anjesagt

Anjesagtes, Appjefahr'nes und manchmal auch Ausjedachtes
Samstag, 10. Oktober 2020
Wuseliger Samstag
Das sieht insgesamt nicht nach einem erholsamen Wochenende aus. Gestern war schon ein ziemlich vollgepackter Tag, heute ging es entsprechend weiter.
Um 10h hatte sich eine Interessentin für einige Wolle angekündigt, sie war letztes Jahr schon mal da und hat wohl durch dieaktuellesituation soviel Zeit gehabt, dass sie inzwischen alle Wolle verstrickt hat und Nachschub brauchte. Hier steht zum Glück noch genug rum, so dass sie anschließend sehr fröhlich wieder abzog.
Für uns hieß das aber auch, dass wir um 10h aufgestanden und angezogen sein mussten, was fast gelang...
Wir waren etwas spät dran, weil wir nach dem Aufwachen zunächst all die Autoanfragen bestaunt hatten, die über Nacht auf die Annonce eingegangen waren.
Der Vormittag verging dann auch mit Anfragen beantworten, mit Inserenten telefonieren und Auto vorführen.
Wir haben es jetzt verkauft, allerdings fehlt noch der Felgenschloss-Schlüssel und die aktuelle TÜV-Bescheinigung, das muss ich am Montag noch nachbesorgen - und morgen bringen wir das Auto nach Essen und übergeben es dem Käufer, dann ist das Kapitel hoffentlich auch abgeschlossen.

Am Nachmittag war ich einkaufen und entdeckte beim Einräumen der Vorräte, dass wir Mehlkäfer in der Vorratsschublade haben, also war ich den Rest des Tages mit Küchenschublade ausräumen, Inhalte inspizieren bzw. wegwerfen, wenn sie nicht sauber verschlossen waren und gründlichem Saubermachen beschäftigt. Irgendwann gelang es mir auch, die Schublade komplett auszubauen, das habe ich das letzte Mal vor 12.5 Jahren gemacht, als ich die frisch aufgebaute Küche dann doch noch mal selber gründlich reinigen wollte, damals zeigte mir ein Handwerker, wie man die Schubladen ausbaut und ich erinnerte mich dunkel, dass ich da an den Seiten auf etwas drücken muss. Es dauerte heute aber einige Zeit, bis ich die richtige Stelle zum Draufdrücken gefunden hatte, dann ging es aber sehr leicht.

Und ansonsten bin ich jetzt müde und muss dringlich mal wieder wirklich früh ins Bett, deshalb einfach nur noch Gute Nacht
.

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Freitag, 9. Oktober 2020
Hat alles perfekt geklappt
Dinge, die für heute auf dem Programm standen:
9h - Reifenwechsel mit Ns Seat
9.30h Videocall
10h - Videocall
11.30h - Zahlungsverkehr
13h Rückkehr von K aus dem Büro und Abfahrt nach Verl (geplante Fahrtdauer ca. 1.20h)
14.30h Ankunft in Verl beim Türenbauer, um das Glasmuster für die Türen abzunehmen, der Türenbauer schließt am Freitag um 15h
spätestens 17h Rückkehr/Ankunft in Greven, Beginn mit Essensvorbereitungen (Lasagne und Salat)
18.30h Ankunft von N und einer Kollegin in Greven, N möchte die Autos tauschen und etwas essen
20.30h Weiterfahrt N, er musss heute noch bis München

Soweit die bekannten Rahmendaten.

Was dann wirklich geschah:
8.50h Ich gehe in die Tiefgarage, um mit dem Seat in die Werkstatt zu fahren, dabei bemerke ich den überquellenden Korb mit Glasmüll und beschließe, dass ich den Glasmüll auf dem Weg zur Werkstatt noch schnell einwerfen kann. Leider ist es so viel Glasmüll, dass ich ihn auf zwei Tragekörbe verteilen muss und leider ist der Seat randvoll gepackt mit den aufzuziehenden Winterreifen, aber es gelingt mir trotzdem, noch zwei volle Körbe mit leeren Flaschen ins Auto zu stellen.

