Deutschland-Märchen
Erst wenn man die Situation beschreibt wie ein Märchen wird klar, wie abstrus das alles ist, was um uns herum so passiert, gleichzeitig weiß aber auch jeder, dass derart abstruse Märchensituationen die Realität durchaus treffend wiedergeben können.
Es gibt böse Schwiegermütter, eitle Prinzen und neidische Stiefschwestern, es gibt Länder, in denen Milch und Honig fließt und Länder, in denen grausame Könige herrschen und das Volk unterdrücken und deshalb gibt es natürlich auch ein Land, in dem die Reichen immer reicher werden und gar nicht wissen, wohin mit ihrem Geld.
Genau diese Frage habe ich mir schon so oft gestellt: Warum wollen einige Menschen immer noch mehr und noch mehr Geld verdienen und anhäufen, wenn sie doch schon längst so viel haben, dass sie es bis an ihr Lebensende nicht mehr ausgeben können? Und warum kann die Politik hier nicht einfach mal etwas gegen tun?
Okay, die Antwort auf die letzte Frage ist klar, weil natürlich die reichen Menschen den größten Einfluss haben und genau das verhindern, aber meine ursprüngliche Frage war ja, was wollen die Leute mit einem Vermögen und einem Einkommen, was sie überhaupt nicht mehr ausgeben können?
Wir können uns sicherlich darüber unterhalten, ab wie vielen Millionen man reich genug ist, aber bei einigen Menschen ist ihr Gesamtvermögen derart offensichtlich und nicht mehr wegzudiskutieren so groß, dass daraus ganz zwangsläufig auch noch ein regelmäßiges Einkommen resultiert, was sie schon nicht mehr ausgeben können und da frage ich mich eben schon, was sie damit vorhaben?
Ich selber fühle mich erst seit einiger Zeit wirklich auskömmlich reich, den größten Teil meines Lebens habe ich vor allem darauf hingearbeitet, irgendwann diesen Zustand zu erreichen und ja, natürlich kann ich verstehen, dass keiner bereit ist, etwas abzugeben, wenn er damit den eigenen Komfort und vor allem die persönliche Sicherheit spürbar herabsetzt, aber mehr als so reich zu sein, dass man sich alles kaufen kann, was man haben möchte und dass man sich bis an sein Lebensende keine Sorgen mehr um sein finanzielles Auskommen machen muss, mehr Reichtum ist doch wirklich nicht nötig, finde ich.
Natürlich gibt es bei der Aussage "alles kaufen kann, was man haben möchte" gewaltige Unterschiede. Ich bin nach dieser Definition vor allem deshalb reich, weil ich so unendlich viele Dinge gar nicht erst haben will (oder schon habe) und deshalb auch kein Geld mehr brauche, um sie zu kaufen.
Trotzdem habe ich mir vor allem deshalb angewöhnt, mantraartig zu wiederholen, dass ich jetzt reich bin, weil ich mir davon eine Änderung in meinem eigenen Verhalten erwarte, denn ich habe mittlerweile ein Alter erreicht, in dem sich der ökonomisch planbare Horizont in Reichweite befindet, im Unterschied zu den ersten 60 Jahren meines Lebens muss ich jetzt also für nichts mehr sparen und daran muss man sich ja auch erst mal gewöhnen.
Außerdem habe ich in den letzten 40 Jahren so gut gewirtschaftet und Vorsorge betrieben und gespart, dass ich nun, im Spätsommer/Herbst meines Lebens die Früchte aus dem gut bestellten Acker ohne große Mühe ernten kann, ich kann also alles Geld, was reinkommt, auch bedenkenlos sofort wieder ausgeben.
Es ist gar nicht so einfach, das eigene mindset in Punkto Geldausgeben zu verändern, wenn man 40 Jahre darauf programmiert war, auch den letzten Penny noch sorgfältig zu sammeln, um ihn fruchtbringend wieder einzusetzen. Eine leere Pfandflasche einfach wegzuwerfen, ist mir bis heute unmöglich.
Auch kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich mir in einem Einkaufsladen eine Tüte kaufen würde, um meine Einkäufe abtransportieren zu können. Wenn ich wirklich mal keine eigene Tasche dabei habe, dann suche ich mir eben leere Pappkartons im Laden, aber man kauft doch keine Plastiktüten (oder aus welchem Material auch immer die inzwischen sind.)
Über Leute, die Tüten im Laden kaufen, habe ich mich übrigens auch schon mein ganzes Leben lang gewundert. Was für ein seltsames Verhältnis zum Geld, zur Umwelt und überhaupt zu ihrer eigenen Existenz in Bezug auf die Gesamtbevölkerung müssen die haben? - Ist aber ein anderes Thema.
Für mich selber habe ich festgestellt, dass sich meine grundsätzliche Einstellung zu Geld in den letzten Jahren verändert hat und ich glaube, das liegt vor allem daran, dass ich inzwischen verinnerlicht habe, dass ich keine Zusatzanstrengungen mehr unternehmen muss, um noch mehr anzuhäufen, sondern, im Gegenteil, dass ich inzwischen eine angemessene Reiseflughöhe erreicht habe, in der ich ohne weitere Mühe gelassen vor mich hin gleiten kann und wenn mir danach ist, kann ich sogar schon langsam damit beginnen, Höhe abzubauen.
Ich finde das Bild aus der (Segel)Fliegerwelt sehr passend: Nach dem Start, also wenn man als junger Mensch vom Haken gelassen wurde und für sich selber verantwortlich ist, heißt es erstmal Höhe gewinnen. Die Segelflieger suchen dafür passende Thermik und beginnen Kreise zu fliegen, in denen sie sich kontinuierlich nach oben schrauben. Das ist ziemlich umständlich und sicher kein entspanntes Gleiten durch die Lüfte, sondern anstrengende, mühevolle Arbeit, die aber notwendig ist, um so viel Höhe zu gewinnen, dass man anschließend maximal weit fliegen kann.
Jedes Flugzeug hat eine eigene Gleitzahl, die angibt, wieviel Strecke man (ohne externen Motor) mit einem Meter Höhenverlust zurücklegen kann, je schlechter (=kleiner) meine Gleitzahl, umso mehr muss ich mich anstrengen, um nach oben zu kommen und je schneller bin ich auch wieder unten. Auch das lässt sich gut auf Menschen übertragen, denen es unterschiedlich leicht oder schwer fällt, Geld zu verdienen und damit umzugehen.
Die Motorflieger machen es grundsätzlich genauso.
Nach dem Start gilt es erstmal solange zu steigen, bis man eine sichere, komfortable und vor allem energieverbrauchstechnisch sinnvolle Reiseflughöhe erreicht hat. Beim Steigen verbraucht man zwar deutlich mehr Energie als beim Gradeausfliegen, aber je höher man steigt, desto geringer der Luftwiderstand, ein Reiseflug in 30.000 Fuß ist deshalb deutlich sparsamer als einer in Ameisenkniehöhe und gleichzeitig auch ruhiger, denn über den Wolken gibt es keine Thermik mehr, d.h. es fehlen die "Luftlöcher", die das Fliegen mit Thermik bzw. unter den Wolken oft ziemlich rumpelig machen.
Der Sinkflug steht zwar logischerweise am Ende der Reise, wird aber, je nach Höhe, in der man unterwegs war, schon ziemlich früh eingeleitet, man möchte am Ende der Reise ja schließlich nicht wie ein Stein vom Himmel purzeln, sondern mit maximal wenig zusätzlichem Energieeinsatz (Auffangmanöver verbrauchen auch Energie) langsam hinuntergleiten.
Wenn ich dieses Bild nun auf mich und mein Verhältnis zum Geld übertrage, dann stelle ich fest, dass mich mein Sicherheits- und mein Komfortbedürfnis veranlasst hat, sehr lange mit viel Einsatz immer mehr Höhe zu sammeln, denn je höher desto weit bei Motorausfall und gleichzeitig gilt auch, je höher desto bequemer wird die Reise grundsätzlich.
Ich bin dabei nicht nur hoch genug geklettert, um einigermaßen komfortabel durch den Alltag zu kommen, sondern inzwischen habe ich auch bereits einen großen Teil meiner Lebensreise hinter mir, es kann also wirklich kaum noch etwas schief gehen, einen sicheren Landeflughafen müsste ich mittlerweile auch bei ausgeschaltetem Motor noch problemlos erreichen können - und seitdem mir das bewusst ist, habe ich aufgehört, noch höher steigen zu wollen und genieße es jetzt mit immer größerer Gelassenheit einfach nur so vor mich hin gleiten und, wenn mir danach ist, auch ganz entspannt schon mal Höhe abzubauen. Beim Höhe abbauen steigt übrigens die Geschwindigkeit, das heißt, das Leben nimmt noch mal richtig Fahrt auf, was zB passiert, wenn man sich im Alter noch mal ein Haus baut…..
Je länger ich auf diesem Fliegerbild herumdenke, umso mehr übertragbare Parallelen fallen mir auf, denn die richtige Reiseflughöhe, für mich also der Moment, wo ich aufhöre zu steigen und beginne das Leben etwas entspannter anzugehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann deshalb komplett unterschiedlich definiert sein.
Sie ist je nach Situation vor allem abhängig von Erwartungen (Reiseziel), verfügbaren Möglichkeiten, (Flugzeugtyp), allgemeinen Wetterbedingungen und Vorlieben des Piloten.
Es gibt Leute wie Elon Musk, die streben nichts Geringeres an als einen Flug zu den Sternen. Die verbringen ihr gesamtes Leben im Steigflug, die haben überhaupt kein Bedürfnis nach sanftem Dahingleiten im Reiseflug und verneinen auch die Tatsache, dass sie irgendwann zwangsweise landen müssen, (oben geblieben ist zwar noch keiner, aber vielleicht gilt das ja nicht für alle), sondern bilden sich ein, sie leben wie die Möwe Jonathan einfach als Erinnerung bis in alle Ewigkeit weiter. In ihren Erben, in der Geschichte, im Orbit, in was weiß ich, mir fehlt komplett das Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen, was diese Menschen antreibt und woher sie ihre unfassbare Energie für ihren lebenslangen Steigflug beziehen, fremder als solche Menschen kann mir kaum etwas sein.
Andere Menschen dagegen sind genügsam wie Hühner. Sie können zwar fliegen, sehen aber keinen Sinn darin. Sie verbringen ihr Leben am liebsten Körner pickend auf dem Boden und am allerliebsten haben sie es, wenn es jemanden gibt, der ihnen täglich eine Schüppe Körner in ihren Auslauf kippt. Dem legen sie dann auch gerne jeden Tag ein Ei und verrenken sich ohne Bedenken dafür den
Weil sich Hühner nicht um sich selber kümmern, gibt es Sozialverbände, die sich für bessere Haltungsbedingungen für Hühner einsetzen. Die Flughöhe von Hühnern reicht ungefähr bis zur Hühnerleiter, wenn sie dort hochkommen, können sie nachts beruhigt schlafen und sind zufrieden.
Zwischen Elon Musk und den großen Mengen der Hühnervögel gibt es noch Unmengen an anderen Fliegertypen. Zugvögel, Raubvögel, Paradiesvögel und lustige Kolibris als Hub- oder Tragschrauber.
Jeder sucht und bestimmt seine eigene Flughöhe, abhängig von seinen angeborenen Fähigkeiten und anerzogenen Erwartungshaltungen.
