuen Fahrradschuppen noch einmal mit der Schutzlasur gestrichen (alleine das dauerte schon mehr als drei Stunden), außerdem haben wir den Garten frühlingsfein gemacht und das alte Holz und die trockenen Äste rausgeschnitten, alles möglichst kleingeschnitten und in die passenden Müllsäcke gestopft, insgesamt stehen jetzt vier grüne Säcke an der Straße. Das Brennholz ist fertig zerkleinert und sauber im Schuppen gestapelt und ich war den Nachmittag über beim Onkel und habe dort verschiedene Dinge geregelt, die noch zu regeln waren.

Insgesamt brachte der Tag sehr viel körperliche Arbeit, mit der Folge, dass ich jetzt fix und alle bin, alle Energie verbraucht, dafür freue ich mich sehr aufs Bett, ich gewöhne mich langsam
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Freitag, 9. April 2021
Zweitausendfünfhundert
Zweitausendfünfhundert Tage, so lange bist Du jetzt schon weg und trotzdem bist Du immer noch da.
Nicht mehr täglich, aber regelmäßig, mindestens einmal die Woche gibt es eine Situation, wo ich an Dich denke und mit Dir rede.
Ja, ich rede oft mit Dir, ich finde es schön, dass ich seit zweitausendfünfhundert Tagen mit Dir reden kann, ohne dass wir uns streiten müssen. Das ist eindeutig ein Vorteil, totsein ist nicht nur schlecht.

Überhaupt finde ich totsein für denjenigen, der tot ist, ja gar nicht so schlimm, weil ich fest davon überzeugt bin, dass es Dir entweder völlig egal ist, eben weil Du tot bist, oder, wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, na, dann wirst Du Dich da schon eingerichtet haben, denn wenn Du etwas gut konntest, dann das. "Neues Spiel, neues Glück, gibt keinen Grund, deshalb den Kopf hängen zu lassen, so ist das mit den Leben, kommt immer wieder ein neues." - ich kann es förmlich spüren, wie Du Dir die Hände reibst und fröhlich in neue Abenteuer startest, während Du mir nur noch kurz zurufst, dass ich mir keine Sorgen machen soll, Du hast alles im Griff.

Für diejenigen, die nicht tot sind, ist es aber schon blöd, wenn in ihrem Leben plötzlich jemand fehlt, weil der jetzt in einem anderen Leben weitermacht. Da bleibt ein Loch und um das muss man irgendwie drumherumleben und dabei ständig aufpassen, dass man da nicht reintritt und stolpert, das wirft einen sonst nämlich jedes Mal ein bisschen aus dem eigenen Lebensalltag.
Jeder Mensch, der stirbt, hinterlässt ein Loch im Leben der Menschen, die ihn kannten. Je nachdem wie eng man mit dem toten Menschen gelebt hat und verbunden war, ist das Loch größer oder kleiner und vor allem an einer zentralen Stelle mitten im eigenen Leben oder weiter am Rand und dementsprechend schwer oder nicht so schwer fällt es den Hinterbliebenen, sich an dieses Loch in ihrem Leben zu gewöhnen.
Das Loch, was Du in meinem Leben hinterlassen hast, hattest Du ja schon vor Deinem Tod begonnen, etwas zuzuschippen und mir geholfen, meinen Lebensmittelpunkt an eine andere Stelle zu verlagern, weg von dem Loch, was Du hinterlassen wirst, deshalb war es nicht ganz so riesengroß und vor allem bin ich nicht zu oft reingetreten und ins Stolpern geraten. Es war aber trotzdem eine Zeitlang mühsam.
Inzwischen geht es ganz gut, vor allem auch, weil ich die allermeisten der sonstigen Stolpersteine, die Du mir in Deiner großen Unbekümmertheit ja auch noch hinterlassen hast, inzwischen zur Seite geräumt habe, einige konnte ich sogar benutzen, um das Loch zu füllen, weil ich mich sehr darüber geärgert habe, dass ich mich mit all dem Kram jetzt auseinandersetzen musste, und dieser Ärger war genau die Energie, die es brauchte, um die Steine in das Loch kullern zu lassen.