8:59h Ankunft Glascontainer

9:05h Ankunft Werkstatt, in dem Moment wo ich auf den Platz einbiege, fährt ein Rentner seinen Seniorengolf in das offenstehende Werkstatttor - das war mein Timeslot.

9:20h jetzt wird der Seat in die Werkstatt gefahren, ich warte derweil im Wartesaal und blättere in der einzigen, ausliegenden Zeitschrift, der Oktoberausgabe von Landlust aus dem Jahr 2013. Ich finde, von solchen Zeitschriften braucht man nur jeden Monat einmal zu erwerben, wenn das Jahr um ist, fängt man wieder mit dem Januar an, der Oktober 2013 war heute genauso aktuell wie vor sieben Jahren. Die Werkstatt macht alles richtig.

9:32h Anruf vom Chef erster Ordnung, er wartet auf mich im Videocall. Ich warte noch den Räderwechsel beim Seat und bitte, schon mal ohne mich anzufangen.

9.47h Rückkehr im Homeoffice, Rechner starten, Videocall beitreten, dunkle Andeutungen machen, dass man leider mal wieder doppelt gebucht war, ich stellle fest, ich habe nichts verpasst.

10h Wechsel in den nächsten Videocall, alles funktioniert

10.45h - 11.30h freie Zeit am PC, um den anstehenden Zahlungsverkehr zu kontrollieren

11.30h Freigabe Zahlungsverkehr, es läuft

11.40h -bis 12.57h: Aufräumen und Saubermachen in Küche und Wohnzimmer, Dinge zusammenstellen, die N im Auto mit nach Borkum nehmen soll, Ausräumen des Seats, Kontrolle der Vorräte, ob alles für das Essen am Abend vorrätig ist, Frühstück zubereiten und essen (Bratkartoffeln mit Frühlingszwiebeln und Ei), danach wieder saubermachen

12.57h Anruf von K, er sei unterwegs und schon fast da.

13.30h Ankunft K - er hatte sich einen Porsche Panamera Hybrid für eine Probefahrt besorgt und war sichtlich stolz auf seine "Überraschung", sofortige Weiterfahrt nach Verl, wir waren in Verzug.

14.30h Wir fahren an Rheda-Wiedenbrück vorbei als mir einfällt, dass ich hier ja irgendwann im Mai mal ein Paar Schuhe in einem Schuhgeschäft zur Reklamation abgegeben hatte, wäre ja eine gute Idee, die Schuhe auch mal wieder abzuholen. Aber nicht auf der Hinfahrt, das Navi sagt, noch 15 Minuten, wir werden also nur knapp vor Dienstschluss beim Türenhersteller ankommen.

14.42h Ankunft beim Türenhersteller, K hat noch mal drei Minuten rausgeholt, der Porsche musste zeigen, was er kann, Restkilometer Reichweite elektrisch: 0, ist aber ja zum Glück ein Hybridfahrzeug, da kann man die Batterie beim Fahren mit Benzin wieder aufladen. (Irgendwie habe ich das Gefühl, da geht etwas an der grundsätzlichen Idee von Co2-freiem Fahren vorbei, ist aber enorm praktisch, weil eine mit Benzin aufgeladene Batterie eindeutig eine längere Reichweite hat.)

14.50h Das Glasmuster ist perfekt!



Fotografiert haben wir zweimal dieselbe Musterscheibe, allerdings unten auf dem dunklen Teppichboden liegend und oben vors Fenster gehalten. Wie auch immer, ich finde, es ist echt gut gelungen und individueller kann man eine Tür von einem Haus auf Borkum ja wohl nicht gestalten.

14.51h eigentlich könnten wir jetzt wieder fahren, dann bleibt genug Zeit, um auf dem Rückweg noch die Schuhe in Rheda abzuholen, aber der Berater des Türenherstellers hat sich als Modellflieger geoutet und so tauschen K und er erstmal ausführlich ihr Wissen und ihre Meinungen zum Fliegen aus.