Ich persönlich bin ganz sicher kein Zugvogel/Reisetyp. Ich brauche also keine Flughöhen von über 10 km, wo die großen Jets rumfliegen. Ich bin mit den Möglichkeiten eines kleinen, einmotorigen Propellerflugzeugs komplett zufrieden. Das ist allemal deutlich mehr als auch ein gut flugfähiger Hühnervogel erreichen wird, aber gleichzeitig auch deutlich weniger als das, womit andere mittelständische Privatpiloten wie zB Friedrich Merz, zufrieden wären.
Für mich bedeutet meine aktuelle Vermögenssituation vor allem auch, dass ich aufhören kann, mich anzustrengen, noch reicher zu werden. Ich will schließlich nirgendwo mehr hin, ich habe alles, was ich brauche und ich muss auch keine Rücklagen mehr schaffen, weder für Unvorhergesehenes noch für Geplantes.
Ich habe nicht nur mit meiner Karriere abgeschlossen (das habe ich sogar schon vor über 10 Jahren getan, da war schon abzusehen, dass ich nicht weiter aufsteigen will), sondern ich muss mich noch nicht mal mehr aktiv bemühen, überhaupt weitere Einnahmen zu erzielen, denn ich habe mir mittlerweile passive Einnahmequellen (Renten, Dividenden und Mieteinkünfte) erschlossen, die ganz von alleine für ein für mich ausreichendes Einkommen sorgen. Das ist in der Summe zwar deutlich geringer ist als das Einkommen, was ich noch vor fünfzehn Jahren benötigte, aber ich brauche heute ja auch nicht mehr so viel.
Das für mich notwendige und damit gleichzeitig auch das für mich ausreichende Einkommen ist vor allem deshalb deutlich niedriger als früher, weil ein Großteil der laufenden Kosten weggefallen sind.
Alle Immobilien sind abbezahlt, ich muss nichts mehr in die Rente einzahlen, keinen Vermögensaufbau mehr finanzieren und alle Kinder verdienen mittlerweile ihr eigenes Geld, keines ist mehr auf Unterhalt angewiesen, das ist schon mal ein großer Batzen an laufendem Abfluss, der nicht mehr von mir bezahlt werden muss.
Dazu kommt, dass ich zwei ziemlich vollständig eingerichtete Haushalte besitze mit zwei mehr als vollständig eingerichteten Kleiderschränken bei gleichzeitig deutlich gesunkenem Interesse an optischer Aufbrezelei - ich habe also kaum noch Bedarf, mir irgendwelche Gegenstände zu kaufen - und wenn, finde ich Flohmärkte eh die besten Einkaufsorte und inzwischen habe ich ja auch ausreichend Zeit, um sie ausführlich zu besuchen.
Überhaupt habe ich nur noch enorm wenig Bedarf. Das ist natürlich ebenfalls entscheidend für das Reichsein-Gefühl.
Ich gehe durch einen Laden, sehe all die Dinge, die man dort kaufen könnte, stelle fest, dass ich theoretisch alles kaufen könnte, wenn ich wollte - aber ich brauche nichts davon. Das ist doch wohl eindeutig reich, oder?
Als Kind habe ich mir immer gewünscht, genau so viel Geld zu besitzen, dass ich mir alles, was ich gerne haben möchte, kaufen kann. Diesen Zustand habe ich unbestritten erreicht.
Diesen Zustand hatte ich aber auch schon vor vielen Jahren erreicht, denn in aller Regel ist das, was ich gerne haben möchte, gar nicht sehr teuer, wenn man es gebraucht kauft und da "fabrikneu" für mich keinen Zusatznutzen darstellt, war ich schon sehr früh in der Lage, mir fast alle Wünsche des Alltags erfüllen zu können.
Größere Wünsche hatte ich immer nur zwei: Ich möchte ein Cabrio fahren und ein Haus am Meer besitzen.
Das mit dem Cabrio habe ich inzwischen seit über 40 Jahren realisiert, es waren verschiedene Cabrios, die ich in der Zeit gefahren bin und es war auch mal eine Ente dabei, aber auch eine Ente ist ein Cabrio und Hauptsache, man kann das Dach aufmachen.
Das mit dem (eigenen) Haus am Meer habe ich dann vor 20 Jahren realisiert - und die Kosten (pro Jahr), die mit so einem Haus verbunden sind, entsprechen ungefähr den Kosten eines dreiwöchigen Urlaubs für eine fünfköpfige Familie in einem gehobenen Club irgendwas auf der anderen Seite des Äquators. Ich habe es einfach dadurch finanziert, dass wir nicht mehr in Urlaub gefahren sind. Muss man zum Glück ja auch nicht mehr, wenn man ein Haus am Meer hat.
Zusammengefasst stelle ich also fest, dass ich kaum noch Bedarf habe, Geld auszugeben.
Alles, was ich mir schon immer kaufen wollte, besitze ich inzwischen und ich habe kaum noch laufende Kosten.
Die Kinder sind versorgt, die Ausbildungen gesichert, meine finanzielle Verantwortung geht gegen Null.
Mein monatliches Einkommen besteht aus vielen verschiedenen Zuflussquellen und ist damit so sicher, wie man es sich nur wünschen kann (vor allem sicherer als die Renten, denen ich schon vor 40 Jahren nicht getraut habe).
Und genau das ist meine Definition von reich sein: Sich keine Gedanken mehr darum zu machen,
Ich gebe allerdings zu, ich habe sehr hohe Sicherheitsbedürfnisse. Hier lag für mich wohl der Hauptantrieb, mich in den letzten 40 Jahren überhaupt mit Vermögensaufbau = Steigflug, um Höhe zu gewinnen, zu beschäftigen.
Hierbei hatte ich auch immer den Antrieb, nicht nur meine, sondern vor allem auch die Flughöhe der Kinder, so lange sie noch nicht selber flugfähig waren, sicherzustellen. Dass man in so einer Situation rein vorsorglich etwas überzieht, um ausreichend Sicherheitspuffer für Unvorhergesehenes vorzuhalten, finde ich sinnvoll.
Aber das ist jetzt alles erledigt, die Kinder fliegen längst selber und ich kann ohne Sorgen um einen Sicherheitsverlust meine Zinsen generierende, freie und flexible Liquidität einfach so in unbewegliches, immobiles Vermögen verwandeln, das kein Einkommen mehr erzeugt, sondern nur noch Ausgaben erspart, aber immerhin und da ich genug Höhe hatte, ist das jetzt ein Spaß, der wirklich richtig Schwung ins Leben bringt
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Angemeldet bei Mastodon bin ich schon seit knapp zwei Jahren, benutzt habe ich es aber bis heute nicht, nur zwei-dreimal geöffnet, kurz durchgescrollt, mich nicht zurecht gefunden und wieder geschlossen.
Nun ist es ja so, dass ich auch früher mit Twitter nie so viel anfangen konnte, ich glaube allerdings, das lag vor allem daran, dass ich das Gefühl hatte, ich kann nicht richtig mitspielen, weil ich tagsüber arbeitete und keine Zeit für private Tweets hatte. Wenn ich mit der Arbeit fertig war, hatte ich Dinge zu erledigen und überhaupt fand ich es schon immer entsetzlich störend, ständig auf sein Telefon zu schielen, um mitzubekommen, was da grade wieder Neues passierte. Es wirklich ernsthaft probiert, wie das so ist bei Twitter, habe ich deshalb nie, ich hatte irgendwie nie genug Zeit und Muße dafür, obwohl mein erstes Twitterkonto von 2006 und damit ziemlich alt ist.
Kommunikation mit mir funktioniert gut über E-Mails und im 1:1 Kontakt über Nachrichtendienste, allerdings finde ich WhatsApp-Gruppen schon wieder anstrengend und habe die rigoros alle stumm geschaltet. Ich bin kein Typ für Herzchen und Blümchen und inflationäres Sichliebhaben. Und überhaupt bin ich ja auch sonst kein Typ für Menschenmengen, einzeln und wohlsortiert sind mir Menschen viel lieber.
Aber.
Jetzt habe ich ja das erste Mal in meinem Leben Zeit infinitum und wann sonst wenn nicht jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dass ich mich doch noch mal ernsthaft mit diesem social media Kram beschäftige.
Twitter ist tot, Facebook ist noch toter, Instagram finde ich langweilig und TikTok sind Videos und für mich damit uninteressant, wenn es um aktive Teilhabe geht.
Mein Medium sind Worte, alles andere ist maximal schmückendes Beiwerk, aber niemals wirklich wichtig. Zumindest nicht in der Kommunikation mit anderen.
Grundsätzlich sind Blogs darum schon durchaus das perfekte Medium für mich, aber wenn sich doch fast alle Blogger auch noch mit Mastodon beschäftigen, dann bin ich wenigstens neugierig, was da so toll sein mag. Qualifiziert entscheiden, dass es am Ende dann doch nichts für mich ist, kann ich nur, wenn ich wirklich weiß, wie es funktioniert und eine Zeitlang aktiv mitgemacht habe.
Deshalb habe ich am Sonntag also ca. eine Stunde am iPad in der Mastodon-App rumgeklickt, habe die Liste derer, denen ich folge, auf über 60 hochgeklickt und mich dann damit beschäftigt, mein Profil zu vervollständigen. Mein Profilbild hochzuladen gelang, mehr aber auch nicht. Jeder Versuch, irgendeinen Text einzugeben, Biografie oder Interessen, was auch immer, scheiterte daran, dass es sich nicht speichern ließ. Wenn ich es auf dem Handy probierte, stürzte die App ständig ab, auf dem iPad verweigerte sie das Speichern, ich war ratlos.
Dann sah ich, dass Uschi offensichtlich bemerkt hatte, dass ich ihr gefolgt war und folgte mir jetzt ebenfalls. Ich hatte also exakt einen Follower, allerdings noch keine Ahnung, wie genau das bei Mastodon so funktioniert, also das mit dem Schreiben an alle, dem Schreiben nur an Einzelne, aber ich versuchte es.
In der Annahme, dass ich Uschi direkt anschreibe, teilte ich (ihr) mit, dass ich keine Ahnung habe, wie das hier so funktioniert und ob sie mir dabei helfen könne. Sie hatte sich früher auch schon mal anerboten, mir Instagram zu erklären, aber da sind mir eh zu viele Bilder, das interessiert mich nicht so, Hilfe bei Mastodon hätte ich dagegen jetzt super gefunden.
Knapp hatte ich meinen Text abgeschickt, registrierte ich, dass ich da wohl einen ganz öffentlichen Tröt (die Tweets bei Mastodon heißen Tröt, weil das Wappentier dort ein Elefant ist und kein Vogel) abgesetzt hatte, aber herrjeh, war dann ja auch egal. Also schrieb ich direkt hinterher, dass ich noch nicht mal wüsste, wie man Privatnachrichten verschickt und dass ich dabei sei, das alles erst noch zu lernen. Auf diese Nachricht antwortete mir dann Herr Rau*, dass es dafür ein kleines Icon zum Umschalten gebe, das aber je nach Client unterschiedlich platziert ist und auch unterschiedlich aussieht. Eine Weltkugel oder ein offenes oder geschlossenes Vorhängeschloss oder ein Briefumschlag.
Die Antwort fand ich super nett, aber sie half mir nicht weiter, in meiner App sah ich weder Weltkugeln noch offene Schlösser oder Briefumschläge.
*weshalb der meine beiden Tröts gesehen hatte, weiß ich nicht, er ist nämlich gar kein Follower, aber ich bin von einem Verständnis davon, wie die Logik dieses Systems funktioniert, sowieso noch meilenweit entfernt
Das also passierte am Sonntag, danach habe ich die App geschlossen und das Thema erst mal wieder ad acta gelegt.