Es ist immer noch nicht alles aufgeräumt und einige Steine spuckt das Loch auch wieder aus und wirft sie mir erneut in den Weg, aber vielleicht ist das auch nur Deine Methode, dauerhaft in meinem Leben präsent zu bleiben, zutrauen würde ich es Dir.

Mein Umgang mit Dir hat sich verändert, er ist abgeklärter geworden, wohlwollender und auch verständnisvoller.
An manchen Tagen, wenn ich mit Dir rede und Dir erzähle, was wieder alles so passiert ist, muss ich über mich selber lachen, denn während ich mich noch lautstark darüber beschwere, welche Widrigkeiten sich das Leben jetzt wieder für mich ausgedacht hat, sehe ich, wie Du bedauernd die Schultern hochziehst, um Dich in der gleichen Bewegung auch aufzulösen und im Nebel zu verschwinden. Ja, ich weiß ja, Du kannst Dich nicht um alles kümmern, hast Du mir ja oft genug gesagt. Ich habe in den letzten zweitausendfünfhundert Tagen aber auch begriffen, dass es vielleicht tatsächlich sogar ganz klug ist, wenn Du Dich nicht kümmerst, und ich die Dinge selber regel, seitdem ich mich deshalb nicht mehr von Dir provoziert fühle, geht das eigentlich ganz gut.
Und es funktioniert gut, wenn ich mir dabei von meinem Westfalenmann helfen lasse, der ist meine wichtigste Unterstützung überhaupt. Ohne ihn hätte ich auch Dein Durcheinander nicht so vernünftig aufgeräumt bekommen, aber genau so hattest Du das ja auch geplant, nicht wahr?

2.500 Tage - das ist doppelt so lange wie der Zeitraum, den ich noch ins Büro gehen muss. Naja, fast doppelt so lange, denn ich bin erst in 1.262 Tagen fertig mit dem Büro, ich finde das übrigens schade, dass die Zahlen nicht genau passen, Kabbalistik ist ja etwas, was ich immer schon mit großem Vergnügen gespielt habe. Aber auch wenn es nicht ganz genau passt, so macht es mir doch Hoffnung, dass 1.262 Tage gar nicht mehr so lange sind, denn Du bist ja auch noch nicht lange fort und doch schon doppelt so lange. Ach, ich fange an, Unsinn zu reden, das passiert mir übrigens öfter mal, wenn ich mich mit Dir unterhalte, es ist so wohltuend, nicht auf jedes Wort achten zu müssen, dass ich dabei dann auch schon mal übers Ziel hinausschieße.

Ich wäre ja so neugierig zu erfahren, wie Du mit den aktuellen Sprachvorschriften umgingest. Das wäre sicherlich ein großer Spaß, also, ich meine, für mich, weil ich die seltsamen Verrenkungen, die hier seit neuestem angestellt werden, um die Sprache als Alibimäntelchen über jede Art der vorstellbaren Diskriminierung zu legen, ja schon extrem spaßig finde. Als ob man Diskriminierung dadurch abschafft, dass man sie anders nennt. Ich weiß noch wie Du Dich über das "Jobcenter" lustig gemacht hast, das ab irgendwann nicht mehr Sozialamt hieß und "Stütze" auszahlte, sondern Hartz4 Unterstützungsleistungen anbot. Die Realität hat sich erwartungsgemäß dadurch natürlich nicht verändert, es entstanden nur noch mehr neue Wörter, und ob Menschen weniger diskriminiert werden, weil sie jetzt "Hartzer" heißen oder "hartzen", wenn sie nicht arbeiten, könnten die schlauen Sprachveränderer ja mal untersuchen, aber das könnte zu einem Ergebnis führen, dass Teile unser intellektuellen Sprachförderungselite verunsichern könnte, deshalb lässt man das wohl besser.
Ich bin so sicher, dass Du Dir jeden Tag neue, hintertupfige Schmähungen gegen diese Rittery des gegenderten Unperfekts ausdenken würdest, dass es wirklich ganz arg schade ist, dass hierzu nicht mehr genug Zeit blieb. In Hermes Phettberg hattest Du ja schon lange einen Bruder im Geiste gefunden, seine Sprachvariante wird jetzt allerdings wirklich grade ernsthaft als seriös diskutiert, stell Dir das vor, soweit ist es mit der Sprache in diesem Land gekommen. Obwohl, von allen Varianten, die nicht nur diskutiert, sondern offiziell von obersten Stellen verwendet werden, finde ich die Zuschauy-Lösung tatsächlich noch am angenehmsten, sie ist wenigstens niedlich.