15.35h Wir brechen auf Richtung Rheda.

16h K hat die Schuhe bei dem Schuhgeschäft abgeholt, die Reparatur war tatsächlich kostenlos.

17.05h Ankunft Greven, ich begebe mich in die Küche und fange an, Zwiebeln zu schneiden, K bringt den Porsche zurück.

17.30h Nachricht, dass N plangemäß unterwegs ist, voraussichtliche Ankunft ca. 18.45h

17.55h K ist wieder da und meint, er könnte ja noch mal eben mit Js Golf an eine schöne Stelle fahren, um Fotos zu machen, damit der Wagen dann endlich ins Netz gestellt werden kann. Er meint, er ist bis 18.45h wieder da.
K macht grundsätzlich wirklich sehr, sehr schöne Fotos von den Autos, die er verkauft. Er achtet dabei auf eine passende Umgebung und einen perfekten Hintergrund und kennt auch sonst alle Tricks (zB müssen die Vorderreifen immer stark eingeschlagen sein, das wirkt dynamischer). Mit seinen schicken Fotos haben wir bisher für alle Autos einen wirklich guten Preis bekommen.



Leider haben wir vergessen, den Wagen vorher zu fotografieren, also in dem Zustand, in dem er sich befand als J ihn hier abstellte. Da sah er wirklich jämmerlich aus, aber so wie er sich jetzt darstellt, macht er doch wieder einen echt attraktiven Eindruck. Und technisch ist er eben in dem Zustand, in dem 17 Jahre alte Autos üblicherweise sind, er hat keine echten Macken, es muss nur eine große Inspektion mit Zahnriemenwechsel gemacht werden, aber das sagt man ja dazu. Wir werden ja sehen, wie das mit dem Verkauf so läuft.

18.10h Ich schiebe die Lasagne in den Backofen und beginne, den Salat zu schnibbeln

18.30h Das Essen ist fertig, der Tisch ist gedeckt, Getränke stehen parat, das Wohnzimmer ist aufgeräumt, eine Duftlampe vertreibt den Essensgeruch, mir fällt in letzter Sekunde ein, dass ich doch noch ein Geschenk verpacken wollte.

18.45h K und N kommen gleichzeitig an und verräumen die Autos. Ich werfe die Gambas (Vorspeise) in die Pfanne und freue mich über das perfekte Timing.

20.30h Die Autos sind getauscht und umgeräumt, N nimmt noch ein paar Pflanzen mit fährt wieder ab .
K und ich räumen die Küche auf und beschließen früh ins Bett zu gehen

21h Ich möchte nur noch eben den Blogpost für heute schreiben und K will den Golf ins Netz setzen

22.35h Hat dann doch alles länger gedauert als gedacht, dafür ist der Tag heute aber auch perfekt dokumentiert
.

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Donnerstag, 8. Oktober 2020
Vizefreitag
Heute Arzttermin mit Röntgen, der Bruch ist jetzt auch nach den kritischen Augen des Festlandarztes komplett verheilt, nur leider ist der Fuß immer noch reichlich geschwollen und das Gelenk tut nach wie vor gründlich weh, auch passiv. Deshalb jetzt MRT. Also, nicht jetzt, sondern in zwei Wochen, aber das ist für die sonst üblichen Wartezeiten auf ein MRT immer noch ziemlich schnell.
Bis dahin weiter Turnen und Fußmobilmachung, ab Montag wieder normale Arbeit.
Immerhin habe ich dort jetzt als Standard etabliert, dass ich künftig Freitags immer Homeoffice mache und dort allgemeine Aufräumarbeiten erledige, i.e. Mailkonto sortieren, Fachliteratur lesen und sonstige "Grundsätzlichkeiten" - außer es stehen Anwesenheitstermine an, dann komme ich natürlich ins Büro.
Ich finde, das ist ein erster Schritt in ruhigere Arbeitszeitgewässer.