Heute morgen fand ich dann reihenweise Benachrichtigungs-E-Mails in meinem Postfach, dass da jemand auf meinen Beitrag reagiert hätte und auf diese Reaktion haben dann wieder andere reagiert und dann haben ganz viele reagiert und alles drehte sich um mich. Uschi hatte netterweise nämlich einen eigenen Tröt abgesetzt, in dem sie einen passenden Hashtag und meinen Namen erwähnt hat und darum bat, mir zu zeigen, wie nett die Leute auf Mastodon sind.
https://nrw.social/@UschiAachen/114182266468072175
Die erste Antwort darauf kam von einem Crossgolfmoppel, der sagte, das könne er nicht, weil er kein Mastodon benutzt, die zweite Antwort kam von einem Monsterix, der sagte, dass er das nicht könne, weil in meinem Profil nichts steht, und der nächste fragte dann zurück, weshalb man einem Neuling helfen solle, auf Facebook und auf Twitter kommen die Leute ja auch alleine klar.
So ungefähr hatte ich mir eine aktive Teilhabe an Social Media auch immer vorgestellt, ich würde mal sagen, es ging richtig gut los.
Ich frage mich ja immer, weshalb es so viele Menschen gibt, die sich bemüßigt fühlen, Dinge zu beantworten, die gar nicht gefragt wurden, Leuten blöde Antworten zu geben, die kein Stück hilfreich sind und genausogut weggelassen werden könnten, oder sonstwie meckerig rumzublöken und ausführlich darauf hinweisen, wie dämlich die anderen sind. Ich kann sehr gut verstehen, dass es viele Fragen gibt, bei denen man innerlich die Augen verdreht, ächz, schon wieder so ein Dummbatz mit so einer blöden Frage oder Bitte - aber warum belässt man es nicht einfach beim inneren Augen verdrehen und wischt weiter zum Nächsten, der vielleicht etwas Interessantes zu erzählen oder zu fragen hat? Warum muss man sich noch die Mühe machen, zu einer Frage/Bitte, die man als blöd empfindet, seinen Senf dazuzugeben? (Der dann im übrigen ja auch kein Stück besser oder klüger ist.)
Ich verstehe diese Menschen nicht. Und es sind ja nicht einige wenige, es kommt durchaus häufig vor - zumindest unter denen, die sich überhaupt aktiv in diesen sozialen Medien bewegen.
Was genau versprechen die sich von diesem Verhalten?
Applaus? Von wem?
Zuneigung? Von wem?
Unterstützung? Ja, das könnte es sein, die suchen gezielt nach anderen Menschen, die genauso griesgrämig drauf sind wie sie selber, um sich nicht so alleine zu fühlen. Und die findet man dann natürlich genau durch solche Beiträge.
Man legt mit einem Meckerpost vor und die, die solche Beiträge mögen, mit denen kann man sich dann befreunden, die sind im Zweifel genauso einsam wie man selber und haben ein ähnliches Sozialverhalten. Doch, wenn ich so darüber nachdenke, finde ich das schlüssig.
Die allermeisten anderen, die sich danach meldeten, waren allerdings sehr nett, ich habe einige hilfreiche Tipps bekommen, am wertvollsten wahrscheinlich der, der mir sagte, dass die "offizielle" Mastodon-App schlecht ist, viele Funktionen nicht hat und man sich viel besser irgendeine andere sucht, davon gibt es mehrere im Appstore.
Ich habe mir jetzt "Icecubes" als App heruntergeladen, weil es da die meisten Funktionen dauerhaft für umsonst gibt. Wenn ich irgendwann bemerke, dass sich Mastodon zum Mittelpunkt meines Lebens entwickelt, kann ich ja immer noch auf eine professionelle Bezahl-App umsteigen, bis dahin funktioniert Icecubes aber allemal besser als die "Mastodon-App". Vorher habe ich allerdings Mastodon am PC eingerichtet bzw. benutzt und das ist schon deutlich komfortabler als alles auf dem Handy oder iPad.
Außerdem habe ich inzwischen mein Profil vervollständigt, ich weiß jetzt, wie man private Nachrichten schreibt und ich habe einen Mastodon for Beginners Film angesehen und gelernt, dass Mastodon so was wie E-Mail ist, also ein offenes Kommunikations-System und keine geschlossene Plattform wie Twitter oder Instagram oder Facebook. Mastodon gehört niemandem, so wie "E-Mail" ja auch niemandem gehört. Man braucht einen E-Mail-Account von irgendeinem E-Mail-Account-Anbieter, um an E-Mail-Kommunikation teilzunehmen, genauso braucht man einen Mastodon-Account von irgendeinem Mastodon-(server)-Anbieter, um an der Kommunikation über Mastodon teilzunehmen.
Das einzige, was mir jetzt noch fehlt, ist eine Idee, was ich denn da tröten könne, denn alles, was ich sonst so zu sagen habe, sage ich doch schon hier.
Aber schauen wir mal, vielleicht kriege ich die Kurve ja doch.
Am Nachmittag waren wir in Münster unterwegs. Erst in der Badausstellung von Elements, dann bei Mosecker und als letztes haben wir schließlich zwei Waschbecken für die beiden Gäste-Klos in Fischers Lagerhaus gekauft.

Die bringen wir jetzt dem Küchen- und Badmöbelbauer, damit er darunter passende Schränke baut.
Dieser Küchen- und Badmöbelbauer hatte uns empfohlen, als Armaturen am besten Unterputzarmaturen zu nehmen, weil die Waschbecken dann kein extra Loch bräuchten, durch das die Armatur durchgesteckt wird, was es insbesondere bei den von mir favorisierten Steinwaschbecken deutlich einfacher macht.
Außerdem hatte er gesagt, dass er welche nehmen würde, bei denen der Auf-und Zu-Mechanismus direkt am Hahn angebracht ist, weil das den allergeringsten Putzaufwand bedeutet, was mir sofort einleuchtete.
Entschieden haben wir uns deshalb jetzt für diese Armatur.
In den beiden normalen Bädern gibt es darunter ein großes, weißes Aufsatzwaschbecken unter das der Küchen-Badmöbelbauer einen Schrank baut, in den beiden Gästeklos gibt es die Steinbecken, auch mit Schrank drunter und fertig.
Die Toiletten bleiben so, wie wir sie schon vor anderthalb Jahren ausgesucht haben, die Duscharmaturen auch.
Ich habe ja lange Zeit versucht durchzusetzen, dass in unserem großen Bad neben dem Schlafzimmer zwei Toiletten nebeneinander installiert werden, weil K gerne schon mal für längere Sitzungen die Toilette blockiert, ich dagegen immer erst fünf Sekunden bevor es zu spät ist, bemerke, dass ich ganz unbedingt eine Toilette brauche. Und wenn die dann von K während einer seiner Entspannungsübungen besetzt ist, gibt es jedesmal Stress.
Ich fand deshalb die Idee, dass wir einfach zwei Toiletten nebeneinander haben, total logisch und praktisch. Der Architekt meinte, wir bräuchten zwei Waschbecken, was ich überhaupt nicht sehe - wofür braucht man zwei Waschbecken? Wir haben ja auch nur eine Zahnbürste und was macht man sonst überm Waschbecken?
Aber außer mir fand niemand, dass zwei Klos nebeneinander eine gute Idee sind, als Kompromiss haben wir uns jetzt auf ein WC und ein Bidet geeinigt, für den allergrößten Notfall wird das auch gehen und als Waschbecken nehmen wir das große Modell mit 80cm Breite.
Bidet finde ich witzig, ich habe so etwas noch nie besessen und auch noch nie benutzt, zumindest nicht in der vorgesehenen Bidetfunktion. Ab und zu war ich in Hotels, wo es ein Bidet gab, deshalb weiß ich, dass sie als Notfallausweichklo funktionieren, aber zum Füße waschen sind sie auch super, ich bin also sehr zufrieden mit unserer Kompromisslösung
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Außer dem Finden des richtigen Züchters gilt es auch die formalen Rahmenbedingungen zu prüfen bzw. zu organisieren. In Niedersachsen müssen alle Hundehalter einen "Hundeführerschein" haben, in NRW gilt das mindestens für alle Hunde über 20kg. Irgendetwas hat sich da gerade geändert, ist mir aber auch egal, Dalmatiner wiegen mehr als 20kg, wir müssen also ganz bestimmt einen formalen Sachkundenachweis nachweisen.
Ks letzter Hund war ein Rehpinscher, der allerdings schon vor mehr als 30 Jahren verstorben ist, mein letzter Hund war eine Neufundländerin, die 2007 gestorben ist. Wir haben also beide Hundeerfahrung, die aber schon etwas her ist.
Ich brauchte damals, vor ca. 25 Jahren, auch so einen Halter-Eignungsnachweis für meine Neufundländerin, den stellte mir der Tierarzt aber ohne weitere Prüfung einfach so aus, weil ich den Hund schon einige Zeit besaß bevor die Vorschrift eingeführt wurde und er meinte, er sei sich sicher, dass ich das alles weiß, was da gefragt wird. Leider finde ich das Zertifikat nicht mehr.
Deshalb habe ich mir die Theorie-Fragen samt Lösungen für diesen Eignungstest auf der Seite der Tierärztekammer runtergeladen und heute gemeinsam mit K einmal durchgearbeitet.
Rund 80% der Fragen lassen sich vor allem dadurch richtig beantworten, dass man die unerwünschten Antworten ziemlich offensichtlich ausschließen kann, bspw. hier:
116 Auf einer Hundewiese macht eine Gruppe von Kindern Picknick. Wie verhalten Sie sich,
wenn Sie mit Ihrem freilaufenden Hund dort vorbeikommen?
A. Da ich sicher weiß, dass mein Hund Kindern nichts tut, lasse ich ihn laufen.
B. Ich leine meinen Hund auf jeden Fall an, denn ich möchte nicht, dass sich andere Menschen
durch meinen Hund bedrängt fühlen oder Angst bekommen.
C. Ich rufe den Kindern laut zu, dass mein Hund nichts tut.
D. Ich erkläre den Kindern, dass picknicken in einem Hundeauslaufgebiet verboten ist und schicke
sie weg.
Diese fand ich auch ganz witzig:
98 Zwischen zwei Hunden entwickelt sich eine Rauferei. Wie sollte man reagieren?
A. Man sollte die raufenden Hunde so lange möglichst laut anschreien, bis sie aufhören sich zu raufen.
B. Man sollte sich möglichst gar nicht einmischen, sofern die Kräfteverhältnisse nicht zu extrem
unterschiedlich sind. Beide Besitzer sollten sich kommentarlos und zügig in entgegengesetzter
Richtung von den Hunden entfernen.
C. Wenn nur zwei Hunde in die Rauferei verwickelt sind, sollte man die Hunde trennen, indem man
am Schwanz oder an den Hinterbeinen zieht, und zwar gleichzeitig bei beiden Hunden.
D. Man sollte den Hund, der angegriffen worden ist, hinterher trösten und den anderen streng
zurechtweisen und bestrafen.
Vor allem Antwort d) kann ich mir richtig bildlich vorstellen :-)))
Wegen der doch nicht unerheblichen Unterschiede zwischen einem Rehpinscher und einem Neufundländer mussten wir uns auf eine Rasse einigen, die uns beiden zusagt, weil ein Mischling aus Rehpinscher und Neufundländer wahrscheinlich nur sehr selten vorkommt und uns außerdem auch nicht als der sinnvollste aller möglichen Kompromisse erschien.