2.500 Tage, das sind fast 30% der Zeit, die Du ein aktiver Teil meines Lebens warst, und trotzdem fühlt es sich immer noch an wie vorgestern, ich schätze, Du taugst einfach nicht zum Vergessen und darum bin ich sehr, sehr froh.
Wir haben so viel gemeinsam erlebt und auch überlebt, da waren schon einige heiße Situationen bei, aber am Ende ging alles immer gut aus und wir hatten wieder eine Story mehr für unsere Katastrophengeschichten. Vielleicht ist das ja der Grund, weshalb ich tief innen drin immer noch fest davon überzeugt bin, dass Du gar nicht ganz verschwunden bist aus dieser Welt. Vielleicht bist Du aber auch nur vorgegangen, wartest jetzt irgendwo und rufst in regelmäßigen Abständen meinen Namen, so wie Du es eigentlich immer getan hast, wenn ich nicht im selben Raum war wie Du.

Grade heute habe ich K noch die Geschichte mit dem Müllwagen erzählt, erinnerst Du Dich?
Hier auf Borkum wurde heute nämlich auch der Müll abgeholt und weil als erstes die Müllmänner für die gelben Säcke kamen und die Abdeckplane nicht wieder ordentlich über den schwarzen Müllsack gezogen haben, hat es natürlich prompt eine Möwe geschafft, den Sack aufzupicken und Teile des Inhalts über die Straße zu verteilen, bevor auch dieser Sack vom nachfolgenden Müllwagen eingesammelt wurde. Als ich die Plane reinholte sah ich die Bescherung, machte die Straße wieder sauber und erzählte K, was passiert war, was er mit: "Ja, als ich heute Morgen aus dem Fenster sah, habe ich gesehen, dass die gelben Säcke weg waren und die Plane nicht mehr ordentlich drüber lag." kommentierte, was wiederum mich zu einer sehr erbosten Antwort brachte, denn wenn er gesehen hat, dass die Plane nicht mehr richtig liegt, dann hätte er natürlich sofort hingehen müssen und sie wieder gradeziehen, man weiß doch, was passiert, wenn die Müllsäcke nicht abgedeckt sind. Er sagte dazu aber nur, das wäre nicht gegangen, weil er nur einen Morgenmantel anhatte und damit nicht auf die Straße gehen wollte.
An dieser Stelle zeigte sich der Unterschied zwischen einem Westfalen und einem Wiener, denn natürlich fiel mir dazu die Geschichte ein, wie Du einst barfuß und mit wehendem Morgenmantel, in jeder Hand eine Mülltonne hinter Dir herziehend hinter dem Müllwagen herjagtest, weil Du natürlich trotz von mir mehrfach abgefragter und von Dir bestätigter Zusage die Mülltonnen nicht rechtzeitig an die Straße gestellt hattest. Als Du das Müllauto draußen klappern hörtest, fiel es Dir aber siedendheiß ein und bei der Wahl zwischen barfuß und im Morgenmantel die Mülltonnen dem Müllwagen nachzubringen oder meinem vorhersehbaren Wutanfall, wenn die Tonnen nicht geleert worden wären, hast Du Dich klugerweise für die Rettung der Mülltonnenleerung entschieden. Zur Freude aller Nachbar(inne)n ging Dir bei dem Sprint mit den Mülltonnen aber auch noch der Gürtel des Morgenmantels auf.
Es muss ein wunderbares Bild gewesen sein, wie der Herr Wirtschaftsprüfer barfuß, mit wehenden Morgenmantelrockschößen und einem frei schwingenden Schniedel mit zwei Mülltonnen im Schlepptau einmal fast die gesamte Straße langgerannt ist. Ich habe die Geschichte am Abend natürlich brühwarm von der Nachbarin erfahren, aber die Mülltonnen waren geleert. Prioritäten, so wichtig.