Außerdem wollen wir neue Mitarbeiter einstellen, einen IT-Spezialisten und einen Juristen (ja, die Idee ist von mir, ich finde, Juristen bekämpft man am besten mit eigenen Juristen) und der tiefbegabte Assistent der Geschäftsführung soll versetzt werden. In die Immobilienverwaltung. Grundsätzlich ist das auch mein Zuständigkeitsbereich, es gibt aber noch einen "Leiter Immobilienverwaltung", der war früher beim Militär und der soll direkter Chef von dem tiefbegabten Assistenten werden. Das wird ihn (beide) nicht freuen, aber man kann sich seine Schlachtfelder nicht immer aussuchen. Ich spekuliere darauf, dass er dem tiefbegabten Assistenten Beine macht, und wenn ihm das nicht gelingt, was ihm nicht gelingen wird, hat er auf alle Fälle keinen Grund mehr, nach weiterem Personal zu jammern.
Der Leiter Immobilienverwaltung berichtet an mich, und damit kann ich die gesamte Verantwortung für die Produktivität des tiefbegabten Assistenten nach unten auslagern und ich gebe zu, das gefällt mir sehr, winwin für mich.
Tief innen drin habe ich wohl doch eine rabenschwarze Seele.

Ansonsten war heute der zweite Termin bei der Streichelfrau, sie wurde erfreulicherweise doch etwas energischer, wenn auch immer noch weit weg von dem brutalen Physiomann, aber vielleicht nutzt ja auch ihre Behandlung nachher etwas, es ist auf alle Fälle einen Versuch wert.

Jetzt muss ich noch meinen Westfalenmann aufscheuchen, damit er mitanpackt, die Winterreifen in Ns Auto zu verladen, die sind nämlich hier im Keller eingelagert und werden morgen früh in der Werkstatt aufgezogen. Morgen Abend kommt dann N hier nach Greven, bringt mir meinen Golf mit, nimmt dafür seinen Seat wieder in Empfang, fährt weiter und feiert ein Wochenende im Hochrisikogebiet München und kehrt Montag zurück nach Borkum. Viele Kilometer für ein Wochenende, aber solange man Auto fährt, ist man ja relativ coronasafe
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Mittwoch, 7. Oktober 2020
Kein Urlaub
J meinte vorhin, das Blog hätte heute fünf Jahre-täglich-Jubiläum, das sind damit 1.825 Beiträge, was sich als absolute Zahl dann wiederum gar nicht so viel anhört.
Aber immerhin habe ich jetzt schon mal die ersten fünf Jahre durchgehalten, da werde ich es auch für die nächsten fünf Jahre noch schaffen, und wenn die um sind, muss ich schon nicht mehr täglich ins Büro.
Man muss sich seine Zwischenstops nur passend setzen, dann wird auch ein Marathon zu zweiundvierzigtausend machbaren Schritten.

Sonst war der Tag heute durchwachsen mit seltsamen Begegnungen und schrägen Informationen, einige davon lassen mich teils kopfschüttelnd, teils fassungslos zurück, aber ändern kann ich es auch nicht.

Ich muss dann wohl akzeptieren, dass andere Menschen andere Risikobeurteilungen haben und ich sollte mich daran gewöhnen, dass es auch in der aktuellen Situation völlig normal ist, in Urlaub zu fahren, insbesondere wenn man ihn so gebucht hat, dass man ihn jetzt nicht mehr stornieren kann und wenn man dafür bezahlen muss, dann muss man ihn auch antreten, ist ja logisch, oder etwa nicht? Lieber den Magen verrenken als dem Wirt was schenken, ist eine uralt Weisheit und auch inderaktuellensituation noch immer voll gültig.
Ich stehe dann am Seitenrand und schüttele etwas fassungslos den Kopf - es ist genau diese unselige Reiserei und Feierei, bei der jeder meint "doch nur für sich" ein Recht darauf zu haben und genau deshalb verbreitet sich dieses Virus weiter und weiter.
Weshalb alle Welt meint, man müsse ausgerechnet jetzt und ganz unbedingt und dringend noch mal Urlaub machen, weil ja schließlich Herbstferien sind, wird sich mir ganz sicher nicht mehr erschließen, weshalb man zum Zwecke dieses Urlaubs aber auch noch quer durch die Weltgeschichte reisen musss, das begreife ich noch viel weniger, aber ich darf bei solchen Themen ja eh nicht mehr mitreden, schließlich habe ich offen bekannt, dass ich nicht mehr gerne verreise.