Meine Vorgabe war: Nix Kleines. Ich möchte bitte einen richtigen Hund, mit dem man auch mal etwas wilder Toben kann, ohne Sorge haben zu müssen, dass der Hund kaputt geht. Und ich möchte keinen Modehund.
Ks Vorgabe war: Nicht so viele Haare und klug.
Einige Rassen schloss ich von vornherein aus, weil ich Hunde dieser Rassen kenne, wo ich den Typ Halter nicht mag, ich arbeite da durchaus schamlos mit Schubladendenken und ich möchte ganz bestimmt keinen "SUV-Hund".
Zunächst haben wir deshalb überlegt, ob nicht eine der aktuell so angesagten Pudelmischungen das richtige wäre, die gibt es in groß, Pudel sind ziemlich gelehrig und sie haaren nicht. Sie haben zwar viele Haare, die fallen ihnen aber nicht von alleine aus, sprich: es gibt keinen Fellwechsel, wie beim Neufundländer, wo ich ganze Pullover aus dem ausgekämmten Winterfell hätte stricken können, sondern man muss sie scheren.
Pudelmischungen tauchten in den letzten Jahre aber zunehmend und verdächtig häufig in meiner Umgebung auf (Hundestrand auf Borkum zB, da hat inzwischen gefühlt jeder zweite Hund diese Krüssellocken) und so strich ich diese Option auch wieder aus einer Kompromiss-Liste für möglicherweise infrage kommende Hunderassen, dieser Typ Hund wird grade zum Modehund.
Sehr viel blieb dann am Ende nicht übrig, so dass ich froh bin, dass wir uns irgendwann zufrieden auf Dalmatiner geeinigt haben. Wir wollen beide keinen erwachsenen Hund aus dem Tierheim, sondern einen Welpen von einem verantwortungsvollen Züchter, auch hier große Einigkeit. Und da wir nun beide endlich ausreichend Zeit haben, ist damit auch die Zeit gekommen, das Hundethema voranzutreiben.
Mein Problem ist regelmäßig, dass etwas "aktuell angesagt ist". Ich habe schon seit immer ein Problem mit jeder Art von "Mode" oder Massengeschmack. Wenn man mich treffsicher von irgendetwas abhalten will, genügt es, mir zu irgendetwas zu raten mit dem Hinweis "das hat man heute so". Dann will ich es absolut sicher nicht mehr. Zumindest nicht erstmalig und neu und jetzt. Schwarze Fensterrahmen gehören da zum Beispiel dazu, oder bodentiefe Fenster, lehne ich beides kategorisch ab, sowohl K als auch unser Architekt werden das sofort seufzend bestätigen.
Dabei besitze ich viele Dinge/Teile/Einrichtung/was auch immer, die in Mode sind, aber zu 98% besaß ich sie schon, bevor sie modern wurden, und in 2% der Fälle war an mir vorbeigegangen, dass es einen aktuellen Modetrend gab, als ich mich dafür entschied, weil ich es schon lange vorher schön fand.
So konnte es passieren, dass ich ein Kind habe, was einen relativen Modenamen bekommen hat, schlicht deshalb, weil ich nicht wusste, dass der Name grade trendet und ich mir ernsthaft einbildete, ich hätte ihn mir selber ausgedacht. Pech.
So besitze ich zB auch einen Thermomix, das aber schon seit über 30 Jahren (gewissermaßen das "Urmodell"), damit lange, bevor er so bekannt und schick wurde und verfolge seit einigen Jahren mit großem Amüsement, wie sich die Gegner dieses Haushaltsgerätes mindestens so überzeugt und ideologisch engagiert darüber empören wie die Omas gegen rechts. Wahrscheinlich täte ich das auch, wenn ich dieses Teil nicht rein durch Zufall gefunden und kennengelernt hätte und durch schlichtes Rumprobieren schnell von seinen Vorteilen überzeugt war.
Als wir 1996 in ein Haus zogen, in dem die Vorbewohnerin die vom Eigentümer des Hauses verlassene Ehefrau war, die keinen Bock hatte, das Haus bei ihrem Auszug besenrein zu hinterlassen, fanden wir bei Übernahme des Hauses also noch allerlei Einrichtungs- und sonstige Gegenstände vor und vereinbarten mit dem Eigentümer, dass wir behalten können, was wir wollen und den Rest einfach entsorgen.
Meinen ersten Thermomix fand ich also sozusagen im Hausmüll, freundlicherweise hatte die Ex-Ehefrau auch das entsprechende Hand- und Rezeptbuch daneben liegengelassen, so dass ich mich neugierig mit dem Gerät beschäftigte und schnell herausfand, dass es nahezu perfekt ist, um Eis zu crashen und Cocktails zu mixen (besser als jeder Hamilton Beach-Blender, den ich mir schon lange wünschte).
Dann entdeckte ich, wie wundervoll einfach ich damit Cremesuppen und Soßen herstellen konnte und wurde Fan von einem Gerät, von dem ich vorher noch nie gehört hatte. Es dauerte ein paar Jahre, bis ich herausfand, dass es inzwischen ein neues Modell gibt und dass man das nur über eine Repräsentantin beziehen kann, die wiederum dringend auf einer "Vorführung" bestand.
Ich fand das zwar albern, aber wenn das so sein soll, dann findet sich dafür auch eine pragmatische Lösung.
Da ich keine Frauen kannte, die sich für Kochen interessierten, lud ich vier Männer zu meinem Vorführabend ein, die sich für Cocktails interessierten und denen ich nebenher immer wieder neue Cocktails in meinem alten Thermomix herstellte. Es wurde ein lustiger Abend - für uns. Die arme Repräsentantin fand uns wahrscheinlich blöd, aber ich hatte ja nicht auf dieser albernen Vorführung bestanden.
Irgendwann boten wir der Repräsentantin an, dass sie den Rest ihres Menüs gerne weiterkochen könne, wir anderen gingen aber derweil schon mal in den Garten und schmissen den Grill an.
So war das damals und ich wollte ganz unbedingt den neuen Thermomix haben, weil die zweite Generation (TM21) noch mal eindeutig mehr konnte als die erste und weil es damals auch noch keine preiswerten Generikaprodukte von Lidl & Co gab.
Meinen dritten Thermomix (den zweiten aus der 2. Generation) fand ich durch Zufall auf dem Flohmarkt und kaufte ihn sofort für ca. 30% seines Neupreises, weil ich das Gerät ja kannte und liebte und weil wir eine Ferienwohnung in Frankreich hatten, in die ich bisher meinen Thermomix immer separat mitgeschleppt hatte. Ich hatte schon immer einen Hang zu einer perfekten Zweitwohnungsausstattung.
Als die dritte Generation Thermomixe (TM31) auf den Markt kam, konnte ich die Verbesserungen und Vorteile des neuen Gerätes auch sofort wieder erkennen und weil ich eh mit dem Gedanken liebäugelte, mir ein zweites Gerät (wegen Großfamilie und Mengen) zuzulegen, entschied ich mich, mir erneut so eine Vorführung anzutun, um noch mal ein Gerät direkt bei einer Repräsentantin zu erwerben.
Als wir das Haus auf Borkum kauften, wünschte ich mir ganz dringend auch für Borkum einen Thermomix der dritten Generation, denn das Gerät war mittlerweile zu meinem Standardkochgeräte für viele Lieblingsrezepte geworden. Außerdem backte ich fast täglich ein Brot und neben Mehl mahlen war vor allem das das Teigkneten im Thermomix nicht nur sehr bequem, sondern brachte auch deutlich bessere Ergebnisse als jede andere Methode, die ich alternativ hätte nutzen können.
Es gab damals noch die KitchenAid, die aber auch gehoben dreistellig kostete, dabei gleichzeitig deutlich weniger konnte, weshalb ich auf die Käufer dieser Maschinen immer nur verächtlich herab sah, Modeopfer….
Dann teilten wir die Haushalte auf, CW übernahm den alten Thermomix (TM21) ich nahm den neuen mit und alles blieb sehr lange unverändert. Irgendwann kam wieder ein neues Modell (TM5) auf den Markt, dieses hatte jetzt ein Display und "Rezeptführung", was ich ausgesprochen lächerlich fand. Ich brauche keine Rezepte, ich kann das Teil ohne Anweisung bedienen und weiß aus Erfahrung, was wie lange braucht und wie funktioniert, das neue Modell wollte ich ausdrücklich nicht haben. Dafür entdeckte ich, dass sich bei dem Vorgängermodell, also dem TM31, das ich besaß, die Gebrauchtpreise kaum noch nach Alter unterschieden. Meine beiden Geräte hatte ich ja kurz nach Markteinführung gekauft, also nutzte ich die Gelegenheit, mir bei ebay die gleichen Modelle, die ich schon hatte, noch mal zu kaufen - nur 10 Jahre jünger - und verkaufte dafür meine entsprechend älteren Modelle. Für einen kleinen zweistelligen Betrag hatte ich so meine Thermomixe um 10 Jahre verjüngt und war sehr zufrieden.
Dann passierte lange nichts. Irgendwann kam wieder eine neue Generation (TM6) heraus, ich schaute mir das Gerät an und stellte fest, dass es nicht mehr ganz so überflüssig ist wie der TM5, dass ich aber mit meinen alterstechnisch upgegradeten AltMixern aka TM31 komplett zufrieden bin und fühlte keinen Kaufbedarf.
Heute besitze ich zwar sowohl auf Borkum als auch in Greven jeweils den TM6, weil ich die Geräte geschenkt bekam, wäre aber wahrscheinlich mit den alten TM31 mindestens immer noch genauso zufrieden, denn einen wirklichen Nutzen all dieser neuen Schnickschnack-Funktionen habe ich noch nicht erkennen können, also für mich nicht, weil ich den Thermomix stets nur als höchst professionellen Blender mit Temperaturfunktion gesehen und benutzt habe - und dafür ist er meiner Meinung nach wirklich perfekt. Echte Nutznießer von den neuen Mixern, die bei uns einzogen, waren die Kinder, denn die freuten sich über meine beiden Altgeräte.
Jetzt kam grade die Ankündigung, dass demnächst ein neues Modell erscheint, der TM7, und sofort ploppten wieder die Anti-Statements auf. Der Thermomix polarisiert wie kaum ein anderes Küchengerät und ich stehe meist staunend davor.
Es gibt eine wachsende Community von Menschen (überwiegend Frauen), die den Thermomix zutiefst ablehnen und sich bei jeder Erwähnung getriggert fühlen, schmähende Verachtungsreden gegen die Thermomixliebhaber*innen zu führen.
Mich erstaunt das regelmäßig, weil ich mich durchaus als Thermomixfan bezeichnen würde, aber nicht verstehe, weshalb das gleichzusetzen ist mit "kann nicht kochen", "wirft Geld zum Fenster raus" oder "Modeopfer".
Ich besitze schließlich auch eine Spülmaschine und das nicht deshalb, weil ich nicht spülen kann, sondern weil es bequem ist. Außerdem besitze ich, ebenfalls aus Komfortgründen, eine Mikrowelle und für so ein Gerät wurden die Hausfrauen früher ähnlich verachtet. (Diese Verachtung hat sich offensichtlich totgelaufen.)
Was ich nicht besitze: Einen Kaffeevollautomaten, denn der bietet nur denjenigen einen extra Komfort, die einen Unterschied bei Cappuccino oder anderen Kaffeesorten schmecken, was mir nicht gegeben ist. Ich bin mit dem Kaffee aus der Senseomaschine vollkommen zufrieden, wenn ich die richtigen Pads reinlege. Einen Milchschäumer habe ich, aber mehr für extra Milchschaum auf dem Kakao als für Kaffee.