Ach CW, zweitausendfünfhundert Tage, das ist eigentlich schon ganz schön lange, aber in meinem Leben bist Du präsent wie eh und je. In diesem Sinne, auf die nächsten zweitausendfünfhundert
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Donnerstag, 8. April 2021
Ich hab Rücken
Seit fünf Tagen schlafen wir jetzt in dem neuen Bett. Dass es nicht leicht sein wird, nach 30 Jahren Wasserbett auf ein normales Bett umzusteigen, war mir bewusst, aber ich habe es so gewollt und deshalb kämpfe ich mich da jetzt durch.
Einen Vorteil habe ich schon festgestellt, meine dauernden, lästigen Nackenschmerzen sind weg.
Das kann jetzt natürlich viele Gründe habe, es kann zB daran liegen, dass ich Urlaub habe und nicht mehr jeden Tag 10 Stunden vor dem Rechner sitze. Ich glaube allerdings, dass es daran liegt, dass ich sie einfach nicht mehr spüre, weil meine Rückenschmerzen inzwischen so schlimm sind, dass die normalen Nackenschmerzen davon schlicht overruled werden. Wenn einem der Rücken im Lendenwirbelbereich nämlich so weh tut, dass man sich nur noch sehr grade halten kann und jede Bewegung so weit es geht vermeidet, dann hat man immerhin keine Nackenschmerzen mehr, denn die dringen einfach nicht mehr durch, das Schmerzzentrum ist viel zu sehr mit dem LWS-Bereich beschäftigt.

Was also die Nackenschmerzen angeht, sehe ich das neue Bett absolut positiv, gegen die tiefer sitzenden Rückenschmerzen habe ich jetzt grade eine große Portion Ibu genommen, mein Gewöhnungsprozess an dieses Bett geht jetzt also in die nächste Runde, ab sofort mit Tablettenunterstützung, aufgeben kommt aber schon aus grundsätzlicher Erwägung nicht in Frage.

Ansonsten haben wir jetzt endlich wieder Licht im Flur, der Onkel hat's gerichtet, schon sehr praktisch, einen Elektriker in der Verwandtschaft zu haben.

Das Wetter ist immer noch ungemütlich, aber immerhin war es heute trocken, so dass ich zwei Maschine Wäsche durchziehen konnte. Grundsätzlich könnte ich ja Handtücher auch in den Trockner stecken, aber erstens werden sie dann so fies weich (ich mag es lieber hart und kratzig, weil es mich nach dem Duschen immer überall juckt und ein kratziges Handtuch ist dann einfach nur toll) und zweitens riecht die Wäsche, die draußen ordentlich durchgepustet wurde, ja auch viel besser, so dass ich also hochzufrieden mit dem heutigen Trockenergebnis bin
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Mittwoch, 7. April 2021
Nicht gewohnt, sondern gearbeitet
Das Wetter ist nach wie vor so ungemütlich, dass es hier niemanden nach draußen drängte.

K fackelt den Pflaumenbaum scheibchenweise im Ofen ab, das macht das Wohnbüro zum gemütlichsten Zimmer des Hauses.
Da es im Haus aktuell nichts mehr zu werkeln gab, hätten wir wunderbar einfach nur wohnen können, der Teil des Hauses funktioniert 1a, aber statt ordnungs- und urlaubsgemäß zu wohnen, saßen wir beide am Rechner und erledigten Dinge. Man hätte es auch Home-Office nennen können, es zählte aber offiziell als Urlaub.

Irgendwas läuft da falsch in meinem Kopf, aber andererseits mussten die Dinge ja eh erledigt werden und dann ist es auch egal, ob man es entspannt und in Ruhe im Urlaub macht oder nächste Woche gestresst während der Bürozeit.

Am Nachmittag besuchten wir den Onkel und dann war der Tag auch schon um
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