Ich bin da also raus, ich darf da gar keine Meinung haben, weil ich gar nicht weiß, welche Vorteile Reisen insgesamt so hat. Und das stimmt tatsächlich, in der aktuellensituation sind ja sogar noch die Vorteile weggefallen, die ich mir wenigstens theoretisch vor zwei Jahren noch hätte vorstellen können.
Übriggeblieben ist aus meiner Sicht neben einer immensen Unbequemlichkeit (potenziert schlimmer als vor zwei Jahren, weil jetzt ja zu anstrengenden Reisezeiten und fremdem Bett auch noch die gesamten Coronaschutzmassnahmen kommen und ich kann wirklich überhaupt nicht verstehen, was jemand daran attraktiv findet) aber auch eine nicht zu verleugnende Asozialität, weil man sich ja ganz offensichtlich und demonstrativ einen feuchten Kehricht darum schert, ob man zur Risikoverbreitung beiträgt oder nicht, Hauptsache man urlaubt das bezahlte Geld ordnungsgemäß ab, alles andere wäre ja wirklich gröbste Verschwendung.

Es tut mir leid, aber mir fehlt wirklich komplett das Verständnis dafür, warum man für die nächsten 12-24 Monate nicht einfach mal mit seinem A*sch zu Hause bleiben kann, wenn es nicht wirklich dringend notwendig ist, dass man sich unter Leute begibt. Das kann doch nicht so schwer sein
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Dienstag, 6. Oktober 2020
Bewerber, Klavierstimmer und Pesto
Heute noch mehr Vorstellungsgespräche, der eine war super, der andere eine Katastrophe, es ist faszinierend wie unterschiedlich Menschen sein können.
Der Katastrophenbewerber hat in 45 Minuten Vorstellungsgespräch ungefähr 90 Minuten geredet, zumindest hat er so viel geredet, dass ich nach den 45 Minuten ganz erschöpft war vom Zuhören, meiine Ohren waren total überlastet.
Dabei habe ich selber in dem gesamten Gespräch nur einen Satz gesagt, als ich nämlich mit meinem Fragepart dran gewesen wäre, habe ich nur gesagt, dass ich keine Fragen mehr hätten, der Bewerber hätte schon alles gesagt, was man überhaupt so sagen könne. Spätestens an der Stelle hatte dann auch der Chef erster Ordnung begriffen, dass die aktuelle Strategie in diesem Vorstellungsgespräch nur noch sein kann, den guten Menschen so schnell es geht wieder loszuwerden. Als er dann wirklich weg war, haben wir uns nur alle angeschaut und zur Erholung gemeinsam fünf Minuten geschwiegen.

Ich frage mich ja dann immer, was solche Menschen für eine Selbstwahrnehmung haben, aber wahrscheinlich ist das die falsche Frage und ich sollte mich eher fragen, weshalb ich den Typ nicht gut fand. Er selber fand sich ganz offensichtlich ganz enorm hervorragend.

Der andere dagegen war echt super und wenn der bereit ist, bei uns zu arbeiten, dann hat sich diese Ausschreibung auf alle Fälle gelohnt. Morgen kommen auch noch welche (sogar die beiden an 1 und 2 gesetzten Bewerber), aber ich habe mich heute schon ein wenig in diesen Kandidaten verguckt, weil der einen so ruhigen, souveränen, pragmatischen und gleichzeitig trotzdem trocken-lustigen Eindruck machte.
Nun, wir werden sehen.