Für mich wäre ein Kaffeevollautomat immer mit extra Arbeit verbunden, denn schließlich müssen die Geräte aufwändig gereinigt werden. Bequemer geht es, wenn man schlicht keinen hat, dann kommt auch niemand in Versuchung, ihn zu benutzen. Kostentechnisch ist zwischen einem Kaffeevollautomaten und einem Thermomix übrigens kein sehr großer Unterschied, allerdings gelten hochwertige Kaffeeautomaten selbst bei Ökos als hippes Kulturgut, während ein Thermomix nur ein sinnfältiges Symbol für das Dahinscheiden der wahren Küchenkultur in Deutschland ist.
Ich besitze übrigens auch noch einen Handmixer (3Mix) und einen Pürierstab, denn es gibt durchaus einige Dinge, die erledigen sich besser, bequemer oder schneller mit den Handgeräten, denn auch der Thermomix muss nach Benutzung gereinigt werden und für manche (kleine) Mengen ist er einfach zu groß oder zu grob. Ich stecke ja auch nicht alles in die Spülmaschine, nur weil ich eine besitze.
Ich besitze außerdem auch viele verschiedene Küchenmesser und nur weil ich mir ein besonders großes, edles, scharfes und sehr teures Hackebeilmesser gekauft habe, wurden die anderen Messer ja nicht überflüssig.
Es gibt zig Beispiele für spezielle und auch für sehr teure Küchengeräte, aber keines wird so angefeindet wie der Thermomix, ich bestaune dieses Phänomen schon seit langem.
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So, jetzt gehen wir gleich zum Onkel, der heute seinen 80. Geburtstag feiert und dazu in eine Gastronomie eingeladen hat, deshalb dachte ich, ich erledige das mit dem Bloggen heute einfach mal früher
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Wie so oft mit Gefühlen trügt das natürlich, wenn man nicht scharf aufpasst, ist der Tag plötzlich um und man steht staunend vor all den Dingen, die man nicht getan hat und fragt sich, wo die Zeit geblieben ist.
Als ich heute meinen PC einschaltete, blieben die Bildschirme dunkel, ein Phänomen, was häufiger auftritt und heute ist mir der Geduldsfaden gerissen.
Ich habe meinen Laptop über eine Dockingstation mit zwei Bildschirmen verbunden, der Laptop selber müsste eigentlich gar nicht aufgeklappt werden, sondern sollte sich über die Dockingstation einschalten lassen und dann alles über die beiden angeschlossenen Bildschirme anzeigen. Sollte so sein, in 7 von 10 Fällen zickt aber mindestens einer der beiden Bildschirme, heute zickten beide, dann zickte ich und klemmte alles ab.
Einen Bildschirm und die Dockingstation habe ich jetzt ins Gästezimmer geräumt, den Laptop auf eine Doppelschubladenbox (erhöhter Stand) gestellt, aufgeklappt, mit dem verbliebenen Bildschirm verkabelt und jetzt läuft hoffentlich alles ohne weitere Zickereien.
Der Laptop-eigene Bildschirm ist jetzt eben mein zweiter Bildschirm und weil ich bei der Konfiguration des Rechners darauf geachtet habe, dass er ausreichend Anschlussstellen hat, brauche ich diese Dockingstation gar nicht unbedingt.
Weil ich außerdem den Rechner nicht mehr in der Gegend rumschleppe ist es überhaupt kein Problem, ihn aufwändig direkt zu verkabeln, das bleibt jegtzt so und fertig.
Sieht zwar nicht mehr so hübsch aus, aber form follows function, wenn es jetzt funktioniert bin ich komplett zufrieden.
Anschließend habe ich dann eine Zeitlang am PC gesessen, E-Mails beantwortet, pro aktiv selber welcher verschickt, Dateien abgelegt, Papierpost eingescannt, Rechnungen bezahlt und bei Krankenkasse und Beihilfe eingereicht, Buchhaltung gemacht und mich mal wieder über das total ungerechte Krankenkassensystem in Deutschland geärgert.
Wenn ich bestimmen dürfte, dann würde ich die Privatversicherung abschaffen, alle Menschen wären einheitlich in gesetzlichen Krankenkassen versichert (auch die Beamten!!!!) und wer will, kann sich für Zusatzleistungen zusatzversichern, ist aber nur ein add-on und nicht für die Grundleistungen notwendig.
Dann würde die total ungerechte Zweiklassengesellschaft bei ärztlichen Behandlungen im Wesentlichen wegfallen, alle müssten für Termine gleich lang warten (oder auch nicht) und bekämen auch die gleiche Leistung.
Was ich auch abschaffen würde, wäre dieses völlig verquere System der Kassensitzzulassungen samt ihrer seltsamen Budgetierungen. Ich verstehe nicht, warum nicht jeder approbierte Mediziner sich einfach wo er will als Arzt niederlassen kann, um Patienten zu behandeln. Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten und Tierärzte können das doch auch.
Okay, ein Arzt kann das auch, aber dann nur für Privatpatienten.
Ich habe schon verschiedene Ärzte gefragt, wo der Sinn dieser Kassenzulassungen ist, wirklich erklären konnte es mir bisher noch keiner. Angeblich will man damit verhindern, dass sich zuviele Ärzte an einer Stelle knubbeln und an anderen Stellen gibt es dann gar keine. Die Idee mag ja sinnvoll sein, aber könnte man das nicht viel einfacher über ein finanziell abgestuftes Zulassungssystem regeln?
Für die Mindestzahl an notwendigen Zulassungen pro Gemeinde können sich Ärzte bewerben und bekommen eine 100% Zulassung. Wenn es genug Ärzte an einer Stelle gibt, dann könnten sich durchaus noch weitere Ärzte daneben niederlassen, aber die bekommen dann eben nur eine 80%-Zulassung, d.h. die bekommen einfach weniger Geld für dieselbe Arbeit. Wenn sie das ungerecht finden, können sie ja aufs Land gehen, wo es noch freie 100%-Zulassungen gibt, ist ja keiner gezwungen, die überzähligen, schlechter bezahlten Zulassungssitze zu nehmen. Dass Personen auf dem Land und in der Stadt für dieselbe Arbeit unterschiedlich bezahlt werden, ist ganz normal, ich sehe darin also überhaupt kein Problem und ich bin sicher, so würde sich das ganz von alleine selbständig einregulieren, mit der Ärzteverteilung.
Aber vielleicht wäre das auch alles viel zu einfach und nicht im Sinne derer, die jetzt schon einen der wertvollen Kassensitze haben und den natürlich nicht für umsonst hergeben möchten.
Und es wäre nicht im Sinne der Beamten, denn die sind einfach so, weil es schon immer so war, Privatpatienten und genießen eine Sonderluxusspezialbevorzugungsbehandlung bei Ärzten, dass jeder, der sonst nur das normale Kassensystem kennt, nur staunen kann
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K hatte das Schreiben samt Berechnung schon vorbereitet, allerdings ist der Verbraucherpreisindex für Dezember erst seit dem 16.1.2025 veröffentlicht, vorher hätten wir es also gar nicht abschicken können. Ich habe heute noch mal die Berechnung kontrolliert, einen Rundungsfehler korrigiert, den Text etwas angepasst und mich um die Technik des Versendens gekümmert.
Es ging damit los, dass ich die passende Frankierung finden, kaufen und aufkleben musste, was wiederum bedeutet, dass erst alles ausgedruckt sein musste, um durch Wiegen festzustellen, dass es mit 23g genau kein normaler Standardbrief mehr sein wird und ich deshalb eine andere Portokategorie auswählen muss.
Mitten beim Ausdrucken meldete der Drucker Tonernotstand und verlangte nach einer neuen Tonerkartouche in Gelb. Ich habe natürlich welche auf Vorrat hier liegen, trotzdem passiert das so selten, dass ich erst mal im Internet nachschauen musste, wie genau bei diesem Drucker jetzt der Toner zu wechseln ist. In dem Zusammenhang habe ich auch gleich den Füllstand der anderen Farben überprüft, heute verlangte der Drucker nämlich zunächst mal nur den Ersatz von Yellow.
Magenta und Cyan sind ziemlich niedrig, aber die beiden habe ich auch noch vorrätig, nur schwarz fehlt im Vorrat, da ist die Kartouche im Drucker auch nur noch 1/3 voll. Eine gute Gelegenheit, um sich mit der Nachbeschaffung von Toner zu beschäftigen.
Ich habe mehrfach mit Nachmacherprodukten schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb bin ich da jetzt sehr vorsichtig geworden, die Original-Toner kosten aber auch original doppelt soviel und ich kann mich mal wieder nicht entscheiden.
Dann habe ich entdeckt, dass jemand anderthalb Multipack Original-Toner bei Ebay verkauft, weil er das Druckermodell gewechselt hat und den bisherigen Toner nicht mehr braucht. Da läuft die Auktion am Dienstag um 6.45h aus. Eventuell bin ich bekloppt genug, mir dafür einen Wecker zu stellen...
Am Abend haben wir den ausgedruckten und passend frankierten Brief sogar noch zu einem Briefkasten gebracht, der morgen früh geleert wird.
Diesen Punkt jetzt vollständig erledigt zu haben ist ein sehr gutes Gefühl.
Die Mieteinnahmen aus den Immobilien sind ein wichtiger Baustein meiner Alterseinkünfte und im Unterschied zur Rente, die sich sozusagen "von alleine" erhöht, muss ich mich hier selber um eine Anpassung kümmern. Die Indexierung der Mieten ist zwar vertraglich vereinbart, aber sie erfolgt natürlich nur, wenn der Vermieter sie auch anfordert.
Dass das Thema Rente grade jetzt im Wahlkampf mal wieder heiß diskutiert wird, ist normal, aber diesmal gibt es doch verstärkt fachlich gut recherchierte Sachbeiträge, wo die wahren Probleme für die Sicherheit der künftigen Rentner liegen. Das ZDF hatte dazu eine Dokumentation, die mir sehr gefallen hat, weil sie endlich mal genau das auf den Punkt bringt, was ich schon vor über 30 Jahren gesagt habe: Das kann rechnerisch alles einfach nicht funktionieren.
Ich habe ja vor vielen, vielen Jahren mal BWL studiert und da habe ich unter anderem auch einen Zusatzschein "Rente", also Rentenberechnung und Rentenrecht, gemacht. Seit dem war mir klar, dass es extrem naiv ist, sich nur auf seine gesetzliche Altersrente zu verlassen, denn es ließ sich damals schon ausrechnen, dass das Prinzip "Generationenvertrag" nicht zu halten sein wird, wenn die Alterspyramide kippt.
Ich habe also sehr früh begonnen, mich soweit es geht von der gesetzlichen Rente zu lösen und mich selber um meine persönliche Altersabsicherung zu kümmern. Ich konnte schon immer alles alleine ;-)
Der einfachste Weg führte aus meiner Sicht über Immobilien - und heute, 30 Jahre später, kann ich zu meiner Erleichterung feststellen, dass es funktioniert hat.
Mein Vorteil dabei war natürlich, dass ich zum einen selber eine entsprechende Menge Fachwissen hatte, was Finanzierung und steuerliche Gestaltung angeht und zum anderen hatte ich vor 30 Jahren noch CW an meiner Seite, dem es gelang, die passenden Immobilien auszusuchen und mit einer 100% Finanzierung bei den Banken zu platzieren. Das ist absolut keine Selbstverständlichkeit, das ist mir völlig klar, deshalb sage ich heute ja auch ständig, dass ich enorm viel Glück hatte.