Danach war Physio, bei dem guten, brutalen Physiomenschen, der heute an meinem Fuß zog, dass es knackte und ich vor Schreck und Schmerz fast bis unter die Decke sprang - aber danach war der Fuß eindeutig viel besser beweglich. Vielleicht habe ich unbemerkte masochistische Seiten, aber ich finde den Typ wirklich deutlich besser als die anthroposophische Streichelfrau aus der hochgelobten Edelpraxis.

Anschließend hatte ich eine halbe Stunde Zeit um fix etwas einzukaufen und die gröbste Unordnung im Erdgeschoss zu beseitigen, denn um 12.30h kam der Klavierstimmer und er kam pünktlich.
Mein alter Klavierstimmer, den ich sehr mochte und den ich auch für einen sehr guten Klavierstimmer hielt, ist leider vor fünf Jahren nach Ostdeutschland ausgewandert - und seitdem wurde der Flügel nicht mehr gestimmt, weil ich mich bei Klavierstimmern noch mehr anstelle als bei Friseuren und ich kannte halt keinen neuen, guten.
Nach fünf Jahren Nichtstimmen klingt ein Flügel so wie eine Frisur nach fünf Jahren friseurfrei aussieht, Honkytonky-Lieder und 12 Ton Musik funktionierte noch, weil das von Haus aus schief klingen muss, alles andere klang unangenehm. Dementsprechend wenig bis gar nicht habe ich noch auf dem Flügel gespielt.

Aber jetzt. Jetzt ist er wieder frisch und neu und hui, macht das Spaß, darauf zu spielen.

Während der Klavierstimmer im Erdgeschoss stimmte, nahm ich in der ersten Etage an einer Videokonferenz teil und hatte Spaß an der Tatsache, dass man allen Teilnehmern ansah, dass sie sich über die seltsamen Hintergrundgeräusche wunderten, aber keiner traute sich zu fragen, ich habe da wohl gründlich was richtig gemacht, was "Respekt haben" angeht, hihihi.


Als das alles erledigt war, der Klavierstimmer das Haus verlassen und ich noch eben die restliche Unordnung beseitigt hatte, war mir nach rotem Pesto und also begab ich mich ans Werk. Diesmal ist es wirklich ganz hervorragend geworden, der Trick ist, alle Zutaten tatsächlich genau in einigermaßen gleichwertigen Mengenverhältnissen zu verwenden. Auf 100g getrocknete Tomaten kommen 100g gegrillte, gehäutete Paprika und dazu braucht man genau 200g frische Paprika. Häuten und Grillen frisst 50% des Gewichts, ist ja auch gut zu wissen. Bei den Pinienkernen habe ich auch mehr als eine Packung genommen, die 100g Käse halbe/halbe zwischen Pecorino und Parmesan aufgeteilt und schließlich auch gut 100ml Olivenöl dazugegeben. Basilikum hatte ich tiefgefroren, da habe ich 30g genommen, das passte prima und außerdem ein ganz bisschen Chili, Salz, Pfeffer und drei Knoblauchzehen verarbeitet, das scheint insgesamt genau die passend ausgewogene Mischung zu sein.
Abendessen fiel heute aus, dafür ist die Hälfte von dem wirklichen großen Topf Pesto schon wieder alle - und zwei Packungen Tucs.
Lecker
!

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Montag, 5. Oktober 2020
Anstrengend
Das war ein sehr anstrengender Montag heute und am liebsten möchte ich nicht mehr darüber reden, weil ich mich sonst nur aufrege oder schlechte Laune bekomme, wahrscheinlich sogar beides.
Nur soviel: Meine tiefsitzende Abneigung gegen Juristen ist noch mal um ca. 100 von 100 Punkten gewachsen, boah können die anstrengend sein.
In unserem großen Projekt, was wir Anfang des Jahres begonnen haben, sind wir jetzt in der Schlussphase der Vertragserstellung, d.h. die Rahmenbedingungen wie Kaufpreis und Gegenstand dessen, was überhaupt verkauft/erstellt werden soll, sind geklärt, jede Seite hat alle notwendigen Genehmigungen eingeholt, eigentlich ist also alles klar, nur die endgültigen Vertragsformulierungen müssen noch ausgefeilt werden. Und dann kommen die Juristen und bauen ohne Ende Rücktrittsklauseln ein, und Absicherungen gegen wirklich jede abstruse Unwahrscheinlichkeit und wenn die eine Seite Rücktritte will, dann will die andere das natürlich auch und wenn die eine Seite eine Absicherung meint haben zu müssen, dann braucht die andere das auch und die phantasierten Vertragsstörungen werden immer abstruser, die Rücktritts-, Schadensersatz- und Absicherungsklauseln immer bekloppter und wenn das mein Privatvertrag wäre, hätte ich schon längst erklärt, dass ich an dem Projekt kein Interesse mehr habe, denn bei all diesen völlig irren Juristenspinnereien entstehen ja nicht nur Kosten für die Beschäftigung von Juristen, die auch und das definitiv nicht zu knapp, sondern natürlich auch für die Absicherungen und Bürgschaftsgestellungen und Rücktrittspfandverwaltungen, es ist einfach nur gnadenlos bescheuert und mit rationalem Verstand nicht mehr zu fassen.
Und es macht ÜBERHAUPT KEINEN Spaß.
Gar keinen.
Nada.

Eine Welt, in der jeder vor jedem Angst hat und sich gegen jeden und alles absichert, die ist doch nicht mehr lebenswert.
Ich finde es auf alle Fälle gruselig.

Am Abend hatten wir dann noch das erste von mehreren Vorstellungsgesprächen der nächsten Zeit, auch das fand ich anstrengend, weil ich finde, man muss nicht auch noch ewig lange schnatternden Smalltalk mit einem Bewerber machen, wenn man insgeheim längst weiß, dass man ihn sicher nicht nehmen wird, weil er ganz offensichtlich überhaupt nicht ins Team passt.
Wenn sich bei mir ein mittelalter Mensch vorstellt und akzentfrei gendert, dann werde ich ihn nicht in ein Team gleichaltriger Realos stecken, die bei dem ganzen Genderthema nur regelmäßig genervt die Augen verdrehen. Wenn das ein 25jähriger Mensch macht, ist das etwas total anderes, eben weil es die aktuelle Sprache seiner Generation ist, den könnte ich mir sehr gut als Ergänzung in so einem gut durchgealterten Team alter Haudegen vorstellen, aber eben kein ebenfalls älterer Mensch, der total modern, fortschrittlich und aufgeschlossen seinen Mitarbeitern ständig das partizipative Ende der Mitarbeit verbal vor Augen führt.
Mitarbeit-Ende, was denken sich die Leute eigentlich dabei, wenn sie solche Wörter sagen? Haben die wirklich mal darüber nachgedacht, was Sprache aussagt
?

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Sonntag, 4. Oktober 2020
Geburtstag nur zu zweit
Eigentlich habe ich ja eine tiefsitzende Geburtstagsstörung, weil ich die künstliche Rumgratulierei, die mit Geburtstagen fast zwanghaft verbunden ist, schrecklich finde. Ich meine, wenn ich mit Menschen das ganze Jahr nix zu tun habe, oder schlimmer noch, wenn ich mit Leuten eigentlich gar nichts zu tun habe, außer dass wir uns irgendwo mal durch Zufall begegnet und seitdem auf Facebook befreundet sind, aber sonst nie wieder Kontakt hatten, also wenn mir solche Menschen dann einmal im Jahr mit einem durchkopierten Standardtext herzliche Geburtstagsglückwünsche per Direktnachricht senden, dann ärgert mich das regelmäßig. Ich finde, Geburtstag ist etwas Privates und den will ich nicht mit Menschen, mit denen ich im Grunde nichts zu tun habe, teilen, auch nicht durch die passive Entgegennahme ihrer nichtssagenden Glückwünsche.