Eine 100% Finanzierung bedeutet, dass man kein Eigenkapital einsetzt, sondern ausschließlich Bankkredite hat, die über die Mieterträge nach und nach zurückgezahlt werden. Am besten funktioniert das mit Gewerbeimmobilien, weil da die Mieten meist höher sind als bei Wohnimmobilien, dafür ist die vertragliche Gestaltung schwieriger und riskanter, weil Gewerbemieter eher schon mal Konkurs gehen als Wohnungsmieter.
Der Nachteil von Immobilien ist, dass die Verwaltung relativ viel Arbeit machen kann. K sagt immer, er findet Aktien viel angenehmer, die rufen nämlich nicht nachts an und melden einen Wasserrohrbruch, um den er sich kümmern muss.
Da es mir vor einiger Zeit gelungen ist, außer der Fabrik in Mönchengladbach auch zwei andere Immobilienbeteiligungen zu verkaufen, bin ich damit nicht nur eine sehr lästige Immobilie und eine Menge Risiko losgeworden, sondern konnte den Verkaufserlös auch noch zu einem sehr günstigen Zeitpunkt vollständig in Aktien investieren, die sich seitdem äußerst positiv entwickelt haben.
Schon wieder Glück gehabt und auch hier half mir wieder mein berufliches Fachwissen, denn seit 2010 habe ich mich beruflich immer mehr mit der Vermögensverwaltung von Stiftungen und NGO's beschäftigt, ich hatte also nicht nur das Fachwissen, sondern auch die passenden Kontakte in die Finanzwelt, um mir bei Fragen eine passende Unterstützung zu holen.
Ich werde häufiger mal gefragt, ob ich nicht anderen Menschen Tipps oder Ratschläge geben kann, wie sie Ihr Geld am besten anlegen und wie sie am besten Vorsorge fürs Alter treffen können.
Das ist etwas, was ich enorm ungerne mache, wenn es über die allgemeinen Grundlagen (=Einsatz des gesunden Menschenverstandes) hinausgeht, denn welche Anlagen sich nachher als Top und welche als Flop herausstellen - das ist leider sehr häufig reine Glückssache. Wie Pferderennwetten: Es mag helfen, wenn man sich genau in allen Abstammungslinien der Pferde, der Trainer und der Jockeys auskennt, aber eine Garantie ist es eben leider auch nicht.
Deswegen wiederhole ich so oft, dass ich vor allem Glück gehabt habe. Es hat funktioniert und das ist toll, es ist aber nicht beliebig replizierbar und es hätte auch gewaltig schief gehen können. Es gab durchaus Zeiten in meinem Leben wo ich schon begann, mich auf das worst case scenario einzurichten, aber dann drehte es sich doch wieder zum Positiven und es ging weiter.
Heute habe ich die allermeisten Risiken hinter mir gelassen, das ist ein sehr beruhigendes Gefühl und ich genieße es gewaltig.
Da ich einen Großteil meiner freien Liquidität dieses Jahr für den Hausbau in Rheda ausgeben werde, eliminiere ich damit sogar noch mehr Risiken, nämlich zum einen die weitere Entwicklung an den Börsen (wenn ich das Geld in Steine stecke, sind mir Börsenschwankungen egal) und zum anderen die Frage, wie Einkünfte aus Kapitalvermögen künftig versteuert werden, denn es wäre mehr als fair, sie endlich voll zu versteuern. Aber das trifft mich dann nicht mehr, weil ich dann ja gar keine (oder nur noch geringe) Einkünfte aus dieser Quelle habe. Die brauche ich dann aber auch nicht mehr, denn im Gegenzug spare ich die Miete, die ich jetzt in Greven bezahle.
Ich habe das mal ausgerechnet: Wenn ich 1 Millionen Euro habe und die sicher anlege, sagen wir zB in 10jährigen deutschen Bundesanleihen, dann bekomme ich aktuell dafür 2,5% Zinsen, also 25.000 Euro pro Jahr. Die muss ich aber noch versteuern. Im Moment ist der maximale Steuersatz dafür nur 26,375%, es kann gut sein, dass der demnächst voll auf den persönlichen Steuersatz übergeleitet wird, was ich wie gesagt absolut gut, richtig und fair fände, dann müsste ich dafür natürlich noch mehr als nur diese 26,375% Steuern bezahlen.
Aber rechnen wir nur mit dem aktuellen Steuersatz von 26,375%, dann bleiben mir von meinen 25.000 € Zinsen pro Jahr nur noch 18.400 € netto, also rund 1.500 € pro Monat. - Und das ist ziemlich genau die Miete, die ich nicht mehr bezahlen muss, wenn ich mir für die 1 Millionen ein Haus baue.
Ich finde, es kann keinen besseren Zeitpunkt geben, sein Geld auszugeben als grade jetzt
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Vor ein paar Tagen zeigte das ZDF eine Dokumentation über Borkum im Winter, hier in der Mediathek zu finden.
Nicht unbedingt filmpreiswürdig, aber es gibt ein paar nette Bilder von Borkum.
Außerdem habe ich vor einiger Zeit schon den Film "Ungeschminkt" in der ARD-Mediathek angeschaut, den ich wirklich sehr empfehlen kann.
Adele Neuhauser spielt auf erfrischend geerdete und lebensnahe Art eine Transfrau, das Thema Transgender wird ohne (für mich) komplizierte Psychoverwicklungen und billige Klischees angenehm selbstverständlich umgesetzt, mir hat der Film sehr gefallen.
Das Thema Genderidentifikation fasziniert mich schon seit langem, weil es mir so vollständig egal ist. Ich meine, mir ist es wurscht, ob ich eine Frau oder ein Mann bin bzw. wofür mich andere Menschen halten oder wie sie mich lesen (kicher).
In meinem Ausweis steht "weiblich", weil das mein biologisches Geschlecht ist. Wenn da ab morgen "männlich" stände, wäre das auch okay, das ändert für mich nichts an dem, was ich bin. Ich bin Anje, fertig.
CW sagte immer, ich wäre ein Mann mit Gebärmutter und machte sich regelmäßig darüber lustig, dass weder mein Verhalten, noch meine Einstellungen und Empfindungen typisch weiblich sind und dass mich gleichzeitig diese als typisch weiblich beschriebenen Verhaltensmuster von anderen Frauen meist ratlos zurückließen. Warum sind die so umständlich und so nachgiebig?
Ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, wäre ich schwul, weil ich mich üblicherweise mit Männern viel besser verstehe. Andererseits bin ich aber auch sehr zufrieden damit, dass ich offiziell eine Frau bin, ich habe dadurch deutlich mehr Vorteile in meinem Leben gehabt als wenn in meinem Pass "männlich" gestanden hätte.
Bei den Krautreportern gibt es einen Artikel von Emily Kossak, die meint "Männer können Frauen nicht lieben" und sie wundert sich, dass es überhaupt noch heterosexuelle Paare gibt und hat für sich die Folgerung getroffen, dass Frauen besser mit Frauen klarkommen.
Mich hat der Text sehr ratlos zurückgelassen, weil es mich einerseits fasziniert, warum so viele Frauen sich so viele Sachen einfach gefallen lassen und andererseits, weshalb man das als erstrebenswerte Eigenschaft betrachten sollte:
Zitat aus dem Artikel:
Warum aber macht die Heterosexualität so viele Frauen unglücklich? Naja, ihnen steht eine lästige Tradition namens Patriarchat im Weg. Patriarchat heißt, dass Männer auf allen Ebenen der Gesellschaft – Arbeit, Familie, Politik und auch Beziehungen – mehr Macht als Frauen haben. Und dafür sorgen, dass das auch so bleibt. Deswegen übernehmen Frauen mehr Hausarbeit als Männer, haben weniger Spaß am Sex und sind meistens dafür verantwortlich, dass dabei nicht aus Versehen ein Kind entsteht.
Äh ja, mag ja sein, dass das vor 50 Jahren noch so war, aber inzwischen haben die Männer weder eine gesetzliche noch eine gesellschaftlich akzeptierte Handhabe mehr, dieses seltsame Patriarchat durchzusetzen. Weshalb sollte man sich dem also heute unterwerfen?
Ich gebe allerdings sofort zu, dass ich nur sehr ungern eine Frau gewesen wäre, wenn ich fünfzig Jahre älter wäre.
Aber heutzutage ist es (aus meiner Sicht) doch ganz einfach, diese zurückgebliebenen Dummbatzen, die sich vor allem über ihre dicken Eier definieren, genau so zu behandeln, wie trotzige Dreijährige, die sich bei Aldi heulend auf den Boden werfen und schreiend nach ihrer Kack-Mama treten, weil sie ihnen das gewünschte Eis verweigert.
Ich meine, die nimmt man doch sinnvollerweise einfach nur nicht ernst. Die haben ein Problem mit ihrer Realitätsvorstellung, aber damit müssen sie wohl selber klarkommen.
Wenn meine Kinder solche Anfälle in der Öffentlichkeit austoben mussten, bin ich meist einen Schritt zur Seite gegangen und habe recht laut gesagt: "Meine Güte, du bist aber schlecht erzogen. Bestell deiner Mama mal einen schönen Gruß von mir, die muss dringend zur Erziehungsberatung, dann musst du dich anschließend auch nicht mehr in Läden auf dem Boden rumwälzen."
Und Männer, die ihre Eier für einen Mercedes-Stern halten und sich einbilden, das garantiere ihnen eine eingebaute Vorfahrt, nun ja, denen geht man einfach aus dem Weg, das mache ich ja auch bei bissigen Hunden oder neurotischen Katzen.
Es gibt glücklicherweise ausreichend nicht gestörte Exemplare der jeweiligen Gattung, denn nur weil es Hunde oder Katzen gibt, die beißen oder kratzen, heißt das doch nicht, dass ich nicht mit einem Haustier gut zusammen leben kann - und nur weil es bekloppte Männer gibt, muss ich mich doch nicht sofort von allen Männern pauschal fern halten.
Ich habe noch nie verstanden, warum sich so viele Frauen so viel von Männern gefallen lassen - aber vielleicht bin ich ja auch gar keine richtige Frau, weil mir das Demutsgen fehlt. Und das Opfergen. Ich kann halt einfach immer alles alleine.
Andererseits bin ich aber auch kein richtiger Mann, weil ich es lächerlich finde, schwächere Menschen beherrschen zu wollen.
Mit mir stimmt also ganz offensichtlich etwas nicht, weil ich sowohl die typisch weibliche als auch die typische männliche Seite ziemlich dämlich finde. Meine Folgerung daraus: Mir ist es egal, wie andere mich sehen, ich bin eben Anje, eine nach außen gerichtete geschlechtliche Identifizierung, die für andere wichtig sein mag, hat für mich keine Bedeutung.
Und genau deshalb kann ich es nicht verstehen, warum Leute so große Unannehmlichkeiten auf sich nehmen, nur um einen nach außen gerichteten Geschlechtseintrag zu ändern.
Meine Suche, nach einer für mich nachvollziehbaren Erklärung treibt mich immer wieder dazu, mich mit dem Thema Genderidentifikation zu beschäftigen.
Meine Tochter, mit der ich mich auch darüber unterhalten habe, sagte, ich wäre "nonbinär", ich habe das bei Wikipedia nachgelesen und bin der Meinung, diese Bezeichnung trifft es auch nicht. Nonbinär ist alles mögliche, aber die Beschreibung, dass es jemandem schlicht egal ist, welcher Gendertypus er sein könnte, das kommt unter nonbinär auch nicht vor.