Aber mittlerweile habe ich meine Präsenz in den sozialen Netzen einigermaßen unter Kontrolle, bei Facebook habe ich den 29.2. als Geburtstag hinterlegt und noch nicht mal dieses Jahr, als der Tag tatsächlich vorkam, hat mir dort jemand gratuliert, ich glaube, das ist jetzt geklärt. Bei Xing hagelte es Glückwünsche vor allem von den unvermeidlichen Headhuntern, die sich von meinem Profil magisch angezogen fühlen, aber das kann ich inzwischen gut ignorieren. Ich habe in mein Profil reingeschrieben, dass ich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe und auch NICHT an einem Jobwechsel interessiert bin, aber die professionellen Jobvermittler scheinen die neuen Staubsaugervertreter zu sein, was will man da erwarten.
Und auf allen anderen Socialmediakanälen bin ich eh nicht mit Klarnamen unterwegs, da steht also wenn, dann stets 1.4. als Geburtstag in meinem Profil, aber eigentlich in der Regel gar nichts und das ist auch gut so. Mal davon abgesehen, dass ich sowieso überall nur passiv teilnehme und auch das nur noch sehr sporadisch, auch Twitter wird wohl nicht mehr meine Welt, dort sind mir eindeutig zu viele Menschen, die sonst keine anderen Hobbies haben, unterwegs, ich habe einfach nicht die Zeit, mich dort so regelmäßig und vor allem so ausdauernd rumzutreiben, wie es nötig wäre, um dort überhaupt interessante Kontakte knüpfen zu können, von der anschließenden Pflege der Kontakte mal gar nicht zu reden.

Aber weil ich also kaum noch theoretische Kontakte habe, sondern fast nur noch Menschen, die mich auch in echt und im real live "richtig" kennen, ist das mit der Geburtstagsgratuliererei echt harmlos geworden und die Glückwünsche, die mich erreichten, waren auch alle wirklich privat und persönlich und darüber habe ich mich natürlich gefreut.

Ansonsten war das heute wirklich ein wunderbarer Geburtstag, den ich komplett und ausschließlich nur mit meinem Westfalenmann verbracht habe und wir haben den Tag gemeinsam enorm genossen.
Ausgerechnet heute war in Schmallenberg verkaufsoffener Sonntag, dem sich auch Sockenfalke anschloss und am Nachmittag einen Sonderverkauf mit Extrarabatt anbot. Weil ich ja Geburtstag hatte und bestimmen durfte, habe ich mir gewünscht, dass K seine Kreditkarte gut einölt, wir einen Ausflug ins Sauerland machen (was nach Münchner Geographie ja kurz hinter Münster beginnt) und dann dort beim Werksverkauf mal so richtig über die Stränge schlagen. Was wir auch taten.
Es war toll.
Ich habe jetzt 10 Paar neue Strümpfe und trotz der enorm reduzierten Preise mit Extrarabatt waren die insgesamt immer noch fast doppelt so teuer wie die vier Hosen und zwei Paar Schuhe, die ich Vorgestern im Secondhandladen gekauft habe, aber das Einkaufen heute war ja mit Ansagen und wegen Geburtstag und überhaupt sind wir reich, ich muss mich da nur immer noch regelmäßig wieder dran erinnern.
Und weil K sagte, seine Kreditkarte hält noch mehr aus, habe ich auch noch zwei Cashmere-Rollis gekauft, über die ich mich dann den gesamten Rückweg im 5-Minuten-Takt erneut gefreut habe, weil die einfach zu und zu kuschelig sind.
Hach, es war ein schöner Ausflug.

Auf dem Rückweg fuhren wir dann in Dortmund bei einem Japaner vorbei, um unser bestelltes Geburtstagsessen abzuholen und haben dann zu Hause so richtig geschlemmt.



Japanisches Essen eignet sich ja wirklich perfekt als Take Away und ich sagte es ja neulich schön: Wenn draußen sitzen keine Option mehr ist, dann werde ich jetzt für die nächsten Monate eben nicht mehr Essen gehen, bestellen und mitnehmen finde ich dafür durchaus attraktiv
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