Am besten ist es, ich führe "Anje" als viertes Geschlecht ein, das wäre doch mal ein Vorhaben
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Jetzt hat er den 10. und letzten Teil seiner Serie veröffentlicht und weil ich zahlendes Krautreportermitglied bin, darf ich den Link zu dem Artikel teilen.
Wie du dein wahres Selbst findest (koste es, was es wolle)
Yoran erklärt hier sehr schlüssig die Hintergründe unserer Konsumsucht und unserer Konsumgesellschaft.
Seitdem die Menschen überwiegend aufgehört haben, ein gottesfürchtiges Leben zu leben, brauchten sie ein neues Leitbild. Das Drama begann mit der sogenannten Aufklärung, also gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
" Erst in der Folge der Aufklärung, die den Menschen sich selbst überließ, mussten moralische Ideale, da sie ja nun nicht mehr von einem Gott herabgereicht wurden, irgendwo anders herkommen: aus dem Menschen selbst. Diese Vorstellung entstand tatsächlich erst Ende des 18. Jahrhunderts. Bis dahin war ein gutes Leben ein moralisches Leben, und das meinte ein Gott wohlgefälliges."
Weil es jetzt also nicht mehr reichte, einfach ein bescheidenes, gottesfürchtiges Leben zu führen, was vor der Aufklärung den Sinn des Lebens und überhaupt alles erklärte, 42 sozusagen, brauchte es neue Werte und vor allem einen neuen Sinn.
Diese Werteverschiebung führte gradewegs an die Spitze der Maslow'schen Bedürfnispyramiden - wer heutzutage ein wahrhaft sinnerfülltes Leben führen will, muss sich selber verwirklichen. Nix mehr Gott, selbst ist der Mensch und um diese Einmaligkeit zu definieren, muss er natürlich auch Werte schaffen, die unmittelbar ihm persönlich zugeordnet werden, z.B. also seinen persönlichen Geschmack, seine Vorlieben und seine Abneigungen. Und wie zeigt man das treffender als durch individuellen Konsum? Eben.
Ich habe während ich den Artikel las, ständig zustimmend und teilweise auch verblüfft ob dieser simplen Erkenntnis vor mich hingenickt. Ja, die zwanghafte Suche nach und Zurschaustellung der eigenen Persönlichkeit beschreibt die Menschen unserer heutigen Geselllschaft sehr treffend - und sehr gruselig.
Die Menschen sind heute nicht mehr davon abhängig, einem unsichtbaren, allmächtigen Gott zu gefallen, sondern sie müssen heute ihrem sozialen Umfeld gefallen.
Wie schrecklich ist das denn, bitte schön?
Und weil das ungleich komplizierter ist als einfach nur ein einfaches, gottesfürchtiges Leben, bei dem man die Regeln genau kennt und wenn man die befolgt ist alles gut, nein, heutzutage weiß man ja gar nicht so genau, wie und auf welche Art man leben und seine eigene Authentizität entwickeln soll. Und weil das alles so viel komplizierter und belastender geworden ist, steigt logischerweise auch die Zahl der Menschen, die ob dieser Belastung verzweifeln - und depressiv werden. Sie fühlen nicht genug. Sie fühlen sich nicht genug, was auch immer, es geht ihnen schlecht.
Das wird übrigens in dem Artikel nicht weiter ausgeführt, aber ich halte das für eine völlig natürliche Erklärung.
Herr Yoran hat allerdings ein konkretes Ziel im Blick:
"Da uns exzessiver, durch Konsum definierter Individualismus überhaupt erst an den Punkt gebracht hat, an dem der ganze Planet existenziell gefährdet ist, muss die Diskussion über das gute Leben geführt werden."
Er stellt verschiedene Diskussionsmodelle vor und ich kann gedanklich jedem nur zustimmen. Wie wir das allerdings hinbekommen sollen, dass unsere (westliche) Gesellschaft sich solchen Forderungen beugt, da fehlt mir noch die passende Phantasie - auch wenn es alles absolut vernünftig wäre
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Nächstes Jahr beginnen endgültig die nächsten 15 Jahre, wenn wir alle beide nicht mehr ins Büro gehen müssen und uns nur noch um uns selber und das, was uns Spaß macht, kümmern müssen und auf diesen Abschnitt bin ich schon enorm neugierig.
Wieder wird alles anders, wieder weiß ich nicht, was mich genau erwartet, ich weiß nicht, wie es mir gefallen wird, wie ich mich verändern werde und vor allem weiß ich nicht, ob meine jetzige Vorstellung, wie es werden könnte und wie ich mich dazu und dabei verhalten werde, ob ich diese Vorstellung auch in der Zukunft belastbar umsetzen kann.
Sich nur noch um das zu kümmern, was einem Spaß macht - das klingt so traumhaft, so unwirklich, so jenseits der aktuellen Wirklichkeit unserer Gesellschaft, die vor allem Realitäten bereithält, die einem alle überhaupt gar keinen Spaß machen, dass ich durchaus Bedenken habe, ob meine Vorstellungen diesmal nicht zu sehr nur Traumtänzereien sind, zu viel "Wünsch dir was" und zu wenig "So isses".
In der Vergangenheit passte meine Vorstellung von dem, wie ich mich zu dem, was passieren wird, verhalten werde, dagegen meist ziemlich gut, ich drücke mir also selber die Daumen, dass es mir auch diesmal, mit meinem letzten aktiven Lebensabschnitt gelingen wird, meine jetzigen Vorstellungen irgendwie in den Alltag zu übertragen, ich glaube, das Wichtigste wird sein, sich über all das, was eben nicht mehr funktioniert, auch nicht aufzuregen.
Ich erinnere mich noch gut, wie sehr ich mit Anfang und Mitte 20 belächelt wurde, als ich meine Theorien zum Thema Kinderhaltung zum Besten gab. Für mich ging es nämlich nie um Kindererziehung, weil ich von Erziehung im klassischen Sinne nichts halte, meiner Meinung nach wird der positive Einfluss, den Eltern auf ihre Kinder haben, komplett überbewertet. Mit negativem Einfluss können sie es ihren Kindern dagegen sehr schwer im Leben machen, ich habe meine Aufgabe als Mutter deshalb eher in einer Form von Kinderhaltung gesehen. Ich war dafür zuständig, dass sich die Kinder so frei und selbstständig entwickeln konnten, wie es im Rahmen der sonstigen Umstände nur möglich war und dass ich als Mutter sie maximal wenig dabei störte.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder nicht dümmer sind als Erwachsene und als überzeugter Anhänger der Mendel'schen Vererbungslehre war ich auch immer der festen Überzeugung, dass meine Kinder nicht dümmer sind als ich.
Der eingebaute Rechner, der die Leistung und Kapazität ihres Könnens steuert, ist ab Geburt vorhanden, nur die Software ist noch nicht vollständig installiert und es müssen natürlich noch Unmengen an Daten geladen werden. Das aber passiert sowieso ganz von alleine, wenn der eingebaute Rechner funktioniert und schnell genug getaktet ist, um damit eine brauchbare Leistung abrufen zu können.
Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass es für die Kinder ein Vorteil ist, wenn sie bevormundet werden, weshalb ich ihnen so weit wie möglich stets eine maximale Freiheit gewährt habe. Rückblickend sind die Kinder heute enorm stolz auf ihre harte Kindheit, denn grade weil ihnen nie etwas verboten war, konnten sie sich nie mit Unwissen oder Trotzreaktionen rechtfertigen. Allen Unsinn, den sie veranstaltet haben, mussten sie auch selber verantworten.
Ich habe zwar auf sie aufgepasst, aber immer mit so viel Abstand, dass sie es so wenig wie möglich merkten und fühlte mich vor allem dafür zuständig, das Schlimmste zu verhindern und ihnen den Arsch zu retten, wenn sie sich selber mit Schwung in die Kacke geritten hatten und feststeckten. Natürlich nicht ohne ausreichend Spott und Bemerkungen wie "und ich sag noch….".
Es war bei uns deshalb nie etwas konkret verboten, aber ich habe ihnen natürlich Ratschläge gegeben à la "hmm, was du da vorhast, das halte ich nicht für eine gute Idee. Ich sehe da dieses oder jenes Problem oder Risiko." Wenn sie es dann trotzdem taten und es passierte das, was ich vorhergesagt hatte, dann durften sie ihr Scheitern gründlich auskosten, bevor ich ihnen half, sich aus dem Schlamassel zu befreien. Per Saldo führte das dazu, dass sie mit zunehmendem Alter zunehmend auf meine Ratschläge hörten, sie hatten ihre Erfahrungen mit Widerstand eben früh genug schon gemacht. Ich hatte deshalb wenig Probleme mit Teenagern und Pubertät, da waren sie längst alt und erfahren genug, um meine Ratschläge freiwillig ernst zu nehmen.
Und ungefähr diese Grundhaltung für den Umgang mit Kindern habe ich schon früh propagiert, weil ich es schon immer für alle Beteiligten das Erfolgreichste und das Sinnvollste fand, wenn man sich gegenseitig respektiert, mit der Betonung auf gegenseitig. So lange ich keine eigenen Kinder hatte, bekam ich von den weisen älteren Menschen darauf dann immer nur zu hören: "Warte, bis du selber Kinder hast. Das ist nämlich alles nicht so einfach, wie du dir das vorstellst." - Nun, als ich dann selber Kinder hatte, war es exakt so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte, ich durfte mich nur weder an die althergebrachten noch an die allgemein geltenden Regeln halten, sondern musste meine eigenen leben. Was heute, rückblickend betrachtet, sehr gut funktionierte, was aber damals viele nicht glauben wollten und ich wurde viele Jahre sehr kritisch und abwertend von anderen Müttern angesehen.
Was den kommenden Lebensabschnitt angeht, habe ich wieder ziemlich andere Vorstellungen von meinem Alltag als das, was man gemeinhin so von Rentnern erwartet. Weder habe ich vor, eine Weltreise zu machen, noch freue ich mich auf Enkelkinder und kleiner setze ich mich im Alter auch nicht. Im Gegenteil, ich baue ein neues Haus mit allem Pipapo und ziehe dafür auch noch mal um in eine für mich völlig unbekannte Gegend.
Ich freue mich darauf, neue Menschen kennenzulernen, mir einen neuen Lebensrhythmus zu suchen und Dinge auszuprobieren, die ich noch nie getan habe. Ich bin sehr zuversichtlich, dass einiges davon gewaltig schief gehen wird, aber das ist nicht schlimm, es wird insgesamt hauptsächlich lustig, davon bin ich fest überzeugt
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Ich wundere mich seit 20 Jahren, dass das nicht schon längst passiert ist, aber nun gut, jetzt ist es ja endlich soweit. Wer sich für die passenden Links interessiert: Croco hat da was zusammengestellt.
In fünf Tagen, am 5.12. ist wieder Klaasohm, der NDR hat seine Reportage natürlich passend kurz vorher gesendet und jetzt geht es hier grade hoch her.
Ich stehe mit einer großen Portion Popcorn an der Seitenauslinie, gucke zu, wie sich die Gemüter erregen und finde es höchst amüsant. Ich gehe davon aus, dass es das jetzt war, mit der alten Tradition, spätestens ab nächstem Jahr gibt es nur noch Klaasohm light.
Für echte Borkumer ist Klaasohm der höchste Feiertag des Jahres, an dem einem recht alten Brauchtum gehuldigt wird, das noch aus der der Walfängerzeit der Insel stammt.
Früher wurden alle Informationen zu diesem Brauch wie in einer Freimaurerloge vollständig unter Verschluss gehalten, nur echte Borkumer durften überhaupt teilnehmen und es gehörte zu den Ehrenpflichten eines jeden echten Borkumers, dass man nicht darüber redete.
Das mit dem echten Borkumer wurde im Laufe der Jahre etwas verwässert. Früher war die Definition einfach: Nur wer als Geburtsort Borkum in seinem Ausweis stehen hatte, war ein echter Borkumer. Alle andere waren Zugezogene. Intern unterschied man deshalb zwischen Insulanern (das sind die Menschen, die dauerhaft auf der Insel leben) und Borkumern.
Borkumer bleibt man übrigens auch, wenn man nicht mehr auf der Insel lebt, dann ist man Butenbörkumer, und auch die zieht es am 5.12. magisch zurück in die alte Heimat.
Als dann aber irgendwann in den 70ern oder 80ern, ich weiß gar nicht genau wann, das örtliche Krankenhaus keine Geburten mehr durchführte, mussten alle Insulanerfrauen zur Entbindung aufs Festland. Plötzlich wurden also keine echten Borkumer mehr geboren, die kamen fortan alle in Emden auf die Welt. Blöd, was den Nachwuchs anging für den traditionellsten Traditionsverein der Insel, den Verein Borkumer Jungens, der auch die gesamte Klaasohmfeierei organisiert.
Der Verein musste seine Statuten ändern, denn ursprünglich war Aufnahmekriterium für eine Mitgliedschaft in diesem Verein, dass man eben Borkum als Geburtsort in seinem Ausweis stehen hatte.
Heute muss man so und soviele Jahre auf Borkum gelebt und hier zur Schule gegangen sein, ich bin über die Änderung in den Vorschriften nicht so genau informiert, weil ich meine Informanten, den Vater und den Onkel, beide "echte Borkumer" mit Borkum als Geburtsort im Ausweis, nicht mehr präzise danach gefragt habe, was sich an den Aufnahmeregeln im Jungsverein inzwischen geändert hat.
Geblieben ist auf alle Fälle die Regel, dass nur unverheiratete Männer aktives Mitglied im Jungsverein sein dürfen, da bin ich sehr sicher, dass das noch gilt.
Klaasohm gab es in meinem Leben schon immer und in meiner Jugend war Klaasohm einfach ein Männerfest. Die Jungs wollten unter sich sein, gewaltig saufen und sich prügeln, Frulüd hatten da nichts zu suchen und ich hatte auch wirklich niemals den Drang, da mitzumachen. Um die Frauen auf Abstand zu halten, wurden sie kurzerhand von den durchs Dorf ziehenden Klaasohms verhauen, wenn sie eine sahen, das wussten die Frauen und deshalb blieb man, wenn man gescheit war, auch sinnvollerweise diesen einen Abend im Jahr einfach sicher zu Hause.
Natürlich gab es immer ein paar unbelehrbare, widerspenstige oder sonstwie auf Krawall gebürstete Frauen, die dann grade deshalb, weil es mit Ärger verbunden war, am Klaasohmabend auf die Straße gehen mussten.
Ich persönlich reagiere mit Trotz und Widerstand und einem aktiven "jetzt erst recht-Verhalten" auf jedes Verbot, Klaasohm hat mich allerdings nie getriggert, denn es war ja nicht verboten als Frau unterwegs zu sein, es war nur dämlich, weil man extrem schlechte Chancen hatte, da unverhauen durchzukommen.
Ich persönlich hatte also nie ein Problem mit diesem Brauch und mich mit einer Meute sturzbesoffener, aufgepeitschter Jungs auseinanderzusetzen war auch nie etwas, was mich aktiv gereizt hat, ich bin dem Ganzen einfach immer weiträumig aus dem Weg gegangen.
Mitbekommen habe ich es natürlich trotzdem, der Onkel war lange Jahre Vorsitzender des Jungsvereins und selber auch zweimal aktiv als Klaasohm unterwegs, der Vater selbsternannter Heimatforscher, es blieb nicht aus, dass ich schon früh weit mehr über dieses Fest wusste als ich hätte wissen dürfen. Aber vielleicht fand ich es auch grade deshalb stets sehr langweilig, Jungs machen sowieso oft langweilige Dinge, es gibt überhaupt keinen Grund, dass man da bei allem dabei sein muss und Massenbesäufnisse waren ja nun auch noch nie mein Fall.
Für die Jungs schien es aber immer schon ein irgendwie identitätsstiftendes Initiationsritual zu sein, bei Klaasohm mitzulaufen. Wer an Klaasohm nicht besoffen ist, ist kein Borkumer, lautet deshalb auch ein Spruch, der sicherlich mehr als nur ein bisschen gesellschaftspolitischen Druck auf eine ansonsten von vielen Nachteilen betroffene Gruppe von Menschen ausübt. Auf der Insel hält man zusammen - oder ist verloren.
Klaasohm ist also traditionell ein reines Männerfest zur Stärkung der Gemeinschaft und der internen Hackordnung, die Jungs verkleiden sich als wilde Kerle, saufen sich bis obenhin zu und prügeln sich dabei. Fremde möchten sie nicht dabei haben, die machen alles nur noch komplizierter, die wollen eventuell Dinge diskutieren, die man nicht diskutieren möchte, weil es schon immer so war, und überhaupt ist man auf der Insel ja sowieso permanent und dauernd von Fremden umgeben, weil man vom Tourismus lebt, weshalb der Drang, wenigstens einmal im Jahr etwas nur für sich und ohne Rücksicht auf irgendwelche fremden Leute zu machen, groß ist.
Den Rest des Jahres ist Rücksichtnahme auf die Gäste alleroberste Priorität. Ich bin aufgewachsen mit dem Spruch meiner Oma: Erst kommen die Gäste, dann kommen noch mal die Gäste, dann kommt ganz lange Zeit gar nichts, und dann schauen wir mal, was noch übrig bleibt.
Ich persönlich habe also absolut volles Verständnis für Männer, die sich, mit der Absicherung der Tradition im Hintergrund, an diesem einen Tag einmal zusammen mit öffentlich vorgesehener Prügelei ungehemmt die Kante geben können und dabei ihren Aggressionen freien Lauf lassen. Enjoy.
Die Beiträge, die da grade im Netz kursieren, sind übrigens in ihrer Gewichtung alle ziemlich verschoben. Eigentlich und rein traditionell geht es nicht darum, Frauen zu verhauen, sondern die Klaasohms prügeln sich untereinander. Es gibt ja sechs einzelne Klaasohms, die mit ihrem Gefolge quer durchs Dorf ziehen und an verschiedenen Häusern anhalten, um etwas zu trinken. Wenn sich dabei unterwegs zwei Klaasohms begegnen, müssen die sich prügeln, um klarzustellen, wer der Stärkere ist. Dass sich das in den letzten Jahren immer mehr auf die Jagd nach Frauen verlagert hat, liegt daran, dass immer mehr Frauen mitmachen und es witzig finden, sich jagen zu lassen. Wie gesagt, früher war das anders, aber wen interessiert das schon.
Und genau deshalb ist es mir persönlich auch ziemlich schnurz, wie das nun ausgeht, mit der Tradition und dem Brauchtum versus political correctness und öffentliche Meinung. Die werden sich da jetzt schon irgendwas zurechtfaseln und dann werden die Regeln geändert, was aber wurscht ist, weil sich die Regeln in den letzten Jahren schon ganz von alleine in eine Richtung geändert haben, die nicht lange gut gehen konnte - wie gesagt, ich wunderte mich schon seit Jahren, dass sich da bisher noch niemand aufgeregt hat, aber nun ist es ja passiert und dann warten wir mal ab, wie es weitergeht
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Seitdem ich in den letzten Jahren beruflich sehr viel mit vielen verschiedenen Politikern zusammenarbeiten musste, ist meine Achtung vor dieser Spezies immer weiter gesunken.
Diese Blicke hinter die Kulissen waren eindeutig nicht dazu geeignet, mein Vertrauen in die Kompetenzen und Handlungen der zuständigen Menschen zu stärken, so dass ich mich schon zum Schutz meines eigenen Seelenheils lieber nicht mit Politik egal welcher Ausrichtung beschäftige.
Und eine eigene Meinung habe ich auch nicht, denn das einzige, von dem ich zutiefst überzeugt bin, ist, dass es kompliziert ist und dass jede Richtung nicht nur schlechte oder nur gute Seiten hat, sondern dass es in jeder Situation auch immer viele gegensätzliche und trotzdem gleichzeitig nachvollziehbare Gründe, Haltungen, Entscheidungen, Aussagen gibt - und ganz viele individuelle, persönliche und menschliche Macken der handelnden Personen, die zu teilweise völlig irrationalen - oder eben rationalen, wenn man die individuelle Persönlichkeit berücksichtigt - Ergebnissen führen.
Aus all diesen Gründen möchte ich nichts mit Politik und noch viel weniger mit Politikern zu tun haben.
Deshalb habe ich mich wenig für die Wahlen in den USA und genauso wenig für das Gezanke in der Ampel interessiert, dass aber auf beiden Schauplätzen heute so fulminante und unerwartete Ergebnisse mit einem Paukenschlag sozusagen gleichzeitig die Nachrichtenkanäle überschwemmten, die daraufhin komplett ins Schleudern gerieten und gar nicht mehr wussten, wie und was sie jetzt berichten sollen, das fand ich immerhin dann doch witzig.
Dass sich die Amis mehrheitlich für Herrn Trump entschieden haben, kann ich aus Sicht der Mehrheit der Amis durchaus verstehen, ob Herr Trump in seiner zweiten Regentschaft allerdings ihre Erwartungen erfüllen wird, wage ich massiv zu bezweifeln, aber was weiß ich schon, ich interessiere mich ja nicht.
Die Wertpapiermärkte sind auf alle Fälle sehr zufrieden mit der US Wahl und da ich ja den Verkaufserlös aus der Fabrik komplett in (überwiegend) US-Aktien investiert habe, hat mein Depot heute dann mal bemerkenswert fünfstellig zugelegt, es ist alles eine verkehrte Welt.
Dass Herr Lindner dann ausgerechnet heute die Ampel gesprengt hat, passt zu meiner abgründig schlechten Meinung über diesen Herrn und seine Partei - auch wenn ich persönlich genau zu der Klientel gehöre, die die FDP ständig versucht zu fördern. Gleichzeitig fehlt mir aber auch jedes Verständnis, warum grade die vermögenden Leute weiter unterstützt werden müssen, denn wenn jemand auch ohne Unterstützung vom Staat klarkommen kann, dann doch wohl diejenigen, die mehr haben als die anderen, oder? Ich finde sowohl die FDP als auch ihre Klientel insgesamt nur peinlich.
Aber wie auch immer - jetzt hat es sich ja ausgeeffdepeht, ich persönlich finde das völlig okay, habe aber Sorge, dass es nach den Neuwahlen noch viel schlimmer wird. Wahrscheinlich nicht für mich - aber für viele Deutsche, die sich im Laufe der Zeit daran gewöhnen werden müssen, dass es hier nach und nach vorbei ist mit der guten alten Zeit.
Doch auch hier gilt, ich interessiere mich nicht genug, als dass ich eine belastbare Meinung haben sollte, insofern warten wir doch einfach mal ab, wie das alles nun weitergeht
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